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Thema: [SGA-SG1] Stargate Legacy - Das Vermächtnis der Antiker

  1. #101
    Bürostuhlakrobatin Avatar von Nefertari
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    So, da bin ich wieder ^^

    Heute wieder mit einem neuen Kapitel für euch ^^ Und einen schönen Gruß an die Liebe Tamara die für mich die Geschichte Betat. Gute Besserung!

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Kapitel 38 - Der Angriff beginnt



    Auf der Securor angekommen, wurden wir dann erst einmal von einigen bewaffneten Soldaten begrüßt, die der Colonel erst beruhigen musste. Sie alle sahen menschlich aus, aber ihre Uniformen waren beinahe futuristisch. Doch wenn ich es richtig interpretierte, waren sie das in gewisser Weise auch. Immerhin stammten sie von Menschen ab, die eigentlich aus dem Jahre 2011 gekommen waren und nur durch Zufall im Jahr 11 gelandet waren. Das Wissen und die geistige Entwicklung, die Erkenntnisse, die bis heute gefunden worden waren, waren ihnen bereits in die Wiege gelegt worden und sie hatten 2000 Jahre Zeit gehabt, das alles zu verbessern. Wenn man es so sehen wollte, sahen wir also, wenn wir diese Leute ansahen, 2000 Jahre in der Zukunft, zumindest in gewisser Weise.

    Nachdem wir angekommen waren und Kommandant Stark, einem ziemlich ernst dreinblickenden Mann um die vierzig, noch einmal unsere Geschichte erzählt hatten, brachte man uns als nächstes auf die Krankenstation. Anscheinend hatte ihm einer der Anwesenden nicht nur von meiner kleinen Vorstellung erzählt, sondern auch von meinem kaputten Trommelfell, denn eine junge Ärztin kam auf mich zu und behauptete, dass ich in wenigen Minuten wieder ganz normal würde hören können, vielleicht sogar besser als zuvor. Natürlich ließen mich die anderen nicht alleine gehen und so bestanden sowohl Sara als auch Torren darauf, mich zu begleiten.

    Als sie mir dann - nur zur Vorsorge - Blut abnahmen, fragte ich mich, ob sie mich wirklich für dumm hielten. Natürlich wusste ich, dass es ihnen nicht um die Vorsorge ging, sondern darum, herauszufinden, was ich war, und ob ich gefährlich war. Aber zumindest schafften sie es tatsächlich, meine Ohren wieder zu reparieren. Es hatte einen kurzen, stechenden Schmerz in meinem Ohr gegeben, als wäre mein Trommelfell erneut gerissen, dann war es auf einmal ganz warm geworden und als die Hitze verschwunden war, hatte ich wieder ganz normal hören können, als wäre nie etwas passiert, um genau zu sein, hörte ich sogar besser, aber ich wusste nicht, ob das an der Behandlung lag oder an der Tatsache, dass ich mich ja durch die Antiker-Gene etwas verändert hatte.

    „Ihre DNA ist teilweise menschlich. Ich habe so etwas noch nie gesehen, Everett“, hörte ich daher in einiger Entfernung eine etwas ältere, blonde Frau. Ich sah, wie ich von den beiden aus dem Augenwinkel beobachtet wurde. Wahrscheinlich ahnten sie nicht, dass ich sie hören konnte. „Irgendetwas ist mit ihr passiert, aber was, ich kann es nicht sagen.“

    „Irgendeine Ahnung, wie sie das mit den Waffen gemacht haben könnte?“, fragte Colonel Young dann, doch die hübsche Blondine zuckte nur mit den Schultern und erklärte ihm, dass dafür weitere Tests nötig wären, aber im Moment müssten sie und die anderen sich eher darauf konzentrieren, hier alles für den Kampf vorzubereiten. Auch wenn sie sicher war, dass die Wraith besiegt werden würden, ahnte sie, dass es einige Verletzte geben würde, die sie zu behandeln haben würde.

    „Wenn Atlantis außer Gefahr ist, werde ich wohl sowieso ein etwas längeres Gespräch mit General O’Neill zu führen haben, wahrscheinlich wird das dabei auch zur Sprache kommen“, seufzte der Colonel dann und ging an uns vorbei nach draußen.

    „Alles bestens, du kannst wieder zu deinen Freunden.“ Wenn ich ehrlich war, fand ich diese Frau ziemlich nett, sie erinnerte mich irgendwie an Joeys Mutter und das nicht nur wegen der Haarfarbe. Sie schien genauso herzlich zu sein. Auf halbem Weg zurück zu den anderen kam uns dann auch schon Philipp, nach Luft schnappend, entgegen. Er schien vollkommen aus der Puste zu sein.

    „Atlantis ist im All! Sie haben die Antriebe der Stadt gestartet“, sagte er und ich merkte, wie meine Lunge sich zusammenschnürte. Wahrscheinlich hatten sie vor, ein Ablenkungsmanöver zu starten, damit die Wraith nicht das Festland scannen würden, sondern direkt Atlantis angriffen. So konnten sie wenigstens etwas Zeit für die Menschen auf dem Festland kaufen. Vielleicht hatten sie es geschafft, Bunker oder ähnliches zu bauen, in denen sie sich verstecken konnten.

    Doch bevor Philipp uns mit in Richtung Brücke nehmen konnte, wurden wir auch schon von Chloe und einer weiteren Frau abgefangen. Doch zu unserer Überraschung hatte sie nicht nur die anderen von uns dabei, sondern noch mehr Kinder, die mir aber überhaupt nicht bekannt vorkamen.

    „Wir werden jetzt zusammen in die Schutzräume gehen“, erklärte die andere, etwas älter und strenger aussehende Frau. Sie schien asiatische Wurzeln zu haben, das sah man deutlich an ihren Augen. Sie würde keine Widerrede zu lassen, das sah ich direkt. Sie erinnerte mich etwas an eine Lehrerin auf meiner alten Schule, sie hatte auch asiatische Wurzeln gehabt und war ziemlich streng gewesen. Strafarbeiten oder Lernhilfen, wie sie es nannte, waren bei ihr an der Tagesordnung gewesen, wenn man nicht aufpasste.

    „Haben Sie Atlantis schon kontaktieren können?“, fragte ich dann einfach frei heraus.

    „Nein, bisher noch nicht, sie senden ein Störsignal aus, das wir bisher noch nicht übergehen konnten. Wahrscheinlich wollen sie damit das Festland schützen“, erklärte Chloe, während sie eines der kleineren Kinder auf den Arm nahm, weil es nicht mehr mitkam. Anscheinend war es bald soweit und die Securor würde den Angriff einleiten.

    Die Schutzräume waren einzelne Abteile im Inneren des Schiffes, vollkommen abgeschottet von allen Außenbereichen, damit ein Hüllenbruch oder ähnliches nicht bis dorthin durchkam. Allerdings gab es kleine, an Röhrenrutschen erinnernde Öffnungen, von denen ich annahm, dass sie zu den Rettungskapseln führten. In einen Raum passten geschätzt 30 Leute und davon waren bestimmt 20 Kinder. Die meisten von ihnen waren noch so klein, dass sie nicht wirklich viel davon verstanden was hier passierte, unter 10 Jahre alt. Doch als dann die Erschütterungen begannen und man dumpfe Schläge hören konnte, wurden sie alle unruhig.

    Ich musste zugeben, auch ich fühlte mich nicht besonders wohl hier. Ich wäre viel lieber auf der Brücke gewesen und hätte mitbekommen, was passiert, als einfach hier drin zu sitzen und abzuwarten.

    Torren hatte anscheinend wieder einmal meinen Gedankengängen gelauscht, während ich ihn nicht sorgfältig genug blockiert hatte, deswegen merkte ich, wie sein besorgter Blick von der anderen Seite des Raumes auf mir lag. Wäre es hier nicht so voll gewesen und wären unsere anderen Freunde nicht hier gewesen, ich hätte mich sicherlich in seinen Armen versteckt, bis das alles vorbei war. Das Schlimmste an der Situation war jedoch nicht, dass wir uns in einem Kampf befanden. Das Schlimmste war, das wir hier drin saßen und einfach nur abwarten konnten. Wir konnten nur Däumchen drehen und hoffen, dass man uns raus lassen würde, wenn alles vorbei war und dass dann die Leute, um die wir uns sorgten, auch noch lebten.

    „Keine Sorge, es wird schon alles gut gehen“, hörte ich seine beruhigende Stimme in meinem Kopf. Ich wies ihn darauf hin, dass ich jetzt wieder hören konnte und kein Grund mehr bestand, auf diese Weise mit mir zu reden, aber ihm gefiel es einfach, dass wir miteinander reden konnten, ohne dass es irgendjemand mitbekam. Ich musste zugeben, dass ich das auch ziemlich praktisch fand, egal ob meine Ohren wieder funktionierten, denn so konnten wir auch über Sachen reden, die vielleicht niemand mitbekommen sollte.

    „Die … Sache im Hangar …“, anscheinend hatte er dieselbe Idee gehabt wie ich. „Es tut mir leid, dass ich dich so überrumpelt habe, aber …“

    „Ist schon gut. Ich nehme es dir nicht übel“, unterbrach ich ihn und versuchte, leicht zu lächeln, auch wenn das in dieser Situation nicht gerade einfach war. „Allerdings würde ich es an deiner Stelle lieber nicht meinem Vater erzählen“, witzelte ich dann, als ich auch sein beunruhigtes Gesicht sah, als das Schiff wieder einmal ziemlich stark wackelte.

    Es funktionierte tatsächlich und sein Gesicht hellte sich etwas auf. „Oh Gott, bloß nicht. Ich wäre wahrscheinlich direkt tot.“

    „Ich glaube nicht, dass du auf einen schnellen Tod hoffen dürftest, wenn er das erfährt.“

    Wahrscheinlich hielten die anderen uns für verrückt, so intensiv wie wir uns anstarrten und immer wieder in den unmöglichsten Momenten anfingen zu grinsen. Aber sie konnten ja auch nicht mitbekommen, was wir untereinander redeten. Es war komisch, um wieviel leichter es war, auf diese geheime Weise mit Torren zu reden, hier versuchte er nicht, um jeden Preis locker zu sein, sondern war einfach nur er selbst. Es war verwunderlich, wie sehr der richtige Torren manchmal von dem Torren abwich, den die anderen sahen, wie sehr er sich gelegentlich verstellte, um Unsicherheit oder Angst zu überspielen. Aber wahrscheinlich war das normal, wenn man mit Leuten wie meinem Vater aufgewachsen war, die eigentlich täglich irgendeine Welt retteten.

    Irgendwann, ich wusste nicht wie lange wir bereits in diesem Schutzraum verbracht hatten, öffnete sich dann die Tür. Die Kämpfe waren eindeutig noch nicht vorbei, denn das Schiff wackelte immer noch bedrohlich und hin und wieder flackerten die Lichter. Es war Dr. Rush, der vor der Tür stand, anscheinend war er nicht in einem der Schutzräume gewesen.

    „Chloe, Maggie, wir brauchen Ihre Hilfe“, sagte er dann und ich sah die anderen unsicher an. Auch Chloe schien nicht genau zu wissen, was los war und sah etwas unsicher aus, wobei sie schwer versuchte, dies in einem Nicken zu ersticken. Langsam standen wir beide auf, darauf bedacht, bei dem ständigen Wackeln nicht hinzufallen und uns zu verletzen.

    „Was ist los, Rush?“, fragte Chloe, als sich die Tür des Schutzraumes wieder geschlossen hatte.

    „Wir gehen zurück auf die Tria“, sagte er nur und lief auch schon los in Richtung der Shuttlebuchten. Ich wusste wirklich nicht, ob es eine so gute Idee war, ihm zu folgen, aber anscheinend wollte er helfen und das war zehnmal besser, als so vollkommen untätig einfach darauf zu warten, dass der Kampf endlich vorbei sein würde. Daher war ich die erste, die Rush hinterher stürzte. Er war mir vielleicht unsympathisch, aber das war nebensächlich. Auch Chloe rannte ihm hinterher und sie sah vollkommen ratlos aus.

    An der Shuttlebucht angekommen, standen dort dann auf einmal noch vier weitere Leute. Eine junge Frau, die ich nicht kannte, und drei Männer, einer vielleicht Anfang dreißig, die anderen Mitte vierzig. Chloe schien die vier zu kennen und fragte auch sie, was hier los sei, doch auch sie wussten es nicht. Anscheinend hatte Rush uns nur alle hierher gebracht.

    „Jamilia hatte eine Idee, und die werden wir jetzt ausführen“, sagte Rush und die junge Frau sah ihn verwundert an. Anscheinend wusste sie nicht, wovon er genau redete. Nichts desto trotz folgten wir ihm alle in das Shuttle. Der jüngere von den Männern stellte sich mir als Eli Wallace vor, die älteren sollte ich Dr. Brody und Dr. Volker nennen. Als Rush das Shuttle dann startete und einfach aus der Landebucht herausfliegen konnte, nahm ich an, dass es auf der Brücke entweder genug zu tun gab, um zu bemerken, dass ein kleines Shuttle abflog, oder Rush hatte irgendwie die Steuerung der Hangartore blockiert. Dem Blick zufolge, den Eli ihm zuwarf und der etwas wütenden Stimme von Colonel Young im Funk entnahm ich, dass wohl eher letzteres der Fall war und ich fragte mich, wie lange sie brauchen würden, um festzustellen, dass auch ich nicht mehr da war, wo ich sein sollte.

    „Was ist in diesen Kisten?“, fragte ich etwas verwundert, als ich mich auf eine der vielen Kisten setzte, die den Laderaum des Shuttles beanspruchten.

    „Wir werden den Antrieb der Tria reparieren.“

    „Wie bitte?“, rief Eli überrascht aus und er war nicht der einzige. „Rush, sind Sie verrückt geworden? Wenn eines dieser Schiffe bemerkt, dass wir uns von der Securor entfernen, sind wir so gut wie tot!“

    „Wie gut, dass wir eine Antikerin an Bord haben, die uns davor bewahren kann“, stellte er fest und sah mich leicht grinsend aus den Augenwinkeln an. Ich funkelte böse zurück. Am liebsten hätte ich ihn hier und jetzt mit einem Stromstoß für seine blöde Bemerkung bestraft, aber leider saß er am Steuer dieses Shuttles und ich wollte wirklich nicht, dass irgendetwas schieflief.

    „Und wie soll ich das bitte bewerkstelligen? Dieses Schiff ist kein Jumper!“

    „Nein, das ist es in der Tat nicht. Aber du verfügst doch über dieses einmalige Magnetfeld, nicht wahr?“, fragte er eher rhetorisch als alles andere. Er wusste die Antwort schon, irgendwie hatte er es herausgefunden. Als ich nicht antwortete, fasste er dies als eine Bestätigung auf und lächelte noch mehr. Dann bat er mich, das Feld einfach um das Shuttle zu erweitern, dann würden uns die Sensoren der Wraith sicherlich nicht erkennen können und auch vor einem Abfangmanöver durch Jäger der Eversor oder Bictor wären wir sicher.

    „Einfach?“, zischte ich ihn an. Was dachte dieser Kerl sich nur? Dass es ein Spaß war, dieses Feld zu erweitern, dass es wirklich einfach war? Da konnte ich ihm aber etwas Anderes erzählen. Ich war froh, wenn ich einen Teil davon etwas ausdehnen konnte, aber nun ein ganzes Shuttle darin einzuschließen, grenzte für mich an Unmöglichkeit.

    „Keine Bange, der enorme Druck wird es dir leichter machen. Wenn wir gleich aus dem Schatten der Securor fliegen und wir nicht unter deinem Schild sind, wird eines der Hive-Schiffe uns sicherlich entdecken“, sagte er und ich konnte nichts mehr sagen. Ich konnte ja noch nicht einmal mehr Luft holen. Eines der Hive-Schiffe? Ich wusste nur von einem einzigen Schiff. Ich ging zu ihm nach vorne an die Steuerung und er hatte Recht. Auf der Anzeige sah ich eine große Anzahl roter Punkte und auch einige grüne. Einige waren größer als andere und ich schloss daraus, dass die kleinen Jäger und die großen die Hives oder unsere Kampfschiffe waren.

    Doch wirklich Zeit für eine Erklärung hatten wir nicht, denn auf einmal sprang noch ein Hive aus dem Hyperraum, unmittelbar vor uns.
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  2. #102
    First Lieutenant Avatar von Angelika
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    Rush will also den Antrieb der Tria reparieren, der ja angeblich unreparierbar ist. Na hoffentlich hat er die richtigen Ersatzteile eingepackt.

  3. Danke sagten:


  4. #103
    Chief Master Sergeant Avatar von Jolinar
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    Liebe Grüße aus dem Urlaub. Endlich habe ich mal etwas Zeit und Internetzugang, um mich hier auf den neuesten Stand zu bringen. Leider ist morgen schon wieder alles vorbei und es heißt Koffer packen und ab nach Hause.

    Vom Kampf hat Maggie im Schutzraum bis auf das Schütteln nicht viel mitbekommen. Dafür um so mehr auf dem Weg zur Trias. Bei McKay funktioniert die Nummer mit dem Druck ja. Aber ob Maggie das auch hinbekommt? Nicht, daß sie durch ihr Magnetfeld mehr zerstört als schützt. Und wie Angelika hoffe ich, daß er die richtigen Sachen eingepackt hat.

    Rush will den Antrieb reparieren, den er vorher als total kaputt deklariert hat. Er scheint eine Eingebung gehabt zu haben und nicht nach Erlaubnis gefragt.

  5. Danke sagten:


  6. #104
    Bürostuhlakrobatin Avatar von Nefertari
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    Zitat Zitat von Jolinar Beitrag anzeigen
    Er scheint eine Eingebung gehabt zu haben und nicht nach Erlaubnis gefragt.
    Wann hat Rush jemals wirklich um Erlaubnis gefragt X

    So, nach kurzer Pause, die letzten Wochen waren wirklich etwas hektisch, bin ich wieder da und präsentiere euch auch schon ein neues Kapitelchen ^^

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    Kapitel 39 - Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg


    „Sie reagieren nicht auf uns“, flüsterte Eli beinahe, anscheinend aus Angst, das Hive könnte uns hören, was natürlich völliger Blödsinn war. Ich hingegen fühlte mich, als würde ich jeden Moment auseinanderreißen. Meine Angst war mit dem Erscheinen des Hives ins Unermessliche gestiegen, doch anscheinend hatte Rush recht gehabt und diese Angst hatte meinen Fähigkeiten tatsächlich noch einen kleinen Schub gegeben. Ich spürte, wie es sich wie eine zweite Haut um das Shuttle legte und das Shuttle kam mir auf einmal unheimlich groß vor. Ich spürte jede noch so kleine Unebenheit auf der Außenhülle und den Druck, den das All darauf ausübte.


    „Rush, wir sollten uns jetzt ganz schnell vom Acker machen“, warnte ich ihn, denn ich merkte, dass ich diesen Zustand nicht mehr lange halten konnte.


    „Wir können von Glück sprechen, dass diese Hives keine Fenster haben“, kommentierte Dr. Brody etwas missmutig. Er schien mir sowieso ein ziemlich verschlossener, ungemütlicher Mensch zu sein. Ein Lächeln suchte man auf diesem von Locken umgebenen Kopf vergeblich und auch seine Körpersprache war eher abwehrend als einladend.


    „Ein bisschen mehr Optimismus Mr. Brody“, gluckste Rush vergnügt, während er die Triebwerke des Shuttles startete. Jetzt war ich mir eindeutig sicher, Rush war geisteskrank, er musste es einfach sein. Niemand konnte wirklich in so einer Situation gut gelaunt sein, nicht wenn das eigene Leben auf dem Spiel stand. Daher war die etwas bösartige Bemerkung Dr. Brodys gegenüber Rushs Optimismus ziemlich gerechtfertigt.


    Am liebsten hätte ich Rush angeschrien, dass er sich lieber darauf konzentrieren sollte, dass wir zur Triathlon kamen, aber dafür hätte ich zumindest einen Teil meiner Konzentration und Kraft opfern müssen, und dazu war ich nicht in der Lage. Mir wurde so schon langsam schwindelig und ich musste häufiger blinzeln, weil ich das Gefühl hatte, immer verschwommener zu sehen.


    „Dr. Rush, ich glaube wir sollten uns beeilen. Die Kleine sieht wirklich nicht gut aus“, bemerkte Jamilia, die andere junge Frau etwas besorgt.


    „Sie wird noch etwas durchhalten müssen“, bemerkte er vollkommen emotionslos und es machte mich wütend. Es interessierte ihn also nicht, wenn ich körperlich an meine absolute Belastungsgrenze stieß? Wenn das passierte, während wir noch in direkter Reichweite der Sensoren des Hives waren, dann wäre auch er so gut wie tot, das sollte ihn doch zumindest etwas beunruhigen. Doch er sah danach nicht aus. Er hatte immer noch dieses leichte Grinsen auf den Lippen und es schien auch nicht so, als ob es in nächster Zeit von dort verschwinden würde.


    „Ich glaube nicht.“ Es war das letzte, was ich hörte, bevor ich merkte, wie mein Körper mir diese Überanstrengung quittierte. Ich hatte nicht mehr viel Zeit von dem Moment, in dem ich merkte, wie mein Magen sich verkrampfte bis zu dem Moment, in dem er sich vor den Augen und Füßen aller entleerte. Ich merkte, wie das Magnetfeld, durch meinen plötzlichen Konzentrationsverlust vollkommen unkontrolliert, pfeilschnell zurück schoss. Die Wucht des zurückpeitschenden Magnetfeldes riss mich wortwörtlich von den Füßen und zu meiner großen Scham landete ich auch noch genau in meinem Erbrochenen.


    „Sie bemerken uns immer noch nicht“, stellte Eli dann in dem Chaos des Augenblickes fest und das Grinsen von Rush wurde noch breiter. Ich wusste es, bevor er es ausgesprochen hatte und wenn ich auch nur noch ein kleines bisschen an Kraft gehabt hätte, hätte Rush sicherlich einige Tage auf der Krankenstation der Securor verbringen müssen.


    „Wir waren die ganze Zeit getarnt?“, auch Jamilia schien etwas wütend aufgrund dieser Erkenntnis zu sein. “Warum haben Sie die Kleine dann das alles machen lassen?“


    Rush schien völlig unbeeindruckt von der ganzen Situation. „Ich wusste nicht, ob die Tarnung funktionieren würde, ich habe sie noch nicht getestet, seitdem wir sie repariert haben“, stellte er trocken fest. „Außerdem war es gut für sie, einmal ihre Grenze auszutesten.“


    Ich sprang unweigerlich auf, egal wie wenig Kraft ich noch übrig hatte, für Rush würde es reichen. Leider hielt mich Eli jedoch auf und er bekam den für Rush gedachten Stromschlag ab. Er sackte direkt zu Boden. Er war zwar nicht bewusstlos, aber ich ahnte, dass meine Wut auf Rush ihn mit voller Wucht getroffen hatte.


    „Es tut mir leid“ flüsterte ich ihm zu. Und damit meinte ich nicht nur den Stromstoß, sondern auch die Tatsache, dass er nun auch in meinem Erbrochenen gelandet war.


    „Kein Problem“, lächelte er schwach und versuchte angestrengt, nicht angeekelt auszusehen, „er hat uns alle schon einmal so auf die Palme gebracht.“ Das glaubte ich ihm aufs Wort. Irgendwie kam mir Rush so vor, als habe er ein Talent dafür, wichtige Sachen zu verheimlichen.


    Als wir endlich in sicherem Abstand zum neu aufgetauchten Hive waren, konnten wir dann die gesamten Ausmaße des Kampfes sehen. Aus dem einen Hive, das Atlantis auf dem Schirm hatte, als wir weggeschickt worden waren, waren mittlerweile zehn geworden und anscheinend hatte das die Securor auch veranlasst, mehr der Kriegsschiffe zu rufen.

    Mit einem ziemlich schlechten Gefühl, hielt ich nach Atlantis Ausschau, aber ich konnte das Stadtschiff nirgendwo sehen. Sofort merkte ich, wie sich düstere Gedanken in mir breit machten, aber ich durfte sie nicht zulassen.


    „Maggie, ist alles in Ordnung?“ Anscheinend hatte auch Torren bemerkt, dass irgendwas nicht stimmte, obwohl er immer noch in dem kleinen Schutzraum auf der Securor war.


    „Ich kann Atlantis nicht mehr sehen“, sagte ich ihm besorgt und hoffte, dass er vielleicht irgendwelche beruhigenden Worte hatte, doch er schien nicht zu wissen, was er sagen sollte. „Hier sind mindestens zehn Hives und das elfte ist gerade direkt vor uns aus dem Hyperraum gesprungen.“ Er sagte immer noch nichts, aber ich merkte, wie seine Unruhe anstieg und dann blockierte er mich wieder.


    „Da ist die Tria“, erwähnte Rush das Offensichtliche, denn ein Schiff in der Größe der Tria war wirklich nicht zu übersehen. „Wir müssen an Bord systematisch vorgehen, wenn wir schnell etwas erreichen wollen.“ Dann teilte er die Teams ein, als wäre er unser Anführer, doch keiner schien etwas zu sagen. Ich sollte mit Chlor und Eli auf die Brücke gehen, Jamilia und Dr. Brody würden sich in den Maschinenraum begeben und Rush und Dr. Volker machten sich direkt auf den Weg hinunter zu den Antriebssystemen. Ich war froh, dass ich mit einigen der anscheinend angenehmeren Leute zusammen gelassen wurde, aber wahrscheinlich hatte Rush auch Angst, dass ich ihm einen Stromschlag verpassen würde, wenn ich mit ihm alleine war. Damit lag er vermutlich noch nicht einmal so falsch.


    „Eli, du stinkst“, lachte Chloe, als Eli ihr über die Schulter sah. Ich hatte direkt wieder ein schlechtes Gewissen, denn immerhin war es meine Schuld, dass er ein wenig unangenehm roch. Die beide lachten allerdings nur darüber, was ich ziemlich seltsam fand.


    Nach einigen Minuten, in denen wir nur die weit entfernten Kämpfe beobachteten, meldete sich dann endlich Rush und eröffnete uns seinen Plan. Die Tria verfügte zwar über einen Hyperantrieb, aber anscheinend stimmte damit ja einiges nicht. Also hatte Rush einige Komponenten mitgebracht, mit denen man wenigstens die Sublichtantriebe so verbessern konnte, dass sie zumindest ohne Zeitdilatation zum Kampf kommen konnten.

    Sicherlich war ein richtiges Antikerschiff eine größere Herausforderung für die Wraith als alles, was Kommandant Stark aufbringen konnte.


    „Da gibt es allerdings ein kleines Problem“, sagte Eli auf einmal ziemlich starr. Und als ich in die Richtung sah, in die er schaute, erkannte ich auch das Problem. Es war ein Jäger der Wraith. Anscheinend hatten sie auch das Signal der Tria erfasst und hatten einen Jäger geschickt, um nachzusehen, was da los war. Der Jäger war in direkter Höhe der Brücke und sicherlich konnte er die Lebenzeichen auf diesem Schiff sehen.


    Ich reagierte, bevor es Eli oder Chloe konnten und meine Hand schoss auf die Konsole vor mir. Es war die Verteidigungskonsole und ich aktivierte die vorderen Schilde der Tria. Es war wirklich gut, dass ich durch meine Veränderung intuitiv mit der Tria umgehen konnte, irgendwie wusste ich einfach, was ich machen musste, auch wenn ich es nie gezeigt bekommen hatte. Ich versucht noch ein Störsignal auszusenden, dass den Jäger daran hindern sollte, eine Nachricht an das nächste Hive zu schicken, aber es war schon zu spät. In einiger Entfernung sahen wir das Hive, das gerade erst angekommen war, wenden. Als es in Position war, fing es dann auch direkt an zu schießen. Wahrscheinlich wussten sie, dass es keine bessere Chance für sie geben würde, dieses Schiff zu zerstören.


    „Die Schilde sind nur noch auf 50 Prozent!“, rief Chloe mir besorgt von einer anderen Konsole zu, als auf einmal eine Leitung auf der Brücke explodierte. Es sprühten überall Funken und es war immer schwerer, sich bei den Treffern der Wraith auf den Beinen zu halten.


    „Was ist bei euch verdammt noch mal los?“, hörte ich Dr. Brodys ziemlich gereizte Stimme aus dem Funk.


    „Ach nichts, wir werden nur von einem Hive angegriffen, aber sonst ist alles in Ordnung“, zischte ich etwas ungehalten und sowohl Eli als auch Chloe sahen mich an. Ja, ich konnte leicht die Geduld verlieren, dass hatte ich wahrscheinlich von meinem Vater. Ich fragte mich, warum gerade ich jetzt hier diejenige war, die wissen musste, was sie tat, warum ich das Gefühl hatte, dass die Verantwortung für die Sicherheit der anderen nun auf mir lag, einem Teenager.


    „So ein Mist, die Waffensysteme sind auch beschädigt!“, fluchte ich. Wir konnten uns also nicht verteidigen. Immer öfter explodierten kleinere Leitungen auf der Brücke und wahrscheinlich auf dem ganzen Schiff. Die Kommunikation zu Dr. Brody hatte ich schon abgebrochen, denn seine ständige Nörgelei, dass er unter diesen Bedingungen nicht das machen konnte, was gemacht werden musste, ging mir ziemlich auf den Senkel. Ich war froh wenn wir lebend aus dieser Sache raus kamen, er interessierte sich nur dafür, dass das Schiff intakt blieb.


    „Rush, wie sieht es mit dem Antrieb aus?“, fragte ich etwas angestrengt, weil ich das Gefühl hatte, alle Systeme gleichzeitig bedienen zu müssen.


    „Schilde nur noch auf 25%, noch einen Treffer und sie sind ganz weg“, informierte mich Eli dazwischen und nun schien auch Dr. Rush zu merken, was los war. Er erklärte mir sofort, dass die Systeme, die er versucht hatte, zu installieren noch nicht online seien und dass er dafür noch mindestens eine Stunde brauchen würde. Wir hatten allerdings keine Stunde mehr.


    „Eli, würden die Schilde einen Flug mit 0,999-facher Lichtgeschwindigkeit aushalten?“, fragte ich eigentlich eher zu Sicherheit, denn es gab keine andere Lösung als das. Natürlich gab es Einsprüche der anderen, immerhin würden wir eine Zeitdilatation erzeugen.


    „Ich habe das berechnet“, versuchte ich die anderen zu beruhigen. Ich hatte es wirklich berechnet und wenn ich keinen Fehler begangen hatte, dann würde eine einzige Minute in dieser Geschwindigkeit bedeuten, dass wir sozusagen 34 Minuten in die Zukunft reisen würden. Aber es blieb uns keine andere Chance. Wenn wir hier blieben und die Wraith uns noch einmal trafen, dann würde die Tria mit uns an Bord zerstört werden und das war wirklich keine Option.


    „Ich kann nicht am Antrieb arbeiten, solange er online ist“, bemerkte Rush, doch ich hörte schon nicht mehr auf ihn. Es war mir egal, ob er für eine Minute Pause machen musste, immerhin ging es um unser Leben. Ich gab also einen sicheren Kurs am Kampf vorbei in den Computer ein und startete dann den Sublichtantrieb.
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  7. #105
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    Schade, daß der Stromschlag den falschen getroffen hat. Allerdings vermute ich, daß Rush es wohl kaum wahrgenommen hätte

    Sie wollen jetzt also eine kleine Zeitreise unternehmen. Hoffentlich stimmen Maggies Berechnungen, ansonsten reisen zu weit in die Zukunft (McFly läßt grüßen).

  8. Danke sagten:


  9. #106
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    Na mal sehen was sie 34 Minuten in der Zukunft feststellen werden.

  10. Danke sagten:


  11. #107
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    So, da bin ich wieder und habe euch gleich auch ein neues Kapitel mitgebracht ^^

    Ich hoffe es gefällt euch ^^

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Kapitel 40 - Wissen ist Macht


    Ich merkte, wie mir mittlerweile der Schweiß beinahe überall den Körper hinunter lief. In meinem Gesicht, auf meinem Rücken, einfach überall. Das lag nicht nur daran, dass es hier durch einige kleinere Explosionen ziemlich heiß geworden war, sondern auch an dem Problem, mit dem ich mich hier nun konfrontiert sah. Gerade eben hatte ich den Sublichtantrieb gestartet und wir hatten bis zu einer Geschwindigkeit von 0,999-facher Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Ich hatte meinen Finger extra auf der Konsole gelassen. Ich wollte nur den Bruchteil einer Sekunde auf dieser Geschwindigkeit bleiben und sie dann wieder drosseln, doch leider war genau das mein Problem. Es ließ sich nicht drosseln, zumindest im Moment nicht.

    „Rush, was auch immer Sie mit dem Antrieb gemacht haben, schließen Sie es ab. Ihre Manipulation hindert uns daran, die Geschwindigkeit wieder zu drosseln!“ Sowohl Chloe als auch Eli sahen mich ziemlich geschockt an. Ich verstand sie. Sie hatten schon durch die Stasiskapseln einige Jahre verloren, und wenn wir den Antrieb nicht gestoppt bekamen, dann würden sie noch einmal wertvolle Jahre verlieren. Und das war nicht das einzige Problem. Alle anderen um uns herum würden diesen Zeitsprung nicht mitmachen. Wenn ich nun eine lange Zeit nichts mehr machen konnte, dann … mein Kopf lief heiß, während ich versuchte mir auszurechnen, welche Auswirkungen es haben würde, wenn wir länger als die geplante Zeit auf dieser Geschwindigkeit blieben. Sicher, wir würden keine 12 Jahre brauchen, bis wir es gestoppt bekamen, aber selbst eine einzige Stunde, die wir so verbrachten, bedeuteten fast 35 Tage für alle anderen. In der Zeit konnten sie schon alle tot sein. Einmal ganz abgesehen davon, dass wir keine Ahnung hatten, wo wir dann auskommen würden.

    Dann leuchtete das Abschaltzeichen wieder auf und ich drückte direkt darauf. Ich war schon immer dankbar für meine ziemlich guten Reflexe gewesen, aber nie so wie jetzt. Wenn wir Glück hatten, waren tatsächlich nur einige Sekunden vergangen und pro Sekunde verging ungefähr eine Viertelstunde. Als das Schiff dann endlich zum Stehen kam, hatte sich der Ausblick vollkommen verändert. Zu unserem Glück war das Wraith-Schiff verschwunden. Aber nicht nur das war verschwunden. Vor uns war ein vollkommen anderer Planet.

    „Eli, kannst du sagen, wie viel Zeit vergangen ist?“, fragte ich etwas besorgt. Eigentlich kannte ich die Antwort schon, aber ich wollte es lieber noch einmal von jemand anderem hören. Es war hier nicht möglich, eine Zeit zu bestimmen, weil wir dieses System nicht kannten, weil wir nicht wussten, in welcher Geschwindigkeit die Objekte hier auseinander drifteten.

    „Maggie, sieh mal hier, steht da das, was ich denke?“, fragte mich Eli und ich ging zu ihm an die kleinere Konsole. Eli konnte ein bisschen antikisch und schien auch die grundlegenden Sachen zu verstehen, aber das, was hier stand, war sicherlich zu komplex für ihn. Die Tria hatte den Planeten gescannt, sobald wir auf normale Geschwindigkeit abgebremst hatten und die Daten, die sie erhielt, waren unglaublich.

    Er war dem Planeten auf dem Atlantis war ziemlich ähnlich, zumindest, was die Größe betraf. Er bestand zu 85 Prozent aus flüssigem reinen Wasser, das durch die beiden Monde ständig in Bewegung war. Das Klima war angenehm und die Zusammensetzung der Atmosphäre für einen Menschen geeignet, im Gegenteil, es war sogar etwas besser als auf der Erde, denn hier gab es keine Luftverpestung. „Können wir denn wenigstens sagen, wie weit entfernt wir uns von Atlantis befinden?“

    „Einige tausend Lichtjahre“, sagte auf einmal Rush hinter uns. Wir alle drehten uns zu ihm um. Wir hatten ihn hier nicht erwartet und wir konnten und wollten auch nicht glauben, was er hier sagte. Wir waren eben noch mitten in einer Schlacht gewesen und hatten nur die Sublichtantriebe angeschmissen. Das süffisante Grinsen auf dem Gesicht des Mannes zeigte mir allerdings, dass er wieder einmal mehr wusste als wir, dass wieder etwas geschehen war, was ihn überaus glücklich stimmte.

    „Was haben Sie gemacht, Rush?“ Ich war überrascht, wie bedrohlich Chloes Stimme sich auf einmal anhörte, beinahe so, als würde sie gleich ziemlich ausrasten, wenn er etwas Falsches sagte. Anscheinend merkte Rush das auch, denn für den Anflug einer Sekunde schien er wirklich etwas zögerlich.

    „Ich konnte meine Konfigurationen am Antrieb nicht mehr rückgängig machen, nicht in wenigen Sekunden“, sagte er und verschränkte selbstgefällig die Arme vor der Brust. „Ich habe nur verhindert, dass wir mehrere Jahre in der Zukunft landen.“ Doch Chloe kam ihm näher und ich hörte sie nur sagen, dass sie ihn, wenn er uns nicht auf der Stelle wieder zurück an den Ort brachte, an dem wir vor einigen Sekunden noch gewesen waren, eigenhändig aus der nächsten Luftschleuse schmeißen würde.

    Diesmal war ich diejenige, die süffisant lächelte. „Ich kenne den schnellsten Weg dahin.“

    Doch leider hielten Eli und die gerade eintreffenden anderen uns davon ab, mit Rush etwas Derartiges anzustellen. Also blieben wir bei unserer ursprünglichen Frage, wo wir uns befanden.

    „Andromeda nehme ich an, zumindest wenn der Kurs beibehalten wurde.“ Ich weiß nicht, ob Rush eine körperliche Befriedigung in solchen Momenten verspürte, wenn er mehr wusste als alle anderen, aber er sah eindeutig danach aus. Eli, Chloe und ich sahen ihn nur vollkommen perplex an und auch Dr. Volker, Dr. Brody und Jamilia sahen nicht besser aus. In Astronomie, einem Wahlfach bei uns an der Schule, hatte ich schon oft von Andromeda, der hellsten Nachbargalaxie an unserem Sternenhimmel, gehört. Ich hatte sie sogar einmal selbst gesehen, als wir mit dem Astronomiekurs die Sternenwarte Hohe List in Schalkenmehren besucht hatten. Die irreguläre Pegasus-Zwerggalaxie, in der sich Atlantis befand, war nur eine Satellitengalaxie von Andromeda, ihr kleiner, ständiger Begleiter.

    „Was haben Sie gemacht, Rush?“, fragte nun auch Jamilia und auch ihre Stimme war ruhig, aber warnend. Für mich schien es so, dass diese Aktion für sie nicht das Schlimmste war, was dieser Kerl je gemacht hatte, sondern dass es das Fass für diesen Augenblick einfach zum Überlaufen brachte.

    „Wie bereits gesagt, ich habe nur eine enorme Zeitreise verhindert. Hätte ich alle Konfigurationen wieder löschen oder abbauen müssen, wären wir wahrscheinlich tagelang in diesem Dilatationsfeld gefangen gewesen, was bedeutet hätte, dass alle, die uns lieb und teuer sind, schon ziemlich alt wären“, erklärte er und am liebsten hätte ich ihm in dieses selbstgefällig grinsende Gesicht geschlagen.

    „Was haben Sie also gemacht?“, knurrte ich ziemlich ungeduldig. Ich war seiner langsam wirklich satt. Dieser Mann schien alles so zu machen, wie es ihm passte, wie er andere damit beeinflusste, war ihm ziemlich egal und es machte ihm auch noch Spaß, wenn andere wegen seiner Wünsche hintanstanden.

    Er zuckte nur mit den Schultern, als wäre die Antwort so selbstverständlich wie die Frage nach der Uhrzeit. „Ich habe meine Arbeit beendet.“

    „Und was war das?“

    „Den Antrieb zu reparieren. Leider konnte ich nicht den eigentlichen Antrieb wiederherstellen, aber ich habe den Hyperantrieb der Tria mit einigen Komponenten des FTL-Antriebs der Destiny kombiniert.“ Ich wusste nicht so recht, was er mir damit sagen wollte, aber Eli bekam ziemlich große Augen und schien zu wissen, was er meinte. Anscheinend hatten er und Rush schon lange an derartigen Berechnungen gearbeitet, hatten aber nie einen richtigen Hyperantrieb gehabt, an dem sie es hätten ausprobieren können. Der Hyperantrieb der Tria war in der Tat schon repariert gewesen, als wir das Schiff verlassen hatten, aber Rush hatte das lieber noch für sich behalten.

    „Wir hätten eh nicht in den Kampf eingreifen können, die Schilde waren beschädigt und die Waffensysteme waren offline.“

    „Aber nur, weil wir sie für Ihre Arbeit abschalten mussten!“, zischte ich ihm entgegen, irgendwie fühlte ich mich nicht mehr wie ein Teenager, zumindest nicht im Moment, auch wenn die anderen mich sicher noch als einen sahen. Es konnte doch wirklich nicht sein, dass Rush mitten während eines riesigen Kampfes einfach eine seiner Theorien austestete und damit viele Leben riskierte.

    „Die Tria hätte den Beschuss der Wraith nicht lange ausgehalten“, erwiderte er. „Und hier können wir die Systeme in Ruhe reparieren und dann vollkommen funktionstüchtig wieder zum Kampf springen.“

    „Wenn es dann noch etwas gibt, für das es sich zu kämpfen lohnt. Meine Güte Rush, interessiert Sie das Leben von Millionen von Menschen denn gar nicht?“, fragte ich ihn und ging einen Schritt auf ihn zu. Er war etwas größer als ich, aber das interessierte mich in diesem Moment nicht.

    „Es interessiert mich eine Menge“, nun schien auch er etwas gereizt zu werden und sein Grinsen verschwand. Dann ging auch er einen Schritt auf mich zu und unsere Köpfe berührten sich fast. „Dieser Planet ist vielleicht die einzige Hoffnung. Für die Erde und für alle anderen.“ Die Adern an seiner Schläfe waren erschreckend dick geworden und sein Gesicht war ziemlich rot. Anscheinend machte es ihn wütend, wenn man ihm Sorglosigkeit vorwarf.

    „Und das wussten Sie natürlich schon, als Sie den Antrieb verändert hatten.“ Ich hatte keine Angst vor ihm, wenn es hart auf hart kam, hatte ich immer noch einige Asse im Ärmel, die er nicht hatte und da war es egal, ob er größer und um einiges älter war als ich. Ich merkte nur, wie er seine Hände zu Fäusten ballte und irgendwie konnte ich mir nun ein leicht gehässiges Grinsen nicht verkneifen. Mein erster Eindruck von diesem Mann hatte mich eindeutig nicht getäuscht. Er war ein ‚Arschloch vor dem Herrn‘, wie wir in Deutschland sagten.

    „Wir sollten uns jetzt lieber daran machen, die restlichen Systeme wieder online zu bringen und dann zurück fliegen“, schlug Chloe vor, die anscheinend Rush und mich davon abhalten wollte, uns gegenseitig die Köpfe abzureißen. Dann hörte ich Volker nur Brody zuflüstern, dass er sich nicht mit einer Antikerin anlegen würde, wenn er Rush wäre und da hatte er verdammt noch mal recht. Vielleicht war ich vor Michaels Entführung ein normaler Teenager gewesen. Ich konnte nicht sagen, ob die genetische Veränderung Schuld war, oder ob das, was ich in den letzten 4 Monaten alles erlebt hatte, jeden so verändert hätte, aber es war unumstößlich passiert. Ich war vielleicht noch immer nicht erwachsen, war immer noch in gewisser Weise ein Kind, aber ein Teil von mir war wahrscheinlich ziemlich nah am Erwachsensein.

    Ich erinnerte mich noch daran, wie es für mich nichts Wichtigeres als meine Barbies gegeben hatte. Wie ich stundenlang damit hatte spielen und Liebesgeschichten hatte erfinden können. Jetzt stand ich auf der Brücke eines Antikerraumschiffes und wollte endlich wieder zurück zum Kampf fliegen, damit ich meine neue Heimat vor denen verteidigen konnte, die meine alte zerstört hatten.

    „Während Sie das machen, werden Brody und ich das Stargate der Tria runter auf den Planeten bringen“, sagte Rush dann und verursachte damit wieder Verwunderung. Bisher hatte noch keiner davon gesprochen, dass es an Bord ein Stargate gab, geschweige denn wusste es jemand von uns. Nur Rush schien nun wieder im Vorteil zu sein. Doch bevor irgendjemand etwas anderes sagen konnte, war Rush schon verschwunden und Brody sah die anderen schulterzuckend an und lief Rush dann hinterher.

    „Ein Wunder, dass er so lange überleben konnte“, knirschte ich ziemlich angespannt. Und die anderen nickten nur zustimmend. Dann machten wir uns allerdings an die Arbeit. Während also Chloe, Dr. Volker und Eli versuchten, alle Systeme wieder online zu bekommen, versuchte ich herauszufinden, wo genau wir uns befanden und was für einen Kurs ich berechnen musste, damit wir wieder dahin kamen, wo wir gewesen waren. Ich hatte jetzt schon Angst, dass wir zu spät kommen würden und niemand von denen, an die ich mich so sehr gewöhnt hatte, noch leben würden.
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  12. #108
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    Ich hatte mich schon auf einen Zweikampf zwischen Maggie und Rush gefreut. Schade, daß er einen Rückzieher gemacht hat, aber ihm ist wohl auch eingefallen, daß Maggie mehr Antikerin als Mensch ist und somit eine Tricks auf Lager hat.
    Aber es ist wieder typisch für ihn, die anderen vor vollendete Tatsachen zu stellen, anstatt den Plan mit ihnen vorher zu besprechen.
    Hoffentlich gelingt es ihnen, nach den erfolgten Reparaturen wieder an ihren Ausgangspunkt und -zeit zurückzuspringen.

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  14. #109
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    Ich frage mich was Rush schon wieder ausbrütet? Der FTL-Antrieb der Destiny ist doch den späteren Hyperantrieben unterlegen. Also denke ich nicht, dass eine Kombination einen überlebenden Antrieb bringt. Und dann könnten auch die Wraith den neuen Planeten in absehbarer Zeit erreichen. Was also wäre gewonnen?
    Naja, ich warte einmal auf die Fortsetzung und lasse mich über raschen.

  15. Danke sagten:


  16. #110
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    Hi Leute!

    Es tut mir wirklich furchtbar leid, dass ihr so lange auf ein neues Kapitel warten musstet, aber ich war in den letzten Wochen dank einer Sehnenscheidenentzündung an meiner rechten Hand (ja, ich habe auch noch das Glück rechtshänder zu sein) etwas eingeschränkt was die arbeit an einem Computer angeht und es wird auch noch einige Zeit dauern, bis es wieder ohne Probleme läuft.

    Aber langsam befinde ich mich auf dem Weg der Besserung und versuche heute noch mal ein Kapitel hochzuladen.
    Ich wünsche euch viel Spaß dabei.

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


    Kapitel 41 - Der Außenposten



    In den letzten Tagen war ich wahrscheinlich häufiger bis an die Grenzen meines Körpers gegangen als jemals vorher in meinem bisherigen Leben. Wieder einmal sah ich mich in der Situation, dass ich schwer atmend und schwitzend durch irgendwelche Gänge rannte. Ich musste sie erreichen, bevor sie mit dem Shuttle einfach verschwanden. Sie durften das Stargate nicht von der Tria bringen.

    Dr. Volker hatte versucht, die Schilde wieder online zu bekommen, Eli und Chloe arbeiteten an den Waffensystemen und ich hatte einen erheblichen Fortschritt in der Lokalisierung gemacht, als auf einmal die Überlastungsanzeige angegangen war. Anscheinend hatten Rushs Modifizierungen dazu geführt, dass das ZPM der Tria durchbrannte und sie dann nur noch mit der Notenergie funktioniert hatte, doch die war nun auch langsam verbraucht. Wir würden es auf keinen Fall schaffen wieder zurück nach Atlantis zu kommen, zumindest nicht mit der Tria.

    Eli, Chloe, Volker und Jamilia waren direkt hinter mir und auch sie schienen zu begreifen, was es bedeuten würde, wenn das Stargate auf dem Planeten wäre. Auf dem Planeten gab es noch keine Möglichkeit, es so anzuschließen, dass wir ein achtes Chevron anwählen konnten, was für die Reise in eine Nachbargalaxie nötig war. Hier auf der Tria würden die Energiereserven gerade noch dafür reichen und auch wenn das ZPM dann vollkommen verbraucht war, war es immer noch besser, als alleine auf diesem Planeten zu stranden. Eine Aussicht auf Rettung würden wir nicht haben, denn außer uns wusste ja keiner, wo wir hingeflogen waren.

    „Rush! Stopp!“, rief ich, als ich endlich durch die Tür des Stargate Raumes gerannt war. Das Stargate war schon aus den Verankerungen gelöst und es war alles für einen Abtransport vorbereitet. Ich war froh, dass ich die Kontrolle der großen Glaskuppel über dem Tor gesperrt hatte. So hatte Rush einige Zeit dafür gebraucht, meinen Befehl zu umgehen und wir waren anscheinend noch rechtzeitig angekommen. Ich berichtete ihm, was auf der Brücke passiert war. Für einen kurzen Moment sah ich wieder Erstaunen, vielleicht sogar einen leichten Schock in seinem Gesicht. Aber er verschwand direkt wieder. Hatte er das etwa tatsächlich nicht bemerkt? Hatte er nicht daran gedacht, welche Mengen an Energie dieser Sprung, den er die Tria hatte machen lassen, kostete?

    Doch auf der Brücke musste auch Rush einsehen, dass es nicht möglich war, und dass unser einziger Weg zurück das Stargate war. „Dieser Planet wäre perfekt gewesen“, seufzte Eli und ich sah, wie Jamilia seine Hand ergriff. Sie versuchte, ihn damit zu trösten, dass sie zumindest die Koordinaten hatten und die Securor damit irgendwann hierher kommen würde, auch wenn es etwas länger dauern würde als mit dem Stargate.

    „Der Außenposten ruft das Kampfschiff Tria“, wir alle sahen uns unsicher an. Hatten wir das gerade wirklich gehört? „Ich wiederhole, Außenposten ruft das Kampfschiff Tria.“ Anscheinend war es keine Halluzination gewesen und auch die anderen hatten es gehört.

    „Hier ist die Tria. Wir brauchen dringend Hilfe“, sagte ich schnell auf Antikisch, bevor sich irgend einer von den anderen einmischen konnte.

    „Wir haben festgestellt, dass Sie Ihre Antriebe gestoppt haben.“

    „Ja, wir sind bei einem Kampf schwer beschädigt worden. Unsere Systeme laufen nur noch auf Notenergie“, erklärte ich und anscheinend beschwerte sich niemand, dass ich die Kommunikation übernahm. Wahrscheinlich konnten sie alle nicht so gut antikisch wie ich, verständlicherweise.

    „Wir werden Ihnen Koordinaten für eine sichere Landung geben.“ Ich wollte ihn noch fragen, wo ich denn landen solle und wo er sich überhaupt befand, doch bevor ich das tun konnte, war die Verbindung abgebrochen.

    „Woher wusste er den Namen des Schiffes?“, fragte Brody etwas misstrauisch, und ich musste zugeben, dass mich das auch wunderte. Was mich aber noch mehr wunderte, waren die Koordinaten, die dann tatsächlich auf der Konsole erschienen. Wir sollten auf der Oberfläche des Planeten landen. Es gab eine etwas erhitzte Diskussion darüber, wie sinnvoll das wirklich wäre, immerhin konnte es auch eine Falle sein. Ich aber argumentierte, dass dieser Fremde anscheinend eingeschränkt auf die Systeme der Tria zugreifen konnte. Die Antiker hatten ihre Schiffe so abgesichert, sicherlich wäre kein Feind in der Lage gewesen, die Tria zu manipulieren. Glücklicherweise war Rush dieses eine Mal meiner Meinung und wir begannen mit dem Anflug auf die Koordinaten.

    Wir traten in die Atmosphäre des Planeten ein und unter uns war nur unberührtes Land zu sehen. Nichts deutete auf einen Ort hin, an dem wir würden landen können oder einen Ort, für den wir besondere Koordinaten brauchen würden. Wir waren noch ein ganzes Stück von der Position entfernt, als auf einmal eine Datenübertragung auf unserer Konsole angezeigt wurde. Doch es war nicht dieser Außenposten, der Daten versendete, sondern die Tria und sie machte es vollkommen selbstständig.

    Als der Datentransfer abgeschlossen war, konnte niemand von uns seinen Augen mehr trauen. Innerhalb weniger Sekunden tauchte eine ganze Stadt vor uns auf. Nicht eine Stadt wie Atlantis, sondern eine richtige Stadt. Sie bestand aus hohen und großen Gebäuden, aus Grünflächen und allem anderen, was man in einer Stadt erwartete. Sie war groß, wahrscheinlich die größte Stadt, die ich je gesehen hatte. In einiger Entfernung konnte ich dann auch den Ort sehen, an dem wir landen sollten. Es war eine Art Schiffswerft, die über einem ziemlich grauen Teil der Stadt schwebte.

    Die Tria erledigte nun alles selbstständig und auch für den Landeanflug mussten wir nichts tun, deswegen hatten wir uns alle voller Staunen an die großen Fenster der Brücke gestellt, um diese Stadt besser zu sehen. Ich fragte mich, warum man es nur als Außenposten bezeichnete, immerhin hatten hier mindestens 15 Millionen Menschen Platz, da war ich mich ziemlich sicher.

    „Das muss eine Stadt der Antiker sein“, flüsterte ich leise und voller Hoffnung. Manche der Gebäude ähnelten der Bauweise der Türme auf Atlantis und ich meinte sogar, einen kleinen See in der Mitte einer großen Grünfläche zu erkennen, in dem genug Platz für Atlantis gewesen wäre. Ich fragte mich, ob ich vielleicht doch nicht irgendeinen zufälligen Kurs eingegeben sondern stattdessen etwas getan hatte, was tief in mir verankert gewesen war.

    Als wir dann deutlich spürten, wie sich die Andockklappen um die Tria schlossen, bereiteten wir uns darauf vor, über die Hangartore auszusteigen. Zumindest kannten wir keinen anderen Ausgang aus dem Schiff. Aber bevor wir dort ankamen, spürte ich plötzlich einen seltsamen Sog und für einen kurzen Moment sah ich rein gar nichts. Als ich wieder sehen konnte, war ich nicht mehr auf der Tria, sondern stand irgendwo anders. Vor uns flackerte ein lächelndes Hologramm, zumindest sah es wie eines aus.

    „Willkommen auf Gan Eden. Es ist lange her, dass wir Besucher hatten“, sagte das Hologramm. Es war ein Abbild eines jungen agilen Mannes, wie man ihn sicherlich auch auf der Erde angetroffen hätte, nur seine Kleidung sah etwas futuristischer aus. Es war eine Art Uniform in weiß und braun, die typischen Farben der Antiker. Der Name des Planeten oder der Stadt war mir allerdings nicht entgangen. Eden. Etwa wie in Garten Eden? Dem Paradies, von dem so viele Religionen berichteten? Das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Andererseits hatte ich in meiner Zeit auf Atlantis feststellen müssen, dass viele Sachen, die ich als puren religiösen Glauben abgetan hatte, anscheinend einen wahren Kern hatten, warum dann also nicht auch der Garten Eden?

    „Es ist sehr erfreulich, eine Erbauerin unter uns zu haben. Werden die anderen auch heimkehren?“, fragte er und sah mich dabei an. Im ersten Moment wusste ich nicht genau, was er meinte. Ich war sicherlich nicht heimgekehrt und ich war auch keine Erbauerin. Doch dann ahnte ich, was er meinte. Er war ein Computer-Programm, wahrscheinlich hatte der Computer festgestellt, dass ich genetisch wie die Antiker aufgebaut war und hielt mich daher auch für eine. Die Antiker, wenn sie diese Stadt wirklich erschaffen hatten, waren dann wohl auch die Erbauer dieser Holoprogramme.

    „Nein, die anderen werden leider nicht heimkehren. Sie wurden vor langer Zeit von vielen Ereignissen dahingerafft oder sind aufgestiegen. Ich bin die letzte“, sagte ich. Ich wollte ihm noch nicht verraten, dass ich eigentlich keine wirkliche Antikerin war, nicht so, wie er das meinte.

    „Das ist ja furchtbar. Ist denn soviel Zeit vergangen, seit Ihr die Heimat verlassen habt?“, fragte er.

    „Die meisten Antiker starben vor über 10.000 Jahren. Die Tria war in einer Zeitdilatation gefangen und wurde erst vor kurzem daraus befreit. Jedoch wurde die Tria beim Kampf gegen die Wraith schwer getroffen. Uns blieb nur die Flucht, und die hat uns zu Euch gebracht“, erklärte ich, während das Hologramm uns durch die Gänge zu einem Transporter begleitete. Dieser brachte uns dann auf den Boden. Es tat gut, einmal wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

    Atlantis war nur eine Stadt auf einem riesigen Meer und das Festland hatte ich schon Ewigkeiten nicht mehr besucht. Die Scherkraft hier war ähnlich wie auf der Erde und Atlantis. Die Luft war, wie wir es nach den Daten, die die Tria bekommen hatte, schon erwartet hatten, unglaublich sauber und es war beinahe unheimlich, dass man hier keine Spuren von Luftverschmutzung sah, nicht bei den ganzen Fabriken, die wir aus der Luft gesehen hatten, bevor wir gelandet waren.

    „Sicher wird es Sie erfreuen, dass wir es geschafft haben, die Heimat zu schützen, bis Ihr wieder zurückkehrt“, sagte das Hologramm dann und ich war in der Tat erstaunt. Nichts hier deutete darauf hin, dass hier seit Jahrtausenden niemand mehr gelebt hatte. Alles war so … frisch und sauber. Auf meine verwunderte Frage, wie sie es hinbekommen hatten, dass die Stadt so aussah, antwortete das Hologramm nur lächelnd, dass die Stadt geschlafen habe und auch wenn ich diese Antwort nicht ganz verstand, reichte sie mir dennoch erst einmal. Es gab nämlich wichtigere Dinge, die geklärt werden mussten.

    „Atlantis wird in der Pegasus-Galaxie angegriffen von den Wraith. Es braucht dringend Hilfe und wir können nicht zurück. Viele Menschen, Bewohner von Terra, leben dort und sind in großer Gefahr. Sie alle sind Nachfahren der Antiker und benötigen unseren Schutz“, versuchte ich zu erklären. Anscheinend waren die anderen damit einverstanden, dass ich hier redete, auch wenn ich die jüngste war. Ich hatte immerhin die Antikergene in mir, sodass dieses Hologramm tatsächlich dachte, ich sei eine Antikerin. Ich bat das Hologramm, sich einen Weg zu überlegen, wie man die Menschen retten konnte, wie man ihnen helfen konnte, die Wraith zu besiegen. Dann verschwand er.

    Als das Hologramm uns in einer Straße der Stadt alleine ließ, konnten wir uns endlich frei darauf einlassen und diese Stadt auf uns wirken lassen. Es war einmalig. Alles erinnerte an eine futuristische erdähnliche Gesellschaft, und doch war hier alles so anders. Die Gebäude bestanden beinahe zu 90 % aus Glas. Die Straßen waren nicht geteert, sondern bestanden aus fein nebeneinander angeordneten Pflastersteinen. Keine einzige Spurrille war hier zu sehen, so, als ob hier noch nie ein Fahrzeug auf dem Boden gefahren war. Alles auf dem Boden war für Fußgänger ausgelegt und mit wohlriechenden Pflanzen geschmückt. Es kam einem tatsächlich so vor, als habe die Stadt nur auf uns gewartet.

    „Eine Stadt der Antiker“, stöhnte Eli vollkommen erstaunt. Keiner von ihnen hatte auch nur zu hoffen gewagt, jemals so etwas zu sehen, dass konnte man in ihren Gesichtern ablesen. Auch ich war über alle Maßen erstaunt, aber irgendwie merkte ich ein seltsames Gefühl von Heimat, das mich hier durchflutete. Als gehörte ich genau hier hin. Ich fragte mich, ob es vielleicht irgendetwas gab, das in meinen Genen saß, dass mich genau hierher gebracht hatte, dass ich unbewusst genau den Kurs in den Computer der Tria eingegeben hatte, der uns hier her bringen würde.

    Wir gingen noch einige Meter weiter durch die große helle Straße, bis das Hologramm des jungen Mannes wieder neben mir erschien. „Eine Lösung wurde gefunden“, sagte das Hologramm und zeigte uns an, ihm zu folgen. Er führte uns durch weitere Straßen, bis wir an etwas ankamen, das wahrscheinlich am ehesten einer Bushaltestelle ähnelte, nur dass sie ungefähr drei Meter über uns war. Auch hier war wieder ein Transporter angebracht, der uns nach oben brachte. Kaum waren wir dort angekommen, erschien auch schon ein längliches Objekt, dass nach dem Stillstand eine kleine Tür öffnete. Wir alle gingen hinein und waren fasziniert. Es war beinahe wie in einem Zug, nur etwas komfortabler und so als wären wir im Jahr 2300, nicht 2023. Wir merkten noch nicht einmal, wie er fuhr, wir konnten nur durch einen Blick durch die Fenster sehen, dass wir uns anscheinend ziemlich schnell bewegten.

    „Und ihr seid die einzigen, die hier leben?“, fragte ich das Hologramm etwas neugierig, immerhin hatte ich so etwas noch nie gesehen.

    „Nein, wir leben nicht hier. Wir sind reine Computer-Programme, wir besitzen kein schlagendes Herz wie Humanoide“, sagte das Hologramm sachlich. Es war ziemlich komisch, jemanden so reden zu hören. Kein schlagendes Herz …

    „Wenn es keine Antiker außer euch mehr gibt, wo seid ihr aufgewachsen?“, stellte nun das Hologramm eine Frage. Es musste schon ziemlich komplexe Programme haben, wenn es in der Lage war, neugierig zu sein und selbstständig zu denken.

    „Aufgewachsen bin ich auf der Erde, ihr kennt es wahrscheinlich als Terra. Aber sie wurde leider von den Wraith zerstört. Die Menschen wurden beinahe von ihnen ausgelöscht. Der Außenposten Atlantis wurde nun zur Heimat der Überlebenden, doch auch er steht unter Beschuss und von dort sind wir auch geflohen, um Hilfe zu holen“, erklärte ich und ich musste mich immer mehr über dieses Hologramm wundern. Es schien beinahe so, als wäre es traurig über das, was es hörte, als könnte es so etwas wie Trauer empfinden.

    „Auch für dieses Problem werden wir eine Lösung finden“, sagte er und verschwand auf einmal wieder. In dieser Zeit blieb der Zug einfach stehen. Im ersten Moment waren wir alle etwas besorgt und Brody war ziemlich wütend, dass wir überhaupt hier eingestiegen waren, als das Hologramm dann jedoch zurückkehrte mit dem Versprechen, es gäbe eine Lösung, die aber erst diskutiert werden konnte, wenn die Wraith, die Atlantis angriffen, vernichtet waren, war diese Besorgnis jedoch verschwunden. Wir alle dachten wieder an die Schlacht, die sich in einer kleinen Galaxie abspielte, die sich um die Galaxie, in der wir uns nun befanden, drehte. Wir alle wussten, dass wir so schnell wie möglich zurückkehren mussten, damit Atlantis und die Schiffe der Novaner eine reelle Chance hatten.
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  17. #111
    Chief Master Sergeant Avatar von Jolinar
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    Eine riesige Stadt nur mit Hologrammen bestückt? Haben sich die echten Einwohner in den Kälteschlaf begeben, oder gibt es wirklich keine Einheimischen dort? Und wie soll der Atlantis-/Destinycrew dann geholfen werden. Schon wieder so viele Fragen... die Beantwortung wird hoffentlich nicht all zu lange auf sich warten lassen.

    @Nefertari: gute Besserung für deine Hand

  18. Danke sagten:


  19. #112
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    Eine Antikerstadt, da müsste es doch jede Menge Infos geben und auch ein Stargate, welches über genügend Energie verfügt um 8 Chevrons anwählen zu können. Tja, und vielleicht gibt es auch Waffen, wie z. B. die Drohnen, die man nach Atlantis schaffen könnte um so die Wraith zu besiegen.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung.

  20. Danke sagten:


  21. #113
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    So, heute geht es schon weiter mit einem neuen Kapitel ^^

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~

    Kapitel 42 - Rückkehr



    „Hier, das sind die Koordinaten. Wundert euch nicht, ihr werdet nicht hier landen, sondern in der Hauptstadt. Dies hier ist nur ein kleiner Außenposten“, erklärte das mir Hologramm, während Rush, Eli, Brody und Volker versuchten, die Triebwerke der Tria wieder zu starten. Die Hologramme hatten in der kurzen Zeit, in der wir nun auf diesem Planeten gewesen waren, volle Arbeit geleistet und die Tria sah beinahe so aus wie neu. Keine Spur war mehr zu sehen von den Kampfhandlungen, waren sie nun 10.000 Jahre oder 2 Stunden her.

    „Danke“, sagte ich und speicherte die Datei mit den Koordinaten vorsichtshalber auch noch auf meinem Tablet, immerhin konnte man ja nie wissen, was passieren würde. Diese Daten konnten, wenn Atlantis noch da war, verdammt wichtig sein und vielleicht das Leben aller viel einfacher machen. „Ach und … wie wäre es, wenn ihr euch Namen füreinander überlegt?“, fragte ich das Hologramm, noch bevor es sich selbst abschalten wollte. Der junge Mann sah mich verwundert an, anscheinend verstand er nicht, was ich meinte.

    „Ihr seid so fortschrittlich. Ihr denkt eigenständig, ihr handelt zum größten Teil eigenständig, ihr solltet Namen haben. Selbst wenn ihr nur Programme seid, ihr seid in gewisser Hinsicht Individuen, oder zumindest du bist eines“, sagte ich und lächelte ihn freundlich an. Ich war ihm einfach so unendlich dankbar für das, was er für uns getan hatte und tun wollte, dass ich nicht anders konnte, als ihn als Freund zu betrachten.

    „Dann möchte ich wie der letzte Antiker heißen: Maggie.“

    Ich musste leicht lachen. Dann erklärte ich ihm, dass das ein Name für Mädchen sei. „Dave passt gut zu dir“, fügte ich noch hinzu und er nickte etwas steif. Ich fragte mich, wie die Antiker mit ihnen gesprochen hatten. Hatten sie sie vielleicht nummeriert oder vielleicht einfach nur ihre Tätigkeit genannt, um sie anzusprechen ‚Waffensysteme, du musst jetzt sofort deine Systeme warten‘, oder so ähnlich? Nein, das klang ziemlich schräg. „Auf Wiedersehen, Dave“, sagte ich dann und musste meinen Drang, ihn zumindest zum Abschied zu umarmen, unterdrücken. Es war nur ein Hologramm, ich würde hindurch gehen, als wenn er ein Geist wäre.

    „Bis bald Maggie, letzte der Antiker“, verabschiedete er mich und dann verschwand er im Nichts. Natürlich war Rush schon ziemlich genervt von dem langen Abschied von einem simplen Hologramm. Er war der Meinung, dass es einfach nur simple Algorithmen waren, die Dave zu dem machten, was er war. Aber selbst, wenn er Recht hatte: War ein Mensch im Grunde nicht auch ein einziges Durcheinander von Systemen, Befehlen und festgelegten Normen? Nur weil ein Hologramm nicht aus Fleisch und Blut war, musste das noch lange nicht bedeuten, dass es nicht auch ‚menschlich‘ war.

    „Maggie, wir brauchen dich an der Antriebskonsole“, hörte ich Eli hinter mir und ich nickte nur. Die Antiker hatten zumindest darauf geachtet, dass nur sie das Schiff bewegen konnten, denn dazu brauchte man nicht nur das ATA-Gen, sondern man musste wirklich ein Antiker sein. Die anderen hatten wirklich Glück, dass sie einen bei sich hatten, und nach meiner Erfahrung auf Gan Eden sah ich mich auch als Antiker. Ich war sicherlich immer noch ein Mensch, der auf der Erde geboren wurde, aber irgendwie hatte sich Gan Eden mehr nach zu Hause angefühlt als alles andere.

    „Okay, Rush. Sind Sie bereit?“, fragte ich etwas nervös. Ich hoffte wirklich inständig, dass dieser Sprung, mit dem Rush uns hierher gebracht hatte, auch zurück gelingen würde, zumindest schien er davon überzeugt. Und ich hoffte, dass wir, wenn wir an unserem Ziel ankamen, keine Trümmerhaufen sehen würden. Meine größte Angst war es, endlich eine Lösung für unsere schwere Lage zu haben und dann feststellen zu müssen, dass es nichts mehr zu lösen gab, dass die Wraith eine Lösung gefunden hatten.

    „Denken Sie daran Maggie, nur wenige Augenblicke, dann müssen wir wieder raus, sonst sind wir in der nächsten Galaxie“, erinnerte mich Chloe unnötigerweise, aber ich verstand sie. Auch sie hatte Angst, auch sie war unsicher, ob sie wissen wollte, was während unserer Abwesenheit alles passiert war. Dann zählten wir alle gemeinsam von 10 herunter, damit ich genau wusste, wann ich aktivieren und wann ich deaktivieren musste. Es war ein komisches Gefühl, so viel Verantwortung auf meinen Schultern zu haben und ich wunderte mich, dass ich nicht schon längst schreiend davon gelaufen war. Eigentlich mochte ich keine Verantwortung und hatte immer Angst, etwas falsch zu machen. Doch jetzt, wo es keine andere Möglichkeit gab, schien ich mich diesem Schicksal ergeben zu haben.

    Der Sprung war durch einige kleinere Handgriffe des Hologramms an Rushs Konfigurationen etwas sanfter als der letzte und so konnte ich die Zeit besser einschätzen und kontrollieren. Im richtigen Moment berührte ich die Konsole, um wieder abzubremsen, doch was ich sah, schockierte mich und alle anderen zutiefst.

    Wir waren tatsächlich in einem einzigen Trümmerfeld angekommen. Ich merkte direkt, wie sich bei mir ein Schalter umlegte. Ich wollte einfach nicht glauben, was ich sah. Nirgendwo war ein Zeichen von Atlantis, der Securor oder den anderen Schiffen der Novaner, nur ein einziges, riesengroßes Trümmerfeld.

    „Die Tria ruft Atlantis. Atlantis, könnt ihr mich hören?“, fragte ich mit zitternder Stimme, doch keine Antwort kam. Dann versuchte ich es mit der Securor, doch auch sie konnte mich nicht hören. Ich merkte, wie Tränen in meinen Augen aufstiegen. Sie konnten einfach nicht weg sein, sie durften es nicht. Ich merkte, wie sich Chloes Hand auf meine Schulter legte und ohne groß darüber nachzudenken, drehte ich mich zu ihr um und sie nahm mich in den Arm. Auch sie hatte Tränen in den Augen und ahnte, was hier passiert war. Die Wraith hatten mal wieder gesiegt. Ich fragte mich ehrlich, wie mein Vater und sein Team es in den Jahren zuvor immer geschafft hatten, die Wraith zu besiegen, wenn es jetzt so unmöglich schien.

    „Tria, hier ist Jumper 3.“ Im ersten Moment realisierte ich gar nicht, was ich da gehört hatte, dass es tatsächlich die Stimme meines Vaters war. Erst als er sich das zweite Mal durch das Kommunikationssystem meldete, merkte ich, wer da sprach und ich rastete beinahe aus. Er lebte noch, er lebte tatsächlich noch. Natürlich bat ich ihn sofort, mir die Frequenz seines Schildes zu geben, damit er im Hangar der Tria landen konnte.

    Ich lief so schnell ich konnte zu der Hangarbucht. Ich wollte ihn sehen, wollte sehen, dass es ihm wirklich gut ging. Außerdem wollte ich ihm direkt von den wunderbaren Neuigkeiten erzählen, die wir mitgebracht hatten. Aber das wichtigste war wahrscheinlich, dass ich ihn einfach umarmen wollte, weil ich glücklich war, dass er noch lebte und dass er mich nicht verlassen hatte. Doch der Anblick, als sich die Tür zum Hangar vor mir öffnete, war erschreckend. Unser alter Jumper stand immer noch darin. Auch ihn hatten die Hologramme vollkommen wiederhergestellt und er sah aus wie neu. Der Jumper daneben, der, in dem mein Vater geflogen war … na ja, mit einem Schrecken stellte ich fest, dass ich mich darüber wunderte, dass er überhaupt noch imstande gewesen war, zu fliegen.

    Die Laderampe öffnete sich ziemlich schwerfällig und ich wollte sie beinahe schon mithilfe meiner Fähigkeiten einfach aus den Angeln reißen, damit mein Vater endlich rauskam, aber ich konnte die Beschädigung des Jumpers nicht einschätzen und ich hatte Angst, dass ich etwas falsch machte. Doch als die Rampe dann weit genug offen war, dass ich das Gesicht meines Vaters sehen konnte, spürte ich eine unbeschreibliche Erleichterung. Auch wenn sein Gesicht dreckig war und einige Verletzungen zeigte, er war es und es ging ihm zumindest so gut, dass er stehen konnte.

    „Dad!“ Ich konnte es nicht mehr abwarten. Die Rampe war immer noch nicht richtig unten, aber ich musste einfach zu ihm. Ich sprang also auf die Rampe und in seine Arme. Er stöhnte laut auf, als ich in seine Brust krachte, aber er schlang direkt einen Arm um meinen Körper und ich merkte, wie er mir wild auf die Haare küsste. Auch er war froh, dass ich hier war, anscheinend hatten sie keine Ahnung gehabt, was mit uns passiert war. Erst als ich ihn wieder los ließ fiel mir sein ziemlich schlecht eingebundener Arm auf. Er hatte die Jacke seiner Uniform in eine Art Schlinge verwandelt und hatte seinen linken Arm dort hinein gelegt.

    „Ich hatte solche Angst um dich“, flüsterte er mir ins Ohr und zog mich mit seinem rechten Arm noch mal zu sich. Ich nickte nur und vergrub mein Gesicht an seiner Brust, als ich merkte, wie meine Tränen plötzlich wie ein Wasserfall an meinen Wangen hinunterliefen. Ich hatte auch Angst um ihn gehabt, hatte Angst gehabt, dass ich ihn nie wieder sehen würde, dass ich ihm nicht sagen konnte, dass sich meine Meinung, was ihn betraf, ziemlich geändert hatte.

    „Ich hatte Angst, dass ich dich nie wieder sehen würde“, war alles, was ich im Moment sagen konnte. Das, was mir wirklich auf dem Herzen lag, konnte ich nicht sagen, nicht in diesem Moment, wo es vielleicht nur als Floskel aufgefasst werden konnte. Wenn ich meinem Vater wirklich sagen wollte, dass ich mittlerweile stolz war, seine Tochter zu sein, dass ich anfing, ihn als meinen Vater zu lieben, dann musste es noch warten. Außerdem gab es im Moment Wichtigeres.

    „Wo sind die anderen Schiffe? Wo ist Atlantis?“, fragte ich und ich sah den etwas missmutigen Blick meines Vaters. Dann machten wir uns Arm in Arm auf den Weg zurück zur Brücke. Mein Vater staunte nicht schlecht über den Zustand des Schiffes, immerhin kannte er die Tria noch ziemlich kaputt.

    „Atlantis ist wieder zurück auf dem Planeten. Die Securor ebenfalls. Die anderen Schiffe der Novaner sind immer noch auf ihrer Schutzposition“, erklärte mein Vater, aber ich fragte mich, warum er dann in diesem ziemlich demolierten Jumper war.

    „Sie!“ Mein Vater preschte auf Rush los, sobald wir ihn vom Gang aus auf der Brücke stehen sahen. „Was fällt Ihnen ein, meine Tochter in eine solche Gefahr zu bringen.“ Direkt packte er Rush am Kragen und drückte ihn ziemlich unsanft gegen die Wand. Rush grinste jedoch nur etwas hämisch und ich ahnte, dass das meinen Vater nur noch wütender machte.

    „Haben Sie Kinder Dr. Rush?“, fragte mein Vater mit zusammengepressten Zähnen. „Nein?“ Mein Vater hatte seinen Arm an Rushs Kehle und auch wenn ich wusste, dass mein Vater nie jemanden so töten würde, versuchte ich ihn aufzuhalten, indem ich seinen Arm weg zog. Er sah Rush mit einem vernichtenden Blick an, als dieser sich das Hemd wieder glatt zog und drohte ihm, dass dies noch nicht das Ende war. Rush allerdings schien davon wenig beeindruckt und riet meinem Vater nur, sich hinten anzustellen, weil sonst sicherlich einige seiner Vorgesetzten ziemlich beleidigt wären.

    „Dad, warte einen Moment“, bat ich ihn, aber ich musste zugeben, dass ein Teil von mir wirklich liebend gerne gesehen hätte, wie mein Vater Rush fertig machte. „Wir haben gute Neuigkeiten“, fuhr ich fort und dann erzählte ich ihm von dem, was wir in der Andromeda Galaxie erlebt hatten. Es klang so unglaublich, dass selbst ich Schwierigkeiten hatte, es zu glauben, jetzt wo wir wieder hier waren.

    „Gan Eden, ja?“, fragte mein Vater noch einmal nach und sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen wieder an. Ich nickte nur etwas zögerlich. „So wie in Adam und Eva?“, fragte er dann noch einmal und auf den verwunderten Blick von den Wissenschaftlern fragte er, ob sie wirklich der Meinung seien, alle Soldaten wären dumm. Natürlich antwortete darauf keiner, denn alle wussten, dass diese Frage eher ironisch gemeint gewesen war und mein Vater einerseits die Antwort schon kannte und andererseits gar keine haben wollte.

    „Dad, das ist vielleicht unsere einzige Chance“, bat ich ihn. Er lehnte sich an eine der Konsolen, damit er genauso groß war wie ich und mir genau in die Augen sehen konnte. Dann erklärte er mir, dass wir eben aus dem Nichts aufgetaucht waren, dass man uns für tot gehalten hatte. Dass wir nun so mir nichts dir nichts mit einer Lösung für all unsere Probleme wieder auftauchten, war nicht gerade vertrauenswürdig, auch wenn er mir sehr gerne glauben würde.

    Ich konnte ihn verstehen. Nach allem, was die Leute, die mit den Stargates arbeiteten, schon erlebt hatten, konnte man ihm etwas Misstrauen nicht übel nehmen, selbst wenn es seine eigene Tochter war, der er nicht glaubte. Dennoch tat es in gewissem Sinne weh und ich konnte nicht verhindern, dass sich das auch auf meinem Gesicht widerspiegelte.

    „Wir werden uns um diese Sache kümmern“, sagte er dann und ich wollte schon erleichtert seufzen, als er seine Hand hob, um mich aufzuhalten. „Aber erst müssen wir die Milchstraße retten.“

    „Die Milchstraße retten?“, fragte Eli entsetzt, während wir immer noch auf der Brücke der Tria standen. Mein Vater sah nicht gerade erfreut darüber aus, aber er erzählte uns, dass die Wraith nach einiger Zeit anscheinend eingesehen hatten, dass sie hier keine Chance mehr hatten. Sie hatten sich zurückgezogen, jedoch hatten sie mit all ihren Schiffen Kurs auf die Milchstraße genommen. Wahrscheinlich wollten sie die Menschen nun ein für alle Mal unterwerfen, egal, ob von der Erde oder nicht.

    „Das müssen wir verhindern!“ flehte ich ihn förmlich an, obwohl ich mir sicher war, dass auf Atlantis bereits darüber gesprochen wurde, wie man das anstellen wollte. Die Milchstraße war immer noch unsere Heimat, eine Heimat, die zwar vielleicht verloren, aber nicht vergessen war und die wir verteidigen mussten, selbst wenn wir dorthin nicht mehr zurückkehren konnten.

    „Wir werden das auch verhindern, aber ohne dich“, sagte mein Vater entschlossen und sah dabei die Anwesenden auf dem Schiff an. „Dr. Rush, ich möchte, dass Sie mit den Stasisschiffen der Novaner dieselben Konfigurationen durchführen wie mit der Tria. Natürlich werden Sie dabei von allen uns verfügbaren Wissenschaftlern unterstützt.“ Da ich ein geflüstertes Widerwort von Rush hören konnte, ahnte ich, dass er nicht sonderlich begeistert davon war, mit anderen Kollegen arbeiten und ihnen seine Geheimnisse verraten zu müssen. „Wenn das geschehen ist, werden Sie von zwei Kriegsschiffen nach Andromeda begleitet.“

    „Dad, ich …“

    Doch er ließ mich nicht aussprechen. „Wenn Sie angekommen sind, landen Sie auf Gan Eden und stellen Sie sicher, dass alle Novaner wieder aus den Kapseln kommen. Bevölkern Sie die Städte, bereiten Sie alles für unsere Ankunft vor.“ Rush nickte nur, anscheinend verstand er, was mein Vater damit meinte. Und ich tat es auch. Er wollte tatsächlich meinem Vorschlag Glauben schenken.

    „Ich dachte, du kannst mir nicht glauben.“

    „Ich kann es vielleicht nicht, aber ich will es“, sagte er und küsste mich auf die Stirn. „Du wirst noch einige Tage auf Atlantis haben, danach gehst du mit den anderen zurück auf diesen Planeten. Wenn wir die Wraith aus der Milchstraße vertrieben haben, werden wir nachkommen. Bitte Maggie! Ich muss wissen, dass du in Sicherheit bist“, sagte er, als er meinen Widerwillen sah. Ich wollte nicht schon wieder allein gelassen werden. Ich hatte keine Lust mehr auf dieses ewige Hin und Her, immer wieder wurde ich von meinem Zuhause fortgerissen, von den Menschen, die mir etwas bedeuteten.

    „Wer wird noch mit uns kommen?“, fragte nun Chloe und auch sie sah etwas geschockt aus von dem, was mein Vater gerade versuchte, zu sagen.

    „Wir werden alle Kinder und die Bewohner des Festlandes auf die Schiffe evakuieren, die mit ihnen kommen werden. Dazu natürlich noch jeweils mindestens ein Elternteil der Kinder, damit sie nicht alleine sein müssen“, entschied auf einmal Rush und wir alle sahen ihn geschockt an. Keiner von uns hatte zugesagt, keiner von uns war bereit, die anderen zu verlassen, aber anscheinend war er es. Mein Vater nickte nur und bestand dann darauf, dass dieses Thema abgeschlossen sei und nichts mehr seine Meinung ändern würde. Er würde dem General und den anderen davon erzählen und sie wären sicherlich seiner Meinung. Leider war ich mir da auch ziemlich sicher. Wenn man uns untersucht hatte, und sicher sein konnte, dass wir es wirklich waren, dann würden sie zum selben Schluss kommen wie mein Vater, dass es in Andromeda sicherer war als in der Milchstraße oder in der Pegasusgalaxie.
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  22. #114
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    Da wird sich Dave ja freuen, daß er Maggie so schnell wiedersieht. Aber wie werden die Hologramme auf die neue Bevölkerung reagieren, da es keine Antiker sind?

    Da die Geschichte von Maggie erzählt wird: wie erfahren wir (die Leser), was in der Milchstraße passiert? Ich fürchte, wir müssen wie Maggie in Ungewißheit verharren, bis endlich Nachricht kommt...

  23. Danke sagten:


  24. #115
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    Guten morgen ^^

    Ich hoffe ihr habt das Wochenende und vorallem den grausamen Montag gut überstanden?

    Auf jeden Fall habe ich heute ein neues Kapitel für euch und ich hoffe, dass es euch gefällt ^^

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    Kapitel 43 - Schlechte Neuigkeiten



    Ich merkte, wie die Blicke aller auf mir ruhten. Ich mochte es nicht, wenn ich so sehr im Mittelpunkt stand wie genau in diesem Augenblick. Mein Vater hatte mich sofort, als wir mit der Tria an einem Pier von Atlantis gelandet waren, nach oben in den Konferenzraum gebracht, in dem nun die wichtigsten Erwachsenen, darunter auch ein Vertreter des Festlandes, saßen. Ich sollte ihnen genau das erzählen, was ich ihm erzählt hatte, sollte ihnen von Gan Eden erzählen und der Chance, die sich für uns dort bieten würde. Doch nach der Reaktion, die mein Vater gezeigt hatte, war ich nicht mehr so sicher, ob ich das überhaupt wollte.

    „Maggie, wenn es diesen Planeten wirklich gibt“, versuchte Daniel, mein Schweigen zu brechen, „dann müssen wir das wissen. Es ist wirklich wichtig.“ Doch so einfach konnte man mich nicht zu etwas bringen, dazu war ich wahrscheinlich zu sehr die Tochter meines starrköpfigen Vaters. Das schien auch anderen aufzufallen, denn als mein Vater etwas über die Sturheit von Frauen sagte, bekam er genau diesen Gedanken als Retourkutsche von Philipps Mutter entgegengeworfen, zusammen mit einigen Fallbeispielen.

    „Ich bin der Meinung, wenn sie uns sagen soll, was dort drüben passiert ist, dann sollte sie auch wissen, was hier passiert ist. Warum wir so dringend diese Lösung brauchen“, sagte Vala und alle sahen sie auf einmal an. Anscheinend hielt das keiner von ihnen für eine gute Idee, doch jetzt, da es ausgesprochen war, würden sie mich nicht mehr davon abbringen können. So hatte ich eine Möglichkeit, meine Informationen für mich zu behalten, denn diesen Deal würde wahrscheinlich keiner von ihnen eingehen.

    „Cassie, ich denke, du solltest erst einmal mit Maggie auf die Krankenstation gehen. Kommt zurück, wenn ihr fertig seid“, wies General O’Neill Kevins Mutter an, die er schon seit ihrem 12. Lebensjahr kannte. Cassandra nickte nur und schob mich mit sanfter Gewalt wieder aus dem Besprechungsraum heraus. Davor warteten auch schon Kevin und die anderen Kinder von Atlantis, aber da Cassandra mich begleitete, schienen sie sich nicht zu trauen, mir Löcher über das, was gesprochen worden war, in den Bauch zu fragen. Torren stand etwas abseits von den anderen am Geländer und sah mich besorgt an. Ich war mir sicher, er hatte über meine Gedanken mitbekommen, was gesprochen worden war und rätselte genauso herum, was wohl geschehen sein mochte, wie ich.

    „Warum untersucht ihr mich? Ich bin nicht krank, und ich bin auch ganz sicher ich“, protestierte ich, als Cassandra mir Blut abnahm und mich wieder einmal an eine Art EEG anschloss. Sicherlich wollte sie herausfinden, ob ich wirklich die war, für die ich mich ausgab, ob ich vielleicht von irgendetwas befallen war, doch das war nicht das Problem. Das Problem war einfach nur, dass ich nicht von hier weg wollte. Außerdem war ich nicht die einzige gewesen, die auf Gan Eden gewesen war. Sollten doch Rush oder einer der anderen etwas sagen, ich würde es bestimmt nicht tun.

    „Ich sollte dir vielleicht nicht davon erzählen, Maggie, aber es gibt einen Grund, warum wir im Moment wirklich diesen fremden Planeten brauchen könnten“, lenkte Cassandra dann doch noch ein und sie sah ziemlich unentspannt aus, während sie mit mir redete. Sie hatte bestimmt Recht, das, war sie mir nun anscheinend sagen wollte, sollte ich gar nicht erfahren, aber ich war neugierig und wenn ich schon meine Heimat hier aufs Spiel setzen sollte, dann wollte ich wenigstens auch wissen wofür. „Vor einigen Jahren hat es eine Rasse namens Hoffaner gegeben. Sie haben zusammen mit Dr. Beckett einen Weg gefunden, sich vor den Wraith zu schützen. Sie hatten einen Impfstoff entwickelt, der, einmal im System eines Menschen, verhinderte, dass ein Wraith sich an ihm nähren würde. Die Wraith, die es dennoch taten, starben noch während des Vorgangs.“

    Ich sah sie einen Moment fragend an. Wenn es doch so ein Mittel gab, warum um alles in der Welt hatten sie es nicht schon längst vervielfacht und an alle weitergegeben? Aber sicherlich würde die Antwort darauf noch folgen. „Leider wurden auch viele der Geimpften sehr krank und starben an einem Retrovirus, der ihre Körper nach einer grippeähnlichen Phase in reine Flüssigkeit verwandelte.“ Ich konnte mir nur geschockt die Hand vor den Mund halten. Das war wirklich ein schrecklicher Weg zu sterben. „Michael kam an diese Formel und meinte, einen Weg gefunden zu haben, die Wraith zu zerstören. Ihm war es egal, ob dabei auch Menschen starben und er hat angefangen, heimlich eine abgeänderte Form des Impfstoffes auf verschiedenen Planeten zu verteilen. Sie war nicht mehr ganz so tödlich wie die erste und es starben nur noch 30% derjenigen, die das Mittel verabreicht bekamen, aber leider begann es, sich wie eine Seuche auszubreiten. Niemand konnte es aufhalten und es breitete sich immer weiter in den einzelnen Systemen, in denen Michael es frei gelassen hatte, aus.“

    Ich ahnte schon beinahe, was sie mir sagen wollte und verstand auf einmal, warum sie so dringend einen neuen Planeten brauchten. Cassandra brauchte es gar nicht aussprechen, da nickte ich nur. Diese Seuche war hier eingetroffen, in diesem System. Die ersten Planeten berichteten schon von ersten Symptomen ihrer Bevölkerung und bisher hatte noch niemand ein Gegenmittel finden können. Es würde nur noch eine Frage der Zeit sein, bis diese Seuche auch hier eintreffen würde. Wenn sie hier war, würde sie sich wahrscheinlich wie ein Lauffeuer unter den Leuten auf dem Festland ausbreiten und eine Panik würde ausbrechen. Chaos und Tod wären die Folge und das konnte ich wirklich nicht verantworten.

    Ich stand also auf und verließ die Krankenstation. Es dauerte einen Moment, bis Cassandra begriff, was ich vor hatte und sie mir folgte. Sie versuchte erst gar nicht, mich aufzuhalten und irgendwie hatte ich das seltsame Gefühl, dass ich genau das tat, was sie von mir erwartet hatten. Aber selbst wenn es so war bedeutete das nicht, dass ich es nicht mehr tun würde.

    „Maggie, was ist los?“, fragte Torren etwas verwirrt als ich schnurstracks an ihm vorbei in die Kommandozentrale ging und etwas in eine Konsole eingab. Die Techniker dort versuchten gar nicht erst, mich aufzuhalten, anscheinend hatten sie sogar etwas Angst vor mir, zumindest, wenn ich so entschlossen war.

    „Ich muss etwas überprüfen“, sagte ich, völlig konzentriert auf das, was ich suchte und tatsächlich. Alles, was Cassandra mir erzählt hatte, war wahr. Es gab keine Anzeichen auf eine Manipulation der Daten, egal, wie alt sie waren. Es war alles echt und das bedeutete, dass wir tatsächlich in Gefahr waren, wenn wir hier auf diesem Planeten, in dieser Galaxie blieben. Doch das war nicht das einzige, was ich fand, als ich nach einer Gefahr für Atlantis suchte. Der Computer zeigte mir noch etwas an. Es war verschlüsselt und ich konnte es nicht öffnen. Irgendetwas versuchten sie noch vor mir zu verbergen, doch sicherlich würde ich das auch noch herausfinden. Nachdem ich das eine Geheimnis dank Cassandra schon erfahren hatte, würde ich nun auch auf dem anderen bestehen. Sicherlich war es ein Spiel mit der Zeit, doch ich war mir sicher, dass auch die Erwachsenen nicht auf Zeit spielen wollten.

    „Ich weiß von der Seuche“, fiel ich also direkt mit der Tür ins Haus und alle sahen verständnislos zu Cassandra. Ich schaute sie nur entschuldigend an, aber es musste sein. Ich musste meinen Vorteil ausspielen, um endlich die ganze Wahrheit zu erfahren. Irgendetwas war während des Angriffes der Wraith hier passiert, irgendetwas, was alle hier im Raum wussten, es aber für sich behalten wollten. „Ich weiß von der Seuche und dass sie immer näher kommt, aber ich kann euch nicht helfen. Selbst wenn es Gan Eden gäbe, dann wäre es meine Aufgabe als letzte Antikerin, diesen Planeten zu schützen. Diese Seuche könnte sich auch dort ausbreiten.“

    „Maggie, Rush hat uns bereits alles über den Planeten erzählt. Wir werden hinfliegen und alle evakuieren“, sagte General O’Neill, aber ich meinte in seiner Stimme etwas mitschwingen zu hören, ein Problem, das sie hatten. Wenn dem so war, warum wollten sie dann, dass ich ihnen sagte, wo der Planet war, oder dass ich dieser Evakuierung zustimmte? War es nicht egal, was ein 16-jähriges Mädchen dachte?

    Doch dann fiel mir auf einmal wieder etwas ein. Als wir auf dem Planeten gewesen waren, war ich für einen Moment eine Art Anführerin gewesen. Die Hologramme hatten nicht auf die Befehle von Rush, Brody oder den anderen gehört, sondern nur auf meine. Vielleicht brauchten sie meine Zustimmung, damit ich die Hologramme wirklich davon überzeugen konnte, uns auf den Planeten zu lassen. Dass Dave mir die Koordinaten eines Landehafens in der Hauptstadt gegeben hatte, war noch lange kein Grund, von einer Einladung zu sprechen, dort permanent zu wohnen. Es war eher ein ‚Besucht uns doch ab und zu‘ als ein ‚Zieht doch zu uns‘ gewesen, da war ich mir sicher. Wenn ich den Hologrammen jedoch sagen würde, dass wir von nun an in Gan Eden leben würden, dann würden sie sich sicherlich nicht wehren.

    „Ihr braucht mich“, sagte ich und wieder schnellten die Blicke zu Cassandra, doch diesmal war sie es wirklich nicht schuld, ich war von selbst darauf gekommen. Und nun würden sie keine andere Wahl haben, als mir alles zu erklären. Vielleicht fand ich dann auch heraus, warum mein Vater einfach alleine in einem beschädigten Jumper im Trümmerfeld der Schlacht gewesen war, als wir angekommen waren. „Wenn ich dieser ‚Umsiedlung‘ zustimmen soll, dann muss ich alles wissen“, sagte ich entschlossen und ich sah meinem Vater an, dass er mich am liebsten in unser Quartier geschleppt und mich zurechtgewiesen hätte, doch er konnte es nicht und das bewies nur noch mehr, dass ich Recht hatte.

    „Also gut“, seufzte General O’Neill und stand auf. Sie warf ihrem Mann und den anderen einen beruhigenden Blick zu, anscheinend ahnte sie, dass sie hier auf verlorenem Posten saßen, wenn sie mir nichts sagen würden, oder zumindest wusste sie, wie starrköpfig Teenager in meinem Alter sein konnten, immerhin war sie selbst einmal einer gewesen. „Während des Kampfes gegen die Mutterschiffe haben wir einen Notruf abgefangen. Er kam von einer noch unbekannte Position in dieser Galaxie.“

    „Und von wem kam dieser Notruf?“

    „Von anderen Wraith“, mischte sich nun mein Vater ziemlich widerwillig ein und ich sah ihn fragend an. Warum sollten andere Wraith den im Kampf befindlichen Mutterschiffen einen Notruf gesendet haben? „Die Nachricht enthielt nur wenige Worte: Heimat wird angegriffen.“

    „Aber von wem? Wer könnte die Wraith dazu bewegen, einen Notruf zu senden?“ Dann sahen sich alle gegenseitig an. Anscheinend fragten sie sich, ob sie mir das wirklich verraten sollten und es schien so, als wären sie sich alles andere als einig. Dem Blick meines Vaters entnahm ich, dass er mich vor diesen Informationen lieber beschützt hätte, dass er nicht wollte, dass ich noch mehr schlimme Nachrichten erhielt. Er sah mich einen Moment an, bat mich, dass ich einfach glauben solle, dass wir von hier weg mussten, aber das wollte ich natürlich nicht. Ich schüttelte also nur entschlossen den Kopf. Ich und auch alle anderen hatten ein Recht darauf, zu erfahren, was los war.

    Dann stand auf einmal Colonel Young auf. Er sah, wenn das überhaupt noch möglich war, noch ernster und grimmiger aus als das erste Mal, als ich ihn gesehen hatte und irgendwie ahnte ich, dass Rush wahrscheinlich nicht gerade unschuldig an der ewig schlechten Laune dieses Mannes war.

    „Es waren Drohnen, Kampfdrohnen, um genau zu sein“, sagte er und mein Vater schüttelte nur den Kopf. Es war ihm überhaupt nicht recht, dass ich das nun mitbekam, da war ich mir sicher. „Diese Drohnen zerstören einfach alles, was intelligenter ist als ein Neandertaler.“ Dann erzählte er mir, was alle anderen anscheinend schon wussten. Die Destiny, das Antikerforschungsschiff, war das erste Mal vor mehr als 10 Jahren in einem Trümmerfeld auf diese Drohnen gestoßen. Sie wurden von einer höher entwickelten Rasse erbaut, die anscheinend jede Bedrohung durch andere weiterentwickelte Völker direkt ausschalten wollte. Es waren dieselben Drohnen, die die Crew der Destiny gezwungen hatten, in Stasis zu gehen und dieselben Drohnen, die dann später auch zur Zerstörung der Destiny geführt hatten.

    „Aber wie konnten sie herkommen?“, fragte ich. Wenn ich mich recht erinnerte, war die Destiny von einer Galaxie zur nächsten gesprungen und war so weit von der lokalen Gruppe entfernt gewesen, dass man ein neuntes Chevron benötigt hatte, um sie mit den Stargates zu erreichen.

    „Dessen sind wir uns noch nicht sicher, aber irgendetwas sagt mir, dass es etwas mit der Luzianer Allianz zu tun hat.“

    „Das ist reine Spekulation, Colonel“, unterbrach Daniel den Colonel, aber dieser sprach dennoch weiter.

    „Die meisten von ihnen haben sich nie in unsere Crew eingegliedert, zumindest nicht vollständig. Sie sind immer unter sich geblieben und auf dem Planeten, auf dem sie ausgesetzt worden waren, standen die Chancen gut, dass die Drohnen zurückkehren würden.“

    „Das ist eine sehr weit hergeholte Theorie“, lenkte nun auch General O’Neill ein. „Fakt ist, wir wissen nicht, wie sie hierher kommen konnten, wir wissen nur, dass sie hier sind und selbst die Wraith vor ihnen geflohen sind“, sagte er und ich sah meinen Vater mit großen Augen an. Er hatte mich belogen. Hatte mir eine dämliche Geschichte aufgetischt, damit ich nicht weiter nachfragte.

    „Maggie, ich habe nicht gelogen. Die Wraith sind tatsächlich auf dem Weg zur Milchstraße. Sie wollen sich dort niederlassen, für immer. Dazu müssen sie aber erst einmal alle Völker dort unterwerfen. Das wollen wir verhindern. Nur das können wir nicht, wenn wir Angst haben müssen, ihr würdet hier in Gefahr sein“, erklärte er und ich musste zugeben, die Maggie, die ich vor einigen Monaten noch gewesen war, die Maggie, die ihren Vater hasste für das, was passiert war, kam für einen kleinen Augenblick wieder. Immerhin hatte er mich einfach angelogen, egal, ob ein Teil davon vielleicht stimmte. Wichtige Details wegzulassen war genauso schlimm.

    „Wenn die Drohnen hier eintreffen, werden sie alles zerstören, was in irgendeiner Verbindung zu höherer Technologie steht. Wir haben schon einmal ganze Planeten unbewohnt vorgefunden, die die Drohnen angegriffen hatten. Sie waren der Erde in den 90er Jahren ähnlich. Wenn diese Dinger erst einmal anfangen, lassen sie nichts zurück. Sie kennen keine Gnade“, erklärte Young und seine Stimme und das, was er sagte, klang ziemlich furchteinflößend. Hätte ich nicht schon eine ganze Menge angsteinflößender Sachen erlebt in der letzten Zeit, ich wäre wahrscheinlich in Panik ausgebrochen, aber dieses Mal merkte ich nur, wie sich die Anspannung in mir vergrößerte.

    „Also, ich fasse einmal zusammen …“, begann ich und ich hätte am liebsten das Zittern in meiner Stimme unterdrückt, doch es ging nicht. „Eine Seuche rollt durch diese Galaxie und ist mittlerweile in diesem System eingetroffen“, ich sah kurz in die nickenden Gesichter. „Und unaufhaltsame Kampfmaschinen sind auf dem Weg und werden alles auslöschen, was ihnen in den Weg kommt?“ Wieder nickten alle und ich schloss meine Augen. Wahrscheinlich gab es wirklich keinen anderen Ausweg. Doch was war mit den vielen anderen Planeten, mit den anderen Völkern, die hier lebten und den Antikern ähnlich waren. War es nicht meine Aufgabe als Antikerin, sie alle zu schützen?

    „Die Athosianer werden uns auf der Reise begleiten“, erklärte Cassandra und sah dabei Teyla an, die dankend nickte. „Alle anderen sind bereits von der Seuche betroffen, wir können nicht riskieren, sie mit auf den neuen Planeten zu nehmen. Manche von ihnen sind nicht weit genug entwickelt, um für die Drohnen interessant zu sein, aber die, die es sind …“

    „Sind dieses Mal auf sich alleine gestellt“, schloss General O’Neill und er sah nicht gerade glücklich dabei aus, keiner der hier Anwesenden schien mit dieser Lösung zufrieden zu sein, aber es gab keine andere, darin waren sie sich anscheinend einig.

    Dann erhob ich mich wieder von dem Stuhl und alle sahen mich erwartungsvoll an. „Okay, einverstanden, wir werden alle nach Gan Eden bringen“, sagte ich und wusste noch nicht genau, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung war, dass ich dieser Sache nun zustimmte, dass ich diesen Planeten nun offensichtlich den Menschen der Erde überlassen hatte.
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  25. #116
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    Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Und wie immer wollen die Erwachsenen den "Kindern" nicht sagen, was los ist, obwohl diese doch nur zu gut mitbekommen, daß etwas im Busch lauert. Aber da ja Maggie jetzt notgedrungen eingeweiht wurde, werden es die anderen auch bald erfahren...
    Ich glaube, ich muß meinen letzten Post revidieren: ob sich Dave wirklich freut, wenn Maggie plötzlich mit einer großen Meute vor der Tür steht? Und wer will garantieren, daß die Seuche und/oder die Drohnen nicht auch Gan Eden finden werden?

  26. Danke sagten:


  27. #117
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    Hallo Leute!

    Habt ihr mich vermisst?

    Ich hab auf jeden Fall ein neues Kapitel für euch und hoffe, dass es euch auch gefällt.

    Also, viel Spaß beim Lesen!

    Eure Neffi

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~


    Kapitel 44 - Happy Birthday



    Ich konnte meine Tränen nicht abstellen, als ich einige Tage nach unserer Rückkehr in die Pegasus-Galaxie alle Sachen, die ich mittlerweile hier angesammelt hatte, Bilder von meinen Freunden und meinem Vater, zusammen mit den Sachen von meiner Mutter wieder in Kisten packte.

    Es war nur ein kleiner Trost, dass zumindest meine Freunde bei mir sein würden. Nachdem ich der Evakuierung zugestimmt hatte, hatten mich alle gebeten, meinen Freunden nichts davon zu erzählen, sie nicht unnötig zu beunruhigen. Ich sollte ihnen einfach nur erzählen, dass Gan Eden sicherer war als Atlantis und das man nicht wollte, dass wir in Gefahr gerieten, während die anderen in die Milchstraße flogen. Und wahrscheinlich war das tatsächlich das Beste. Auch Torren, der ja über meine Gedanken diese ganze Diskussion mitbekommen hatte, war der Meinung, es den anderen nicht zu sagen. Zumindest Sara und John würden nur wieder auf dumme Gedanken kommen und das war sicherlich nicht das was irgendjemand jetzt gebrauchen konnte. Also beließen wir es für sie bei dem offensichtlichen: Die Wraith waren in die Milchstraße geflogen, um sich an den Menschen für die Niederlage zu rächen und während Atlantis und die Kampfschiffe der Novaner den Wraith noch einen gewaltigen Arschtritt verliehen, würden wir uns schon einmal auf den Weg in eine neue Heimat machen.

    Joey und Madisson schienen sich bereits ziemlich schnell mit dieser Tatsache abgefunden zu haben, auch wenn sie sich genauso viel Angst um die machten, die in den Kampf ziehen würden wie wir. Doch sie hatten auch das Glück, mindestens ein Elternteil mit nach Gan Eden nehmen zu können, Madi sogar beide. Mrs. Miller war zwar genauso intelligent wie ihr Bruder Rodney, aber sie hatte eine Tochter und würde bei diesem Kampf nicht gebraucht werden und ihr Mann war ein einfacher Zivilist. Auch Jennifer würde uns auf unserer Reise nach Gan Eden begleiten. Es gab genug Ärzte, die die Verwundeten bei der Schlacht versorgen konnten, so konnten beinahe alle weiblichen Ärzte mit uns nach Gan Eden fliegen, auch Kevins Mutter.

    Es gab nur vier von uns, die niemanden von ihrer Familie bei sich hatten, wenn sie nach Gan Eden reisen würden und das waren Torren, Sara, Philipp und ich. Teyla hatte darauf bestanden im Kampf gegen die Wraith an der Seite meines Vaters zu stehen, wie sie es immer getan hatte und Torren hatte sie nicht aufgehalten. Und ich war dankbar dafür. Wenn Teyla dabei war, wusste ich, dass wenigstens einer auf meinen Vater aufpasste, und mein Vater würde sicherlich auch auf Teyla aufpassen.

    „Hey, Maggie, bist du da?“, hörte ich auf einmal wieder Torrens Stimme in meinem Kopf. Während der Zeit in der anderen Galaxie war die Verbindung abgebrochen, wahrscheinlich durch die große Entfernung, aber sobald ich ihn auf Atlantis wiedergesehen hatte, bestand sie wieder und wir konnten uns wieder heimlich unterhalten. Das war natürlich ein großer Vorteil, wenn man bedachte, dass wir einiges geheim zu halten hatten.

    Nachdem wir uns auf Atlantis wiedergesehen hatten, hatten wir uns noch einmal alleine in der Hangarbucht getroffen und hatten uns ausgesprochen. Weder Torren noch ich hatten wirklich das Wort Liebe ausgesprochen, aber irgendwie wussten wir wohl beide, dass uns etwas verband, etwas, das stärker als Freundschaft war. Ich merkte es alleine dadurch, dass ich mich in seiner Nähe vollkommen anders fühlte als zum Beispiel bei Kevin oder den anderen. Selbst John erschien mir nicht mehr so interessant. Es war schon seltsam, was zwischen zwei Menschen passierte, die zusammen so etwas durchgemacht hatten wie wir beide.

    „Ja, ich bin da. Ich möchte aber gerade nicht reden“, antwortete ich ihm und hoffte, dass er es nicht persönlich nahm. Ich war einfach gerade nicht in der Stimmung dazu, ich wollte alleine sein.

    “Später?“, fragte er vorsichtig und ich stimmte ihm nickend zu, bevor sein Bewusstsein aus meinem Kopf verschwand.

    „Happy Birthday“, hörte ich dann auf einmal leise und vorsichtig hinter mir. Ich war immer noch dabei, meine Sachen zu packen, saß aber mittlerweile niedergeschlagen auf meinem Bett. Ich lachte kurz verzweifelt auf. Das war wirklich Ironie des Schicksals, dass ich an dem ersten Geburtstag, den ich mit meinem Vater feiern konnte, wieder von ihm weggerissen wurde. Ich drehte mich nicht zu ihm um. Ich war sauer auf ihn und er wusste das. Ich war sauer, weil es seine Idee gewesen war, die mich von hier weg brachte, weil er mich einfach wegschickte. Doch im Gegensatz zu früher, wo ich ihm noch gezeigt hatte, dass ich ihn hasste, setzte er sich dieses Mal einfach neben mich auf mein Bett.

    „Ich möchte nicht mit dir reden“, sagte ich wenig überzeugend.

    „Ich möchte aber mit dir reden.“

    „Ich bin wütend.“ Leider kam das mit meinem ziemlich verweinten Gesicht und dem Schluchzer, den ich einfach nicht unterdrücken konnte, nicht wirklich so rüber, wie ich es gerne gewollt hätte.

    „Ich weiß, Kleine“, sagte er und legte seinen Arm so um meine Schulter, dass ich ihn nicht abschütteln konnte. „Mir gefällt das auch nicht, glaub mir“, sagte er ruhig, aber ich konnte ihm das einfach nicht glauben, immerhin war es seine Idee gewesen, die uns nun in diese Lage brachte. „Maggie, ich möchte einfach nur, dass du in Sicherheit bist. Dafür, dass wir uns erst vor einiger Zeit gefunden haben, habe ich dich schon viel zu oft wieder verloren. Das möchte ich nicht. Wenn ich in diesen Kampf ziehe, dann muss ich wissen dass du an einem sicheren Ort bist, dass du auf mich wartest, wenn ich nach Hause komme“, sagte er und die Dringlichkeit in seinem Gesicht stach in mein Herz wie tausend Messer. Ich wusste, er hatte Recht, ich wusste, dass er seine Arbeit nicht machen konnte, solange ich in Gefahr war, und dennoch wollte ich ihn nicht alleine lassen.

    „Ich habe Angst um dich“, flüsterte ich tonlos und er zog mich näher an sich heran. Er versicherte mir, dass ihm nichts passieren würde, dass er immer den Weg zu mir finden würde, aber in seinem Gesicht sah ich, dass auch er Angst hatte. Wenn es um seinen Job ging, konnte immer etwas schief laufen. „Als … als wir mit der Tria zurück kamen … ich habe gedacht, Atlantis sei vernichtet worden.“ Mein Vater wollte mich in meinem Redefluss stoppen, in dem er beruhigende Geräusche machte, aber dieses Mal wollte ich das nicht. Dieser Moment war der richtige, um ihm zu sagen, was ich ihm schon eine Weile hatte sagen wollen. Wenn ich es jetzt nicht tat, dann hatte ich vielleicht jede Chance verpasst und er würde es nie wissen.

    „Ich will dich nicht auch noch verlieren, Dad“, sagte ich also und ich merkte, wie er mich noch fester an sich drückte. „Ich schaffe das hier nicht ohne dich. Ich … ich brauche dich“, wieder flossen die Tränen meine Wangen hinunter. Meine Mom hatte mich hierher gebracht, damit ich ihn kennenlernte, damit er mich beschützen würde und als ich das endlich akzeptiert hatte, wurden wir immer und immer wieder auseinandergerissen.

    „Ich komme zurück, Maggie. Das ist ein Versprechen. Ich werde dich nicht alleine lassen. Aber ich muss gehen.“

    „Ja, ich weiß. Das ist das, was Helden immer machen“, sagte ich leise. Es war die Wahrheit. Ich wusste, dass er gehen musste, hatte es in dem Moment gewusst, als er die Idee zum ersten Mal ausgesprochen hatte, und dennoch tat es weh.

    „Ich hab dir einen Kuchen mitgebracht“, sagte er dann und seine Stimme bat mich förmlich, nicht weiter über das heikle Thema zu sprechen. Ich nickte nur und drehte mich um. Auf meinem Schreibtisch stand tatsächlich ein Kuchen, in dem eine Kerze steckte.

    „Ich bin jetzt siebzehn, Dad“, informierte ich ihn, als ich die einzelne Kerze beobachtete.

    „Dennoch ist es unser erster Geburtstag zusammen. Warte noch sechzehn Jahre, dann hast du deine siebzehn Kerzen auf dem Kuchen“, lächelte er. Wir trugen den Kuchen zusammen in die Küche, die unsere Quartiere miteinander verband und setzten uns auf die Anrichte. Dann schnitt er jedem von uns ein kleines Stück von dem Kuchen ab und wir brauchten unheimlich viel Zeit, bis wir dieses eine Stück gegessen hatten. Es blieb unausgesprochen, aber wir beide wussten, dass ich nach diesem Stück Kuchen zurück auf die Tria musste, ohne ihn.

    „Hier, das ist dein Geschenk. Ich weiß, es ist nichts Besonderes. Teyla hat mir dabei geholfen“, druckste er etwas herum, während er mir die kleine Schachtel gab. Ich betrachtete sie zuerst. Sie war in Stoff eingepackt anstatt in Geschenkpapier, aber das war ja hier auch ziemlich schwer zu besorgen. In dem Stoff verbarg sich ein kleiner, ziemlich fein gearbeiteter Schmuckkasten. Er war mit kleinen Schnitzereien verziert und der Verschluss war ein kleines Schloss. Der Schlüssel dazu lag unter dem kleinen Kästchen.

    „Was ist das?“, fragte ich meinen Vater etwas erstaunt, als ich den Deckel öffnete und eine Kette und einen Ring darin sah. Der Ring war ziemlich dünn und silbern, einfach gearbeitet, ohne viel drum herum. Auch die Kette war eher schlicht, ein einziger eingefasster Stein befand sich daran.

    „Der Ring gehörte mir. Die Kette habe ich deiner Mutter geschenkt, zu unserer Hochzeit“, sagte er und ich sah ihn mit großen Augen an. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich nirgendwo etwas davon gelesen hatte, dass die beiden verheiratet gewesen waren. Ihr Status auf allen Berichten und Meldungen war „verwitwet“ gewesen.

    „Es war nicht offiziell. Wir haben es heimlich getan, ohne dass jemand dabei gewesen ist. Noch nicht einmal Teyla, Rodney oder Ronon wissen davon“, erklärte er und er flüsterte beinahe. „Es war kurz nachdem wir wieder von der Erde zurück kamen. Die Asuraner hatten gerade die Besatzung der Tria ermordet, die noch auf Atlantis gewesen war und es hatte mal wieder ziemlich schlecht für uns ausgesehen. Deine Mutter und ich dachten, es sei der beste Zeitpunkt. Wir sind aufs Festland in eine der alten Antikerruinen gegangen und haben uns dort gegenseitig unsere Gelübde gegeben. Neun Monate später war sie verschwunden und du bist auf der Erde zur Welt gekommen.“

    „Sie hat ihr Gelübde gebrochen“, flüsterte ich leise. Ich kannte meine Mutter so nicht. Wenn sie mir etwas versprochen hatte, dann hatte sie es immer eingehalten, egal, was es sie kostete, warum hatte sie das dann nicht bei meinem Vater gemacht? Warum war sie weggegangen und hatte unsere Familie zerrissen?

    „Ja, das hat sie. Weil sie auch eine Heldin war, Maggie. Sie hat ihr eigenes Glück hinter deines und das aller anderen gestellt. Sie konnte nicht riskieren, glücklich zu sein, wenn sie damit dich und vielleicht zwei Galaxien in Gefahr gebracht hätte.“ Genau in diesem Moment bemerkte ich, dass mein Vater sie immer noch liebte und vermisste, in diesem Moment, in dem er eine Entschuldigung suchte, warum sie gegangen war, weil er nicht glauben wollte, dass sie ihn einfach so verlassen hatte. Vielleicht war das auch eine Möglichkeit für mich über sie zu denken. Dass sie einfach nicht anders konnte, dass sie unsere kleine Familie hatte zerstören müssen, um viele andere Familien damit zu retten. Und nachdem was mit Michael passiert war, hatte sie auch versucht, mich damit zu retten.

    „Ja, das war sie“, sagte ich also und mein Vater nahm mich noch einmal in den Arm. Dann legte er mir vorsichtig die Kette um den Hals und ich betrachtete sie noch einmal. Sie war wirklich schlicht, aber da sie meiner Mutter gehört hatte, war sie für mich viel schöner und wertvoller als für jeden anderen auf der Welt.

    „Warum habt ihr nicht richtig geheiratet?“

    „Ich weiß es nicht. Es schien nie der richtige Zeitpunkt zu sein, um ein Fest zu feiern. Wir sind damals nur von einer Katastrophe in die nächste gerutscht.“

    „Also so wie jetzt?“ Ich sah ihn einen Moment an, ich hatte versucht, etwas sarkastisch zu sein und hoffte, dass es ihn zumindest ein wenig zum Lächeln brachte. Es war mein Geburtstag, ich wollte nicht, dass er sich schlecht fühlte. Und er lächelte tatsächlich. Dann sprachen wir darüber, wie ich meine letzten Geburtstage verbracht hatte und ich versuchte, ihm alles zu erzählen, an das ich mich erinnern konnte. Wie Mom einmal mit mir und meinen Freunden in ein Erlebnisbad gefahren war und wir dort meinen ganzen Geburtstag verbracht hatten, wie nur sie und ich in einen Freizeitpark gegangen waren und sie auf jede Attraktion gegangen war, auf die ich hatte gehen wollen, egal wie übel oder schwindelig ihr dabei auch wurde.

    Dann war die ruhige Zeit mit meinem Vater jedoch zu Ende, denn es klingelte an unserer Tür. Es waren Kevin und seine Mutter, die mich abholen wollten. Keiner von beiden sagte auch nur ein Wort wegen meines Geburtstags, anscheinend fanden sie den Moment eher unpassend.

    „Bleib anständig und mach ja unser neues Schiff nicht kaputt“, versuchte mein Vater dann zum Abschied zu scherzen. Ich nickte nur. Es war jetzt besser, ihn nicht noch einmal zu umarmen, denn wahrscheinlich hätte ich ihn dann nicht mehr losgelassen.
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  28. #118
    Chief Master Sergeant Avatar von Jolinar
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    Vater und Tochter wachsen langsam zusammen. Nur blöd, dass immer wieder irgendeine Mission oder Katastrophe sie daran hindert, sich besser kennenzulernen.

  29. Danke sagten:


  30. #119
    First Lieutenant Avatar von Angelika
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    Schön, dass sich Vater und Tochter so nahe kommen und hoffen wir einmal, dass sie jetzt die Erde retten, die Wraith kräftig in den Allerwertesten treten und danach gesund zurück kommen, damit niemand von den Kindern einen Elternteil verliert.

  31. Danke sagten:


  32. #120
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    Ja, Vater und Tochter kommen sich langsam immer näher, aber vielleicht sind es gerade die Katastrophen die sie zusammenschweißen.

    Jetzt heißt es jedoch erst einmal wieder Abschied nehmen, denn die Schiffe brechen zur Milchstraße auf und Maggie wird nicht mitgehen.

    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~


    Kapitel 45 - Abschied


    Tränen rannen meine Wangen hinunter, als ich die Triebwerke der Tria startete und einen letzten Blick auf den Planeten warf, auf dem ich die letzten Monate gelebt hatte. Es war ein Abschied für immer, das wusste ich. Es wurde so entschieden, weil die Bedrohungen, die in der Pegasus-Galaxie auf uns warteten, einfach zu groß geworden waren, weil es so verschiedene und verhängnisvolle Dinge waren, dass wir sie niemals würden bewältigen können. Alles was ich noch hoffen konnte, war die Stadt, die im Moment noch auf dem großen Meer des Planeten schwamm, bald wieder zu sehen und sie vielleicht irgendwann wieder meine Heimat nennen zu können, auf einem anderen Planeten, in einer anderen Galaxie.

    Ich hielt den Anhänger der Kette meiner Mutter fest in der einen Hand, während ich dann endgültig die Knöpfe drückte, die uns in die Andromeda-Galaxie bringen würden. Aufgrund der enormen Größe der Stasisschiffe der Novaner konnten wir allerdings nicht so schnell reisen, wie es das erste Mal mit der Tria gelungen war. Dieses Mal würden wir eine ganze Woche brauchen und wahrscheinlich würde die Tria das einzige Schiff sein, dessen Antriebe danach noch brauchbar waren. Aber es war das Risiko wert gewesen. Ratsmitglied Halkon, der Oberste des Rates der Novaner, hatte beschlossen, dass auch sie dem Ruf einer neuen Heimat folgen würden. Sie würden zusammen mit uns auf Gan Eden leben in einer vereinten Zivilisation.

    Sobald wir den Planeten erreicht hatten und gelandet waren, würden die Stasisschiffe ihre kostbare Fracht entlassen und zehn Millionen Menschen, die ursprünglich von der Crew der Destiny, also Menschen von der Erde, abstammten, würden aus einem Schlaf erwachen, der Jahrzehnte angedauert hatte. Zusammen mit den Menschen, die wir von der Erde hatten evakuieren können und den Besatzungen der einzelnen Schiffe, würden wir zumindest die Hauptstadt, in deren Außenbezirken sich der Außenposten befunden hatte, bewohnen können. Sicherlich war damit noch ein großer Teil des Planeten unbewohnt und unerforscht, aber wir würden den Rest unseres Lebens dort verbringen. Wir würden dort alt werden und selbst Kinder bekommen, die sich dann immer weiter auf dem Planeten verbreiten konnten. Außerdem gab es einige gespaltene Lager, die sich auf die einzelnen Städte des Planeten verteilen konnten, so würde man vielleicht sogar für einige Zeit Streitigkeiten vermeiden können.

    „Es war die richtige Entscheidung, den anderen nichts zu sagen“, hörte ich Torrens Stimme in meinem Kopf. Und ich sah ihn an einer Wand der Brücke lehnen. Er hatte Recht, aber die Zweifel gingen mir dennoch nicht aus dem Kopf. Was würde sein, wenn niemand Gan Eden als neue Heimat akzeptierte, wenn sie alle nicht verstanden, dass es keine andere Möglichkeit gab? Selbst auf dem Festland bei Atlantis hatte es schwere Kämpfe gegeben, in der Zeit, in der Torren und ich bei Michael gewesen waren, war sogar eine Art kleiner Bürgerkrieg ausgebrochen. der nur mit Waffengewalt hatte beendet werden können.

    „Wir sind eine selbstzerstörerische Rasse, Torren“, bemerkte ich und er kam näher zu mir. Am liebsten hätte ich mich in seine Arme geschmissen und einfach alles vergessen, was passiert war, was passieren konnte, aber hier war nicht der richtige Zeitpunkt. „Wenn wir keinen richtigen Grund zum kämpfen haben, gegen einen Feind wie die Wraith, dann greifen wir uns gegenseitig an. Töten Menschen, die genauso sind wie wir.“

    „Daran wirst du aber nichts ändern können, Maggie“, seine Gedanken waren ruhig und sortiert und ich wusste nicht, ob er es durch die Kultur seiner Mutter gewohnt war, aber er schien sich mit dem Heimatwechsel schneller abgefunden zu haben als ich. Und dann nahm er zu meinem Erstaunen meine Hand in seine und drückte sie leicht. „Die anderen wissen es eh schon. Ich weiß nicht wie, aber sie haben es rausgefunden“, sagte er mit einem leichten Grinsen.

    „Dann haben wir also dein Image zerstört“, scherzte ich eher halbherzig.

    „Ich glaube, das ist schon vor einiger Zeit passiert“, bemerkte er etwas kleinlaut und ich sah ihn fragend an. Ich fragte mich, was dort wohl passiert war, doch ich spürte, dass ich von Torren keine Antwort darauf erwarten konnte. Stattdessen zuckte er nur mit den Schultern und grinste mich wieder schief an. Dieses Grinsen musste er sich einfach bei meinem Vater abgeguckt haben, eine andere Möglichkeit gab es nicht, dazu waren sich die beiden Mimiken viel zu ähnlich. Ich fragte mich nur, ob er dieses Grinsen schon hatte, bevor ich nach Atlantis kam, oder ob er es erst danach angenommen hatte. um eine Reaktion aus mir herauszulocken.

    Am Anfang hatte es sicherlich eine andere Wirkung auf mich gehabt, als er gewollte hatte, denn durch meine Abneigung gegen meinen Vater hatte ich durch dieses ähnliche Grinsen auch direkt eine Abneigung gegen Torren gehabt, ohne ihn überhaupt richtig zu kennen. Vielleicht war ja gar nicht er das Problem gewesen. Vielleicht hatte er einfach nur auf meine Haltung reagiert. Vielleicht war er nie arrogant und selbstsicher gewesen, zumindest nicht in dem Maße, wie ich es ihm unterstellt hatte. Das hatte ich aber erst mitbekommen, als ich auch merkte, dass mein Vater ein gänzlich anderer Mensch war.

    Ich erinnerte mich daran, was Teyla mir am Anfang erzählt hatte, als ich gerade auf Atlantis angekommen war. Nachdem Torrens Vater Kanaan bei einem Angriff der Wraith getötet wurde, hatte mein Vater alles daran gesetzt, dem gerade einmal 2 Jahre alten Torren seinen Vater zu ersetzen und mit den Jahren war es tatsächlich so geworden. Teyla hatte mir eigentlich damit sagen wollen, dass mein Vater niemals sein eigenes Kind verstoßen hätte, nicht, wenn er sich so rührend um ein fremdes gekümmert hatte. Ich erkannte darin jedoch den Grund, warum ich mich so zu Torren hingezogen fühlte. War es nicht meistens so, dass Mädchen oder Frauen sich zum gleichen Typ Mann hingezogen fühlten, wie ihr Vater einer war? Dass diese Männer meistens viele Eigenschaften mit den Vätern teilten? Anscheinend war das auch so, wenn man den Vater noch gar nicht so lange kannte.

    „Maggie, Atlantis hat eine Nachricht geschickt“, informierte mich Chloe vorsichtig. Ich war der Meinung gewesen, dass sie und Eli auf jeden Fall hier auf die Brücke der Tria gehörten. Wir hatten Gan Eden zusammen entdeckt und die beiden waren immer freundlich zu mir gewesen. Außerdem hatten beide dasselbe Problem wie ich, sie hatten wichtige Menschen auf Atlantis oder der Securor zurück gelassen, um sich selbst und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

    Wir brechen nun auf und werden uns melden, sobald die Mission abgeschlossen ist. Viel Glück!

    Eine kleine Gänsehaut breitete sich auf meinem Körper aus, eine Vorahnung oder einfacher Pessimismus, ich wusste es nicht. Die Chancen standen zu hoch, dass sie ihr Versprechen, sich nach Ende der Mission zu melden, nicht würden einhalten können. Die Wraith waren nun, wenn die Berichte, die man mir gezeigt hatte, stimmten, mit voller Stärke auf dem Weg in die Milchstraße. Sie hatten einige Tage Vorsprung und sie waren deutlich stärker als die anderen Völker. General O’Neill hatte gesagt, dass sogar die Tok’ra – die ganze Sache mit den Goa’uld und diesen Tok‘ra hatte ich immer noch nicht so ganz verstanden – nicht gegen die Wraith ankommen würden.

    Und dann war da natürlich noch diese Luzianer Allianz. Bevor die Crew der Destiny zu uns gestoßen war, hatte ich nur ein oder zwei Mal etwas von dieser Luzianer Allianz gehört. Sie hatten wohl immer wieder Anschläge auf das Stargatecenter und andere Einrichtungen gestartet, die etwas mit dem Stargate zu tun gehabt hatten, und sie waren für den Tod meiner Mutter verantwortlich gewesen. Die Destiny-Crew hatte dann von weiteren Gräueltaten der Luzianer erzählt. Manche von ihnen hatten sich gut in die Crew integriert, andere hatten es nie versucht und diese anderen hatten eine Menge angestellt. So viel, dass man sie irgendwann auf einem bewohnbaren Planeten abgesetzt hatte, auf dem sie würden überleben können. Diejenigen unter ihnen, die sich eingegliedert hatten, durften bleiben, doch bis heute vertraute man ihnen nicht bedingungslos.

    Ich musste wieder an meine Mutter denken und an die Angst, die sie gehabt hatte, dass sie hinter mir her sein könnten. Ihre Angst war so groß gewesen, dass sie unzählige Einschnitte in unser Leben gemacht hatte und langsam konnte ich diese Angst verstehen, konnte verstehen, dass all der Kummer, den ich wegen ihrer Verbote gehabt hatte, nur meinem Schutz gedient hatte. Sie hatte mich wirklich geliebt, mehr als alles andere, mehr als ihr eigenes Leben, das sie dann schlussendlich für mich gegeben hatte.

    Ich erinnerte mich noch genau an das Gesicht des Mannes, der sie umgebracht hatte und auch wenn es unmöglich war, schwor ich mir, dass, wenn ich ihn unter den Luzianern der Destiny finden würde, er dafür bezahlen würde, was er meiner Mutter und mir angetan hatte. Er würde nicht schnell durch einen Messerstich sterben, das war klar. Er würde leiden müssen. Ich merkte selbst, wie brutal und überaus böse das klang und sicher war das nicht der richtige Weg und trauen würde ich mich das schon dreimal nicht, aber es war ein Gedanke, der auf jeden Fall in meinem Kopf herumgeisterte. Ein Gedanke, der mich wahrscheinlich nicht mehr loslassen würde.

    Meine Mutter war alles gewesen, was ich gehabt hatte, und auch wenn mir ihr Tod eine vollkommen neue Welt eröffnet hatte, hätte ich diese Welt sofort aufgegeben, nur um sie wieder bei mir zu haben, um noch einmal zu hören, wie sie lachte oder noch einmal von ihr umarmt zu werden, ein einziges Mal.

    Ich würde in dieser neuen Welt ganz alleine sein. Ich würde alleine dastehen und es gab niemanden, der mich leiten würde. Ich war gerade einmal siebzehn. Und auch wenn ich vorher immer gedacht hatte, mit siebzehn würde ich schon beinahe erwachsen sein und meine eigenen Entscheidungen treffen können, merkte ich jetzt mehr denn je, dass ich alles andere als erwachsen war.

    Verloren sah ich mich auf der Brücke um. Hier waren so viele Leute, so viele Fremde, die ich kaum kannte. Sie würden zwar hunderte Vorschläge haben, was ich am besten tun sollte, aber ob es wirklich das Beste für die Person, die ich war, die ich sein wollte, war, das wussten sie nicht. Sie konnten es auch nicht wissen, denn ich wollte die Person sein, zu der meine Eltern mich gemacht hätten und ohne sie, ohne diese beiden Menschen war ich einfach nur … unfertig.

    Wie ein Buch, das ein Autor zwar zu schreiben begonnen hatte, dann aber aus irgendeinem Grund nicht beenden konnte. Einige Kapitel waren geschrieben, die Anfänge erklärt, die ersten Tragödien ans Licht gekommen, doch während des spannenden Teils, des Teils, in dem in Märchen die Prinzessin endlich ihren Prinzen auf dem weißen Ross fand und die böse Königin besiegte, des Teils, in dem das Happy End begann, fehlten die letzten Seiten.

    „Hey“, störte Torren mich dann in meinem ziemlich düsteren Gedankengang. Wahrscheinlich hatte er zumindest teilweise mitbekommen, wie sehr meine Gedanken doch abgedriftet waren. „Du hast das Schiff gestartet, ich denke, die anderen kommen jetzt ohne dich klar. Du solltest etwas essen.“

    In meinem Kopf sagte er jedoch, „Manche Bücher lassen das Ende offen, damit man sich sein eigenes Urteil bilden kann, damit man die Geschichte selbst beendet, sich das Ende ausdenkt, dass man am liebsten hätte.“

    „Aber warum muss es auf so eine Weise geschehen? Warum kann man nicht einfach nur alternative Wege aufzeichnen?“ Ich war wirklich verzweifelter, als ich dachte und wahrscheinlich erschien ich allen gerade wie ein einfältiges Kleinkind, daher konnte ich nicht verhindern, dass mein Blick beschämt auf den Boden sank.

    „Weil es nicht der eigene wäre. Es wäre nicht die eigene Idee und das Herz würde nicht folgen.“ Er nahm mein Kinn in seine Hand und hob es leicht an, dass ich ihm in die Augen sehen musste.

    „Ich habe zwar kein weißes Ross, aber da ich das erstgeborene Kind auf Atlantis war, kannst du mich gerne Prinz Torren nennen“, scherzte er und er lächelte mich erwartungsvoll an.

    Als ich versuchte, leicht lächelnd zu nicken, spürte ich die leichte Salzkruste auf meinen Wangen, die unter der Bewegung der Muskeln leicht spannte. „Darauf kannst du lange warten“, erwiderte ich und wir beide mussten unweigerlich lachen. Aber vielleicht hatte er Recht, vielleicht konnte ich mich nicht darauf verlassen, dass andere das Happy-End schrieben, vielleicht musste ich einfach an der Stelle weiterschreiben, an der jemand anderes damit aufgehört hatte, zumindest, bis mein Vater wieder zurück war und mir helfen konnte, wenn ein Abschnitt mir schwer von der Hand fallen würde.
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