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Thema: [A MATTER OF TIME] Gamble Games - Kyle O'Mara / Reifa Sheriiba

  1. #1

    Standard [A MATTER OF TIME] Gamble Games - Kyle O'Mara / Reifa Sheriiba

    Dies ist eine Geschichte, die von den Spielern von Reifa Sheriiba und Kyle O'Mara gespielt wird und ist diesen vorbehalten. Neueinsteiger können hier nur auf Anfrage / Einladung einsteigen. Für weitere Informationen wendet ihr euch bitte an die Spielleitung.



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    Posts aus dem alten Forum
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    Reifa Sheriiba



    *** Platziert nach der Belagerung durch die Barakass/Genii während des Zeitsprunges***

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    Ein paar weitere hastige Schritte, eine weitere Biegung.. und noch immer sah sie niemanden hinter sich. Scheinbar hatte sie ihre Bewacher abgehängt. Oder sie hatten ihr Verschwinden noch gar nicht bemerkt, so sehr wie sie sich in das Gespräch vertieft hatten.
    Und diese Chance hatte sich Reifa natürlich nicht entgehen lassen. Die ersten zwei Tage gut benehmen hatten ihr diese Chance schließlich eingebracht.

    Den Flur hinter sich noch einen Moment beobachtend schlich sich ein zufriedenes Grinsen auf ihr Gesicht und sie entspannte sich sichtlich, ihren Weg nun weit weniger gehetzt fortsetzend.
    Sie hatte keine Ahnung, wo genau sie war. Wie man die seltsamen kleinen Räume bediente, die einen an einen anderen Ort in der Stadt brachten hatte sie bereits herausgefunden, nachdem sie es ein-oder zweimal beobachten konnte. Aber wo er sie hingebracht hatte, wusste sie nicht. Aber es waren keine Schritte zu hören, und so begann sie, neugierig und etwas aufmerksamer den Flur zu erkunden.


    Kyle O'Mara

    Der kleine Turm, der aussah wie gedrechselt – 820 Meter Distanz, die Plattform an der Erdungsstation darunter – 1270 Meter, der umlaufende Balkon an dem größeren Gebäude auf zwei Uhr 950 Meter …
    Drei Seiten umfassten seine Notizen allein zu diesem Standort inzwischen – ergänzt um eine kurze Planskizze - und mehrere Beobachtungsposten standen noch aus. Sollte Kyle jemals gezwungen sein, von hier oben auf irgendetwas oder irgendwen zu schießen, so war er jedenfalls gut vorbereitet. Der Wind war bockig und verwirbelte zwischen den Gebäuden, was einen sicheren Schuss nicht gerade leicht machen würde.
    Er legte das Zielfernrohr mit dem eingebauten Laserdistanzmeßgerät beiseite und griff nach seiner Thermoskanne, in der sich Cappuchino aus seiner eigenen italienischen Kaffeemaschine befand. Frisch schmeckte der zwar besser, aber solange die Arbeit nicht fertig war, musste es so gehen.


    Reifa Sheriiba


    Leisen Schrittes aber doch zügig schlich sie den Flur entlang. Etwas weiter vorne flutete Licht durch ein hohes Fenster auf das sie kurzerhand zusteuerte, doch schon der erste Blick ließ sie schlagartig wieder einen Schritt zurückweichen.
    Zum Einen war es kein Fenster, sondern eine Art Galerie ohne Verglasung, zum Anderen befand sie sich in für ihr Empfinden schwindelerregender Höhe. Einen Moment den Schreck niederatmend schluckte Reifa und blickte auf das Panorama dahinter.
    Der Blick ging in Richtung Stadtmitte und gab ihr immerhin einen Anhaltspunkt, wo genau sie sich befand, und von der Distanz her musste sie auf einem der äusseren Piers sein. Was sich schon mal in mehrere Informationen umsetzte: die Wahrscheinlichkeit, jemandem zu begegnen war sehr gering. Die Wahrscheinlichkeit, etwas Wertvolles zu finden damit aber auch. Es sei denn, es war ein Bereich den die Menschen noch nicht erforscht hatten, aber das war sehr fraglich.


    Kyle O'Mara

    Nach dem zweiten Schluck Cappuchino waren leise Schritte zu hören, die sich erst näherten und dann schlagartig verstummten. Kyle leerte den Becher zügig und schraubte ihn wieder auf die Kanne. Es blieb still. Von seinem Sitzplatz aus konnte er nicht sehen, wer der Urheber der Schritte war. So weit außerhalb des bewohnten Bereichs konnte es nur jemand sein, der vermutlich ebenfalls nur in Ruhe gelassen werden wollte. Vielleicht Lorne – Kyle hatte von anderen hier stationierten Kameraden aufgeschnappt, dass der Major in seiner Freizeit zu malen pflegte und sich daher oft irgendwo an exponierten Stellen im Stadtbereich herumtrieb. Da er keinerlei Lust verspürte, jemandem zu erklären, was er hier tat und warum, schnappte er seine Sachen und rutschte ein Stückchen weiter in den Schatten eines Gebäudevorsprungs über ihm. Vielleicht hatte er ja Glück und blieb unbemerkt.


    Reifa Sheriiba
    Nach dem ersten Schrecken riskierte Reifa dann doch noch einen genaueren Blick, um ihren Standort festzustellen. Weit unterhalb hörte man die Brandung gegen das Fundament der Stadt schlagen und die Luft brachte den Geruch von Seeluft mit sich. Das Zweite, das sie auf den Tod nicht ausstehen konnte abgesehen von Höhe.. Wasser. Viel Wasser. Zu viel Wasser.

    Naserümpfend trat sie von der Galerie weg und entschied sich, den Weg den Flur entlang fortzusetzen. Keine 20 Meter weiter war eine Tür, an der sie sich versuchte, doch sie bleib verschlossen.
    Das musste ja wohl einen Grund haben..
    //Herausforderung angenommen// dachte sie sich, und bedachte die Tür mit einem entschlossenen Blick, ein weiteres Mal mit der Hand über das leuchtende Panel fahrend wie si

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    Nach dem ersten Schrecken riskierte Reifa dann doch noch einen genaueren Blick, um ihren Standort festzustellen. Weit unterhalb hörte man die Brandung gegen das Fundament der Stadt schlagen und die Luft brachte den Geruch von Seeluft mit sich. Das Zweite, das sie auf den Tod nicht ausstehen konnte abgesehen von Höhe.. Wasser. Viel Wasser. Zu viel Wasser.

    Naserümpfend trat sie von der Galerie weg und entschied sich, den Weg den Flur entlang fortzusetzen. Keine 20 Meter weiter war eine Tür, an der sie sich versuchte, doch sie bleib verschlossen.
    Das musste ja wohl einen Grund haben..
    //Herausforderung angenommen// dachte sie sich, und bedachte die Tür mit einem entschlossenen Blick, ein weiteres Mal mit der Hand über das leuchtende Panel fahrend wie sie es bei anderen gesehen hatte, doch ein weiteres Mal erklang die verweigernde Tonfolge.
    "Verdammt..."
    Dann eben mit Gewalt? In den Vertiefungen Halt suchend zog und zerrte sie an der Tür, doch auch dann rührte sich nichts..
    Einem Geistesblitz folgend fing das leuchtende Panel wieder ihren Blick, und mit einem Handgriff hatte sie das Messer zur Hand, das sie weit vorher aus der Kantine schon stibitzt hatte und begann, damit an der Abdeckung herumzuhantieren.



    Kyle O'Mara


    Nach einer relativ langen Pause entfernten sich die Schritte wieder. Kyle entspannte sich, blieb aber, wo er war, um sicherzugehen, dass die Person auch tatsächlich weg war. „Aussitzen“ hatte Mick das immer genannt und er war ein Meister darin gewesen, wenn ihnen nach einem erfolgreichen Personentreffer der Rückweg abgeschnitten wurde. Mick hatte dann kurzerhand ein Versteck für sie beide gesucht, in dem sie ausgeharrt hatten, bis die Suchtrupps wieder verschwunden waren – plus einen Tag um sicherzugehen, dass sie auch wegblieben. Manchmal war man ihnen so nah gekommen, dass jemand buchstäblich auf ihnen stand, aber Micks Verstecke waren immer absolut sicher gewesen – solange man die Nerven behielt und sich nicht verriet.
    Aus der Entfernung erklang das Geräusch einer Tür, die sich nicht öffnen lassen wollte – einmal, mehrmals ... Kyle hob eine Augenbraue. Die Stadt hatte bereits ungebetene Gäste gehabt, das war ihm bekannt. Sollte hier jemand am Werke sein, von denen bisher niemand etwas wusste ? Er schob Schreibsachen, Zielfernrohr und Thermoskanne in eine versteckte Ecke und erhob sich leise. Die entsicherte HK Mark 23 in der Hand schlich er sich lautlos und im Sichtschutz einer Wandverkleidung bis dorthin, wo er in den Flur spähen konnte. Ein Stück den Gang hinunter stand eine eindeutig menschliche Gestalt mit dem Rücken zu ihm und war damit beschäftigt, die Abdeckung eines Türpanels mit einem Messer abzuhebeln. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt, schien aber definitiv weder Genii noch Barakass zu sein.
    Kyle beobachtete eine Weile, wie sie sich abmühte, ohne recht Erfolg zu haben. Die Waffe zwar auf die Fremde gerichtet, stand er alles in allem relativ locker da, dann beschloss er, sich bemerkbar zu machen.
    „Mein Ausbilder pflegte immer zu sagen, wenn rohe Gewalt dich nicht weiterbringt, nimm einen größeren Hammer“, meinte er trocken.



    Reifa Sheriiba


    Aufgeschreckt ließ Reifa das Messer klappernd zu Boden fallen und fuhr zum Ursprung der Stimme herum, wie versteinert die Person anstarrend die dort an der Ecke stand. So, als habe er sie schon länger beobachtet.
    Was ihr aber nicht entging, war die Waffe die er locker aber deutlich sichtbar mit sich trug, genauso wie diese bestimmte Ausstrahlung an Überlegenheit.
    //Erwischt...// schoss es ihr durch den Kopf, und der Konter ihrer inneren Stimme folgte auf der Stelle: Angriff ist die Beste Verteidigung..
    "Aha.. guter Tipp.. leider hab' ich keinen Hammer. Aber vielleicht geht's ja mit der Waffe da.."
    Mit einem Kopfnicken deutete sie auf eben selbige.
    "Oder schleichen sie prinzipiell Frauen hinterher?"


    Kyle O'Mara


    So wie die junge Frau herumfuhr, das Messer fallen ließ und ihn entgeistert anstarrte, war ihr Tun ganz und gar nicht richtig, was Kyle wiederum darin bestärkte, dass es gut gewesen war, dem Geräusch nachzugehen. Die Sache fing an, ihm Spaß zu machen, und er grinste vor sich hin, als die Fremde sich jetzt zu einer Antwort durchrang – zu einer reichlich frechen Antwort, aber gerade das gefiel ihm.
    „Es gibt immer zwei Methoden zu jagen – die einen gehen auf die Pirsch, die anderen legen sich auf die Lauer. Ich bin ja mehr der Typ für letzteres. Zuviel Bewegung ist ungesund.“


    Reifa Sheriiba

    Der Kerl schien wirklich ziemlich selbstsicher... zumindest gab er sich unbeeindruckt und unbekümmert.
    //Tja, nicht schwer wenn man bewaffnet war// gab ihr kleines böses Stimmchen dazu und sie grinste schief und leicht abschätzend.
    Ihm immernoch zugewandt ging sie in die Hocke und nahm das Messer wieder auf, ließ ihn jedoch nicht aus den Augen. Er hatte die Ausstrahlung eines Jägers, die Ruhe, aber auch die Aufmerksamkeit, deswegen überraschte sie sein Kommentar nicht wirklich.
    "Verstehe.. und auf was für Beute bist du dann aus.. wenn du jungen Frauen hinterherschleichst?"


    Kyle O'Mara


    Ihn ununterbrochen im Blick behaltend ging sie langsam in die Hocke, um das Messer aufzuheben. Scheinbar war sie nicht ganz sicher, ob er Einwände hatte oder ihr das erlauben würde, aber Kyle beschloss, sie erst einmal gewähren zu lassen. In dieser Entfernung von ihm war das Messer für jemanden, der auf der Hut war, ein kalkulierbares Risiko. Und auch auf kürzere Distanz war die Abwehr einer Stichwaffe nichts, was er nicht in der Ausbildung wieder und wieder trainiert hatte. Kein Grund zur Beunruhigung also.
    „Beute … ist uninteressant“, zuckte er die Schultern. „Vielleicht wollte ich einfach nur schauen, wer hier sonst noch herumschleicht ?“


    Reifa Sheriiba


    Es war ein gegenseitiges Taxieren.. der Mann stand ihr noch immer locker und unbekümmert gegenüber und ließ aber in keiner Weise seine Intentionen erkennen, ließ sich in keiner Weise einschätzen.
    Jemand also, der wusste was er tat und wusste, wie man spielte... und Reifa zur größten Vorsicht rief.
    Sie kannte solche Leute.. gehörte selbst zu eben denjenigen, denen Listen und Tricks täglich das Überleben sicherten. Und die andere gerne ein wenig nach ihrer Pfeife tanzen ließ, am besten wenn diejenigen das erst einmal gar nicht so empfanden.
    "Na, ich würde sagen dann kannst du mit dir schon mal anfangen. Ausserdem ist es nicht nett, sich einfach anzuschleichen, und für ein Date ist das ein wirklich lausiger Ort. Vor allem, wenn man sich nicht einmal vorstellt."
    Etwas tun zu wollen schien er ihr nicht, und zu ihrem Wachpersonal schien er also auch nicht zu gehören. Wieso also nicht etwas austesten, ob er wirklich so gut war im Spielen?


    Kyle O'Mara

    Sie belauerte ihn, versuchte ihn aus der Reserve zu locken. Kyle kannte diese Art von Spielchen. Es war Lobos Paradedisziplin gewesen und auch wenn die Art und Weise, wie der Halb-Indianer Gefangenen die Informationen entlockte, Kyle oft genug angewidert hatte, so musste er dem ehemaligen Kameraden doch Respekt für seinen Erfolg zollen. Oft genug hatten ihnen die Informationen, die sie bekamen, das Leben gerettet.
    Er lehnte sich locker gegen die Wand des Flurs – die Waffe unverändert auf sie gerichtet - und beobachtete die Frau aufmerksam.
    „Nett zu sein stand nicht in meiner Jobbeschreibung …“ grinste er. Nicht bei jemandem, auf dessen Kopf die Al Kaida mittlerweile eine sechsstellige Summe ausgesetzt hat.
    „Und an dem Ort können wir was ändern.“ Er deutete mit der linken Hand in die Richtung, aus der die Frau gekommen war. „Dort entlang geht’s zur Stadtmitte … aber das weißt du ja sicher.“


    Reifa Sheriiba


    Reifa beobachtete seine Handlungen genau. Wie er sich so lässig und unbekümmert gegen die Wand lehnte - als ob ihm nichts in der welt etwas anhaben könnte. Als habe er die Situation vollkommen unter Kontrolle. Oh ja, Spielchen... da hatte sie scheinbar einen Gleichgesinnten gefunden, und einen Herausforderer.
    Und alleine ihr Stolz ließ es nicht zu, dass sie sich davor drückte.

    „Nett zu sein stand nicht in meiner Jobbeschreibung …“
    Reifa rümpfte angewidert die Nase.
    "Ah.. ja, verstehe. Also so ein stumpfsinniger Befehlsempfänger, der für alles und jeden eine Anweisung braucht." konterte sie mit einem frechen Schmunzeln.
    "Von dieser dressierten Sippschaft laufen hier ja mehrere Exemplare herum." fuhr sie fort, den Kopf leicht schief gelegt.

    „Dort entlang geht’s zur Stadtmitte … aber das weißt du ja sicher.“
    ...Und er lieferte ihr auch noch so schön Zündstoff...
    "Achso.. dir hat keiner gesagt wo du abbiegen musst. Ja, ich weiß wo's zur Stadtmitte geht. Aber die Info kostet. Und dich hinführen werd ich auch nicht. Ich hab zu tun."



    Kyle

    Etwas in der Art, wie die Fremde stolz den Kopf hob und die Nase kraus zog, erinnerte Kyle an seine Schwester, die er oft genug geneckt hatte. Wenn sie so dreinschaute, war sie angesäuert und wollte provozieren. Er musste sich zusammenreißen, um nicht zu lachen, als die Fremde genau auf die gleiche Weise reagierte.
    Stumpfsinniger Befehlsempfänger ? Dressierte Sippschaft ? Mädel, wenn du wüsstest, wie falsch du da liegst. Aber laß mich raten, du gehörst zu der Sorte, die mit dem Militär absolut nichts am Hut haben, was ? Militante Anti-Militaristin ? Fein, dann sind die Fronten ja klar.

    „Achso.. dir hat keiner gesagt wo du abbiegen musst. Ja, ich weiß wo's zur Stadtmitte geht. Aber die Info kostet. Und dich hinführen werd ich auch nicht. Ich hab zu tun.“
    „Zu tun ?“ Kyle grinste. „Tür-Panels mit dem Messer abbauen? Das ist wichtig. Seh ich ein. Aber das muss jetzt trotzdem warten, weil wir nämlich erst einmal bei der dressierten Sippschaft nachfragen, warum sie dir kein passendes Werkzeug mitgegeben haben, wenn sie dich schon auf so eine anspruchsvolle Mission schicken.“
    Er deutete mit dem Kopf in Richtung Transporter. „Dann lass uns mal lostraben. Ich hab nämlich auch noch zu tun …“



    Reifa


    Reifa entging nicht die leichte Veränderung in der Mimik des Mannes, der es noch immer vorzog, der geheimnisvolle Namenlose zu sein. Beinahe glaubte sie, so etwas wie ein amüsiertes Funkeln zu sehen, wobei es sie sehr interessierte was an ihr ihn denn jetzt so erheiterte. Oder machte er sich im Stillen über irgendwas lustig?

    Zumindest unterstrich es seinen Versuch, deutlich zu machen dass er die Situation unter Kontrolle hatte, und das alleine ärgerte sie nicht nur ein wenig.
    Deswegen war ihr fast klar, dass er ihren Konter nicht unbeantwortet lassen würde und schlug wortgewandt zurück. Also doch eine kleine Herausforderung... schoss es diesmal ihr mit einem kleinen Schmunzeln durch den Kopf.
    Und definitiv machte er sich über sie lustig.

    "Die Antwort kann ich dir auch geben. Ich hatte durchaus passendes Werkzeug, aber das haben mir eure Genies abgenommen, und mit Sicherheit sind die grade dabei, alles in seine Bestandteile zu zerlegen abgesehen davon dass das Diebstahl war. Und ich bin mir sicher, dass sie die Hälfte dabei kaputt machen. Also muss ich mir doch behelfen."

    Er dachte doch nicht ernsthaft, dass sie einfach so mitkommen würde? Schön, er tat wie der Hahn im Korb und ja, sie gestand ihm immerhin zu dass er sie überrascht hatte. Sollte er sich mal nicht so aufspielen.
    "Also trab du mal alleine, ich will dich nicht aufhalten. Ich komm' schon alleine klar." sprachs, hob flüchtig die hand in einer halbwegs grüßenden Geste und wandte sich ab, unbehelligt den Flur in die andere Richtung weitergehend und die Biegung ansteuernd.


    Kyle

    So so, du hast Werkzeug dabei gehabt, was man dir abgenommen hat ? Werkzeug wofür ? Zum Türen-öffnen ? Hochinteressant !
    Was die junge Frau da erzählte, bestärkte Kyle mehr und mehr in der Gewissheit, hier ganz bestimmt keine harmlose Atlantis-Bewohnerin vor sich zu haben, die nur ihren Schlüssel vergessen hatte. Dazu kam noch die Formulierung „eure Genies“, die ganz deutlich machte, dass sie sich nicht als zur Atlantis-Besatzung zugehörig fühlte. Kyle blieb auf der Hut, doch ihre nächste dreiste Aktion verschlug ihm glatt für einen Moment die Worte.

    „Also trab du mal alleine, ich will dich nicht aufhalten. Ich komm' schon alleine klar.“
    Ihn kurzerhand ignorierend marschierte sie in die entgegensetzte Richtung davon. Eine Sekunde lang schaute er ihr über den Lauf seiner Pistole hinterher, dann nahm er bewusst den Zeigefinger vom Abzug und senkte die Waffe. Genug Leuten in den Rücken geschossen … das ist vorbei … ein für allemal vorbei …

    Die mittlerweile gesicherte Waffe wanderte ins Holster und während die Frau hinter der Gangbiegung verschwand, trat Kyle durch den Mauerdurchbruch auf die Galerie hinaus. Von seinen Erkundungsgängen her wusste er inzwischen, dass der Gang drinnen einige Biegungen machte und dann in einer großen Halle endete, ohne dass es vorher weitere Abzweigungen gab. Von dort aus führten mehrere Gänge in verschiedene Richtungen davon. Die Galerie führte außen am Gebäude entlang um eine Ecke herum und führte dann mit einem weiteren Mauerdurchbruch direkt in die große Halle. Wenn er sich beeilte, würde er vor der jungen Frau dort sein. Da der Gang drinnen keine weiteren Fenster hatte, konnte sie ihn auch nicht sehen. Grinsend legte Kyle einen kurzen Sprint über die Galerie ein und blieb an dem zweiten Mauerdurchbruch kurz lauschend stehen. Von der jungen Frau war noch nichts zu sehen, doch ihre Schritte waren bereits zu hören.
    Er schlich sich hinein und drückte sich links neben der Gangmündung, aus der sie die Halle betreten musste, an die Wand. Die Schritte kamen näher, eilig jedoch nicht rennend – und mit gelegentlichen Pausen, als wenn sie sich umschaute oder auf einen Verfolger lauschte. Dann war sie plötzlich da, ging ohne ihn zu bemerken zwei Schritte an ihm vorbei in die Halle und blieb stehen, um sich zu orientieren. Kyle hielt den Atem an und machte einen geräuschlosen Schritt, der ihn direkt hinter sie brachte.
    „Buh !“ flüsterte er in Höhe ihres linken Ohres.


    Reifa


    Ohne sich noch einmal umzusehen hatte sie sich davon gemacht. Dreist war noch immer der beste Angriff, denn die meisten Menschen rechneten ganz einfach nicht damit. Es war ein unerwarteter Zug, und gerade deswegen kam man damit einfach meistens durch.
    Oder gewann zumindest so viel Zeit, um sich etwas einfallen zu lassen. Es ging doch immer um verarschen und verarscht werden...
    Zügig hatte Reifa den Flur durchquert und war der Biegung gefolgt. Erhoffte Abzweigungen waren ausgeblieben, aber sie hörte keinerlei Schritte hinter sich. Stand er also noch immer in Schockstarre dort im Flur? Oder hatte er sich entscheiden, sie nicht zu verfolgen?

    Nach einer weiteren Biegung kam sie an der Schwelle einer großen Halle zum Stehen. Naja, es handelte sich weniger um eine Halle, als vielmehr eine Öffnung des Flures in hohe Decken und erweiterte Wände, assymetrisch angelegt mit Säulen und Ornamenten und den seltsamen Wassersäulen, die sie schon mehrmals gesehen hatte, doch fingen vor allem die Durchgänge ihren Blick, die auf der anderen Seite der Halle abgingen.

    Misstrauisch blickte sie noch einmal über ihre Schulter und lauschte. Es machte sie stutzig, dass er ihr nicht gefolgt war. Irgendwie misstraute sie ihm.. er hatte nicht gewirkt wie jemand, der so einfach klein bei gab. Aber keinerlei Schritte waren zu hören.
    Hmm..

    Den Gedanken abschüttelnd setzte sie an, die Halle zu durchqueren und den nächsten Durchgang anzusteuern, doch...

    ...stellte sie dann fest, wer hier mit wem spielte...

    "Buh !"

    Aus reinem Schreckreflex versteifte sie sich und stieß ihren linken Ellbogen nach hinten, um fast zeitgleich die Bewegung in eine Körperdrehung über die linke Seite zum Ursprung des Geräusches fortzusetzen.



    Kyle

    Drei denkbare Reaktionen auf seine kleine Gemeinheit standen Kyle vor Augen: Angriff, Flucht oder einfach nur ein bodenloses Erschrecken. Letzteres war die gängige Erfahrung, die er mit seiner Schwester gemacht hatte. Aileen hätte bei dieser Aktion jetzt laut aufgeschrien und alles von sich geworfen, was sie in Händen hielt. Die junge unbekannte Frau hingegen bewies eine erhebliche Besonnenheit und auch ein Quentchen Kampfgeist, als sie mit dem Arm nach Kyle stieß und sich gleichzeitig rasch herumdrehte. Ihrem Ellenbogen reflexartig ausweichend sah er im Augenwinkel, dass sie in der rechten Hand noch das Messer hielt, das durch die Drehung jetzt auf ihn zukam. Es war zwar eindeutig kein gezielter Angriff, doch beschloss Kyle, dass er nicht unbedingt abwarten wollte, bis ein Angriff daraus wurde.

    Mit seiner Linken umfasste er ihr rechtes Handgelenk und hielt ihren Arm auf Abstand zu sich – fest genug, dass sie sich nicht einfach losreißen konnte, und bereit beim ersten Anzeichen von Gegenwehr fester zuzudrücken. Trotz ihres Temperaments hoffte er, dass sie vernünftig genug war, nicht dagegen anzugehen. Aufmerksam behielt er sie im Auge.
    „Laß es fallen …“ meinte er ruhig und ohne den leisesten Funken der Blödelei von vorhin. „Bitte! Ich möchte dir echt nicht wehtun.“



    Reifa


    Ihre Reaktion war reiner Reflex gewesen, was darin resultierte dass sie ebenso erschrocken war wie all der Jux und die leichtfertige Spielerei aus der Stimme des Mannes verschwunden war. Stattdessen blickte sie in ein paar klarer, warnender und unergründlicher Augen, die keinerlei Zweifel oder Zögern zeigten, sondern ruhige Entschlossen- und beherrschtheit als stille Warnung fürdas, was hinter diesem undurchdringlichen Blick mitschwang.
    “Lass' es fallen..“
    Die ruhigen aber eindringlichen Worte standen in vollkommenem Kontrast zu seiner vorherigen Mentalität, und aber erst dieser Satz und der feste Griff um ihr Handgelenk ließ ihr klar werden was er meinte, und ebenso überrascht blickte sie auf das Messer in ihrer Hand.

    Mit einer Spur aufflammenden Trotzes hob sie wieder den Blick, doch zwang sein unnachgiebiger Griff sie dazu, das Messer klappernd fallen zu lassen. Wider Erwarten s ch eiterte ihr Versuch danach, sich loszureissen darin, dass er den Griff dennoch nicht lockerte.

    “Lass' mich los..“ forderte sie und zog gegen seinen Griff, “Ich habs fallen lassen, also lass mi ch los! Was willst du von mir? Ich warne dich, ich schreie um Hilfe!“
    Wie eine widerspenstige Katze wand sie sich und zerrte an ihrem Handgelenk, mit dem Fuss nach seinem Bein zu treten.


    Kyle


    Innerlich erleichtert, obwohl er sich das nicht anmerken ließ, verfolgte Kyle, wie sie das Messer fallen ließ. In ihren Augen konnte er sehen, wie erschrocken sie war. Offenbar kam sie mit ihrer dreisten Art bei anderen Gelegenheiten ohne große Gegenwehr durch. Es war nicht das erste Mal, dass er so einen Blick sah. Die Erkenntnis, dass das Gegenüber jetzt ernst machte und nicht mehr zum Scherzen aufgelegt war, jagte vielen Leuten nicht unwesentlich Angst ein. Sie tat ihm fast ein wenig leid, aber zum Entschuldigen war später bestimmt noch Zeit.

    Ihr Zappeln und Treten vorerst ignorierend schob er sie langsam zwei Schritte nach hinten, so dass er das auf dem Boden liegende Messer erreichen konnte und schubste dieses mit dem Fuß schwungvoll hinter sich. Dann ließ er sie los und zog sich wieder etwas zurück, die Hände zum Zeichen, dass er ihr nichts tun wollte, etwa auf Ellenbogenhöhe erhoben.

    „Kein Grund zur Panik. Ich hab nicht vor, dir etwas zu tun. Können wir uns jetzt mal vernünftig unterhalten ? Ohne Messer und ohne Weglaufen ?“

    Er legte den Kopf schief und betrachtete sie von oben bis unten.
    „Du gehörst weder zu den Athosianern noch zur wissenschaftlichen Besatzung, sonst hättest du es nicht nötig, die Türen damit aufzumachen“, deutete er mit dem Finger in Richtung des Messers, das ein gutes Stück hinter ihm auf dem Boden lag. „Nach Barakass oder Genii siehst du mir auch nicht aus, also was soll die kleine Show hier ?“


    Reifa

    „Kein Grund zur Panik. Ich hab nicht vor, dir etwas zu tun. Können wir uns jetzt mal vernünftig unterhalten ? Ohne Messer und ohne Weglaufen ?“
    Nachdem er sie freigelassen hatte ging Rei automatisch drei Schritte auf Abstand und sah ihn missbilligend an.

    Die Fronten hier waren klar definiert... er hatte sie nicht losgelassen weil sie sich erfolgreich gewehrt hatte, sondern weil er es so gewollt hatte. Während sie nur geblufft hatte, hatte er die Situation wirklich unter Kontrolle. Das musste sie eingestehen, ob sie wollte oder nicht.
    Er hatte seine Überlegenheit klargestellt, stellte diese Tatsache aber auf eine höfliche, beinahe ritterliche Art nicht offen zur Schau und blieb defensiv. Ein Grund mehr dass sie ihn argwöhnisch musterte, jedoch tatsächlich keinen weiteren Fluchtversuch unternahm.

    „Du gehörst weder zu den Athosianern noch zur wissenschaftlichen Besatzung, sonst hättest du es nicht nötig, die Türen damit aufzumachen“
    //Gut beobachtet..// kommentierte sie ungehört, und rührte sich nicht von der Stelle. Auf der anderen Seite aber ließ sie ihn auch nicht aus den Augen.

    "Das hier ist keine 'kleine Show'... " konterte sie und verschränkte die Arme vor der Brust. "Ich hab' nur genug davon, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, als würde ich jeden Moment irgendwen umbringen. Wenn's nach mir ginge, dann wäre ich auch schon längst nicht mehr hier, aber man kriegt eben nicht immer alles was man will. Und hätte eure 'wissenschaftliche Besatzung' mir meine Sachen nicht gestohlen, müsste ich tatsächlich nicht das Messerchen da benutzen.."

    Reifa war klar dass sie ihm gar nicht erst groß etwas vorschwindeln musste. Er wusste dass sie zwielichtige Absichten hatte und nicht einfach nur 'falsch abgebogen' war.

    Abgesehen davon dass ihren beiden Bewachern mit Sicherheit längst aufgefallen war, dass ihr Job sich davon gemacht hatte und diese Gorillas jeden Moment um die Ecke kommen konnten.. wobei sie dafür hier in der Stadt wissen mussten, wo sie hin war.


    Kyle


    Unmittelbar nachdem Kyle sie losgelassen hatte, ging die junge Frau demonstrativ auf Distanz. Ihr tadelnder Blick sprach Bände. So forsch wie sie sich vorher gegeben hatte, rechnete Kyle fest damit, jetzt eine Standpauke oder ein paar Beleidigungen einstecken zu müssen. Und richtig, jetzt verschränkte sie die Arme vor der Brust und schaute schon wesentlich weniger eingeschüchtert drein als vorher.

    „… Ich hab' nur genug davon, auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden, als würde ich jeden Moment irgendwen umbringen. Wenn's nach mir ginge, dann wäre ich auch schon längst nicht mehr hier, aber man kriegt eben nicht immer alles was man will. …“

    Ich habs satt, dass mir ständig einer nachrennt und auf mich aufpasst wie auf ein kleines Kind … In Kyles Gesicht zuckte es kurz. Fünfzehn Jahre war es her und doch schien es ihm, als wäre es gestern, dass er diese Diskussion mit seinem Vater geführt hatte - wieder und wieder das gleiche Thema und doch ohne Chance, je zu gewinnen. Er verdrängte die Erinnerungen und sammelte sich wieder.

    „Vielleicht verfolgt man dich auch nur um zu verhindern, dass du Türen auf diese Weise aufmachst ?“ Mit einem kleinen eher unauffälligen Sidestep positionierte er sich so, dass sie weder links noch rechts an ihm vorbei zu einem der Ausgänge gelangen konnte, ohne in seine Reichweite zu geraten.
    „Es beantwortet immer noch nicht die Frage, wer du bist. Und wo hast du deine Verfolger eigentlich gelassen ?“ fragte er ruhig. Langsam begann der Ernst in seiner Stimme abzubröckeln.
    Umgebracht vermutlich nicht, sonst hätte es bestimmt Alarm gegeben. Aber wenn die solche Alleingänge verhindern sollten, werden die jetzt sicherlich ziemlich stinkig sein.
    „Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich dich jetzt zu ihnen zurückbringen oder lieber vor ihnen verstecken sollte.“



    Reifa


    Sein erster Kommentar und die spöttelnde Note darin ernteten von ihr einen schmollenden verärgerten Blick und den Hinweis, dass sie sich nur mit Mühe einen bissigen Kommentar dazu unterdrückte.
    Diesen Ton und dieses Verhalten kannte sie von einer anderen Person...einer Person die sie so lange nicht mehr gesehen hatte dass die Erinnerung daran wie aus einem Traum wirkte. Denn die Welt zu der die Erinnerungen gehörten, existierte genausowenig mehr wie ein Traum der im Aufwachen verblasste und einen Moment schmerzte sie diese Ähnlichkeit.

    Und aber ärgerte es sie, dass sich dieser Kerl genauso aufführte wie eben diese Person.
    „Es beantwortet immer noch nicht die Frage, wer du bist. Und wo hast du deine Verfolger eigentlich gelassen ?“
    "Ganz schön viele Fragen auf einmal. Bist du immer so neugierig? Anderswo kann das ganz schön ungesund sein..."

    Weder an ihrer Position noch an ihrer Haltung etwas ändernd legte sie lediglich den Kopf etwas schief. Wieder war da diese leicht verspielte Nuance, die durch sein Verhalten durchdrang, doch der Blick aus diesen unergründlichen Augen blieb der Gleiche.
    Was sie allerdings völlig überrumpelte war dieser letzte Kommentar, denn diesen Gedankengang verstanden wohl nur Männer.
    "Mich vor ihnen verstecken?!?" echoete sie und sah ihn fassungslos an, ehe sie den Kopf schüttelte.
    "Ich weiß nicht was du geraucht hast... erst verfolgst du mich und jetzt willst du mein Komplize werden? Wird der Job hier so schlecht bezahlt?" war es diesmal ihre Stimme, die einen leicht belustigten Ton heraushören ließ.


    Kyle

    „Wird der Job hier so schlecht bezahlt?“
    „Jetzt bist du es, die zu neugierig ist …“ Amüsiert registrierte Kyle, dass er es offensichtlich geschafft hatte, sie zu verblüffen. „Aber Komplize – nein danke – da mach dir mal keine Hoffnungen. Ich habe mir nur gerade so vorgestellt, was für eine Laune die Jungs haben werden, denen du entwischt bist. Wenn ich das wäre, hätte ich nicht wenig Lust, dich übers Knie zu legen …“ Er betrachtete sie kurz nachdenklich. In seinen Augen funkelte es vor Vergnügen, während er sich das bildlich vorstellte. … und verdient hättest du es allemal …
    „Da ich aber nicht weiß, welches Maß an guten Manieren deine Wachen einer Dame entgegenbringen, wäre es vielleicht sicherer, mit der Rückkehr zu warten, bis die sich etwas beruhigt haben.“

    Kyle stützte die Hände in die Hüften und verzog das Gesicht zu einem etwas verlegenen, schiefen Grinsen, als ihm etwas einfiel.
    „Wo wir gerade bei den guten Manieren sind … tut mir leid, falls ich dir wehgetan habe. Manche Reflexe sind einfach sehr … hm … tief verwurzelt.“
    Alles in allem hast du noch Glück gehabt – Lobo oder Ham hätten dir vermutlich ohne zu zögern den Arm gebrochen, damit du das Messer loslässt.
    „Okay, wenn dir zwei Fragen zu viel sind, dann fangen wir vielleicht zuerst mit einer ganz einfachen an: nämlich die Frage, wer du bist. Mein Name ist Kyle O’Mara und ich verspreche dir, wenn du weiter mauerst, dann bring ich dich auf der Stelle zu deinen Wachen zurück, egal wie sauer die jetzt noch auf dich sind – und wenn ich dich über die Schulter werfen und rüber tragen müsste wie einen Mehlsack.“



    Reifa

    //Übers Knie legen? //
    Die Stirn gerunzelt und die Braue skeptisch gehoben, fragte sie sich einen Moment ob er sich das wohl gerade bildlich vorstellte - und wenn sie nach diesem unterschwelligen Ausdruck in seinem Gesicht ging... dann war die Antwort ein klares 'Ja'.
    "Das würde dir gefallen, hm?" entgegnete sie spöttisch und mittlerweile doch mehr mit einem Anflug von Schabernack als von Misstrauen und musterte ihn erneut, für das selbe Ergebnis das sie vorhin schon bekommen hatte.
    Er hatte bewiesen, dass er nicht an Ärger interessiert war , wohl aber sehr wohl in der Lage war, sich ganz schnell und unkompliziert durchzusetzen.
    "Wow.. ich hätte nicht gedacht, hier jetzt einen 'Beschützer' zu finden der so um mein Wohl besorgt ist. Aber .. ist nicht wirklioch meine Schuld, wenn eure Leute es einem so einfach machen, zu verschwinden. Ich konnte einfach nicht anders, das kann man einem da wirklich nicht übel nehmen.." gab sie mit einem leisen belustigten Ton zurück.

    Und obwohl er alleine mit seiner Körperhaltung und diesem leichten Unterton von Amüsement einen beinahe sorglosen und leichtfertigen Anschein machte, schwang das beherrschte Wissen um seine Fähigkeiten und ein blasser Hauch dessen in jeder seiner Bewegungen mit. Unsichtbar, aber nicht zu übersehen.
    Er spielte... und das gefiel ihr. Und sie spielte mit. Denn eines war mindestens genauso klar: hätte er gewollt, wäre sie längst wieder in ihrer Zelle. War sie aber nicht, also wieso nicht ein wenig mitspielen und sehen, was dabei rauskam?

    „Wo wir gerade bei den guten Manieren sind …"
    Diesmal war es an ihr, die Mundwinkel zu einem leisen Schmunzeln zu verziehen.
    "Dann hab' ich wohl noch Glück gehabt, dass du mich nicht doch übers Knie gelegt hast, hm?"
    Alleine seine Art brachte sie dazu, sich letztlich doch zu entspannen und ihre trotzige Haltung zumindest ein wenig abzulegen, denn dieser kerl machte sie nun doch neugierig. Eigentlich hatte sie wirklich erwartet, dass er sie gleich einfangen und ausliefern würde - sicherlich konnte er das jederzeit, aber bisher tat er das nicht.
    "... Du kannst das ja gerne mal versuchen. Schon mal von einem Mehlsack angefallen worden? ...und wenn ich dir jetzt mein Herz ausschütte, lande ich eben ein wenig später wieder bei meinen Verehrern, als ob ich das nicht wüsste.. aber sei's drum. Ich bin Reifa. Und ja, wie du schon festgestellt hast sollte ich nicht so auf freiem Fuss herumlaufen. Was heißt das jetzt für dich?"



    Kyle

    Ein Hauch von Unmut huschte über Reifas Gesicht, als Kyle andeutete, sie wie ein unartiges Kind übers Knie zu legen. Die Tatsache, dass ihn das auch noch amüsierte, schien sie erst recht zu ärgern. „Das würde dir gefallen, hm?“
    Er zuckte die Achseln und grinste breit. „Mir wahrscheinlich mehr als dir …“

    Sie nicht aus den Augen lassend beugte er sich kurz hinunter und hob ihr Messer auf. Er wog es kurz in der Hand und betrachtete die Klinge mit skeptischem Blick.
    „Beschützer würde ich das jetzt nicht gerade nennen. Sagen wir einfach, ich kann ganz gut nachvollziehen, wie du dich fühlst und wie sehr dir deine Aufpasser auf den Keks gehen. Das Ding hier …“ Er hielt das Messer kurz vor sich hin, bevor er es in seinen Gürtel schob, neben den Griff seines eigenen Messers. „… taugt nichts. Die Klinge ist viel zu schwach, die bricht bei der geringsten Verkantung ab.“

    Sie stand jetzt etwas lockerer vor ihm. Kyle registrierte die Veränderung, kannte Reifa aber nicht gut genug, um sie dahingehend einschätzen zu können und beschloss daher, weiterhin wachsam zu bleiben.
    „Dann hab' ich wohl noch Glück gehabt, dass du mich nicht doch übers Knie gelegt hast, hm?“
    Was nicht ist, kann ja noch werden, oder ? verbiss sich Kyle einen Kommentar und grinste nur.
    „ ... Du kannst das ja gerne mal versuchen. Schon mal von einem Mehlsack angefallen worden?“
    „Jetzt zitter ich aber …“ neckte er sie vergnügt – einfach nur, weil es Spaß machte, sie wieder zum Schmollen zu bringen. Gleichzeitig hoffte er, dass sie es nicht auf einen Abtransport anlegen würde. Mit der Rolle silbernen Panzertapes in seiner Beintasche wäre es ein Leichtes, sie ruhigzustellen, aber das würde er sich lieber für den alleräußersten Notfall aufheben.

    „Ganz ehrlich – ich kann dich weder dauerhaft verstecken, noch dir zur Flucht verhelfen, irgendwann früher oder später geht’s wieder zurück zu deinen „Verehrern“. Ich werde dir auch nicht helfen, Türen aufzubrechen und die Räume zu durchsuchen, aber weil ich ziemlich gut verstehe, wie du dich gerade fühlst, wollte ich dir eine kleine entspannte Auszeit von deinen Wachen anbieten. Ein bisschen draußen in der Sonne sitzen und reden, wenn du magst … einen Rest Cappuccino hätte ich auch noch. Was meinst du ?“


    REifa

    Reifa konnte - so sehr sie es auch versuchte - nicht abschätzen worauf er hinauswollte oder was er bezweckte... aber eben das machte sie neugierig.
    Er achtete sehr penibel darauf, was er preisgab, aber dennoch war ersichtlich dass er nichts unüberlegt tat, und dementsprechend eine Absicht verfolgte. Ihr war nur nicht klar, welche.

    Definitiv jedenfalls nicht, ihr irgendwas zu tun, so weit glaubte sie ihm zumindest. Aber er hatte definitiv eine seltsame und interessante Auffassung von Recht und Unrecht, wenn er sie hier jetzt so gewähren ließ.
    Nachvollziehen wie ich mich fühle? Die Braue gehoben musterte sie ihn, im Ansatz ein leichtes Kopfschütteln andeutend.
    Du hast nicht die leiseste Ahnung, aber mich würde interessieren, woher du glaubst das zu wissen...

    "Also... dafür dass du nicht meinen Komplizen spielen wiklst, kennst du dich ganz gut aus..." gab Reifa von sich, nach wie vor in nüchternem, analytischem Ton, mit einem Kopfnicken auf das Messer deutend und ganz genau verfolgend wo er es hinpackte. "Oder spricht da eine dunkle, zwielichtige Vergangenheit? Vielleicht geht es mit deinem Spielzeug ja besser..."

    So sehr sie es versuchte, sie wurde aus ihm nicht schlau. Aber seine ganze Art, sein Verhalten, waren eine stille Herausforderung an sie, und selbst wenn sie es gewollt hätte, aus ihrer Haut konnte sie nicht raus.
    "Also...." begann sie, mehr unbedarft ein paar gemächliche Schritte umher gehend und sich beiläufig umsehend, "Ich habe keine Ahnung was du eigentlich planst. Ganz offensichtlich gehörst du nicht zu diesen stummen, grobschlächtigen Wachhunden... und ich unterstelle dir jetzt einfach mal nicht, dass du im Geheimen auf mich angesetzt worden bist...
    denn mal ehrlich, so schlagfertig wie du bist wäre ein 'in der Sonne sitzen und ein' - was auch immer Katschino oder was auch immer ist... ein wirklich lausiger Versuch mich auszuhorchen..."
    Ein süffisantes, abwägendes Schmunzeln umspielte ihre Lippen, bevor sie mit der Schulter zuckte. "Ich bin also einverstanden. Wir können ja Wetten abschließen, wie lange das dauert bis diese Trampel hier auftauchen."

    Ein paar Schritte vor ihm blieb sie stehen, den Kopf leicht gehoben um ihm in die Augen zu sehen - schmunzelnd. "Und ich verspreche auch, mich zu benehmen, wenn das hilft."


    Kyle

    Seine Worte gaben Reifa zu denken. Kyle konnte buchstäblich erahnen, wie es in ihrem Kopf arbeitete und das wiederum bereitete ihm großen Spaß. Ein leichtes Kopfschütteln verriet, dass sie zu keinem für sie zufriedenstellenden Ergebnis kam, was ihn zusätzlich mit Genugtuung erfüllte, denn ihm ging es mit ihr nicht viel anders. Der aufmerksame Blick, mit dem sie verfolgte, wo er ihr Messer verstaute, warnte ihn jedoch mehr als deutlich, dass er weiterhin auf der Hut sein musste.

    „Also... dafür dass du nicht meinen Komplizen spielen willst, kennst du dich ganz gut aus … Oder spricht da eine dunkle, zwielichtige Vergangenheit? Vielleicht geht es mit deinem Spielzeug ja besser...“
    Kyle zuckte mit den Schultern. „Gut möglich, ich hab von sowas keine Ahnung“, log er ungeniert. Mädel, ein sehr wesentlicher Punkt der Scharfschützenausbildung besteht darin zu lernen, wie man unbemerkt von einem Ort zum anderen kommt. Türen knacken, Häuser stürmen und ähnliches lernt man dann obendrein bei der Delta. Vermutlich wäre ich ein fabelhafter Einbrecher, wenn ich das wollte, aber wenn ich Wert auf eine illegale Karriere gelegt hätte, wäre es einfacher gewesen, bei Dad anzuheuern statt zum Militär zu gehen.

    Als sie weitersprach, begann sie, ein paar Schritte hin und her zu gehen. Kyle verfolgte das aufmerksam, dabei gelegentlich seine Position leicht ändernd, so dass er ihr immer zugewandt dastand.
    „Also wenn ich im Geheimen auf dich angesetzt wäre, dann würde ich ganz bestimmt nicht hier stehen und mich mit dir unterhalten“, grinste er breit. Im Gegenteil !
    „Mein Plan ist eigentlich ganz einfach … wenn du noch keinen Cappuccino kennst, wird es höchste Zeit, diese Wissenslücke zu schließen. Sich dabei ein bisschen nett zu unterhalten, schadet bestimmt auch nicht – immerhin stammst du offensichtlich aus der Pegasus-Galaxie – und ich bin neu hier. Aus erster Hand ein wenig über Land und Leute zu erfahren, ist viel informativer als Berichte und Dokus durchzusehen.“

    Sie blieb vor ihm stehen und schaute ihm geradewegs in die Augen. Das Lächeln erwidernd vergewisserte Kyle sich, dass Pistole und Messer noch dort waren, wo sie sein sollten.
    Trampel ? Erst die dressierte Sippschaft, jetzt das. Du hast wirklich keine hohe Meinung von den Leuten, mit denen du so zu tun hast, oder ?
    „Wenn ‚Benehmen‘ bei dir bedeutet, dass du mich weder beklaust noch einen Fluchtversuch machst, dann bin ich einverstanden.“ Er machte eine Handbewegung in Richtung des Ganges, aus dem Reifa gekommen war. „Zum Cappu gehts da lang …“



    REifa

    Reifa konnte nicht abstreiten (vorrausgesetzt dass sie das dazu erst einmal hätte wollen müssen) dass ihr diese ganze Situation an sich gefiel. Dieser Kyle O'Mara hatte eine Art an sich, die sie nur zu gut kannte, etwas, das sie herausforderte. Imgrunde war es etwas, das sie sehr gut kannte, denn genau wie sie gab er nach aussen hin nicht alles preis, sondern wahrte die Fassade.
    Konnte es aber dennoch nicht unterlassen im Unterschwelligen herauszufordern.
    Abgesehen davon, dass es wirklich eine nette und interessante Abwechslung war zu der Tatsache, dass sie hier eigentlich ein "Gast unter strenger Beobachtung" war - oder sein sollte.
    So gesehen war sie unter Beobachtung, seiner Beobachtung, aber es war diese leichte Ahnung dessen dass sie mit ihrem Kommentar der Zwielichtigen Vergangenheit nicht ganz falsch gelegen hatte, die durch sein beherrschtes und kalkuliertes ruhiges Auftreten hindurchschimmerte und das ihr nicht entging. Und genau das interessierte sie.
    //Keine Ahnung hast du, natürlich. Ich bin vielleicht vieles, aber nicht blöd..// ..wobei sie davon ausging, dass er das auch gar nicht annahm.. und genau darauf abzielte dass sie wusste dass das nicht ganz stimmte.
    "Natürlich ..." erwiderte sie gedehnt, verwegen schmunzelnd. "Aber spasseshalber lasse ich dir das jetzt mal so durchgehen."

    Dass er sich zwar galant gab, sie dennoch nicht weniger aus den Augen ließ und ihr ganz offenbar erst Recht nicht traute ließ sie innerlich schmunzeln. Demonstrativ unbekümmert folgte sie seinem Wink, als er ihr den Vortritt ließ. //Um ja aufzupassen dass ich auch ja nichts anstelle... sehr vorbildlich//
    Nicht ohne aber ihm einen kleinen frechen Blick zuzuwerfen. Wenn er ihr nicht traute, hatte er damit Recht. Aber es war lustig, ein wenig Zweifel zu säen.
    "Beklauen? Hör mal, du hast mich beklaut, auch wenn das Messerchen nur Müll ist. Abgesehen davon dass du mir nachgestellt hast und mich von hinten überfallen. Ich glaube, in Sachen Benehmen hab ich also was gut."


    Kyle


    Reifa schien der Wahrheit in einigen Punkten näher zu kommen, als es Kyle lieb war. Eine Tatsache, die ihn ermahnte, noch vorsichtiger mit seinen Bemerkungen zu sein als bisher. Sie schien bereits ein bewegtes Leben hinter sich zu haben – taktvoll ausgedrückt, oder aber sie hatte einfach eine reichlich kriminelle Fantasie. Er selbst war dazu übergegangen, seine eigene Vergangenheit in zwei Kategorien einzuteilen: das eine, wovon er nicht erzählen durfte, und das andere, wovon er nicht erzählen wollte. Unterm Strich blieb es sich letztendlich gleich, aber seine Gefühle bei den Erinnerungen waren unterschiedlich.

    Aufmerksam folgte er ihr durch den Gang, dabei vorsichtshalber eine Distanz von einem guten Meter einhaltend. Es war nicht so, dass er Angst vor ihr hatte, doch die Erfahrung und seine Ausbildung hatten ihn gelehrt, auf der Hut zu sein, und bisher hatte sich diese Achtsamkeit immer bezahlt gemacht.

    „Das Messerchen kannst du wieder haben … nachher, wenn deine Wachen dich wieder in ihre Obhut nehmen. Will mir ja nicht nachsagen lassen, ich würde jemanden beklauen, der hier von uns bewacht wird. Und das mit dem Buh … das war doch nur ein Spaß“, meinte er augenzwinkend, um dann ganz schnell ernst zu werden. „Bei einem echten Überfall geht es eigentlich darum, weder gehört noch gesehen zu werden.“
    Du wärst tot gewesen, bevor du den Schuss gehört hättest …
    „Dir ist nichts passiert, der Arm ist noch heil und ich hab dich auf eine Tasse Cappu eingeladen, obwohl du mit einem Messer in der Hand auf mich zukamst. Ich finde, das ist genug des guten Benehmens von meiner Seite.“

    Er deutete auf den Durchgang zur Galerie, wo er sich aufgehalten hatte, bevor er sie im Gang gehört hatte. „Da drüben und dann links …“ gab er die Richtung auf die Galerie vor.



    Reifa

    Reifa ging weiter vor Kyle her, sich seiner Gegenwart in ihrem Rücken aber stets bewusst. Trotzdem aber musste sie ihn nicht ansehen, um sein Misstrauen förmlich zu spüren, und ihrerseits sorgte das für ein verschlagenes Schmunzeln.
    Das er dadurch zwar nicht direkt zu sehen bekam, aber das genausowenig zu sehen brauchte, um zu wissen dass es da war.

    Und sie wusste, je beherrschter und bedachter sie selbst sich verhielt, desto vorsichtiger und misstrauischer würde er werden...ohne dass sie aktiv irgendetwas würde tun müssen.
    "Gehört zur Ausbildung, hm? Gefangene immer schön vor einem gehen lassen. Dem Gegner nie den Rücken zuwenden. Du bist wirklich ein bisschen paranoid, oder?" schmunzelte sie vor sich hin, flüchtig doch einen Blick über die schulter werfend.

    „Bei einem echten Überfall geht es eigentlich darum, weder gehört noch gesehen zu werden.“
    Diesmal musste sie kurz lachen, und diesmal nicht nur innerlich den Kopf schüttelnd. stattdessen hatte sie ihren Schritt verlangsamt und sich zu ihm umgewandt.
    "Du bist witzig.. mir brauchst du das ganz bestimmt nicht zu erzählen. Oder was meinst du, habe ich da an der Tür getrieben, hm? Ehrlich..." Ihm zugewandt verlagerte sie das Gewicht auf ein Bein und stemmte die Hand locker in die Hüfte.
    "Als ob du nicht wüsstest dass ich .. hmmm..sagen wir, mir nicht selbst damit auskenne. Was meinst du, warum ich hier bin und eure Gastfreundschaft genieße? Hat nicht so ganz geklappt, der Überfall."

    „Dir ist nichts passiert, der Arm ist noch heil und ich hab dich auf eine Tasse Cappu eingeladen, obwohl du mit einem Messer in der Hand auf mich zukamst. Ich finde, das ist genug des guten Benehmens von meiner Seite.“
    "Und ich habe versprochen, mich zu Benehmen, also sind wir quitt..."

    Seinem Deut hinaus auf die Galerie allerdings folgte sie ihm erst einmal nur mit dem Blick, doch rührte sie sich nicht von der Stelle. Einen Moment dachte sie an den Ausblick zurück, den sie vorher aus dem Fenster erhascht hatte und die Höhe alleine trieb ihr eine Gänsehaut auf die Arme.
    Für den Bruchteil einer Sekunde kehrte das Gefühl zurück, der erdrückende Schrecken und der Anflug von Panik, der sie unwillkürlich einen halben Schritt von dem Durchgang zurückweichen ließ.
    Ihr wurde bewusst dass Kyle sie immernoch beobachtete, und dieses Zögern mit Sicherheit bemerkt hatte. Und sie sich mit Sicherheit damit verraten hatte.
    "Was... soll das jetzt ein romantisches Pläuschchen werden?" lenkte sie stattdessen ab, sich bewusst dass er die Farce nicht kaufen würde.
    "Tut mir Leid, aber auf sowas steh' ich nicht so sehr."


    Kyle


    Ganz eindeutig – sie spielte mit ihm. Die Art, wie sie vor ihm herging, wie sie sich zwischendurch über die Schulter nach ihm umsah und vor allem wie sie versuchte, ihn mit Worten aufzuziehen. Kyle verbiss sich ein Grinsen, als er Reifa hinterher stapfte. Lange schon hatte ihm so ein lockerer Schlagabtausch nicht mehr solchen Spaß gemacht.
    „Gehört zur Ausbildung, hm? Gefangene immer schön vor einem gehen lassen. Dem Gegner nie den Rücken zuwenden. Du bist wirklich ein bisschen paranoid, oder?“
    „Du bist kein Gegner“, erwiderte er – auf den Rest ihrer Frage bewusst gar nicht eingehend. Gegner behandeln wir anders.
    Als sie dann plötzlich laut auflachte, stehenblieb und sich zu ihm herumdrehte, hielt er ebenfalls inne. Locker die Arme vor der Brust verschränkt sah er sie an und wartete auf das, was kommen mochte.
    „Du bist witzig, mir brauchst du das ganz bestimmt nicht zu erzählen. … Was meinst du, warum ich hier bin und eure Gastfreundschaft genieße? Hat nicht so ganz geklappt, der Überfall.“
    Ein sehr breites Grinsen überzog sein Gesicht und seine Augen funkelten vor Schabernack.
    „Wie kommt’s, dass das nicht geklappt hat ? Schlechten Lehrer gehabt ? Wenn ich davon Ahnung hätte, könnte ich dir vielleicht was beibringen, aber so … schade eigentlich“, nahm er die Blödelei von vorhin wieder auf.

    Bei dem Durchgang zur Galerie bremste Reifa dann so urplötzlich ab, dass Kyle sie erstaunt ansah. Dann wich sie sogar noch ein Stückchen zurück. In ihrem Gesicht zeichnete sich eindeutig Angst ab.
    Romantisches Pläuschchen ? Guter Versuch.
    „Keine Sorge, ich dachte eher an was Gemütliches statt romantisch. Man hat einen ausgezeichneten Ausblick über die Stadt von hier aus. Es ist eine windstille Ecke, die Sonne wärmt dort gut. Ist eigentlich ein richtig schönes Fleckchen.“. Er hielt einen Moment inne und sah sie genauer an. „Du musst nicht befürchten, dass ich dich übers Geländer werfe oder was auch immer du gerade denkst. Ich habe gesagt, dass ich nicht vorhabe, dir irgendwas anzutun und das meine ich ernst. Also ?“
    Geändert von shadow-of-atlantis (10.10.2013 um 21:48 Uhr)

  2. #2

    Standard

    REifa



    "Schlechtes Personal trifft es eher... und 'Verbündete', die das Bündnis nicht ganz so ernst genommen haben.." hatte sie trocken entgegnet, ohne auf den spitzfindigen Unterton in seiner Frage näher einzugehen.
    Die offene Galerie stellte Reifa vor ganz andere Probleme, als sich Kyle wahrscheinlich ausmalen mochte, aber für sie selbst war dieser offene Durchgang, und mehr noch das was dahinter 'lauerte' gerade die größte Hürde.

    Sie spürte seinen Blick auf sich ruhen, rührte sich aber dennoch nicht von der Stelle.
    „Du musst nicht befürchten, dass ich dich übers Geländer werfe oder was auch immer du gerade denkst." Sie glaubte, ganz deutlich einen leicht beschwichtigenden Ton herauszuhören, was ihr an sich schon wieder missfiel: er hatte bemerkt, weswegen sie nicht dort hinaus wollte, und hatte damit mehr oder weniger einen ihrer Schwachpunkte entdeckt.
    Nichtsdestotrotz würde sie das nicht offen zugeben, sondern rang sich ein undurchsichtiges Lächeln ab.
    "Das glaube ich dir sogar aufs Wort.. soweit wird es nämlich gar nicht kommen. Ich finde, hier drin ist es auch ganz gemütlich."


    Kyle

    Reifa stand ein gutes Stückchen vor dem Durchgang und rührte sich nicht von der Stelle. Es wäre ein Leichtes gewesen, sie kurzerhand nach draußen zu schieben oder zu tragen, doch widerstrebte es Kyle, so vorzugehen. Er warf einen Blick nach links und rechts. Der Gang war leer und nicht gerade das, was er als gemütlich bezeichnen würde. Ganz zu schweigen von einem anderen offensichtlichen Nachteil …
    „Hier drinnen werden früher oder später deine Wachen über uns stolpern – ich schätze mal, eher früher als später.“ Immerhin gibt es diese so genannten Lebenszeichendetektoren in der Stadt. Die werden schon dahinter kommen, wohin du verschwunden bist.
    „Und wirklich schön ist es hier auch nicht. Draußen ist Sonne und frische Luft. Na los, ignorier deinen inneren Schweinehund und versuchs mal. Ganz links um die Ecke ist ein schönes Plätzchen, weit genug vom Geländer entfernt, dass man von dort aus nicht direkt runterschaut – und wenn du willst, kannst du dich auch so hinsetzen, dass du zum Geländer nicht hinschauen kannst. Komm, trau dich. Ich bin ganz heiß auf die Story vom schlechten Personal. Ich schätze, das eine oder andere zu dem Thema fällt mir bestimmt auch …“

    Kyle unterbrach sich und lauschte in Richtung des Transporters. Schritte waren von dort zu hören, mehr als eine Person, die zwar noch ein gutes Stück entfernt waren, aber das würde sich vermutlich rasch ändern. So groß war die Distanz zum Transporter immerhin auch nicht.
    „Wir bekommen Besuch“, meinte er ruhig. „Überleg’s dir – in zwei oder drei Minuten sind die hier.“


    REifa


    Unkommentiert ließ sie seine Überredungsversuche über sich ergehen. Unkommentiert dahingehend zumindest, dass sie keinen Kommentar erwiderte, ihr Blick dafür sprach Bände, auch wenn sie ihn nicht direkt ansah.
    Am Liebsten hätte sie ihm einfach irgendetwas an den Kopf geworfen, hätte sie denn etwas zur Hand gehabt, oder hätte ihn angefahren dass seine Drängelei in keinster Weise half.
    Einen weiteren Moment schaffte sie es auch noch, den Ärger zusammen mit dem Stress hinunterzuschlucken, bis es einfach nicht mehr ging.

    "Okay, jetzt hör' mir mal zu!" fauchte sie Kyle an, was der Stimme an Lautstärke fehlte mit Schärfe wett machend,
    "Mir ist egal, wie schön das da draussen ist und wie toll die Aussicht ist! Ich geh' da nicht raus und es hilft auch nicht, wenn du mit mir redest wie mit einem dressierten Haustier.." war sie ihm dann doch ins Wort gefallen, als sein plötzliches Aufmerken sie instinktiv ebenfalls verstummen ließ.

    Sie hatte es auch gehört, und sah alarmiert in Richtung der Biegung, hinter welcher der Transporter lag. Zischend sog sie die Luft ein, und auch wenn die sie sicher nicht gleich über den Haufen schießen würden, siegte der Instinkt in diesem Moment über ihre Angst.
    Ohne darüber nachzudenken drückte sie sich an ihm vorbei und schlüpfte auf die Galerie hinaus und um die Ecke, bis sie über die Brüstung direkt auf die Stadt unter sich blicken konnte, das kalt-dunkle, endlose Wasser drumherum.

    Keuchend stolperte sie zwei Schritte zurück, bis sie die Wand hinter sich spürte und tastete nach irgendetwas, woran sie sich festhalten konnte. Der Wind trug das Rauschen des Wassers mit sich, doch Reifa bemühte sich nur, nicht hinunterzusehen und schwer atmend die Angst, die sie erfasst hatte,irgendwie hinunterzukämpfen.



    Kyle

    Nichts von all dem, was Kyle versuchte, schien Reifa dazu bewegen zu können, auf die Galerie hinauszugehen. Als sie begann, ihn plötzlich wütend anzufauchen, war er für einen Augenblick ganz froh, ihr das Messer abgenommen zu haben. Ihr Temperament in allen Ehren – wäre sie einen Kopf größer, hätte es vielleicht tatsächlich ein wenig beeindruckend wirken können. Gerade das war jedoch etwas, was man sich besser nicht anmerken ließ, und hier machten sich das ausgiebige Training und eine gute Selbstbeherrschung bezahlt.

    Die Schritte, die man jetzt deutlich näher kommen hörte, änderten alles. Urplötzlich schlich sich wieder dieser Gesichtsausdruck auf ihre Züge, den er schon gesehen hatte, als er sie beim Herumhantieren am Tür-Panel überrascht hatte: dieses typische Erschrecken von jemandem, der bei etwas nicht ganz Legalem erwischt worden war und nach einem Ausweg suchte. Den einen Fluchtweg zurück in die Halle hatte er ihr verstellt. Der einzig andere führte hinaus auf die Galerie. Letzteres war offenbar das kleinere Übel, denn eilig huschte sie an ihm vorbei nach draußen. Ihr Fluchtwille trug sie weit hinaus bis ans Geländer. Doch den wunderschönen Ausblick konnte sie nicht genießen. Die Art, wie sie erstarrte und dann hektisch zwei Schritte zurück trat, bestärkten Kyle in seiner Vermutung, dass ihr die Höhe zu schaffen machte.

    Rasch folgte er ihr nach draußen, dabei neben ihr bleibend, um ihr nicht noch mehr Angst zu machen. Mit festem Griff umfasste er ihren Unterarm, als sie haltsuchend hinter sich tastete.
    „Ganz ruhig. Es ist alles okay. Schau nicht hinunter, schau zum Horizont … oder hierher zu mir … jetzt gehen wir da rüber in die Ecke und setzen uns hin … da sehen die anderen uns nicht und du kannst von dort aus auch nicht mehr nach unten schauen, okay ?“

    Große Klappe und dann solche Angst vor der Höhe ? Na, dann weiß ich ja, wo wir hier in der Stadt die Wertsachen verstecken müssen, damit du nicht rankommst …


    Reifa


    Alles drehte sich... die ganze Welt drehte sich und verschwamm um sie herum, zog sie unaufhaltsam in diesen tiefen Abgrund. Sie spürte die kühle, raue Wand hinter sich und dennoch wusste sie, dass sie fiel. Ihr Blut rauschte in ihren Ohren und auch wenn sie die Augen krampfhaft geschlossen hielt, konnte sie den Abgrund vor sich förmlich sehen.
    Am Liebsten hätte sie geschrien, doch sie war viel mehr damit beschäftigt ruhig zu atmen - mehr erfolglos als etwas anderes.

    Der plötzliche Griff um ihren Unterarm ließ Reifa erschrocken zusammenfahren und Kyle direkt ansehen, wenn auch ihr Blick all ihre Reaktionen widerspiegelte. Sich auf sein gesicht fixieren könnend aber, schimmerte dann Ärger mit hindurch.

    Er hatte sie hier rausgelockt.. seinetwegen war sie überhaupt jetzt hier, war hier und saß in der Falle. Das alles war eine verdammte Falle gewesen und jetzt? Jetzt kam sie hier nicht mehr weg... und zu allem Überfluss redete der Kerl weiter unnachgiebig auf sie ein..
    "Lass mich in Ruhe!.." fuhr sie ihn an und zog trotzig an ihrem Arm, angekratzt schnaubend, "Du hast mich hier raus gescheucht, und das ist KEIN Spass.."

    Ein unachtsames Geräusch der Personen, die den Flur entlangkamen ließen sie verstummen und misslaunig sich auf die Lippe beißen, Kyle mit einem anklagenden Blick bedenkend, durch die Schritte zum Schweigen verdammt, was sie verärgert oder nicht hinnehmen musste.
    Was ihr bei ihrem anderen Problem nicht wirklich weiterhalf. Schwer atmend machte sie den Fehler über das Geländer hinaus zu blicken und schloss krampfhaft die Augen.

    KyleSein Hilfsangebot war alles andere als erfolgreich. Wütend riss Reifa ihren Arm weg. Kyle ließ sofort los. Ihm stand weder der Sinn nach einem Kräftemessen, noch wollte er riskieren, dass sie durch ein Gerangel am Ende noch hinunterfiel. Als sie ihn angiftete, verdrehte er die Augen. Ja, schon klar, ich bin schuld. Wer von uns beiden ist denn ausgebüxt und hat hier im Gang versucht, die Türen aufzubrechen ? Ach, verflixt, ich hätte beim ersten Anblick von dir über Funk Bescheid geben und mich dann wieder gemütlich hier hinsetzen sollen.

    Er trat einen Schritt zurück und lauschte auf die Schritte draußen auf dem Flur. Sie kamen eindeutig näher. Dort am Geländer, wo sie jetzt standen, war man durch den Durchgang aus zu sehen, aber Reifa machte keine Anstalten, dort wegzugehen.

    „Ach, mach doch, was du willst“, brummte er schließlich frustriert. Schulterzuckend ging er zu der Ecke hinüber, wo sie sich eigentlich hätten hinsetzen sollen. Unmittelbar neben seiner Ausrüstung ließ er sich im Schneidersitz nieder, lehnte sich gemütlich an die Wand und griff sich die Thermoskanne mit dem Cappuccino.
    „Von mir aus lass dich da erwischen, fall runter oder flieg weg. Wenn du dich soweit beruhigt hast, dass man mit dir wieder vernünftig reden kann, sag Bescheid.“
    Aber glaub ja nicht, dass ich mich von dir anzicken lasse – und wenn kein Cappu mehr übrig ist, wenn du endlich geruhst, wieder normal zu werden, dann ist mir das auch egal.


    Reifa


    Reifa war fertig.. mit sich und ihrer Welt. Und vor allem mit diesem Ort hier! Vor ihr klaffte der Abgrund der Galerie, unter ihr wartete das dunkle Wasser nur darauf, sie zu verschlingen... alleine bei dem Gedanken daran hatte sie das Gefühl, die Kälte und Schwärze würde heraqufkommen und sie verschlingen, alles einfach ersticken und erdrücken... der Blick zur reling und dem tatsächlichen Abgrund dahinter war unbeschreiblich schlimmer. Ihr Puls raste, und sie konnte den kalten Schweiß auf ihrer Haut fühlen, ebenso wie ihren schnellen, flachen Atem.
    Nur ihrer Sturheit und ihrem Trotz hatte sie es zu verdanken, dass sie noch nicht zusammengeklappt war, oder die Flucht ergriffen hatte...
    Wo sie schon beim zweiten Problem war, denn draussen kamen die Schritte immer näher, und boten ihr noch nicht einmal die Chance zu einer Flucht, sondern drängten sie hier in die Ecke.
    Sie konnte nicht vor, und sie konnte nicht zurück, und abgesehen davon dass dieser Kyle sie erst hier raus gelockt hatte, hatte er sie auch in die Defensive gedrängt.. er hatte gewonnen, und das stank ihr fast noch mehr als alles andere.
    Er spielte sein Spielchen, und hatte gewonnen.
    Sie war nicht der Typ, der Niederlagen eingestand...

    Trotzig rang sie noch mit sich selbst, ihr Stolz und ihre Maske mit der Tatsache, dass sie keine Wahl hatte, während die Schritte wie ein Countdown unaufhaltsam herabzählten..das leise Heulen des Windes klang fast wie höhnisches Gelächter..wie ein immer lauter werdender Malstrom in den Wirren ihrer Gedanken.

    "Schice..." fluchte sie schließlich mürrisch, ihrem eigenen Trotz entgegen und stieß sich dabei von der Wand ab, huschte an der Öffnung vorbei und kauerte sich in die Ecke neben Kyle, argwöhnisch auf den Durchgang zum Flur lauernd und auf die Schritte, deren Besitzer in dem Moment um die Ecke kommen mussten.
    "Du hast gewonnen, okay?" zischte sie ihm leise zu, mürrisch das Gesicht verziehend, allerdings mehr genervt verärgert als abweisend böse. Mit Sicherheit nämlich amüsierte sich dieser Kerl gerade riesig darüber, wie sie sich aufführte.
    "Aber glaub' ja nicht dass ich dir deswegen irgendwas schuldig bin..."


    Kyle

    In aller Seelenruhe füllte Kyle den Becher seiner Thermoskanne. Draußen auf dem Flur wurden die Schritte langsam lauter. Wer auch immer dort war, er näherte sich. Reifa stand immer noch unbeweglich dort – den Rücken an die Wand gepresst und starrte über das Geländer nach unten wie ein Kaninchen auf die Schlange. Man musste kein Menschenkenner sein, um an ihrer ganzen Körpersprache zu erkennen, welch riesengroße Angst ihr die Höhe bereitete. Alles in Kyle drängte danach, wieder aufzustehen, hinüberzugehen und ihr zu helfen, doch nach dem Resultat des ersten Versuchs sortierte er diese Regung unter die Rubrik „überflüssige sentimentale Gefühle“ ein.
    Wenn du hier einen auf großes, starkes Mädchen machen willst, dann musst du das jetzt allein schaffen. So ist das Leben – hart aber ungerecht.
    Trotzdem behielt er sie im Auge. Immerhin bot die Galerie mit ihrem zweiten Ausgang drüben in der Halle einen Fluchtweg – zumindest theoretisch, denn dafür musste man ganz nah ans Geländer. Sollte die Höhenangst wider Erwarten doch nur gut gespielt sein, so wäre es denkbar, dass sie es versuchen würde.

    Die Sekunden verstrichen und langsam wurde es knapp. Interessiert schaute Kyle zu Reifa hinüber. Würde sie es tatsächlich auf eine Entdeckung ankommen lassen ? Fast im allerletzten Moment bewegte sie sich, flitzte an der offenen Fensterfront vorbei und drückte sich neben ihn in die Ecke. Der Blick, den sie Kyle zuwarf, sprach Bände. Sie war sauer und das nicht gerade wenig.
    So machst du es dir also einfach, ja ? Du hast verloren und ich bin schuld ?

    „Du hast gewonnen, okay? Aber glaub' ja nicht dass ich dir deswegen irgendwas schuldig bin...“ zischte sie. Die Schritte waren inzwischen sehr nah gekommen. Mädel, jemand mit so feinen Ohren wie Lobo kann dich problemlos hören da drinnen. Andererseits würde Lobo selbst vermutlich den Cappu riechen, lange bevor er uns hört …
    Warnend legte Kyle den Zeigefinger auf seine Lippen, deutete dann auf den Durchgang zum Flur und anschließend auf sein Ohr als Zeichen, dass sie auf dem Gang zu hören sein würde. Locker abwartend nippte er an seinem Becher mit der Unbekümmertheit von jemandem, der offenbar schon unzählige Male versteckt abgewartet hatte, während jemand vorbeiging, der einen nicht erwischen sollte.

    Schließlich wurden die Schritte leiser, ohne zwischendurch langsamer geworden zu sein oder innegehalten zu haben. Den Becher wieder beiseite gestellt lehnte Kyle sich gemütlich an die Wand und schaute zu Reifa hinüber.
    „Du machst dir das ganz schön leicht mit der Schuldfrage. Ich hab gewonnen und jetzt bin ich der Böse ? Weil ich dich hier hinausgescheucht habe, obwohl du Angst vor der Höhe hast – was ich überhaupt nicht wissen kann ? Schade, dass du das so siehst.“
    Er zuckte die Achseln und grinste dann plötzlich.
    „Wußtest du eigentlich, dass du richtig niedlich aussiehst, wenn du so schmollst wie jetzt ?“
    … uuuuuund volle Deckung …


    REifa


    Kyle hatte den kleinen Machtkampf gewonnen, und Reifa musste sich dieser Niederlage geschlagen geben - was ihr natürlich alles andere als passte. Und was den Mann neben ihr dafür umso mehr zu belustigen schien, auch wenn er tapfer sich jeden Kommentar verkniff.
    Aber den brauchte er auch gar nicht, um das mehr als deutlich zu machen. Und genauso deutlich war ihr Blick ihm gegenüber, dass er sich einen Kommentar sparen konnte.
    Seine warnende Schweige-geste quittierte sie mit einer gerümpften Nase, die mehr trotzig als ernst gemeint war. Natürlich wusste sie, was es hieß sich zu verstecken und wann man besser ruhig war.. immerhin war es die letzten Jahre Teil ihres Überlebens gewesen, ungesehen und unentdeckt zu bleiben.
    Und konnte ihm deswegen im Moment auch nichts an den Kopf werfen.

    Aber zu ihrer Überlebenstaktik gehörte auch, Leute lesen zu können und diese ganze Situation gab ihr auch einen recht guten Hinweis darauf, dass Kyle O'Mara in dieser Hinsicht auch kein unbeschriebenes Blatt war. Es war nicht er, nach dem diese Leute da drinnen suchten, trotzdem verhielt er sich genauso verschwiegen und bedeckt, wie sie es sollte. Mit der Ruhe und der Routine von jemandem, der damit mehr als nur aus Spass Erfahrung hatte.

    Die Schritte lenkten ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Flur, doch verklang das Echo bald wieder in den Hallen, in denen Kyle sie gestellt hatte.
    Als sie ein paar Sekunden in die Stille gelauscht hatte und sicher war, dass niemand mehr da war, sah sie wieder auf, denn Kyle setzte dort an, wo ihre kleine Stichelei gerade unterbrochen worden war.
    und das mit einer Äusserung, die sie erst einmal völlig entrückte.

    "NIEDLICH???" Von fassungslos rutschte ihr Blick ab zu verärgert und ein kleiner eingeschnappter Boxhieb gegen Kyles Arm begleitete den Blick, mehr wie das gerangel zweier Geschwister als Zeichen zum Trotz als dass es einen 'tätlichen Angriff' darstellte.
    Den Punkt musste sie ihm eingestehen .. denn so sehr sie versuchte den bösen Blick aufrecht zu erhalten, merkte sie wie das Schmunzeln diesen Versuch boykottierte, und sie sein Grinsen frech imitierte.
    "Also wenn du mich anbaggern willst dann war das wirklich eine miese Nummer..." nuschelte sie noch immer grinsend in das kurze Kopfschütteln hinein, "Und du bist also jetzt nicht nur Stalker, sondern auch noch Psychologe, ja?"

    Der doch etwas kühle Wind ließ sie einen Moment frösteln und sie abwesend über ihre Arme streichen, während sich etwas anderes seinen Weg durch ihre Gedanken bahnte, was sie doch.. ein wenig Überwindung kostete.
    "Danke..." kam es schließlich, wenn auch leise und verhalten aber laut genug dass er es gehört haben musste.

    Kyle

    Die Strafe für seine kleine fiese Bemerkung folgte auf dem Fuße, und sie bestand auch ziemlich genau aus der Währung, die Kyle erwartet hatte. Pflichtschuldigst zuckte er bei dem Treffer zusammen und rieb sich mit gespielt schmerzverzerrter Miene den Oberarm.
    „Autsch !“ Es würde vermutlich nicht einmal einen blauen Fleck geben und doch war der Hieb fest genug, um Reifas Unmut unmissverständlich auszudrücken. Es war nur fair, ihr den kleinen Triumph als Genugtuung für das Erschrecken in der Halle zu lassen.

    Aus ihrem ärgerlichen Blick war inzwischen ein Grinsen geworden und ihre nächsten Worte bewiesen, dass sie zumindest einen Teil ihrer guten Laune wiedergefunden hatte.
    Von Anbaggern über Stalker auf Psychologie … so einen Themenwechsel bekommt auch nur eine Frau hin.
    „Psychologie gehörte zur Ausbildung“, meinte er locker. „Aber ich muss gestehen, ich war grottenschlecht darin – Stalking liegt mir mehr.“
    Das Thema Anbaggern vorsichtshalber weiträumig umgehend streckte er sich und sah sich nach seinen Sachen um, die er nach kurzer Überlegung schließlich wieder einpackte. Die Beobachtungen und Distanzmessungen waren für heute wohl gelaufen. Er würde sie später fortsetzen. Diese kleine Unterhaltung hier war definitiv kurzweiliger.

    Das leise „Danke“ ließ ihn aufsehen. Ihr Gesicht sah zwar nicht recht glücklich dabei aus, doch wenn sie es nicht wenigstens ein bisschen ernst gemeint hätte, hätte sie auch vollends schweigen können, befand Kyle. Im Stillen fragte er sich, was er davon halten sollte. Vielleicht war es ja ein gutes Zeichen.
    „Gern geschehen“, antwortete er ebenso leise und ernsthaft. Er wollte die derzeitige Stimmung der friedlichen Koexistenz nicht dadurch zerstören, dass er ihr den Eindruck verschaffte, er mache sich über sie lustig.
    Irgendetwas an ihr war jetzt anders. Nachdenklich schaute Kyle hinüber, doch erst die automatische Bewegung, mit der sich die junge Frau über die Arme strich, öffnete ihm die Augen. Es war frisch hier oben, doch aufgrund seiner Uniformjacke – und der Tatsache, dass er in den früheren Einsätzen schon erheblich mehr gefroren hatte – war ihm das überhaupt nicht bewusst geworden. Einige Sekunden sah er zu Reifa hinüber, dann seufzte er leise.
    Ach Shit, dämliche gute Erziehung …
    Er lehnte sich vor, schlüpfte aus seiner Jacke und beugte sich hinüber, um sie Reifa über die Schultern zu hängen. „Hier …“ meinte er etwas verlegen grinsend.
    „Nicht, dass du noch anfängst, mit den Zähnen zu klappern. Das hört man bestimmt in der halben Stadt.“


    REifa

    „Autsch !“
    Ein Kommentar, der sie zumindest für den Moment verwegen und zufrieden grinsen ließ. Ein wenig hatte sie ja fast erwartet, dafür gleich für einen tätlichen Agriff überwältigt zu werden, aber auf der anderen Seite hatten sie beide dieses Stasium des Kräftemessens schon hinter sich.
    Und das war noch etwas, was sie nicht nur innerlich grinsen ließ.

    Und apropos... Stalking liegt dir also mehr, ja? Soso... Wäre mir nie in den Sinn gekommen..
    Kleine Dinge, die den meisten Beobachtern sicher entgangen wären - weil die Meisten sich einfach nicht um derlei Dinge kümmerten. Eine kleine Bewegung, die Art, wie man einen Raum betrat oder sich dort platzierte, um immer einen möglichen Fluchtweg im Blick zu haben. Die Art der Blicke wachsam in die Umgebung, Körpersprache, Kleine, unscheinbare Akzente die aber umso mehr über den Charakter und die Geschichte eines Individuums aussagten, ohne dass derjenige auch nur ein Wort sagte.
    Und sichtbar für diejenigen, die gelernt hatten auf eben so etwas zu achten. Reifa musterte den Mann neben sich schweigend und aufmerksam.

    Aber es war etwas anderes, was sich komisch anfühlte an dieser Situation. Vage und verschwommen, und ... vertraut, wie das verblassende Echo eines Traumes, nachdem man aufgewacht war und an dem man verzweifelt versuchte, sich festzuhalten.

    "Du bist eine schlechte Lügnerin... weißt du das?" Die Stimme klang nicht nur amüsiert, das Grinsen im Gesicht der Person zu der die Stimme gehörte und die ihr gegenüber am Tisch saß war genauso dümmlich, und Rei verzog nur schmollend das Gesicht.
    "Und du bist ein Idiot..."
    "Ja, aber einer der trotzdem Recht hat.." kam prompt die spöttelnde Antwort. Das kecke Gesicht, die lebendigen, funkelnden Augen die ihren glichen, und in denen immer irgendwie Schalk steckte, all das passte zu der Art, wie er verkehrt herum auf dem Stuhl saß und kippelte, die Arme auf der Lehne verschränkt und sie breit angrinsend. Und damit einfach nur in den Wahnsinn trieb! Mehr noch, weil er Recht hatte.. und das wusste. Und weil er ihr immerwieder unter die Nase reiben musste, dass er der Ältere von ihnen beiden war.
    Sie hasste es, wenn er sie wie das kleine Schwesterchen behandelte...
    Die Frucht, die kurzerhand ballistische Eigenschaften entwickelt hatte verfehlte ihn nur um Haaresbreite, sorgte aber dafür dass er das Gleichgewicht auf dem Stuhl verlor und mehr stolpernderweise als alles andere aber dennoch irgendwie auf die Beine retten konnte.
    Der nächste Angriff nur war einer gewesen, gegen den sie sich alle nicht hatten wehren können...

    Erst die direkte Berührung an ihren Schultern ließ sie ins Hier und Jetzt zurückschrecken und überrascht zuckte sie ein wenig zusammen, irritiert blinzelnd als die Erinnerung der Galerie und der Stadt dahinter wich bevor sie den Kopf umwandte. Die Augen denen sie dabei begegnete beantworteten ihre Verwirrung nicht, sondern versetzten sie in ein verzerrtes letztes Abbild dieser erinnerung, bis der Sinn dieser Geste sich ihr vollends erschloss und sie irritiert ein weiteres Mal flüchtig blinzelnd den Kopf schüttelte.

    "Oh.. das.. es ist nicht die Kälte... es liegt an diesem Ort. Ich .. habe so mein Problem mit Höhen. Und mit Kälte." gestand sie dann doch ein, nicht nur deswegen weil sie das eh nicht mehr zu leugnen brauchte.
    Wobei sie dann aber auf der anderen Seite bei 'diesem Ort' es immerhin nur auf die Höhe schieben konnte, und es einen tauglichen und nicht einmal gelogenen Deckmantel dafür gab, dass 'dieser Ort' durchaus auch die Stadt selbst meinte. Aus diversen Gründen...
    Also lieber Themenwechsel und ein wenig Nachforschung betreiben...
    "Also... abgesehen davon dass du gerne den Retter spielst und Frauen nachstellst... was genau ist deine Aufgabe hier?" begann sie dann, ein wenig neugierig zu werden. Eigentlich wollte sie wissen, ob sie recht hatte mit seiner Einschätzung.
    "Und erzähl mir nicht, du bist hier nur Putzpersonal."


    Kyle

    Es dauerte ziemlich lange, bis Reifa antwortete. Sie starrte auf einen Punkt irgendwo vor sich und war ganz offensichtlich in Gedanken weit, weit entfernt. Kyle beobachtete sie dabei sehr genau und ihm entging nicht der leicht wehmütige Ausdruck ihres Gesichts. Was auch immer es war, woran sie gerade dachte, es ging ihr offenbar ziemlich nahe – vielleicht Erinnerungen an eine Zeit, die unwiederbringlich vorbei war. Etwas, nach dem man sich heftigst sehnte und das man doch nie wieder zurück erlangen konnte.

    Mick Coleman hatte manchmal ganz ähnlich dagesessen, wenn sie im Einsatz waren. Besonders zu bestimmten Anlässen – Feiertagen, Geburtstagen, dem Hochzeitstag – hatte er sich nach Frau und Sohn gesehnt. Er war vorsichtig gewesen und hatte sich vor den anderen des Teams nie etwas anmerken lassen, doch Kyle und er waren oft genug allein unterwegs gewesen, hatten sich gegenseitig aus Schwierigkeiten herausgeholfen und einander blind vertrauen müssen. Es war eine Freundschaft, die weit über bloße Kameradschaft hinausging, und keinen Raum für Geheimnisse übrig ließ. Kyle hatte gewusst, was in Mick vorging, wenn dieser sich zurückzog, hatte jedoch gegenüber den anderen Teammitgliedern stets geschwiegen. Jetzt saß er da und betrachtete Reifa nachdenklich, dabei überlegend, ob auch sie gerade an Menschen dachte, die ihr etwas bedeuteten und nach denen sie sich zurück sehnte. Ob es Menschen waren, die von den Wraith getötet worden waren ?

    Nachzufragen war völlig undenkbar und doch machte dieses Rätsel ihn neugierig. Was mochte sie erlebt haben, dass dieser Mensch aus ihr geworden war ? Wie verlief überhaupt ein Leben in dieser Galaxis mit der ständigen Bedrohung durch die Wraith, die wie ein Damokles-Schwert über jeder Welt schwebte ? Was richtete es in der Psyche der Menschen hier an ? Der Gegensatz zum Leben, wie er es kannte, musste so sein, wie der zwischen seiner eigenen geordneten und behüteten Kindheit und dem Pseudo-Alltag bei den Einsätzen im Irak und Afghanistan. Ständig die Bedrohung eines Angriffs im Nacken – nie zu wissen, wann und wie „es“ passieren würde – selbst die harmloseste Kleinigkeit konnte ein Hinterhalt sein. Kyle hatte einige Kameraden erlebt, die mit diesem Druck nicht fertig wurden. Einige hatten sich geschämt dafür und versucht, es um jeden Preis geheim zu halten, aber das schob es nur hinaus – und verschlimmerte das Resultat. Kyle war sich sicher, dass die Freundschaft zwischen Mick und ihm ihnen beiden geholfen hatte, mit all dem fertig zu werden. Sie war wie ein sicherer Fels in der Brandung gewesen, wenn um sie herum das Chaos tobte, wenn Menschen starben, die man zu schützen versucht hatte, und wenn einfach nichts mehr gelingen wollte. Dass Coleman jetzt nicht hier war, war schon in gewisser Weise irritierend. Es war immerhin kein gewöhnlicher Einsatz und ganz besonders kein gewöhnlicher Einsatzort. Aber letztendlich war Kyle auch neugierig auf das, was diese fremde Galaxie an Herausforderungen zu bieten hatte. Dass sein Job kein Schreibtischjob war, hatte er von vornherein gewusst.

    Reifas erste Worte, nachdem sie etwas verwundert auf die Jacke geschaut hatte, die er ihr überlassen hatte, brachten ihn zum Lächeln. Natürlich stritt sie zuerst einmal ab, dass sie fror, obwohl die feine Gänsehaut auf ihren Armen nicht zu übersehen gewesen war. Als sie dann feststellte, dass ihre Schwindelei allzu offensichtlich war, versuchte sie es mit der nächsten Taktik: Ablenkung.
    „Also... abgesehen davon dass du gerne den Retter spielst und Frauen nachstellst... was genau ist deine Aufgabe hier? Und erzähl mir nicht, du bist hier nur Putzpersonal.“
    Kyle zuckte die Achseln und grinste vergnügt.
    „Das mit dem Retten und dem Nachstellen mache ich nur in meiner Freizeit – ist quasi ein Kontrastprogramm, weil der übrige Job so langweilig ist. Weißt du, bei der „dressierten Sippschaft“ hast du nicht viel Auswahl. Was anliegt, muss gemacht werden: Papierkram, Kaffeekochen, Stiefel putzen … nichts wirklich Aufregendes.“
    Langsam krieg ich Übung darin, meinen Job unspektakulär darzustellen. Zuhause glauben sie immer noch, ich wäre Funker.
    „Und was ist mit dir ? Du lebst davon, schneller zu sein als die, die dir nachstellen ?“


    Reifa

    Es war interessant, zu beobachten wie er um den heißen Brei herum redete. Sie glaubte nicht dass er sie direkt anlog... es waren kleine, unscheinbare Dinge die ihr das verrieten. Aber lügen und 'nicht mit der gesamten Wahrheit rausrücken' waren zwei völlig unterschiedliche Dinge, deren Unterschied er offenbar auch ganz genau kannte.
    Eine Methode, die ihr nur zu bekannt war. Und nebenbei hatte er ihre Frage damit auch sehr schön beantwortet OHNE eben.. wirklich zu antworten. Stattdessen aber drehte er den Spieß aber geschickt wieder um.

    „Und was ist mit dir ? Du lebst davon, schneller zu sein als die, die dir nachstellen ?“

    "Das mit der Sippschaft bekomme ich noch öfter zu hören, oder?" meinte sie schmunzelnd und schüttelte flüchtig den Kopf.
    "Ich wusste nicht dass der große starke mann so nachtragend und empfindlich ist...oder ging das gegen das männliche Ego?"
    Sie hatte es erwähnt um ihn zu ärgern, und generell ihrem Missfallen Ausdruck zu verleihen. Und scheinbar hatte sie damit getroffen - wobei ihr Instinkt sie dennoch warnte und sie diese Signale durchaus wahr nahm.
    Eine gängige Verhörtaktik bestand darin, sich an einer bestimmten erwähnten Sache aufzuhängen und so das Gespräch zu lenken, aufzulockern oder welcher weg auch immer zum gewünschten Ziel führte, nämlich dass das 'Subjekt' leichtfertig wurde und plauderte. Aber sie ließ sich nicht mit ihren eigenen Waffen bekämpfen.

    "Naja.. die Tatsache dass ich hier in einer Zelle sitze oder alternativ mit Bewachung rumlaufe, zeigt dass ich damit zumindest in letzter Zeit weniger erfolgreich war. Aber meist lasse ich es gar nicht erst so weit kommen, dass mir jemand nachstellt..."
    Beipflichten ohne zu viel zu verraten - ausser dem was eh schon offensichtlich war und ein paar kleinen brocken, die er sich wahrscheinlich selbst schon erschlossen hatte. wenn er glaubte dass er der Einzige war der das beherrschte, würde er sich wundern.
    "Und bei eurem... 'langweiligen Job' ..müsst ihr ja furchtbar unterfordert sein. Also sich ein wenig mit den Barakass anlegen?"


    Kyle

    Keine Frage, das Spielchen machte Spaß, und ihrem Gesichtsausdruck nach zu urteilen nicht nur ihm. Es war schon faszinierend, ein Gegenüber zu haben, der diesem Spiel das gleiche Interesse entgegenbrachte – und ganz nebenbei war diese Form der Informationsbeschaffung bei weitem erfreulicher als alles andere, was Kyle auf diesem Gebiet bisher erlebt hatte.
    Es war nicht zu übersehen, wie genau Reifa ihn beobachtete, und Kyle war sich sicher, dass sie in der Lage war, aus dem was er sagte und wie er sich verhalten hatte, gewisse Rückschlüsse zu ziehen. Trotzdem spielte er das Spiel weiter – einerseits aus Gewohnheit, andererseits der Notwendigkeit geschuldet, dass er über seine Arbeit und seine Ausbildung so wenig wie möglich reden durfte. Außer seinem früheren Einsatzteam und dem damaligen Einsatzleiter Colonel Fisher wusste niemand alle Einzelheiten und das musste auch so bleiben.

    „Das mit der Sippschaft bekomme ich noch öfter zu hören, oder? Ich wusste nicht dass der große starke Mann so nachtragend und empfindlich ist...oder ging das gegen das männliche Ego?“
    Der Versuch, ihn aus der Reserve zu locken, nötigte ihm ein Grinsen ab, gefolgt von einem lässigen Schulterzucken.
    „Ach was, das scheint nur so.“ Ich bin nicht nachtragend, ich habe nur ein recht gutes Gedächtnis. Er legte den Kopf schief und schaute sie vergnügt an.
    „Ich hoffe, du bist jetzt nicht enttäuscht, dass ich deswegen nicht verletzt bin. In dem Job bekommt man das oft genug zu hören – und das war bei weitem nicht das Schlimmste.“

    Es schien kein Versehen zu sein, dass sie seine Frage noch nicht beantwortet hatte. Doch bevor er darauf eingehen konnte, holte sie das Fehlende nach.
    „Naja.. die Tatsache dass ich hier in einer Zelle sitze […] dass mir jemand nachstellt …“
    Nicht viel, was du nicht schon gesagt hast, grinste Kyle. Es sei denn, man versteht zwischen den Zeilen zu lesen. Du arbeitest also eher im Verborgenen – ohne bemerkt zu werden.
    „Und bei eurem... 'langweiligen Job' ..müsst ihr ja furchtbar unterfordert sein. Also sich ein wenig mit den Barakass anlegen?“
    Kyles Miene wurde wieder ernster. „Unterfordert … so kann man das auch ausdrücken. Sagen wir mal so, wenn man auf Action steht, habe ich den falschen Job, aber wenn man auf Ruhe steht, ist es ganz nett. Ich hab nie was mit den Kampfhandlungen zu tun, bin weit weg von allen Gegnern. Das ist für mich auch ganz ok so. Als die Barakass hier waren, bin ich ihnen nicht mal nahe gekommen …“
    Aber dafür, dass ich improvisieren mußte mit dem falschen Gewehr, war der Treffer über gut 500 Meter schon nicht schlecht.

    Kyle griff sich die Thermoskanne und füllte den Becher vorsichtig wieder.
    „Deine Sache finde ich viel interessanter. Im Prinzip hört sich das ja nach einem Job an, bei dem man eher Einzelgänger ist, oder ? Wenn ich mir unsere Sicherheitsvorkehrungen hier ansehe, ist das Eindringen nach Atlantis für einen allein allerdings schwierig bis unmöglich. Wenn du also nicht als „Mitbringsel“ mit einem der Teams hergekommen bist, hast du Helfer gehabt, um herzukommen …“
    Er beobachtete sie genau, während er sprach, - die Mimik, die Körpersprache – und reichte ihr dann den Becher herüber. „Hier, das hilft gegen die Kälte.“


    Reifa

    Reifa entging keine Bewegung, kein Blinzeln, keiner der kleinen Hinweise, die ein mensch neben dem Sprechen nach aussen kommunizierte - denn es war meist unterbewusst, und entlarvte die Lüge, die in den Worten vielleicht verborgen war.
    Bei ihm jedoch war es ein interessantes Rätsel. Offenbar hatte er gelernt, auch diese Ebene zu kontrollieren, und auch wenn das seine wahre Identität und Geschichte schützte und verbarg, so verriet es ihn in gewisser Weise auch. Sowas lernte man nicht überall, und nicht einfach so.

    Und da war es wieder...ein kleiner aber feiner Hinweis. '...dieser Job..' .. 'der falsche Job..'
    Es war die Art, wie Kyle diese beiden unscheinbaren Worte aussprach, die sie hellhörig werden ließen. Kleine Nuancen in der Tonlage verrieten ihr, dass da noch mehr dahinter steckte. Sie unterstellte ihm nicht, dass er log. Aber das musste man auch nicht immer, um die wahrheit zu verschleiern. Er spielte es herunter.. aber sie würde sich nicht ködern lassen indem sie offen nachfragte.

    Immerhin.. hatte sie ihm ja auch nicht gerade ihre Lebensgeschichte offenbart, also wieso es ihm nicht gönnen?

    „Deine Sache finde ich viel interessanter...."
    "Was denn.. wird das jetzt etwa sowas wie ein Verhör?" Den linken Fuss locker auf einen kleinen Vorsprung in der Wand stellend, lehnte sie sich zurück und grinste Kyle wissend an.
    "Nichts ist unmöglich, wenn man die Schwachstellen kennt. aber das muss ich dir ja sicher nicht erklären. Und was eure 'Sicherheitsvorkehrungen' betrifft muss ich sagen, der kürzliche Überfall spricht da nicht unbedingt für euch.."
    Den leicht amüsierten und spitzfindigen Unterton konnte sie dabei nicht unbeidngt verstecken - wenn sie es denn auch gewollt hätte.

    "Danke.." Dadurch dass er ihr gerade die Tasse reichte, konnte sie diesen Kommentar auch noch einen Moment wirken lassen, während sie das Gebräu in der Tasse betrachtete das da so vor sich hindampfte. Und mit der milchig-braunen Färbung irgendwie weniger nach etwas aussah, was sie trinken wollte, sondern mehr als käme es aus einer Abflussrinne.
    "Und du bist sicher dass du mich nicht vergiften willst?"
    Der Geruch allerdings war mehr süßlich und alles andere als unangenehm, was sie wiederum neugierig machte. Vorsichtig nippte sie daran und kostete, mit einem Ergebnis:
    "Hm.. schmeckt bei Weitem nicht so grauenhaft, wie es aussieht.." befand sie, und nippte erneut, ehe sie die angenehm warme Tasse absetzte.

    "Wo waren wir.. ach ja, eure Sicherheitsvorkehrungen. Sagen wir, meine Anwesenheit rührt auch auf genau diese Sache zurück. Sie haben mich genausowenig aufgehalten wie die Genii."


    Kyle


    Was denn.. wird das jetzt etwa sowas wie ein Verhör?“
    Und wieder der Antwort ausgewichen … Kyle grinste. Sie machte das gar nicht schlecht, was auf einige Übung schließen ließ. Doch auch die Worte, die Reifa nicht sagte, sprachen eine deutliche Sprache. Nächster logischer Schritt bei der Taktik wäre jetzt eine Provokation, die ihn davon abhielt, wieder auf das Thema zurück zu schwenken. Bingo !
    „Nichts ist unmöglich, wenn man die Schwachstellen kennt. aber das muss ich dir ja sicher nicht erklären. Und was eure 'Sicherheitsvorkehrungen' betrifft muss ich sagen, der kürzliche Überfall spricht da nicht unbedingt für euch.“
    So vorhersagbar wie die allmorgendlichen Gegenangriffe in Fallujah !
    „Ok, der Überfall spricht nicht für uns, aber die Tatsache, dass wir ihn zurück geschlagen haben, schon, oder meinst du nicht ?“ gab er in dem gleichen neckenden Tonfall zurück, den sie ihm gegenüber verwendet hatte.

    Sie nahm den Kaffeebecher entgegen und musterte den Inhalt mit skeptischem Blick. Nur ein weiterer Hinweis mehr zu dem, was Kyle schon vermutete, dass sie nicht von der Erde stammte. Sonst hätte sie mit dem Getränk höchstwahrscheinlich bereits Bekanntschaft geschlossen. Bei ihrer Frage musste er erneut grinsen.
    „Vergiften ? Woa, nein. Dann hätte ich eher das Zeug aus der Kantine genommen.“
    Der Geschmackstest fiel offensichtlich positiv aus.
    Glaub mir, es gibt grauenhaftere Anblicke als das …

    „Wo waren wir.. ach ja, eure Sicherheitsvorkehrungen. […] Sie haben mich genauso wenig aufgehalten wie die Genii“, stichelte sie weiter.
    Amüsiert grinsend streckte Kyle die Beine und begann an den Fingern die bisherigen Erkenntnisse abzuzählen.
    „Ok, rekapitulieren wir doch mal, was wir haben: erstens, du misstraust mir … das ist völlig in Ordnung, würde ich auch nicht tun, schließlich bin ich ein Fremder für dich und Vertrauen gibt es nicht geschenkt, das muss man sich verdienen. Zweitens unsere Sicherheitsvorkehrungen halten dich nicht auf, denn … drittens erkennst du die Schwachstellen. Viertens bist du jemand, der es vorzieht, im Verborgenen herumzuschleichen …“
    Alles Dinge, die einen guten Scout ausmachen, was erklärt, warum du deinen Job und deine Anwesenheit genauso herunter spielst wie ich.
    Vom Ringfinger zum kleinen Finger wechselnd schaute er ihr über seine Hände hinweg tief in die Augen.
    „Fünftens – so wie du von ihnen sprichst, gehörst du weder zu den Barakass noch zu den Genii, bist aber mit ihnen hergekommen, was die Vermutung nahe legt, dass sie dich wegen deiner Fähigkeiten unter 2 bis 4 mitgenommen haben. Wenn ich mal raten müsste, würde ich auf die Genii tippen, denn denen traue ich das eher zu. Die Barakass erinnern mich vom Feingefühl her immer an meinen früheren Kameraden Ham … der hat Türen auch lieber aufgetreten als anzuklopfen. Da du es offenbar aber gar nicht aushalten konntest, von den Genii wegzukommen, war es wohl nicht gerade dein Herzenswunsch herzukommen. Es war vielleicht eine Zweckgemeinschaft – oder sie haben dich gar unter Druck gesetzt.“
    Du hast also keine Verstärkung zu erwarten und hast nichts zu verlieren. Das bedeutet, du bist gefährlicher, als du es mir weismachen willst.

    Er grinste spitzbübisch und griff nach der Thermoskanne.
    „Noch’n Schluck Cappu ?“


    REifa


    "Okay, rekapitulieren wur doch mal... “
    Alleine schon dieser eine Satz, zusammen mit der Art und Weise wie er diesen Satz begann, und es sich demonstrativ etwas bequemer machte ließ Reifa aufsehen und ihm gespannt einen automatisch frechen Blick zuwerfen. Gespannt, was das denn jetzt wohl werden würde. Ein weiterer Schachzug, gewiss. Gar keine Frage. Nur von welcher Art, das galt es abzuwarten, und geduldig ließ sie ihn fortfahren - nach wie vor verwegen schmunzelnd.

    Nachdem er geendet hatte ließ Reifa einige Zeit verstreichen, in der sie das Echo der eben aufgestellten Beobachtung einfach nur wirken ließ, und ihrerseits Kyle schweigend aber schmunzelnd musterte.

    "Wow...." Ein anerkennendes Nicken, währenddem das Schmunzeln nach wie vor nicht wich begleitete die Art, wie sie Kyle weiterhin von der Seite ansah. Und sie wählte absichtlich ihren eigenen Tonfall so, dass er vor allem einen weiteren fiesen Konter erwarten würde.. nur um genau das eben nicht eintreffen zu lassen. Es war und blieb ein Spiel, genau wie das unterschwellige, gegenseitige Taxieren.
    "Ich bin beeindruckt.. wirklich beeindruckt. Da versuche ich geschickt alles und nichts zu sagen und du passt nicht nur verdammt gut auf, sondern bist auch noch verdammt gut darin. Ich hab' selten jemanden getroffen der so gut darin war. Scheint, als hätte ich dich wirklich unterschätzt."

    Angesichts dieser offensichtlichen Niederlage und doch .. recht beeindruckenden Leistung konnte selbst sie nicht anders, als ihm anerkennend diesen Sieg einzuräumen. Und es aber doch nicht lassen, ihrem Ausdruck eine leicht herausfordernde, hinterlistige Spur zu verleihen.
    Denn die Taktik die er angewandt hatte .. funktionierte nicht, ohne auch die eigene Deckung etwas fallen zu lassen - was er wie sie vermutete, nur zu gut wusste.
    "Aber du hast Recht.." lenkte Reifa dann erst einmal ein, einen Moment die dampfende Tasse in ihrer Hand betrachtend, wie die kleinen Dampffähnchen vom Wind verwirbelt wurden und ihr einen Moment wieder nahe brachten, wo sie sich eigentlich befand. Entschieden scheuchte sie dieses Detail aber diesmal beiseite und schloss für eine Sekunde die Augen, ehe sie fortfuhr.
    "Ich gehöre weder zu den Barakass, noch zu den Genii, auch wenn Letztere daran Schuld sind, dass ich hier bin. Gewissermaßen... ich kann verlockenden Angeboten einfach nicht widerstehen... das wollte ich mir schon lange abgewöhnen."
    Was mit Sicherheit wieder eine wunderbare Vorlage ist für einen dummen Spruch... begleitete der Gedanke diesen Satz, zusammen mit einem flüchtigen frechen Blick.
    "Den Rest hast du ja schon sehr gut erraten, also brauche ich mir nicht mehr den Mund fusselig. Was das Wegkommen angeht, berufe ich mich dann auf Punkt Fünf.. wie du richtig erkannt hast, ich gehöre nicht zu ihnen, also war ich nicht scharf drauf, mich mit ihnen gefangen nehmen oder gar abschlachten zu lassen - so weit reicht meine Solidarität nicht. Und ein wenig häng' ich dann doch an meinem Leben..."

    Grinsend beendete sie den Satz und ließ sich doch dazu durchringen, eine weitere Tasse des ekligbraunen Gesöffs zu nehmen. Wirklich nicht gerade appetitlich, aber der süßliche Geschmack ließ das durchaus verzeihen.

    "So... also.. so viel du jetzt also über mich weißt.. " Wie du mir... So leichtfertig und unbekümmert sie gerade noch gewesen war, war ihre Art mit diesem Moment wie ausgewechselt - nach wie vor frech und verschlagen, doch gleichzeitig auch mit einem Ernst und einer Festigkeit durchsetzt, die nichts mehr von der überraschten überrumpelten oder ängstlichen Person hatte, zu der ihre Höhenangst gehörte.
    ".. so viel hast du dich selbst verraten. Die Gabe, einen Menschen so gezielt zu lesen haben nicht viele. Die, die das können haben entweder ein angeborenes Talent dafür, oder ein verdammt gutes Training darin. Oder beides. Ich kann mir vorstellen dass du dir jetzt sicher das natürliche Talent zuschreiben würdest, aber das kaufe ich dir nicht ab. Der abgelegene Platz, der Beobachtungsposten, die Fähigkeit sich unbemerkt an jemanden anzuschleichen, die Reflexe.. du bist höflich und freundlich und trotzdem vorsichtig.. und ich glaube dir zwar, dass du mit den Barakass nicht direkt Kontakt hattest .. aber ich glaube nicht, dass du nicht trotzdem an der Sache beteiligt warst, oder? Denn dafür hast du eine erstaunlich gefestigte Meinung von ihnen, also bist du ihnen schon begegnet, und du lebst noch. Ich denke, du hast ein klein wenig Erfahrung darin, ungesehen zu bleiben und dort, wo du es nicht willst, nicht gesehen zu werden. Türen tritt man auch nicht ein wenn man nur mal zu Besuch kommt, sondern wenn man Widerstand erwartet den man verhindern will. Also hast du zumindest mit der Langeweile in deinem Job gelogen. Treffer oder Niete?"



    Kyle

    Alles Lächeln von ihr kaschierte nicht, dass sie angespannt war, als er begann, seine Punkte aufzuzählen – nicht ängstlich verkrampft aber doch neugierig ausharrend, was er sagen würde. Nachdem er geendet hatte, erwartete er fast ein Abstreiten oder Ablenken, doch das war offensichtlich zu „männlich“ gedacht.
    „Wow … Ich bin beeindruckt.. wirklich beeindruckt. […] Scheint, als hätte ich dich wirklich unterschätzt.“
    Das Lob kam – zugegebenermaßen – etwas unerwartet, doch der Tonfall verriet sie. Er passte nicht zu den Worten und Dinge, die nicht passten, ließen Kyles intensiv antrainiertes Alarmsystem anspringen. Es war, als durchsuche man ein Gelände nach einem feindlichen Schützen, der sich nicht durch die geringste Bewegung verriet, um ihn dann anhand eines winzigen Fehlers in seiner Tarnung zu entdecken – ein Zweig, der farblich nicht passte, oder ein Grasbüschel, dessen Halme in der falschen Richtung angeordnet waren. Auf solche Dinge zu achten, war er geschult worden, und diese Beobachtungsgabe schlug auch bei alltäglichen Situationen immer wieder durch.
    Er grinste, um sich den Anschein zu geben, dass er sich über das Lob freute, dann wartete er auf ihre nächste Aktion.

    „... ich kann verlockenden Angeboten einfach nicht widerstehen... das wollte ich mir schon lange abgewöhnen.
    Jetzt wurde Kyles Grinsen noch breiter. „Ja, ich kenn das … mit den Angeboten, die man nicht ausschlagen kann …“ Mein Dad und seine „Freunde“ sind Meister in dieser Disziplin. Darum wollte ich dort auch weg.

    „So... also.. so viel du jetzt also über mich weißt ... so viel hast du dich selbst verraten. […]Treffer oder Niete?“ Schlagartig war der Ernst in ihre Stimme zurück gekehrt. Ihr Blick hatte etwas lauerndes, als sie nun den Spieß umdrehte und ihm ihre kleine Aufzählung präsentierte. Kyle lachte leise, um sie im Unklaren darüber zu lassen, was sie richtig geraten hatte und was nicht.

    „Treffer UND Niete !“ antwortete er vergnügt. „Weißt du, ich habe zwei ältere Brüder, die waren als Kinder ziemlich nervig – und eigentlich sind sie es heute noch. Bei ihnen war ich immer derjenige, der getriezt wurde, und wenn sie ihre Freunde zu Besuch hatten, war es besonders schlimm. Wenn du dich da nicht unsichtbar machen konntest, warst du verraten und verkauft. So etwas trainiert das Verstecken und das Schleichen – und daher habe ich auch heute noch meine Vorliebe für abgelegene ruhige Ecken. Den Barakass bin ich tatsächlich nie begegnet. Ich bin auch noch nicht lange hier in der Stadt, aber die, die schon länger hier sind, erzählen viel, wenn man abends beim Bier oder Kartenspiel zusammen sitzt – und wer zuhören kann, schnappt so einiges auf. Tja, und das mit den aufgetretenen Türen … das war symbolisch gemeint. Ham ist halt ein Raubein. Das passt zu dem, was man mir über die Barakass erzählt hat. Bei dem, was ich mache, trittst du keine Türen auf …“
    Wir kleben eher ein Päckchen C4 an die Tür oder feuern eine Gewehrgranate rein. Das geht schneller und ist wesentlich ungefährlicher – allerdings nicht für die drinnen.
    „Also wie du siehst, hat alles eine ganz normale, unspektakuläre Erklärung.“


    Reifa

    „Treffer UND Niete !“
    Na, das war aber interessant.... Reifa wirkte nach aussen hin unbeteiligt, aber verfolgte umso genauer und interessierter jede noch so kleine Kleinigkeit. Erst recht jetzt, da er versuchte, sie durch die geschickte Mischung von Wahrheit und Schummelei in die Irre zu führen.
    Er wusste auf jeden Fall, was er tat, und addierte mit genau diesem Manöver erst recht einen weiteren Beweis dazu, dass er weit mehr drauf hatte, als er ihr hier weiß machen wollte. Und ein leises zuverlässiges und hart erlerntes Stimmchen ihrerseits verriet ihr, dass er das vielleicht sogar mit Berechnung und Absicht tat.

    Für Aussenstehende wirkte ihr kleiner Sit-In wie eine ganz normale, banale Unterhaltung, aber genau das war, was sie beide verband, und dem sie beide nicht ganz widerstehen konnten, es auszutesten. Aussagen zwischen den Aussagen, die Kunst zu sprechen ohne es zu sagen. Sie kannte sich aus mit solchen 'Zwischenwelten', die eigentlich frei für jeden sichtbar waren - wenn man denn darauf achtete. Und wusste, worauf man achten musste.

    Der gesamte Cadre funktionierte auf diesem einen, simplen Prinzip...auch wenn sie dieses Pronzip selbst nur als Mittel zum Zweck nutzte. Genau wie den Cadre selbst, aber manche Dinge im Leben erforderten eben einfach ihren Preis.

    "Ältere Brüder, hm? Ja, die können wirklich anstrengend sein..." Und lassen einen selbst dann nicht in Ruhe wenn sie längst verschwunden sind... Einen Moment drifteten Reifas Gedanken wieder ab. Familie konnte man auf viele Arten definieren... immer auf die, die einem gerade half zu überleben und den Mut nicht zu verlieren. Es half darüber hinweg, wenn man die echte Familie verloren hatte. Ein Ersatz für das Loch, das doch nie gefüllt werden konnte. Sie hatte keine Ahnung, was mit Dren war. Wo er war. Wie es ihm ging. Und ob er einen ähnlichen Weg gefunden hatte, sich durchzuschlagen. Stark war er immer gewesen. Und das, was für Reifa vollkommen ausser Zweifel war, war dass er lebte. Irgendwo. Etwas anderes akzeptierte sie nicht. Allerdings hatte er es nicht zu den anderen zurückgeschafft, oder war bisher einfach nicht dort hin gegangen, aber solange sie nicht wusste ob er lebte, wusste sie auch nicht ob er tot war. Und so lange konnte sie an dem Glauben festhalten, dass er lebte. Und das war alles, was zählte.

    "Kein Wunder, als Nesthäkchen muss man lernen, sich durchzuschlagen, oder man wird gerupft und verputzt. Aber gerade das schult doch für das Leben, nicht?"
    Nein, er brauchte nicht antworten. Um auf die 'Zwischenwelten' zurückzukommen, konnte sie die Antwort sowieso lesen bevor er sie überhaupt irgendwie kundtat.
    "Verraten und Verkaufen ist ja auch eine allgemeinläufige gängige Taktik. Sogar unter angeblich Verbündeten.." erwiderte sie ihrerseits mit einem etwas zu auffällig unschuldigen Ausdruck, ehe sie aber auch prompt fortfuhr. "Gerade da kann ich dir wirklich nur raten, dich von den Barakass fern zu halten. Die sind nicht so vertrauenseelig und umgänglich wie ich es bin. Das haben wir ja leider auch feststellen müssen."
    Trotz allem ein wenig vergnügt, nippte sie unbewusst noch einmal an dem Cappuchino - dessen sie mittlerweile die zweite Portion hatte. Nach wie vor war sie der Meinung dass er seltsam schmeckte, aber man doch nicht genug davon bekam. Und dieses lustige Kribbeln war wirklich interessant…

    „Weißt du ich hatte eigentlich ganz gute Karten...nach dem wir durch das Portal waren und ich mich abgesetzt hatte, hab ich einen von euren schlauen Köpfen zu fassen gekriegt. Verunsichert, fahrig, und nervös. Richtig leicht auf die Palme zu bringen. Hat fast Spass gemacht, aber einer von den Typen die einem echt das Ohr abkauen."
    Der Spass an dieser Erinnerung spiegelte sich in ihrer Stimme und dem frechen Schmunzeln wider. Dieser Teil der Erinnerung jedenfalls.
    "Er ließ sich so richtig schön manipulieren, bis uns einer dieser schießwütigen Barakass begegnet ist, und beschlossen hat erst mal auf alles zu schießen was sich bewegt." Auch diesmal war ein Schmunzeln beteiligt, wenn auch eher von der weniger erfreuten Sorte. "Das hat diesem .. wie hieß er.. Meckey.. die Chance eröffnet mich in eine nette Falle laufen zu lassen."
    Reifa stockte, etwas irritiert über ihre eigene, plötzliche Redseligkeit und sah zuerst die Tasse, dann Kyle skeptisch an.


    Kyle

    Irgendetwas ging da vor sich. Dass Reifa von dem taxierenden Lauern in eine gedankenverlorene Stimmung abrutschte, hatte Kyle bereits zuvor beobachtet. Dieses Mal schien die Erwähnung der älteren Brüder der Auslöser zu sein. Ganz eindeutig war ihr diese Erfahrung nicht unbekannt. Sie hatte also selbst einen oder mehrere ältere Brüder und war offenbar – ebenso wie Kyle – das Jüngste der Geschwister gewesen. Was wohl aus ihren Geschwistern geworden war … in ihrem Gesicht war kein Lächeln zu erkennen, als sie ihren Gedanken nachhing, fast so, als wenn es eher wehmütige Erinnerungen waren – Dinge, die vergangen und unwiederbringlich waren. So wie er vermutlich in einigen Jahren an die Einsätze mit Coleman zurückdenken würde. Warum eigentlich erst in einigen Jahren ? Eigentlich vermisste er ihn jetzt schon.

    Doch aus der nachdenklichen Stimmung kehrte Reifa verändert zurück. Anstatt so ausweichend wie möglich zu antworten und nichts von sich preiszugeben, wurde sie jetzt zusehends lockerer.
    „Verraten und Verkaufen ist ja auch eine allgemeinläufige gängige Taktik. […] Die sind nicht so vertrauensselig und umgänglich wie ich es bin. Das haben wir ja leider auch feststellen müssen.“
    Vertrauensselig ? Du ??? Eher glaube ich, dass es im Irak keine Sprengfallen gibt. Kyle musterte sie mit höflichem Lächeln, das seine wahren Gedanken verbarg. Sie wirkte fast schon ein wenig fröhlich und das machte auf ihn absolut keinen gespielten Eindruck.
    „Weißt du ich hatte eigentlich ganz gute Karten...nach dem wir durch das Portal waren und ich mich abgesetzt hatte, hab ich einen von euren schlauen Köpfen zu fassen gekriegt. […] Das hat diesem .. wie hieß er.. Meckey.. die Chance eröffnet mich in eine nette Falle laufen zu lassen.“
    Der plötzliche Redefluss und die zunehmende Lockerheit von Reifa waren verdächtig und hätten Kyle beinahe von dem abgelenkt, was sie sagte. Der Name, den sie jedoch nannte und den er nicht sofort zuordnen konnte, brachte ihn jedoch zu seiner Konzentration zurück.
    „Meckey ? Mecki ? Ach, meinst du McKay ?“
    Eigentlich kann sie nur ihn gemeint haben. Der gehört definitiv mit zu den schlausten Köpfen hier und das er reden kann, ohne zwischendurch Luft holen zu müssen, habe ich auch schon gehört.
    Das Stocken, mit dem sie sich unterbrach, und der skeptische Blick in den Kaffeebecher waren das letzte Indiz, das noch fehlte, um Kyle auf die Spur des Mysteriums zu bringen.
    Der Cappu ! Ob sie das Zeug nicht verträgt ? Es scheint Nebenwirkungen bei ihr zu haben. Das Koffein vielleicht ? Das würde einen Sinn ergeben. Obwohl es bei den Einweisungen keinerlei Hinweise darauf gab, dass die Leute aus dieser Galaxie Probleme mit unserer Nahrung haben. Aber wenn sie aus einem Volk stammt, das anders reagiert ? Eines, mit dem die Leute hier noch nicht zusammen getroffen sind ? Bisher hat man – was Nahrung anbelangt – ja nur Erfahrungen mit den Athosianern gemacht, mit den Genii und vielleicht den Barakass – und eben mit einem Menschen von Sateda. Das muss ja nicht bedeuten, dass alle anderen Völker hier genauso reagieren. Puh, hoffentlich wird sie mir hier nicht zu Hammy, dem Eichhörnchen.
    Ein bisschen fühlte sich Kyle an gemütliche Abende mit seinem alten Team erinnert. Coleman und Sanchez waren vom „Feuerwasser“ – also den härteren Spirituosen – immer ähnlich aufgekratzt gewesen. Für einen Augenblick drängte sich ihm der Gedanke auf, dass es womöglich Ärger geben könnte, wenn er Reifa nach Genuss von zuviel Cappuchino am Ende huckepack zurück bringen und bei ihren Wachen abliefern musste. Der Blick, den sie ihm jetzt zuwarf, schien außerdem anzudeuten, dass sie ihn verdächtigte, sie mit diesem Getränk absichtlich zum Reden bringen zu wollen. Ein schnelles Ablenkungsmanöver war jetzt erforderlich.

    „Du bist auf McKay getroffen und ihr beiden seid von einem Barakass angegriffen worden ? Wow, das macht mich jetzt neugierig. Wie habt ihr es geschafft, den Angriff abzuwehren ? Da du hier jetzt so unversehrt sitzt, müsst ihr ihm ja irgendwie entkommen sein.“
    Mit dem charmantesten „Können-diese-Augen-lügen“-Blick, dessen er fähig war, lächelte er sie an und hob die Thermoskanne.
    „Ist dein Becher leer ? Möchtest du noch was ?“


    Reifa


    "McKay! genau der!" griff Reifa den genannten Namen auf, die eben noch aufkeimende Skepsis weggeweht wie der Nebel im Sonnenlicht und in dem leichten, schummrigen Gefühl davongetragen als Kyle diesen Namen aufbrachte.
    "Auch wenn das Kopfgeld bei den Nerven die er kostet für den Aufwand deutlich zu gering ist..." fuhr sie leise, und mehr laut gedacht als beabsichtigt fort, den Blick in der Erinnerung an diese Begegnung abgewandt und schüttelte sich kurz.
    Als eigentlich geschicktes Spiel und Schachzug begonnen, hatte er trotz des unsicheren und leicht zu beeinflussenden Anscheins sehr schnell bewiesen dass er verdammt hinterhältig sein konnte. Aber dass sie sich auf diese ganze Sache gar nicht erst hätte einlassen sollen, hatte sie ja schon bemerkt.
    Einen Moment kehrte die Irritation zurück und sie schüttelte leicht den Kopf, um das seltsame benebelte Gefühl loszuwerden. Das konnte doch nicht an dem Getränk liegen - wie hatte Kyle es genannt? Kapu..Katschu.. Kaputscho.. Kaputschino? Prüfend fuhr sie sich mit der Zunge über die Lippen, aber sie hatte auch vorher schon keinen Alkohol herausgeschmeckt. Ausserdem vertrug sie davon ein wenig mehr als einen Becher, doch wieder ließ sie sich von seiner Frage ablenken ohne dass sie es eigentlich wollte.

    "Abwehren? Ja genau, abwehren... mich hat er stellen können, dieser Mackay, aber dann bei dem Barakass Panik bekommen. Und ich wollte eine Geisel, und nicht mich metzelnd durch die Gänge wüten! Wir sind entkommen, in irgend so einen kleinen Raum der einen woanders wieder rauskommen lässt... und da war die Falle. Dieser Mistkerl..Vertraue niemandem wenn du nicht ein Messer in den Rücken haben willst.." Letzterer Satz kam mit einem schiefen Schmunzeln und einem kurzen, ironischen Auflachen bis sie erneut blinzelte.
    Sie fühlte sich plötzlich so leicht und unbeschwert, fast ein wenig beschwippst. Irgendwie aber war ihr das im Moment auch egal...
    Den Blick wieder zu Kyle wendend sagte ihr ihr Unterbewusstsein, dass irgendwas an seinem breiten, zuckersüßen Lächeln nicht stimmte, doch scheiterte sie irgendwie daran, herauszufiltern was ihr ihr Gefühl zu sagen versuchte. Denn irgendiwe war ihr auch das egal. Es ging irgendwie alles unter, nicht greifbar wie eine flüchtige Wolke.
    Stattdessen fiel ihr Blick auf die Kanne in seiner Hand, und breit grinsend hielt sie ihm den Becher hin.
    "Gerne! Das Rezept muss ich bei Zeiten mal klauen..."



    Kyle

    Ganz eindeutig: der Cappuccino zeigte Wirkung bei Reifa – eine recht unerwartete Wirkung zumindest für Kyle, aber es wäre unrealistisch gewesen zu erwarten, dass neue Galaxien nicht auch neue Überraschungen bereithalten konnten. Das anfängliche schlechte Gewissen, das ihn angesichts der Tatsache beschlich, Reifas offensichtliches Handikap auf diese nicht ganz faire Weise auszunutzen, löste sich allerdings umgehend in Wohlgefallen auf, als Kyle von ihr die Worte „Kopfgeld“ und „Geisel“ vernahm. Wenn das jetzt nicht gespielt war, hatte sie soeben einen ungewollten Einblick in ihre Motivation für den Aufenthalt in Atlantis gegeben. Auch wenn er sich äußerlich nichts anmerken ließ, schrillten innerlich die Alarmglocken in Kyle. McKay hatte offensichtlich mächtig Glück gehabt, die geplante Geiselnahme abzuwenden und stattdessen den Spieß umzudrehen und Reifa gefangen zu nehmen.

    Der hingestreckte Becher enthob ihn der Notwendigkeit, sofort darauf antworten zu müssen. Vergnügt lächelnd schenkte er noch einmal nach und zwinkerte ihr zu.
    „Freut mich, dass es dir schmeckt. Ich mag das Zeug auch total. Das Rezept würde ich dir glatt so überlassen, wenn du es allerdings gern klauen möchtest, dann lässt sich das mit Sicherheit auch arrangieren.“ Wenn ich dich aber mit den Fingern auf meiner Saeco erwische, vergesse ich, dass du `ne Lady bist, und lege dich doch übers Knie !!!

    „Ihr seid also mit einem Transporter entwischt … gute Idee, muss ich sagen. War vielleicht nicht schlecht, dass es so gekommen ist, auch wenn’s für dich ärgerlich ist, dass er dich überrumpelt hat. Wenn die einzige Alternative gewesen wäre, von dem Barakass erschossen zu werden ?“
    Du hast ziemliches Glück mit denen, die dich gefangen genommen haben, weißt du das eigentlich ? Hätte wesentlich schlimmer kommen können … schlimm genug, um sich zu schwören, nie wieder lebend in die Hände des Feindes zu fallen. Feinde wie die Barakass zum Beispiel … oder noch übler.

    Ganz kurz stiegen Erinnerungen in ihm auf – und wurden energisch beiseite gewischt von dem Gedanken, ob die Führungsoffiziere von Atlantis über die Sache mit dem Kopfgeld informiert waren. Reifa hatte bisher nicht den Eindruck gemacht, Informationen leicht preiszugeben, so dass es Kyle durchaus für möglich hielt, dass diese ungewohnte auf der Wirkung des Cappuccino basierende Redseligkeit ein absoluter Glücksfall war. Er musste unbedingt mit einem seiner Vorgesetzten sprechen, wenn er Reifa wieder bei ihren Wachen abgeliefert hatte. Diese Information durfte nicht unter den Tisch fallen. Es konnte bedeuten, dass die Sicherheitsvorkehrungen bei den Offworld-Missionen erhöht werden mussten.

    Er musste grinsen. Und dann gibt’s einen Einlauf, weil ich die Info bekommen habe, indem ich eine Gefangene unter „Drogen“ gesetzt habe. Gratuliere – die Arschkarte ist mir sicher, egal, was ich tue.


    Reifa


    Reifas Antwort auf Kyles Angebot betrefflich des Rezeptes war ein amüsiertes Grinsen, das in einem leisen ansatzweisen Kichern endete. Das durchaus darauf schließen ließ, dass der Cappuchino eine beschwippsende Wirkung auf sie hatte, über dessen Erkenntnis sie allerdings in ihrem Zustand bereits hinweg war.
    Bereitwillig und fast ein wenig gierig nahm sie die gefüllte Tasse wieder entgegen und trank einen weiteren Schluck, erneut über das merkwürdige Kribbeln amüsiert die Nase rümpfend.
    Dieses leicht beschwippste Gefühl trübte ihr eigentliches Vorhaben, weiterhin auf Vorsicht zu setzen und zu versuchen, durch die Gesprächsführung Kyle Informationen zu entlocken. Vielmehr hatte sich diese Taktik ungewollt umgedreht und der Cappuchino benebelte vielmehr ihre eigene Aufmerksamkeit - ohne dass es wirklich mehr zu ihr durchdrang.

    "Transporter... wie auch immer.. eben so 'n kleiner Raum, bei dem die Türen sich geschlossen haben und nach dem Öffnen.." es folgte eine verdeutlichende Bewegung mit den Händen, wodurch sich ein Teil des Cappuchinos schwappend aus dem Becher bewegte,
    ".. waren wir in einem ganz anderen Flur. Das macht's aber verdammt schwer, sich zu orientieren. Nur deswegen konnte .. konnte mich dieser.. McKay.. in die Falle locken.."
    Jetzt erst bemerkend dass ihre Hand in der sie den Becher hielt nass war, stellte sie den Becher beiseite und wischte sich die Hand ab, diesmal die Nase rümpfend.

    "Und die Barakass hätten mich nicht erschossen.. naja.. gut.. vielleicht doch. Aber mir wäre bestimmt was eingefallen, mich freizukaufen.. es gibt immer irgendwelche Schlupflöcher.. das ist der Trick an der Sache..."
    Die Art wie sie die Stimme senkte und ebenso den Blick der sich verfinsterte, machte deutlich dass sie damit nicht unbedingt glücklich war, diesen Weg zu verfolgen und doch letztlich dazu gezwungen war dies zu tun.



    Kyle


    Yeah, das wird definitiv ein Nachspiel haben … Das leise Kichern von Reifa erinnerte Kyle fatal an seine Schwester nach dem Genuss von zu viel Sekt. Bei dem Gedanken an mögliche Konsequenzen der derzeitigen Situation hätte er sich am liebsten die Haare gerauft, aber irgendwie war ihr Verhalten auch witzig und so beschränkte er sich auf ein unschuldiges freundliches Grinsen.

    Langsam schien der Cappuchino auch ihre Feinmotorik zu beeinflussen. Okay, Memo an mich – den Becher das nächste Mal nicht mehr ganz so voll machen … überlegte Kyle, als er die überschwappende Flüssigkeit bemerkte – einigermaßen erleichtert, dass das Getränk mittlerweile doch nicht mehr so heiß war wie frisch aus der Maschine. Mit Cappuchino unter Drogen gesetzt ist schon schlimm genug, aber dann auch noch gefoltert, in dem du dir daran Brandwunden holst, muss ich jetzt wirklich nicht haben.

    „Ja, diese Transporter sind ganz nützlich, auch wenn es etwas dauert, bis man sich daran gewöhnt hat. Das Problem mit der Orientierung hatten wir alle am Anfang … das ist normal.“
    Und vor allem ist es auch vollkommen ok, wenn man – wie du – hier ungebeten hereinplatzt und vorhat, jemanden als Geisel zu nehmen, verkniff er sich gerade noch rechtzeitig und fuhr mit schmeichelnder Stimme fort.
    „Ich schätze mal, jemand mit deinen Fähigkeiten hat bestimmt eine ganze Menge Tricks auf Lager, um mit den Barakass oder anderen gefährlichen Leuten zu verhandeln.“
    Solange die keinen Cappuchino gegen dich einsetzen …

    Abwartend beobachtete Kyle die junge Frau, während er sich in Gedanken fragte, welche Wirkungen das Getränk noch entfalten mochte. Würde sie aggressiv, hemmungslos oder einfach nur müde werden ? Letzteres war zweifelsohne die Variante, die ihm am liebsten wäre, aber getreu dem Motto „erwarte das Unerwartete“ glaubte er noch nicht so recht daran, soviel Glück zu haben. Vielleicht war es doch langsam an der Zeit, die Wachen zu informieren oder zu ihnen zurück zu kehren.


    REifa


    „Ich schätze mal, jemand mit deinen Fähigkeiten hat bestimmt eine ganze Menge Tricks auf Lager, um mit den Barakass oder anderen gefährlichen Leuten zu verhandeln.“
    Reifa hob den Blick, der prüfend an Kyle und seinem beinahe auffällig unauffälligen Ausdruck hängen blieb, doch scheiterte sie aufgrund der ungeplanten Wirkung des Cappuchino an der Hürde, seine wahre Intention hinter dieser Aussage mit der nötigen Vorsicht zu durchschauen.
    Wobei sich dadurch ihre Antwort nicht großartig davon unterschied als wenn sie es registriert hätte, doch fehlte eben die nötige Aufmerksamkeit und Vorsicht.

    "Glaub' ja nicht dass ich dir irgendwas über meine Tricks verrate..." kam dann die nach deutlich längerem Denkprozess entstandene Antwort mit einem angeheiterten Grinsen und zusammengekniffenen Augen.
    "Ich weiß was das wird." fuhr sie fort unterstrichen von einem durchschauenden Fingerdeut mit dem Becher in der Hand, dessen Inhalt aufgrund der mittlerweile auch beeinträchtigten Motorik dem Rand gefährlich nahe kam.
    "Ich erklär dir mal was..." Lässig selbstbewusst und begleitet von der leichten Inkoordination stützte sie ihren Ellbogen des Becherarms auf dem Knie ab und beugte sich vor.
    "Wenn du jemanden verhören willst sodass er rausrückt mit dem was du wissen willst, dann bedrohe ihn einfach mit einer Waffe. Egal was. Irgendwas. Hauptsache es macht ihm richtig Angst. Er muss ja nicht wissen dass du es gar nicht benutzen willst. Es geht nur um den Schein, kapiert?" Wieder bewegte sich der Becher ausgiebig mit in einem Schulterzucken.
    "Wenn du aber an die Informationen rankommen willst, ohne dass derjenige es merkt, muss schon was Besseres kommen. Du musst mit ihm spielen... wie mit diesem Meckey... plötzlich stand er hinter mir mit der Waffe und ja, ich HAB mich überraschen lassen. Aber er hat das Ding gehalten als könne sie beißen.. also hab ich angefangen ihm ein schlechtes Gewissen zu machen - von wegen unbewaffnet und so... lass ihn in dem Glauben er kontrolliere die Situation. Schließlich hatte ich ihn so weit, dass er den Fehler gemacht hat die Waffe zu senken.. Boom. Bleib im Hintergrund und spiele die Karten geschickt aus, das ist der Trick..."

    Für den Moment innehaltend drangen diese Worte in ihr eigenes Bewusstsein durch und sie starrte mit einer prüfenden Schnute auf den Becher ehe sie beinahe anklagend aber schnippisch aufsah.
    "So wie das hier, aber der versuch war echt schäbig..."
    Noch immer der Meinung, Kyle durchschaut zu haben leerte sie den Becher in einem selbstbewussten Zug und stand auf.

    Oder hatte das zumindest vor, jedoch deutlich die Wirkung des irdischen Getränkes unterschätzt. Mit zu viel Schwung für den Gleichgewichtssinn verpasste sie den Griff nach der Reling und strauchelte nach vorne, Kyle als Airbag mehr oder weniger in die Arme.


    Kyle


    Kyle ließ den Wortschwall über sich ergehen ohne mit der Wimper zu zucken. Reifas skeptische Blicke waren ihm nicht entgangen, doch der Cappuchino schien inzwischen ganz gehörig Wirkung zu zeigen, denn trotz ihres unverkennbaren Misstrauens erzählte sie ganz munter drauf los und Kyle beschloss geistesgegenwärtig, diesen „Flow“ jetzt nicht zu stören, und bemühte sich gleichermaßen harmlos und freundlich auszusehen. Rein inhaltlich bekam er nichts Neues zu hören, doch ihre Ausführungen waren insoweit interessant, als sie offenbarten, über welche Kenntnisse und Methoden sie verfügte. Eigentlich war dieser ganze psychologische Schnickschnack nicht nach seinem Geschmack. Es hatte zwar in seiner Ausbildung keinen unwesentlichen Anteil gehabt, aber er war trotzdem froh, damit relativ wenig zu tun gehabt zu haben, wenn er mit seinem Team im Einsatz gewesen war. Man mochte über Lobos Methoden denken, was man wollte, aber seine Verhöre hatten immer zum Ziel geführt, auch wenn es in der Regel bedeutete, dass man anschließend ein größeres Loch schaufeln durfte.
    Nachdenklich betrachtete Kyle Reifa und überlegte, ob sie zu so etwas in der Lage wäre, oder wie sie über solch eine Vorgehensweise denken würde. Manchmal überraschten die Menschen einen ja und gerade Reifa hatte im Verlauf ihrer kleinen Unterhaltung durchaus bewiesen, dass es angebracht war, bei ihr auf der Hut zu sein.

    „So wie das hier, aber der Versuch war echt schäbig...“
    Erwischt ! Obwohl ihm innerlich mehr zum Lachen war, schaffte es Kyle irgendwie, einen ebenso unschuldigen wie nichtsahnenden Gesichtsausdruck aufzusetzen. Endlich mal etwas, wo das viele Training sich bezahlt machte.
    „Versuch ? Welcher Versuch ?“ schaute er sie verdutzt an, während sie den Becher leerte und Anstalten machte, sich zu erheben. Das das Aufstehen so einigermaßen unelegant im Sande verlief, erstaunte Kyle nicht wirklich. Nach der Wirkung zu urteilen, die das Getränk auf sie hatte, hatte er schon damit gerechnet, auch wenn eine kleine wachsame Stimme im Hinterkopf leise mahnte, dass das trotz alledem immer noch recht gut gespielt sein könnte.
    So war es dann auch die Vorsicht, die sein Handeln bestimmte, als Reifa ihm plötzlich in die Arme fiel, während er selbst aufstand. Der Versuch, sie vor einem Sturz zu bewahren und trotzdem gleichzeitig ihre Handgelenke zu fassen zu bekommen, um diese von seiner Waffe und den Messern fernzuhalten, war schon ein recht eigenwilliger Spagat, doch in diesem Fall heiligte der Zweck die Mittel. Ihre beiden Handgelenke fest aber nicht schmerzhaft fest umfassend und die Hände auf Abstand zu seinen Waffen haltend bremste er ihre Vorwärtsbewegung ab, so dass sie nicht fallen konnte. Gleichzeitig drehte er sich ein wenig mit ihr, so dass sie an ihm vorbei über die Reling direkt nach unten sehen konnte.
    „Langsam, nicht so stürmisch“, mahnte er sanft. „Da geht’s ziemlich tief hinunter. Wäre echt schade, wenn du da runter fällst.“
    Jetzt wollen wir doch mal gucken, ob die Höhenangst echt oder gespielt ist.



    REifa


    Verdammt...
    Ein kleines Stimmchen, das schon längst kein Mitspracherecht hatte ärgerte sich darüber, dass Kyle in ihrem Sturz hilfsbereit aber zielstrebig ihre Handgelenke gegriffen hatte. Dieser Teil ihres Bewusstseins hatte eh schon nicht mehr genug Kontrolle über ihre physischen Bewegungen, dass sie die ursprünglich gefasste Absicht hätte umsetzen können, doch das dem zugrunde liegende offensichtliche Misstrauen warnte sie. Auch wenn das, genau wie vieles andere mittlerweile aber nicht mehr wirklich bis in ihre eigentliche bewusste Wahrnehmung durchdrang.

    Stattdessen drehte sich alles um sie herum, der Boden wankte, und mehr der Führung durch Kyles Bewegung ausgesetzt konnte Reifa nur benommen folgen.
    „Da geht’s ziemlich tief hinunter. Wäre echt schade, wenn du da runter fällst.“ Was er sagte, drang als kaum mehr als ein verschwommenes Echo zu ihr durch und sie tat sich schwer, sich auf die Worte zu konzentrieren. Was allerdings ganz schnell und klar zu ihr durchdrang war der Blick über die Reling, dessen Reaktion kein klares nachdenke oder nüchternes Bewusstsein benötigte. Sondern ein tief verankerter Instinkt geprägt von Erlebnis und Erinnerung, der Kyles kleines Experiment die Echtheit dieser Panik bestätigte.

    In dem Blick, der sich panisch weitete, die gesamte Haltung die sich unkontrolliert versteifte und verkrampfte und die hektische Art, mit der sie schließlich - ohne den Blick von dem Abgrund nehmen zu können - hektischer atmend begann, sich gegen Kyles Griff und die Nähe zu dem Geländer zu wehren.
    "Lass' mich los! Lass' mich los!!! Yok, ma toy le fékk me tash! Lass' mich LOS!"



    Kyle

    Ganz eindeutig nicht gespielt !
    Die Heftigkeit ihrer doch sehr spontanen Reaktion ließ keinen Raum für Zweifel. Und auch, wenn man einiges schauspielern konnte, so gab es bestimmte Körpersignale, die nicht so leicht zu beeinflussen waren. Ihre Cappuchino-bedingte Benommenheit hatte ebenfalls schlagartig nachgelassen. Was so ein bisschen Adrenalin doch alles ausmachen konnte.

    „… Yok, ma toy le fékk me tash! …
    Ja ne, schon klar. Du mich auch !

    Kyle drehte den Kopf beiseite, so dass Reifa sein Gesicht nicht sehen konnte. Trotz aller Mühe, sich das Grinsen zu verkneifen, schaffte er es nicht ganz und sie sollte keineswegs den Eindruck haben, er lache sie aus. Es war auch weniger ihre Angst, die ihn amüsierte, als vielmehr das wilde Gezappel, mit dem sie vergeblich versuchte, sich aus seinem Griff loszureißen. Rein kräftemäßig brachte sie ihn nicht in Schwierigkeiten. Das moralische Dilemma, welches ihm die Tatsache bescherte, eine Frau gegen ihren Willen derart fest anzupacken, wog schwerer, ließ sich aber für einen Moment damit entschuldigen, dass sie durch ihre Benommenheit ohne sein Eingreifen hinunterstürzen würde. Würde er sie in diesem Moment loslassen, so wie sie es lautstark verlangte, würden Schräglage und mangelnde Standfestigkeit höchstwahrscheinlich dafür sorgen, dass sie über das Geländer stürzen würde. Da er sich für ihren Zustand – wenn auch unabsichtlich – verantwortlich fühlte, war es die logische Konsequenz für ihn, jetzt dafür Sorge zu tragen, dass ihr nichts passieren würde.
    Er ignorierte also ihr Gezappel und auch die Fußtritte, von denen einige an seinen Schienbeinen landeten, und schob sie ohne seinen Griff zu lockern sanft aber unnachgiebig zurück an die Wand – möglichst weit weg vom Geländer – in eine aufrechte Position. Er löste seinen Griff und trat einen Schritt zurück außerhalb ihrer Reichweite. Da er ihrer Standfestigkeit allerdings noch nicht über den Weg traute, blieb er vorsichtshalber zwischen ihr und dem Geländer stehen. Mit einer eher unauffälligen Handbewegung vergewisserte er sich, dass sowohl Pistole als auch beide Messer und auch andere Ausrüstungsgegenstände noch dort waren, wo er sie hingesteckt hatte. Mit mühsam verbissenem Grinsen betrachtete er sie abwartend.
    „Ich glaube, es wird Zeit, dass wir uns mal auf den Rückweg machen. Ein kleines entspanntes Nickerchen könnte dir sicher gut tun …“ … um deinen Koffein-Rausch auszuschlafen. Ab heute nennen wir dich "Hammy".



    Reifa


    Ihre Wehrversuche gingen ins Leere, auch wenn sie ihrer Überzeugung nach immernoch sehr aussagekräftig ihre Meinung dazu kund taten.
    Letztlich wieder an die Wand zurückbugsiert brauchte Reifa einen Moment, um sich zu beruhigen und wieder zu Atem zu kommen, um doch recht zerzaust und aufgebracht den Blick noch immer nocht wirklich von der Reling und dem dahinter lauernden Abgrund wenden zu können.
    Der Boden schwankte unter ihr und der Wind schien eine beinahe spöttische, lauernde Melodie bekommen zu haben.
    Erst die kühle, solide Wand hinter ihr und die Tatsache dass Kyle ihr dann den Blick mehr oder weniger absichtlich versperrte, ermöglichte es ihr, sich von dem Schrecken und der Höhe zu lösen und auch den Blick vom Anblick jenseits des Geländers loszureißen.

    Womit er sich - geklart durch das Adrenalin das alle Benommenheit schlagartig bekämpft hatte - allerdings mit einer mehr als bösen Note in das Gesicht des Mannes bohrte, der ihrer eindeutigen Meinung nach Schuld an dieser ganzen bescheidenen Situation war. Durch den plötzlichen erfrischenden Adrenalinschub entging ihr auch nicht die leichte Nuance, die er zwar erfolgreich aus seinem Gesicht verbannte, sich aber umso mehr in seinen gewitzten Augen widerspiegelte. Er machte sich über sie lustig!
    "Bist du jetzt auch noch Heiler, ja?"
    Der benommene Ausdruck wechselte schlagartig zu einem verärgerten Gegenstück und auch ihre Haltung wurde mit trotziger Beherrschung um einiges koordinierter, als sie sich (dennoch abgestützt an die Wand) von dem Sims wieder erhob um ihm zu beweisen, dass sie seine Hilfe gar nicht brauchte.
    Ihre Umgebung hielt noch immer nicht ganz still, aber immerhin machten ihr ihre Füße den Versuch nicht zunichte sodass sie mehr oder weniger eigenständig schließlich vor ihm stand, das Kinn leicht vorgeschoben und ihn aus verengten Augen mit einem abstrafenden Blick bedenkend.
    "Eure Jungs scheinen ja wirklich nicht all zu helle zu sein.. immerhin bin ich immernoch auf freiem Fuss."
    Auch wenn sie wusste dass sie in einer Konfrontation jetzt nichts mehr ausrichten könnte.. dank der hinterhältigen Methoden dieses Kerls. Ein keckes, amüsiertes Grinsen zog ihre Mundwinkel in einem beschwippsten Ausdruck in die Höhe. "Und an deinen Verhörmethoden musst du auch noch arbeiten. Aber hey.. vielleicht kann ich dir bei Zeiten mal das ein oder andere beibringen..."

  3. #3
    Diplomacy is overrated ... Avatar von Kyle O'Mara
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    Sie brauchte offenbar einen Augenblick, um sich von dem Schreck zu erholen. Eine ganze Weile schaute sie schweigend zum Geländer, während sich ihr Atem langsam beruhigte. Was jetzt kam, kannte Kyle zur Genüge. Frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ verschwand der erschrockene Ausdruck langsam aus ihrem Gesicht und sie ging dazu über, ihn wütend anzuschauen. Nur wenige Sekunden später kam die zu dem Blick passende freche Antwort und Kyle zuckte nur mit betont unschuldiger Miene mit den Schultern.
    Heiler ? Ich ? So würde ich das nicht nennen. Ich kann dir ne Kugel rausschneiden, die Wunde nähen oder einen Bruch schienen, aber Heiler ?
    „War nur gut gemeint“, beeilte er sich einzuwerfen. „Du sahst eben nicht so gut aus.“
    Doch diese Antwort war offensichtlich auch nicht die richtige. Mit trotzig vorgeschobenem Kinn baute sie sich vor ihm auf – immer noch ein klein wenig schwankend, aber immerhin ohne seine Hilfe und ohne sich an die Wand anlehnen zu müssen.

    „Eure Jungs scheinen ja wirklich nicht all zu helle zu sein.. immerhin bin ich immer noch auf freiem Fuss.“
    Kyle grinste vergnügt. „Hey, wir tun unser Bestes, aber jemandem wie dir sind wir einfach nicht gewachsen.“ Und ich schätze mal, es ist ganz okay, wenn ich dich in dem Glauben lasse, du wärst in meiner Gegenwart auf freiem Fuß. Bei der Bemerkung über die Verhörmethoden vertiefte sich sein Grinsen noch. Ja sicher. Du bist die erste, die ich mit Cappuccino beschwipst mache. Sowas wird in der Ausbildung nicht gelehrt, aber freu dich, dass dir nicht zeige, was ich dort und auch später bei Lobo gelernt habe. Dagegen kommst du doch hier gut weg.
    „Ich würde mich freuen, was von dir zu lernen. Wird bestimmt lustig …“ zwinkerte er ihr zu und deutete mit der Hand auf den Durchgang zum Innenraum, ihr den Vortritt lassend. „Lass uns mal zurück gehen. Wenn die erst Alarm schlagen, könnte es Ärger geben.“

  4. #4
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    „War nur gut gemeint. Du sahst eben nicht so gut aus.“

    "Ach!? Ehrlich? Woran mag das wohl liegen, hm?" kam die prompte Antwort, die allerdings bei Weitem nicht so böse gemeint war wie sie vielleicht klang - gut, eigentlich klang sie auch nicht so, nachdem auch Reifa nicht mehr wirklich verstimmt war. Und das hatte nicht einmal was mit den Wirkungen dieses seltsamen getränkes zu tun. Von Kyle ging keine Gefahr aus, im gegenteil, sie hatte sogar das Gefühl, als könnte man ihm vertrauen.

    Deshalb konnte sie auch nicht anders, als am Ende in dieses bübische Grinsen mit einzusteigen und eine schnippische Imitation dessen zu erwidern.
    "Du? Von mir lernen? Oder ist das wieder so eine eurer komischen Verhörmethoden?" Lauernd aber mit nach wie vor dem frechen Ausdruck in den Augen und dem Schmunzeln im Gesicht.
    "Ich weiß ja nicht was du unter 'lustig' verstehst, oder lustig für wen... für mich könnte das echt lustig werden."
    Oh ja.. mit Sicherheit hatte er Tricks drauf, die er bisher nicht mal ansatzweise preisgegeben hatte. Aber sie hatte auch nicht mit offenen Karten gespielt.
    Allerdings war die Idee, sich so langsam auf den Rückweg zu machen wohl (leider) wirklich nicht schlecht.
    So wirklich fit war sie trotz allem nicht mehr.
    "Aber so gerne ich mich mit euren Crevore anlege.. ich glaube ich spiele mal wieder die brave Gefangene. Sonst verlieren meine Wachhunde noch Kopf und Kragen, das will ich ja auch nicht verantworten müssen."

    ..

    Tatsächlich führten die sich auf, als hätte sie versucht irgendjemanden abzustechen als sie nur wenige Flure weiter auf dem Rückweg auf Reifas Aufpasser stießen. Die Tatsache, dass sie offenbar nach wie vor nicht Meldung gemacht hatten über das Verschwinden ihrer 'Aufgabe' ließ Reifa verwegen schmunzeln, scheinbar hatten sie wirklich Angst um ihr Wohl gehabt, das Verschwinden zu berichten.
    Wie die völlige Unschuld in Person machte sie dann auch keine Anstalten sich irgendwie zu wehren, als diese sie schließlich wieder in ihre Unterkunft geleitet hatten.

    **

    Es dauerte danach auch zwei ganze Tage, bis sie soweit wieder 'Freigang' bekam. Letztlich hatte es wohl daran gelegen dass sie aus Langeweile und Protest so ziemlich jede Klappe, Luke und einzelnes Bauteil ihres Quartieres zerlegt und ausgeräumt hatte, sodass man dann doch ihrem Wunsch nachkam, sie zumindest ein wenig Sport treiben zu lassen.
    Mit geborgten Sportklamotten - und natürlich mit Wachhundbegleitung - hatte man ihr dann schließlich die Sporthalle freigegeben um sich ein wenig abzulenken.

  5. #5
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    „Ach!? Ehrlich? Woran mag das wohl liegen, hm?“
    Ihre Frage klang eher schnippisch als böse und so grinste Kyle sie mit entwaffnend unschuldigem Gesichtsausdruck an. „Also, ich tippe ja auf die Höhe … aber das muss dir jetzt echt nicht peinlich sein.“ Glücklicherweise war sie trotz aller Neckerei und Blödelei offenbar vernünftig genug, um den Rückweg ohne Gegenwehr und weitere Fluchtversuche anzutreten. Kyle war insgeheim froh darüber, hatte er doch nach ihrem ersten Absetzversuch schon befürchtet, sie gegen ihren Willen wieder zurück bringen zu müssen – am Ende noch mit Panzertape verschnürt über die Schulter geworfen. Das dieses jetzt offensichtlich nicht nötig war, hob seine Laune deutlich, was sich auch bei seinem Humor bemerkbar machte.

    Die beiden Männer, die eigentlich auf Reifa hätten aufpassen sollen, waren glücklicherweise mehr erleichtert als wütend, als Kyle die junge Frau wieder bei ihnen ablieferte. Um unnötigen Ärger zu ersparen, behielt er die Sache mit dem stibitzten Messer für sich und zwinkerte Reifa noch vergnügt zu, bevor er sich wieder aus dem Staub machte.

    ***

    Kyle hätte nicht gedacht, dass es nur zwei Tage dauern würde, bis er ihr wieder über den Weg lief. Vor allem hätte er nicht erwartet, sie in Begleitung ihrer Aufpasser frühmorgens in der Sporthalle anzutreffen. Er war seit seiner Ankunft in Atlantis regelmäßig jeden Tag hier gewesen, wobei er fast ausschließlich die Tageszeiten bevorzugte, in denen dort am wenigsten Leute anzutreffen waren. Als Reifa eintraf, hatte er seine Übungen gerade beendet und saß etwas abseits auf einer Bank, um sich abzutrocknen. Über eine Stunde hatte er gepowert und war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Die Aussicht auf eine schöne Dusche nach all der Anstrengung war jetzt regelrecht wie eine Belohnung. Als er die Stimmen der Neuankömmlinge hörte, hob er den Kopf und ließ das Handtuch auf die Schultern fallen. Durch das zerwuschelte Haar sah er noch ein gutes Stück jünger aus, als er ohnehin schon war, und es gab ihm etwas Lausbubenhaftes. Schmunzelnd verfolgte er, wie Reifa sich durch den Raum bewegte – ihre beiden Aufpasser immer in ihrer Nähe und sie keinen Augenblick aus den Augen lassend. Die beiden hatten offenbar aus ihrer Schlappe vor zwei Tagen gelernt. Er griff nach der Wasserflasche, die neben seinen Füßen stand und nahm einen tiefen Schluck. Als Reifa zufällig in seine Richtung sah, prostete er ihr zu und zwinkerte vergnügt dabei. So, wie du gerade aussiehst, muss ich dir wohl helfen, den beiden noch mal zu entwischen, oder ?
    Geändert von Kyle O'Mara (25.10.2013 um 22:29 Uhr)

  6. #6
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    Die Schritte ihrer 'Begleiter' folgten ihr stetig, was Reifa auch ohne einen Blick über die Schulter mitbekam. Und es war auch besser, dass diese den Blick auch nicht mitbekamen, denn freundlich war der nicht. Scheinbar aber schienen sie beschlossen zu haben, ihren kleinen Patzer nicht noch einmal zu wiederholen. Reifa schmunzelte verschlagen, denn das hieß im Endeffekt nur, dass für sie die Sache noch ein wenig spannender und interessanter wurde. Denn es hieß bei Weitem nicht, dass sie es nicht nochmal versuchen würde.
    Oh ja, und am Besten dann, wenn genau diese beiden Spezialisten wieder ihren Babysitter spielen durften, denn sie war sich sicher dass es genauspo laufen würde wie zuvor. Sie würden sie nicht verpfeifen und Alarm schlagen. Das würde ja bedeuten, dass ihr vorheriges Versagen und die kleine Vertuschung... bekannt werden würden.
    Oooh ja, das würde mit Sicherheit lustig werden. Immerhin musste sie sich ja ein wenig beschäftigen, sonst lernte sie am Ende noch stricken.
    Und apropos beschäftigen...

    "Sowas..."
    Ein guter Weg, die erste Überraschung zu überspielen. Von der Tür aus musterte sie Kyle einen Moment von oben bis unten, bis sie in ein freches Grinsen ausbrach.
    "Schon wieder nichts zu tun? Ihr müsst ja echt unter Langeweile leiden."
    Demonstrativ und ein wenig belustigt verschränkte sdie locker die Arme vor der Brust und legte den Kopf leicht schief.

  7. #7
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    Innerlich amüsiert verfolgte Kyle, wie Reifa sich ihren Weg durch die Sportgeräte suchte. Ihr Gang hatte eindeutig etwas Provozierendes an sich. Die beiden Aufpasser ließen kaum mal zwei Schritte zwischen sich und sie kommen und die Blicke, die Reifa ihnen daraufhin zuwarf, waren eindeutig von der Sorte, die töten würden, wenn sie nur gekonnt hätten. Während sie auf ihn zukamen, lehnte Kyle sich entspannt zurück und streckte die Beine aus, wobei er die drei sich Nähernden zu keinem Zeitpunkt aus den Augen ließ. Doch seine Musterung hatte einen ganz anderen Zweck: mit scharfem Blick suchte er nach mehr oder weniger sichtbaren Anzeichen dafür, dass die Wachen womöglich ihren Ärger über die Flucht vor zwei Tagen an ihr ausgelassen hatten. Er rechnete nicht gerade mit deutlichen Zeichen für körperliche Auseinandersetzungen – das wäre zu offensichtlich gewesen, aber ein wenig Schikane hier oder dort war auch von anderen unbemerkt möglich und drückte sich für das geschulte Auge unverkennbar in Körpersprache und Handlungen von Opfer und Täter aus.

    Zufrieden stellte er fest, dass nichts Derartiges zu erkennen war. Dann hatte Reifa ihn erreicht und baute sich geradezu grinsend vor ihm auf.
    „Schon wieder nichts zu tun? Ihr müsst ja echt unter Langeweile leiden.“
    Kyle starrte mit gespielt-leidendem Gesichtsausdruck zu ihr hoch.
    „Wenn du wüsstest, wie nervenaufreibend dieser dämliche Papierkram ist. Da ist man immer ganz geschafft anschließend …“ seufzte er mit einem Tonfall, der einem sterbenden Schwan alle Ehre gemacht hätte. Irgendwie schaffte er es, dabei völlig ernst zu bleiben. Die beiden Wachen hingegen waren nicht ganz so geschickt, denn in ihren Gesichtern zuckte es, als sie sich das Lachen verkniffen. Kyle ignorierte sie kurzerhand und machte eine Handbewegung zu den Sportgeräten hinüber.
    „Hat man dir schon erklärt, wie das alles hier funktioniert oder willst du nur mal gucken, wie andere sich hier abrackern ?“
    Oder willst du deine beiden Bewacher hier fertig machen, damit du wieder abhauen kannst ?

  8. #8
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    * Fehleintrag durch PC- Kuddelmuddel* x)
    Geändert von Reifa Sheriiba (13.11.2013 um 01:08 Uhr)

  9. #9
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    Kyles schnippische Antwort entlockte ihr ein freches Schmunzeln. Das kecke Funkeln in seinen Augen spiegelte nur zu gut ihren eigenen Blick wieder und sie wusste, dass sie ihr kleines Spielchen wohl auch weiterführen konnten. Nachdem er sie bei ihrer ersten Begegnung ja auf ein klein wenig gemeine Art... überrumpelt hatte.
    Aber er hatte die Situation nicht ausgenutzt, was sie dem Soldaten sehr hoch anrechnete. Was er sehr wohl wusste, das erkannte sie aus seinen eigenen Reaktionen und der Art, wie er ihr begegnete - entsprechend der Art, wie sie ihm eben begegnete trotz der kleinen Sticheleien. In der Tat aber hatte sie keinerlei Payback von ihren Wachen erdulden müssen und wirkte entsprechend auch nicht wie das geschundene Opfer, sondern strahlte im Gegenteil beinahe freche Verschlagenheit aus, wenn sie immer mal wieder einen schnippischen Blick nach hinten warf. wie eine Katze, die nur auf eine Gelegenheit wartete um Unfug zu treiben.
    "Als ob mir hier einer was erklären würde..." erwiderte sie amüsiert und warf einen Blick nach hinten, "Ich könnte ja auf die Idee kommen, wieder irgendwas auseinander zu nehmen und irgendwen damit anzufallen..." Und in den Unterton legte sie absichtlich die Ungewissheit, ob sie dies nicht tatsächlich planen würde - oder tun könnte. Es amüsierte sie einfach zu sehr, wie leicht sich manche verunsichern ließen alleine durch kleine Andeutungen.

    Ihr Blick aber fiel wieder auf Kyle.
    "Abgesehen davon, seh ich hier gerade niemanden der sich abrackert. Vielmehr, faul rumsitzt."
    Wartete er darauf, ob sie versuchen würde wieder auszubüchsen? Den musternden Blick konnte sie nicht

    ganz einordnen, sah es aber als Berechtigung, ihn ihrerseits zu mustern. Spätestens jetzt konnte er kaum leugnen, was er war. Gewisse Muskelgruppen waren einfach zu trainiert, als dass es nur Sport aus Hobby war und er machte doch eine recht ansehnliche Figur. Vor allem aber fiel ihr unter dem verschwitzten Shirt etwas anderes auf...
    Das Tattoo konnte sie nicht ganz erkennen, dennoch war es nicht zu übersehen.
    Unbedacht fuhr sie sich mit der Hand über ihr rechtes Handgelenk, prüfend ob das Armband noch an der Stelle saß.
    Es war eine Weile her, dass sie ihres offen gezeigt hatte. Als ihr die Bewegung bewusst wurde, sammelte sie sich kurz.
    "Und ich bin kein wirklicher Freund von ... Sportgeräten. Ein echter Trainingspartner macht viel mehr Spass. Schade, dass du aber offenbar schon sooo erschöpft bist..."

  10. #10
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    „Als ob mir hier einer was erklären würde … Ich könnte ja auf die Idee kommen, wieder irgendwas auseinander zu nehmen und irgendwen damit anzufallen...“ Reifa klang fast, als würde sie das wirklich planen, doch ihr rascher Seitenblick zu den beiden Aufpassern hinüber offenbarte ihre wahre Absicht. Es war ein Köder. So wie die Katze mit der Maus spielte und ihr abwechselnd Hoffnung auf Flucht und den sicheren Tod in Aussicht stellte, so spielte die junge Frau mit den beiden Wachen, die man ihr zugeteilt hatte. Und sie konnte da eine großartige Gegenspielerin sein, soviel hatte Kyle in dem Gespräch mit ihr vor einigen Tagen bereits festgestellt. Fast hätte er die beiden Kameraden bedauert, wäre die Situation insgesamt nicht so amüsant gewesen.
    „Ja, es ist echt eine bodenlose Unverschämtheit, dir so etwas zu unterstellen“, antwortete er trotz aller innerlichen Belustigung ernst.

    „Abgesehen davon, seh ich hier gerade niemanden der sich abrackert. Vielmehr, faul rumsitzt.“ Auf die Provokation hatte Kyle nur gewartet. Schließlich war das genau die Taktik, die sie in ihrem ersten Gespräch auch oft genug angewandt hatte. Während er beobachtete, wie sie ihn genauer musterte, stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Er verkniff sich die Frage, ob ihr gefiel, was sie sah, doch dass sie den Anblick richtig einzuordnen wusste, sah man ihr an. Ihre unbewußte Handbewegung zum Handgelenk war für ihn ebenso überraschend wie vertraut. Vertraut, weil es so sehr der Bewegung glich, mit der er selbst immer wieder den Sitz der beiden Schweißbänder an seinen eigenen Handgelenken prüfte, und überraschend, es bei jemand ganz anderem zu sehen. Noch während er überlegte, was sie unter ihrem Armband verbergen mochte, rückte sie mit der nächsten provokanten Bemerkung heraus.
    „Und ich bin kein wirklicher Freund von ... Sportgeräten. Ein echter Trainingspartner macht viel mehr Spass. Schade, dass du aber offenbar schon sooo erschöpft bist...“ Höchste Zeit für den Gegenschlag ! befand Kyle und grinste sie an.
    „Also ich hätte dich ja jetzt nicht so eingeschätzt, dass du Spaß dran hast, Leute fertig zu machen, die eh schon völlig ausgepowert sind. Wenn du drauf bestehst, werde ich mir Mühe geben, aber beschwer dich nicht, wenn ich deinen Ansprüchen nicht genüge.“
    Mit geradezu provokanter Langsamkeit erhob er sich von seiner Bank, blieb einen Schritt vor ihr stehen und musterte sie mit lausbubenhaftem Grinsen. „An welche Sportart hattest du denn gedacht ?“ In seinen Augen funkelte es. Das Wort „Sportart“ war ganz dezent gerade eben so betont, dass man eine gewisse Zweideutigkeit herausahnen konnte, ohne dass es jedoch zu plump anzüglich herüberkam. Er spielte das Spiel mit, stützte lässig die Hände in die Hüften und sah sie mit schief gelegtem Kopf herausfordernd an. „Einmal übers Knie legen stand noch aus, richtig ?“
    Geändert von Kyle O'Mara (13.11.2013 um 21:35 Uhr)

  11. #11
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    Die anzügliche Spur, die sich auf sein Gesicht schlich spiegelte sich verschlagen auch in ihrem eigenen wieder. Sie hatte gehofft, dass er auf ihr kleines Spielchen anspringen würde, und nicht nur das hatte er getan, sondern er signalisierte ihr auch dass er durchaus geneigt war, mitzuspielen.
    Und ihr war auch nicht entgangen, dass der Blick, mit dem er ihre Musterung erwiderte, genau die gleiche wachsame Art beinhaltete. Abschätzend, forschend. Ja, das konnte lustig werden. Wobei sie doch wirklich nicht umhin kam, neben dem 'taktischen' Abschätzen auch festzustellen dass er doch ein recht stattlicher Vertreter der männlichen Riege war.
    Nicht, dass er darum nicht selbst wusste und bewusst sich ein wenig präsentierte.
    Die Bestätigung dafür bekam sie nicht nur durch seinen schelmischen Blick, sondern auch durch die bewusste aber elegant zweideutige Anspielung mit der er sich erhoben hatte und nun erwartungsvoll vor ihm stand.

    Sie selbst hatte ja freudnlicherweise ebenfalls Sportkleidung zur Verfügung gestellt bekommen. Immerhin hatte sie ja auch nicht unbedingt daran gedacht welche einzupacken, als sie für den Überfall auf die Stadt gepackt hatte.
    „Also ich hätte dich ja jetzt nicht so eingeschätzt, dass du Spaß dran hast, Leute fertig zu machen,.."
    "Nun ja... genau das ist der Sinn der Sache, oder nicht? Nur ein irrer Gockel stolziert herum und zeigt, was er hat." begann sie mit leicht mahnendem Unterton und begann aber auch ihrerseits, etwas anzüglich um ihn herumzuscharwenzeln und auf Kyles Zweideutigkeit einzugehen.
    "Ich hab' Spass dran, wenn andere einen unterschätzen und feststellen, dass doch nicht alles so.. einfach ist."
    Vor ihm kam sie wieder zum Stehen und hob das Kinn, um ihm einen herausfordernden, frechen Blick entgegenzuwerfen.
    „Einmal übers Knie legen stand noch aus, richtig ?“
    //Nein.. und so einfach mach' ich auch dir das nicht...//
    Das Schmunzeln wurde breiter, und einen Sekundenbruchteil wartete sie noch. Dann schlüpfte sie blitzschnell seitlich an ihm vorbei und hinter ihn, dabei den Arm auf dieser Seite ihm mit auf den Rücken ziehend und ihren freien Arm um seinen Hals legend, nicht so fest dass sie ihm wirklich etwas tat, aber fest genug um zu zeigen, dass sie durchaus Kraft hatte.

    Die beiden Soldaten zuckten und reagierten auch sofort, nur sichtlich nicht wirklich sicher, wie sie reagieren sollten und ob das ernst war, oder nicht.

    "Das.. ist das was mir Spass macht.." flüsterte sie ihm dann leise und mit einer amüsierten Spur ins Ohr.

  12. #12
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    Jetzt kam eindeutig die Katze zum Vorschein, die sich bereits in Reifas Handlung und Blicken immer wieder angedeutet hatte. Die ganze Art, wie sie sich bewegte, als sie Kyle umkreiste, die Art, wie sie ihn ansah … für einen Augenblick fühlte sich der junge Soldat buchstäblich wie ein Goldfisch im Glas. Das Gefühl war ein bisschen unvertraut aber nicht gerade schlecht und der Gedanke an ihren Gesichtsausdruck, wenn sie feststellte, wie sehr sie sich in dem Goldfisch täuschte, zauberte ein vorfreudiges Grinsen auf sein Gesicht.
    Ein irrer Gockel ? Hm, so siehst du mich ? Na warte …

    Sie beendete ihre Runde und blieb mit lauerndem Blick vor ihm stehen. Abwartend sah Kyle ihr geradewegs in die Augen. Er hatte im Verlauf seiner Nahkampfausbildung gelernt, in den Augen des Gegners dessen wahre Absichten zu lesen. Mochte die Bewegungen auch etwas anderes sagen, aber die Augen verrieten immer, was wirklich geplant war. So zeigten sie auch dieses Mal, dass es Reifa nicht darauf anlegte, ihn zu verletzen, sondern es nur ein weiterer Schritt in ihrem Spiel war, als sie blitzschnell um ihn herumhuschte und seinen rechten Arm nach hinten drehte.
    Gut aufgepasst … Respekt … ich bin Rechtshänder !
    Reifas Wachen zuckten zusammen und schienen einschreiten zu wollen, doch Kyle signalisierte ihnen mit einer schnellen Handbewegung, sich herauszuhalten. Er ließ sich den Arm auf den Rücken legen, spannte jedoch die Muskeln an um zu verhindern, dass sie seine Hand am Rücken entlang nach oben schieben und damit eine Hebelwirkung erzeugen konnte, die ihn womöglich in Schwierigkeiten gebracht hätte. Gleichzeitig fühlte er, wie sie ihren linken Arm um seinen Hals legte und zudrückte. Sie war ganz eindeutig kein Schwächling – für eine Frau, doch wirkte diese kleine Demonstration auf Kyle in diesem Augenblick eher amüsant als bedrohlich.

    „Das.. ist das was mir Spass macht..“ flüsterte sie.
    Kyle drehte den Kopf leicht nach hinten zu ihr und grinste. „Du weißt aber schon, dass manche Dinge nur dann richtig Spaß machen, wenn beide Spaß daran haben oder ?“ antwortete er mit dem gleichen charmant zweideutigen Unterton wie zuvor bei der „Sportart“. Noch während sie die Worte verarbeitete, befreite er völlig ohne Vorwarnung seinen rechten Arm mit einem Ruck, um dann einen Sekundenbruchteil später mit seiner freien Hand ihren Arm, den sie ihm um den Hals gelegt hatte, kurz oberhalb des Ellenbogens mit festem Griff zu packen. Gleichzeitig kniete er links nieder, machte den Rücken rund und zog sie mit kraftvollem Schwung am Arm nach vorn, bis sie bäuchlings wie ein Mehlsack über seiner Schulter lag – sie dabei mit der eben befreiten rechten Hand abstützend, so dass sie nicht mit dem Kopf voran nach vorn herunterfallen konnte. Wieder aufstehend grinste er sie frech an. Ihre Beine baumelten jetzt an seinem Rücken herunter, die Fußspitzen gut einen halben Meter über dem Boden.
    „Hoppala … na, so eine Überraschung aber auch.“
    Verblüffung spiegelte sich in ihren Augen – ganz kurz – um dann von Entrüstung abgelöst zu werden. „Weißt du, übers Knie legen muss gar nicht sein. Das hier tut’s auch …“ Sein Grinsen wurde noch breiter, noch frecher, als er sie mit der linken Hand in Position hielt, die rechte dann kurz löste - ihr Zappeln ignorierend - und ihr einen festen Klaps auf den Hintern gab. Ein leises Lachen war von Seiten der beiden Aufpasser zu vernehmen. Auch Reifa schien das zu hören, denn ihrem Blick nach zu urteilen wünschte sie sie alle drei offenbar auf kürzestem Weg in die Hölle. Kyle konnte der Situation einfach nicht widerstehen. Mit dem charmantesten Lausbubenlächeln, zu dem er fähig war, sah er ihr gerade in die Augen.
    „Allein für den Gesichtsausdruck von dir hat sich das jetzt schon gelohnt.“

  13. #13
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    Die Bewegung kam nicht ganz unerwartet, aber mit mehr Kraft und in anderer Art als sie angenommen hatte und ehe sie sich's versah, verlor sie nicht nur den Boden unter den Füßen sondern fand sich binnen weniger Augenblicke in genau der gegenteiligen Situation wieder! Von der Katze zur Maus und der kurze erschrockene Laut machte den Erfolg der Überraschung deutlich.
    Und man brauchte kein guter Beobachter sein, um festzustellen wie sehr ihr das gefiel. Mehr mit einem
    Gegenschlag in Form eines Konter gerechnet, hatte sie das Manöver 'Gepäckstück' völlig überraschtm denn es gab weder etwas abzuwehren oder zu blocken.
    „Hoppala … na, so eine Überraschung aber auch.“

    Der erst überraschte und in der nächsten Sekunde verärgerte Ausdruck gefror augenblicklich, ebenso wie für eine Sekunde ihre gesamte Haltung.

    Das war genug! Mit heftiger Gegenwehr begann Reifa, sich gegen die Bloßstellung zu widersetzen und trat und schlug um sich - was relativ schwierig war. Zwar kam sie mit den Beinen an seinen Rücken heran, aber in dem Winkel mit kaum Kraft um Effekt zu erzielen und die Tatsache dass Kyle ihren Arm festhielt, schränkte den Radius genauso ein - was sie nur noch energischer werden ließ um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen.
    Zur Belustigung aller anderen Anwesenden. Was bildete sich der Kerl denn jetzt ein?! Sie hatte ihn immerhin nicht so bloßgestellt, sondern nur ein wenig geärgert.
    „Weißt du, übers Knie legen muss gar nicht sein. Das hier tut’s auch …“
    Und schon folgte das, was Reifa völlig aus der Fassung brachte! Schmerzhaft war der Klaps nicht, aber es war der symbolische. höhnische und spöttische Hinweis, mit dem Kyle sich über sie lustig machte, und dem nicht genug:
    „Allein für den Gesichtsausdruck von dir hat sich das jetzt schon gelohnt.“
    Wenn sie vorher schon wütend war, dann tobte sie jetzt richtig. Und diesmal gab es auch keine Rücksicht mehr auf Verluste.
    "Ich schwör' dir..! Wenn ich den Boden wieder berühre und du noch immer stehst, dann sollten die Ahnen dich gut beschützen, und IHR!" Ein funkelnder Blick schoss zu den beiden anderen .. Idioten hinüber, "Ich hoffe ihr lauft schneller als ich, dann habe ich länger SPASS dran, euch zu filettieren!"
    Mit einem kräftigen Schwung zog sie den rechten Arm zurück und stieß den Ellbogen nach oben, in Richtung seines Kinns während sie versuchte, den Impuls zu nutzen um seitlich von seiner Schulter zu rutschen.

  14. #14
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    Binnen Sekunden war aus der Katze eine Wildkatze geworden, die auf seiner Schulter tobte wie ein Affe auf Speed. Zum Amüsieren war plötzlich keine Zeit mehr, auch wenn Kyle sich über ihren Wutanfall vor Lachen hätte ausschütten können. Stattdessen zappelte sie derart, dass Kyle ihren Arm loslassen musste, um sie mit beiden Händen um die Taille zu fassen, damit sie nicht von seiner Schulter herunterfiel. Als er die Kicks in seinem Rücken spürte, war er für einen Augenblick tatsächlich versucht, sie einfach von der Schulter herunterzuschubsen, doch würde sie dann aus gut 1,60 Meter Höhe bäuchlings auf den harten Linoleumboden des Fitnessraums stürzen. Die Verletzungsgefahr dabei wäre nicht unerheblich und da er sich mit ihr nur einen Spaß hatte machen wollen, kam das überhaupt nicht in Frage. Auch die beiden Wachposten konnten vor Lachen inzwischen kaum noch gerade stehen, was Reifas Stimmung sichtlich nicht gerade verbesserte.
    Ihre wütende Schimpfkanonade ignorierend drehte er sich ein wenig, so dass sie nicht mehr sehen konnte, wohin er ging, und machte ein paar Schritte zur Seite – sie immer noch auf der Schulter festhaltend. Ihr Ellenbogen stieß in Richtung seines Gesichts. Kyle, der gerade nach etwas anderem Ausschau hielt, sah die Bewegung gerade noch im Augenwinkel und konnte seinen Kopf etwas beiseite drehen, so dass ihr Stoß nur seine Wange streifte.
    „Hey, so nicht, sonst gibts gleich noch einen Klaps“, tadelte er. Inzwischen war er dort angekommen, wo er hinwollte. Mit festem Griff umschloss er ihre Taille mit beiden Händen, hob sie kraftvoll hoch und warf sie von seiner Schulter herunter einige Meter zur Seite weg – die frühere Bemerkung über seine Erschöpfung Lügen strafend. Platschend landete sie auf der dicken blauen Matte, die dort lag. Die beiden Wachposten wurden schlagartig ruhig und gingen vorsichtshalber ein paar Schritte zurück. Übers ganze Gesicht grinsend ging auch Kyle ein wenig auf Abstand, bevor sie wieder auf die Füße kommen konnte, und beobachtete sie aufmerksam.
    „Du hast recht. Das macht wirklich Spaß. Willst du noch mal oder sollen wir jetzt mal was anderes probieren ?“

  15. #15
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    Sie wusste, dass ihre Tritte und ihr Widerstand nicht ganz effektlos waren, sie kannte den ein oder anderen Trick und wusste, wie man treffen musste und genauso wusste sie auch, dass Kyle dadurch merken würde dass sie nicht ganz unerfahren war, aber trotzdem schien keiner ihrer wilden Versuche irgendeinen Erfolg zu erzielen.
    Wobei natürlich ja ihre Bewegungsfreiheit nach wie vor doch stark begrenzt war.
    Aber Kyle würde trotzdem nicht umhin kommen festzustellen, dass sie nicht einfach nur irgendein Vagabund war, wenn ihre Kampferfahrung auch nicht gegen ihn ankam.

    Ganz ähnlich hatte Dren sie immer an der Nase herumgeführt und es ausgenutzt, dass sie sich in ihrem Temperament doch ganz gerne durch einen Köder in eine Falle locken ließ.
    Auch ihr kleiner Racheschlag ging ins Leere, wenn er die warnende Wirkung aber auch nicht verfehlt hatte wie sein etwas festerer, sichernder Griff ihr dann zeigte.
    Gleichzeitig merkte sie aber auch wie Bewegung ins Spiel kam auch wenn sie nicht sah, wo Kyle sich mit ihr hinbewegte.
    „Hey, so nicht, sonst gibts gleich noch einen Klaps“
    "Versuch's und ich beiß' dir den Kopf ab" fauchte sie ihm ins Ohr während sie ihren Widerstand etwas zurückstellte bis sie die Art der Bewegung erkannte und den Schwung nutzte, um sich nicht nur geschickt auf die Matte abzurollen. Der Vergleich mit einer Katze zog auch hier.
    In derselben Bewegung schnellte sie herum in eine geduckte Position, abgestützt mit einer Hand, der andere Arm angriffs-oder abwehrbereit seitlich nach hinten ausgestreckt und ihren 'Gegnern' zugewandt.. eine gewisse Spur von Kampftraining dadurch verratend.
    Der Ärger funkelte in ihren Augen, und trotzdem verlor ein Teil von ihr gegen dieses amüsierte, frech-belustigte Grinsen in den Augen des Mannes, der dort nun beinahe unschuldig vor ihr stand - mit gewissem Sicherheitsabstand, wie sie durchaus zufrieden feststellte. So ganz traute er ihr also doch nicht über den Weg...
    "Was Anderes? Wie, du gibst schon auf?" erwiderte sie und stieg dabei in seinen frechen Ausdruck mit ein. Er hatte sie damit geärgrt, ja, und durchaus provoziert. Aber es war trotzdem nichts anderes, als ein Spiel. Ein verspieltes Taktieren und ... deutlich besser als das Rumsitzen in ihrer kleinen verhübschten Zelle.
    Ein Spiel.. an dem sie durchaus Gefallen fand, und sich auch nicht scheute sich das anmerken zu lassen. Ihr kleines erstes Kräftemessen hatten sie ja bereits hinter sich - vor ein paar Tagen auf dieser Galerie.
    Sie erhob sich aus ihrer Parierhaltung und richtete sich auf, wobei sie sich mit der Hand über die Pobacke rieb.
    "Du hast ganz schön fiese Methoden.. nicht sehr nett. Aber.. was schwebt dir denn sonst so vor?"

  16. #16
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    Reifas Art, sich nach der Landung abzurollen, offenbarte einiges an Übung, was Kyle mit einem kurzen Zucken der Augenbraue zur Kenntnis nahm. Auch die Abwehrhaltung, die sie gleich darauf einnahm, verriet seinem geübten Auge einiges von dem, was bisher unausgesprochen geblieben war. Er selbst hingegen stand völlig normal da ohne irgendeine Art von Abwehrhaltung einzunehmen. Äußerlich wirkte er absolut locker, doch innerlich war er wachsam und konzentriert. Und dass er ein wenig Distanz zwischen sich und Reifa gebracht hatte, war weniger der Angst vor ihr geschuldet als vielmehr der Tatsache, dass ihn diese Distanz in die Lage versetzte zu reagieren, falls Reifa sich anschicken sollte, wie eine wütende Furie auf ihn loszustürmen. Die Zeit, die sie brauchte, um die Meter zu ihm zu überwinden, würde ihm ausreichen, sich entsprechend zu positionieren, dass er ihren Angriff abwehren oder ihm ausweichen konnte. Doch durch seine ganz normale Haltung gab er weniger von sich selbst preis und war schwieriger einzuschätzen.

    Grinsend beobachtete er, wie sie ihn wütend anfunkelte und gleich darauf mit ihren Provokationen weitermachte. Fast wie Mick Coleman, der wusste auch nie, wann es besser war, den Mund zu halten, ging es ihm durch den Kopf.
    „Dass ich nett bin, habe ich nie behauptet“, meinte er vergnügt, während er sah, wie sie sich mit der Hand kurz über die Stelle rieb, an der sein Klaps getroffen hatte. „Und ganz ehrlich, nach der Sache vor zwei Tagen war das da echt mega-überfällig“, deutete er zu den Worten „das da“ nochmals mit einer Hand den Klaps an.
    „Ich wollte aber wenigstens so fair sein, und dir die Wahl überlassen, ob du vielleicht auf die andere Seite auch noch einen haben willst. Du schreist ja förmlich danach.“
    Ein leises halb unterdrücktes Lachen kam aus Richtung der beiden Wachen. Kyle drehte den Kopf und sah zu ihnen hinüber – fragend zunächst, dann mit ernstem Blick und es dauerte nicht lange, als das Lachen verstummte und die beiden ihren Blick abwandten. Ein eigenartiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht, als er sich wieder zu Reifa herumdrehte.
    „Also mir schweben da so einige Dinge vor – für die Hälfte davon wirst du mir vermutlich den Kopf abreißen wollen – die andere Hälfte macht keinen Spaß. Warum zeigst du mir nicht einfach, was du bei deiner kleinen Drohung meintest, von wegen, wenn du den Boden wieder berührst und ich noch stehe ? Oder fehlt dir da der Mumm ?“

  17. #17
    Airman Avatar von Reifa Sheriiba
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    "Überfällig?" Fragend aber mit der Spur eines amüsierten Grinsens zog sie eine Braue hoch. "Soweit ich mich erinnere, hab' ich das nur einem Menschen zu verdanken, also imgrunde schuldest DU MIR etwas..."
    Das Grinsen nahm noch eine Spur zu und spitznäsig grinste sie zu ihm auf, denn selbst nachdem sie sich aufgerichtet hatte war sie immernoch ein gutes Stück kleiner als er. Was ihrem frechen Spiel aber keineswegs Abbruch tat oder im Wege stand.
    Stattdessen war es nun an ihr, das Gewicht etwas auf ein Bein zu verlagern und die Arme vor der Brust zu verschränken, den Kopf amüsiert aber taktierend etwas schief gelegt.
    Verspielt, aber aufmerksam und bereit, im Notfall schnell zu reagieren, ganz ähnlich der harmlosen haltung die er versuchte vorzugeben.
    Aber es waren die kleinen Dinge die verrieten, was wirklich hinter der Tarnung vorging. Seine kleine Äusserung darüber dass sie es ja nicht anders gewollt hatte quittierte sie mit einer zweifelnden Schnute, die schnippische und herausfordernde Note aber nach wie vor nicht ablegend. Sondern zuckte stattdessen mit der Schulter.
    Ich bin unausgelastet.. was soll ich auch den ganzen Tag in der Zelle machen?" Sie betitelte ihr Quartier absichtlich als Zelle, denn etwas anderes war es ja auch nicht. "Also war es so gesehen.. ja nicht meine Schuld. Ausserdem habe ich bisher ja auch noch niemandem wirklich was getan, also zählt auch der Vorwurf nicht."
    Ihr Blick zu den beiden Männern dann aber war weit weniger freundlich und aber weit eindeutiger in den angedrohten apokalyptischen Vergeltungen als Kyles mahnender Blick, doch schien die plötzliche geballte Aufmerksamkeit die den beiden Soldaten zuteil wurde bereits auszureichen. Und weil sie nicht wieder Ärger kassieren wollte... beließ sie es bei dem finster fixierenden Blick.

    Vielmehr kehrte der freche Ausdruck zurück als diesmal Kyle versuchte, sie mit einer Provokation zu locken.
    "Normalerweise reiße ich keine Köpfe ab.. zu viel Sauerei. Aber der Trick funktioniert immernoch nicht, das hat mit deinem Katschino schon nicht funktioniert. Wenn ich was verraten soll, dann nur mit Gegenleistung. Oder du findest es auf die harte Tour raus." Wieder folgte ein Schulterzucken, während sie ihr Gewicht ein wenig verlagerte, unscheinbar, ihn aber nicht aus den Augen ließ.
    "Und.. " sie kniff die Augen prüfend etwas zusammen, diesmal wieder auf seine Ehre konternd und diese Absicht mit dem Schmunzeln auch nur all zu deutlich machend, "Das hat nichts mit Mumm zu tun, wenn man zwei Männer im Rücken stehen hat, meinst du nicht?"

  18. #18
    Diplomacy is overrated ... Avatar von Kyle O'Mara
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    „ICH schulde DIR was ? Na, hör mal. Da oben auf dem Balkon vor zwei Tagen hast du mich noch gehauen – und ich habe darauf verzichtet zurückzuhauen“, antwortete er in gespielter Empörung. Überraschte Blicke der beiden Wachposten folgten seiner Aussage. Offensichtlich hatte Kyle ihnen einige Details der ersten Begegnung verschwiegen. „Soviel zu dem Thema, ich wäre nicht nett. Dann das hier eben mit dem Arm und so … da finde ich, dass der Klaps mehr als gerechtfertigt war. Vielleicht ist auch noch der eine oder andere Klaps offen – darüber könnte man durchaus nachdenken.“
    Er griff nun ihre eigene Taktik auf und stellte sich betont locker vor ihr hin. Die Hände lässig in die Hüften gestützt musterte er sie herausfordernd von oben bis unten.

    „Das ist keine Sache von Verrat und Gegenleistung. Das hat vielmehr was damit zu tun, dass du dein bezauberndes Schnütchen reichlich voll nimmst und dann nicht die Traute hast, das umzusetzen. Um die beiden da drüben musst du dir keine Sorgen machen. Die haben bisher nicht eingegriffen und werden es auch jetzt nicht.“
    Er schien sich seiner Sache sehr sicher zu sein, denn er würdigte die beiden Wachen bei dieser Aussage nicht einmal eines Blickes.
    „Ich bin unbewaffnet, ausgepowert – und ich habe dir gerade wie einem ungezogenen Kind eins auf den Hintern gehauen. Und das alles entlockt dir nur ein paar provozierende Worte – mehr nicht. Dann scheinst du mit deiner Situation ja nicht halb so unzufrieden zu sein wie du sagst. Weißt du, zum Herumstehen und Unterhalten bin ich gerade etwas unpassend angezogen. Vertreib dir doch hier mit deinen beiden Begleitern noch ein bisschen die Zeit. Ich geh inzwischen duschen und wenn du die Unterhaltung fortsetzen willst, können wir uns ja zum Mittagessen in der Kantine treffen.“
    Schulterzuckend drehte er sich kurzerhand herum und griff nach Handtuch und Wasserflasche, während ein Grinsen sein Gesicht überzog, sobald er ihr den Rücken zuwandte – dabei konzentriert auf Geräusche hinter sich achtend. Jetzt ist der Ball in deiner Hälfte, Sweety. Mach was draus oder lass es bleiben.

  19. #19
    Airman Avatar von Reifa Sheriiba
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    Er stieg mit drauf ein, und konterte prompt auf ihre kleine Stichelei. Das Problem war nur, mittlerweile tat Reifa sich schwer, das Grinsen weiterhin spitzfindig, schelmisch und frech wirklen zu lassen, denn eigentlich konnte sie sich kaum noch davor beherrschen.. einfach laut loszuprusten.
    Diese ganze Situation war einfach nur zu herrlich und ließ sie für den Moment sogar vergessen, dass sie hier weder zuhause, noch in Aluuni Vedra, noch in der Zuflucht oder bei einem gemütlich verschrobenen Abend mit Dared, Feras und den anderen war.
    Trotzdem hatte sie das Gefühl, gleich vor Lachen zu platzen. Nur würde sie dann komplett das Image als undurchschaubare, nicht unbedingt gefährliche aber nicht zu unterschätzende Gaunerin verlieren, das sie zum Schutz aufrecht erhielt, oder aber sie würden denken dass sie nun komplett den Verstand verloren hatte.
    Und dabei hatte sie heute noch nicht mal dieses komische Zeug getrunken, als dsass sie es darauf hätte schieben können...

    Dass Kyle sich aber beinahe aufführte wie ein eingeschnappter beleidigter Junge und auch der Blick gekonnt dazu passte, machte die Sache nicht unbedingt einfacher, so dass sie mittlerweile doch ein recht komisches Gesicht machen musste.
    Und so kam es dann schließlich auch, als er sich nach seiner Tirade schließlich abwandte um zu gehen.

    Schlichtweg nicht mehr in der Lage, ernst zu bleiben prustete sie los und begann herzhaft amüsiert zu lachen, was ganz bestimmt nicht die Reaktion war, auf die er so offensichtlich nach hinten lauschte.
    Um nicht lachend schließlich auf dem Boden zu liegen, ließ sie sich wieder auf die Matte sinken, sich vor Lachen schüttelnd.
    Mehr erfolglos nach Fasssung ringend und schlussendlich sogar fasst nach hinten auf die Matte kippend, brachte sie zumindest nach einem Moment genug Beherrschung zusammen um wieder zu sprechen.
    "Tut mir Leid... aber DAS..." Der Satz brach ab, und ging schlichtweg in dem Lachen unter.
    "...Du klingst genau so wie dieser komische Kerl... dieser.. dieser.. Meck.. Mecky? Keine Ahnung..." ein weiterer Lachanfall unterbrach den Satz, bis sie wieder Luft bekam und lachend den Kopf schüttelte.
    "Nur sieht dein eingeschnappter schmollender Blick... um einiges süßer aus dabei..."
    Dem Lachen folgte eine Runde helles Kichern.

  20. #20
    Diplomacy is overrated ... Avatar von Kyle O'Mara
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    Nach und nach schien Reifas ursprüngliche Wut abzubröckeln. Ihre Reaktion auf seine fortgesetzten Provokationen zeigte ohnehin ziemlich deutlich, dass sie nicht ernsthaft Interesse an einem Streit hatte. Ein sehr sympathischer Fakt – überdies identisch mit Kyles eigener Einstellung – und irgendwie schien der Zorn nicht nur zu bröckeln. Je länger er Reifa betrachtete, umso mehr gewann er den Eindruck, dass sie sich nur mit Mühe ein Lachen verkneifen konnte. Ein wenig ungewohnt war das schon für Kyle. Zwar hatte er immer einen gewissen trockenen schwarzen Humor besessen, aber derjenige, über den sich die Kameraden vor Lachen ausgeschüttet hatten, war immer Coleman gewesen. Immerhin war es gut zu wissen, dass seine kleine Schauspielerei bei ihr richtig ankam.

    Als sie plötzlich hinter seinem Rücken laut loslachte, musste er ebenfalls breit grinsen, schaffte es jedoch, einen wieder halbwegs normalen Gesichtsausdruck aufzusetzen, bevor er sich wieder zu ihr herumdrehte. Schweigend musterte er sie, während sie sich – auf dem Rand der Matte sitzend – vor Lachen buchstäblich kringelte. Mit einer gespielt resignierten Miene warf er sich schließlich das Handtuch über die Schulter und schüttelte den Kopf.
    Ich klinge wie McKay ? Ja ne klar – netter Versuch …

    „Ich seh schon, du hast andere Pläne als mich fertig zu machen. Dann geh ich jetzt mal duschen und wünsch euch dreien noch viel Spaß.“ Ohne weiter auf sie einzugehen, stapfte er in Richtung Ausgang, hielt jedoch nach drei Schritten noch kurz inne.
    „Ach ja, und ärger die beiden nicht so sehr, okay Sweetheart ?“

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