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Thema: [100] Wer den Wind sät... (SGA) [NC-17]

  1. #1
    Mama, im Dienste Ihrer Majestäten Avatar von Nyada
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    Standard [100] Wer den Wind sät... (SGA) [NC-17]

    Titel: Wer den Wind sät…
    Autor: Nyada
    Wort (Nummer): Sturm (55)
    Fandom: Stargate Atlantis, Stargate SG1
    Genre: Wild West-AU, Drama, Erotik, Romance
    Rating: NC-17
    Charaktere/Pairing(s): John/Teyla, Rodney/Jennifer, Vala/Daniel

    Inhalt: Wyoming, 1880. Ein schweres Unwetter geht über der kleinen Ortschaft Athos Creek nieder, als es spät nachts an der Tür der örtlichen Gastwirtschaft klopft. Von Mitleid bewegt, gewährt die junge Wirtin Teyla Emmagan dem bis auf die Knochen durchnässten Mann Zuflucht vor dem Sturm, nicht ahnend, was für eine Reihe von Ereignissen durch ihre Entscheidung in Gang gesetzt wird…

    Anmerkungen: Dies ist mein Beitrag zur aktuellen „Tausendmal berührt… tausendmal ist nichts passiert“- Challenge im Ü18-Forum des SGP. Anbei findet ihr zwei FanArts, die ich für diese Geschichte angefertigt habe.

    Spoiler 




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    Wer den Wind sät...
    by Nyada



    Athos Creek
    Wyoming, 1880



    Ich mache dann auch Schluss für heute“, verkündete Vala Mal Doran, nachdem der letzte Gast die Taverne kurz vor Mitternacht verlassen hatte. „Es scheint mir, als gäbe es heute Nacht noch ein Unwetter“, sagte sie und blickte stirnrunzelnd aus dem Fenster, während sie die letzten Teller und Gläser zusammenräumte. Schon den ganzen Tag über lag die Stadt unter einer dichten und drückenden Wolkendecke, die in den letzten Stunden eine bedrohliche Schwärze angenommen hatte. Jenseits des Gipfels des mächtigen Daedalus Mountain, an dessen Fuß sich die kleine Stadt Athos Creek befand, war ein tiefes Grollen zu vernehmen, und in immer kürzer werdenden Abständen zuckten über den Wäldern, die die Stadt umgaben, grelle Blitze am Himmel auf. Das Unwetter kam mit bedrohlicher Geschwindigkeit näher, und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Regentropfen auf das von der Sommerhitze verdorrte Land fallen würden.

    Wieder donnerte es, und die beiden Frauen, die sich trotz der späten Stunde noch immer in der kleinen Gastwirtschaft aufhielten, sahen einander ein.

    „Ich glaube, Du solltest Dich beeilen, wenn Du mit trockenen Füßen nach Hause kommen willst“, mahnte Teyla Emmagan, die an einem Tisch in der Nähe des Schanktresens saß und wie jeden Abend die Tageseinnahmen in die Kontenbücher eintrug.

    „Und ich soll Dir wirklich nicht noch beim Aufräumen helfen?“, gab Vala zu bedenken und hängte sorgsam ihre Schürze an den Haken.

    Teyla schüttelte lächelnd den Kopf und erhob sich.

    „Geh Du nur nach Hause. Daniel wartet sicher schon auf Dich“, sagte sie und reichte ihrer Freundin ihren Umhang. Vala seufzte geschlagen, warf sich den Umhang über die Schultern und zog sich die Kapuze über ihr dichtes, schwarzes Haar, das sie heute offen trug.

    „In Ordnung“, sagte sie, drückte Teylas Schulter und küsste sie zum Abschied flüchtig auf die Wange. „Lass Dir den Tag nicht mehr so lang werden. Gute Nacht.“

    „Gute Nacht, Vala“, echote Teyla und begleitete ihre Freundin noch bis zur Tür. „Bis morgen. Grüße bitte Daniel von mir.“

    „Das werde ich machen.“ Vala raffte die Röcke und winkte ihr im Fortgehen zu, und Teyla wartete in der Tür, bis sie in der Dunkelheit entschwand. Anschließend verriegelte sie die Tür, ließ den Schlüssel in die Tasche ihrer Rockschürze gleiten und kehrte auf ihren Platz neben der wärmenden Feuerstelle zurück. Wie jeden Abend kontrollierte sie vor dem Zubettgehen die Bücher der Taverne und stellte die Einnahmen und Ausgaben akribisch gegenüber. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, hatte ihr Vater stets zu sagen gepflegt, und Teyla hatte sich seine Worte zu Herzen genommen und gab alles daran, seinem Erbe gerecht zu werden.

    Vier Sommer waren vergangen, seit ihr Vater einem tödlichen Fieber erlegen war, und nach seinem Tod war die kleine Taverne von Athos Creek in ihren Besitz übergegangen. Teyla vermisste ihren geliebten Vater schmerzlich, denn außer ihnen beiden hatte es niemanden mehr gegeben. Sie war das einzige Kind ihrer Eltern gewesen, und ihre Mutter war wenige Tage nach ihrer Geburt im Kindbett gestorben. Ihr Vater hatte sie allein aufgezogen und war lange Zeit ihre einzige Bezugsperson gewesen. Anders als ihre Mutter, die sie nie wirklich kennengelernt hatte, fehlte er Teyla sehr, und es verging nicht ein Tag, an dem sie nicht an ihn dachte.
    Vier Jahre waren seit seinem Tod vergangen, doch es fühlte sich für sie an, als sei es gestern gewesen. Noch immer spürte sie seine Präsenz in den Räumen des Hauses, in dem sich die Taverne befand und welches sie seit seinem Tod bewohnte. Hin und wieder glaubte sie sogar den Geruch seines Rasierwassers wahrzunehmen. Natürlich wusste Teyla, dass ihre Sinne ihr nur einen Streich spielten, dennoch war sie sich tief in ihrem Herzen ganz sicher, dass ihr Vater selbst vier Jahre nach seinem Tod noch immer über sie und das Haus wachte.

    Ein Lächeln stahl sich auf Teylas Lippen, wurde jedoch sogleich von einem heftigen Gähnen vertrieben, welches sie aus heiterem Himmel heimsuchte. Teyla warf einen Blick auf die Uhr und erschrak. Wieder einmal hatte sie nicht gemerkt, wie viel Zeit vergangen war. Rasch trug sie die letzten Zahlen in das Kontenbuch ein und verstaute es danach sicher in dem geheimen Fach hinter dem Schanktresen. Das Aufräumen erwies sich als eine Angelegenheit von wenigen Minuten, und als Teyla die letzten Teller in die Schränke räumte, war es kurz vor eins.

    Für gewöhnlich öffnete die Taverne um die Mittagszeit herum, wenn die meisten Minenarbeiter eine kurze Pause einlegten, um sich zu stärken. Der Bergbau florierte stark in der Gegend, und insbesondere Athos Creek war aufgrund seiner Nähe zu den Minen eine beliebte Anlaufstelle für Arbeiter und ihre Familien, die teilweise aus dem ganzen Land anreisten, um hier Arbeit in einer von Jack O’Neills unzähligen Kupferminen zu finden. Allein im letzten Monat hatte O’Neill fünfzehn neue Arbeiter eingestellt, darunter auch einen kanadischen Juristen namens McKay, der mit seiner jungen Ehefrau, einer Ärztin aus Wisconsin, vor drei Wochen in die Stadt gekommen war. Das Paar war oft zu Gast in der Taverne, und Teyla hatte sich schnell mit Jennifer McKay angefreundet, die darauf bestand, bis zur Geburt ihres ersten Kindes in ein paar Monaten dem hiesigen Allgemeinmediziner, Doktor Beckett, in seiner Praxis zu assistieren.
    Teyla mochte die McKays, auch wenn Rodney McKay einen schwierigen Charakter hatte und seine leicht überhebliche Art ihr viel Selbstbeherrschung abverlangte…

    Draußen hatte der Sturm inzwischen an Heftigkeit zugenommen, tobte um das Haus, pfiff und heulte um die Mauerecken und rüttelte an den Fensterläden. Teyla wischte gerade den letzten Tisch ab, als sie plötzlich ganz in der Nähe ein lautes Rumpeln und dann eilige Schritte wahrnahm. Am Himmel zuckte ein greller Blitz auf, und Sekunden später folgte ein ohrenbetäubendes Donnern, welches das eindringliche Klopfen an ihrer Tür übertönte.
    Erst als es ein zweites Mal an der Tür klopfte, sah Teyla auf. Wer mag das sein, wunderte sie sich, wischte sich die Hände an ihrer Schürze ab und ging zur Tür.

    „Wer ist da?“, verlangte sie zu wissen und blinzelte durch den Türspion. Die dunkle Gestalt auf der anderen Seite reckte den Hals, und als Teyla erkannte, wer dort vor ihrer Tür darauf wartete, hineingelassen zu werden, stockte ihr der Atem. Ihr Herz schlug wild, und sie wich von der Tür zurück.

    Es klopfte erneut.

    „Ich weiß, dass Sie da sind, Teyla“, ertönte es plötzlich auf der anderen Seite der Tür, dann hämmerte eine Faust gegen das Holz. „Verdammt, machen Sie auf!“

    „Wir haben geschlossen“, rief Teyla, woraufhin der Mann kurz auflachte.

    „Kommen Sie schon“, brummte er, „Sie wollen mich doch nicht allen Ernstes hier draußen stehenlassen, oder? Es gießt in Strömen!“

    Teyla seufzte, atmete tief durch und entriegelte die Tür. Wortlos stellte sie sich dem völlig durchnässten Mann gegenüber, der sie erwartungsvoll ansah.

    „Und“, fragte er nach einer Weile, „kann ich jetzt reinkommen oder nicht?“ Er erweckte einen bemitleidenswerten Eindruck, und obwohl Teyla sich fragte, was er um diese Uhrzeit und vor allem bei diesem Unwetter draußen zu suchen hatte, ließ sie ihn schließlich passieren. Er tippte gegen die Krempe eines Steatson, betrat das Haus und steuerte, ohne sie eines weiteren Blickes zu würdigen, direkt auf die Feuerstelle zu. Ächzend schälte er sich aus seinem triefenden Mantel, hängte ihn über einen Stuhl, setzte seinen Hut ab und hielt die Hände über die wärmenden Flammen.

    Misstrauisch musterte Teyla ihn von der Seite. Seine Kleidung war völlig durchnässt, seine dunkle Hose schlammverschmiert, sein Hemd blutbefleckt. Die Hälfte seines Gesichts, die Teyla erkennen konnte, war unterhalb des Auges und am Kinn angeschwollen, so als hätten ihn dort Faustschläge getroffen. Seine Lippe war an einer Stelle aufgeplatzt und blutete leicht, was die Flecken auf seinem Hemd erklärte.

    „Sie sind verletzt“, stellte sie sachlich fest und stellte sich neben ihn, woraufhin er seinen Blick vom Feuer abwandte und stattdessen sie ansah. „Lassen Sie mich mal sehen“, sagte sie und berührte vorsichtig die geschwollene Stelle an seinem Kinn. Er verzog das Gesicht, als ihre Finger seine aufgeplatzte Lippe berührten.

    „Das muss versorgt werden“, beschloss Teyla, doch ihr Gegenüber winkte ab.

    „Ach was, das ist doch nur ein kleiner Kratzer“, brummte er leise. „Ist nicht weiter schlimm.“

    „Nicht weiter schlimm?“, echote Teyla mit spöttisch erhobenen Augenbrauen, wischte mit dem Ärmel ihrer Bluse das Blut von seinem Kinn und zeigte es ihm. „Nicht weiter schlimm, sagen Sie?“

    Emotionslos betrachtete ihr Gegenüber ihren blutbefleckten Ärmel und zuckte schließlich mit den Schultern. Teyla seufzte und verdrehte die Augen.

    „Kommen Sie“, sagte sie und nahm ihn beim Ellenbogen. „Setzen Sie sich da hin“, wies sie ihn an und bedeutete ihm auf einem Stuhl Platz nehmen. Seine Augenbrauen hoben sich kurz, aber er sagte nichts, setzte sich schweigend auf den Stuhl und beobachtete sie, während sie alle Utensilien zusammensuchte, die sie benötigte. Als sie alles beisammen hatte, kehrte sie zu ihm zurück und begutachtete sein geschundenes Gesicht.

    „Was ist passiert?“, fragte sie ihn, obschon sie sich nicht sicher war, ob sie es wirklich wissen wollte.

    „Ich war auf dem Weg nach Hause“, begann er zu berichten. „Bin vom Unwetter überrascht worden. Mein Pferd ist durchgegangen und hat mich abgeworfen“, er zögerte kurz, und seine Stimme klang schleppend, „ich kann mir nicht mehr genau erinnern, was dann passiert ist. Ich glaube, ein Huf hat mich im Gesicht getroffen.“

    Teyla nickte und glitt mit der Fingerkuppe über die angeschwollene Stelle. „Das würde die Schwellung erklären“, sagte sie und begann, sein Gesicht von Blut und Dreck zu befreien. Vorsichtig säuberte sie die geschwollenen Stellen rund um sein Auge mit einem weichen Tuch, wischte den Schlamm von seinen Wangen. „Und wo ist Ihr Pferd jetzt?“

    „Fort“, murmelte er und verzog das Gesicht, als sie mit dem Tuch in die Nähe seiner aufgeplatzten Lippe kam. „Aua!“, zischte er und zuckte zusammen.

    „Halten Sie still“, ermahnte Teyla ihn und wusch das dreckige Tuch in der Wasserschale aus. „Das muss desinfiziert werden“, entschied sie, erhob sich und verschwand kurz in einem der Nebenräume.

    „Was ist das?“, wollte er wissen, als sie mit einem kleinen braunen Fläschchen in der Hand zurückkehrte.

    „Jodtinktur“, antwortete Teyla und träufelte etwas von der gelbstichigen Flüssigkeit auf ein sauberes Tuch. „Das könnte jetzt etwas wehtun“, warnte sie ihn und drückte das Tuch vorsichtig auf die Wunde an seiner Lippen. Ein Muskel in seiner Wange begann zu zucken, doch er blieb ruhig sitzen und rümpfte nur kurz die Nase, als das Jod in die Wunde einzog.

    „Danke“, sagte er schließlich leise, und Teyla glaubte den Anflug eines Lächelns auf seinen Lippen zu erkennen.

    „Nicht dafür“, winkte sie ab und sah ihn an. „Haben Sie sonst noch irgendwo Schmerzen?“

    Ihr Gegenüber schüttelte den Kopf. „Ich könnte jetzt allerdings 'nen Drink vertragen.“

    Teyla schmunzelte.

    „Mal sehen, was sich da machen lässt“, sagte sie, sammelte die benutzten Utensilien zusammen und erhob sich. Als sie dich umdrehte, starrte er bereits wieder ins Feuer und schenkte ihr keine weitere Beachtung. Ihn nicht aus den Augen lassend, schenkte sie ihm ein großes Glas Whiskey ein und brachte es ihm. Er nickte ihr dankend zu und leerte das Glas in einem Zug.

    „Haben Sie Hunger?“, erkundigte Teyla sich, nachdem sie das Glas wieder aufgefüllt hatte.

    „Ich möchte Ihnen keine Umstände machen“, erwiderte er.

    „Sie machen mir keine Umstände.“ Rasch wärmte sie etwas Suppe in einem Topf über der Feuerstelle auf und servierte sie ihm mit einem Kanten Brot, der übriggeblieben war. Gierig begann er zu essen, kaum dass sie ihm den Teller vorgesetzt hatte, und sie setzte sich zu ihm und musterte ihn.

    Niemand in der Stadt kannte seinen richtigen Namen, was wohl daran lag, dass nicht einmal er selbst ihn kannte. Man nannte ihn John Smith, weil die Initialen J.S. in die Rückseite der silbernen Taschenuhr eingraviert waren, die er bei sich getragen hatte, als ein paar Minenarbeiter ihn vor etwas mehr als einem Jahr schwer verletzt und nackt bis auf das Pistolenholster und die Stiefel am Wegesrand gefunden hatte. Bis zum heutigen Tag erinnerte er sich nicht daran, wer er war oder woher er kam, und er versuchte auch nicht mehr, es herauszufinden. Genau das war es, was ihn für die meisten Bewohner von Athos Creek so unheimlich machte, und er schien zu spüren, dass ihm nicht alle Menschen in der Stadt wohlgesonnen waren.
    John Smith führte ein zurückgezogenes Leben und hauste in einer kleinen Hütte ein paar Meilen außerhalb der Stadt. Nur selten sah man ihn durch die Straßen von Athos Creek streifen, was ihn für die meisten Einwohner noch suspekter machte.

    Auch Teyla wusste nicht, was sie von ihm halten sollte. Während er aß, betrachtete sie ihn etwas näher. Sie schätzte ihn auf Mitte bis Ende zwanzig und musste eingestehen, dass er gut aussah, selbst in seinem angeschlagenen Zustand. Er war sehr attraktiv, aber sein Gesicht wirkte auch irgendwie hart, vielleicht weil es so kantig war, mit dem ausgeprägten Kinn und den hohen Wangenknochen. Sein dunkles, fast schwarzes Haar war voll, und er trug es etwas zerzaust, die Ponysträhnen hingen ihm widerspenstig in die Stirn und ließen ihn irgendwie… verwegen aussehen.
    Darauf bedacht, nicht von ihm erwischt zu werden, ließ Teyla ihren Blick über den Rest seines Körpers schweifen. Er war durchtrainiert und groß, sie schätzte ihn auf gut einen Meter neunzig. Außerdem hatte er breite Schulter, und unter dem nassen Hemd zeichnete sich sein muskulöser Oberkörper ab…

    „Ich hoffe, Ihnen gefällt, was Sie sehen“, ertönte plötzlich seine Stimme, und als Teyla ertappt zusammenzuckte und erschrocken aufblickte, blickten sie seine haselgrünen Augen amüsiert an.

    „Entschuldigen Sie bitte, Mister Smith“, murmelte Teyla und konnte gerade noch so verhindern, dass sie errötete. „Ich wollte nur sichergehen, dass Sie sonst keine Verletzungen bei Ihrem Sturz davongetragen haben.“

    „Nennen Sie mich John“, erwiderte er. „Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das überhaupt mein richtiger Name ist“, er zögerte und seufzte dann schwer, „aber es klingt immer noch besser als ‚Mister Smith‘.“

    Teylas Mund verzog sich zu einem Lächeln.

    „In Ordnung… John.“ Ihr Blick fiel auf seinen leeren Teller. „Möchten Sie noch etwas Suppe?“

    „Ich will Ihnen nichts wegessen“, entgegnete er schüchtern.

    „Ich habe bereits etwas gegessen“, sagte Teyla und griff nach dem Teller. Sie spürte, wie Johns Blick ihr folgte, als sie zur Feuerstelle ging und den Teller auffüllte.

    „Was haben Sie eigentlich bei diesem Unwetter da draußen zu suchen gehabt?“, fragte sie, als sie wieder bei ihm am Tisch saß und zusah, wie er seine Suppe aß.

    „Ich war jagen“, antwortete John, was sie überraschte.

    „Sie waren jagen?“, wiederholte sie.

    Ihr Gegenüber lachte.

    „Es hat sich herausgestellt, dass ich nicht gut darin bin“, meinte er und grinste sie ihn.

    „Also waren Sie früher kein Jäger“, fasste Teyla zusammen. John zögerte kurz, als ihre Blicke sich trafen, dann schwand sein Lächeln, und seine Züge verschlossen sich wieder und wurden zu der harten Maske, hinter die er niemanden blicken ließ. Schweigend rührte er mit dem Löffel in der Suppe herum, und Teyla erkannte, dass sie etwas Falsches gesagt hatte.

    „Es tut mir leid“, sagte sie, doch John schüttelte den Kopf.

    „Es braucht Ihnen nicht leid tun“, erwiderte er. „Es ist nun mal so, wie es ist. Ich weiß nicht, wer ich früher einmal war.“

    Lange Zeit schwiegen sie, und da war kein anderes Geräusch mehr, als das Geräusch des strömenden Regens, der auf das Hausdach niederprasselte, und das Geräusch des Windes, der durch die Ritzen des Hauses pfiff.

    „Ich sollte jetzt besser gehen“, verkündete John schließlich und schob den Teller von sich.

    Draußen zuckte ein greller Blitz über den Himmel und erleuchtete den Raum für wenige Sekunden taghell. Sekunden später donnerte es ohrenbetäubend über ihren Köpfen, und Teyla wurde klar, dass es fahrlässig wäre, John Smith gehen zu lassen. Also fasste sie einen Entschluss.

    „Sie werden nicht gehen“, erklärte sie dem sichtlich überraschten Mann. „Es gibt ein Gästezimmer am Ende des Flurs, dort können Sie heute Nacht schlafen.“

    „Aber-“ John wollte protestieren, sich widersetzen, doch als Teyla ihm einen warnenden Blick zuwarf, verstummte er und sah sie abwägend an.

    „Sind Sie sicher?“

    Teyla nickte.

    „Sie wären nicht mein erster Gast“, antwortete sie. John hob eine Braue und presste den Mund zu einer dünnen, geraden Linie zusammen.

    „Warum tun Sie das?“, wunderte er sich. „Sie kennen mich doch überhaupt nicht. Ich könnte immerhin versuchen, Sie im Schlaf zu ermorden.“

    „Haben Sie denn vor, mich im Schlaf zu ermorden?“, fragte Teyla ihn, woraufhin John sie verwundert ansah.

    „Nein, ich-“, erwiderte er zögernd.

    „Dann sind Sie in meinem Haus willkommen“, fiel sie ihm ins Wort und erhob sich. „Geben Sie mir ein paar Minuten. Ich werde das Zimmer für Sie vorbereiten.“

    John nickte, und sie spürte, dass er ihr nachsah, doch sie drehte sich nicht noch einmal zu ihm um, sondern machte sich daran, dass Fremdenzimmer am Ende des Flurs für ihn vorzubereiten, welches diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hatte. Es war kein richtiges Zimmer, vielmehr eine Kammer, in die gerade einmal eine schmale Pritschte, ein Schrank und ein kleiner Heizofen hineinpassten. Teyla schämte sich fast ein wenig, ihrem Gast dieses Zimmer angeboten zu haben, aber nun gab es kein Zurück mehr. Sie beschloss, das Beste aus der Situation zu machen, und feuerte zuerst den Ofen an, bevor sie das Bett ausschüttelte und neu bezog. Innerhalb weniger Minuten wandelte sich das Bild des Raums, und wenig später stemmte Teyla Hände in die Hüften stemmte und betrachtete stolz ihr Werk. Es war nicht perfekt, aber für eine Nacht völlig ausreichend.

    Lächelnd kehrte sie in den Schankraum der Taverne zurück, nur um dort erschrocken festzustellen, dass ihr Gast das Weite gesucht hatte. Sein Mantel und sein Hut waren verschwunden, und eine nasse Spur führte direkt zur Tür.
    So ein Verrückter, dachte Teyla und überlegte fieberhaft, was sie tun sollte, während sie nervös vor der Tür auf und ab lief. Gerade als sie sich beinahe dazu durchgerungen hatte, ihm zu folgen, öffnete sich die Tür, und John kam herein.

    „Oh mein Gott“, rief Teyla erleichtert aus und lief zu ihm, „wo waren Sie denn? Ich dachte schon, Sie wären gegangen!“

    „Ich habe Holz aus dem Schuppen geholt“, antwortete John, und erst jetzt bemerkte Teyla die Holzscheite, die er bei sich trug.

    „Oh“, machte sie und senkte verlegen den Blick.

    Ihr Gegenüber lächelte verschmitzt.

    „Hätte ich gewusst, dass Sie sich so schnell um mich sorgen, wäre ich noch ein wenig länger draußen geblieben“, scherzte er, ging zur Feuerstelle und legte zwei Holzscheite nach.

    „I-Ihr Zimmer wäre dann jetzt fertig“, erwiderte Teyla und verschränkte ihre Hände ineinander. „Ich habe den Ofen angeheizt, falls Ihnen kalt sein sollte.“

    John musterte sie, und sie starrte zurück und verlor sich fast in der grünbraunen Tiefe seiner Augen.

    „Davon gehe ich nicht aus“, sprach er mit ruhiger Stimme. Einen Moment lang standen sie sich schweigend gegenüber, dann neigte John seinen Kopf leicht zur Seite und meinte: „Na dann… gute Nacht, Teyla.“

    „Gute Nacht, John“, echote Teyla und sah zu, wie er sich umdrehte und ging. Erst als sie hörte, wie seine Tür ins Schloss fiel, entließ sie den Atem, den sie unbewusst angehalten hatte, und rieb sich mit der Hand über ihr erhitztes Gesicht. Tief durchatmend wandte sie sich um, schlenderte zur Tür und verriegelte sie.
    Nachdenklich starrte Teyla ein paar Minuten lang aus dem Fenster und schlang die Arme um ihren Leib. Als das beklemmende Gefühl, beobachtet zu werden, sie überkam, blickte sie auf und entdeckte John in der Spiegelung des Fensters. Im warmen Schein der Flammen sah sie ihn im Aufgang zum Flur stehen, die Augen auf sie gerichtet. Er setzte sich in Bewegung und kam langsam auf sie zu geschlendert, doch nicht einmal, als er unmittelbar hinter ihr stehenblieb, drehte sie sich um.

    Ihre Blicke begegneten sich in der Spiegelung des Fensters.

    „Haben Sie etwas vergessen?“, fragte Teyla und war überrascht, wie sehr ihre Stimme auf einmal zitterte. In der Gegenwart des hochgewachsenen dunkelhaarigen Manns fühlte sie sich unsicher, nervös, unbehaglich, und sie wusste nicht, woran das lag.

    „Könnte man so sagen“, erwiderte John leise und bannte ihren Blick. Teyla, die zusammengezuckt war, als das dumpfe Vibrieren seiner tiefen Stimme in ihrer Nackenfalte ihr hatte bewusst werden lassen, wie nahe er ihr gekommen war, schloss die Augen und spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut.
    Ganz langsam drehte sie sich schließlich zu ihm um, legte den Kopf ein wenig in den Nacken und sah zu ihm auf. Ein heißes Schaudern fuhr durch ihren Körper, und sie schluckte, als sie seinen Atem auf ihren Lippen fühlte, die sich plötzlich nur wenige Zentimeter von seinen entfernt befanden. Dass sie sich so nahe gekommen waren, war ihr bis jetzt nicht bewusst gewesen, und sie schluckte erneut, als ihr Blick an seinen perfekt geschwungenen Lippen hängenblieb.

    „V-vielleicht kann ich Ihnen beim Suchen helfen“, flüsterte sie und war für einen Augenblick wie gelähmt, als sie sah, dass sein Blick zu ihren Lippen hinab zuckte, die seinen ganz nah waren. „John…“

    „Das wäre schön“, raunte er, hob die Hand und strich ihr zärtlich eine Strähne ihres rotbraunen Haars aus dem aus Gesicht. Seine Berührung ließ sie zusammenzucken und öffnete ihr die Augen, dass das, was sie hier im Begriff waren zu tun, falsch war.
    Sie begann langsam den Kopf zu schütteln, aber bevor sie wusste, wie ihr geschah, umfasste John ihr Handgelenk und zog sie in einer schnellen Bewegung an sich, was ihr schlagartig den Atem nahm. Obwohl sie wusste, dass es falsch war, war sie nicht überrascht, im Gegenteil, sie war auf gewisse Weise erleichtert. Es war, als hätte sie die ganze Zeit nur auf diesen Augenblick gewartet. Ihr Körper hatte jedenfalls darauf gewartet und schmiegte sich wie selbstverständlich an seinen. Doch ihr Verstand wehrte sich noch, deshalb krallte sie die Hände in den Stoff seines Hemdes und stemmte sich gegen das, was sie empfand.

    „John, nicht…“

    Sein Lächeln war eine unwiderstehliche Mischung aus Entschlossenheit und Belustigung. „Warum nicht?“

    „Weil…“ Weiter kam sie nicht, denn seine Lippen streiften plötzlich ihre, und die Berührung elektrisierte sie, fegte den Gedanken, der gerade noch so viel Sinn ergeben hatte, aus ihrem Kopf. Oh Gott, sie musste ihn küssen. Jetzt sofort. Sie musste einfach…

    Ein lautes Donnern riss Teyla aus dem Trancezustand, in den Johns berauschende Liebkosung sie versetzt hatte. Erschrocken stolperte sie einen Schritt zurück und sah ihn mit vor Schreck geweiteten Augen an. Wieder begann sie mit dem Kopf zu schütteln.

    „Nein… nein!“

    Alles an diesem Kuss war falsch gewesen. Man küsste nicht einfach einen dahergelaufenen Mann, den man kaum kannte. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Ja, er war attraktiv, sogar sehr attraktiv. Ja, er war ihr aufgefallen, wenn sie ihn in der Stadt gesehen hatte, und ja, sie hatten sich gegrüßt, wenn sie sich in Zelenkas Haushaltswarenladen zufällig begegnet waren, aber was wusste sie schon über ihn? Nichts! Sie wusste nichts über ihn. Er war ein Fremder, und Fremde ließ man nicht so nah an sich heran… und vor allem ließ man nicht zu, dass sie einen küssten!

    „Nein… nein“, murmelte Teyla, zwängte sich an John vorbei und floh in Richtung Tresen, weil sie dringend Abstand brauchte. Ihre Knie waren so weich, dass sie sich am Tresen festhielt und versuchte, tief durchzuatmen, um sich wieder zu beruhigen. Doch es war zwecklos, denn John war ihr gefolgt. Er umfasste ihre Schultern und drehte sie zu sich um.

    „Teyla.“ Seine tiefe Stimme klang lockend, bittend, ja fast schon flehend, und plötzlich hatte sie nicht mehr die Kraft, sich gegen die Sehnsucht nach diesem Mann zu wehren und ließ es zu, dass er sie wieder in seine Arme zog.
    Spoiler 
    Und dann lagen seine Lippen auf ihren und Verlangen schoss wie eine Stichflamme durch Teylas Körper, versengte sie von Kopf bis Fuß. Sie musste ihn küssen, brauchte ihn plötzlich dringender als die Luft zum Atmen. Willig öffnete sie sich seiner forschenden Zunge, schmeckte ihn, fühlte seinen warmen Körper dicht an ihrem, seine Hände in ihrem Haar und auf ihrem Rücken, bis er ihre Sinne ganz und gar ausfüllte. Wie im Rausch klammerte sie sich an ihn und wollte vergessen, dass sie das hier besser nicht tun sollten. Doch als er ihren Mund für einen kurzen Moment freigab, schaltete sich ihr Verstand wieder ein.

    „Nein.“ Sie konnte ihren Protest nur hauchen, weil er eine Spur federleichter Küsse über ihren Hals zog. „John, das geht nicht! Wir können das nicht tun!“

    Er hob den Kopf, und in seinen Augen lag ein verhangener Ausdruck. Dann hob er die Mundwinkel zu diesem verführerischen, leicht schiefen Grinsen, das ihre Knie weich werden ließ. „Nein?“

    Verzweifelt schüttelte sie den Kopf.

    „Was… was ist, wenn Du Dich wieder erinnerst? Vielleicht“, sie zögerte, und suchte nach den richtigen Worten, „wartet jemand irgendwo auf Dich. Eine Frau oder…“

    Johns Lächeln schwand.

    „Ich kann mich aber nicht erinnern“, sagte er leise und tastete ihr Gesicht mit seinen Augen ab, so als glaubte er dort die Antworten auf all seine Fragen zu finden. „Ich kann Dir nicht einmal sagen, ob ich schon jemals eine Frau so sehr begehrt habe wie Dich. Ich weiß nur, dass es so ist. Ich will Dich, Teyla.“ Er schluckte und legte die Hand an ihre Wange, und sein Daumen glitt über ihre bebenden Lippen. „Aber ich höre auf, wenn Du das hier nicht willst. Auch wenn es mir wirklich verdammt schwer fallen wird, mich zu beherrschen.“

    Seine Ehrlichkeit war entwaffnend, genau wie seine Berührung, das zärtliche Streicheln seines Daumens, das prickelnde Schauer durch ihren Körper schickte. Teyla seufzte. Gott, sie wollte ihn auch. Noch nie hatte sie etwas Vergleichbares für einen Mann empfunden, diese hilflose Mischung aus wilder Lust und schmelzender Hingabe, dieses Gefühl, vergehen zu müssen, wenn er sie jetzt wieder losließ und ging.

    Sie wusste, dass es leichtsinnig war. Fahrlässig, um genau zu sein. Was sie beides normalerweise nie war. Aber die Alternative konnte sie einfach nicht aushalten, deshalb atmete sie einmal tief durch.

    „Ich will es nicht.“

    John ließ seine Hand sinken und nickte. Doch bevor er sich abwenden konnte, stellte Teyla sich auf die Zehenspitzen und schlang die Arme um seinen Hals. Überrascht fing er sie auf.

    Sie legte ihre Stirn an seine und streichelte seine Wange, genoss das Gefühl seiner dunklen Bartstoppeln, die sie kitzelten. „Ich will keinesfalls, dass Du Dich beherrschst.“

    Er brauchte einen Moment, bis er begriff, was sie gesagt hatte. Dann breitete sich ein Lächeln auf seinem Gesicht aus, und als er sie wieder an sich zog, spürte Teyla, wie sein breiter Brustkorb sich zu einen tiefen Aufatmen hob.

    „Miststück“, raunte er, und sie lächelte an seinen Lippen, bevor er erneut ihren Mund eroberte. Auf einmal fühlte es sich so unglaublich richtig an. Fast so, als hätte sie schon ihr ganzes Leben lang auf diesen einen Augenblick gewartet, auf diesen Kuss von diesem Mann, den sie vielleicht gar nicht haben durfte. Aber jetzt war nicht die Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen. Genaugenommen wollte sie gar nicht mehr denken, deshalb drängte sie sich noch enger an ihn und erwiderte seinen Kuss voller Sehnsucht, bis John sich stöhnend von ihr löste.

    „Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie lange ich von diesem Augenblick geträumt habe“, sagte er heiser, und seine haselgrünen Augen funkelten fast schon ein bisschen triumphierend. Seine Arme umfingen sie, und er schob sie langsam rückwärts, drängte sie mit sanfter Gewalt mit dem Rücken an den Tresen. Seine Hände strichen über ihren Rücken, dann zupfte er ihre Bluse aus dem Rock und schob seine Hand unter den weißen Stoff, was Teyla wohlig erschaudern ließ. Atemlos knöpfte sie sein Hemd auf, weil sie nicht mehr darauf warten konnte, ihn endlich zu berühren.

    „Ich auch“, flüsterte sie, schob ihm das Hemd über seine breiten Schultern und die Arme hinunter und legte ihre Handflächen auf seine dunkelbehaarte Brust.

    John grinste. „Tatsächlich, hast du?

    Teyla nickte, beugte sich seufzend vor und küsste die Stelle über seinem Herzen. Sie spürte, wie er eine Hand in ihr Haar schob und dort festhielt, und sie atmete seinen männlich-herben Duft ein, der sie betörte, ehe sie erneut zu ihm aufsah.

    Seine Augen leuchteten. „Und was habe ich in Deinem Traum gemacht?“

    „Du hast mich ausgezogen“, antwortete sie und wurde erneut mit diesem Lächeln belohnt, von dem sie gerne glauben wollte, dass es ihr allein gehörte.

    „Komisch. In meinem Traum ist das auch passiert“, raunte John, beugte sich vor und küsste sie sanft, während er mit seinen geschickten Fingern ihre Bluse aufknöpfte und sie ihr abstreifte. Einen Augenblick später ließ er ihr Mieder folgen und legte seine Hände um ihre nackten Brüste, strich über die aufgerichteten Spitzen, was eine Welle berauschender Lust durch Teylas Körper branden ließ. Sehnsuchtsvoll stöhnte sie auf und schlang die Arme wieder um seinen Hals, presste sie ganz eng an ihn.

    „Möchtest Du wissen, was noch darin vorkam?“, flüsterte sie, biss ihm leicht in sein Ohrläppchen und lächelte glücklich, als sie spürte, wie ihn ein lustvoller Schauer durchlief.

    „Ich glaube, ich kann es mir denken“, entgegnete er rau, hob sie ohne weitere Umschweife hoch und küsste sie, während er sie durch den kurzen Flur in seine Kammer trug. Vor der Pritsche stellte er sie wieder auf die Füße, sah sie an und streichelte liebevoll über ihre Wange, fuhr mit seinen Fingern durch ihr Haar. Eine Nadel nach der anderen zog er heraus, bis ihr Haar ihr über den Rücken fiel. Seufzend vergrub er seine Hände in den weichen Wellen, die ihr fast bis zur Hüfte reichten, neigte den Kopf und küsste sie zärtlich.

    Teyla lächelte.

    „Ja, so in etwa“, murmelte sie und stöhnte leise, als John mit seinen Händen über ihre Schultern, ihre Arme und Taille fuhr, um dann ihren Hintern zu umfassen und sie fest an sich zu ziehen. Fasziniert berührte sie sein Gesicht, fuhr die Konturen nach, die ihr vertraut und doch so fremd waren, die kantige Linie seines Kinns, die hohen Wangenknochen, die gerade Nase mit der leicht nach oben gebogenen Spitze und die vollen Lippen, die, wie sie herausgefunden hatte, gut küssen konnten. Es war aufregend, das jetzt zu dürfen, und ihr Herz schlug wild, als sie ihn herausfordernd anlächelte.

    „Allerdings warst Du in meinem Traum nackt, als Du mich in Dein Schlafzimmer getragen hast.“

    John grinste, beugte sich vor und kostete noch einmal von ihren Lippen. Ein feuriger Kuss entbrannte zwischen ihnen, der sämtliche, noch vorhandene Vorbehalte in Luft auflöste und ihr Verlangen zueinander ins Unermessliche ansteigen ließ.

    „Dann hilf mir, das zu korrigieren“, keuchte John, als sie sich zum Luftholen voneinander lösten. Nur zu gern kam Teyla seiner Bitte nach und öffnete seinen Gürtel und knöpfte seinen Hosenbund auf, während er seine Stiefel unter die Pritsche kickte und an ihrem Rock zerrte, bis dieser an ihren Beinen zu Boden glitt. Ohne den Blick von seinen durchdringenden Augen zu lösen, entledigte sich Teyla der letzten störenden Stoffschichten, bis er nackt vor ihr stand und sich mit seiner vollen männlichen Pracht präsentierte.
    In jeder Hinsicht gut gebaut, dachte Teyla und konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen, während ihr gieriger Blick an ihm hinabglitt. Johns Mundwinkel zuckten, als wollte er etwas sagen, doch stattdessen zog er sie wieder an sich und einen Augenblick später lag sie unter ihm auf der schmalen Pritsche und er küsste sie als gäbe es für sie kein Morgen mehr. Als er sich wieder von ihr löste, lag kein Lächeln mehr auf seinen Lippen.

    „Oh Gott, ich will Dich“, stöhnte er, und das Leuchten in seinen Augen raubte Teyla den Atem. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so begehrt gefühlt, und sie bebte vor Lust und noch etwas anderem, das sie nicht zu benennen vermochte.

    Ich will Dich auch, wollte sie ihm erwidern, doch ihre Lippen formten nur ein lautloses ‚O‘, als John anfing, mit dem Mund eine feuchte Spur über ihren Körper zu ziehen. Er küsste ihren Hals, dann ihre Brüste. Teyla seufzte. Hitze fegte wie ein heißer Wind über ihre Haut, als er sich über sie beugte und seine Lippen erst um eine und anschließend um die andere ihrer Brustwarzen schloss. Er brummte erregt, öffnete den Mund weiter und saugte begierig an den dunklen Spitzen.

    „J-John“, stotterte sie atemlos, als er die Linie der Küsse über ihren Bauch fortsetzte. Ungeduldig presste sie ihren vor Erregung zitternden Körper an seinen, doch er ließ sich Zeit und bewegte sich träge, zog mit seiner Zunge eine brennende Spur über ihren flachen Bauch und glitt tiefer, bis seine Lippen schließlich auf der Höhe ihrer heißen, feuchten Mitte waren. Teyla keuchte laut auf und stöhnte seinen Namen, als er den Kopf weiter senkte, sich mit dem Mund und seiner Zunge weiter vorarbeitete und sie liebkoste. Sanft schob er ihre Knie auseinander und vergrub sich tief zwischen ihren zitternden Schenkeln, die sie willig für ihn öffnete. Ihre Hüften bäumten sich auf, und sie krallte die Hände in das Laken und warf den Kopf hin und her, spürte, wie sich die Spannung in ihr immer mehr steigerte. Aber sie wollte das nicht allein erleben. Er sollte mit ihr in diesem Gefühl untergehen, deshalb zog sie ihn wieder zu sich herauf.

    John brauchte keine weitere Aufforderung, schloss sie wieder in seine Arme und küsste sie hungrig und drängend, während er sich auf sie schob. Sein Gewicht drückte sie in die Matratze und nahm ihr kurz die Luft zum Atmen, doch das war Teyla jetzt egal. Sie wollte ihn nie wieder loslassen, versank in seinem Kuss und erwiderte ihn leidenschaftlich. Ein überraschter Laut rutschte ihr über die Lippen, als John plötzlich von ihr abließ und sich aufsetzte, doch schon im nächsten Augenblick zog er sie auf seinen Schoß. Wie von selbst fanden sie zusammen, und Teyla durchlief ein lustvolles Schaudern, als sie spürte, wie er in die eindrang.
    Sanft glitt er in sie hinein und legte seine Stirn an ihre, als sie ihn tief in sich aufnahm und festhielt.
    Für einen kurzen Moment saßen sie einfach nur da und sahen sich tief in die Augen, lehnten Stirn an Stirn und spürten das heiße, angestrengte Atmen des anderen auf ihren Lippen.

    „Teyla…“ Johns Stimme zitterte, und er beugte sich vor, um sie zu küssen. Seine Hände suchten ihre und schlossen sich um ihre Finger. Als sich ihre Lippen sanft berührten, begann er sich zu bewegen, wiegte vor und zurück, erst langsam, dann schneller. Plötzlich lockerte er seinen Griff und drückte sie mit dem Rücken wieder flach auf die Pritschte. Teyla stöhnte, als sie seine warmen Lippen erneut an ihren Brüsten spürte, bog den Rücken durch und klammerte sich nach Halt suchend an seine breiten Schultern, zog ihn eng an sich und schlang seufzend die Beine um seine Hüften.
    Der Mann über ihr verlagerte sein Gewicht auf seine Unterarme, nahm ihr Gesicht in die Hände und küsste sie leidenschaftlich.

    „John…“, keuchte sie, doch er versiegelte ihre Lippen wieder mit einem feurigen Kuss, während er rhythmisch in sie hineinzustoßen begann. Wieder und wieder, bis aus den anfangs zärtlichen Bewegungen immer kraftvollere Schwünge und schnellere, härtere Stöße wurden, die sie im Nu an den Rand ihrer Vorstellungskraft brachten.
    Ein ohrenbetäubendes Donnern ertönte in jenem Moment, als Teylas Welt in einem hellen Licht explodierte. Sie verkrampfte sich kurz, als sich die Spannung in ihrem Inneren schlagartig entlud und ihr Höhepunkt sie überrollte und unter sich begrub wie eine Flutwelle. Ihre Nägel gruben sich in Johns Schultern, ihr Körper bäumte sich auf und zuckte. Ein Schluchzen entfuhr ihrer Kehle und endete in seinem Namen.
    Mit flatternden Lidern blickte sie in Johns lustvoll verzogenes Gesicht, welches über ihrem schwebte. Als die letzten Beben in ihr verebbten, folgte er ihr stöhnend und dämpfte seinen heiseren Schrei in ihrer Halsbeuge. Wieder und wieder erschauderte er, und sie hielt ihn, bis er sich heiß in sie ergoss und schließlich erschöpft und keuchend auf ihr zusammenbrach.

    Doch auch, als sie beiden endlich wieder ruhiger atmeten, ließ Teyla ihn nicht los. Sie wollte nicht, dass er sich bewegte, genoss sein Gewicht auf ihr und das Gefühl, dass er noch immer mit ihr vereint war. Deshalb seufzte sie protestierend, als er sich schließlich von ihr löste und sich mit ihr im Arm zur Seite rollte, sodass ihr Kopf auf seiner verschwitzten Brust lag. Teyla schloss die Augen und lauschte seinem Herzschlag, hin und her gerissen zwischen dem glücklichen Schwebezustand, in dem ihr Körper sich noch immer befand, und der Angst vor dem, was kommen würde, wenn diese Nacht endete.
    Teylas Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als ihr bewusst wurde, dass sich so etwas nicht noch einmal wiederholen durfte. Es gab so viele Gründe, die dagegen sprachen, und mit einem Mal verspürte sie starke Schuldgefühle, die auf sie einstürzten und ihr die Luft zum Atmen nahmen.


    „Teyla?“ Verwundert sah John sie an, als sie sich aufrappelte, bückte und ihre auf dem Boden verstreut liegende Kleidung zusammensuchte.

    „Das hier hätte nicht passieren dürfen“, sagte sie und presste das Bündel Stoff schützend vor ihren Körper, denn plötzlich war ihr ihre Nacktheit unangenehm. „Das war ein Fehler.“

    John schüttelte verständnislos den Kopf. „Aber-“

    „I-Ich muss gehen“, presste Teyla mühsam hervor und verließ fluchtartig die Kammer, stürzte die Treppe hinauf, rannte den Flur entlang und verschanzte sich in ihrem Zimmer. Heftig nach Atem ringend lehnte sie sich mit dem Rücken an die geschlossene Tür und lauschte, ob John ihr folgte.

    Er tat es nicht. Stattdessen hörte sie, wie er sich nach einer Weile erhob und seine Kleidung vom Boden aufhob. Seine schweren bestiefelten Schritte hallten durch das ganze Haus, und als kurz darauf eine Tür ins Schloss fiel und eine bedrückende Stille eintrat, wusste Teyla, dass John gegangen war.

    Seufzend sank sie an der Tür zu Boden und lehnte ihren Kopf an das harte Holz. Es war ein Fehler gewesen, und je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr bereute sie, was geschehen war. Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sie wusste nichts über den Mann, mit dem sie gerade der Leidenschaft gefrönt hatte. Sie wusste nicht, wer John wirklich war. Im Grunde konnte sie nicht einmal sagen, ob das überhaupt sein richtiger Name war!
    Es war ein Fehler gewesen- nein, es war sogar mehr als das; es war falsch gewesen, und Teyla schämte sich zutiefst. Sie schämte sich für ihre Entgleisung, für ihre körperliche Schwäche und für seinen Geruch, der noch immer an ihr klebte und von zu Sekunde zu Sekunde unerträglicher wurde. Sie schämte sich für die ganze Situation, war aber unentschlossen, wie sie nun handeln sollte.

    Erschöpft legte sie sich in ihr Bett und lauschte dem Tosen des Sturms. Es regnete noch immer stark, und sie hörte die schweren Tropfen auf das Dach niederprasseln, rollte sich unter der Bettdecke zusammen, zog die Beine an die Brust und schlang die Arme um die Knie. Wie lange sie so da lag, wusste sie nicht. Sie starrte aus dem Fenster und spürte nach einer Weile, wie ihre Lider schwer wurden, und da sie nicht mehr die Kraft besaß, sich dagegen zu wehren, schloss sie die Augen und ließ zu, dass die bleierne Müdigkeit Besitz von ihr begriff.

    Nicht ahnend, was für eine Reihe von Geschehnissen sie in Gang gesetzt hatte, sank sie in einen tiefen traumlosen Schlaf, während unweit von ihrem Haus eine gebeugte Männergestalt durch die Nacht irrte, überwältigt von den Erinnerungen, die deutlich werden ließen, dass seine Zeit in Athos Creek abgelaufen war.

    Noch vor Sonnenaufgang hatte John seine wenigen Habseligkeiten zusammengepackt und verließ die Stadt in Richtung Osten. Er wusste nicht, was ihn jenseits der Wälder Wyomings erwartete und wie lange seine Reise dauern würde. Er wusste nur, dass es an der Zeit war, seine bruchstückhaften Erinnerungen zusammenzusetzen und herauszufinden, wer er wirklich war und ob jemand am Ende seines Weges auf ihn wartete.

    Sehnsuchtsvoll blickte er von einer Anhöhe ein letztes Mal auf den Ort hinab, der lange Zeit sein Zuhause gewesen war, und schwor sich, zurückzukehren. Er dachte an Teyla, und ein trauriges Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Er war sich sicher, dass sie es irgendwann verstehen würde, und hoffte, dass sie da sein und auf ihn warten würde, wenn er eines Tages nach Athos Creek zurückkehrte…



    Ende (?)
    Geändert von Nyada (28.03.2017 um 10:16 Uhr)

  2. Danke sagten:


  3. #2
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Mein Feedback habe ich dir ja schon im Ü18 Bereich geschrieben.
    Die FanArts sehen toll aus! So habe ich sie mir beim Lesen auch vorgestellt.
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein! JWvG

  4. Danke sagten:


  5. #3
    Die nach den Sternen greift Avatar von Ailya
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    Super, endlich mal wieder ein Wild West AU! Ich oute mich jetzt einfach mal als ein Fan der alten Westernstreifen, weshalb mir diese FF besonders gut gefallen hat- ich war schon begeistert, bevor ich überhaupt mit dem lesen angefangen habe.

    Ich finde es toll, wie du die Charaktere in diesem "anderen" Universum dargestellt hast, Teyla als Tavernenbesitzerin, McKay als Jurist, etc. Besonders angetan hat es mir aber der Haushaltwarenhändler Zelenka. Wer die Bücher der "Legacy"-Reihe gelesen hat, weiß, wie gut diese Umschreibung auf ihn passt...

    Auch der Rest der Geschichte hat mir gut gefallen. John tut mir aber ein bisschen leid; es ist bestimmt nicht leicht für ihn, nicht zu wissen, wer er ist und woher er kommt. Ich vermute jetzt einfach mal, dass er irgendwo hin wollte und auf dem Weg ausgeraubt worden ist. Das soll im Wilden Westen ja öfter mal vorgekommen sein. Armer Kerl.

    Schön, dass Teyla ihn nicht im Regen hat stehen lassen. Ich konnte mir die beiden richtig gut vorstellen, wie sie sich in der Taverne gegenübersaßen und wie Teyla seine Wunden versorgt hat. *hach* Es war klar, dass sich daraus "mehr" entwickelt, und ich habe die Liebesszene wieder einmal sehr genossen. Teylas Zögern, ihre Neckereien und die Szene an sich- alles war wieder sehr stimmig und wunder-, wunderschön. Am liebsten hätte ich mit Teyla getauscht... *seufz*

    Schade ist nur, dass das Ganze kein schönes Ende gefunden hat. Ich hätte es den beiden gegönnt. Aber so wie es aussieht, hat John eingesehen, dass er nicht ewig vor seiner Vergangenheit davonlaufen kann. Ich hoffe, er erinnert sich bald wieder. Und ich hoffe auch, dass er nach Athos Creek und zu Teyla zurückkehrt. Die beiden haben ein Happy End verdient.

    Deswegen...

    Ende (?)
    NEIN, ICH WILL UNBEDINGT EINE FORTSETZUNG!

    LG Ally

  6. Danke sagten:


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