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Thema: Nebenfiguren: Vorspiel (Lorne, OCs)

  1. #1
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Standard Nebenfiguren: Vorspiel (Lorne, OCs)

    Weil mir langweilig ist und der Rest der Familie rum-wiit (ja, das ist ein Wort), dachte ich mir, kann ich auch gleich noch die Nebenfiguren hier einführen. Gemeint ist damit SG-10, die sozusagen der Beginn meiner Karriere als Stargate-Fanfiction-Autorin waren und mir immer noch sehr am Herzen liegen (tatsächlich hab ich mir vorgenommen, dieses Jahr mal wieder wenigstens einen Mehrteiler zu schreiben). Das Universum ist dasselbe wie Semper Fi (das heißt, der Lorne hier ist derselbe wie in den Semper Fi Geschichten), fängt aber viel früher (ein Jahr vor dem Beginn von SGA) an und hat Lorne (und sehr viel später auch Cadman) eher als Nebendarsteller.

    Titel: Waffenbrüder
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: introspection
    Charakter/Pairings: Lorne, OC
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): K+
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Ich präsentiere... Master Sergeant Simon "Dee" DeLisle, das erste Mitglied von SG-10, das sich hier vorstellt. Spielt etwas vor "Enemy Mine".
    Kurzinhalt: Major Evan Lorne fragt sich, warum Master Sergeant Simon DeLisle sich immer noch alles von seinem CO, Major Thomas Moore, gefallen lässt.

    Waffenbrüder


    “Through these fields of destruction
    baptisms of fire
    I've witnessed your suffering
    as the battle raised higher
    and though they did hurt me so bad
    in the fear and alarm
    you did not desert me my brothers in arms.”

    Dire Straits, “Brothers in Arms”

    Er beobachtet beide schon seit einer Weile, aber er versteht sie einfach nicht. Es ist jetzt drei Monate her, seit Major Thomas Moore und Master Sergeant Simon DeLisle im SGC angekommen sind, nur ein paar Wochen nach ihm und seitdem kann er einfach nicht anders als sie zu beobachten. Er kannte mal einen von beiden – Major Moore – recht gut, aber es fühlt sich irgendwie an, als sei das vor Ewigkeiten gewesen.

    Okay, eigentlich ist das tatsächlich eine kleine Ewigkeit her. Sie waren in derselben Abschlussklasse an der Academy und haben irgendwie immer den Kontakt gehalten über die Jahre, während sie sich auf Stützpunkten gesehen haben, im Einsatz, auf Lehrgängen, Hochzeiten, bei formellen Anlässen… und dann, plötzlich, war Moore weg. Von einem Tag auf den anderen, hat er einfach keine E-Mails, Anrufe oder sogar Postkarten beantwortet… von niemandem. Es war, als wäre Moore einfach verschwunden gewesen.

    Und jetzt, plötzlich, ist er nach einem Jahr wieder zurück und taucht ausgerechnet im SGC auf, als wäre es die normalste Sache der Welt… mit diesem stillen, ernsten Sergeant im Schlepptau. Zuerst war ihm DeLisle gar nicht aufgefallen, während er versucht hatte, sich Moore wieder anzunähern – der war aber ziemlich unwillig gewesen. Es ist nicht so, als hätte er ihn angeblafft oder so… Er war sogar irgendwie sein übliches unausstehliches Selbst gewesen, aber wann immer er versucht hatte, ihn über das Jahr, in dem er weg war, auszufragen… hat Moore einfach die Fragen ignoriert.

    Nach einer Weile wurde ihm klar, dass, wann immer er dabei war, aus Moore herauszukriegen, wo er gewesen war oder was er getan hatte… DeLisle nicht weit weg war, immer da, um Moore einen Grund zu geben, die Unterhaltung abzubrechen und irgendwo hin zu verschwinden. Tatsächlich scheint DeLisle so gut wie immer da zu sein, wenn die Gefahr besteht, dass jemand Moore über dieses Jahr ausfragt… oder er sich in einer großen Gruppe bewegen muss… oder er Unterstützung auf einem Einsatz braucht…

    Zuerst hatte er gedacht, dass DeLisle ein Wachhund war, den man Moore zugeteilt hatte, um ihn aus irgendeinem Grund im Blick zu behalten, aber je länger er beide beobachtet hatte, desto mehr war ihm klar geworden, dass DeLisle Moore nicht überwacht, sondern… beschützt. Na ja, oder sein Bestes versucht, denn so wie er Moore kennt… ist er sich sicher, dass der DeLisle schon ein paar mal entwischt ist, aber der Sergeant macht einfach weiter. Unaufdringlich, aufmerksam und wachsam, und damit macht er ihn sehr, sehr neugierig.

    Also hatte er versucht, ein bisschen was über Moore und DeLisle herauszufinden. Aber alles, was er über Moore gefunden hatte, waren Sachen, die er schon wusste – selbst als er einen kleinen Ausflug in die nicht ganz so öffentlich zugänglichen Informationen gewagt hatte – und wirklich nichts über dieses Jahr. DeLisle, allerdings… erwies sich als ganz anderes Kaliber. Der Mann hat wesentlich länger als Moore verdeckt gearbeitet… gute Güte, er weiß nicht mal, ob Simon DeLisle tatsächlich sein echter Name ist.

    Und er ist sich fast sicher, dass er ein paar Fallen bei seinen Nachforschungen über den Sergeant ausgelöst hat – ansonsten wäre der Absturz seines Laptops vor zwei Wochen inklusive der kompletten Löschung seiner Festplatte, die man auch nicht wiederherstellen konnte, selbst für das SGC ein sehr großer Zufall gewesen. Seitdem hat er sich von computerbasierter Recherche tunlichst ferngehalten.

    Also hat er sich auf das reine Beobachten konzentriert und auch ein bisschen menschlich-basiertes Datensammeln – auch bekannt als "versuchen, Leute dazu zu kriegen, etwas zu verraten, was selbst für SGC-Personal zu geheim ist" – aber bis jetzt… weiß er auch nicht viel mehr als vorher.

    Zum Beispiel… wie DeLisle es schafft, so unglaublich ruhig zu bleiben, wenn Moore seinen Ärger aus ihm auslässt. Vor ein paar Tagen waren sie zusammen auf einem Einsatz, der ziemlich schnell daneben ging und während Moore absolut ruhig und professionell unter Feuer geblieben war – fast schon ein bisschen zu ruhig, wenn man bedenkt, dass er nie wieder so… anschauliche Sprache gehört hat wie von Moore auf der Academy, wenn sie auf Übung waren – hatte er, sobald er dachte, sie wären alleine, angefangen sich so richtig an DeLisle abzuarbeiten.

    Er hatte sich beschwert und herum geflucht und Dampf abgelassen wie in den guten alten Zeiten und DeLisle hatte einfach nur dagestanden und der Krankenschwester dabei zugesehen, wie sie seinen Arm verbunden hatte. Mann, er war mindestens ein oder zweimal versucht gewesen, Moore anzubrüllen und ihm zu sagen, dass er sich seinen Mist gefälligst sonst wohin schieben soll, als er gesehen hatte, wie Moore DeLisle in einem Korridor angebrüllt hatte oder ihn in der Kantine angeknurrt hatte oder ihn im Bereitschaftsraum dumm angemacht hatte. Aber DeLisle… nimmt das nur mit stoischer Ruhe hin… da ist nicht mal ein diskretes Verdrehen der Augen oder ein genervtes Kopfschütteln.

    Nur… nur manchmal ist da so ein minimales Zucken der Schultern… so wie ein sehr kurzes, sehr leises besorgtes Seufzen. Verdammt, er wird nie herausfinden, was das zwischen den beiden nur ist, wenn er nicht… wenn er nicht einfach mal mit DeLisle redet. Hm. Das war jetzt irgendwie zu einfach… oder wäre es gewesen, wenn DeLisle nicht so verdammt unauffällig in seinem Verhalten wäre.

    Er könnte sich selber dafür ohrfeigen, dass er die logischste Erklärung so lange übersehen hat und entscheidet, sich mal auf den Weg zum Sprengstofflabor zu machen, weil das eines der ganz, ganz wenigen Dinge ist, die er über DeLisle hatte herausfinden können; der Sergeant ist ein Sprengstoffexperte und er hat Zugang zum Labor des SGC. Also vielleicht kann ihm da jemand verraten, wo er De… oh. Huch. Da ist er ja.

    Okay… okay, jetzt bloß nicht den Sergeant verscheuchen. Vorsichtig betritt er das Labor und bleibt neben dem Sergeant, der sich gerade über eine Probe beugt, stehen. Bevor er sich allerdings mit einem Hüsteln oder so bemerkbar machen kann, sagt DeLisle: „Kann ich Ihnen helfen, Sir?“

    Gut. Das… war vermutlich zu erwarten gewesen. Wenn es etwas gibt, das ihm die nicht existierenden Informationen mitgeteilt haben, dann dass Simon DeLisle wahrscheinlich ein sehr gefährlicher Mann ist und weiß, wie er sich in jeder möglichen Situation verteidigen kann. Sich immer seiner Umgebung bewusst zu sein, muss fast natürlich für ihn sein.

    Also… Ausrede. Er braucht eine Ausrede, warum er hier ist… „Ich, äh… Ich war auf der Suche nach Major Moore. Haben Sie irgendeine Idee, wo er stecken könnte?“ Das ist wahrscheinlich die lahmste Frage aller Zeiten.

    „Sie sollten es im Kraftraum versuchen, Sir. Normalerweise findet man ihn dort um diese Zeit.“ Ja. Das… hat ihn ja jetzt nicht sonderlich weit gebracht.

    Er räuspert sich und kommt sich aus irgendeinem Grund auf einmal ziemlich blöd vor. DeLisle, allerdings, scheint kein bisschen beeindruckt zu sein. „Natürlich… danke. Ich werde einfach…“ Nein. Er bekommt vielleicht nie wieder eine Chance, DeLisle alleine zu erwischen und außerdem… verdammt, er ist ein Major. Noch nicht seit besonders langer Zeit, aber darum geht’s hier nicht. „Oh, nein, eines noch: Ich frage mich das schon seit geraumer Weile. Wie genau haben Sie Major Moore eigentlich kennengelernt?“

    DeLisle hebt die Augenbrauen. „Sir?“ Oh, na toll, der Sergeant hat es geschafft, dass er sich noch blöder vorkommt… alleine mit einer kleinen Bewegung im Gesicht und einem einzigen Wort. Jep, das ist definitiv ein gefährlicher Mann.

    „Na ja, sehen Sie, Major Moore und ich waren in derselben Klasse an der Academy und wir haben irgendwie den Kontakt verloren, eine Weile bevor Sie hierhergekommen sind. Ich versuche nur… mir zusammenzureimen, was genau passiert ist.“ Okay, vielleicht hätte er einfach direkt sagen sollen, dass er Moore einfach nicht zum Reden kriegt.

    Aber so, wie es aussieht, konnte sich DeLisle das sowieso auch alleine zusammenreimen. „Mit allem nötigen Respekt, Sir, aber… mir wäre es lieber, wenn Sie mich das nicht fragen würden. Es… steht mir nicht zu, Ihnen darüber irgendwas zu sagen.“ Ja, das hätte er wissen sollen. Leider hat das nur dazu beigetragen, seine Neugier zu erhöhen, denn… der Sergeant hat gerade in seiner ganzen Haltung eine unglaubliche Loyalität gezeigt und er kann nicht anders, als sich zu fragen, was genau das inspiriert hat.

    Wie auch immer. Da DeLisle weiß, was er will und warum er hier ist, kann er auch damit aufhören, um den heißen Brei herumzureden. „Also… waren Sie auch das letzte Jahr sein Untergebener?“

    Einen Augenblick lang sieht es so aus, als wolle DeLisle… ihm tatsächlich etwas erzählen, aber am Ende bleibt es bei einem eher distanzierten: „Diese Frage darf ich nicht beantworten, Sir.“

    Klar. Trotzdem hat es ihm genug gesagt, einfach nur von der Art her, wie der Sergeant es gesagt hat. „Das nehme ich mal als ein Ja.“

    DeLisle fängt an, ein wenig unglücklich auszusehen, schafft es aber, seinen Ton fast gleichmäßig zu halten. „Noch einmal, Sir… die Antwort ist über meinem Dienstgrad.“ Eigentlich… ist es wohl eher so, dass die Antwort über seinem Dienstgrad liegt oder zumindest hat er das Gefühl, dass es so ist. Das wird hier gerade richtig interessant… und wahrscheinlich auch zu heiß. Was auch immer Moore und DeLisle während dieses Jahres gemacht haben… es muss schmutzig gewesen sein. Sehr schmutzig; und ihm wird klar, dass er es vielleicht auch gar nicht mehr so genau wissen will. Vielleicht… sollte er davon wirklich die Finger lassen, wenigstens noch für ein paar Jahre.

    Allerdings… gibt es da noch eine Sache, die er wissen will und so muss er einfach fragen. „Okay… okay, das verstehe ich. Ich frage mich nur… warum zur Hölle Sie sich noch mit dem Mist rumschlagen, den Major Moore regelmäßig auf Ihnen ablädt.“

    Wieder öffnet DeLisle seinen Mund, um etwas zu sagen, überlegt es sich dann aber noch mal. Letztendlich sagt er leise und sehr ernst: „Weil es irgendjemand machen muss, Sir.“

    Oh. Na ja… das… das ist wohl auch wirklich alles, was er sagen muss. Irgendwie… macht es ihm auch klar… was für ein fürchterlich schlechter Freund er war. Statt mit Moore zu reden, weil sie nun mal Freunde sind, hatte er versucht, ihn auszufragen, seine Akten durchsucht… ist sogar so weit gegangen, seinen Untergebenen zu verhören, Himmel noch mal. Er holt tief Luft und nickt. „Danke, Sergeant.“

    Der Sergeant… sieht ihn nur einen Augenblick an und scheint zu erkennen, dass dieses kleine Wort… für mehr da war als nur als einfache Antwort und das… bringt ihn dazu, ein kleines halbes Lächeln durchscheinen zu lassen und zu sagen: „Gern geschehen, Sir.“

    Er nickt wieder und geht sogar so weit, sich peinlich berührt den Nacken zu reiben. „Tja, also… ich mach mich dann mal auf den Weg zum Kraftraum.“ Und damit verabschiedet er sich und macht sich auf die Suche nach Thomas Moore… vielleicht, um mal über Wohnungssuche in Colorado Springs zu reden oder wie sich die Falcons diese Saison so schlagen… einfach Dinge, über die sich Freunde so unterhalten, nicht wahr?
    Geändert von RowenaR (05.01.2011 um 14:38 Uhr)

  2. Danke sagten:


  3. #2
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    Titel: Der ewige Zweite
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: humor
    Charakter/Pairings: Lorne, OC
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): K+
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Nachdem wir Master Sergeant DeLisle kennengelernt haben, möchte sich hier Teammitglied Nummer Zwei, Captain Laura Greenspan, vorstellen.
    Kurzinhalt: Und so lernt Major Evan Lorne, dass er schneller sein muss, wenn er etwas haben will.

    Der ewige Zweite

    “Once upon a time there was a tavern
    Where we used to raise a glass or two
    Remember how we laughed away the hours
    And dreamed of all the great things we would do.”

    Mary Hopkin, “Those Were the Days”

    Schon wieder eine Nacht in Bereitschaft und nichts zu tun, außer im Bereitschaftsraum herumzusitzen und zum hundersten Mal versuchen, Anna Karenina fertig zu lesen, weil er es seiner Schwester versprochen hat… aber das kann warten. Er hat die Schicht ja erst vor einer halben Stunde begonnen, es ist erst 1830 und es sind immer noch jede Menge Leute auf dem Stützpunkt. Tatsächlich… tatsächlich weiß er, dass Laura Greenspan, eine Freundin eines seiner Kumpels von der Academy, vor zwei Wochen zum SGC versetzt wurde und gerade Schicht auf der Krankenstation haben müsste.

    In den letzten zwei Wochen konnte er noch nicht länger als ein paar Minuten mit ihr reden, weil sie immer in verschiedenen Schichten waren, also beschließt er, dass heute Abend mal ein guter Zeitpunkt wäre, endlich auf den neuesten Stand zu kommen. Als sie ihr erstes Jahr auf der Academy begonnen hat, war er gerade im dritten, aber er kannte sie schon vorher, weil sie Thomas Moores beste Freundin ist und ihn oft genug in Colorado Springs besucht hat, bevor sie selber in die Air Force eingetreten ist.

    Als er im zweiten Jahr war, hatte er kurz mal überlegt, sie um eine Verabredung zu bitten, aber er hatte ziemlich schnell gelernt, dass Laura Greenspan wie eine kleine Schwester für Thomas Moore war und dass man mit den kleinen Schwestern seiner Klassenkameraden nichts anfängt – hat Charlie Williamson, den dritten im Bunde, allerdings nicht davon abgehalten, was mit seiner kleinen Schwester anzufangen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

    Jedenfalls… nach ungefähr zwei Jahren mit sporadischen Briefen und E-Mails und seltenen Begegnungen auf Academy-Alumni-Treffen, ist sie plötzlich im SGC aufgetaucht. Im Nachhinein überrascht ihn das auch gar nicht mehr so sehr, denn alles, was er von ihr gehört hat war, dass sie mal wieder irgendwo Klassenbeste war oder irgendeinen wissenschaftlichen Preis abgeräumt hatte und solche Soldaten landen sowieso früher oder später im SGC.

    Außerdem hat er durch die Gerüchteküche erfahren, dass sie vor zwei Tagen endlich die Erlaubnis bekommen hat, auf Außeneinsätze zu gehen und da sie offenbar aus irgendeinem Grund nicht mit Moore redet – er hat den Verdacht, dass es was damit zu tun hat, dass Moore mal für etwa ein Jahr völlig verschwunden war und ihre Abschlussfeier verpasst hat – hat er sich schon mal Gedanken darüber gemacht, sie zu fragen, ob sie vielleicht an einem Platz in seinem Team interessiert ist. Er könnte wirklich einen Sanitäter gebrauchen und da sie ein Mann zu wenig sind… na ja, er kann’s ja wenigstens mal versuchen.

    Als er auf der Krankenstation ankommt, schlendert er hinein, erfreut, dass es heute Abend mal so richtig ruhig ist. Da er weiß, dass die Ärzte sich gerne in einem der im hinteren Teil gelegenen Büros verschanzen, wenn es so ruhig ist wie jetzt, geht er hinüber zu dem, bei dem die Tür nur angelehnt ist und aus dem er leise Musik hören kann. Er klopft und es ist tatsächlich Lauras Stimme, die antwortet. Erwartungsvoll öffnet er die Tür und betritt das Büro.

    Sie sitzt an einem Schreibtisch und füllt geduldig Formulare aus. Es überrascht ihn immer wieder. Normalerweise ist Laura Greenspan ein Energiebündel, das immer auf und ab zu hüpfen scheint und immer mal wieder jeden in ihrer Nähe damit wahnsinnig macht. Aber immer, wenn sie sich mit Papierkram herumschlagen muss… kann sie stundenlang an ihrem Schreibtisch sitzen. Manchmal hat selbst er Schwierigkeiten, ruhig und geduldig dabei zu bleiben, aber er hat noch nie erlebt, dass sie sich über Papierkram beschwert hat – oder gleich mal in einem Anfall von Frustration ganze Stapel Papier vom Schreibtisch fegt, wie Moore es gerne mal tut.

    Nach einem weiteren Augenblick, in dem sie einfach nur weiter arbeitet, räuspert er sich und sie sieht endlich auf. „Guten Abend, Major.“

    Er verdreht die Augen. „Ich hab dich nach einem zwölfstündigen Lernmarathon gesehen… na ja, eigentlich nach mehreren. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich jetzt von dir verlange, dass du mich mit Major ansprichst, oder?“

    Sie zuckt mit den Schultern, grinst dann. Ja, klar. Er hätte wissen sollen, dass sie ihn nur veralbert. „Na ja, bei euch Fliegerjungs weiß man ja nie. Ihr kommt echt auf die seltsamsten Ideen.“ Hm, sind wir immer noch sauer auf Moore? Er macht sich eine Notiz im Kopf, dass er sie nie wütend machen sollte, weil sie offenbar eine dieser Frauen mit Elefantengedächtnis ist.

    „Ach schade, ich dachte schon, ich hätte jemanden gefunden, mit dem ich heute mal ein bisschen Zeit totschlagen kann. Schätze, ich muss mir dann wohl jemanden suchen, der gerne mit mir redet.“ Wenn sie ihn veralbern kann… kann er das ja auch wohl mit ihr machen.

    Allerdings ist Laura nicht sonderlich beeindruckt, grinst nur und sagt: „Schon gelangweilt?“

    Gut. Hat wohl keinen Sinn, das zu leugnen, weil sie schon immer diesen unheimlichen sechsten Sinn gegen Lügen hatte, den alle Ärzte zu haben scheinen. Er seufzt. „Zu Tode.“

    Das lässt sie nur noch mehr grinsen. „Muss du nicht noch ein Buch fertig lesen?“

    Was zum…? Sofort verflucht er den Tag, an dem Laura und seine Schwester sich das erste Mal getroffen haben. „Ich hätte dich nie Anna vorstellen dürfen.“ Das lässt sie selbstzufrieden aussehen und er denkt, dass jetzt ein guter Augenblick wäre, das Thema zu wechseln und sie abzulenken, also sagt er: „Übrigens, ich hab gehört, dass du endlich auf Außeneinsätze gehen darfst.“

    „Jep.“ Immer noch selbstzufrieden, aber wenigstens aus einem anderen Grund.

    Na schön, also… sollte er wohl am besten jetzt fragen, bevor er vielleicht keine andere Chance bekommt. „Hast du schon ein Team?“

    Komm schon, sag nicht… „Nö. Aber es gibt ein paar, bei denen es gut aussieht.“ Ja. Seine neue erstklassige Sanitäterin ist zum Greifen nah und er muss den Deal nur noch perfekt machen.

    In dem Versuch, ganz lässig zu klingen, beginnt er mit: „Sag mal, würdest du vielleicht…“

    Er kommt allerdings nicht sonderlich weit, weil plötzlich eine Stimme von der Tür her sagt: „Lass deine dreckigen Finger von meiner zukünftigen Stellvertreterin, Lorne.“

    Überrascht dreht er sich um, um Major Thomas Moore böse anzustarren. Mit zusammengekniffenen Augen kommt er allerdings nur bis: „Was zur Hölle…“

    Moore allerdings lässt ihn schon wieder nicht den Satz beenden und sagt mit einer fast ekelerregenden Menge an Selbstzufriedenheit in der Stimme: „Ganz genau. Der Alte hat ihre Versetzung in mein Team genehmigt.“

    Mit dem Gefühl, verraten worden zu sein – Moore wusste, dass er für sein Team nach einem Sanitäter gesucht hat, verdammt – dreht er sich wieder zur betreffenden Ärztin und kann nur ein entsetztes „Laura!“ äußern.

    Laura… klimpert nur unschuldig mit den Wimpern und erwidert: „Evan?“

    Das… wird jetzt wirklich verwirrend. In dem Versuch, noch halbwegs seine Würde zu behalten, versucht er, eine Antwort auf die wichtigste Frage zu bekommen. „Hast du nicht gesagt…“

    „Na ja, er hat mir ein Angebot gemacht, das ich nicht abschlagen konnte.“ Was zur Hölle? Können die zwei ihn denn nicht mal wenigstens einen Satz beenden lassen? Gott, er hätte wissen müssen, dass es so läuft, sobald Laura entscheidet, dass sie Moore lang genug die kalte Schulter gezeigt hat. Wenn sie nicht beide seine Freunde wären, würde er sie unerträglich finden.

    Es muss allerdings immer noch eine Frage beantwortet werden und er macht einen zweiten Versuch, nicht ganz in der Lage, die Verärgerung aus der Stimme heraus zu halten. „Du warst wirklich sauer auf ihn. Du wolltest noch nicht mal über ihn reden, geschweige denn mit ihm!“

    Wenigstens hat Laura den Anstand, verlegen auszusehen – im Gegensatz zu Moore, der immer noch selbstzufrieden aussieht, der Bastard – und reibt sich den Nacken, als sie antwortet: „Bis er mir…“

    „Ein Angebot gemacht hat, das du nicht ausschlagen konntest, ja, ich hab’s verstanden.“ Das war wirklich nicht die Antwort auf seine Frage und da Laura ein bisschen rot wird, nimmt er an, dass sie das auch selber weiß.

    Natürlich muss Moore sich jetzt wieder einmischen. „Ich weiß, dass es hart ist, eine Niederlage einzugestehen, Lorne, aber du weißt doch, wie’s ist… Du warst schon immer zu langsam.“ Nur für einen kleinen, winzigen Moment ist er kurz davor, sich für diesen Kommentar auf Moore zu stürzen, weil… es zwei oder drei Gelegenheiten dieser Art gab, wo es nicht um Sanitäter für ein SG-Team ging, sondern um ein Mädchen, auf das er mehrere Wochen lang ein Auge geworfen hatte, bis Moore einfach angerauscht kam und sie dazu gebracht hatte, mit ihm auszugehen, ohne sie überhaupt zu fragen.

    Aber dann erinnert er sich daran, dass diese Tage vorbei sind und dass eine Prügelei mit einem Kameraden noch nie irgendwas gelöst hat – immerhin hat Anna Williamson am Ende geheiratet – und er beißt nur die Zähne zusammen und sagt: „Eines Tages, Moore… wirst du mitbekommen, dass das Karma immer zurückschlägt, selbst bei dir.“

    Moore will etwas antworten, aber Laura verdreht nur die Augen und er sagt nur: „Und eines Tages wirst du gelernt haben, schneller zu sein.“ Ja, na ja… vielleicht.

    Als sie sieht, dass die Spannung zwischen Moore und ihm etwas weicht, schließt Laura ihre Akte und sagt: „Hilft es dir, wenn ich dir sage, dass ich ja gesagt hätte, wenn Tom nicht schneller gewesen wäre, Evan?“

    Irgendwie… tut es das tatsächlich. Weil es heißt, dass der einzige Grund, weswegen sie Moores Angebot angenommen hat, wahrscheinlich tatsächlich war, dass der ihr bester Freund ist und das nichts damit zu tun hatte, dass er zu langsam war, sich zu entscheiden… oder dass er Moore irgendwie in seinen Fähigkeiten unterlegen ist. Er hätte es gehasst, wenn Laura ihn für einen unfähigen Soldaten gehalten hätte. Allerdings… würde er das natürlich nie öffentlich zugeben, weswegen er nur sagt: „Marginal.“

    Laura verdreht nur wieder die Augen und steht auf. „Wisst ihr, Jungs… ich verhungere hier gleich. Kommt jemand mit zum Abendessen?“

    Er sieht Moore wieder an und der grinst. Ach ja. Schneller sein… „Klar.“ Ach, was soll’s. Wenigstens war er dieses mal genauso schnell wie Moore, und das ist wahrscheinlich ein guter Anfang. Mit einem weiteren Grinsen hebt Moore nur die Augenbrauen und Laura schnaubt und gibt ihnen beiden einen Klaps auf den Hinterkopf. Und plötzlich… ist es wie in den guten alten Tagen an der Academy, als sie sich auf den Weg zur Kantine machen und sich gegenseitig ärgern und miteinander reden, als seien sie nie getrennt gewesen und er denkt, dass es vielleicht… gar nicht so schlecht ist, die beiden im SGC zu haben. Zumindest wird es nie langweilig werden mit den beiden in einem Team.

  4. #3
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    Titel: Beide Seiten
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: humor
    Charakter/Pairings: Lorne, OC
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): K+
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    Anmerkung des Autors: Und Nummer drei... hier lernen wir dann den Boss, Major Thomas Moore, kennen, auch liebevoll "Du blöder Idiot!" genannt von seiner Stellvertreterin, Laura Greenspan. Ja, Tom ist schon ein echtes Herzchen...
    Kurzinhalt: Major Thomas Moore ist mal wieder ein Blödmann und es ist Major Evan Lornes Job, ihm das zu sagen.

    Beide Seiten

    “Don't walk away from here
    'til you see both sides.”

    Phil Collins, “Both Sides Of The Story”

    „So… ich hab gehört, dass du endlich einen Ersatz für Lieutenant Walraff bekommen hast.“ Einen Augenblick lang reagiert Major Thomas Moore nicht und starrt weiter auf den Haufen Akten, den er vor sich hat. Okay, ist vielleicht doch kein guter Zeitpunkt, ihn anzusprechen…

    „Ja, aber ich hoffe immer noch, dass es nur ein verdammt großer Witz ist.“ Das klingt wirklich nicht gut. Seit SG-10 vor fünf Monaten Lieutenant Walraff verloren hat, hatte Moore schlechte Laune und das ist noch nett ausgedrückt. Er hat mal ganz kurz mit Greenspan über die Sache geredet, obwohl die Mitglieder von SG-10 alle nicht sonderlich gesprächig sind, was den Tod einer der ihren angeht und sie hat ihm die Vermutung bestätigt, dass Moore das Ganze ziemlich mitgenommen hat.

    Walraff war ein vielversprechender junger Lieutenant der Air Force, sehr gut in allem, was er getan hat, ein aufsteigender Stern… aber manchmal braucht es nur einen völlig versauten Einsatz, um eine vielversprechende Karriere zu beenden, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Er glaubt, dass Moore eine Art Protegé in Walraff gesehen hat und bis jetzt nicht wirklich über dessen Tod – oder seinen Anteil daran – hinweg gekommen ist.

    Obwohl er das Gefühl hat, dass er das vielleicht besser auf sich beruhen lassen sollte, setzt er sich. Es ist an der Zeit, dass Moore mal über seinen Schuldkomplex hinweg kommt… und außerdem interessiert es ihn wirklich, wer jetzt Walraffs Platz einnehmen wird. „Geht’s auch genauer?“

    Moore starrt ihn düster an. „Nein. Aber ich nehme an, dass du nicht abhauen wirst, bevor ich es dir erzähle, oder?“ Hm, nö. Es ist einfach viel zu interessant. „Ja, hab ich mir gedacht. Hier, sieh sie dir an.“ Damit wirft er ihm eine Akte hin, die überraschend dünn ist für jemanden, der Mitglied eines SG-Teams werden will.

    Neugierig öffnet er die Akte. First Lieutenant Maureen Catrina Reece, USMC, in New York geboren, beide Eltern verstorben, keine Geschwister, ein Bachelor mit den Hauptfächern Linguistik und Soziologie von der NYU… und direkt aus der Offizierausbildung. Wie jetzt? „Ja, genau das hab ich auch gedacht. Es muss einfach ein verdammter Witz sein.“

    Er runzelt die Stirn. „Na ja, muss nicht sein. Ich meine, Walraff ist auch direkt aus der ROTC-Ausbildung hergekommen…“

    Ungeduldig wedelt Moore mit der Hand über die Akte. „Walraff war ein verdammter Poster-Junge. Lies weiter und du wirst sehen, was ich meine.“

    Mit einem unterdrückten Seufzen tut er das, ein bisschen genervt von Moore, der immer noch so düster, grübelnd und im Großen und Ganzen anstrengend ist. Er überfliegt den Rest ihrer Akte, um zu ihren Noten und ihren Leistungsbewertungen zu kommen. Offensichtlich war Lieutenant Reece bisher ein eher durchschnittlicher Marine; nicht wirklich schlecht, aber auch ohne großartige militärische Leistungen. Okay, das ist seltsam. Wieder mit einem Stirnrunzeln sieht er Moore an. „Hat sie sich für den Posten beworben?“

    „Nein. Ich hab mir Leute angesehen, die sich tatsächlich beworben haben, als ich diese E-Mails bekommen hab, die mir mitteilte, dass mein neues Teammitglied eine gewisse Lieutenant Reece sei und ihre Akte sei im Anhang.“ Wie jetzt? Das ist wirklich seltsam. Normalerweise dürfen sich die Teamführer ihre Mitglieder selber aussuchen. Andererseits meckert Moore aber auch noch mehr über den Papierkram, der mit der Auswahl einhergeht, als über normalen Papierkram.

    Weswegen er einfach nicht anders kann, als zu grinsen und zu bemerken: „Vielleicht solltest du dankbar sein, dass dir dieses Mal jemand diese Bürde abgenommen hat.“

    Oh. Autsch. Wenn Blicke töten könnten, hätte Moore grade eine Atombombe über ihm abgeworfen. „Das ist nicht lustig, Lorne. Irgendwas stimmt hier nicht und ich werde herausfinden, was das ist.“ Oh, oh, das klingt nicht gut. Tatsächlich klingt es, als würde Moore sich Ärger einhandeln… mal wieder.

    „Äh, Moore… wenn du den Alten fragst… sei vorsichtig, ja? Williamson ist nicht hier, um dir den Hintern zu retten und ich hab auch keine Lust dazu.“ Ihre Tage an der Academy sind vielleicht schon lange vorbei, aber er hat damals schon oft genug hinter Moore aufgeräumt und er hat wirklich keine Lust, das je wieder tun zu müssen…

    „Also, eigentlich… hab ich den Alten schon gefragt…“ Ganz toll. Er hat es geschafft, Jack O’Neill auf die Palme zu bringen. „Hey, sieh mich nicht so an. Ich hab ihn nicht wütend gemacht… na ja, nicht sehr.“

    Ja, das war zu erwarten gewesen. Er hat wirklich keine Ahnung, wie Moore, der immer von seinen Untergebenen verlangt, sich an die Vorschriften zu halten, es immer wieder schafft, sich selbst regelmäßig in die Scheiße zu reiten. Kein Wunder, dass er regelmäßig Flakfeuer von seinen Untergebenen – vor allem von Greenspan – bekommt. „Eines Tages wirst du es dir mal richtig versauen, Moore.“

    „Ja, und wir können gerne drüber reden, wenn es dann so weit ist. Können wir bitte beim Thema bleiben?“ Ah, jemand weiß ganz genau, dass er nicht ewig so weiter machen kann.

    Er seufzt. „Und was hat der Alte nun gesagt?“

    Moore zuckt mit den Schultern und sieht wieder düster drein. „Dass ich meine dreckigen Finger von Sachen lassen sollte, die mich nichts angehen. Wieso sollte mich das denn nichts angehen? Es geht hier um mein verdammtes Team.“

    Na ja, das stimmt schon… und untermauert nur Moores Verdacht, dass hier was nicht ganz stimmt. Er muss sich die Akte noch mal ansehen. Also… dieser Lieutenant mag ja ein durchschnittlicher Marine sein, aber sie ist ganz sicher keine durchschnittliche Linguistin. Ihre Noten sind beeindruckend und er ist überrascht über die Anzahl an Sprachen, die sie spricht oder von denen sie zumindest Grundkenntnisse hat. Erklärt zwar immer noch nicht, warum man sie für Moores Team – immerhin Verdeckte Operationen – ausgewählt hat, aber zumindest erklärt es, warum das SGC an ihr interessiert sein könnte.

    Außerdem… erscheint sie nicht wie eine, die sich treiben lässt. Ihre Eltern sind gestorben, bevor sie aufs College gekommen ist und sie hat es sich mit diversen Stipendien finanziert… und hat sich offensichtlich mit einigen Teilzeit-Jobs über Wasser gehalten. Es scheint, als könne sie auf sich selbst aufpassen, wenn es hart auf hart kommt. Als er ihr Bild – eine ernsthafte junge Frau mit roten Locken, die sie ordentlich zu einem Pferdeschwanz zusammen gebunden hat – noch mal ansieht, bekommt er das Gefühl… dass an ihr mehr dran ist, als es scheint. Er wendet sich wieder Moore zu. „Nur dieses eine Mal könntest du recht haben.“ Moore sieht jetzt selbstzufrieden aus und deswegen ist es noch lustiger, dass er dabei ist, die Blase wieder platzen zu lassen: „Aber ich denke, da könnte eine Überraschung für dich drin sein.“

    „Ja, eine ungenehme“, knurrt Moore und er muss grinsen.

    „Da wäre ich mir nicht so sicher. Gib ihr eine Chance, Moore. Ich hab das unbestimmte Gefühl, dass das interessant werden könnte.“ Immer noch entschieden, sich wie ein Idiot zu benehmen, starrt Moore ihn wieder düster an.

    Dann nimmt er sich die Akte und legt sie weg, offensichtlich entschlossen, diese Unterhaltung zu beenden. „Ich werde darauf zurückkommen, wenn sie es das erste Mal so richtig versaut.“ Oh, das wird sie ganz sicher. Das haben sie alle während ihrer ersten Monate beim SGC getan. Er ist sich nur nicht ganz so sicher, ob das die Reaktion bringen wird, auf die Moore offenbar hofft – entweder ihr Rücktritt oder eine Versetzung vom SGC weg – weil dieser Marine zäher sein könnte, als sie glauben. „Also… wie geht’s Williamson?“

    Verdammt, da geht sie hin, seine Chance, Moore noch ein bisschen zu ärgern, denn wenn der das Thema wechselt… heißt das, dass er die Unterhaltung beendet hat und nicht erfreut auf den Versuch reagieren wird, sie wieder aufzunehmen. Und er hat einfach keine Lust auf einen weiterhin grübelnden Moore. Also nimmt er das neue Thema auf, auch wenn er eigentlich keine Lust hat, über seinen Schwager zu reden. Wahrscheinlich ist das Moores Rache dafür, dass er angemerkt hat, dass er bei Lieutenant Reece falsch liegen könnte. Na ja, was soll’s. „Ja, na ja… man hat ihm einen Posten in D.C. angeboten. Sie hat zwar nichts gesagt… aber ich schätze, Anna ist nicht gerade erfreut darüber.“

    Daraufhin grinst Moore und ziemlich schnell sind sie mitten in einer hübschen kleinen Klatschsitzung, genau wie damals an der Academy und er ist erleichtert zu sehen, dass es Moores Laune ein bisschen aus den düsteren Tiefen der Selbstbestrafung und dem Gefühl, für das, was auf dem letzten Einsatz mit Walraff passiert ist, verantwortlich zu sein, herauszuholen. So sehr Moore manchmal auch ein Idiot und ein Arschloch sein kann… so sehr sind sie doch immer noch Freunde.

  5. #4
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    Titel: Ein Schubs
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: humor
    Charakter/Pairings: Lorne, OC
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): K+
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: So, als letztes stellt sich dann vor: First Lieutenant Maureen Reece, United States Marine Corps. Spielt ein paar Monate nach Beide Seiten und ein oder zwei vor dem ersten SG-10-Mehrteiler, der in Kürze folgen wird. Denke ich.
    Kurzinhalt: Aus irgendeinem Grund möchte Major Lorne Lieutenant Reece zu verstehen geben, dass ihr neuer Boss viel weniger Angst einflößend ist, als sie denkt.

    Ein Schubs

    “And all this time
    All this time
    You've had it in you
    You just sometimes need a push.”

    Maria Mena, “All This Time”

    Was zum… erst sieht er nur einen verwischten Fleck in SGC-Blau an sich vorbeihuschen, dann ein Quietschen, dann ein Rummsen und dann konnte ein lautes „Scheiße, Scheiße, Scheiße!“ über den ganzen Korridor gehört werden. Ein bisschen misstrauisch entscheidet er sich, nachzusehen, was zur Hölle da gerade eigentlich passiert ist und er schaut um die Ecke, aus der er den Rumms eben gehört hat.

    Der Anblick, der sich ihm bietet… macht es ihm ein bisschen schwer, ernst zu bleiben. Auf dem Boden sitzt eine junge Frau in SGC-Uniform mit roten Locken, die leise vor sich hin flucht und sich die Schulter und den Knöchel reibt. Er räuspert sich in einem vergeblichen Versuch, seine Erheiterung zu verbergen und sagt: „Alles in Ordnung, Lieutenant?“

    Die betreffende junge Frau – er hat sie als Thomas Moores neue Linguistin, First Lieutenant Maureen Reece, USMC, erkannt – hört plötzlich mit dem Fluchen auf und dreht sich zu ihm. Sie wird tiefrot, als sie erkennt, wer sie da grad angesprochen hat. „Äh, ja, Sir, wirklich, mir geht’s gut. Aber danke… danke fürs Fragen.“

    Jep, das ist die Reece, die er vor ein paar Wochen kennengelernt hat. Er war an Moores Büro vorbeigelaufen und ein bisschen befremdet durch die schiere Menge an Brüllen, die er hören konnte. Okay, Moore hatte noch nie zu den stillen Offizieren gehört, aber er ist sich ziemlich sicher, dass er ihn noch nie so hat rumbrüllen hören. Nach ein paar weiteren Minuten großartiger Leistung auf dem Gebiet der Lautstärke war das Brüllen auf einmal vorbei und eine junge Frau war fast herausgeschlichen… die sehr nach dem Mädchen aus der Akte ausgesehen hatte, die Moore ihm einen Monat vor dem Zwischenfall mit dem Brüllen gezeigt hatte.

    Er hatte nur kurz angemerkt, dass Hunde, die bellen, nicht beißen, aber sie hatte ihm nur ein angespanntes kleines Lächeln geschenkt, das irgendwie wie eine Kreuzung aus schüchtern und sarkastisch gewirkt hatte und war dann davon geeilt. Jetzt allerdings… sieht es so aus, als würde sie für eine ganze Weile nirgendwo hin eilen. „Gut, ja? Sieht mir irgendwie nicht danach aus.“

    Sie wird noch ein bisschen roter, falls das überhaupt möglich ist und schaut weg, während sie sich eine Haarsträhne hinters Ohr streicht. „War doch nur… wird schon wieder, Sir, wirklich.“ Damit versucht sie aufzustehen… nur, um von ihrem Knöchel, der nicht richtig kooperieren will, daran gehindert zu werden. Sie flucht wieder. „Scheißblöder…“ Dann scheint sie gemerkt zu haben, dass ein vorgesetzter Offizier zugegen ist und räuspert sich. „Entschuldigung, Sir. Ich… äh… ich könnte eventuell Ihre Hilfe gebrauchen.“

    Jetzt kann er das Grinsen nicht mehr zurückhalten. „Klar.“ Er hält ihr seine Hand hin und nach ein bisschen Herumlavieren kommt sie wieder auf die Füße. Zuerst ein bisschen wackelig, aber dann sieht es so aus, als würde sie wieder sicher stehen.

    Na ja, bis zu ihrem ersten Schritt. Offensichtlich muss sie sich den Knöchel ziemlich hart angeschlagen haben und sie kommt nur dazu, ein paar Schritte zu humpeln. Es kommt etwas von ihr, das sich verdächtig nach einem Knurren anhört und dann murmelt sie: „Der Major wird mich umbringen.“

    Wow. Scheint, als wäre Moore mal wieder erfolgreich mit seiner üblichen Taktik, seinen Untergebenen Angst zu machen, gewesen. Und wie immer spürt er den unwiderstehlichen Drang, ein bisschen dagegen anzuarbeiten… nicht nur, weil er keiner Chance, Moore auf die Nerven zu gehen, widerstehen kann, sondern auch, weil er Moore davon abhalten will, eine gute Untergebene zu verlieren, nur weil nicht jeder ihn so gut kennt wie er. Er seufzt tonlos. „Ach was, wird er nicht.“

    Sie dreht sich um, schenkt ihm wieder dieses angespannte kleine Lächeln. „Doch, wird er. Wir haben in zwei Tagen einen Einsatz und er wird mich umbringen, weil er glauben wird, dass ich das mit Absicht gemacht habe, damit ich nicht mit muss.“ Oh, oh, da fängt jemand an zu plappern… und er ist weiter erheitert und muss es wirklich heftig verbergen, um sie nicht zu verschrecken. „Aber ich wollte wirklich nur… Ich hatte diese großartige Idee für die Übersetzung, die auf meinem Schreibtisch liegt, als ich in der Kantine war und ich… ich werde jetzt aufhören zu reden und mir ein Loch suchen, in dem ich auf alle Ewigkeit verschwinden kann. Jep. Guter Plan.“

    Hey… ein Marine mit Selbstironie… das ist ja was ganz neues, da ist er sich sicher. Ein bisschen grinsend erwidert er: „Oder wir könnten Sie zuerst mal auf die Krankenstation bringen.“ Sie will etwas sagen – ein Widerspruch, kein Zweifel und er fragt sich, ob Moore irgendeine Ahnung hat, wie viel Ärger dieser Marine machen könnte, wenn ihr klar wird, wie stur sie offenbar ist – aber er ist doch der Meinung, dass sie heute genug widersprochen hat. „Kein Aber, Lieutenant. Kommen Sie, das muss sich jemand ansehen, wenn Sie fit für den Einsatz sein wollen.“

    Das… scheint den gewünschten Effekt zu haben. Okay, das sollte er im Kopf behalten, falls Moore anfängt, sich über seinen faulen Marine-Lieutenant aufzuregen, die nie auf Einsätze gehen will… allerdings, wenn er ehrlich ist, hat Moore das noch nie gemacht bisher. Es ist das einzige, worüber er sich wegen Reece noch nie aufgeregt hat. Er hat über Tollpatschigkeit gemeckert, schlechte Schießleistungen, fehlende Kenntnisse in Taktik… aber nie über Faulheit. „Ja… ja, ich schätze, Sie haben recht, Sir. Dann werd ich mal zur Krankensta…“

    Wir werden zur Krankenstation gehen, Lieutenant“, sagt er freundlich, aber bestimmt genug, damit sie kapiert, dass er es ernst meint. Natürlich könnte er sie auch alleine gehen lassen, aber einer der Gründe, warum er dienen wollte war, dass er Menschen, die Hilfe brauchen, helfen wollte… und das schließt auch Kameraden ein.

    Nach etwas, das ein resigniertes Seufzen hätte sein können, gibt sie endlich nach. „Na gut, Sir. Wir werden zur Krankenstation gehen.“ Damit lässt sie ihn ihren Arm über seine Schultern ziehen und langsam bewegen sie sich durch den Korridor. Sie beißt die Zähne zusammen, aber nicht ein einziges Mal hört er sie jammern, nicht mal kurz wimmern und ihm wird klar… dass er recht hatte, als er Moore gesagt hat, dass an diesem Marine mehr dran sein könnte, als er denkt.

    Aber so, wie sie Angst vor Moores Reaktion auf den kleinen Unfall hat… hat er auch das Gefühl, als müsste er ihr zeigen, dass mehr an Moore dran ist, als nur der sadistische Bastard, für den sie ihn wahrscheinlich hält. Er räuspert sich. „Lieutenant… nur nebenbei: Ich glaube wirklich nicht, das Major Moore Sie für einen verstauchten oder gebrochenen Knöchel umbringen wird.“

    Sie schnaubt, sagt dann: „Vielleicht würde er das nicht, wenn es während des heroischen Versuchs, die Galaxie zu retten, passiert wäre… aber nicht, weil es passiert ist, weil ich nicht rechtzeitig anhalten konnte.“ Ja, na gut… da ist was dran.

    Trotzdem… „Das wird schon, ehrlich. Also, vielleicht wird er Sie wieder anbrüllen, aber…“ und hier wird er ein bisschen ernster, weil er das Gefühl hat, als würde ihm der Lieutenant sonst nicht zuhören, „Lieutenant, ich weiß, Sie haben ein etwas anderes Bild von ihm, aber ich kenne Major Moore jetzt seit ein paar Jahren und ich kann ganz ehrlich sagen, dass er ein sehr anständiger Kerl ist.“

    Sie lacht kurz und humorlos auf. „Nehmen Sie es mir bitte nicht übel, Sir, aber Sie sind auch kein Lieutenant der Marines, der frisch aus der Offizierausbildung kommt und nichts richtig machen kann.“

    Der zynische und fast verzweifelte Unterton dieser Bemerkung lässt ihn anhalten, damit er ihr in die Augen sehen kann. „Hören Sie, ich weiß, dass er Ihnen gerade die Hölle auf Erden bereitet… aber das macht er mit jedem Neuling im Team. Das hat er sogar mit Laura… Captain Greenspan gemacht. Ich wette, er hat es sogar mit Sergeant DeLisle gemacht. Er wird schon noch damit aufhören. Und Sie werden es überleben.“ Na ja, falls die Galaxie sie nicht vorher umbringt, aber er ist sich ziemlich sicher, dass sie das schon gelernt hat.

    Jetzt… fangen ihre Augen an, feucht zu schimmern und er würde das gerne dem Schmerz zuschreiben, aber sein Instinkt sagt ihm, dass die Schmerzen ihr gerade völlig egal sind. „Ich bin weder Laura Greenspan noch Simon DeLisle, Sir. Das sagt doch genug, oder?“

    Im Moment… würde er ihr gerne sagen, was Laura ihm über sie gesagt hat – dass sie sehr hart dafür arbeitet, mit dem Team mithalten zu können, sich auf Einsätzen nicht beschwert und sich ziemlich gut mit der zusätzlichen Arbeitslast durch die Übersetzungsabteilung anstellt – aber er hat so das Gefühl, dass Laura diejenige sein sollte, die ihr das sagt, deswegen ist alles, was er sagt: „Nein, sind Sie nicht. Sie sind Lieutenant Maureen Reece, die offenbar so gute Leistungen auf dem College und bei der Offizierausbildung gebracht hat, dass jemand es für eine gute Idee hielt, sie als Teil eines SG-Teams vorzuschlagen. Das sagt doch genug, oder?“

    Reece öffnet ihre Mund und er ist sich sicher, dass sie ihm schon wieder widersprechen will und so hebt er seinen Zeigefinger und zeigt ihr sein bestes „Schluss mit dem Unsinn“-CO-Gesicht und sie überlegt sich ihre Antwort noch mal. Am Ende ist es nur: „Natürlich, Sir. Das… tut es.“

    Zufrieden mit ihrer Antwort, legt er wieder ihren Arm um seine Schultern und erwidert: „Gut, dass Sie das auch so sehen, Lieutenant.“

    Zuerst sagt sie nichts… aber nach ein paar weiteren gehumpelten Schritten, murmelt sie, nur ein bisschen trotzig: „Er wird mich trotzdem umbringen.“

    Irgendwas daran… war unwiderstehlich komisch und deswegen kann er ein kleines Schnauben nicht zurückhalten, bevor er sagt: „Ach was, wird er nicht. Dafür hat er zu viel Angst vor Captain Greenspan.“

    Zu seiner Überraschung reagiert sie darauf zuerst mit einem kleinen amüsierten Schnauben und dann mit: „Da… könnten Sie recht haben, Sir.“ Natürlich hat er das. Er will ihr das auch sagen, aber sie fügt hinzu: „Also… ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich das frage, aber… woher genau kennen Sie den Major eigentlich?“

    Huch… wo ist denn der kleine schüchterne Lieutenant hin, über den sich Moore immer aufgeregt hat und den er selbst noch vor ein paar Minuten gesehen hat? Scheint… scheint, als könne man Reece schon mit ein paar gut platzierten freundlichen Worten und der Behandlung als der Offizier, der sie ist, aus ihrer Schale locken. Vielleicht… sollte er da wirklich mal mit Moore drüber reden. „Na ja, wir waren im selben Jahr auf der Academy. Oh, eigentlich kenne ich da eine nette kleine Geschichte über Major Moore, bei der er sicher nichts dagegen hat, dass ich sie Ihnen erzähle…“

    Na gut, wahrscheinlich hätte Major Moore etwas dagegen… aber es ist besser, dass er ihn umbringen will, weil er Reece die Geschichte erzählt hat, als dass er Reece dafür umbringen will, dass sie ein bisschen zu hastig war. Und so fängt er an, ihr die Geschichte auf dem langen und schmerzhaften Weg zur Krankenstation zu erzählen, und ist im Kopf wild entschlossen, mit Moore mal ein Wörtchen darüber zu reden, dass er nicht immer zu jedem Neuling im Team – und zu diesem ganz besonders – so ein Arschloch ist. Jep. Guter Plan.

    ~*~

    Weiter geht's in Nebenfiguren I: Außenseiter.
    Geändert von RowenaR (29.01.2011 um 00:32 Uhr)

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