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Thema: [SGU] Blutvergiftung

  1. #1
    Young-Fan Avatar von Mason
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    Standard [SGU] Blutvergiftung

    Willkommen zur nächsten Kreation von Teyla-Nick94 und mir!
    Viel Spaß beim Lesen!

    Titel: Blutvergiftung
    Autoren: Mason und Teyla-Nick94
    Serie: SGU (angelehnt an die Folge „Epiloge“ der zweiten Staffel)
    Charaktere: Hauptsächlich Colonel Young, Dr. Rush und TJ. Die anderen aber auch ein bisschen.
    Disclaimer: SGU gehört nicht uns sondern MGM. Geld wollen wir mit der FF nicht verdienen, sie dient der reinen Unterhaltung.
    Danksagung: War wie immer schön mit dir zusammen zu arbeiten, Teyla-Nick94! Freue mich schon auf neue Ideen.


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    Blutvergiftung

    PROLOG:


    Alle bis auf Rush waren auf einem Planeten, welcher der Erde sehr ähnelte, gestrandet. Von Rush und der Destiny gab es kein Lebenszeichen mehr. Die gestrandeten Menschen hatten nur sehr wenig von ihrem Hab und Gut dabei und nach einigen Wirrungen beschlossen sie, hier ihr Lager zu errichten. Dieser Planet – sie hatten ihn Novus getauft – würde ihr neues Zuhause werden. Die Reise zurück zur Erde war beendet.

    Das errichtete Camp war mehr als einfach gestrickt. Als Schlafmöglichkeit mussten die einfachsten Mittel genügen; ein Dach über dem Kopf gab es lediglich in Form von gespannten Planen oder Dingen, die man dafür zweckentfremdet hatte. Dazu kam, dass auch die medizinischen Mittel stark reduziert waren. TJ hatte kaum etwas mitnehmen können und von dem, was sie hatte, war einiges auch noch zu Bruch gegangen. Kurz gesagt, die Lebensqualität war auf ein Minimum beschränkt und es galt im wahrsten Sinne des Wortes von Null zu beginnen.

    Einige Tage waren sie bereits hier. Über das Camp war die Dunkelheit hereingebrochen und Colonel Young hatte sich bei der Waldarbeit eine tiefe Wunde am rechten Schienbein zugezogen. Nun saß er an einem der kleinen Lagerfeuer und musste sich von TJ verarzten lassen. Zum Nähen der Wunde nutzte sie eine provisorisch hergestellte Nadel und den dicksten Zwirn, den man je gesehen hatte. Als TJ die nächste Masche durchzog, stöhnte Young vor Schmerz auf.

    „Du gönnst dir nicht genug Ruhe“, strafte sie ihn.
    „Das tut niemand.“
    „Die anderen folgen nur deinem Beispiel“, konterte die Sanitäterin und zog die nächste Naht. Young konnte nicht mehr anders. Hatte er bis eben noch um sich abzulenken wahlweise in die Gegend geschaut oder zu TJ, so musste er jetzt doch auf Nadel und Faden blicken. „Was ist das? Die Fäden, was ist das?“
    „Sehnen von einem dieser Tiere, die Greer erledigt hat. Die Nadel könnt ein wenig besser sein, hm?“ Mit einem Lächeln der Entschuldigung schaute TJ ihren Vorgesetzten an. Und der lächelte zurück, nahm es ihr nicht übel, so arbeiten zu müssen. Obwohl es höllisch wehtat. „Es war das Beste, was Brody so kurzfristig machen konnte“, fügte TJ in Bezug auf Brodys Nadel etwas verlegen an. Einen Augenblick lang verloren sich die Blicke des Colonels und der Sanitäterin in den Augen des Gegenübers, frühere Gefühle schwappten wieder hoch.

    Bis Varro ans Lagerfeuer trat. Mit einer Axt und frisch geschlagenem Holz unterm Arm blieb er stehen und fragte: „Sind Sie okay?“ Damit meinte er den Colonel.
    Young schaute hoch, während TJ weiter nähte. Nicht ganz wahrheitsgemäß antwortete er: „Ja, bin ich.“
    „Bei all diesen ganzen Bauarbeiten müsst ihr vorsichtiger sein.“
    TJ schaute Young demonstrativ an und meinte weiter: „Übertreibt es nicht, gönnt euch auch mal etwas Ruhe.“ Ohne darauf zu reagieren, verlor sich der Colonel erneut in ihren Augen.
    In Varro stieg leichte Traurigkeit auf. Es schien, als würde er TJ doch nicht für sich gewinnen können. Unglücklich schaute er beide an, sagte „Okay, ich werde darauf achten“ und setzte seinen Weg fort.

    Kurz darauf war TJ mit der Näherei fertig. Mit ihrem Taschenmesser schnitt sie das Ende ab und schaute sich die Naht noch einmal an. Nicht perfekt, aber immerhin war die Wunde zu. „Das wars. Pass ein wenig auf und achte auf Infektionen.“
    „Verstanden“, erwiderte Young und stand auf. Als er sein rechtes Bein bei den ersten Schritten belasten wollte, verzog er sofort wieder das Gesicht und stöhnte vor Schmerz auf. Alles an seinem Schienbein schien sich in sämtliche Richtungen zu ziehen. Er würde da noch eine ganze Weile was von haben, das wurde ihm schlagartig klar.

    Vorsichtig machte er noch ein paar Schritte, bis TJ ihn aufhielt. Seit sie alle hier gestrandet waren wollte sie Young auf etwas ansprechen, war bisher aber nicht dazu gekommen. Sie kannte ihn mehr als gut genug, um zu ahnen, was in dem Mann vorging. Vor den anderen zeigte er sich zuverlässig, mutig und stark – wie immer. Aber TJ konnte zwischen den Zeilen lesen; seine Augen waren für sie wie ein offenes Buch. Seit feststand, dass dieser Planet, der der Erde sehr glich, ihr endgültiges neues Zuhause war, hatte tiefe Niedergeschlagenheit den Colonel erfasst. Noch mehr als zu Zeiten auf der Destiny.

    Jetzt, da niemand in der Nähe zu sein schien, nutzte sie ihre Chance. TJ zog ihn zu sich heran und meinte leise: „Hör mal. Niemand wirft dir etwas vor. Es ist nun mal wie es ist. Wir sind hier und haben noch unser ganzes Leben vor uns. Mach das Beste daraus.“
    Damit hatte sie Youngs wundesten Punkt erwischt, den sie neben dem Verlust ihres gemeinsamen Babys erwischen konnte. Um Fassung ringend schaute Young eine ganze Weile zu Boden. Dann schluckte er und schaute TJ wieder in die Augen. „So einfach?“
    „Nein. Aber sich jeden Tag damit rumzuschlagen, macht es nur noch schlimmer.“ Dann, ganz langsam, kamen sie sich näher. Erneut spürten beide die alte bekannte Spannung zwischen sich.

    Von seinem Nachtlager aus konnte Varro sehen, wie sich der Colonel und TJ küssten. Er wusste, TJ hatte gewählt und sich für Young entschieden. In der Hoffnung, diese Niederlage schnell und gut verdauen zu können, legte Varro sich missgestimmt schlafen.

    Die Nacht verlief für Young ziemlich unruhig. Immer wieder wurde er wach, weil er entweder wahnsinnigen Durst hatte oder seine Wunde juckte. Nur schwer gelang es ihm, sich davon abzuhalten an der Stelle zu kratzen. Irgendwann, er nahm mal wieder einen Schluck aus seiner Feldflasche, kam ihm die Idee, die Wunde zu kühlen. Als er sein Hosenbein etwas nach oben schob und mit der angefeuchteten Hand die Wunde berührte, erschrak er. Erstens tat es weh und zum Zweiten war sie ungewohnt warm. „Naja“, dachte er sich „wird wohl alles noch ein wenig empfindlich von der Näherei vorhin sein…“ Dann legte er sich nieder und versuchte, wieder einzuschlafen.



    Fortsetzung folgt...


  2. #2
    Young-Fan Avatar von Mason
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    KAPITEL 1:

    TAG 1

    Keine Erholung

    Der nächste Tag verlief wie die bisherigen auf diesem Planeten. Jeder war beschäftigt. Es galt, das Lager zu verbessern, noch mehr Holz zu sammeln, die Gegend zu erkunden, Nahrung zu suchen und so weiter und so weiter. Natürlich war auch Young wieder voll bei der Sache. Allerdings fühlte er sich nicht wirklich gut. Ihm war schon beim Aufstehen reichlich warm gewesen und die innere Unruhe der vergangen Nacht hatte ebenfalls Spuren hinterlassen. Er fühlte sich schlapp und müde. Dazu kam, dass sein Bein immer schmerzempfindlicher wurde. Aber wie es seine Art war, ignorierte er alles, ließ sich nichts anmerken und schuftete noch mehr wie die anderen.

    Zum Nachmittag hin wurde es noch schlimmer. Young schob seine innere Hitze auf die Schufterei. Den ganzen Tag über hatte er wieder Holz gehackt - fürs Feuer und bessere Unterkünfte - war sonst wohin und rauf geklettert um was auch immer zu bekommen, hatte geschleppt was es zu schleppen gab, hatte zwischendurch erledigte Aufgaben abgenommen und neue Aufgaben verteilt - kurz gesagt, für eine Pause war überhaupt keine Zeit geblieben.

    Irgendwann, er hatte gerade wieder Scott, Brody und James mit Frischholz ins Camp geschickt, hockte er sich völlig aus der Puste hin und trank aus seiner Flasche. „Verdammt, ist mir warm“, gestand er sich ein. „Wie können die anderen noch in voller Montur arbeiten…?“ Nachdenklich zog er wieder sein Hosenbein hoch, um sein Schienbein zu begutachten. Er hatte sich den ganzen Tag lang schon zusammen gerissen, um nicht zu humpeln. „Scheiße…“ Die Wunde war noch druckempfindlicher geworden, strahlte Wärme aus und war rund etwas angeschwollen. Zaghaft berührte Young die Naht und zuckte heftig zusammen. Sich den Schweiß von der Stirn wischend, begann er plötzlich zu frieren. „Was ist denn nun los…?“ Wie in der Nacht packte ihn wieder die Unruhe. Young schaute sich um. Aber niemand war da. Gott sei Dank war er noch immer allein. Die anderen durften nicht sehen, dass es ihm nicht gut ging. Als Vorgesetzter durfte er nicht wegen solch einer Kleinigkeit ausfallen. So eine kleine Wunde konnte ihn nicht umhauen. Ganz sicher nicht. Erneut wischte er sich den Schweiß vom Gesicht, der sich schon wieder gebildet hatte. Und das, obwohl er sich seine dickste Winterjacke wünschte, so kalt wie ihm war. Hastig nahm er noch einen weiteren Schluck aus seiner Flasche bis diese leer war. „Das auch noch…“ Als er hörte, wie sich Scott und James gut amüsiert wieder näherten, schob er seine Gedanken schnell beiseite, zog das Hosenbein wieder runter, sprang auf und tat so als wäre alles in bester Ordnung. Genug geschwächelt.

    Einige Stunden später hatte sich Youngs Zustand noch mehr verschlechtert. Während er mit anderen zusammen gearbeitet hatte, hatte er immer mal die doppelte Anzahl der Leute gesehen, die um ihn herum wuselten. Erst hatte er geglaubt, es würde an dem Schweiß liegen, der ihm in die Augen tropfte. Aber als es sich wiederholte und ihm schon nach kurzen Momenten des Innehaltens eiskalt wurde, beschlich ihn ein seltsames Gefühl. Getrunken hatte er schon lange nichts mehr. Dementsprechend groß war sein Wunsch nach was Flüssigem. Und die erste Stelle, die ihm einfiel, war der See, der ganz in der Nähe plätscherte. In der Hoffnung so etwas Zeit für sich allein zu finden, entschuldigte er sich und steuerte den Bach an. Niemand ahnte, dass es dem Colonel nicht gut ging. Er hatte es vor allen geheim halten können.


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    Am See

    Young hoffte vom Wald aus die kürzeste Strecke zum See zu finden. Jetzt, so allein, konnte er endlich dem Schmerz in seinem rechten Bein nachgeben und begann zu humpeln. Young fühlte sich immer elendiger und irgendwann war sein Blick so vernebelt und er so verwirrt, dass er nur noch raten konnte wo der richtige Weg entlang führte. Ihm war, als würde er in einer Sauna wandern, so heiß war ihm. Young stolperte weiter, konnte sein rechtes Bein kaum noch belasten. Es brannte. Und wie es brannte. Immer weiter bahnte er sich den Weg durch den Wald. Warum hatte er Idiot sich vorhin nicht einfach etwas Wasser von Scott oder jemand anderen geborgt? Er hätte sich doch diese Müherei ersparen können! Aber am Bach gab es auch Wasser. Also musste er dorthin. Youngs Gedanken gingen kreuz und quer.

    „Sie wissen, dass das ne richtig blöde Idee ist?“, sagte plötzlich jemand.

    Schweißgebadet und mit rasendem Herz blieb Young stehen und schaute sich um. Aber da war niemand. „Hallo?“ Young lauschte eine Weile. Nichts. Nur das Rascheln des Waldes. Dann schüttelte er den Kopf und stolperte weiter. Er musste sich verhört haben, ganz klar.

    „Sie sollten zurückgehen.“

    Wieder diese Stimme! Der Colonel hielt erneut inne und schaute sich um. Aber in der aufkommenden Dämmerung war niemand zu sehen. Dazu kam das Gefühl, durch gewelltes Glas zu blicken. „Hallo? Ist da wer?“ Aber wieder kam keine Antwort. Young hätte schwören können, dass da jemand etwas gesagt hätte! Völlig verwirrt, kaum noch fähig sich vor Kraftlosigkeit auf den Beinen zu halten aber den See endlich im Blick, arbeitete Young sich weiter vorwärts. Der Durst wurde immer unerträglicher.

    „Drehen Sie um und gehen Sie zurück ins Camp, Colonel!“

    Mit einem Male erkannte Young die Stimme. Der Tonfall war scharf und eindeutig, aber genauso ruhig und bedacht. Er kannte nur einen Menschen, der so eine Tonlage drauf hatte. Erst recht ihm gegenüber. „Rush? Sind Sie das?“ Völlig verwirrt blieb Young stehen, hielt sich das bis oben hin pochende Bein und wischte sich über die Augen. Und dann sah er ihn! Dr. Nicholas Rush. Aber, Rush war doch tot…. war doch…. Das konnte nicht sein. Aber es war so. Youngs verschwommener Blick erfasste Rush und Young taumelte unsicher weiter. Er konnte es kaum glauben. Rush schien ihm das letzte Stück bis zum See deuten zu wollen.

    „Haben Sie mich nicht verstanden?“

    Nicht mehr fähig, einen klaren Gedanken fassen zu können, stolperte Young über einen Ast, fiel der Länge nach hin und verzog das Gesicht. Sein Hirn ließ ihn nur noch an das eine denken. „Wasser…“ Young war, als würde er innerlich austrocknen. Verzweifelt hob er den Kopf. Sein Blick fiel wieder auf Rush. Der schien jetzt mit hoch gekrempelten Hosenbeinen im Wasser zu stehen und wild zu gestikulieren, als wäre etwas nicht in Ordnung.

    „Colonel! Stehen Sie gefälligst auf! Sie müssen zurück, hören Sie!“

    Nur mit großer Kraftanstrengung gelang es Young, wieder hoch zu kommen. „Wasser…“ Seine Stimme war nur noch ein Murmeln. Den Blick starr auf den rettenden See gerichtet, schlurfte er die letzten Meter durch den Sand. Sein rechtes Schienbein brannte so sehr, dass er es mehr hinter sich herzog als vernünftig aufzutreten. Er schaffte es gerade bis zur Wasserkante, dann fiel er erneut vorn über und versenkte den Kopf kraftlos im kühlen Nass. Rushs traurigen Blick konnte er nicht sehen.

    Es schien einige Zeit vergangen zu sein, als Young wieder etwas hörte.

    „Colonel…“, sprach Rush ihn an, „Colonel!“

    Erschrocken hob Young den Kopf und rieb sich die Augen. Und dann erkannte er wieder, wer zu ihm sprach. „Rush… was?” Der Colonel hatte das Gefühl, dass Rush mitten im Bach auf (!) dem Wasser stehen würde. Aber das war ihm egal. Rush war hier, tatsächlich und leibhaftig. Er war also nicht tot, sondern sehr lebendig! Auch wenn er seine Differenzen mit dem Wissenschaftler hatte, aber das der Mann nun lebend vor ihm war, das erfreute ihn doch. Young wollte weiter zu ihm.

    Während Young immer weiter ins Wasser ging, sagte er: „Rush, sie verdammter Hund! Sie leben! Sie haben ja keine Ahnung was für Sorgen wir uns um Sie gemacht haben! Wir hatten schon gedacht Sie endgültig abschreiben zu können.“ Doch der Wissenschaftler sagte nichts mehr. Er starrte den Colonel einfach nur an.
    Durch die plötzliche Stille irritiert, schaute Young auf. „Rush?“ Doch der Wissenschaftler war nicht mehr da. „Rush? Wo… wo sind Sie?“ Young war mittlerweile bis zu den Knien im Wasser. Mühsam drehte er sich um sich selbst, suchte nach dem Mann, den er eben doch noch gesehen hatte. „Rush? Das ist jetzt nicht lustig!“ Dann zwangen ihn die leichte Strömung und eine plötzliche Schwindelattacke in die Knie. Young drohte das Gleichgewicht zu verlieren, und vom Wasser mitgerissen zu werden.

    „Sie hätten auf mich hören sollen und zurück zum Camp gehen sollen“, hörte er auf einmal wieder die besorgte Stimme Rushs.

    Young suchte nach der Quelle, nach dem Punkt, von wo aus der Wissenschaftler zu ihm gesprochen hatte. Aber da war nichts, oder doch? Völlig verwirrt stapfte Young durchs Wasser. Sein Herz schien doppelt so schnell zu pumpen wie gewöhnlich. „Rush?“ Da! War er da eben nicht am Ufer gestanden? Irgendwie mühte sich Young Richtung Ufer.

    „Helfen Sie….“ Youngs Blick verschwamm. Kraftlos sank er auf den feuchten Boden, das Gesicht halb im Sand, und blieb regungslos liegen.


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    Der Fund

    Es war bereits Abend, als auch die Letzten wieder im Camp eintrudelten. Für heute war genug gearbeitet worden. Kleine Grüppchen versammelten sich um die Lagerfeuer. Es war Zeit fürs Abendessen. Es gab irgendwas, was an Hase erinnerte. Scott biss genüsslich in sein Stück, als Chloe fragte: „Wo steckt eigentlich der Colonel?“
    „Der kommt bestimmt auch gleich. Ist wieder der Letzte, der aufhört“, stichelte Brody. Camile sah besorgt in die Runde. „Ist euch auch aufgefallen, wie blass er heute aussah? So wie ich es sehe, könnten alle mal einen freien Tag gebrauchen.“ Die Unterhaltung ging noch eine ganze Weile.
    Als alle fertig waren, sprang Lisa Park auf. „So, Kinder. Ich hol noch mal frisches Wasser. Hat wer Lust mitzukommen?“
    „Ich geh mit“, meldete sich Greer breit grinsend, als er gerade Steine ablud, die er als Begrenzung für das Lagerfeuer geholt hatte. TJ musste lachen: „Warum wundert mich das jetzt nicht…“ Greer zwinkerte ihr zu und rannte Lisa hinterher, die schon losmarschiert war.

    Sich gegenseitig mit den gebastelten Holzeimern neckend, schlenderte das junge Glück zum See. Nichts ahnend, was sie dort erwartete. Bis Lisa plötzlich in ihrer Bewegung stockte. „Ron?“
    Der sah sie, noch immer amüsiert, an. „Was denn? So böse war der Witz doch gar nicht.“ „Ron! Sieh mal da unten!“ Greer folgte ihrem Blick und seine Miene wurde wieder ernst. Da unten, halb im Wasser und vom selbigen immer wieder umspült werdend, lag ein Mann. „Colonel Young!“, rief Greer aufgebracht und stürmte ans Ufer. Park hinterher.

    Unten angekommen, ging Greer in die Knie und drehte den regungslosen Offizier um. Eine Gesichtshälfte war teilweise mit Sand bedeckt. Hastig packte er Young an den Armen und zog ihn komplett aus dem Wasser. Als Lisa bei Greer angekommen war, rang sie um Luft, bekam es mit der Angst. „Ist er… ist er…“
    „Hol die anderen, Lisa! Schnell!“ Sofort raste die Wissenschaftlerin Richtung Camp. Die Eimer ließ sie einfach bei Ron liegen. Greer kümmerte sich inzwischen um seinen Vorgesetzten. Young hatte ordentlich Wasser geschluckt, das nun wieder raus musste. „Nun kommen Sie schon, machen Sie mir keinen Ärger, Colonel.“

    Kurz darauf kam Lisa zurück. Mit TJ und Scott im Schlepptau. Vanessa James, Camile, Varro, Eli und Brody waren im Camp geblieben, damit nicht noch mehr Unruhe aufkam. Die Sanitäterin ließ sich neben Young nieder und fühlte dessen Puls. „Was hat er sich nur dabei gedacht?“, fluchte sie, als Youngs Augenlider flackerten. „Everett! Everett, kannst du mich hören?“
    „TJ…“ Young spuckte etwas Wasser, hustete und rang nach Luft.
    „Es wird alles gut, keine Sorge“, sprach sie ihm gut zu. Um es dem Colonel etwas zu erleichtern, nahm Greer dessen Kopf und bettete ihn in seine Arme.
    „TJ, ich hab Rush gesehen…“, brachte Young mühsam hervor als er endlich wieder genug Luft hatte, „ er ist hier…. Irgendwo.“
    TJ tauschte Blicke mit den andern. Dann wandte sie sich stirnrunzelnd wieder dem Colonel zu: „Everett, Rush ist nicht hier. Das weißt du doch. Er ist…. Er ist nicht hier.“
    „Aber er hat mit mir geredet, TJ.“ Young hustete erneut.
    „Was hat er gesagt?“, fragte Scott, während die Sanitäterin Young weiter untersuchte, der alles über sich ergehen ließ. Er war viel zu matt, um sich zu beschweren.
    „Er hat gesagt…. gesagt, ich solle zurück zum Camp“, brachte Young mühsam hervor.
    „Dann frag ich mich, warum du nicht auf ihn gehört hast!“, schalt die Sanitäterin ihn keine Sekunde später.
    „TJ…. ich bin nicht verrückt… er war wirklich da…“, beteuerte Young, bevor er nochmal husten musste.
    „Ich hab auch nie gesagt, dass du verrückt bist, Everett.“

    Als TJ auf sein rechtes Bein fasste, stöhnte der Colonel schmerzhaft auf. Sie sah ihn skeptisch an und entschied sein Hosenbein aufzuschneiden, um nachzusehen. „Herzlichen Glückwunsch, mein Bester. Da hast du ja ganze Arbeit geleistet.“ Die genähte Wunde war wieder ein Stückchen aufgeplatzt, schimmerte in einem schicken Rot, genauso wie ein großflächiger Bereich drum herum. Und geschwollen war es auch noch. Young hob seinen Kopf an um zu sehen was TJ da machte, doch Greer drückte ihn einfach wieder runter. Zudem legte Scott noch seine Hand auf seine Brust um ihm klar zu machen, dass sie ihn nicht hoch lassen würden.
    „Hey!“, maulte Young, gab sich dann aber doch geschlagen. TJ untersuchte das Schienbein, wollte wissen, ab wo ein Druckschmerz kam. „Au! Lass das!“, muckte Young schon bald wieder auf.
    „Everett, was hast du da nur angestellt, verdammt!“, fluchte sie. Ihre Stimmung sank tief in den Keller. Greer, Lisa Park und Scott schauten sie fragen an, während TJ Youngs Stirn fühlte. „Du hast Fieber. Hohes Fieber. Wahrscheinlich glaubst du auch deswegen, Rush gesehen zu haben.“ Young wollte etwas erwidern, doch TJ ließ ihm gar nicht die Zeit dazu.
    „Ron, Matt? Meint ihr, ihn bis ins Camp zu bekommen?“
    Die Männer bejahten und halfen Young auf die Beine. Der drohte vor Schwäche prompt wieder zusammenzusacken. Also nahmen die zwei Soldaten Young in ihre Mitte und legten sich dessen Arme um die Schultern. „Na kommen Sie, Colonel. Ab ins Lager mit Ihnen“, sprach Scott seinem Vorgesetzten zu, dem der Kopf kraftlos vorn über hing. Langsam und bedacht machten sie sich auf den Rückweg. Lisa und TJ schnappten sich die Eimer - das Wasser durfte ja trotz aller Aufregung nicht vergessen werden.

    Im Camp angekommen, verfrachteten sie Young direkt in dessen Nachtlager und versorgten ihn. TJ blieb noch eine Weile bei ihm, verband sein Bein und lagerte es etwas erhöht. „Immer wieder was Neues“, murmelte Camile kopfschüttelnd als man sie informiert hatte. Dann kam auch TJ dazu.
    „Und?“, schauten sie alle beistehenden fragend an.
    „Die Wunde ist wieder etwas offen und hat sich entzündet. Wer weiß, wie sein Bein im Wasser gelegen hat. Förderlich war es jedenfalls nicht. Dazu hat er Fieber. Ich kann nur hoffen, dass die Medikamente anschlagen, die ich Gott sei Dank noch hatte.“
    Chloe stutze: „Worauf willst du hinaus, TJ?“
    Die Sanitäterin ließ sich erschöpft auf die kleine Holzbank nieder, die vor drei Tagen gebaut worden war. „Wenn wir Pech haben, bekommt er eine Blutvergiftung… wenn es nicht schon so ist.“ Geschockt mussten auch die anderen sich setzen. Wenn es wirklich so kam, standen unruhige Zeiten bevor.



    Fortsetzung folgt...

  3. Danke sagten:


  4. #3
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    *Freu* Etwas neues von Euch, schön.

    Die Armen, da sind sie auf einem Planeten gelandet auf dem es mal wieder nichts gibt und die Versorgung ist mehr als fraglich, vor allem die Medizinische. Das kann ja nur Probleme geben.

    Sag ich ja, Probleme....! Eine komische Nadel, Fäden aus Sehnen von einem Tier... oh man, das ist nicht sehr steril. Das gibt bestimmt Probleme.

    Aber selbst in solchen Situationen blitzen doch wieder alte Gefühle zwischen Young und TJ auf, schön.
    Aber armer Varo...!

    Der arme Col. Young, trägt mal wieder die ganze Last er Verantwortung alleine auf seinen Schultern, denkt er zumindest.
    Er sollte etwas davon abgeben. Denn ein Mann alleine geht daran zugrunde. Und TJ hat es bemerkt, da sie mit dem Herzen sieht.

    Es ist ja schön, dass sie einen Erdähnlichen Planeten gefunden haben, aber eben nur ähnlich. Bin doch sehr gespannt, was sie aus der Situation noch alles machene werden.

    Und wieder habe ich recht, die Wunde ist hard und heiß. D.h. sie ist entzündet, oh man und das ohne genug Penicillin oder, das kann ja heiter werden.

    Toll, Euer Prolog der neuen SG-U FF, dankeschön! Bin sehr neugierig wie es weitergeht!

    Novo, das sagt mir was, auch wenn ich SG-U erst einmal gesehen habe, so weiß ich doch das sie wirklich auf diesem Planeten gelandet sind. Zumindest in einer parallelen Welt oder?


    Ah, da ist ja auch schon das erste Kapitel...

    Armer Col., da sieht er sogar Rush in seinem Fieberwahn. Das ist kein gutes Zeichen, oh man.
    Gott sei Danke wurde er ja noch hoffentlich rechtzeitig von den Anderen gefunden.
    Ich hoffe, Tj kann ihm helfen und er hört diesmal auf sie. Besser wärs!!!

    Das war auch wieder ein tolles Kapitel, dankeschön Ihr zwei!
    Geändert von John's Chaya (11.08.2011 um 23:00 Uhr)
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  5. Danke sagten:


  6. #4
    Rush Freak Avatar von teyla-nick94
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    Zitat Zitat von John´s Chaya Beitrag anzeigen
    Novo, das sagt mir was, auch wenn ich SG-U erst einmal gesehen habe, so weiß ich doch das sie wirklich auf diesem Planeten gelandet sind. Zumindest in einer parallelen Welt oder?
    Als Telford in der Folge 2x12 Twin Destinies versucht hatte, die Erde anzuwählen, war er der Einzige gewesen, der es dorthin geschafft hatte. Die andern waren aufgrund diverser Komplikationen 2000 Jahre in die Zeit zurück gereist und auf eben diesem Planeten gelandet, wo sie von neu anfangen mussten.

    Als die Crew dann in 2x17 Common Descent auf einen Planeten geht, treffen sie ja dort auf eine Kolonie Menschen - ihre Vorfahren

    Schön, dass dir die neue FF gefällt




    Young: For the sake of the crew
    Rush: For the sake of the crew




    3x Gold, 5x Silber, 9x Bronze ein Gutschein für einen Beziehungsberater, ein paar grüne Topflappen, 1 Zitronentörtchen, 1 von Michaels Schokoriegeln, 1 Eis, Einen Tok’Ra zum Selbstausbrüten in Stargate in den Mund gelegt

  7. Danke sagten:


  8. #5
    Young-Fan Avatar von Mason
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    KAPITEL 2:


    Die Nacht wurde für Young ziemlich unruhig. Immer wieder überkamen ihn wirre Träume. Wenn er davon wach wurde, verhielt er sich allerdings ruhig. Seiner Meinung nach hatten seine Leute schon genug für ihn getan, da sollten sie wenigstens die Nacht für sich haben. Also versuchte er unauffällig liegen zu bleiben, seinen Herzschlag zu normalisieren und schnell wieder einzuschlafen.


    TAG 2

    In den frühen Morgenstunden wurden aus den wirren Träumen allerdings waschechte Probleme.



    Lebendig begraben

    Als Young die Augen öffnete, empfing ihn Dunkelheit. Nur in sehr schwachem Licht konnte er seine Umgebung wahrnehmen. Er lag auf dem Erboden, spürte die Unebenheiten der Erde, die kleinen Steinchen, die sich in seinen Rücken drückten. Doch da war noch etwas; von oben. Kam da etwa die Decke runter? Young kniff die Augen zusammen um mehr zu erkennen. Tatsächlich! Die Decke kam immer näher! Panisch versuchte er sich zu bewegen, aber sein Körper gehorchte ihm nicht. Nicht mal den kleinen Finger konnte er rühren. „Hilfe!“, schrie Young verzweifelt.
    Seine Atmung raste, sein Puls schoss in die Höhe. Gleich würde ihn diese meterdicke Erdwand begraben, ihn komplett zumauern bis er nicht mehr atmen könnte und qualvoll ersticken würde. In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Wie war er nur hierher gekommen? Er musste hier raus! Doch als er seine Augen wieder nach oben richtete, sah er mit Schrecken, dass die Wand nur noch wenige Zentimeter von ihm entfernt war. Er schloss die Augen und drückte die Lider so fest zusammen, wie es ihm möglich war. Er wollte nicht so sterben, nicht so…

    „Colonel! Colonel, machen Sie die Augen auf! Colonel, Sir!“, schrie Scott aufgebracht. Er war gerade vorbei gelaufen, als er mitbekommen hatte wie sich der Colonel unruhig hin und her wand und heftig atmete. Große Schweißperlen hatten sich auf seiner Stirn gebildet, sein Shirt war bereits durchgeschwitzt. Scott hatte versucht ihn zu wecken, doch der Colonel reagierte einfach nicht. Aus schierer Verzweiflung klatschte der Lieutenant ihm mit der flachen Hand an die Wange. „Colonel Young! Verdammt, machen Sie die Augen auf! Das ist ein Befehl!“
    Und wie durch ein Wunder gehorchte der Mann. Verwirrt drehte er den Kopf von einer Seite auf die andere, musste sich neu orientieren. Young war völlig außer Atem. „Alles okay, Colonel, alles okay“, beruhigte ihn Scott. Erschöpft döste Young wieder ein. Scott wachte noch einen Augenblick an dessen Seite, dann ging er besorgt zu TJ.


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    Einige Zeit später – es war mittlerweile Vormittag – wurde Young wieder wach. TJ saß bei ihm und strich ihm sanft über die Wange. „Na, wie geht’s dir?“, fragte sie aufmunternd. „Bestens“, murmelte er mit kratziger Stimme. Er fühlte sich wie zerschlagen, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. Von seinem Alptraum erzählte er TJ nichts. Er hoffte, Scott würde es ebenfalls verschweigen. Doch als er die Sorge in TJs Augen sah, verwarf er die Hoffnung wieder. Young beschlich das Gefühl, dass sie bereits eine ganze Weile bei ihm hockte, vielleicht sogar kurz nach seinem Einschlafen nach besagtem Alptraum.

    Besorgt checkte die Sanitäterin seinen Puls. Er raste, trotz flacher Atmung. TJ legte ihre Hand auf Youngs Stirn, hielt sie anschließend an seine Wange. „Dein Fieber ist ganz schön gestiegen. Was macht dein Bein?“
    „Sag du es mir“, versuchte Young zu scherzen.
    Als TJ die Decke zur Seite schlug, konnte sie schon erkennen, dass sich die Schwellung ausgebreitet hatte. Vorsichtig löste sie den Verband und Young zuckte zusammen. Die Infektion sah böser aus. „Verdammt…“, seufzte TJ. Vorsichtig taste sie das Bein ab, bis Young wieder vor Schmerz aufstöhnte.
    „Muss das denn sein?“, maulte er, die Luft geräuschvoll einziehend. TJ presste das letzte Gel aus ihrer Tube, verband das Bein erneut. Erst als sie damit fertig war und das Bein wieder zudeckte, stieß Young die angestaute Luft aus. Es hatte mehr wehgetan als er zugeben wollte.

    TJ überredete ihn gerade etwas zu essen, als Camile und Greer dazu kamen. „Wie fühlen Sie sich?“, fragte Camile.
    Young mühte sich auf seine Ellenbogen und log, dass sich die Balken bogen: „Mir geht’s gut.“
    „Ja, so sehen Sie auch aus“, rutschte es Greer raus, der rasch noch ein „Sir“ hinzufügte. Young strafte ihn mit strengem Blick. „Macht schon mal weiter“, wandte er sich wieder an Camile, „ich komm gleich nach.“
    „Du gehst nirgends wo hin, mein Lieber“, mischte sich TJ im Befehlston ein. Dass der Colonel aber auch immer weiter machen wollte!
    „Ich kann es mir nicht leisten hier faul rumzuliegen, TJ. Es ist schon bald Mittag und es gibt noch genug zu tun. Du weißt selbst wie es hier aussieht.“
    „Das ist mir sowas von egal! Ich weiß noch nicht genau, wie schlimm dein Bein ist. Und mit Fieber in den Knochen wird erst recht nicht gearbeitet. Also halt die Klappe und bleib liegen. Sonst setzt es was!“ Wütend drückte sie Young von dessen Ellenbogen runter, damit er wieder lag. Camile und Greer zogen die Köpfe ein und tauschten Blicke. Seit wann fauchte TJ in dieser Art? Selbst Young fiel nichts mehr ein. Auch er merkte, dass mit der Frau nicht zu scherzen war.

    Den Tag musste Young also im „Bett“ (wenn man es denn so nennen vermochte) verbringen. Aber statt besser, ging es ihm immer schlechter. Er bekam Schüttelforst, dann wieder Fieberschübe. Wenn er denn mal eingeschlafen war, schreckte er kurz darauf hoch und brauchte eine Weile um wieder zu wissen wo er war. TJ setzte sich immer wieder zwischendurch an seine Seite, legte einen kühlen Lappen auf seine fiebrige Stirn, gab ihm etwas zu trinken, leistete ihm Gesellschaft.


    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX


    Carmen

    Zum Mittag hin wurde es richtig heftig. Young hatte begonnen sich im Schlaf unruhig hin und her zu wälzen und Unverständliches vor sich hin zu brabbeln. Chloe, die gerade bei ihm saß, versuchte alles Mögliche um den Colonel zu beruhigen. Doch es half nichts. Statt irgendwann verschreckt aufzuwachen, wurde Young immer unruhiger. Chloe war froh, dass Greer dazu kam und das lädierte Bein im Griff hielt, damit Young es nicht noch mehr verletzten konnte. Camile, die auch noch dazu kam, wollte Chloe eigentlich ablösen. Aber als sie die Lage, sowie die verzweifelten Blicke von Chloe und Greer sah, machte sie auf dem Absatz kehrt um TJ zu holen.

    Im Eiltempo erreichte sie Youngs Lager. Chloe machte sofort den Platz frei und TJ nahm seinen Kopf liebevoll in die Arme. Er glühte fast vor Fieber. Unentwegt redete sie beruhigend auf ihn ein, wischte ihm immer wieder den Schweiß von Stirn, Gesicht und Hals. Und endlich, endlich begann sich Young langsam zu beruhigen. Seine unruhigen Bewegungen wurden weniger und er hörte auf vor sich hinzubrabbeln. Es wunderte Chloe nicht ein Stück, dass er sich bei TJ wieder etwas entspannte. Gemeinsam saßen sie eine Weile bei ihm.

    Dann, als TJ seine Hand ihn ihre nahm und liebevoll streichelte, öffnete Young die Augen. „Hey du“, sprach TJ ihn sanft an. „Wie fühlst du dich?“
    „Kalt“, murmelte dieser mit zittriger Stimme.
    Greer besorgte sofort weitere Decken, sodass TJ den Colonel bis oben hin richtig einmummeln konnte. „Es wird alles wieder gut, okay?“ Young begann am ganzen Körper zu zittern, bekam Schüttelfrost. Noch bevor TJ Greer erneut losschicken konnte, sah sie im Augenwinkel, wie dieser bereits zum lodernden Lagerfeuer spurtete um etwas zu holen. Und sie wusste auch was. Zu ihrem Sorgenkind sagte sie: „Greer holt dir was Warmes zu trinken. Dir wird gleich wieder warm.“ Young nickte dankbar, bekam kein Wort mehr heraus.

    Etwas später dämmerte Young wieder weg. Es beruhigte ihn, dass TJ bei ihm war. Er spürte, wie sie ihm immer wieder die Stirn abwischte, ihm schlückchenweise etwas zu trinken einflößte, sicher ging, dass er schön zugedeckt blieb. Young verlor jegliches Zeitgefühl, hörte mal ganz nah, mal in weiter Ferne Stimmen, war allerdings unsicher wer sich unterhielt oder ob er gemeint war. Er wusste nicht, wie lange er so da lag, er wusste nur, dass ihm auf einmal heiß wurde. So heiß, dass es vor seinen Augen zu flimmern begann. Nach dem Schüttelfrost kam nun wieder ein ordentlicher Fieberschub.

    Young öffnete die Augen. Er sah, wie jemand bei ihm saß. Ein kleines Kind, mit langen blonden Haaren. Es saß einfach nur da und sah ihn aus ihren süßen blauen Augen an.

    „Carmen…“

    TJ sah verdutzt auf. Hatte sie sich eben verhört? Oder hatte Young tatsächlich eben den Namen ihrer verstorbenen Tochter ausgesprochen? „Everett?“, sprach sie ihn an. Doch der nahm sie nicht wahr.

    Vor seinen Augen war das kleine Kind. Es hatte ein bezauberndes Lächeln um die Lippen, als sie ihm ihre Hand entgegen streckte. Young wollte die Hand ergreifen, doch er erreichte sie nicht. Dabei war sie doch ganz nah. Aber wenn er seine Hand nach ihr ausstreckte, schien sie unendlich weit weg zu sein. Young wollte aufstehen, wollte zu Carmen. Doch irgendwas drückte ihn und seine Hand wieder runter.

    Es war TJ, die sanft auf ihn einredete: „Bleib lieben, Everett. Es wird gleich besser.“

    Jetzt war Carmen genau vor ihm, sprach ihn an. Aber sie schien nun älter zu sein. Vielleicht acht oder so. Sie sah so wunderschön aus. Ihr blondes Haar war lang und die reinen blauen Augen strahlten ihm entgegen. Ihm, ihrem Daddy. Young könnte schwören, ein Lächeln auf Carmens Lippen gesehen zu haben.

    „Carmen…“

    TJ war am verzweifeln. Young schien von ihrer Tochter zu fantasieren. „Ich bin ja bei dir, Everett. Ganz ruhig…“ Aber Young blieb nicht ruhig. Sein Fieber stieg und er begann wieder unruhig zu werden.

    Young sah wie Carmen aufstand.

    „Nein…“

    Er wollte nicht, dass sie ging.

    „Carmen…geh nicht…“

    „Was ist denn?“, fragte Camile alarmiert. Sie hatte mitbekommen, dass etwas im Busche war und ging nun besorgt neben TJ in die Hocke.
    „Es geht ihm schlechter“, erklärte TJ, schaute verzweifelt zu Camile und erklärte weiter: „Er fantasiert und sieht sein… unser Kind vor sich.“
    Erschrocken presste sich Camile die Hand vor den Mund. „Oh Gott“, dachte sie, „bitte nicht…“
    „Soll ich sie ablösen?“, fragte sie mitfühlend. TJ schüttelte den Kopf. „Nein, es geht schon. Er braucht mich jetzt.“ Camile nickte anerkennend, kniete sich wortlos neben das verletzte, hoch gelagerte Bein des Colonels und passte auf, dass er es nicht bewegte. Der wurde immer unruhiger, wühlte fast schon die Decken bei Seite. Mit einer freien Hand half sie TJ ihn wieder zu zudecken, während die Sanitäterin dem Colonel weiterhin gut zuredete und den Schweiß abwischte. Er sah furchtbar aus.

    Young machte wieder Anstalten, sich aufrichten zu wollen. Flimmernd sah er, wie sich Carmen von ihm entfernte, das Lagerfeuer anstrebte.

    „Nicht…“

    Er streckte die Hand aus, dieses mal um sie zurück zu halten.

    „Bleib bei… mir…“

    Doch Carmen ging immer weiter.

    „Bleib… hier…“

    TJ ergriff Youngs ausgestreckte Hand, drückte sie fest an sich. Dicht neben seinem Ohr gebeugt, flüsterte sie ihm zu: „Ich bin hier, Everett. Ich gehe nicht weg.“ Dann strich sie ihm beruhigend durch die schweißnassen Haare und legte ihm einen weiteren kühlen Lappen auf die Stirn.
    „Gibt’s denn gar nichts, was wir tun können?“, fragte Camile, die besorgt auf den Colonel schaute.
    „Nicht viel. Holen Sie bitte Tee. Er braucht etwas Warmes.“

    Camile beeilte sich und war schnell mit dem gewünschten zurück. Sofort griff TJ nach dem Becher, hob Youngs Kopf ein wenig an, und versuchte ihm etwas einzuflößen. „Hey, mach schon. Trink das…“ Mit unendlicher Fürsorge versuchte sie ihn zum Schlucken zu bewegen. Und wie sie es die letzten Stunden getan hatte, redete sie immer wieder auf den Colonel ein. Die Sanitäterin sorgte sich immer mehr. Young bekam im Wechsel Fieberschübe, dann wieder Schüttelfrost. „Wir müssen ihn ruhig bekommen damit er merkt, dass er halluziniert.“

    Als Young die glasigen Augen wieder ein Stück weit auf brachte, glaubte er wieder Carmen vor sich zu sehen. Wieder war sie um ein paar Jahre gealtert. Aber sie war noch genauso schön wie als Kind, hatte definitiv die strahlende Schönheit ihrer Mutter geerbt. Und dann sah er, wie Carmen als Teeny ausgelassen um das Lagerfeuer tanzte. Young wollte zu ihr, wollte ihre Fröhlichkeit teilen.

    „Carmen…“ Der Colonel hörte einfach nicht auf zu halluzinieren und hauchte immer wieder Satzbrocken vor sich hin.

    „Dad, jetzt komm schon. Lieg da nicht so faul rum. Mach mal mit!“, forderte seine Tochter ihn auf.
    „Bin… bin gleich da…“, murmelte Young und wollte aufstehen. Doch eine unsichtbare Kraft hielt ihn zurück.
    „Dad?“


    „Pass auf… nicht so… dicht… Feuer…“

    „Ich pass schon auf. Bin doch kein kleines Kind mehr.“
    Endlich, endlich hatte Young es geschafft die unsichtbare Barriere zu überwinden. Er stand auf und ging seiner fröhlichen Tochter entgegen. Die fiel ihm laut lachend um den Hals. „Das hat aber gedauert“, neckte sie ihn dabei.
    Young wollte seine Tochter in den Arm nehmen, er erinnerte sich, wie er es früher schon getan hatte. Doch als er in die Hocke ging, wurde ihm schwindelig. „Dad? Dad! Bist du okay?“
    „Sicher. Komm, lass uns zum Bach gehen und schwimmen.“
    „Dann steh endlich auf und komm her!“
    Verwirrt schaute sich Young um. Er war wieder auf seinem Lager, lag dort von Leuten umringt, die er alle lediglich als Hülle sah.


    „Everett? Everett, hörst du mich?“ Das war definitiv nicht Carmens Stimme.

    Young schüttelte den Kopf, als das Bild von Carmen verschwamm. Es wurde wieder klarer, verschwamm erneut als sie sich vom Feuer weiter entfernte.

    „Warte…!“

    Er wollte aufstehen, ihr hinterher. „Warte…!“, rief ihr zu. Doch dann umschloss ihn etwas. Aber nicht überall, sondern nur am Kopf. Er versuchte sich frei zu rütteln. Aber ohne Erfolg. Der Griff wurde immer fester.

    „Everett, bitte!“ Es war TJ, die ihn liebevoll fest umklammert hielt. Young hatte wieder begonnen sich hin und her zu wälzen. „Wach auf, bitte Everett. Du träumst. Komm zu dir!“

    Der Colonel versuchte wieder sich zu befreien. Bis er merkte, dass er jetzt auch an weiteren Stellen fest gepackt wurde. „Was… was geschieht hier…?!“, murmelte er. Young schloss die Augen, strengte sich an. Als er die Augen wieder öffnete, schaute er in das verzweifelte Gesicht Carmens, die auf einmal wieder ganz dicht bei ihm war. Ihm war, als könne er ihr Haar fühlen.

    „Everett, nun mach endlich!“

    Young stutzte. Eben noch sah er Carmens Gesicht, aber ihre Stimme… ihre Stimme klang plötzlich ganz anders. Und so…so fordernd.

    „Everett!“
    „Colonel!“

    Young starrte mit weit aufgerissenen Augen in Carmens Gesicht, das sich nun zu verformen begann.

    „Carmen… nein…“

    Nur noch mühsam brachte er die Worte über die Lippen, hatte das Gefühl, kaum noch Luft zu bekommen. Er spürte, wie ihm eine Träne über die Wange lief.

    Dann verschwand Carmen gänzlich und er sah TJ, die sich über ihn beugte und ihn immer wieder beruhigend über Stirn und Wangen strich.

    „TJ…“ Young fiel der Kopf zur Seite und er war wieder weg.

    TJ und Camile atmeten erleichtert auf. Die Halluzination schien vorbei zu sein. Aber gab es denn nichts, was dem Colonel endlich helfen könnte? Von einer Wissenschaftlerin, die auch Fachwissen in Naturheilkunde aufwies, hatte TJ einen angerichteten Brei aus Kräutern und irgendwas anderem bekommen. Die Sanitäterin war sich nicht sicher, ob das etwas nutzen würde. Aber im Moment nahm sie dankbar jede Hilfe an. Behutsam bestrich sie damit die Wunde am Schienbein und legte einen neuen Verband an. TJ und Camile waren froh, dass Young die gesamte Prozedur nicht mitbekam. Aber selbst in seinem Dämmerzustand zuckte er bei jeder Berührung seines Beines zusammen. Beide Frauen hofften, dass Young sobald nicht wieder halluzinierte. Stunden später tauchte Vanessa James bei ihnen auf, löste Camile und TJ ab.



    Fortsetzung folgt...


  9. #6
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Oh man, armer Col., was für ein Alptraum lebendig begraben zu sein...

    Gut das Scott ihn geweckt hat, nee so ein doofer traum.

    Oh Schreck, wenn TJ so mit ihrem Col. spricht, muss es sehr ernst um ihn stehen.

    Oh man, das Fieber steigt und dann wieder diese Träume, aber in TJ Gegenwart kommt er ja zur Ruhe.

    Oh man, arme Tj, das ist auch für sie nicht einfach. Immer wenn Everett nach Carmen ruft, muss es ja auch ein Stich in TJ Herz sein.

    Hoffentlich hilft diese Kräuter/Pflanzenpaste und dem Col. geht es bald besser. Ich schätze aber ihr Zwei lasst den armen Col. und TJ noch eine ganze Weile leiden oder?

    Das war wieder ein tolles Kapitel, sehr einfühlsam geschrieben, schön.

    Bin doch mal neugierig, was der arme Col. noch so alles erleiden muss!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  10. Danke sagten:


  11. #7
    Young-Fan Avatar von Mason
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    KAPITEL 3:


    Rush – Part one

    Everett Young rieb sich die Augen und stand auf. Sein Schreibtischstuhl war seiner Meinung nach viel zu hart. Und eingeschlafen war er auch noch – mitten bei der Arbeit. Noch etwas verschlafen schlurfte er zur Tür. Ein kleiner Spaziergang durch die Destiny und er würde wieder richtig munter werden. Zu seiner Verwunderung allerdings begegnete ihm niemand. Alles schien wie leer gefegt, nirgendwo war eine Menschenseele zu sehen.

    Dann kam er schließlich am Observationsdeck vorbei und warf einen Blick hinein. Vorne an der Reling lehnte Dr. Rush und starrte in den FTL. Young gesellte sich zu ihm. „Wo sind die anderen?“, fragte er neugierig. Es war doch schon etwas seltsam, dass er niemandem begegnet war.
    Rush drehte sich zu ihm und sah ihn fragwürdig an. „Welche anderen?“
    Was soll die Frage, dachte der Colonel. „Na die anderen Leute eben“, antwortete er verwirrt. „Die Crew. Wo sind die alle hin?“
    Rush wandte den Blick wieder nach vorne. „Es gibt keine anderen, Colonel. Und Sie sollten eigentlich auch nicht hier sein!“, sagte er anschuldigend.

    Young stutzte. Verlor Rush jetzt langsam den Verstand? „Was soll das denn schon wieder heißen?“
    Der Wissenschaftler drehte sich erneut zu Young und sah ihn, ja schon beinahe traurig, an. „Ich denke, das wissen Sie.“
    „Lassen Sie Ihre verdammten Spielchen, Rush!“
    Doch der lächelte ihn schwach an. „Das ist kein Spiel, Colonel.“
    „Dann seien Sie doch so freundlich und klären mich auf!“, forderte Young ungeduldig.
    „Sie sterben Colonel.“
    Darüber war der Soldat nun doch schockiert. „Bitte was? Was…was meinen Sie damit?“ „Dass Sie sterben“, antwortete Rush schlicht.
    „Aber…aber wenn ICH sterbe“, begann Young und zählte eins und eins zusammen, „was machen SIE dann hier?“
    Rush sah ihn nur an, sein Blick war unklar. Schließlich machte es in Youngs Kopf Klick. „Sind Sie etwa…ich meine…sind Sie etwa tot? Sind Sie deshalb hier? Weil Sie tot sind?“ Rush nickte. „Und Sie müssen zurück. Die Leute dort brauchen Sie. Ihre Zeit ist noch nicht gekommen, Colonel Young.“ Kurz nachdem er das gesagt hatte, verschwamm alles vor den Augen des Colonels.


    „Was ist nur los mit ihm?“, fragte Scott besorgt. Er hatte mitbekommen, dass kaum eine Stunde nach der ersten Halluzination des Colonels, TJ schon wieder zum ihm geeilt war. James hatte nach ihr gerufen. Youngs Fieber war noch weiter angestiegen. Zudem hatte er wieder begonnen im Schlaf zu reden. Bis jetzt konnte man allerdings noch nichts Verständliches vernehmen.
    „Er scheint schon wieder im Fieberwahn zu sein“, spekulierte TJ und wischte die Schweißperlen von Youngs Gesicht und Hals, fühlte dessen Puls.

    „Nein…was soll das…“, murmelte Young und die zwei richteten ihre Aufmerksamkeit auf ihn.
    „Er fängt schon wieder an“, sagte Scott und TJ bedeutete ihm, ruhig zu sein.

    „Rush…was soll das…wo bin ich…“ Young warf unruhig den Kopf hin und her. „Das ist….kein Spiel…nein…nein…“ Young verschluckte sich, hustete, brabbelte dann kaum hörbar weiter. „Kann nicht sein…Rush!!“ Total verwirrt schreckte Young schließlich hoch, völlig außer Atem.

    Sofort sprach TJ ihn an, hoffte, dass Youngs Blicke sich an sie heften und er sie erkennen würde. „Everett, sieh mich an. Sie mich an!“ Doch Youngs Augen schauten verwirrt umher, er war total desorientiert. „Weiß du wo du bist, Everett?“, fragte TJ besorgt, und klatschte ihm mit der Hand leicht gegen die Wangen. „Hey, komm schon.“
    Es dauerte noch eine Weile, dann reagierte er. Mit glasigem Blick und heiserer Stimme fragte er: „Was ist…?“
    „Du hast geträumt, Everett.“
    „Rush… war…“ Young musste schlucken, seine Kehle fühlte sich Staubtrocken an, „da…“ TJ und James schauten sich fragend an. „Wo? Wo war Rush?“, hakte James nach. „Destiny….“, flüsterte Young matt und schlief wieder ein.

    „Verdammt, TJ. So kann das nicht weiter gehen. Gibt’s denn nichts, was wir tun können?“ Scotts Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Er hasste es, untätig zu sein, wenn eine für ihn wichtige Person so litt.
    Während sie die Wunde an Youngs Bein begutachtete, fing es in TJ an zu arbeiten. Scott hatte Recht. Sie musste sich etwas einfallen lassen. Young wurde immer schwächer, glühte fast am ganzen Körper.
    Zu dritt packten sie den Colonel anschließend wieder bis obenhin in Decken. Er musste das Fieber ausschwitzen, egal wie eingeengt er sich dabei fühlte. Allerdings bezweifelte TJ, das Young irgendetwas davon mitbekam.


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    Rush – Part two

    Als Young das nächste Mal die Augen öffnete, befand er sich wieder auf der Destiny. Wieder ging er durch die Gänge, fühlte sich aber irgendwie müde und ausgelaugt, so richtig Schach matt. Seine Laune war ebenfalls im Keller. Am liebsten würde er einfach alles hinschmeißen, die Augen zu machen und nie wieder aufwachen. Warum auch immer, aber wieder steuerte er das Observationsdeck an und traf dort erneut auf Dr. Rush. Als der die Person hinter sich bemerkte, drehte er sich um und schaute Young mit voller Sorge an. „Sie sollten doch nicht hier sein!“

    „Das Schiff ist unser Zuhause, Rush. Schon vergessen?“
    „Sie gehören nicht hierher. Sie sollten bei den anderen sein, und nicht hier.“
    Schwerfällig lehnte sich Young gegen das Geländer, starrte vor sich hin. „Die kommen auch ganz gut ohne mich zurecht.“
    Rush glaubte, sich verhört zu haben. „Sie wissen genau, dass das nicht stimmt! Die Leute dort brauchen Sie, Colonel. Sie sind deren Anführer. Sie waren es von Anfang an!“
    Young fühlte, wie ihn eine bleierne Müdigkeit überkam, ihn eine handfesteDepression packte. „Ich habe gesagt, ich lasse niemanden zurück. Und es sind doch Leute gestorben. Und Sie sind hier auf der Destiny, sitzen hier fest, sind hier gefangen.“
    „Colonel…“
    „Ich habe Sie bereits einmal zurück gelassen. Das mache ich ganz sicher nicht noch ein zweites Mal.“
    Traurig schaute Rush den Colonel an. „Sie haben keine andere Wahl.“
    „Niemand von uns hatte eine Wahl, Rush.“
    Rush drehte den Colonel zu sich um, damit dieser ihn ansehen musste und sagte ernsthaft: „Ich bin tot, Colonel.“

    In seinem Krankenlager hatte Young wieder angefangen am ganzen Körper zu zittern. Der Schüttelfrost kehrte zurück und das mit voller Wucht. Während TJ unermüdlich auf ihren Patienten einredete, ihn fest in den Arm nahm, achtete diesmal Scott auf das verwundete Bein. Er konnte deutlich die Wärme spüren, die von der Wunde ausging und auch die Schwellung, die schon fast das gesamte Schienbein umfasste.

    „Ich bin müde, Rush.“
    „Colonel. Gehen Sie zurück, bitte.“
    Young starrte wieder in die Streifen des FTL-Fluges, sein ganzer Körper strahlte völlige Aufgabe aus. „Ich habe keinen Bock mehr.“
    Diese Aussage erschütterte Rush bis ins Mark. Er riss den Mann vor sich wieder zu sich. „Bitte, Colonel. Sie gehören einfach nicht hier her! Ihr Schicksal ist bei den Menschen, bei Ihrer Crew auf Novus!“ Doch Young schüttelte lustlos den Kopf.
    „Ich will Sie hier nicht haben, Colonel. Ich gehöre auf die Destiny, nicht Sie! Warum verstehen Sie das nicht, Colonel?!“

    Young wendete sich ab und verließ mit hängenden Schultern das Observationsdeck. Kurz darauf fand er sich im Raum mit dem Antiker-Stuhl wieder. Ohne zu wissen wie er von einer Sekunde auf die andere dorthin gelangt war, saß er nun in dem Stuhl, die Arme mit den Metallgurten festgeschnallt. Young wollte gerade die Antiker-Apparaturen aktivieren, als Rush um die Ecke gestürmt kam. „Warum haben Sie sich aufgegeben? Warum geben Sie sich jetzt auf und lassen es zu, dass Sie hier landen?“, blaffte er den Colonel an.
    Leise, ohne Stärke in der Stimme, erwiderte dieser:


    „Kein Sinn mehr…. weiter… zu machen…“

    „Oh mein Gott…“, James hatte schnell etwas zu trinken besorgt und erschrak bei Youngs Gemurmel. TJ gelang es kaum den Mann noch ruhig zu bekommen, egal was sie auch versuchte. Die Situation spitzte sich immer mehr zu.

    Rush eilte um den Stuhl zu der Konsole und ließ die Metallschnallen um Youngs Arme aufschnappen. Er war eindeutig gegen dessen Pläne, sich hiermit ins Jenseits befördern zu wollen. Wieder vor Young, visierte Rush den Mann mit versteinerter Miene an. „Jetzt passen Sie mal auf, Sie Egoist! Diese Menschen dort unten sind auf einen Anführer angewiesen! Die sind auf Sie angewiesen! Das ist ein Chaotenhaufen, der eine starke Führung braucht. Der Sie braucht!“
    Young senkte den Blick. „Scott ist soweit. Der schafft das schon.“
    Rush fühlte Wut und Verzweiflung in sich aufsteigen, als er schimpfte: „NEIN, verdammt! Das ist er nicht!“
    „Er hat es oft genug bewiesen.“
    Rush schüttelte Young kräftig durch, in der Hoffnung den Mann endlich wieder auf die richtige Bahn zu bekommen. „Colonel! Verdammt nochmal, setzen Sie endlich ihren Arsch in Bewegung und verschwinden Sie! Sie gehören hier nicht her! Sie dürfen noch nicht sterben!!“

    Über dem Camp brachen die Abendstunden herein. Scott, TJ und James wachten weiter bei Young, ließen sich nicht mehr ablösen. Verunsichert und von Sorgen gepackt, schauten mal Brody und Eli, mal Camile, Chloe oder auch Greer mit Varro vorbei, ließen die drei mit Young aber relativ schnell wieder in Ruhe. Es brachte eh nichts, wenn das halbe Camp dabei stehen würde. Der Colonel halluzinierte ohne Ende, brabbelte immer wieder was von der Destiny, Rush und anderem, was TJ, Scott und James nur noch mehr rätseln ließ.

    „Wollen Sie mir befehlen was ich tun soll?!? Mein ganzes Leben lang ging es um Befehle! Machen Sie dies, machen Sie das. Jeden beschissenen Tag lang Leute herum kommandieren. Nein, Rush, nicht mehr mit mir. Ich habe keine Lust mehr. Und auf diesem Scheißplaneten schon mal gar nicht. Ich habe gesagt, ich bringe alle nach Hause. Und was ist? Ich habe versagt. Ein weiteres Mal.
    Ich habe Versprechen gegeben und nicht gehalten. Und ich habe Leute sterben sehen, unter anderem auch die, die ICH nach Hause bringen wollte! Es reicht, Rush. Endgültig. Hier und jetzt ist Schluss damit!“, platzte es aus Young raus, der sich – zusammen mit dem Wissenschaftler – plötzlich auf der Brücke der Destiny wieder fand.

    Rush, den der plötzliche Ortswechsel nicht im Geringsten zu verwirren schien, verschränkte nach typischer Art seine Arme vor der Brust. „Noch haben Sie nicht versagt, Colonel. Sie haben überhaupt nicht versagt. Das reden Sie sich alles nur ein, weil ich Ihnen das Leben zur Hölle gemacht habe. Bitte, Colonel Young, gehen Sie zurück zu Ihren Leuten. Sie dürfen noch nicht sterben. Bitte glauben Sie mir. Oder wollen Sie auf ewig hier mit mir festsitzen?“
    Young ließ sich schwerfällig in den Kommandantenstuhl fallen und starrte vor sich hin.


    „Und wenn schon…“, kam es Young über die Lippen, während er zum x-ten male den Kopf von einer Seite auf die andere drehte.

    „Tun Sie mir einen Gefallen, Colonel?“, fragte Rush, der sich nun an die Konsole gegenüber dem Kommandantenstuhl lehnte. „Passen Sie auf Eli auf, Colonel. Und auf Chloe. Und… auf sich selbst.“
    „Eli ist erwachsen geworden. Und Chloe hat Scott“, erwiderte Young tonlos, wischte gedankenverloren über die Tastaturen.
    „Stimmt. Eli ist mittlerweile erwachsen. Aber bitte werfen Sie trotzdem ein Auge auf ihn. Das ist das Einzige, um das ich Sie bitte. Und jetzt gehen Sie zurück. Zurück zu Ihren Freunden, Ihren Kameraden, Ihren Leuten. Gehen Sie zurück zu TJ. Ich will nicht, dass Sie auch noch sterben müssen.“

    „Was heißt hier… müssen…“, murmelte Young. Er war schweißgebadet und seine Augen zuckten unter den Lidern wild hin und her. Während sein Puls raste wie sonst was, ging seine Atmung nur sehr schwach. Und das, was Young von sich gab, klang auch nicht gerade frohen Mutes.

    Plötzlich fand er sich in Elis Raum auf der Destiny wieder. Rush drückte ein paar Tasten auf der Konsole, die Eli immer für seine Kino-Recherchen nutzte. „Ich möchte Ihnen etwas zeigen“, sagte Rush und drehte sich zu Young um, der hinter ihm stand. „Wenn Sie schon nicht als Soldat zurück wollen, dann wenigstens als Freund.“
    Young stutzte. „Als… Freund?“
    „Als Freund, als Vater, als Bruder, suchen Sie sich was aus. Diese Menschen dort mögen Sie verdammt gern, Colonel. Sie vertrauen Ihnen.“
    Young lehnte sich an die Wand, wie er es immer tat, wenn ihm Eli Aufzeichnungen vorgespielt hatte. Aber seine Unlust, sein Wunsch zur Aufgabe waren so tief in ihm, dass er noch immer zweifelte. „Ich mag sie auch. Jeden einzelnen. Aber wie soll ich denen noch unter die Augen treten können, wenn es definitiv keinen Weg mehr nach Hause gibt? Können Sie mir das verraten, Rush? Mit der Strandung auf Novus ist jeder Funken Hoffnung dahin. Es ist aus.“

    Während Rush einige Kino-Aufzeichungen abspielte, schlug er vor: „Zeigen Sie ihnen, dass Sie nicht die Hoffnung verlieren. Zeigen Sie ihnen, dass Sie das Beste daraus machen, dass Sie nicht aufgeben. Das ist ein Planet auf dem nichts ist, Colonel. Aber Sie und diese Menschen dort…“ Rush deutete auf den Monitor, „… sie alle können sich aus diesem Nichts etwas erschaffen. Ein Zuhause, eine neue Zukunft. Familien, Häuser, was sie wollen. Eli wäre bestimmt ein hervorragender Lehrer, Sie ein guter Bürgermeister. Oder wenn Sie nicht wollen, meinetwegen auch Camile. Aber Sie können sich eine neue Existenz aufbauen, Colonel. Sie haben Ihr Zuhause gefunden. Sie wissen es nur noch nicht…“ Young zweifelte noch immer. „Vertrauen Sie mir. Nur dieses eine mal, Colonel“, setzte Rush nach.


    „Vertrauen…“, kam es hauchend über Youngs Lippen.

    Rush blieb hartnäckig. „Ja, Vertrauen. Gehen Sie heim, Colonel.“
    „Was ist mit Ihnen, Rush? Ich habe Sie im Stich gelassen. Sie sind tot, Rush. Meinetwegen!“ Der Wissenschaftler schüttelte den Kopf. „Nein, nicht Ihretwegen. Die Destiny ist mein Schicksal. Und es war mein Schicksal, hier zu sterben.“


    „Schicksal…“

    Young starrte auf die Kino-Aufzeichnungen, die noch immer auf dem Monitor zu sehen waren. „Schicksal… irgendwie war das alles anders geplant.“
    „Vieles war anders geplant“, stellte Rush bestimmend fest. „Aber jetzt spielt sich Ihr Schicksal gerade dort auf diesem Planeten ab.“ Young schaute Rush verwirrt an. Er hatte Fragezeichen auf der Stirn, sodass Rush mit den Augen rollte. „Was verstehen Sie jetzt schon wieder nicht?“


    „Warum… wichtig….“

    „Warum ist es Ihnen so wichtig, dass ich lebe, Rush?“
    Rush drehte sich auf dem Stuhl zu Young, fixierte ihn mit seinen durchdringenden Blicken. „Weil Sie gebraucht werden, Colonel. Und weil ich nicht will, dass Sie sterben.“ Young fühlte, wie er immer schwächer wurde. Die Konsole vor seinen Augen begann zu verschwimmen.

    „Rush…“

    Youngs Knie wurden weich. Unsicher fasste er sich an den Kopf, der zu kochen schien und begann zu taumeln. Rush sprang auf und packte den Mann, redete auf ihn ein. „Gehen Sie zurück, Colonel! Und tun Sie mir den Gefallen um den ich Sie geben habe, okay? Gehen Sie heim und bauen Sie sich ein Zuhause, gründen Sie eine Familie und seien Sie glücklich, Colonel! Ich hoffe, wir sehen uns so schnell nicht wieder.“ Young drohte aus Rushs Griff zu rutschen, irgendwie wich sämtliche Kraft aus ihm.

    „Familie….“

    Rush verstärkte seinen Griff, ließ Young nicht fallen. „Sehen Sie mich an, Colonel!“ Young hatte alle Mühe, versuchte verzweifelt, Blickkontakt mit dem Wissenschaftler halten zu können. „Colonel!! Bitte wachen Sie auf! Leben Sie Ihr Leben!“ Doch der Offizier erschlaffte immer mehr in den Armen des Wissenschaftlers, sodass Rush „verdammt“ murmelte und ihn erneut durchschüttelte um ihn wach zu halten. Flehend, aber zugleich auch fordernd rief Rush schon fast verzweifelt: „Sie sollen Leben, Sie verdammter Bastard!! Wachen Sie endlich auf! Sie werden gebraucht, Colonel!! Sie können nicht einfach so sterben!!“ Nur mit größter Anstrengung gelang es Young, Rush ins Gesicht zu schauen. Der Wissenschaftler schien nur noch ein Flimmern zu sein und dessen Stimme klang mehr fern als nah. Dann begann sich das Gesicht zu verändern.

    „Everett, bitte wach auf…“ TJ war schier am verzweifeln. Youngs Atmung wurde immer flacher.
    „Colonel…“ Scott erging es nicht besser. In seinen Augen war der Colonel immer stark gewesen, hatte jede Situation gemeistert. Ihn so zu erleben, wie er hier litt, machte dem jungen Lieutenant schwer zu schaffen. Scott bekam Angst, dass der Colonel es dieses Mal nicht überleben würde.

    „Sie werden gebraucht, Colonel!! Sie können nicht einfach so sterben!!“, hörte Young wieder eine Stimme. Er fühlte, wie auf seiner Brust plötzlich Druck ausgeübt wurde. Rhythmisch. Immer und immer wieder. Aber warum? Was zum Teufel ging hier vor sich?? Young schwamm, schwamm durch einen See. Ein See? Angestrengt dachte Young nach. Er kannte diesen Bach, hatte ihn irgendwo schon einmal gesehen. Und auf einmal fiel es ihm wieder ein: es war der Bach auf Novus, wo er Rush gesehen hatte. Und der stand nun am Ufer, deutete gestikulierend vom See weg. Dann schlug eine Welle über Young zusammen. Er ruderte mit den Armen und trat mit den Beinen, wurde immer tiefer gezogen. Seine Lungen fingen an nach Sauerstoff zu gieren, er brauchte Luft… Luft…!

    „RUSH!!“ Mit einem Schrei auf den Lippen schreckte Young hoch, spürte, wie ihn gleich darauf jemand wieder runter drückte. Nach Luft ringend, wanderte sein Blick hin und her.
    „Ist ja gut, Everett, es ist alles gut. Beruhige dich“, sprach eine Person sanft auf ihn ein.
    Es dauerte eine Weile bis sich sein Blick aufklärte. „Was…? Wo…?“, fragte er ohne jede Orientierung. Dann erkannte er TJ und sein Blick heftete sich fest an sie, während diese ihm liebevoll durch die Haare strich.
    „Es war nur ein Traum, Everett. Ein Traum, nichts weiter. Hier, trink etwas.“ Young spürte, wie die Flüssigkeit seine Lippen umspülte. Gierig schluckte er. Er hatte einen wahnsinnigen Durst.



    Fortsetzung folgt...


  12. #8
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Oh man, da ist der Col. schon im Limbus angekommen. Ich hoffe, Rush kann ihn dazu überreden wieder zurück in seinen Körper zu gehen.

    Armer Scott, er hängt doch so an dem Col., gemeinsam mit TJ wird er es bestimmt schaffen den Col. wieder zurückzuholen.

    Das ist mal wieder typisch Young, selbst im Limbus denkt er noch zuallererst an alle anderen.

    Rush gibt ja wirklich sein bestes Young wieder zur Rückkehr zu überreden, hoffentlich schafft er es.

    Der Col. hat sich aufgegeben, irgendwie auch verständlich. Er ist ja auch nur ein Mensch und er hat sein Versprechen, die Destiny wieder nach Hause zu bringen, nicht gehalten. Aber das ist doch nicht seine Schuld gewesen.... och man, der Arme.

    „Als Freund, als Vater, als Bruder, suchen Sie sich was aus. Diese Menschen dort mögen Sie verdammt gern, Colonel. Sie vertrauen Ihnen.“
    Genau, das ist es, so kann er Young packen, denn er ist all dieses für seine Crew.

    Gott sei Dank, Rush hat es geschafft den Col. wieder zurückzuschicken, das war aber knapp. Vielleicht sollten TJ und die anderen dem Col. lieber Wadenwickel machen, damit das Fieber sinkt und der Körper sich besser erholen kann. Dann hat er mehr Kraft gegen die Infektion anzukämpfen.

    Ich hoffe es geht alles gut aus, bin sehr neugierig wie es weitergeht.

    Das war wieder ein sehr tolles spannendes Kapitel!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.


  13. #9
    Young-Fan Avatar von Mason
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    KAPITEL 4:



    Maßnahmen

    In TJ arbeitete es auf Hochtouren. Der letzte Alptraum und die damit verbundene Halluzinationen Youngs waren hart gewesen. Sehr hart. Sein Herz hatte angefangen zu rasen, aber gleichzeitig war die Atmung flach wie eine Flunder geworden. Während er sich unruhig hin und her geworfen hatte, kam immer wieder wirres Zeug über seine Lippen. Jetzt, als er endlich wieder so halbwegs aufgewacht war, war er wie schon einmal zuvor zuerst komplett desorientiert, wusste im ersten Moment nicht mehr, wo er war und was geschehen war. Er hatte das Gefühl, dass eine Ewigkeit vergangen war. Scott hatte ihm mehrfach versichern müssen, dass es gerade Mal eine Nacht und diesen Tag her war, seit dem er – Young – hier mit einer Blutvergiftung liegen würde.

    „Verdammt“, überlegte TJ zum Abend hin.
    Chloe und Scott schauten sie fragend an. „Was ist?“
    TJ hatte gerade erneut den Verband von Youngs Wunde entfernt. „Ich fürchte, ich muss die Wunde wieder öffnen und sie dann ausbrennen.“
    Scott, der Youngs Bein hielt, bekam große Augen. Und auch Chloe drehte sich der Magen um. „Wie bitte? Hat er nicht schon genug gelitten?!? Er hat letztes Mal schon als du sein Bein behandelt hast, so große Schmerzen gehabt.“
    TJ ratterte daraufhin ihr ganzes Wissen runter, fasste den Verlauf der Blutvergiftung zusammen. Es sprudelte nur so aus ihr heraus. Als sie ohne Punkt und Komma alles ausgesprochen hatte, holte sie tief Luft und meinte: „Wenn wir nicht handeln, verliert er sein Bein. Oder, und das wäre noch schlimmer, er stirbt.“
    Chloe schluckte. Sie bekam es mit der Angst. Scott schaute mitfühlend auf den Colonel, den zur Abwechslung wieder Schüttelfrost plagte. „Wann?“, fragte Scott, als er sich wieder TJ zuwandte.
    „So bald wie möglich“, seufzte sie. „Chloe, bitte erhitz einen Lappen über dem Feuer. Er muss richtig heiß sein, verstehst du? Nicht nur warm, sondern richtig heiß. Wenn es soweit ist, wäre es gut wenn du Matt, Varro und noch Ron dabei sein könntest. Ihr müsst den Colonel fixieren, damit ich in Ruhe arbeiten kann.“
    Scott presste die Lippen aufeinander, nickte dann aber zustimmend. „Okay.“ Chloe sprang auf und tat wie geheißen. TJ blieb bei Young.

    „Macht… keinen… Spaß…“, versuchte dieser zu scherzen.
    „Ich weiß, Everett. Mir auch nicht. Aber das wird schon wieder. Versprochen.“ Sie flößte ihm etwas Tee ein und zog anschließend die Decke wieder bis ans Kinn hoch, damit er genug Wärme bekam. Zur Beruhigung hielt sie seine Hand und strich ihm immer wieder die nassen Haarsträhnen aus der Stirn.

    Es dauerte eine Weile, dann wurde es ernst. Chloe hatte einen Lappen über einen Ast gelegt und ihn über dem Feuer erhitzt. Nun war er heiß genug, dass sie TJ Bescheid geben konnte.

    „Hör zu, Everett“, wurde TJ plötzlich ernster, griff Youngs Hand und drückte sie sanft. Müde öffnete er die Augen, war kurzzeitig mal ohne verwirrende Träume oder Halluzinationen etwas weggedämmert. „Ich muss die Wunde öffnen und ausbrennen.“
    „TJ… was…?“, brachte er schwach hervor.
    „Es muss sein. Wir haben keine andere Wahl. Tut mir Leid“, sagte sie mit einem entschuldigen Gesichtsausdruck. Dann nickte sie den Männern zu, die bereits warteten.

    Varro und Scott gingen neben Youngs Bein in die Hocke. Einer packte oberhalb des Knies zu und der andere unterhalb der Wunde. Allein die Berührung des Beines ließ Young zusammenzucken, dabei übten Scott und Varro noch nicht mal richtig Druck aus. TJ wandte sich nochmal an ihn. „Ich werde die Naht jetzt öffnen, okay?“
    „Nein... nicht okay!“, zischte Young zwischen zusammengebissenen Zähnen. Doch sein aufmucken blieb ohne Erfolg. Wenn sie alle wollten, dass es ihm hoffentlich bald besser gehen würde, musste es sein.

    Vorsichtig begann TJ den Verband und die Paste zu entfernen. Varro verzog das Gesicht. Die Wunde sah wirklich schlimm aus und die Schwellung hatte das gesamte Schienbein erfasst. TJ begann zu arbeiten. Es zog, es brannte, es tat höllisch weh. Young musste sämtliche Beherrschung aufbringen um nicht vor Schmerz aufzuschreien, das Bein wegzuziehen und aufzuspringen.
    Als es dann aber richtig heftig zog, während TJ einen Faden entfernte, bäumte sich Young vor Schmerz auf. Greer packte sofort zu und drückte ihn wieder runter. „Unten bleiben.“
    „Was… AU!... Loslassen!“
    „Sorry, Sir. Aber das geht jetzt nicht“, erwiderte der Sergeant mit fester Stimme und erhöhte den Druck auf Youngs Oberkörper. Einen Augenblick lang schaute Young den Sergeant verwundet an. Wo war der denn jetzt hergekommen?! Scott und Varro mussten ebenfalls fester zupacken, damit Young sein Bein nicht doch noch wegzog.

    TJ ließ sich von allem nicht beirren. Konzentriert arbeitete sie weiter, zog Faden für Faden, bis sie die Naht komplett entfernt hatte. „So, fertig.“
    „Wurde… auch langsam… Zeit!“, presste Young schwer atmend hervor. Die letzten Momente hatte er den Hinterkopf fest an den Boden gedrückt und die Augen zugepresst, um sich abzulenken. Nun merkte er, wie Greer wieder von ihm abließ. Aber sein Bein blieb weiterhin gepackt, als wäre es in einem Schraubstock.
    „Es ist noch nicht vorbei, Everett. Du musst noch etwas länger durchhalten“, erklärte TJ. Young hob entsetzt den Kopf an. „Was?!?“
    „Ich muss die Wunde noch ausbrennen.“
    „Ist nicht dein Ernst, TJ.“ Young dachte er spinnt. Hatte es sich eben doch schon so angefühlt, als wäre sein Bein in Flammen aufgegangen! TJ gab ihm etwas zu Trinken, als Stärkung.

    Dann drehte sie sich zum Lagerfeuer um und wies Chloe an mit dem heißen Lappen zu kommen. Als Young sie auf sich zukommen sah, schaute er verzweifelt zu Greer, der beruhigend seine Hand auf seinen Brustkorb gelegt hatte. „Ist die bestechlich?“
    „Nein, Sir. Und wir sind es auch nicht“, grinste Greer schief zurück.
    „Da müssen Sie leider durch, Colonel“, meinte Chloe mitfühlend. Sie wollte gar nicht hinsehen.

    Aber helfen musste sie trotzdem. Die Männer hatten alle Mühe den Colonel regungslos zu behalten, so bäumte er sich vor Schmerzen auf, als TJ den Lappen auf die Wunde legte und zupresste. Sein Bein war so empfindlich, dass er es nur mit größter Anstrengung schaffte nicht zu schreien. Die Schmerzen waren furchtbar, er hielt es kaum aus. „TJ!!... Bitte…. hör auf!!“ Doch sie hatte kein Erbarmen. Sie musste gründlich sein, dass wusste TJ. Das Chloe beruhigend auf ihn einredete, ihn ihre Hand auf die Schulter legte als könne sie ihm dadurch etwas Kraft übertragen, ging völlig an Young vorbei. Er glaubte den Verstand zu verlieren, als TJ noch weiter Druck ausübte. Seine Hände in die Erde grabend, versuchte er sich irgendwie zu befreien. Aber die Männer hielten ihn gepackt, während Chloe ihr Bestes gab.

    Am Lagerfeuer hatten sich Lisa Park, Camile und Brody versammelt. Viele andere lenkten sich mit ihrer Arbeit ab, oder saßen in Gruppen an den anderen kleinen Feuern zusammen. Aber die drei hatten beschlossen in der Nähe zu bleiben. Als moralische Unterstützung. „Warum kann er nicht endlich bewusstlos werden? Das hält doch keiner aus…“, murmelte Lisa vor sich hin.
    „Der arme Kerl. Das müssen doch Horrorschmerzen sein.“ Brody wendete den Blick ab.

    Kurz darauf, als TJ erneut einen Zentimeter weiter gerückt war und wieder richtig fest zudrückte, konnte Young nicht mehr an sich halten. Ein lauter Schrei schoss aus seiner Kehle und er presste die Augen so fest zu, dass er Sterne aufblitzen sah. Die Schmerzen waren nicht mehr auszuhalten, alles zusammenreißen half nicht mehr. Er schrie erneut, registrierte wie Greer noch irgendwas sagte und Chloe ihn anders berührte. Dann umfing ihn die Erlösung in Form eines großen Meeres aus Dunkelheit und Stille.

    James, die mittlerweile ebenfalls am Lagerfeuer Platz genommen hatte, schaute erleichtert auf. „Gott sei Dank.“ Neben ihr ließ sich auch Eli nieder, der ebenfalls die Arbeit ruhen ließ. Genau wie die anderen sorgte er sich viel zu sehr.

    Als TJ einige Minuten später endlich fertig war, reichte sie Chloe den Lappen mit dem Ast zurück. „Danke Leute. Den Rest schaffen Scott und ich alleine.“ Alle waren froh, dass Young irgendwann das Bewusstsein verloren hatte und wunderten sich, wie viel Kraft ein Mensch unbewusst aufbringen konnte, wenn’s ihm an den Kragen ging.


    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX


    Grübeleien, Erinnerungen und Theorien

    Während Scott TJ beim Verbinden des Beines half, trotteten Varro, Greer und Chloe völlig erledigt zum Lagerfeuer. Dort saßen nun die Üblichen, die auch sonst am engsten zusammen arbeiteten, und versuchten etwas zu essen. „Ich hab schon bessere Abende gehabt“, stellte Greer müde fest, froh dass es endlich vorbei war. Dann nahm er Lisa fest in den Arm. „Und das mir keiner auf die Idee kommt sich auch sowas einzufangen“, drohte er mit ernster Miene in die Runde.
    „Sicher nicht. Der arme Colonel. Hoffentlich ist der Horror bald vorbei.“ Brody schüttelte sich, als könne er so die letzte Zeit loswerden.

    Chloe, die mit traurigen Blick Scott beobachtete wie er noch immer TJ half, warf leise ein: „TJ meinte, dass, wenn das nicht helfen würde, sie ihm vielleicht sogar das Bein abnehmen müsste, weil… weil er sonst sterben könnte.“
    Die Worte wirkten wie Zunder in Greer. Keine Sekunde später sprang er auf und stellte sich breitbeinig hin. „Das wird nicht passieren, Leute! Der Colonel ist stark. Der schafft das, der hat bisher alles geschafft. Der Mann hat noch genug Kraft in sich. Da bin ich mir ganz sicher.“ Alle schauten den Sergeant bewundernd an. Woher nahm er nur diesen unerschütterlichen Glauben?

    Es war Camile, die das Schweigen brach. Sie stocherte mit einem Ast im Feuer und flüsterte: „Der Mann hat so schlimme Träume… so schlimme…“ Jetzt wurde es Greer zu bunt. Er war nicht der Typ für schnelle Verzweiflung. Für ihn stand fest, dass der Colonel es packen würde. Sich nicht noch mehr anhören wollend, stand Greer auf. Er musste sich dringend die Beine zu vertreten.
    Die Frauen, sowie Brody und Eli, blieben noch eine Weile beisammen. „Hoffentlich wird alles wieder gut. Er tut mir so leid“, murmelte Chloe, noch immer niedergeschlagen. Auch James hing ihren Gedanken nach. „Ist schon irre, was alles passieren kann.“

    „Es soll nur wieder vorbei gehen. Der Colonel hat wirklich mehr als genug gelitten“, warf Scott ein. Erschrocken hoben die anderen die Köpfe. Keiner hatte mitbekommen, wie er sich dazu gesetzt hatte.
    „Wie geht es ihm?“, fragte James mit Sorge in den Augen. Scott holte tief Luft. Während er TJ geholfen hatte, hatten die zwei die Lage besprochen. Aber große Hoffnung hatte er dadurch nicht bekommen und die schlug sich nun auch in seinem Bericht nieder: „TJ hat die Wunde vergrößert und ausgebrannt, in der Hoffnung, dass es hilft. Er hat nach wie vor hohes Fieber. Wir müssen weiter abwarten, wie es sich jetzt entwickelt. Das heißt, weiter aufpassen dass er das Bein nicht bewegt, ihn weiter versorgen wie bisher und naja… ihr wisst schon. Hoffentlich wird es jetzt besser und er hat nicht mehr diese Halluzinationen und Alpträume.“
    James schluckte. Sie kannte Scott gut und ahnte, dass er noch etwas zu erzählen hatte. „Und was, wenn…“
    „Wenn das nicht hilft? Tja, dann muss TJ wohl amputieren. Sonst…“
    „Sag es nicht, Matt, bitte sag es nicht.“ Chloe war aufgesprungen und nahm ihren Freund fest in die Arme. „Er wird nicht sterben.“
    Scott warf einen Blick zu Youngs Lager, erinnerte sich an die letzten Stunden. „Dann bete“, meinte er traurig.

    Eine ganze Weile saßen sie schweigend beisammen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Bis Lisa Park vor sich hin murmelte: „Wären wir doch jetzt bloß auf der Destiny und Rush wäre da. Zusammen mit ihm würde Eli mit Sicherheit etwas Nützliches aus der Antiker-Datenbank finden um dem Colonel schnell zu helfen.“
    In Elis Magen bildete sich ein Klumpen, als der Name des Wissenschaftlers fiel. „Ich… ich glaube kaum, dass Rush noch am Leben ist“, sagte er betreten. Scott sah ihn verwirrt an. „Die Chancen, dass die Destiny unbeschadet aus der Sonne raus gekommen ist, sind einfach zu klein. Und selbst wenn, es war kein Stargate in der Nähe.“
    „Wenn er hier wäre, würde ihm bestimmt etwas einfallen…“, überlegte Park weiter und stellte dann traurig fest: „Ich vermisse ihn.“
    Eli war jeglicher Appetit auf ein Abendbrot vergangen. Missmutig starrte er auf sein Essen. „Ich auch. Ich hätte es ihm nie sagen können, aber ich habe ihn eigentlich schon gemocht.“ „Hoffentlich lebt er.“ Park wollte die Hoffnung einfach nicht aufgeben. „Hoffentlich lebt er.“

    „Sage mal, Eli, wäre es möglich, dass, wenn wir vielleicht wirklich einen Zeitsprung gemacht haben, dass es dann das ganze Schiff auch gemacht hat? Dann hätte Rush doch die Chance sich zu retten, oder?“, fragte Chloe auf einmal.
    Eli legte den Kopf schief. „Theoretisch… ja.“
    „Also könnte er sich, theoretisch, auf die andere Destiny gebracht haben“, hakte Scott nach, „und dann wären wir ja auch noch alle da.“
    Eli setzte sich aufrecht hin. Sein Hirn fing an zu arbeiten. „Eigentlich schon. Dann könnte er die anderen, also unsere zweiten Ichs, warnen. Die würden so nicht denselben Fehler machen.“

    Varro, der sich bis eben zurückgehalten hatte und in Gedanken mehr bei TJ war als bei der aktuellen Gesprächsrunde, verstand nur die Hälfte. „Kann mich bitte mal jemand aufklären?“

    Eli drehte sich zu ihm. „Als wir versucht haben die Erde mitten in einer Sonne anzuwählen, gab es Komplikationen. Das haben wir ja alle gemerkt. Aus irgendeinem Grund hat die Destiny ein Gate angewählt, das nicht auf der Erde war. Ich meine, das ist nicht die Erde, das ist ja wohl klar. Und wir sind garantiert in der Zeit zurück, sonst hätten wir – wenigstens noch für einen Bruchteil – Kontakt mit der Destiny gehabt und Rush hätte vielleicht sogar diesen Planeten anwählen können. Da er es aber nicht getan hat, müssen wir in der Zeit zurückgegangen sein. Und wenn die Destiny auch einen Zeitsprung gemacht hat, womöglich nur einen kleinen, wäre Rush womöglich zur anderen Destiny geflogen, also die Destiny, die in der Zeit zurück auf den Stern zufliegen würde, um sie zu warnen.“ Eli stutzte. „Die Crew zu warnen, mein ich.“ Schweigen.

    Dann schaute Camile zu Eli und lächelte. „Eli?“
    „Ja?“
    „Rush wäre stolz auf Sie.“
    Eli war verwirrt. „Bitte?“
    Verlegen kratzte er sich hinter dem Ohr, als Chloe zustimmte: „Er ist schon immer stolz auf dich gewesen.“
    Und auch Scott bestätigte es. „Ist dir das nie aufgefallen, Eli? Er hält mehr von dir als du denkst.“
    „Ach quatsch. Die meiste Zeit habe ich ihn enttäuscht.“ Brody schüttelte den Kopf: „Ne ne ne. Die drei haben schon Recht. Ich weiß nicht mehr wann es war, aber irgendwann hat Rush sowas mal verlauten lassen“, kommentierte er.

    Camile meinte, den jungen Mann dabei aufmunternd auf die Schulter fassend: „Er hat immer gerne mit dir zusammengearbeitet, Eli.“
    Eli spürte, wie ihm ganz warm ums Herz wurde. „Ehrlich? Ist mir nie aufgefallen.“
    „Warst ja auch stets und immer beschäftigt“, grinste Scott bis über beide Ohren.
    „Ich vermisse ihn“, wiederholte Eli, in Erinnerungen schwelgend. „Wenn ich die Chance hätte, würde ich ihm zu gerne sage wie gern ich mit ihm gearbeitet habe. Obwohl er manchmal recht eklig zu einem sein konnte.“
    „Wir haben alle unsere Macken“, sagte Camile abschließend als sich die Gruppe auflöste. Eli blieb noch eine Weile, starrte in die Flammen vor sich. Bis sein Blick in den Himmel wanderte und er sich darin verlor. „Tut mir leid, Rush.“


    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX


    Abwarten und hoffen

    Es war später Abend. Während die anderen mehr oder fröhlich schlummerten, wachte TJ noch immer an Youngs Krankenlager. Seitdem sie die Wunde ausgebrannt hatte, war er noch nicht wieder zu sich gekommen. Sie machte sich unendlich große Sorgen, verfluchte sich selbst, nicht schon früher gehandelt zu haben. Gedankenverloren saß sie neben dem Colonel, überprüfte immer wieder dessen Puls und kühlte seine fiebrige Stirn.

    TJs Gedanken verloren sich in der Vergangenheit. Sie dachte an die vielen Abenteuer, die sie gemeinsam bestanden hatten, überlegte was Young wohl alles geträumt haben musste, während er hier lag und um sein Leben kämpfte. Dann dachte sie an die vergangenen Tage seit ihrer Strandung auf diesem Planeten. Alle hatten ein Wechselbad der Emotionen durchlebt. Angst, Wut, Verzweiflung, Hunger, Durst, Hoffnung, Zuversicht, Freude; die Skala war lang. Das wohl bis dato einschneidenste Erlebnis war allerdings der erste Todesfall auf Novus gewesen: Dr. Dale Volker starb, ohne das TJ viel hatte tun können. Am Tag seiner Beerdigung hatte sie sich geschworen, nie wieder so einfach aufzugeben. Nie wieder. Egal wie die Umstände waren, egal welche Mittel ihr zur Verfügung standen. Und nun, nur kurze Zeit nach Volkers Tod, lag der Colonel vor ihr. Blutvergiftung. Sie wischte sich über die Augen, die sich mit Tränen füllten. Doch sie riss sich zusammen. Dieses Mal würde sie stark bleiben und kämpfen.

    Warum auch immer, aber TJs Blick wanderte in Richtung Varros Nachtlager. Beide hatten die letzten zwei Tage nur wenig miteinander gesprochen. Varro nahm seine Aufgaben als frisches Crewmitglied sehr ernst und tat alles, um sich vollständig zu integrieren. TJ fühlte sich irgendwie zu ihm hingezogen, bereits auf der Destiny hatte es zwischen ihnen kräftig geknistert. Aber TJ empfand auch noch viel für Young. Ein leichtes Schmunzeln huschte ihr übers Gesicht als sie sich daran erinnerte, wie der Colonel manches Mal mit bissigen Kommentaren versucht hatte seine leichte Eifersucht zu überspielen. TJ wurde klar, dass sie sich entscheiden musste. Wollte sie tatsächlich mit Varro eine Beziehung eingehen oder ihre frühere Beziehung mit Young wieder aufleben lassen? Sie fühlte sich hin und her gerissen, mochte beide Männer. Jeder war auf seine Art faszinierend. Und beide hatten mehr als einmal betont bzw. kleine, versteckte, Signale ausgesendet, dass sie immer für sie da wären. TJs Blick fiel wieder auf Young.
    Die Sanitäterin dachte an den Abend, als sie am knisternden Lagerfeuer Youngs Wunde genäht und ihn anschließend geküsst hatte. Der Colonel hatte sich nicht gesträubt, ganz im Gegenteil sogar, er hatte sich gänzlich darauf eingelassen. In TJ stieg Wärme auf. Für sie ein klares Zeichen, dass sie sich unbewusst bereits entschieden hatte.

    Einige Zeit grübelte TJ noch über Verschiedenes nach. Als Young sich zu bewegen begann, strich sie ihm zärtlich über die Wange. TJ hoffte, dass er endlich wieder zu sich kommen würde, sich nicht ein weiterer Alptraum ankündigte. Und tatsächlich öffnete er langsam die Augen. „Hey“, lächelte TJ ihn sofort an.
    „Ist… ist es vorbei?“, krächzte er matt. Seine Stimme klang rostig und Young ahnte, dass er wohl doch mehr geschrieen haben musste als er es geplant hatte. Sofort reichte TJ ihm etwas zu trinken an. Sie musste seinen Kopf etwas anheben, da er viel zu schwach war ihr etwas entgegen zu kommen. Langsam ließ sie ihn kleine Schlücke trinken.
    „Schon länger. Du hast den Rest nicht mehr mitbekommen, Everett.“
    „Wehe… wenn das hat nicht geholfen, TJ“, drohte Young.
    Während sie ihn anschließend wieder ordentlich zudeckte, fragte TJ: „Wie fühlst du dich?“ „Müde… Müde und kaputt.“
    TJ lächelte. „Glaub ich dir gerne. Und nun versuch zu schlafen, Everett. Okay?“
    „Okay…“, murmelte Young, dem bereits die Augen wieder zu fielen. Er war wirklich zum Umfallen geschwächt. Voller Sorge schaute TJ ihn noch eine Weile an. Sie betete, dass er die Nacht gut überstehen würde.

    Stunden später zuckte TJ erschrocken zusammen als jemand „wie sieht’s aus?“ flüsterte. Es war Camile, die sich nun neben die Sanitäterin hockte und besorgt auf den Colonel schaute. TJ war gerade dabei, Youngs Stirn zu kühlen. Nebenbei erklärte sie mit müder Stimme: „Bis jetzt ganz gut. Er hat noch immer hohes Fieber. Wir müssen abwarten und können nur hoffen, dass er nicht wieder anfängt zu halluzinieren.“
    In diesem Moment stöhnte Young kurz auf, nuschelte etwas Unverständliches und drehte den Kopf auf die andere Seite. Er träumte wieder.
    Besorgt schauten die beiden Frauen auf ihn runter. „Das geht schon länger so. Aber immerhin wird er nicht mehr so unruhig, dass er die Decken von sich wühlt oder sogar hochschreckt.“ „Gott sei Dank. Und was ist mit dem Schüttelfrost?“
    In Camile stieg Hoffnung auf als TJ verneinend den Kopf schüttelte. „Bis jetzt nichts mehr.“

    „Hören Sie, TJ, Sie sollten sich auch etwas hinlegen und versuchen zu schlafen. Ich bleibe beim Colonel und passe weiter auf.“ TJ gähnte herzhaft, Camiles Idee klang wie Musik in ihren Ohren. Aber sie erinnerte sich an ihren Schwur an Volkers Grab. „Danke, Camile. Ich weiß das wirklich zu schätzen, aber…“
    „Kein ‚Aber’“, setzte Camile mit leiser Stränge an, „Sie können nicht ewig so weiter machen wie bisher. Sie brauchen Schlaf, TJ, und zwar dringend. Sie haben doch bestimmt seit letzter Nacht kaum ein Auge zu getan, stimmt’s?“
    „Ich… ich weiß nicht…“
    Camile verdrehte die Augen. Genau wie der Colonel, konnten auch seine Leute stur wie ein Esel sein. „Wenn ich könnte, würde ich es Ihnen befehlen, TJ. Wenigstens für ein paar Stunden, hm?“
    TJ schaute abwechselnd von Young zu Camile und wieder zurück. Dann, nach einem weiteren herzhaften Gähnen, ließ sie sich auf das Angebot ein. Allerdings zog sie sich nicht in ihren eigenen Unterschlupf zurück, sondern lehnte sich einfach gegen einen Baum an Youngs Fußende. Camile verzichtete darauf Protest einzulegen. Sie wusste, dass sie nicht mehr erreichen konnte. Dann wandte sie sich wieder dem schlafenden Young zu und drückte die über ihn ausgebreiteten Decken etwas fester an ihn. „Ich wünsche Ihnen eine gute Nacht, Colonel.“



    Fortsetzung folgt...


  14. #10
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Ich habe es schon die ganze Zeit geahnt, die Wunde muss ausgebrand werden. Es bleibt TJ unter diesen Bedingungen auch gar nichts anderes übrig. Es muss sein, sonst stirb er oder TJ muss ihm wirklich das Bein amputieren, oh man, bloß das nicht.

    Toll wie Greer an den Col. glaubt, wenn das nicht hilft, dann weiß ich auch nicht....!

    Scott warf einen Blick zu Youngs Lager, erinnerte sich an die letzten Stunden. „Dann bete“, meinte er traurig.
    Oh je, Scott scheint die Hoffnung schon fast aufgegeben zu haben, nee das darf er nicht!

    Ah, Eli und Cloe sind dahinter gekommen wo Rush sein könnte, schlau diese beiden, sie haben recht.

    Ach, armer Eli, da hat er gar nicht bemerkt, dass auch er Rush was bedeutet, bzw. das er große Stücke auf ihn hält.

    R.I.P Dr. Dale Volker

    Ach wie schön, TJ hat sich doch für ihren Everett entschieden, gut so, auch wenn mir Varro ein wenig leid tut. Aber TJ gehört zu Col.Young, basta.

    Camile kann ja richtig nett sein, erst bei Eli und jetzt bei TJ. In der Not rückt man eben zusammen, gut so. So sollte es sein, so gehört sich das.

    Das war wieder ein super Kapitel! Bin sehr neugierig und gespannt wie es weitergeht!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  15. Danke sagten:


  16. #11
    Young-Fan Avatar von Mason
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    Und hier das letzte Kapitel dieser Story.


    KAPITEL 5:



    TAG 3


    Über den Berg

    TJ öffnete müde die Augen. Sie wunderte sich, wohl doch einige Stunden geschlafen zu haben. Es war bereits heller Tag und im Camp herrschte alltägliches Treiben. Schnell rieb sie sich den Schlaf aus den Augen und war wieder voll da. „Guten Morgen, TJ“, sprach Camile sie lächelnd an als TJ sich wieder neben Young setzte und seine Stirn fühlte.
    „Wie war die Nacht?“, kam diese ohne Umschweife auf den Punkt. „Oh, ganz gut. Er war zwar ab und zu etwas unruhig und ist auch einmal hoch geschreckt, aber es war bei weitem nicht mehr so schlimm wie zuvor.“ Camile berichtete weiter, dass Young nach dem Hochschrecken nicht mehr desorientiert gewesen war, sondern sofort wusste wo er war und wer bei ihm saß. Und, was TJ bald noch mehr erfreute, war das Ausbleiben des Schüttelfrostes. Alles in allem, schien sich sein Zustand ein wenig gebessert zu haben.

    Während TJ sich die Wunde an Youngs Bein besah, wurde dieser langsam wach und zuckte zusammen. „Au!“
    „Wie fühlen Sie sich, Colonel?“, versuchte Camile ihn gleich abzulenken.
    „Wie durch nen Wolf gedreht“, murmelte er, als er sich wieder zurückfallen ließ, „Aber etwas besser. Glaube ich zumindest…“
    TJ untersuchte noch immer Youngs Schienbein. „Deine Wunde sieht soweit ganz gut aus, Everett. Allerdings wirst du um eine Narbe nicht herumkommen“, stellte sie fest.
    „Was du nicht sagst…“ Young verzog das Gesicht. Sein Bein war noch ziemlich empfindlich und die Schwellung spürte er auch, als TJ den Verband wieder anlegte.
    Anschließend legte sie ihm nochmal die Hand auf Stirn und Wange, wollte sicher gehen, sich vorhin nicht geirrt zu haben. „Hm, dein Fieber scheint auch etwas gesunken zu sein. Es ist zwar nach wie vor hoch, aber nicht mehr so extrem.“ Nachdem sie auch noch seinen Puls kontrolliert hatte, stellte sie erleichtert fest: „Ich glaube, du bist über den Berg, Everett.“
    „Wie schön“, nuschelte Young, den schon wieder die Müdigkeit zu übermannen drohte. „Recht so. Ruh dich aus, damit du schnell wieder auf die Beine kommst.“ TJ strich ihm nochmal über die Wange, doch Young war bereits eingeschlafen.

    Die beiden Frauen atmeten erleichtert auf. „Wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, dürfte er es geschafft haben.“
    „Ich gehe und sage es den anderen. Die werden sich bestimmt über die gute Nachricht freuen.“ Camile stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. TJ ahnte, dass es nicht lange dauern würde, bis Scott oder Greer hinter ihr standen um sich zu vergewissern. Aber das machte ihr nichts aus. Sie kannte die beiden Jungs gut, wusste, dass auch sie die letzten Tage ziemlich belastet hatte.

    Auch wenn sich der Colonel ein wenig besser fühlte, er hatte noch immer Fieber und verbrachte so den Tag in seinem Unterschlupf. Meistens schlief er wie ein Stein. Es war der Genesungsschlaf, der immer tief, traumlos und lang verlief. Die Blutvergiftung hatte seinem Körper ganz schön zugesetzt. Zwischendurch schaffte TJ es ihn zum Essen zu überreden, oder es schauten die üblichen Verdächtigen vorbei. Aber es dauerte nie lange und Young packte wieder die bleierne Müdigkeit.

    Youngs Erkrankung hatte die letzten Tage wie eine dunkle Wolke über dem Camp gehangen. Doch jetzt, am dritten Tag, stieg die allgemeine Stimmung um Einiges. Es schien, als wäre allen eine schwere Last von den Schultern genommen worden. Jeder hatte geschärfte Sinne, achtete mehr auf sich und seine Kameraden. Niemand wollte, dass so etwas noch mal geschah. Im gesamten Camp schrumpften die Sorgen wieder auf die Sorgen zusammen, die sie vor Youngs Krankheit hatten und auch danach noch einige Zeit haben würden - aus dem provisorischem Camp eine halbwegs vernünftige Behausung zu schaffen.


    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX


    TAG 5


    Aussprache

    Es war Youngs zweiter Tag nach denen, wo er um sein Leben hatte kämpfen müssen. Seine Genesung machte kleine, aber konstante Fortschritte. Das Fieber sank langsam und sein Appetit kehrte zurück. Dennoch fühlte sich noch immer schlapp und müde. TJ hatte ihm gestattet aufzustehen und leichte Arbeiten zu übernehmen, wenn ihm danach war. Sie wusste, er würde eh nicht mehr lange zu bändigen sein. Aber das Camp verlassen, dass durfte er nicht. Sa hatte sie einen dicken Riegel vorgeschoben. So hockte er mit verbundenem Bein bei den anderen und half ihnen. Er war froh, endlich wieder etwas für die Gemeinschaft tun zu können, auch wenn’s nur Kleinigkeiten waren.

    Am späten Abend hockte er zusammen mit TJ am Lagerfeuer. Die anderen waren schon längst verschwunden. Zum Teil, weil sie einfach müde waren und schlafen wollten, zum anderen aber auch weil sie ahnten, dass der Colonel und TJ etwas Zeit für sich haben wollten. Sie hatte eine Decke geholt und sie über ihre und seine Beine ausgebreitet. Young starrte nachdenklich in die Flammen.

    „TJ? Kann ich mal mit dir über etwas reden?“
    Verwirrt schaute sie ihn an. Was war denn nun los? TJ merkte, dass ihn wieder diese Niedergeschlagenheit packte, wie sie es von ihm bereits kannte. Seine Hand in die ihrige nehmend, fragte sie besorgt: „Was ist denn?“
    Young brauchte ein paar Minuten, überlegte wie er anfangen sollte. „Ich… ich war auf der Destiny“, kam es schließlich zögernd über seine Lippen.
    „Was redest du da? Wir waren doch alle auf der Destiny, Everett.“
    „Nein, nicht so. Ihr wart nicht da.“
    TJ wurde mulmig. „Everett, wovon redest du?“

    Young fing an zu kokeln. Es fiel ihm wirklich nicht leicht darüber zu sprechen. „Ich… ich war allein dort. Allein mit Rush.“
    Als TJ das hörte, zuckte sie zusammen. „Rush? Aber Rush ist doch….“
    „Tot. Ich weiß.“
    Verwirrt und gleichzeitig erschrocken schaute sie Young an. Sie bekam Angst, dass er einen Rückfall erleiden und wieder Fieber bekommen würde.
    „Schau mich nicht so an. Ich versteh es ja selbst nicht mal.“

    TJ schluckte. „Also gut. Erzähl.“ Immer wieder stockend, erzählte der Colonel ihr von seinen Träumen mit Rush. TJ gab ihm alle Zeit, die er brauchte und wartete geduldig ab, bis er fertig war. „Er… er hat mich fast schon zurückgejagt.“
    „Ich versteh das nicht. Wenn du sagst er sei tot, warum warst du dann bei ihm?“
    „Wenn ich das wüsste, TJ, wenn ich das wüsste.“
    „Aber warum ausgerechnet auf der Destiny?“
    Nachdenklich starrten beide in die Glut.
    „Es war so… so real, TJ. Ich habe das Eisen gespürt, das ganze Metall. Halt mich für verrückt, aber… aber ich habe sogar die miese Luft gerochen.“

    Die Sanitäterin senkte den Blick. Youngs Erzählungen erinnerten sie an ihre eigene „Reise“. Damals, beim Angriff der Luzianer Allianz war sie schwer verletzt worden und hatte dadurch ihr Baby, Carmen, verloren. Im Koma liegend hatte TJ sich auf Eden wieder gefunden, auf dem Planeten, wo vor Monaten einige Crewmitglieder die Destiny verlassen und dort eine neue Heimat aufgebaut hatten. Lange hatte sich TJ an ihre Erinnerung festgeklammert, dass sie Carmen dort in gute Hände übergeben hatte, dass Carmen dort ein gutes Leben führen würde. Wieder genesen, hatte TJ mit der Zeit begriffen, dass sie das alles nur geträumt hatte und Carmen definitiv tot war. Und nun hatte Everett ähnliche Probleme.

    „Und Rush war ganz nochmal, so wie sonst auch? War es so real, wie ich es gerade für dich bin, obwohl er tot ist, Everett?“ TJ spürte, dass es Young schon fast unangenehm wurde. Vorsichtig hakte sie nach. „Ist da noch mehr?“
    Doch der Colonel starrte gedankenverloren vor sich hin, schien durch das Feuer hindurch zu sehen.
    „Everett… hey…“ Sie stupste ihn leicht an. „Raus mit der Sprache. Was war noch?“

    „Ich…“, Young schluckte und fuhr leise fort, „ich wollte nicht zurück.“
    „Was? Was meinst du damit, du wolltest nicht zurück?“
    „Ich wollte nicht mehr… nicht mehr leben. Ich glaube, deswegen bin ich bei Rush gelandet. Vielleicht aber auch nicht… Aber ich glaube er wollte mich zurückschicken. Er hat die ganze Zeit gesagt, dass ich nicht dorthin gehöre. Dort, wo er jetzt ist.“ Young stutzte erneut und TJ ließ ihm die Zeit. „Die ganze Zeit über wollte er nur, dass ich verschwinde. Mit seiner typischen Rush-Art eben.“
    TJ grinste. „Ganz wie wir ihn kennen…äh, kannten.“
    „Er ist tot, TJ. Und das ist allein meine Schuld. Ich hätte ihn mit mir zerren müssen, ihn nicht dort allein zurücklassen dürfen. Jetzt…jetzt ist er tot…“
    TJ verstand gut, wie sich der Colonel fühlte. Sie rückte näher an ihn heran und hakte sich bei ihm ein. „Wie hat er reagiert? Ich meine, war er sauer oder aufgebracht?“
    Young schüttelte den Kopf. „Nein. Aber genau das ist es ja, was mich verrückt macht.“ TJ jetzt anschauend, meinte er weiter: „Er war total gelassen. Es schien ihn nicht einmal zu stören, dass er tot ist.“
    Nachdenklich hielt sie seinem Blick stand. „Vielleicht weil er dort ist, wo er hingehört, Everett. Er ist dort gestorben, wo er wirklich zu Hause ist. Auf der Destiny. Wie wissen doch beide, wie sehr Rush an diesem Schiff gehangen hat. Es war sein Zuhause.“

    Wieder in die Flammen schauend, saßen beide eine Weile schweigend beisammen. Jeder hing seinen Gedanken nach. Es war TJ, die schließlich die Stille brach. „Vielleicht warst du deswegen bei ihm.“
    Young sah sie verwirrt an.
    „Weil er noch immer dort ist. Zwar nicht mehr so wie früher, aber ein Teil von ihm ist noch auf der Destiny. Er gehört dort hin. Dort hast du, dort haben wir ihn zuletzt lebend gesehen.“
    TJ griff nach der Hand des noch immer verwirrten Young und schaute ihm fest in die Augen.
    „Aber du gehörst dort nicht hin, wir alle gehören dort nicht hin. Und genau das wollte er dir sagen. Das war sein Zuhause, aber niemals unseres und niemals deines. Er wollte, dass du begreifst, dass du hier auf Novus die Möglichkeit hast, dir ein neues Zuhause zu schaffen. Ein Zuhause, in dem du endlich in Ruhe und Frieden dein Leben leben kannst.“
    Young schluckte und TJ setzte nach. „Er hat dir dasselbe versucht einzutrichtern, wie ich es versucht habe.“
    Und dann tat TJ etwas, was sie auch in dem Moment, den sie meinte, getan hatte: erneut drückte sie Young einen Kuss auf die Lippen. Und wie bereits vor ein paar Tagen wehrte er sich nicht.


    XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX


    Die Erkenntnis

    In Young hatte es mächtig zu arbeiten begonnen. Er lag mittlerweile wieder in seinem Unterschlupf. Aber, obwohl er mehr wie erschöpft war, konnte er nicht in den Schlaf finden. TJs und Rushs Worte hallten immer und immer wieder durch seinen Kopf. Dann, er war irgendwann doch im Halbschlaf, begann sich ein Bild vor seinen Augen zu formen. Wäre Young noch wach genug, würde er sich die Augen reiben und aufstehen, aber er war schon zu sehr am wegdämmern.

    „Verstehen Sie jetzt was ich von Ihnen wollte? Sind Sie jetzt endlich angekommen, Colonel?“

    Es war die Stimme eines ihm sehr bekannten Wissenschaftlers. Es war die Stimme des Dr. Nicholas Rush, die sich einen Weg zu Young bahnte.

    „TJ wartet auf Sie, Colonel. Sie alle warten auf Sie. Tun Sie endlich das Richtige und sorgen Sie für eine schöne Zukunft für sich und die Crew. Sie alle haben es verdient, Colonel.“

    Young schaffte es kaum noch, die Augen offen zu halten. Der Schlaf griff immer mehr nach ihm.

    „Sie haben Recht, Rush. Wie so oft haben Sie Recht…“, murmelte Young vor sich hin, „Sie verdammter…“ Young war eingeschlafen.

    Die schemenhafte Gestalt des Wissenschaftlers schaute auf den tief und fest schlafenden Colonel hinunter. Ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Seine Aufgabe war getan, jetzt konnte Rush sich endlich um sich selbst kümmern.



    - E N D E -


  17. #12
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Gott sei Dank geht es dem Col. besser und alle können wieder mit etwas mehr Freude ihren alltäglichen Dingen nachgehen. Ihnen allen ist ein Stein vom Herzen gefallen.

    Ach das tut so gut, dass Everett endlich mit TJ reden kann, über all das was er in seinen Träumen erlebt hat.
    Schön, das sie ihm glaubt und das sie sich wieder näher kommen.

    Endlich scheint der Col. kapiert zu haben, dass er da wo er jetzt ist hingehört. Was ihm durch das erneute erscheinen von Rush in seinen Träumen noch mal bestätigt wird.

    Danke für diese sehr schöne, aber auch teilweise traurige, FF.
    Ich hoffe, Ihr lasst bald mal wieder was von Euch hören!
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  18. Danke sagten:


  19. #13
    Young-Fan Avatar von Mason
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    Hallo, liebe Leser.


    @ AsgardKlon, Skydiver, Artemis-Neith, John's Chaya: Vielen Dank für das "Danke"-Drücken! Teyla-Nick94 und ich freuen uns sehr, dass es Euch gefallen hat


    @ John's Chaya: Du treue Seele... vielen Dank für Deine tollen Reviews. Unermüdlich kam nach jedem Kapitel ein Feedback von dir. Sowas ist nicht selbsverständlich. Teyla-Nick94 und ich haben uns wahnsinnig darüber gefreut. Vielen, vielen Dank.

  20. Danke sagten:


  21. #14
    Staff Sergeant Avatar von Artemis-Neith
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    Zitat Zitat von Mason Beitrag anzeigen
    Hallo, liebe Leser.


    @ AsgardKlon, Skydiver, Artemis-Neith, John's Chaya: Vielen Dank für das "Danke"-Drücken! Teyla-Nick94 und ich freuen uns sehr, dass es Euch gefallen hat
    […]
    Keine Ursache, sehr gern geschehn!

    Auch, wenn ich mir schon halb gedacht habe wie die Geschichte enden würde, hat sie mir gefallen. Schön, daß ihr gezeigt habt, daß die Ankunft auf dem neuen Planeten keineswegs ohne Gefahren abgelaufen sein kann, jede Verletzung kann unter diesen Umständen zu gefährlichen Erkrankungen führen, die aber auch keineswegs zwangsläufig zum Tod führen müssen.

    Young's Halluzinationen sind für mich absolut glaubhaft geschildert, und auch wenn Young Rush nie ganz vertraut hat, gab es zwischen den beiden zu dem Zeitpunkt der Geschichte durchaus schon eine bessere Basis des Verstehens.

    Leider konnte ich nicht früher antworten, ich habe im Moment nur sehr unregelmäßig Zeit, um mich um meine Fanangelegenheiten zu kümmern, dann muß manchmal einiges liegenbleiben.

  22. Danke sagten:


  23. #15
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Zitat Zitat von Mason Beitrag anzeigen
    Hallo, liebe Leser.


    @ AsgardKlon, Skydiver, Artemis-Neith, John's Chaya: Vielen Dank für das "Danke"-Drücken! Teyla-Nick94 und ich freuen uns sehr, dass es Euch gefallen hat

    @ John's Chaya: Du treue Seele... vielen Dank für Deine tollen Reviews. Unermüdlich kam nach jedem Kapitel ein Feedback von dir. Sowas ist nicht selbsverständlich. Teyla-Nick94 und ich haben uns wahnsinnig darüber gefreut. Vielen, vielen Dank.
    Das ist eine sehr tolle FF, die sehr spannend, unterhaltsam u. traurig war und es hat sehr viel Spaß gemacht sie zu lesen.
    Sie ist so schön geschrieben und es war daher ein leichtes sie einfach super zu finden.
    Also hat es mir auch sehr viel Spaß gemacht Feedbacks zu schreiben!!!
    LG Eure John´s Chaya
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

  24. Danke sagten:


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