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Thema: SGP-Fanfiction-Awards 2012 - Die Nominierungen!

  1. #1
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Standard SGP-Fanfiction-Awards 2012 - Die Nominierungen!

    Hallo, ihr Lieben!

    Das Jahr 2012 ist ohne nennenswerte Weltuntergänge vorbeigegangen und das heißt, dass wir euch nun die Nominierungen für die SG-P-Fanfiction-Awards 2012 bekannt geben werden!


    Leider sind es "nur" sieben Geschichten geworden, so dass wir unser Vorhaben mit den verschiedenen Unterkategorien nicht verwirklichen können. Somit votet ihr einfach - wie bei der Drabble-Challenge auch - für eure Lieblings-FFs. Trotzdem wäre es schön, wenn ihr - als Jury! - auch auf den Stil und die äußere Form achtet. Bedenkt bitte immer, dass eine FF - auch wenn euch die Thematik nicht zusagt - trotzdem sehr gut geschrieben sein kann. Ich denke, die Autoren würden sich alle freuen, wenn jeder, der mitvotet, ein wenig über den eigenen Tellerrand schaut. Dies ist natürlich nur eine Bitte und keine Pflicht.

    So, bevor ich nun gleich die nominierten Fanfictions posten werde, braucht ihr natürlich noch das Voting-Procedere und eine Deadline. *gg* Wer öfter bei der Drabble-Challenge mitmacht, weiß bereits, wie das abläuft, aber selbstverständlich werde ich es noch mal erklären.

    Zunächst einmal haben wir uns entgegen der ursprünglichen Planung entschieden, nicht nur einen Sieger und einen Runner-up zu ermitteln, sondern auch einen Drittplatzierten. Also wird es am Ende einen ersten, zweiten und dritten Platz geben. Damit hoffen wir die weggefallenen Kategorien etwas wettmachen zu können.

    Das Voting an sich läuft ebenfalls genau wie bei der Drabble-Challenge ab. Ihr schickt mir eure Votings per PN zu und definiert darin, welche Geschichte ihr auf Platz 1, 2 und 3 sehen möchtet. Dafür bekommen die Geschichten dann in umgekehrter Reihenfolge Punkte (Platz 1 = 3 Punkte, Platz 2 = 2 Punkte, Platz 3 = 1 Punkt). Diese Punkte werden am Ende zusammengezählt und die Sieger gekürt.

    Solltet ihr noch irgendwelche Fragen dazu haben, meldet euch bitte bei Redlum oder mir per PN oder im FAQ-Thread zu den Awards.

    Und nun das Wichtigste ... die Deadline!


    Ihr habt bis zum 15. Februar 2013 um 23.59 Uhr Zeit, mir eure Votings zu schicken. Wir hoffen, dass 6 Wochen ausreichend sind, um eure Entscheidungen zu treffen. Sollte es aber bei jemandem wider Erwarten doch knapp mit der Zeit werden, sagt bitte bescheid. Wir verlängern lieber auch hier noch mal die Deadline (natürlich nicht bis ins Unendliche! *gg*), als dass wir zu wenige Votes haben. Denn je mehr Votes, desto besser!

    Und nun startet das neue Jahr mit ein paar ganz hervorragenden Fanfictions über eins der besten Serien-Universen, das es gibt!


    Ein

    Frohes Neues Jahr


    und viel Spaß beim Lesen und Voten

    wünschen euch eure FF-Mods

    Sinaida, Redlum49 und Chayiana
    Geändert von Chayiana (01.01.2013 um 19:29 Uhr)


  2. #2
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Standard Fanfiction Nr. 1 - Atlantis - Im Ruhestand

    Titel: Atlantis - Im Ruhestand
    Genre: Freundschaft
    Serie: SG-A und SG-1
    Rating: PG
    Pairing: Jack 0`Neill/Sam Carter, John Sheppard/Chaya, Rodney, Teyla/Kanaan, Ronon, Lorne, usw.
    Inhalt: Im Herbst ihres Lebens ...

    Spoiler 
    Leider sind die Jahre auch an unseren Stargate Lieblingen nicht vorbeigezogen. Auch sie wurden alt und ausgetauscht, wie Ersatzteile, einfach so. Als viele sich dem Pensionsalter näherten - auch John, musste man darüber nachdenken wo sie ihren Lebensabend verbringen durften. In einem gewöhnlichen Altersheim ging das nicht, denn einige wurden ein wenig senil und brachten Realität mit Vergangenheit durcheinander.

    Das konnte in einem gewöhnlichen Altersheim schon mal für befremden sorgen, wenn z.B. Major Lorne a.D. plötzlich glaubte einen Wraith vor sich zu sehen und seine Waffe ziehen wollte. Also musste eine Lösung her, die für alle angenehm war. Diese Lösung hieß - Atlantis. Die Stadt lag noch immer in der Bucht vor San Francisco. Man hatte leider im Laufe der Jahre keine neuen ZPMS gefunden. So dass Atlantis auf der Erde bleiben musste. Richtig nutzen konnte man die Stadt nicht mehr. Denn ohne Lt.Col. John Sheppard, mittlerweile a.D., mit dem sie eine innige Symbiose eingegangen war, verweigerte die Stadt die Zusammenarbeit mit dem I.O.A. Und sich die Blöße geben, John auch weiterhin zu beschäftigen, die gab sich das I.O.A nicht hin.

    Also beschloss man, aus der Not heraus, Atlantis zu einem Stargate - Altersruhesitz zu machen.

    Berühmtester erster Bewohner - war Gen. Jack O´Neill a.D.. Es war auch sein genialer Vorschlag gewesen, denn in einem gewöhnlichen Altersheim würde sich keiner von ihnen wohl fühlen. Auf Atlantis aber konnten sie immer wieder mit den anderen Bewohnern in Erinnerungen schwelgen. Was ihren Lebensabend etwas erträglicher machte. Hin und wieder holte sich manch junger Soldat, der jetzt im SG-C stationiert war, Rat bei ihnen. So fühlten sie sich nicht so unnütz - fühlten sich noch gebraucht.

    Hier saßen Jack und Woolsey anfangs ganz allein beieinander und erzählten sich Anekdoten. Ja - genau Woolsey, auch er genoss es seinen Lebensabend auf Atlantis zu verbringen, wer hätte das gedacht. Man sollte eigentlich denken, dass er es etwas legerer anging - weit gefehlt. Er trug jetzt jeden Tag einen tadellos sitzenden Anzug - so fühlte er sich noch immer am wohlsten.

    Einige Jahre später kamen auch John, Rodney, Sam, Lorne, Teyla und Ronon usw. dazu. Dann saßen sie das eine oder andere Mal beieinander und schwelgten in Erinnerungen. Teyla und Ronon wollten nicht zurück in die Pegasus-Galaxie, auch wenn sie die Chance hatten. Teyla hatte ihren Sohn und Kanaan holen lassen und verbrachte so mit ihnen eine schöne Zeit auf der Erde. Torren-John war mittlerweile verheiratet und selbst Vater eines Sohnes, so waren also Teyla und Kanaan jetzt stolze Großeltern. Sie hätten sogar bei ihrem Sohn leben können, aber auf Atlantis fühlten sie sich einfach wohler. Genauso wie Ronon. Er hatte noch bis ins hohe Alter die jungen Soldaten in Selbstverteidigung unterrichtet. Und genoss jetzt auch seinen Lebensabend auf Atlantis.


    Viele Sätze in dieser illustren Rentner-Runde fingen mit - “Weißt Du noch”, an. Es gab viele schöne Erinnerungen, aber leider auch fast genauso viele unschöne. Aber die Unschönen verblasten mit der Zeit, gerieten in Vergessenheit, aber nur oberflächlich. In den Herzen aller, blieben sie immer allgegenwärtig - blieben unvergessen. Wer könnte auch schon Elisabeth, Aiden und all die anderen vergessen? Viele Erinnerungen waren einfach zu traurig und wurden so ganz tief in den Herzen, derer die Übriggeblieben waren, versteckt.

    Im Laufe der vielen Jahre, wurden aus ihnen allen sehr gute Freunde - Freunde fürs Leben und ebenso auch für den Ruhestand.

    Familien hatten viele nicht, da sie dazu irgendwie keine Zeit und Gelegenheit hatten. Bis auf Jack und John. Jack hatte doch noch Sam geheiratet. Nach ihrem Abschied ins Rentnerleben, verbrachte sie jetzt mit ihm gemeinsam den Ruhestand auf Atlantis. Und John - hatte doch tatsächlich Chaya geheiratet. Auch sie verbrachte viel Zeit auf Atlantis, hielt sich aber sonst auch genauso oft auf Proculis auf- der Kinder wegen. Jack und Sam hatten zwei Töchter. John und Chaya hatten drei Söhne. Die sich aber auf Proculis aufhielten, dort war ihr zu Hause. Jacks und Sams Kinder lebten in Minnesota, in Jacks Hütte am See. Die inzwischen zu einer riesen gemütlichen Hütte für alle umgebaut worden war.

    Rodney gab Mathematiknachhilfe. Einfach nichts zu tun, nur rumsitzen, ohne jemanden anzubrüllen - nee, das war nicht sein Ding. Also mussten die armen Nachhilfeschüler dran glauben. Manch Abend verbrachte er auch mit Sam vor dem Schachbrett und manchmal auch mit John oder Jack.

    Teyla gab jungen Frauen unterricht in Selbstverteidigung, damit sie sich selbst schützen konnten. Auch wenn ihre alten Knochen hin und wieder dabei knackten. Genau wie Ronon, der das Gleiche bei den jungen Männern tat. Zwar nicht mehr so oft, aber so ganz konnte er es nicht lassen.

    Lorne war unter die Maler gegangen und war sogar ein wenig berühmt geworden. Es gab einige Ausstellungen seiner Bilder.

    John bastelte mit Jack an alten Jumpern, Hubschraubern usw. herum. So hatte jeder etwas zu tun.

    Sam unterrichtete ab und an noch Astrophysik, was ihr riesigen Spaß machte. Da konnte keiner ihr das Wasser reichen. Wobei - wenn man Rodney glauben durfte, war natürlich er - der einzig wahre Astrophysiker, aber das war ja nichts neues - Rodney eben. Dabei waren sie zusammen ein unschlagbares Astrophysikerteam - einer ergänzte den anderen.


    Jetzt, im tiefsten Herbst ihres Lebens, gedachten sie wieder einmal all ihren verstorbenen Freunden, die sie schon vor so vielen Jahren verlassen hatten. Holten die Erinnerungen aus den tiefsten Winkeln ihrer Herzen hervor. Erzählten lustige Episoden von Elisabeth Weir, von Aiden und all den anderen. John sagte eines Abends dann etwas sehr wichtiges, etwas - ohne dem sie hier nie so zusammengesessen hätten.

    “Jack, hätte ich damals nicht deinen Hubschrauber in die Arktis geflogen, würden wir hier nicht gemeinsam sitzen. Dann wäre die Geschichte komplett anders verlaufen, bzw. hättest Du mich nicht dazu gezwungen mit nach Atlantis zu gehen. Oder was noch sehr wichtig ist - hätte ich mich nie auf den Arktischen-Antikerstuhl gesetzt ...!” Alle nickten zustimmend - es sollte wohl so sein.

    Solch gemeinsame Abende wird es wohl hoffentlich noch viele geben. Auch wenn im Laufe der Zeit, einer nach dem anderen, diesen Kreis wohl verlassen wird.

    Atlantis wird auch sterben, dann - wenn John seine Augen für immer schloss, was hoffentlich noch ewig nicht der Fall sein wird. Denn noch erfreute sich John guter Gesundheit und wenn mal nicht - Chaya pflegte ihn immer wieder gesund. Vielleicht würde John eines Tages doch noch aufsteigen und mit Chaya die Ewigkeit verbringen - dann würde auch Atlantis ewig leben!

    Und wer weiß, vielleicht hatte ja einer von Johns und Chayas Söhnen sein starkes Antiker-Gen geerbt - wäre nicht verwunderlich und dann noch eine Antikerin als Mutter ...
    Vielleicht wird Atlantis doch noch eine neue Symbiose eingehen - mit Lt.Col. John Sheppards Sohn.

    Wer wusste das schon ...


    Kann sein, dass sie es alle tun, alle aufsteigen - denn verdient hätten sie es. Hatten sie doch viel dazu beigetragen, dass die Menschheit nicht den Goa´uld dienen musste und auch nicht mehr von den Wraith als Nahrungsquelle missbraucht wurde. Ganz zu schweigen von den Ori und den Replikatoren.

    Bis es vielleicht so weit war, genossen alle ihren wunderschönen, einzigartigen Altersruhesitz - Atlantis!


    Ende!

  3. #3
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    Standard Fanfiction Nr. 2 - Eine Mission wie jede andere?

    Titel: Eine Mission wie jede andere?
    Serie: SGA
    Rating: PG
    Pairing: Keins
    Genre: Action/Abenteuer
    Warnungen:
    Spoiler 
    Vorübergehender Tod eines Hauptcharakters!

    Wörter: 4957


    Spoiler 


    ~ *~* ~

    Blut. Überall Blut.

    Rodney McKay lag leblos in einer immer größer werdenden Blutlache.

    „Ronon, John. Ihr könnt nichts mehr für ihn tun.“ Teylas tränenverhangene Stimme war sanft, aber bestimmend. „Ihr müsst Rodney gehen lassen.“

    „McKay würde auch nicht aufgeben“, grollte Ronon störrisch und fuhr mit seinen Wiederbelebungsversuchen fort. Mit einem festen Rhythmus drückte er Rodneys Brustkorb zusammen.

    John presste Luft in die Lungen, die vor einigen Minuten aufgehört hatten, ihren Dienst zu verrichten. Auch er wollte nicht auf das hören, was Teyla sagte. Das konnte nicht das Ende sein …

    ~ *~* ~

    Alles hatte so unspektakulär wie meistens angefangen. Ein Planet mit einem schwachen Energiesignal, das Rodney unbedingt erforschen wollte. Colonel Carter hatte im Endeffekt ihre Einwilligung gegeben. Wohl auch, um Rodneys E-Mail-Flut einzudämmen, in der er erklärte, warum es eine einmalige Chance war. Sie hatten grünes Licht bekommen.

    ~ *~* ~

    „Und?“, rief Rodney begeistert, nachdem John den Jumper in der Nähe der größten und besterhaltensten Ruinen geparkt hatte. „Sieht es hier nicht … antikisch aus?“

    Er wedelte mit seinem Scanner in Richtung der Türme des Gebäudekomplexes, auf den sie zuhielten. Um einen zentralen Turm gruppierten sich kleinere Türme, von denen einige zerfallen waren, einige noch standen. Aber keines der Gebäude hatte mehr als fünf oder sechs Stockwerke. Der ganze Komplex war viel gedrungener als Atlantis und sah wie ein Vorläufer „ihrer“ Stadt aus. Teile waren von Wald und Buschwerk überwuchert, andere Türme trotzten noch der Natur und ragten grau-weiß in den Morgennebel.

    „Sieht nicht so aus, als könnte das Teil fliegen“, stellte Sheppard fest und ließ seinen Blick über die Gemäuer schweifen.

    „Fliegen! Das ist doch nicht das einzige Kriterium“, rief Rodney, rollte die Augen und marschierte zielstrebig auf etwas zu, das wie ein großes Portal wirkte.

    „Irgendwelche Lebenszeichen?“, wollte Ronon wissen und spielte mit seinem Stunner.

    „Nein. Nichts. Nur wir und diese Impulse, die wahrscheinlich auf eine Maschine hinweisen. Aber wir sind richtig hier, hier sind die Signale am stärksten“, bestätigte Rodney nach einem erneuten Blick auf seine Anzeigen.

    „Keine Klingel“, stellte John fest und untersuchte den Rand des Portals genauer. Er war sehr gespannt, ob sich dieses Mal der Aufwand gelohnt hatte oder ob sie wieder nur eine halbverrostete, automatische Boje fanden, die verkündete, dass es hier niemanden mehr gab.

    „Aber das“, Teyla kratzte mit ihrem Messer Rost von einer Platte, die ein wenig hervorstand, „sieht wie ein Öffnungsmechanismus aus.“ Vorsichtig versuchte sie ihn zu drücken, aber nichts geschah.

    Rodney hielt seine Hand drauf – dasselbe Ergebnis.

    „Lasst mich mal“, meinte Ronon und schob Teyla und Rodney beiseite. „Das ist sicher eingerostet.“ Er haute seine Hand mit Wucht drauf. Ohne Erfolg.

    „Okay. Colonel SuperGen, willst du mal einen Versuch wagen?“ McKay forderte Sheppard mit einer energischen Bewegung seines Kinns auf, jetzt ja nicht ‚nein’ zu sagen.

    John schlenderte näher und hielt mit einem spöttischen Verziehen der Lippen seine Hand auf die Platte. „Wenn du … Oh!“ Was immer er hatte sagen wollen, ging in einem Ausruf des Erstaunens unter, als das Portal plötzlich mit Ruckeln und Quietschen zur Seite glitt und den Eingang freimachte.

    „Na toll. Mal wieder etwas, das nur auf das Original-Gen reagiert“, grummelte Rodney und presste seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. „Das ist so ungerecht, dass es immer wieder Technologien gibt, die derart … snobistisch veranlagt sind!“

    Bevor er jedoch durch die Öffnung treten konnte, hatte Sheppard schon Ronon per Handzeichen bedeutet voranzugehen und die rechte Seite im Auge zu behalten. Er selbst wollte sich vergewissern, dass links keine Überraschung auf sie lauerte. „Teyla, bleib hier am Eingang und halte uns den Rücken frei“, ordnete er noch an, ehe er im Innern verschwand.

    Ja, das war ganz sicher Antiker-Architektur! Es ließ zwar die Eleganz von Atlantis mit ihren hohen, lichtdurchfluteten Räumen vermissen, aber all die Muster, all die Schriftzeichen auf den Wänden wiesen darauf hin, dass auch hier mal Antiker gelebt hatten.

    „Alles klar“, rief Ronon einen Moment später und Rodney marschierte, seinen Scanner vor sich haltend, in das Gebäude.

    „Sehr schön“, stellte er mehr für sich selbst als für die anderen fest. „Jetzt sag mir, wo du deine Geheimnisse verborgen hast.“ Er wechselte auf eine andere Ansicht an seinem Gerät.

    Raum um Raum arbeiteten sich die drei vor. Manchmal mussten sie dazu über halb eingestürzte Mauern klettern, alles in allem war der Komplex im Innern aber noch erstaunlich gut erhalten.

    „Was meint ihr, wie lange hier schon niemand mehr gewesen ist?“, fragte John und wischte im Vorbeigehen mit seiner Hand durch eine dicke Staubschicht.

    „Kann man schwer sagen. Auch Atlantis war ja längst nicht so verrottet, wie man es nach zehntausend Jahren erwartet hätte“, erwiderte Rodney.

    „Das lag ja auch fast luftdicht verpackt unter Kilometern von Ozean“, sagte John. „Der Schutzschild hat sicher wie … eine Käseglocke gewirkt.“

    „Oh.“ Man sah Rodney an, dass er sich mit dieser Frage noch nie beschäftigt hatte. „Ich … hey, was ist das? Oh, oh … das ist … wir müssen hier nach links!“ Aufgeregt winkte er den beiden anderen Männern und zeigte auf eine Treppe, die nach unten führte. „In dieser Richtung werden die Signale stärker.“

    „Teyla? Alles klar bei dir?“, erkundigte sich John. „Wir gehen jetzt weiter ins Innere des Komplexes. Alle fünf Minuten Funkkontakt, so dass wir wissen, wo wir ihn verloren haben, falls wir ihn verlieren sollten.“ Diese Station war ihm fast etwas zu ruhig. Missionen waren niemals so einfach.

    „Alles klar, John.“ Und mit einem hörbaren Schmunzeln in der Stimme fragte sie: „Ist Rodney in seinem Element?“

    „Völlig. Er kommandiert uns wie gewohnt herum“, bemerkte John trocken.

    Sie stiegen die Treppen hinab, und wie sie es von Atlantis gewohnt waren, gingen vor ihnen die Lichter an. Die Luft wurde etwas feuchter, leichter Moosgeruch drang ihnen in die Nase, aber alle Anzeigen waren noch im grünen Bereich.

    „Ich will nur hoffen, dass hier nicht irgendwelche Sporen rumfliegen, auf die ich allergisch bin“, gab Rodney besorgt zu bedenken. „Denn mit den Mykotoxinen von Aspergillus fumigatus ist nicht zu spaßen. Bei Leuten, die zu Allergien leiden, können sie ganz üble bronchopulmonale Aspergillose auslösen.“

    „Was meint er?“, fragte Ronon den Colonel.

    John, der diese Klagen bei jedem Besuch in feuchten Gemäuern hörte, klärte den Satedaner im Gehen auf: „Rodney fürchtet, dass der Schimmelpilz zu Atembeschwerden bei ihm führen kann.“

    „Warum sagt er es dann nicht?“

    „Vielleicht weil es nicht so bedrohlich wie ‚bronchopulmonale Aspergillose’ klingt?“, grinste John.

    Ronon grinste zurück.

    „Ich ignoriere euch einfach“, meinte McKay in einem hoheitsvollen Ton. Ein paar Minuten später rief er: „Hey, schaut mal hier! Hier hinter diesem Paneel muss das, was wir suchen, liegen. Der Zeiger schlägt in hohem Bogen aus!“

    Wieder war es nur John, der das Wandpaneel zur Seite schieben konnte. Sie betraten einen schmucklosen Raum, von dem zwei Türen abgingen.

    „Rechts oder link?“, fragte Sheppard den Wissenschaftler.

    „Hinter beiden ist noch irgendetwas aktiv“, meinte Rodney mit kaum unterdrückter Spannung in der Stimme. „Ich … links, nein rechts, nein … “

    Noch während McKay zauderte, machte Ronon vorsichtig die rechte Tür auf und spähte mit seiner Waffe im Anschlag hinein. Doch stand dort nichts Gefährlicheres als eine verstaubte Konsole herum.

    „McKay? Was macht das Ding?“ Ronon hielt respektvollen Abstand von dem Gerät und deutete nur mit seiner Waffe drauf.

    „Sieht aus wie der Hologramm-Emitter auf Atlantis“, meinte John, der näher getreten war.

    „Der Kandidat hat hundert Punkte“, verkündete Rodney einen Augenblick später. „Das ist ein Vorläufermodell von dem, welches Beckett in Atlantis gefunden hat.“

    Dass alle aus den Fehlern der ersten Tage gelernt hatten, zeigte sich, als Sheppard fragte: „Haben wir genügend Saft, um uns die Botschaft anzusehen? Wäre vielleicht interessant, ehe wir in irgendetwas Unangenehmes reinrennen, wovor uns ein freundlicher Antiker warnen möchte.“ Zu oft schon hatte sie die antikische Technologie nicht nur enttäuscht, sondern sogar in Gefahr gebracht und im schlimmsten Fall Leben gekostet.

    „Weil die es mit ihren Warnungen ja auch immer so genau nehmen.“ Rodneys Stimme troff vor Sarkasmus. „Okay, der Emitter scheint an einem eigenen Stromkreis zu hängen, wir ziehen also keine Energie von anderen Stationen ab. Da können wir uns auch anhören, was sie zu sagen haben.“ Er bedeutete Sheppard, das Gerät zu aktivieren.

    Das Hologramm einer Antikerin erschien – und es war genau dieselbe, die sie schon auf Atlantis gesehen hatten! Sie hielt praktisch genau dieselbe Ansprache und ließ nur die Teile aus, die sich speziell auf Altantis bezogen hatten.

    Schon nach wenigen Minuten stoppte Sheppard die Übertragung. „Sieht so aus, als hätten sie die Botschaft einfach in all ihren Außenposten hochgeladen.“ Er war ein wenig enttäuscht, denn er hätte gerne dem Bild, das er von den Erbauern der wundervollsten Stadt, die er kannte, ein neues Detail hinzugefügt. Er war aber auch erleichtert, dass ihnen das Programm nicht von irgendwelchen Quarantänemaßnahmen oder sonstigen Gründen, warum dieser Außenposten verlassen war, erzählt hatte.

    Ronon und McKay waren schon zur zweiten Tür unterwegs und er sah zu, dass er sie einholte.

    „Komm schon“, drängelte McKay. „Die Tür reagiert nicht auf mich.“ Er kickte einmal erbost mit seiner Fußspitze dagegen.

    Rodneys Wut auf das „Ratten-Gen“, wie er seine durch Carson eingeimpfte Version des Gens nannte, war schon lange nicht mehr so deutlich gewesen. John verkniff sich ein Lachen und legte seine Hand auf das Metall, woraufhin die Tür leise zur Seite glitt.

    „Heiliger Himmel!“ Rodney war in der Tür stehen geblieben, so dass John über seine Schulter spähen musste. Und auch seinem nicht ganz so wissenschaftlich geschulten Auge war sofort klar, dass sie in der Steuerzentrale der Stadt angekommen sein mussten.

    Alles war stumm und unbeleuchtet – aber das änderte sich, als sie den Raum betraten. Lichter begannen zu flackern, Bildschirme schalteten sich ein, Reihen um Reihen von Zahlen rieselten über die diversen Monitore.

    „Wow!“ John nickte anerkennend, während Rodney sofort auf das Gerät zustürzte, dass er als die zentrale Steuereinheit ausgemacht hatte. Ronon und John wanderten etwas ziellos umher, Rodney tippte auf dem Keyboard und ließ immer wieder anerkennende Töne hören.

    Nach ein paar Minuten trat Sheppard hinter McKay und schaute ihm über die Schulter. „He, wart mal, ist das da“, er tippte auf den Bildschirm, „ein Verzeichnis der Puddlejumper, die hier mal stationiert waren oder noch sind?“

    „Eher waren als sind.“ Rodney gab ein paar Befehle ein. „Hier, sieh mal, die letzten Jumper haben sie … kurz vor der Aufgabe von Atlantis abgezogen.“

    Da John schon so eine Antwort befürchtet hatte, war er nicht allzu enttäuscht. „Sie haben wahrscheinlich alles, was sie hatten, in die Verteidigung der Stadt gegen die Wraith geworfen“, nickte John. „Ist noch irgendetwas Nützliches hier? Drohnen? Oder sonst was?“

    Rodneys Finger flogen über die Tasten. „Lass mich nachsch…“

    „Colonel Shep…rd!“ Teylas verzerrte Stimme drang aus dem Kommunikationsgerät. „Ich … Schiffe! … nicht sagen … verstand…?“

    „Teyla?“ John gefiel die Dringlichkeit in Teylas Stimme gar nicht. Als Teyla die Nachricht nicht wiederholte, befahl er: „Ronon, bleib bei McKay. Rodney, sieh zu, dass du alles runtergeladen bekommt, was du brauchst. Ich gehe ein paar Meter zurück und versuche, Teyla zu kontaktieren.“

    „Okay.“ Ronon nickte und Rodney wedelte ihn ungeduldig mit der Hand davon. „Geh, geh!“

    Im Vorraum war der Empfang besser. „Teyla? Wiederhole noch einmal deine letzte Nachricht.“

    „Ein gutes Dutzend Schiffe kreist über dem Komplex, John.“

    „Kannst du erkennen, wessen Schiffe? Sind es Wraith-Darts?“

    „Nein, keine Wraith. Oh, nein! Ich bin mir ziemlich sicher, dass es Voronen sind.“

    „Voronen?“ John hatte diesen Namen noch niemals gehört, aber Teyla klang sehr besorgt, also war wohl auszuschließen, dass sie nur zu einem netten Kaffeeplausch vorbeigekommen waren.

    Ronon ließ sich jetzt aus dem Nebenzimmer vernehmen: „Die schlimmsten Sklavenhändler der Pegasus-Galaxie. Die verkaufen jeden, der ihnen in die Hände fällt, selbst Säuglinge. Und alles, was man irgendwie mitnehmen kann, wird mitgenommen und verkauft. Die geplünderten Städte sehen fast schlimmer als nach einem Wraith-Angriff aus.“

    John spürte seinen Blutdruck hochschnellen. „Okay. Dann nichts wie weg hier. Teyla, was machen die Schiffe?“

    „Sie sind ganz in der Nähe des getarnten Jumpers gelandet und etliche Personen halten jetzt auf unser Gebäude zu. John, die Eingangstür lässt sich nicht schließen!“

    „Ich bin auf dem Weg nach oben! Versuch sie so lange es geht aufzuhalten, dann fall hinter die zweite Tür auf der linken Seite zurück. An der eingestürzten Wand vorbei und drei Zimmer später ist ein offenes Paneel in der Wand. Komm da hin.“

    „Verstanden.“

    John trat in die Verbindungstür und wandte sich an Rodney und Ronon. „Ihr habt gehört. Voronon. Wir verschwinden hier. Sofort! Rodney lass alles stehen und liegen. Wir …“

    „John. Das können wir nicht.“ Rodney drehte sich mit dem Stuhl, in dem er saß, um. „Auf diesem Rechner sind hunderte von Experimenten, die die Antiker hier durchgeführt haben. Waffen, Massenvernichtungswaffen, DNA-Forschungen, lauter so hochsensibles Zeugs. Wenn das jemandem in die Hände fällt, der alles zu Geld macht – wer weiß, wo es dann landet.“

    „Dann sprengen wir die Konsole in die Luft. Ronon, du hast C-4 im Rucksack?“

    „Habe ich, Sheppard. Wir machen das hier, sieh zu, dass du zu Teyla kommst.“

    „Aber John …!“

    Er rannte los, ohne sich um Rodneys Protest zu kümmern. Ronon würde schon mit ihm klarkommen. Und wenn er etwas körperliche Gewalt einsetzte, um Rodney von der Richtigkeit der Argumente zu überzeugen, dann konnte John das auch nicht ändern. Wenn die Daten so sensibel waren, wie Rodney gesagt hatte, dann durften sie niemandem in die Hände fallen, selbst wenn damit wieder ein Teil des Wissens der Antiker verloren ging.

    Nachdem er die Treppe hinaufgestürzt war, hörte er bereits das Waffenfeuer. Das hieß, Teyla hatte die Eingangstür nicht halten können und die Sklavenhändler waren schon im Gebäude. Verflucht!
    John rannte durch die leeren Räume, bis er zu dem Durchgang in der Wand kam. Er sah Teyla aus dem nächsten Raum auf ihn zu rennen. Waffenfeuer verfolgte sie, aber da die Angreifer den Raum noch nicht betreten hatten, schossen sie auf reine Vermutung und trafen sie nicht.
    Teyla feuerte noch eine Salve in Richtung Tür ab, dann schlüpfte sie zu John hinter das Wandpaneel.

    John legte seine Hand drauf – und das Paneel schloss sich. „Das wird uns einen Moment geben, hoffe ich.“

    Keuchend und um Atem ringend erklärte Teyla: „Sie sind schwer bewaffnet, … auch mit Schneidbrennern … und Sprengstoff. Ich fürchte, diese Tür … wird im Endeffekt kein Hindernis für sie sein.“

    „Wie viele sind es?“

    Teyla atmete einmal tief ein und aus. Dann meinte sie um Ruhe bemüht: „Sechs Schiffe, bestimmt je mit zehn, zwölf Leuten. Selbst wenn einige bei den Schiffen bleiben, können sie vierzig, fünfzig Schwerbewaffnete hinter uns herschicken. Sie sind immer in solchen Größenordnungen unterwegs, weil sie ganze Dörfer niedermachen.“

    „Verdammt.“ Sheppard zog sie mit sich die Treppe hinunter. „Dann wollen wir mal hoffen, dass es da unten noch irgendwo einen Notausgang oder Fluchtweg gibt.“

    Bevor Sheppard das nächste Paneel zur Seite schob, meinte er: „Warum habe ich noch keine Explosion gehört? Ich hatte ihnen doch befohlen, die Konsole …“

    Ronon kam ihnen bereits entgegen und stieß hervor: „Die Konsolen sind mit einem Schutzschild gesichert. Hat McKay rausgefunden, als er die Stelle suchte, wo der Sprengstoff den meisten Schaden anrichten würde.“

    „Wir können nicht sprengen?“, rief John alarmiert.

    „Keine Chance.“ Ronon schüttelte den Kopf.

    „Puh.“ John griff sich mit beiden Händen in die Haare. Das war ihm noch nicht passiert, dass man mit brachialer Gewalt nicht weiter kam. Sicher, oft stellte es eine fast unüberwindliche Hürde dar, den Sprengstoff anzubringen, aber wenn man doch direkt davor saß …

    „Okay, Rodney. Hast du noch eine Alternative, wenn wir nicht sprengen können?“, rief Sheppard schon von der Tür aus, während er in den Kontrollraum stürzte.

    „Ich versuche alles zu löschen. Die ganzen Datenbanken … ich habe da was programmiert, das sollte, … wenn ich jetzt neu starte, eigentlich alles lahm legen.“ Rodney beugte sich vor, biss sich auf die Unterlippe. „Warum ist das so langsam? Nein, nein, nein! Keine Reparaturen durchführen!“ Rodney hämmerte in rasender Geschwindigkeit auf die Tasten. „Du sollst zerstören, nicht reparieren!“

    „Rodney?“ John stellte sich neben ihn und blickte gebannt auf den Bildschirm.

    „Zwei Prozent hat das Programm gelöscht, … bis es selbst gelöscht wurde“, erklärte McKay zutiefst enttäuscht und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Er stützte die Ellenbogen auf die Lehnen und faltete die Hände vor seinem Körper. Er starrte auf den Monitor. „Da waren Könner am Werk“, bescheinigte er den Programmierern der Station. „Ich bräuchte sehr viel Zeit, um …“

    „Gehen wir anders vor“, unterbrach Teyla ihn. „Rodney, versuch mal herauszufinden, ob es hier unten Fluchttunnel oder so etwas gibt.“

    „Aber wir können doch nicht …“

    „Doch können wir. Wenn wir die Konsole nicht zerstören können, müssen wir die Angreifer zerstören. Wenn es uns also gelingt, zum Jumper zu kommen, könnten wir versuchen, die alte Stadt in die Luft zu jagen. Mit allen Voronen, die sich zu dem Zeitpunkt in ihr aufhalten.“

    „Teyla hat Recht“, nickte John. „Das ist vielleicht unsere beste Option.“ Und hier unten mussten sie sowieso besser früher als später weg, denn John hatte nicht vor, Sklavenhändlern lebend in die Hände zu fallen.

    Rodney hatte sich bereits wieder in das System eingeklinkt und scrollte wild durch die Verzeichnisse. Ronon winkte Teyla und gemeinsam bezogen sie vor der vorletzten Tür mit ihren Waffen im Anschlag Position. Dann gab es nur noch eine Tür hinter die sie zurückfallen konnten. Sie hörten bereits den Lärm im Flur – und ja, das war ein Schneidbrenner, der jetzt an ihrer Tür angesetzt wurde.

    „Sie sind da“, rief Ronon den beiden anderen zu.

    „Nur keinen Druck ausüben“, murmelte Rodney während er Verzeichnis um Verzeichnis aufmachte.

    „Da!“, rief Sheppard. „Was ist das?“

    „Das ist das Abwassersystem. Aber warte, in diesem Ordner liegen auch … Ja! Ja, sie haben Wartungsschächte. Jeffriesröhren. Wie auf der Enterprise!“ Begeistert grinste Rodney John an. „Ja!“

    „Wenn du darauf bestehst, nennen wir sie auch Jeffriesröhren“, stimmte John mit einem angespannten Grinsen zu. Hauptsache Rodney sagte ihm, wo die Schächte hinführten, dann durfte er sie nennen, wie er wollte.

    Rodney fuhr bereits mit einem Finger die Linien entlang, dann holte er tief Atem und sagte: „Sie führen nach draußen.“

    „Das ist …“

    Rodney ließ John nicht ausreden. „Wenn wir aber nicht den direkten Weg nehmen, sondern hier“, er tippte auf die Übersicht, auf der die Schächte verzeichnet waren, „einen Umweg machen, kommen wir zu einem Raum, in dem die Hilfssysteme stehen, falls der Hauptraum aus irgendeinem Grund mal unbenutzbar sein sollte. Von der Hilfskonsole aus könnten wir die Hauptkonsole abschalten. Jetzt plötzlich macht die eine Seite, die ich mir vorher angeschaut habe, Sinn. Ich dachte, es handelte sich um ein System außerhalb dieser Stadt, aber in Wahrheit war damit der Raum mit den Notfallsystemen gemeint.“

    „Und du bist dir sicher, dass du von dort aus den Zugriff auf den Hauptcomputer definitiv für die Voronen unmöglich machen kannst?“

    „Ja. Die knacken meinen Code nicht. Wenn ich eine viertel Stunde habe, schalte ich den Rechner hier ab. Das ist das Schöne an einem solchen Notfallprogramm. Und der Hilfscomputer selbst hat keine sensiblen Daten gespeichert.“

    „Okay. Dann gehen wir auf Nummer sicher. Wir schalten den Hauptcomputer ab, versuchen dann den Jumper zu erreichen und wenn die Voronen noch im Gebäude sind, verpassen wir ihnen eine Ladung.“

    John rief Teyla und Ronon herbei und gemeinsam sprachen sie kurz den Plan durch. Rodney fuhr derweil alles am Computer herunter, ließ nur die Verbindung zu der Notfallkonsole offen, versteckte diese aber hinter einer kleinen Firewall.

    Ronon öffnete die Abdeckung des Wartungsschachtes und alle vier krabbelten los. Rodney hatte den Plan des Röhrensystems rasch auf einen der Schmierzettel, die er immer bei sich hatte, skizziert. Teyla und er dirigierten die anderen durch das Labyrinth in den Schächten. Ronon befestigte die Abdeckung wieder und krabbelte hinterher.

    Schon kurze Zeit später schmerzten ihre Knie von der ungewohnten Belastung, aber nach zehn Minuten hatten sie dann tatsächlich den Raum mit der Hilfskonsole erreicht. John, der als Erster das Ende des Ganges erreicht hatte, entfernte leise das Gitter des Belüftungsschachtes. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass der Raum leer war, winkte er den anderen, ihm zu folgen.

    Rodney machte sich sofort an die Arbeit und stellte die Verbindung zwischen den beiden Computern her. Er tippte ohne aufzusehen Zeile um Zeile in den Computer ein. Ronon, Teyla und John sicherten den Zugang zu dem Zimmer, denn die Voronen würden bald herausgefunden haben, wo sie waren. Diese Mission war ja rasend schnell den Bach runter gegangen. John seufzte.

    Ihr neuer Aufenthaltsort blieb tatsächlich nicht lange unentdeckt, wie die ersten Gewehrsalven deutlich machten. Teyla, John und Ronon schossen zurück und ein paar Voronen fielen stöhnend zu Boden. Ronon wurde von einem Schuss am Arm gestreift. Mit einem Fluch schoss er noch wütender auf die Angreifer und streckte drei von ihnen nieder.

    „Wie sieht es aus?“, brüllte John in Rodneys Richtung.

    „Gleich fertig!“, schrie der über das Gewehrfeuer hinweg zurück.

    Zwei Minuten später spürte John, dass Rodney ihm auf die Schulter tippte. „Alles so weit erledigt, aber auch diese dämliche Maschine wartet auf deine Initialisierung. Halt einfach die Hand gegen den Bildschirm. Ich habe auch einen Notruf nach Atlantis abgesetzt. Sie schicken die Daedalus. Na los, geh schon!“

    Rodney nahm Johns Platz an der Tür ein, zückte seine Waffe und schoss ebenfalls auf die angreifenden Voronen. John rannte zum Terminal zurück und legte seine Hand an die Stelle, die Rodney überflüssigerweise mit einem dicken roten Pfeil und einem „Hier drücken, Dummkopf!“ Schild markiert hatte. Er musste trotz der beschissenen Situation grinsen.

    Als er aufschaute, sah er, wie sich ein bläulich schimmerndes Kraftfeld vor der Tür zu etablieren begann. Typisch Rodney, er hatte noch ein Ass im Ärmel gehabt. Das würde ihnen eine Verschnaufpause verschaffen. Und dann sah er einen Voronen, der so verdeckt stand, dass Rodney ihn nicht sehen konnte. John schrie, Ronon feuerte auf den Heckenschützen, doch der Vorone hatte eine Sekunde früher gefeuert. In dem Moment, als sich das Kraftfeld etablierte, raste die letzte Kugel noch hindurch und traf Rodney.

    „Rodney!“ John rannte zur Tür, aber Ronon war schneller und fing McKays fallenden Körper auf und bettete ihn sanft auf den Boden. Die Schüsse prallten jetzt am Kraftfeld ab, so dass sich auch Teyla neben Rodney auf die Knie fallen ließ.

    „Ein Bauchschuss, unterhalb der Sicherheitsweste“, verkündete sie und schaute die beiden anderen Männer verzweifelt an.

    „Rodney, die Daedalus ist unterwegs, halt durch“, beschwor John seinen Kollegen und Freund und ergriff eine von Rodneys ziellos umherflatternden Händen.

    „So … kalt“, wisperte Rodney. Dann schloss er die Augen.

    „Rodney, nein!“ John sah, dass Teyla ein sauberes T-Shirt aus Rodneys Rucksack geholt hatte und es nun auf die Wunde presste. Aber der Stoff konnte das Blut nicht zurückhalten, es quoll unter ihren Fingern hervor.

    „Der ganze Bauchraum ist zerfetzt“, sagte sie. „Als ob die Kugel … wie ein Splitterbombe“, hauchte sie das letzte Wort.

    „Halt gefälligst durch, bis die Daedalus da ist!“, befahl John. Als er keinen Atem mehr spürte begann er mit Wiederbelebungsmaßnahmen.

    Fünf Minuten vergingen, in denen nur von Zeit zu Zeit ein Einschlag in dem Kraftfeld zu hören und Ronons leise Flüche zu hören waren, ansonsten war es still in dem Raum.
    Immer mehr Blut floss aus Rodney heraus, und nur noch Ronon und John hielten ihn am Leben.

    Blut. Überall Blut.

    „Ronon, John. Ihr könnt nichts mehr für ihn tun.“ Teylas tränenverhangene Stimme war sanft, aber bestimmend. „Ihr müsst Rodney gehen lassen.“

    „McKay würde auch nicht aufgeben“, grollte Ronon störrisch und fuhr mit seinen Wiederbelebungsversuchen fort. Mit einem festen Rhythmus drückte er Rodneys Brustkorb zusammen.

    John presste Luft in die Lungen, die vor einigen Minuten aufgehört, ihren Dienst zu verrichten. Auch er wollte nicht auf das hören, was Teyla sagte. Das konnte doch nicht das Ende sein!

    Noch fünf weitere Minuten fuhren sie in ihren Bemühungen fort, dann ließ sich Ronon auf seine Füße zurückfallen und sagte sanft: „Sheppard, Teyla hat Recht.“

    John schloss die Augen und lehnte seine Stirn für einen Augenblick gegen Rodneys. Ja, Ronon hatte Recht – aber er wollte es nicht glauben. Es hatte doch nur … wenn er nicht … Nein, Rodney konnte doch nicht in so einer Scheißstadt verbluten!

    „John?“ Teyla legte ihm einen Arm auf die Schulter.

    Mit unendlicher Langsamkeit richtete er sich auf. Er hatte Tränen in den Augen, als er Rodneys Lider schloss.

    Teyla sprach ein paar Worte in einer Sprache, die John nicht verstand, dem Klang nach aber war es ein Gebet. Sie schloss mit den Worten: „Eine gute Reise, Rodney.“

    ~ *~* ~

    Plötzlich löste sich Rodneys Körper in einem gleißend hellen Lichtschein auf. Seine Konturen, die für einen Augenblick noch sichtbar waren, wurden heller und durchsichtiger. Das Licht waberte und verschwand. Zurück blieb Rodneys blutverschmierte Uniform.

    „Er … er durfte aufsteigen!“, sagte Teyla mit Bewunderung in der Stimme. „Irgendjemand hat ihn für würdig befunden aufzusteigen.“ Mit einer resoluten Handbewegung wischte sie die Tränen von ihren Wangen und erhob sich von ihren Knien. Die Andeutung eines Lächelns umspielte ihre Lippen.

    John konnte nicht viel Tröstliches darin sehen. Vielleicht würde das später kommen. Aber sein im Moment vorherrschender Gedanke war, dass Rodney weg war; dass er nicht mehr mit ihm irgendwelche sinnlosen Autorennen veranstalten oder über Science-Fiction-Filme lästern konnte, dass Rodney nie mehr den letzten Schokopudding von seinem Tablett stehlen würde. Und welche Auswirkungen das für die Sicherheit von Atlantis haben würde, darüber wollte er jetzt erst recht nicht nachdenken. Er fand es … toll, dass Ronon und Teyla aus dem Aufstieg so viel Kraft schöpfen konnten – für ihn blieb nur ein unendliches Loch zurück.

    Er spürte Ronons Hand, die ihn am Ellenbogen packte und hochzog. „Kannst du dir vorstellen, dass sie ihn lange dort oben behalten?“ Ronon deutete mit seinem Kinn Richtung Decke. „Sobald die ihn näher kennen, schicken sie ihn wieder zurück“, versuchte er John aufzumuntern.

    John rang sich ein „Ja, bestimmt“ ab. Dann straffte er sich, trat an die Konsole und kontrollierte, ob Rodneys Abschaltung des Hauptcomputers funktioniert hatte. Ja, Rodney hatte ganze Arbeit geleistet.
    Zum letzten Mal.
    Als Nächstes rief er die Langstreckensensoren auf und verkündete: „Die Daedalus wird in einer halben Stunde eintreffen.“

    Sie rollten Rodneys blutverschmierte Uniform zusammen und warteten.

    ~ *~* ~

    Plötzlich hob Teyla die Hand, kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich. „Habt ihr das auch gehört?“

    In dem Moment, als Ronon „Was?“ fragte, gab es im Nebenraum Gepolter.

    Verflucht! Wie hatten die Voronen ungesehen in das Zimmer gelangen können? John sprang auf und griff hastig nach seiner Waffe.

    „Also nein, wirklich, wenigstens die Unterhose hätten sie mir lassen können.“ Das Gemecker konnte nur einer einzigen Person gehören! „Warum müssen die einen immer nackt zurückschicken?“

    In dem Moment als John, Teyla und Ronon zur Tür rannten, trat Rodney auch schon aus dem Nebenzimmer ein. – Splitterfasernackt. – Er marschierte an seinen für einen Moment sprachlosen Kollegen vorbei zu seinem Rucksack und kramte seine Ersatzkleidung hervor. Erst nachdem er in seine Boxershorts geschlüpft war, drehte er sich zu den anderen um.

    „Hat jemand mein Ersatzshirt gesehen?“

    John wies mit einem Finger auf den Haufen blutverschmierter Kleidung und gab ihm seines.

    Ronon war der Erste, der seine Stimme wiederfand. „Ich hatte ja schon drauf gewettet, dass sie dich dort wieder rausschmeißen, McKay – aber das war bestimmt neuer Rekord.“ Er grinste über das ganze Gesicht.

    „Ich bin nicht rausgeflogen.“ Rodney kleidete sich weiter an.

    „Aber du bist doch wieder zurück“, sagte Teyla fragend. „Oder nicht?“

    „Doch, doch“, versicherte ihr Rodney.

    „Wer …?“ Sheppard ersetzte den Rest der Frage durch eine hochgezogene Augenbraue und strich mit einer Hand durch seinen Nacken. Er hoffte, dass dies nicht irgendein teuflischer Trick war.

    „Gratia Tri. So was die Oma Desala der Pegasus-Galaxie. Sie bemerkte unsere Bemühungen den Zentralcomputer zu schützen und da …“, Rodney verschwand für einen Moment in seinem T-Shirt. Als sein Kopf wieder auftauchte, fuhr er fort: „… fand sie es angemessen, mir … äh … mich wieder … na ja, sie hat mich aufsteigen lassen, weil meine Verletzungen schon zu weit fortgeschritten waren, um mich direkt zu heilen.“

    „Und warum hat sie dich gleich wieder rausgeschmissen?“, blieb Ronon hartnäckig.

    „Hat sie nicht!“, rief Rodney. „Ihr wisst schon, dieser ganze Misch-dich-nicht-ein-Schwachsinn. Sie hat mich nur geheilt und sofort zurückgeschickt, weil sie auf diese Weise hofft, dass die anderen Aufgestiegenen, die nicht so … äh … wohlmeinend veranlagt sind, nichts mitbekommen.“

    „Und wieso kannst du dich an alles erinnern?“, wollte John wissen.

    „Weil es nichts zu vergessen gibt“, erwiderte Rodney. „Wir haben da in so einem Schnellrestaurant gesessen, sie hat mir erklärt, warum ich postwendend zurück muss – und, schwupps, schon bin ich wieder hier.“ Er stopfte das T-Shirt in die Hose und schloss seinen Gürtel.

    Teyla trat auf ihn zu, legte ihre Stirn gegen seine und meinte: „Ich freue mich, dass du wieder zurück bist, Rodney.“

    „Ich mich auch“, meinte Ronon, hob Rodney hoch und drückte ihn so fest, bis der „Lass mich runter!“ forderte.

    Als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, legte ihm John eine Hand auf die Schulter und meinte: „Dann können wir ja doch das Schachspiel zu Ende spielen.“

    „Klar, ich muss dich doch noch besiegen“, entgegnete Rodney. Sein fester Griff an Sheppards Arm und sein sekundenlanges Schließen der Augen machten deutlich, dass er weit erschütterter war, als er nach außen zugeben wollte.

    John konnte ihm das nicht verdenken. Auch ihm hatten die letzten zwei Stunden arg zugesetzt. Es war eben doch nicht so leicht wegzustecken, wenn es jemanden aus dem Team erwischte. Das würde es nie sein. An diesem Erlebnis würden sie noch eine Weile dran zu verdauen haben.

    „Kannst du heute Abend gerne versuchen“, schlug John vor und rempelte seine Schulter gegen Rodneys.

    „Das werde ich“, versprach Rodney.

    ~ *~* ~

    Es gelang nur einem einzigen Schiff der Voronen schwer beschädigt in den Hyperraum zu entkommen. Den Rest zerstörte die Daedalus mit fünf Präzisionstreffern. Die aus Atlantis mitgebrachten Bodentruppen säuberten die Stadt von den noch lebenden Voronen, die es aber alle darauf anlegten, im Gefecht zu fallen. Nur einen einzigen Verletzten konnten sie auf die Daedalus beamen, so dass sie ihn mit nach Atlantis nehmen konnten.

    Sheppard und sein Team flogen mit dem Jumper zurück, mit dem sie auch angekommen waren, denn schließlich war dies eine Mission wie jede andere – fast jedenfalls.

    ~ *~* ~
    Geändert von Redlum49 (01.01.2013 um 19:19 Uhr)

  4. #4
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Standard Fanfiction Nr. 3 - Die Kaffeemaschine, die keine ist

    Titel: Die Kaffeemaschine, die keine ist
    Genre: Humor (Crack)
    Rating: FSK 12
    Serie: SG-1
    Warnung: keine
    Wörter: ca. 3.100
    Inhalt: Ein fortschrittliches Gerät, das SG-1 von einer Mission mitgebracht hat, verschwindet aus Area 51 und taucht in einer Kleinstadt, wo es Chaos auslöst, wieder auf …

    Spoiler 
    Die Kaffeemaschine, die keine ist


    „General was gibt’s denn?“, fragte O’Neill nachdem auch er auf einem der Stühle im Besprechungsraum Platz genommen hatte.
    „Colonel, schön dass Sie auch schon da sind“, merkte Hammond an, bevor er zu dem Grund dieser Besprechung kam: „Wie ich selbst erst vorhin erfahren habe, wurde das Gerät, das SG-1 von der Mission vor drei Wochen mitgebracht hat, vor zwei Tagen aus Area 51 entwendet.“

    „Die Kaffeemaschine ist weg, Sir?“, kam es prompt von Jack, woraufhin Sam, die angesichts Jacks Bemerkung ein wenig schmunzeln musste, sofort zu erklären begann: „Aber Sir, das ist doch keine Kaffeemaschine, das ist ein hochentwickeltes Gerät, das …“
    „Stopp Carter!“, hob Jack die Hand, bevor er fortfuhr: „Ich hab‘s kapiert, das Ding ist wertvoll für unsere Zukunft.“
    „Ja Sir“, stimmte die blonde Wissenschaftlerin zu, ehe sie sich an Hammond wandte: „Ich dachte eigentlich, dass die neuen Sicherheitsmaßnahme, die nach dem Vorfall mit den Imitationsgeräten eingeführt wurden, genau so etwas verhindern sollten, Sir.“
    „Das sollten sie auch Major.“
    „Und dennoch wurde das Ding gestohlen“, gab O’Neill wieder einmal einen seiner unglaublich hilfreichen Kommentare ab, bevor Daniel dann die Frage stellte, die unausweichlich war: „Wieso erfahren wir das eigentlich erst jetzt?“
    „So wie es scheint, wollten die Leute in Area 51 das Problem selber lösen, Doktor Jackson.“

    „Das haben diese Eierköpfe nicht geschafft, also brauchen sie jetzt unsere Hilfe.“
    „Ganz genau Colonel, also werden Sie und Ihr Team dort hin fahren und versuchen das Gerät zu finden. Außerdem möchte ich, dass Sie herausfinden, wer es gestohlen hat.“
    „Ich tippe mal ganz einfach darauf, dass das Kinsey und seine Bande waren“, kam es, ohne Nachdenken von O’Neill und auch wenn es von den anderen keiner laut aussprach so stimmten ihm alle zu.
    „Überprüfen Sie das einfach, Colonel. So wenn sonst nichts mehr ist, dann können Sie wegtreten, Ihr Flug geht in einer Stunde.“

    Alle waren bereits aufgestanden, um den Raum zu verlassen, doch in diesem Augenblick kam Janet um die Ecke. „Eines wäre da noch Sir“, sagte sie ohne lange zu warten, womit sich SG-1 und Hammond wieder in ihre Stühle sinken ließen.

    „In Ordnung Doktor, was gibt es?“
    „Ich habe mir die Ergebnisse der Forschungen, die in drei Tagen, die das Gerät hier war, gemacht wurden, nochmal angeschaut und etwas entdeckt.“ Janet machte eine kleine Kunstpause, ehe sie verkündete was sie rausgefunden hatte: „Obwohl das Gerät immer nur kurz an war, kam es doch zu Veränderungen bei den Mitarbeiterin, die damit zu tun hatten. So ist zum Beispiel der Pizzakonsum sehr stark angestiegen, während das Gemüse zur Gänze abgelehnt wurde. Meiner Meinung nach beeinflusst das Gerät irgendwie die Gehirnchemie der Menschen …“
    „Wie eine Gehirnwäsche?“, unterbrach Daniel Janets Ausführungen, während Jack sich seine eigenen Gedanken machte: ‚Hmmm … Pizza klingt nicht schlecht und wenn‘s kein Gemüse mehr gibt … ja das wäre was … wir sollten das Ding schnell finden!‘

    In der Zwischenzeit hatte Janet weiter geredet und dabei erklärt, dass es einer Gehirnwäsche ähnlich war. „ … je länger das Gerät an ist, desto schlimmer sind die Auswirkungen“, beendete die kleine Ärztin dann ihre Erläuterung, worauf Sam sich bei Hammond erkundigte: „Sir, gab es schon ungewöhnliche Meldungen aus dem Gebiet rund um Area 51?

    „Tut mir leid Major, bisher liegen mir keinerlei Berichte über irgendwelche Vorfälle vor.“ „Moment! Ich glaub ich hab da heute Morgen was in der Zeitung gelesen!“, warf Daniel ein und sprang, wie von der Tarantel gestochen auf ...

    „Ich glaube wir sollten ihm folgen“, sprach Jack und erhob sich aus seinem Sessel. Die Anderen taten es ihm gleich, doch im Gegensatz zu dem Colonel verließen sie den Besprechungsraum sofort – zumindest alle außer Sam. Diese blieb in der Türe stehen und warf O’Neill einen eindeutigen Blick zu, so dass er ebenfalls stoppte.
    „Was Carter?“
    „Ach nichts Sir, nur werden wir das Gerät, nachdem wir es gefunden haben, auf gar keinen Fall hier im Stargate-Center auf Dauer einschalten, auch wenn Ihnen der Gedanke an nur noch Pizza statt Gemüse noch so gut gefällt.“ Mit triumphierenden Lächeln und dem Wissen, dass “ihr“ Colonel jetzt blöd gucken würde, marschierte sie davon, während Jack wie festgewurzelt da stand. ‚Woher weiß sie, was ich gedacht habe?‘
    Nach dem kurzen Moment der Verwirrung löste sich Jack aus seiner Starre und folgte den Anderen zu Daniels Labor.

    ***

    Hektisch suchte der Archäologe die heutige Zeitung, was bei all den Sachen, die auf dem Tisch lagen, gar nicht so leicht war, doch schließlich fand er sie.
    „Ich hab‘s, hier steht‘s! Im Zoo eines kleinen Ortes in der Nähe von Area 51 befreite heute ein Mann namens Arnold Johnson alle Pandas aus dem Gehege.“
    Daniel reichte die Zeitung an Sam weiter, die nun den gesamten Artikel las.

    „Na ich weiß ja nicht, zwischen Panda und Pizza ist doch ein gewaltiger Unterschied, oder was sagst du Teal’c?“
    „In der Tat O’Neill“
    „Na ja, beides beginnt mit P“, konterte Daniel, während er auf Carters Meinung dazu wartete, doch diese war immer noch am Lesen, denn sie hatte eine weitere skurrile Meldung entdeckt: „Daniel, hast du das hier auch gesehen? Hier steht, dass es in demselben Ort in einem Laden zu einem Vorfall mit Pringlesdosen kam. Dem Artikel zu Folge soll ein gewisser Henry Mulder in dem Glauben, dass er eine Pringlesdose sei, einen Aufstand gegen Rühreier veranstaltet haben.“

    „Das klingt mehr nach Schizophrenie“, tat Janet ihre fachliche Meinung kund, konnte jedoch nicht abstreiten, dass es schon ein wenig seltsam war.
    „Passen würde es aber“, kam es von Daniel, der zu Jack sah und auf dessen Reaktion wartete. Dessen Gedanken waren allerdings im Moment ganz wo anders: ‚Ob Henry Mulder mit Fox Mulder aus Akte X verwandt ist?‘
    „Nein Sir, ist er nicht. Das Eine ist eine reale Person, das andere nur ein fiktiver Charakter“, beantwortete Sam die unausgesprochene Frage und holte Jack damit in die Realität zurück.

    „Da geht definitiv etwas vor sich“, war Teal’cs trockener, aber treffender Kommentar, so dass allen klar war, wie wichtig es war, das Gerät möglichst schnell zu finden und abzuschalten …

    ***

    Einige Stunden später kamen sie in dem kleinen Ort, der den Namen Starducks trug, an, nachdem sie zuvor in Area 51 gewesen waren. Dort hatten sie alle Mitarbeiter, die mit dem Gerät zu tun hatten, befragt und erfahren, dass es auch da immer dann, wenn das Gerät an war, zu seltsamen Ereignissen gekommen war. So berichteten die Leute von steigendem Cookie und Kakao Konsum. Welcher der Mitarbeiter bei dem Diebstahl geholfen hatte, das konnte SG-1 bisher noch nicht herausfinden …

    „Leute wir müssen so unauffällig, wie möglich vorgehen, nicht dass die noch Verdacht schöpfen“, gab Jack die Anweisung, nachdem sie aus dem silbernen Volvo gestiegen waren.
    „Das dürfte gar nicht so leicht sein, seht euch doch mal um“, merkte Daniel jedoch sofort an, denn etwas war ihm aufgefallen, als er seinen Blick durch die Gegend schweifen ließ. Alle Autos waren grün, ja da konnte man sagen, dass ein silberner Wagen auffiel.
    „Sir, ich denke wir sollten den Wagen möglichst schnell in einer Seitengasse verstecken“, kam es prompt von Carter, worauf Jack ein wenig ironisch und mit leichten Lächeln im Gesicht konterte: „Da wär ich jetzt nicht drauf gekommen Carter.“
    „Schon gut Sir“, gab Sam ebenfalls lächelnd zurück und machte sich auf dem Weg, um das Auto umzuparken.

    Nachdem dies geschehen war, liefen sie zu Fuß durch die Stadt. Dabei achteten sie auf die kleinsten Hinweise, die sie zu dem Gerät führen könnten. Wie immer war es natürlich Teal’c, dem zuerst etwas auffiel: „O’Neill, sagtest du nicht mal, dass der Hund der beste Freund des Menschen sei?“
    „Ja Teal’c, das hab ich gesagt und es stimmt. Wieso fragst du?“
    „Weil es so scheint, als gäbe es hier keine Hunde, sondern nur Enten.“
    „Schätze der Name der Stadt ist hier kein Zufall“, kommentierte Daniel die Aussage des Jaffas, als gerade eine Ente an ihm vorbei watschelte.
    „Würde es hier Hunde geben, würde die Stadt dann wohl Stardogs heißen.“
    Nach dieser Aussage, die sie ohne groß nachzudenken tätigte, schauten alle zu Sam, sodass sich diese entschuldigte: „Entschuldigung, ich schätze ich verbringe zu viel Zeit mit Ihnen Colonel.“
    Für den letzten Teil des Satzes erntete Carter einen bösen Blick von O’Neill, doch das störte sie nicht. Sie lächelte den Colonel mit einem ihrer berühmten 1000 Watt Lächeln an, drehte sich danach um und ging mit Daniel und Teal’c weiter, während Jack noch für eine Sekunde da stand, ehe er ihnen folgte.

    „Na dann Leute, …“, wollte O’Neill ein Gespräch beginnen, wurde jedoch durch ein lautes „Achtung, geht in Deckung!“ unterbrochen. Reflexartig folgten sie dem Ruf, denn in diesem Moment raste etwas sehr schnell über ihre Köpfe hinweg.
    „Was war das?“ Die Stimme von Jack war laut und ein wenig verärgert, so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass ihn die Einwohner verängstig ansahen.
    „Sir, ich dachte wir wollten nicht auffallen!“, wisperte Carter, als sie bemerkte, dass sich alle Augen auf das Team richteten.
    „Ich denke das ist jetzt zu spät“, kommentierte Daniel und sah dabei, wie die Frau, die die Dose gefangen hatte zu Ihnen rüberkam.

    „Hallo ich bin Lilian Halliwell und das ist unser neuerster Trendsport Dosenbaseball.“
    „Eine gefährliche Sportart“, gab Teal’c, der die Frau kritisch beäugte, zu bedenken. Währenddessen begrüßte Daniel sie freundlich und stellte das Team vor. Nachdem dies geschehen war, konnten sie zum eigentlichen kommen und so fragte Lilian: „Sucht ihr hier nach etwas bestimmten?“
    Ratlos sah sich das Team an. Sollten sie die Wahrheit sagen? Was aber war, wenn Lilian etwas damit zu tun hatte? Sie warfen sich bedeutungsvolle Blicke zu und somit war jedem klar, was sie tun würden und das war, weiterhin über den wahren Grund des Besuches in der Stadt schweigen.
    „Wir sind nur zu Besuch hier …“, begann Daniel und Jack ergänze mit den Worten: „ … wir haben gehört hier soll‘s lustig sein.“
    „Na dann habt viel Spaß“, damit verabschiedete sich Lilian und ging weiter ihres Weges. „Das war ja leicht.“
    „Ja, ein wenig zu leicht, Sir.“
    „In der Tat.“
    „Seh ich auch so, Jack.“
    „Haltet die Augen offen!“

    ***

    Den gesamten Tag verbrachte das Team damit durch den Ort zu wandern und nach dem Gerät zu suchen, doch gefunden hatten sie bisher nichts. Aus diesem Grund entschied O’Neill die Suche für heute zu beenden und in ein Hotel einzukehren, doch zuvor würden sie etwas essen. Schnell hatten sie ein Lokal gefunden und was zu essen bestellt, denn die Auswahl war nicht sonderlich groß.
    Es gab Pizza oder Nudelauflauf.
    „Sieht so aus, als wäre das Essen hier auch von der Maschine beeinflusst“, stellte Daniel fest, als ihm seine Pizza serviert wurde.

    Allerdings betraf dies nicht nur das Essen, sondern auch das Trinken, denn Jack hatte Cola bestellt und bekam stattdessen Wasser.
    „Entschuldigung, das hab ich nicht bestellt. Ich wollte Cola“, protestierte er schlecht gelaunt.
    „Das ist Cola“, war die Antwort des schlaksigen jungen Kellners, der gleich danach verschwand, damit ihn der Colonel nicht nochmal anschnauzen konnte.
    „Ok, es wird Zeit, dass wir das Ding finden!“ ‚Langsam nervt‘s nämlich, außerdem will ich nicht für den Rest meines Lebens nur Wasser oder Kakao trinken‘
    „Alles hat eben auch seine Nachteile, Sir“, sagte Sam keine Minute später und grinste ihn dabei an.
    ‚Ok, sie kennt mich definitiv zu gut!‘ , dachte sich Jack, während er den nächsten Bissen Pizza in den Mund steckte.

    ***

    Als sie nach dem Essen das Lokal verließen, war es bereits Nacht, aber trotzdem war es hell, denn vom Himmel leuchtete der Vollmond herab auf die Erde. Die Straßen waren wie leegefegt. Keine Menschenseele war unterwegs, nur einzelne Blätter wurden vom Wind durch die Luft getragen und an einer anderen Stelle wieder fallen gelassen.

    „Ist ein wenig kühl geworden“, merkte Sam, die sich die Arme um ihren Körper legte, an.
    „Hier Carter, nehmen Sie meine Jacke, wir wollen doch nicht, dass Sie erfrieren“, mit diesen leise ausgesprochenen Worten, legte Jack ihr sanft seine Uniformjacke über die Schultern.
    „Danke Sir“, erwiderte Sam die Geste und schenkte ihm dabei ein strahlendes Lächeln, dass ihn wie immer dahin schmelzen ließ, jedoch fand dieser wunderschöne Augenblick ein schnelles Ende, als Teal’c sagte: „O’Neill, da war ein Schatten, er ist in Richtung des alten Fabrikgebäudes am Stadtrand gelaufen.“
    „Dann mal los!“
    Schon heftete sich SG-1 an die Fersen des Unbekannten …

    Leise, sich nur mit Handzeichen verständigend, schlich sich das Team an die Fabrik heran. Dort spähte der Colonel mit Hilfe eines röhrenartigen Gegenstandes durch ein kleines Fenster, das offen stand. Erkennen konnte er jedoch nichts, denn in dem Gebäude war es dunkel, also gab er Carter das Zeichen die Türe langsam zu öffnen.

    Nachdem dies geschehen war, betraten die vier fast lautlos die Halle. Dabei versuchten sie zu entdecken, ob sich noch jemand hierbefand, doch bislang gab es keine Anzeichen dafür. Erst als Teal’c durch einen kleinen Spalt einer Türe Licht sah, hatten sie endlich eine Spur zu dem Gerät und folgten ihr auch so gleich.

    Die Türe zu dem kleinen Raum geöffnet, trauten sie ihren Augen kaum, stand doch dort jemand, den sie bereits kannten …

    „Lilian Halliwell treten Sie von dem Gerät zurück!“, forderte Jack die Frau, die nervös wirkte, mit strengem Ton auf.
    „Ich … ich … das ist nicht so wies aussieht.“
    „Ach nicht?“ Jacks Tonfall war ein wenig sarkastisch, weshalb er auch sofort von Daniel ein „Jack, jetzt lass uns doch erstmal die Erklärung von Lilian hören!“, bekam.
    „Na schön, wir hören!“
    „Als ich euch sah, wusste ich, dass ihr nur wegen der Maschine hier sein könnt, aber ich konnte euch nicht direkt darauf ansprechen, denn der Ort wird überwacht …“
    „… also hast du uns hier her geführt“, ergänzte Jackson den Satz, worauf Carter sich erkundigte: „Woher wusstest du, dass wir dir folgen würden?“
    „Ich hab euch vor dem Lokal gesehen und dachte das wär meine Chance. Könnt ihr es ausschalten?“
    „Das werden wir gleich sehen. Carter Sie können das doch abschalten?“
    „Ja Sir.“ Selbstsicher drückte Sam auf den Knopf, so wie sie es im Labor immer gemacht hatte, doch statt, dass die Maschine aufhörte, begann sie plötzlich zu sprechen: „Ich denke du kannst mich nicht mehr abschalten.“

    Überrascht sahen alle zu dem Gerät, denn mit dem hatten sie absolut nicht gerechnet. „Das Ding kann sprechen.“ ‚Also das ist jetzt doch ein wenig unheimlich.‘
    „Carter sehen Sie mal nach, ob da ein Tonband in dem Ding versteckt ist!“
    „Ja Sir.“
    Während Sam den Befehl ausführte, plapperte die Kaffeemaschine fröhlich weiter:
    „Ich denke, dass da kein Tonband ist. Ich wurde von meinen Schöpfern so programmiert, dass ich ab einer bestimmten Laufzeit sprechen kann. Ich bin eben ein sehr wichtiger Bestandteil ihrer Kultur.“ Fröhlich und voller Stolz klapperte das Gerät mit dem Deckel.

    Mit fragendem Blick wandte der Colonel sich an seinen Major, doch diese war genauso ratlos wie er: „Ich weiß auch nicht Sir, eigentlich hätte es klappen müssen.“
    „Dass etwas auf Anhieb klappt, wird so wieso überbewertet“, mischte sich die Maschine erneut in das Gespräch mit ein und gab dabei ein leises Pfeifen von sich.
    „Halt die Klappe“, schnauzte Jack daraufhin, doch so einfach ließ sich das Gerät nicht zum Schweigen bringen: „Ich denke wie soll ich das machen, wenn ich keine Hände habe?“
    Diese Frage löste allerseits Gelächter aus, jedoch hielt dies nicht lange an und dann gab Jack die Anweisungen, was jeder zu tun hatte: „Ok, Carter sehen Sie und Daniel sich das Ding mal an. Teal’c und ich bewachen den Eingang. Lilian Sie bleiben bei Carter und Daniel!“
    „Ja Sir.“
    Er war schon fast zur Türe raus, als ihm noch etwas einfiel: „Ach ja und du Kaffeemaschine hörst jetzt auf zu quatschen.“
    „Ich denke ich bin, doch gar keine Kaffeemaschine …“
    „Ist mir egal“

    Während Sam das Gerät untersuchte, fragte Jackson Lilian aus und erfuhr so, dass der NID die Maschine und dessen Wirkung erst einmal an einer kleinen Gruppe Menschen testen wollte, bevor sie sie im großen Stil einsetzten würden. Des Weiteren fand er heraus, welcher Mitarbeiter von Area 51 hinter dem Diebstahl steckte – ein kleiner, unwichtiger Mann namens Stan Winschester - und auch wer alles im Dorf eingeweiht war. Dies war fast die gesamte Bevölkerung, eine Information, die er sofort an O’Neill und Teal’c weitergab, denn bestimmt dachte nicht jeder so wie Lilian …

    „Ich denke hey, du kannst mich doch nicht einfach so umdrehen“, protestierte das Gerät, als Sam es auf den Kopf stellte.
    „Doch kann ich“, konterte Carter darauf und wie sich Momente später herausstellte, war es eine gute Idee sich die Unterseite an zu sehen.

    „Daniel, sieh dir das mal an!“, unterbrach die blonde Wissenschaftlerin sein Gespräch mit der hübschen brünetten Einwohnerin, denn auf der Unterseite des Gerätes hatte sie eine Innschrift entdeckt.
    „Das ähnelt dem Französischen. Mal sehen: Herrschaft über das Universum. DD“
    „Was heißt DD?“
    „Keine Ahnung, das könnte eine Abkürzung sein.“
    Ratlos sahen sich die beiden Wissenschaftler an, bevor Sam, dann die zweite wichtige Frage stellte:„Steht da auch wie man das Gerät abschaltet?“
    „Ja, einen Moment, das ist sehr klein geschrieben. Da steht: Einfach den Stecker ziehen.“ „So einfach? Das kann doch nicht sein.“
    „Probier‘s einfach mal.“
    „Ich denke so einfach ist es auch nicht, wenn du das tust geschieht etwas schreckliches“, protestierte die Kaffeemaschine lautstark, etwas das Carter an eine Situation vor Jahren erinnerte. Urgo hatte damals auch heftig protestiert, als sie auf dem richtigen Weg war, so musste auch diesmal sein. Aus diesem Grund folgte die blonde Wissenschaftlerin Daniels Ratschlag.
    „Na schön.“ Sam zog den Stecker aus der Steckdose und siehe da die Maschine hörte zu arbeiten auf.
    „Ihr habt‘s geschafft!“, rief Lilian freudig, bekam jedoch sofort das Zeichen still zu sein.
    „Sir, wir haben‘s geschafft.“
    „Ok Carter, schnappt euch das Ding und dann nichts wie weg von hier!“
    „Ja Sir.“

    ***

    Epilog:

    Einige Tage später hatte sich in dem kleinen Ort wieder alles normalisiert und die Kaffeemaschine, wie sie von Jack immer noch genannt wurde, stand gut gesichert und von Soldaten des SGC bewacht, in Area 51.
    Alle NID-Agenten, die daran beteiligt waren, saßen hinter Gittern. Nur eines gelang ihnen leider nicht. Sehr zu Jacks Leidwesen, konnten sie Kinsey nicht nachweisen, dass er an dieser Aktion beteiligt war, auch wenn sie sich dessen sicher waren. ‚Aber eines Tages kriegen wir den Kerl auch noch dran‘, schwor sich der Colonel deshalb in Gedanken und er würde nicht eher aufgeben, bevor er dies geschafft hatte, doch das war eine andere Geschichte …


    ENDE!

  5. #5
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    Standard Fanfiction Nr. 4 - Regenwetter und das Vermächtnis des Einhorns

    Titel: Regenwetter und das Vermächtnis des Einhorns
    Serie: SG-1
    Staffel: 3 – direkt nach „Jolinars Erinnerungen“ und „Apophis’ Rückkehr“
    Pairing: Jack/Daniel
    Rating: G
    Wörter: 3527
    Disclaimer: Mir gehört nichts, MGM der Rest



    Spoiler 
    Regenwetter gleich Langeweile.

    Das war in meinem Kopf fest verankert. Steckte dort seit meiner Kindheit drin. Seit ich als Dreikäsehoch am Fenster gelungert und betrübt hinausgeschaut hatte, weil ich nicht nach draußen durfte. Kein Tauchen und Schwimmen im kleinen Teich, keine Wettrennen mit unseren Fahrrädern. Stattdessen nur unendliche Langeweile.

    Und jetzt waren wir in meiner Hütte in Minnesota und ich ‚durfte’ nicht das Kaminholz hacken. Der alte Mr. Williams hatte es irgendwann in meiner Abwesenheit angeliefert. Es türmte sich in einem wilden Gewirr aus Baumstämmen neben dem Bootssteg und ich brannte darauf es in handliche Stücke für den Kamin zu zerlegen. Aber nein, ich war zur Untätigkeit verdammt. Denn seit Daniel und ich gestern Abend an der Hütte angekommen waren, regnete es wie aus Eimern, oder wie pissende Kühe – was Daniel beigesteuert hatte – und was mir außerordentlich gut gefiel.

    A propos Daniel. Doktor Bücherwurm hatte es gut. Der hatte sich gleich nach dem Frühstück einen Schmöker geschnappt und las jetzt schon seit fast einer Stunde.

    Ich hatte das Frühstücksgeschirr weggeräumt, die Küche aufgeräumt, das Schlafzimmer gerichtet, den Kamin eingeheizt, noch einmal eine Kanne Kaffee aufgesetzt – und jetzt hatte ich absolut nichts mehr zu tun und langweilte ich mich. Wobei, ‚langweilen’ war nicht ganz das richtige Wort. Ich hatte eine innerliche Unruhe, die ich normalerweise am besten durch körperliche Betätigung loswurde.

    Die letzte Mission hing mir noch schwer in den Knochen, und am schnellsten konnte ich von Arbeit auf Freizeit umschalten, wenn ich mich richtig verausgabte. Frust, Ärger, ungesunden Stress und Todesangst mit gleichmäßigen Hämmern, Sägen, Holzhacken oder ähnlichen kraftaufwendigen Tätigkeiten aus dem System und aus dem Kopf schaffte. Meine Hütte in Minnesota bot normalerweise reichlich Gelegenheit dazu und so war ich auch dieses Mal mit einer ganzen Listen von Sachen angereist, die ich erledigen musste und wollte.

    Stattdessen hockte ich hier in der Bude und schaute raus. Der Regen prasselte ungleichmäßig gegen die Fenster, immer wieder ließ eine Böe die Fensterläden im Wind knarzen und alles vermittelte den Eindruck von November. Ich seufzte hörbar. Gut, das mochte daran liegen, dass es November war.

    Aber nach der letzten katastrophalen Mission in der Hölle von Netu, bei der wir tagelang glühender Hitze ausgesetzt gewesen waren, hatte ich mir gedacht, dass eine Woche bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, eine gute Idee wäre. Wenn ich jetzt in den wolkenverhangenen, düsteren Himmel schaute, musste ich allerdings annehmen, dass mein Hirn zu dem Zeitpunkt ungesund vor sich hin geschmort hatte. Die Idee war – ohne etwas beschönigen zu wollen – beschissenen gewesen.

    Ich ließ mich neben Daniel auf das Sofa fallen und griff nach einer Zeitschrift. Doch keiner der Artikel fesselte meine Aufmerksamkeit, nicht einmal zum Kreuzworträtsel hatte ich Lust.

    Daniel gab den Schneidersitz, in dem er gesessen hatte auf, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Armlehne und streckte die Füße auf dem Sofa aus. Da ich jetzt auf der einen Seite saß, stemmte er seine Füße einfach gegen meine Oberschenkel.

    Ich musste grinsen. Wollsocken. Ja, klar. Der Herr Archäologe war eine Frostbeule. Um so höher rechnete ich ihm an, dass er bei der Einladung nach Minnesota im November nicht eine Sekunde gezögert und sich sofort bereit erklärt hatte, mich für ein paar Tage zu begleiten. Ich legte meine rechte Hand auf Daniels Füße und er bewegte seine Zehen wie zur Bestätigung kurz gegen meinen Oberschenkel. Das war aber bestimmt ein reiner Reflex, nicht durchdacht, denn um Daniel von einem Buch abzulenken, brauchte man schon…

    Was las er da eigentlich? Ich beugte sich vor und versuchte den Titel auf Daniels Buch zu entziffern. Indiana Jones … und das Vermächtnis des Einhorns. Was? Ich schaute noch mal genauer hin, aber am Titel änderte sich nichts. Meine Lippen verzogen sich spöttisch. Aber okay. Ich war wohl kaum in der Lage zu lästern, denn der Titel auf meinem Magazin lautete: „Riesige Monsterwürmer entdeckt! Exklusivbericht über die menschenfressenden Ungeheuer“..
    Aber, dennoch Daniel und … Einhörner? Oh, mir juckte es in der Zunge, einen Kommentar dazu fallen zu lassen.

    Ein Scheit im Kamin fiel mit lautem Geprassel und in einem rot-sprühenden Funkenregen nach vorne. Entzündete eins der Zeitungspapiere, das lodernd aufflackerte. Flammen, glühende Wärme …

    Ich war zurück. Netu. Bynarr. Apophis. Das Blut von Sokar. Unerträgliche Hitze, Durst, Folterungen und Schmerzen, die mich hatten sogar ohnmächtig werden lassen. Und, verflucht, ja, mein rechtes Bein wurde noch immer von einem Verband geziert, wo der Hurensohn mir eine Salve aus der Stabwaffe reingejagt hatte.

    Und doch war das nicht das Schlimmste gewesen.
    Das waren die Illusionen, die mir das Tok’ra Erinnerungsgerät in Kombination mit dem Bluttrunk vorgegaukelt hatte.
    Charlie.
    Mit seiner Stupsnase, seinen braunen Augen, seinem ernsten Gesicht.
    Und seinen Vorwürfen.

    Vor drei, vier Jahren noch, hätte mich das wohl ihn die Knie gezwungen, mich dazu gebracht, Geheimnisse zu verraten, nur um nicht länger die Anschuldigungen ertragen zu müssen. Jetzt hatte ich wenigstens zum Schluss gewusst, wo die Wahrheit endete und die Illusion begann. Das Szenario hatte mir dennoch fast die Luft zum Atmen genommen. War in meine Eingeweide wie mit einem Messer gefahren und hatte sich angefühlt, als würde man auf der Suche nach dem intensivsten Schmerz in mir herumstochern. Es mochten vier Jahren vergangen sein, aber Apophis, der Hurensohn, hatte ganz genau gewusst, wo ich am verwundbarsten war.

    Meine Finger auf Daniels Füßen verkrampften sich und der Archäologe blickte fragend von seinem Buch auf.

    Nein, ich hatte keine Lust, keine Kraft, keine … was auch immer, jetzt darüber zu reden, das hatte ich zur Genüge schon mit dem hauseigenen Psychoheini des SGC getan. Und es war so nutzlos gewesen, wie all die Male davor. Niemand wusste, wie es sich für mich anfühlte. Niemand konnte mir die Absolution erteilen, die ich mir sehnlichst wünschte. Ich würde einfach alles wieder abkapseln, einfach hoffen, dass nicht wieder so ein Dreckskerl vorbeikam und in etwas herumrührte, was ihn einen feuchten Kehricht anging – Ende der Geschichte.

    Um zu zeigen wie ‚normal’ alles war, griff ich nach meiner Kaffeetasse, nahm einen Schluck und Daniel kehrte nach einem letzten forschenden Blick zu seiner Lektüre zurück.

    Und außerdem, den anderen war es ja nicht besser gegangen. Apophis hatte sehr genaue, äußert persönliche Informationen gehabt und uns alle mit Schuldgefühlen zu ködern versucht. Weder Sam noch Daniel waren ins Detail gegangen, aber ich wusste, dass es sich für sie ähnlich angefühlt hatte, vielleicht immer noch ähnlich schmerzhaft anfühlen musste.

    Von daher sollte ich das nutzlose Nachkarten wohl besser sein lassen. Es ließ sich nicht mehr ändern, war vorbei. Egal, wie oft ich dafür bezahlte, wie oft ich meine Freunde oder gar die ganze Menschheit rettete, ich konnte meine Schuld niemals abtragen. Konnte es nie ungeschehen machen. Ich musste versuchen, dem Heute das Beste abzugewinnen, mich irgendwie durchzuwursteln durch mein Leben.

    Aber wenn ich jetzt jedes Mal, wenn ein Scheit im Kamin herunterfiel, Erinnerungen an Netu bekam – na, dann besten Dank! Dann stand mir in den nächsten Tagen ja ein netter Aufenthalt hier oben bevor. Schluss jetzt, ich würde versuchen, an etwas anderes zu denken.

    Ich setzte sich bequemer hin, zog das Kissen, das mich in meinem Rücken drückte, hervor und legte es auf der Armlehne ab. Schon besser. Ich ging die Einkaufsliste für den Baumarkt in meinem Kopf durch, überlegte, was wir zum Abendessen machen wollten, dann starrte ich wieder in die Flammen.

    Bevor Netu erneut präsent werden konnte, fragte ich: „Einhörner, huh?“
    Daniel ließ das Buch sinken, schaute auf den Umschlag, als würde er ihm zum ersten Mal bewusst Aufmerksamkeit schenken und meinte nur: „Ja.“
    „Spannend?“ Ich tippte meinen Zeigefinger gegen den Einband, ehe ich meine Hand wieder auf Daniels Bein ablegte.
    Daniel dachte für ein paar Sekunden nach, dann schloss er das Buch und schüttelte den Kopf. „Nein.“
    „Äh … warum liest du es dann?“

    Daniel schob seine Brille nach oben. „Es ist so … voller Absurditäten und so schlecht geschrieben, dass ich … und jetzt lach nicht … einfach abschalten kann. Ich brauche mir keine Gedanken um das Verständnis zu machen. Ich lasse mich einfach auf einer Welle von Erstaunen und, ja, auch einer kleiner Prise Abscheu, dahin treiben.“ Daniel zuckte mit den Schultern.
    Diese Erklärung brachte mich zum Lachen. „Du scheinst selbst erstaunt zu sein, warum du es liest.“
    „Nein, nicht wirklich. Es ist nur … ich habe es zum ersten Mal laut ausgesprochen und da klingt es schon etwas seltsam.“

    „Ach was. Wir haben alle unsere Rituale, um von der Arbeit auf Entspannung umzuschalten.“ Ich musste es ja wissen, denn wie alle Piloten hatte ich auch vor jedem Start ein paar Handgriffe, die nicht nötig waren, die mir aber Sicherheit gaben, sonst betrachtete ich es als schlechtes Omen.

    „Was ist dein Mittel?“, wollte Daniel wissen.
    „Holzhacken.“
    Jetzt lachte er. „Dann solltest du dir nie einen Planeten ohne Bäume aussuchen.“
    „Gibt es so was überhaupt?“, neckte ich.
    „Abydos.“

    Mist. Und da war ich dann ja zielsicher in einem Fettnapf gelandet. Ein so großer Napf, dass ich ihn eigentlich hätte sehen müssen. Aber nein. Ich hätte mir auf die Zunge beißen können. Sha’res endgültiger Tod lag erst wenige Monate zurück. Gab es eigentlich noch Themen, die nicht mit Tretminen gespickt waren? Die nicht um Tod und Verluste kreisten? Themen, über die man einfach mal so zusammen Scherze machen konnte?

    Ich warf Daniel einen schnellen Blick zu, doch der schaute mich ruhig an. „Abydos ist nicht nur Sha’res Grabstätte, Jack. Es ist so viel mehr und birgt so viele gute Erinnerungen“, nahm er meinen Gedankengang auf, als hätte er genau gewusst, in welchen Bahnen mein Hirn lief.

    Hey, das war unheimlich! Aber vielleicht wusste er es wirklich? Wie oft konnte einer von uns den Satz des anderen zu Ende bringen? Auch als Team waren wir eingespielt, mussten es sein, denn oft ließen die gefährlichen Situationen keine Zeit für lange Verhandlungen. Und wehe, wenn sie es ließen, dann konnte Daniel einem das Ohr abquatschen und alles nieder argumentieren, was sich ihm in den Weg stellte. Selbst einen Air Force Colonel wie mich, wenn es ihm wichtig genug schien.

    „Gute Erinnerungen wie die sabbernde Zunge eines Mastadge?“, erkundigte ich mich, um das Gespräch bewusst in leichtere Bahnen zu lenken.
    Daniel ging drauf ein und schüttelte sich übertrieben. „Wah, erinnere mich nicht daran.“ Er legte sein Buch auf den Tisch und setzte sich danach so hin, dass er sich gegen die Rückenlehne des Sofas und meine Schulter lehnen konnte. Seine Füße stemmte er gegen den Wohnzimmertisch.
    Um etwas Platz zu bekommen, legte ich meinen Arm halb auf die Sofalehne, halb auf seine Schulter.

    „Erinnert du dich noch an die Phelauriri? Die einem zur Begrüßung über die Wange schleckten mit ihrer rauen Zunge?“ In Daniels Stimme schwang Amüsement mit.
    „Gott, ja. Und weil wir dann dermaßen ‚gute Freunde’ geworden waren, haben sie mich auch noch im Nacken und auf der Stirn angeseibert. Igitt. Einmal rundherum. Das war wirklich widerlich.“ Ich hatte bestimmt drei Mal geduscht, ehe ich mich auch nur halbwegs frisch gefühlt hatte.
    „Und Hammonds Blick, als wir ihm erzählt haben, dass sie ihn als nächstes kennen lernen wollten.“ Daniel lachte leise in sich hinein und ich konnte die sanfte Bewegung spüren.

    Und nicht nur das. Ich fühlte auch Daniels Wärme, wo er sich gegen mich presste. Spürte seine Anwesenheit, die aus irgendeinem x-beliebigen Aufenthalt in Minnesota einen besonderen machte. Denn mit wem konnte ich sonst so zwanglos plaudern? Da kamen nur Leute aus meinem Team, oder maximal aus dem SGC in Frage. Bei allen anderen war es ein Eiertanz, ein wüstes Gemisch aus Halbwahrheiten, peinlichen Pausen und vorwurfsvollen Blicken, wenn die Geschichten mehr Löcher als Substanz aufwiesen. Wenn ich ehrlich war, so hatte mich die Arbeit auf fremden Planeten, in fremden Galaxien, wohl für den Rest der Menschheit … verdorben.

    Im ersten Moment war das erschreckend, denn das schränkte meine Auswahl gewaltig ein. Doch dann dachte ich noch ein wenig weiter nach – was wollte ich denn eigentlich? Der Zug mit Frau und Kind war für mich abgefahren. Das wollte ich nicht noch mal jemandem zumuten. Das war beim ersten Mal Sara gegenüber schon nicht fair gewesen. Diese ganze Geheimniskrämerei war einfach keine Grundlage für eine Beziehung.

    Wenn Beziehung, dann jemand, bei dem ich im Gespräch auch einfach mal fallen lassen konnte: „Neulich auf PX3 007“, ohne dass ich anschließend ein siebenseitiges Formular mit Verschwiegenheitserklärungen rauskramen musste.

    Wenn, dann jemand, der mich nicht noch einmal in die Vaterrolle drängte, denn ich konnte Charlie nicht durch jemand anderes ersetzen. Ja, das mochte kurzsichtig, verbohrt oder sonst was sein – aber in der Beziehung konnte ich nicht über meinen Schatten springen. Außerdem hatte ich Angst. Scheißangst, dass ich noch einmal direkt oder indirekt der Grund sein könnte, dass ein Kind…. Meine Waffe im Haus hatte genug Unheil angerichtet. Ich … Nein.

    „Jack?“ Daniel legte seine Finger über meine und erst jetzt merkte ich, dass ich seinen Oberarm wie in einem Schraubstock umklammert hielt.
    Ich lockerte meine Hand und rieb ein paar Mal über seinen Arm. „Tut mir leid.“
    „Schon gut.“ Daniel drehte sich so, dass er mir eine Hand auf die Brust legen und mich ansehen konnte. „Willst du … eine Runde spazieren gehen?“, erkundigte er sich mit gerunzelter Stirn.

    „Nein.“ Denn man konnte von hier drinnen hören, wie draußen immer noch das Unwetter tobte. „Willst du etwa?“
    Meine Stimme musste wohl meinen Unglauben gut rüber gebracht haben, denn Daniel lächelte und erwiderte: „Nein. Aber wenn du gewollt hättest, wäre ich mitgekommen.“

    Ja, das war Daniel. Oft stellte er das Wohl von anderen über sein eigenes. Das hatte uns schon manchmal in Schwierigkeiten gebracht, wenn er unbedingt den Ritter spielen musste. Er war dabei, auf die harte Tour zu lernen, dass man nicht alle und jeden retten konnte. Aber hey, wenn er zur Abwechslung mal mir was Gutes tun wollte, würde ich nicht nein sagen. Nur da raus in den Wolkenbruch brauchten wir wirklich nicht gemeinsam gehen.

    „Ich nehme das mal als Blankoscheck, dich ein anderes Mal von deinem Buch wegzuzerren“, antwortete ich herausfordernd.
    „Pfft, von Blankoschecks war keine Rede.“ Er grinste mich an.

    Ich grinste zurück. Es war schwer bessere Gesellschaft für eine Woche Regenwetter zu finden als Daniel. Teal’cs beruhigende Art war klasse, wenn man nach einem ermüdenden Tag am Lagerfeuer saß, und Carter und Daniel über die Mission debattierten. Aber eine Woche Minnesota, nein, da ging man am Ende die Wände rauf. Und für Carter eine Woche „Sir“ zu sein, wenn man eigentlich Urlaub hatte, nein, das war auch nicht so meins. So war ich schon sehr froh, dass Daniel zugesagt hatte. Das Schöne war, Daniel hatte auch keine Beziehung in Colorado Springs, die ihn davon abhielt, mich kurzfristig zu begleiten. Das war mehr als praktisch.

    „Wandern ist besser als Einhörner“, meinte ich betont abschätzig und stupste mit meinem Fuß gegen das Buch auf dem Wohnzimmertisch.
    „Vorsicht, Jack“, warnte mich Daniel neckend. „Der Hauptdarsteller ist ein Archäologe. Pass gut auf, was du sagst.“ Er schlug sachte mit seiner Faust gegen meine Brust, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen.
    Ich schnappte seine Hand und hielt sie fest. „Willst du damit andeuten, dass Archäologen einem Colonel gefährlich werden könnten?“, erkundigte ich mich lachend.

    „Ich …“ Daniel befeuchtete seine Lippen mit seiner Zunge. „Ich wollte nur sagen …“ Er schloss für eine Sekunde seine Augen und schaute dann über meine Schulter hinweg. Er nahm noch einen Anlauf und beendete seinen Satz mit: „… Indiana Jones ist ein besonderer Archäologe.“

    „Hey, das bist du auch“, meinte ich leichthin.

    Und dann … oh.

    Oh, mein Gott.

    Das ... ich ... oh … Scheiße.

    Ich war so ein Blödmann! Ich saß mit Daniel in meiner Hütte bei Sauwetter auf einem Sofa, hielt seine Hand in meiner … und hatte bis gerade wirklich überhaupt nichts gepeilt.

    Warum wohl hatte mich Daniel ohne Zögern begleitet? Warum schlug er vor spazieren zu gehen, wenn er lieber im Zimmer saß? Warum bekam er gerade hektische, rote Flecken auf dem Hals? Warum beschleunigte sich seine Atmung? Oh, nein, ich war wirklich so ein Depp.

    Daniel wollte aufstehen. „Ich denke, ich gehe jetzt eine Runde raus.“

    Ich hielt ihn an der Hand zurück. Wenn ich ihn jetzt gehen ließ, so täte, als hätte ich immer noch nichts begriffen, dann kämen wir beide aus der Sache heraus. Vielleicht wären die nächsten Tage etwas angespannt, aber bisher war nichts geschehen, was wir nicht unter den Teppich kehren könnten. Da hatten wir beide Übung drin. Das machten wir mit unserem Schmerz so, das würden wir sicher auch mit anderen Gefühlen hinbekommen. Und ja, wahrscheinlich machte das Daniel mit seinen Gefühlen für mich sogar schon seit geraumer Zeit so.

    Es lag also an mir. Wollte ich an der Situation etwas ändern? Ich …

    „Jack, bitte.“ Daniel stand auf und versuchte noch einmal, seine Hand aus meiner zu befreien.

    „Gib mir eine Minute“, sagte ich und erhob mich ebenfalls. Daniel wich nicht zurück, aber ich sah, wie er sich innerlich wappnete. Wie er seine Gesichtszüge unter Kontrolle brachte und mich betont ausdruckslos anschaute. Ich weiß nicht, was er erwartete. Was er mir zutraute. Aber jedenfalls hatte er sich offensichtlich entschlossen mir nicht auszuweichen. Der gleiche Mut, mit dem er den Schlangenköpfen gegenüber trat.

    „Okay. Sprechen wir darüber.“ Er presste seine Kiefer fest aufeinander.

    Nein! Ich wollte nicht darüber reden! Ich wusste doch noch gar nicht, was ich … Oder doch? Was war denn in der letzten halben Stunde alles durch meinen Kopf gegangen? Hatte ich da nicht schon Einiges … vorsortiert? Und war sogar schon bei Daniel gelandet – wenn auch unter anderen Vorzeichen? Verdammt, warum überfielen einen so grundlegende Entscheidungen immer so hinterrücks?

    Ich …. Ich …. War ich wirklich so ein Feigling? Konnte ich nicht einmal mir gegenüber eingestehen was ich wollte? Dabei lag es doch so klar auf der Hand. Ich hatte die Entscheidung doch schon lange getroffen. Manchmal schien es mich wirklich zu überfordern, eins und eins zusammen zu zählen.

    Aber das hörte jetzt auf.

    Ich legte meine freie Hand in Daniels Halsbeuge, mein Daumen streifte kurz über seine Wange. Wie ich es auf Klorels Schiff schon getan hatte. Als ich dachte, ihn auf immer zu verlieren. Jetzt konnte ich hoffen, ihn zu gewinnen – und schon rumorte es in meinen Eingeweiden. Ich hatte keine Angst, dass er mich unabsichtlich outen würde, aber ich hatte Angst, dass ich mich hier auf etwas einließ, das ich überhaupt nicht überblicken konnte.

    „Bitte sag mir, was die Geste bedeutet“, meinte Daniel leise.

    Dann hatte er wohl auch die verhängnisvolle Mission gedacht. Als ich ihn, entgegen meines ständig gepredigten Mottos, allein auf Klorels Schiff zurückgelassen hatte. Wie war das noch mit den oft so gleichen Gedankengängen?

    Aber hier musste ich ihm wohl aushelfen. Als ich noch zögerte, merkte ich, wie Daniel selbst zu einer Entscheidung kam und sich von mir zurückziehen wollte.

    Nein! Ich beugte mich vor und … presste meine Lippen auf seine, denn etwas anderes fiel mir auf die Schnelle nicht ein. Eine Sekunde, zwei, drei … und von Daniel keine Reaktion. Ich zog mich zurück und schaute ihn kritisch an. Was …? Ich hatte doch jetzt nicht alles völlig falsch interpretiert, oder? Das wäre ja oberpeinlich.

    Daniel schien in seinem Kopf gerade mit Sortierungsvorgängen beschäftigt zu sein. Denn er öffnete die Lippen, ohne das ein Ton herauskam. Doch dann – noch bevor das Lächeln seine Lippen erreichte, funkelten schon seine Augen. Und nur einen Moment später strahlte er über das ganze Gesicht.

    „Wirklich?“, fragte er mit dem nächsten Ausatmen und schaute mit dermaßen glücklich an, dass ich nie im Leben hätte einen Rückzieher machen können

    Aber das wollte ich auch nicht. Denn plötzlich hatte ich den Eindruck, dass wir da angekommen waren, wo wir schon seit unser ersten Mission nach Abydos – als er mich vor mir selbst und meinen Selbstmordgedanken gerettet hatte – hin unterwegs waren. Natürlich nicht strikt geradeaus, das wäre ja zu einfach zu uns. Sondern mit vielen Umwegen, Missverständnissen und Streitereien. Es war wirklich ein Wunder, dass wir unsere Freundschaft da überall halbwegs heil durch bugsiert hatten. Aber wir hatten es irgendwie geschafft.

    „Yep.“ Ich nickte und das Unfassbare geschah. Daniel, dem es sonst gar nicht genug Wörter sein konnten, gab sich mit der Erklärung zufrieden.

    „Gut.“ Er nickte seinerseits.

    Bevor sich das zu einer absurden Komödie mit zwei fast sprachlosen Hauptdarstellern auswachsen konnte, machte Daniel einen Schritt vorwärts. Schlang mir seine Arme um den Nacken und ließ seine Finger durch meine Haare gleiten. Was sich gut, wirklich gut anfühlte.
    So gut, dass ich meinen Arm um seine Taille schlang und ihn die letzten Zentimeter heranzog, bis uns kein Lufthauch mehr trennte.

    Ich hatte noch nie … Das war … Oh mein, Gott, so neu …. So gut …

    Daniel presste seine Lippen auf meine und als seine Zunge in meinen Mund vordrang, platzte irgendein Knoten im meinem Innern. Ließ alle die Gefühle heraus, die ich unter Verschluss gehalten hatte. Die ich mir, um mich selbst zu schützen, nicht gestattet hatte.

    Ja, ich würde mich noch einmal ganz auf jemanden einlassen.

    Und verflucht, ja, selbst wenn es nicht gut ausging, in unserem Beruf kaum gut ausgehen konnte, dann war es das wert. Ich hatte lange genug auf emotionaler Sparflamme gelebt, nichts und niemanden wirklich an mich heran gelassen. Alle mit meinem Sarkasmus auf Abstand gehalten. Aber damit war jetzt Schluss.

    Ich erwiderte Daniels Kuss mit aller Leidenschaft zu der ich fähig war, und mein letzter klarer Gedanke war, dass Regentage auch ihr Gutes haben konnten.


    ---ENDE---

  6. #6
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    Standard Fanfiction Nr. 5 - PX5654E

    Titel: PX5654E
    Fandom: Stargate-SG1
    Personen: Jack, Sam, Daniel, Teal’c
    Kategorie: Gen, Humor
    Rating: PG
    Inhalt: Nicht alle Missionen enden in einer Katastrophe.

    Spoiler 
    Für Jack und sein Team war es eine einfache Mission. PX54654E hatten sie schon mehrfach besucht, die Einheimischen waren friedlich und die Verhandlungen zur Nutzung ihrer Diamantmine waren fast abgeschlossen.
    Man hatte sie als Ehrengäste zum Erntedankfest eingeladen und Jack hoffte nur, dass man als Ehrengast nicht in irgendwelche Rituale verwickelt werden würde. Als er beim Annehmen der Einladung vorsichtig nachgefragt hatte, ob es bestimmte Riten gäbe, die während des Festes durchgeführt würden, die ihre Anwesenheit benötigten, hatten die Delwari es verneint. Und er hoffte, dass es auch so blieb.

    So waren sie an einem sonnigen Herbsttag auf dem Weg zum Festplatz der Delwari, der nicht in der Stadt, sondern eine Stück weit von Stargate entfernt in einem Buchenwald lag.
    Die Tradition der Delwari verlangte, dass jeder Besucher die letzten Kilometer zu Fuß ging. Egal, ob man aus der Stadt kam, oder die Welt durch das Stargate betreten hatte.
    Da das Stargate knapp neun Kilometer vom Festplatz entfernt lag, hatte Jack entschieden, dass dem Team eine Wanderung gut tat und Daniels Einspruch ignoriert.

    Jack genoss es, bei angenehmen Temperaturen durch den lichtdurchfluteten Wald zu wandern. Da alles friedlich war, schweiften seine Gedanken zu anderen Dingen als die Arbeit. Er hoffte, das nächste Wochenende am See verbringen zu können. Auf der Erde war Frühling und die Fische würden besonders gut beißen.

    Vielleicht könnte er sein Team mal wieder überreden mitzukommen und sie könnten einen Abend zusammen feiern – ohne lästige diplomatische Vorschriften wie heute.

    Ein Knacken und ein Fluchen, rissen ihn aus seinen Planungen. Jack wirbelte herum, doch er war zu spät und sah Daniel auf den Boden liegen. Gleichzeitig hörte er Sams Ausruf: „Daniel? Hast du dich verletzt!“
    Teal’c war neben Daniel in die Hocke gegangen und seine Waffe hing noch über seinem Rücken. So konnte es sich nicht um einen Angriff handeln.

    „Daniel?“
    Jack wollte zu Daniel gehen, doch der rief „Bleib stehen! Ich habe meine Brille verloren, nicht, dass sie unter das Laub gerutscht ist und du drauf trittst!“
    „Bist du verletzt?“, wiederholte Jack Carters Frage und blieb stehen und sah zu, wie sowohl Daniels, als auch Teal’cs Hände suchend den Boden berührten.
    „Nur mein Stolz ist angekratzt. Ich komme alleine hoch, wenn ich meine Brille gefunden habe.“
    „Was ist passiert?“, versuchte Jack trotzdem mehr zu erfahren.
    „Ich bin gestolpert, weil unter dem Laub ein Hindernis war, und ich bin wirklich auf die Nase gefallen. Mehr gibt es nicht zu erzählen.“ Daniels Tonfall war eindeutig sehr angepisst und Jack sparte sich jeden weiteren Kommentar und blickte sich um, während sein Teamkamerad weiter suchte.
    Da sah er auch schon den Übeltäter. Es war eine Wurzel – die aber bestimmt nicht vom Laub verdeckt gewesen war.
    Jack dachte daran, dass er selbst auch mit seinen Gedanken weit weg gewesen war und verzichtete darauf, Daniel eine Predigt zu halten.
    „So ein verdammter Mist“, fluchte Daniel. „Verdammt, meine Brille hat es erwischt!“
    Daniel hob vorsichte etwas vom Boden hoch. Jack sah, dass er zwei Teile in der Hand hatte.
    „Hauptsache dir ist nichts passiert“, versuchte Sam, ihn zu beruhigen. „Nimm einfach deine Ersatzbrille und dann gehen wir weiter.“
    „Das hier ist die Ersatzbrille meiner Ersatzbrille, Sam. Erinnere dich daran, dass ich vorgestern einen Zusammenstoß mit der Tür von Dr. Lees Büro hatte, weil der sie aufstieß, als ich gerade sein Büro betreten wollte. Die Beule ist auch nicht zu verachten.“

    Daniel deutete auf eine Stelle unter seinen Haaren, aber Jack konnte nichts erkennen. „Die andere hatte ich auf PX45d44 an und da hat sie mir mein Augenlicht gerettet. Morgen bekomme ich die erste vom Optiker zurück.“
    „Hast du noch einen Ersatz mit?“, wollte Jack wissen.
    „Nein“, Daniel schüttelte den Kopf. „Wir sind doch nur zu einem Fest eingeladen. Da habe ich nicht mit Problemen gerechnet.“
    „Schaffst du die Mission? Du bist doch nur kurzsichtig und nicht blind.“
    „Werd’ ich wohl müssen. Das hat den Vorteil, dass ich nicht unbedingt sehe, was für Köstlichkeiten auf meinem Teller liegen und euch werde ich an der Kleidung erkennen.“
    „Gut. Dann lass uns weiter gehen. Daniel halte dich direkt hinter mir. Ich sag dir Bescheid, wenn Hindernisse auf dem Weg liegen.“
    Jack konzentrierte sich auf die Strecke, warnte Daniel, wenn Unebenheiten nahten, hielt, als sie einen Bach überquerten, eine helfende Hand hin, damit er nicht erneut stolperte und hinfiel.

    Da sie aber nur noch zwei Kilometer zurückzulegen hatten, erreichten sie pünktlich den Festplatz. Der Festplatz war eine sehr große Wiese, um die viele alte Bäume standen. Unter den Bäumen standen kleine Hütten. Auf dem Weg zum Zentrum konnte Jack durch eine offene Tür hinein blicken. Es waren einfache Unterkünfte in denen mehrere Betten aufgebaut waren.
    Jack sah viele Menschen – es mussten etwa drei- bis viertausend sein, die alle schwer beschäftigt schienen
    Sie gingen weiter und Jack konnte mehr Details erkennen.
    Auf dem Festplatz waren unzählige Feuerstätten aufgebaut, doch noch konnte Jack nicht eine einzige Flamme sehen.

    Da bemerkte Jack einen älteren Mann mit einem langen grauen Bart, der auf sie zukamkam. „Der Rat hat mich informiert, dass Außenweltler zum Erntedankfest kommen. Herzlich willkommen. Das Fest beginnt bei Sonnenuntergang. Ich zeige Ihnen vorher noch rasch, wo Sie übernachten können.“ Er fügte mit einer ausholenden Geste hinzu: „Folgen Sie mir. Es ist ein wenig beengt, ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn Sie sich ein Zimmer teilen müssen. Aber beim Erntedank ist alles hier, was Beine hat.“ Er lächelte entschuldigend.
    Jack schüttelte den Kopf. „Das ist kein Problem.“

    Der Mann führte sie zu einer Hütte, die kleiner war, als die, die sie schon gesehen hatte. Sie bestand aus einem Raum in dem gerade genug Platz für ein Doppelbett und zwei Einzelbetten war. Der Mann ließ sie alleine. Ohne es absprechen zu müssen, setzte Jack seinen Rucksack auf die eine Seite des Doppelbettes. Daniel machte es sich auf der anderen Seite bequem.

    „Was ist das?“
    Sam hielte etwas hoch, das man mit viel Phantasie als Kleidung bezeichnen konnte.
    „Das ist ein bunter Sack mit Löchern – sollen wir das etwa tragen?“ Mit spitzen Fingern hob Jack den bunten Stoff hoch, der auf seinem Bett lag.
    „Ich vermute schon.“ Auch Daniel hatte ein Stück Stoff in der Hand und hielt es direkt unter seine Nase. „Das ist ein Stoff, der der irdischen Seide sehr ähnlich ist. Aber zur Produktion muss die Raupe nicht im Kokon getötet werden.“
    Jack sah, dass Daniel Atem holte, um zu einem längeren Vortrag zu starten – womöglich um zu erläutern, woher er wusste, dass die Raupen nicht im Kokon getötet wurden und hob abwehrend die Hände. „Bitte. Nein, ich will keine Details, Daniel. Müssen wir es tragen oder nicht?“
    „Wir müssen nicht.“ Daniels Zeigefinger, der die Brille hochschieben wollte, die nicht auf der Nase saß, verharrte einen Moment in Höhe des Nasenansatzes, dann nahm er die Hand runter. „Aber es ist höflicher, wenn wir es machen.“
    „Unter diesem Kleidungsstück haben wir genug Platz für unsere normale Kleidung.“ Teal’c hatte es übergeworfen und mit seiner stoischen Miene wirkte er wie ein fehlplazierter Clown.
    Jack fügte sich leise seufzend seinem Schicksal und zog den Sack über.
    „Ich habe schon Schlimmeres getragen, Sir. Für einen Abend lässt sich das aushalten. Schlimmer als in dem Ritualkleid von PX9564 kann ich nicht aussehen, oder?“ Sam lächelte Daniel an.
    „Um das beurteilen zu können, muss ich dir sehr nahe kommen. Aber die Farbe ist schon mal wesentlich besser.“
    Da hatte Daniel sich schnell rausgewunden.
    Als Sam Jack auffordernd anblickte, hob er abwehrend die Hände. „Erinnern Sie mich nicht an PX9564. Das war ein Alptraum. Das hier ist nur ein Sack mit Löchern und darin wird niemand toll aussehen.“
    Sie lächelte und gab sich mit seiner Antwort zufrieden.

    Als sie kurz darauf ihren Raum verließen, stellte Jack fest, dass alle Säcke trugen. Und hatte er gedacht, dass Teal’cs rot-gelb-grüner Überwurf schrill war, so stellte er fest, dass sie gedeckte Farben trugen. Neonfarben waren keine Seltenheit.

    Der Festplatz war so groß wie ein Fußballstadion. Mehr als ein Dutzend Feuer waren angezündet worden, während sie in ihr Gepäck abgeladen hatten und um jede Feuerstelle waren unzählige Sitzkissen verteilt. Geschirr oder Besteck war nirgendwo zu sehen.

    Man führte sie zum größten Feuer, das an einem Ende des Platzes brannte.
    Jack setzte sich hin und fand heraus, dass das Kissen bequem genug war, um es einen ganzen Abend darauf auszuhalten. Er sah sich um und sah, dass sich alle anderen auf die Kissen knieten.
    „Muss ich?“, fragte er Daniel und deutete auf die knienden Leute.
    „Mach den Delwari eine Freude und pass dich den Sitten an.“
    Seufzend ging Jack auf die Knie. Das war nicht mehr bequem. Spätestens nach zwanzig Minuten würde er so steif sein, dass er nicht mehr aufstehen konnte.
    „Ich gebe dir eine viertel Stunde, länger kann ich das nicht.“
    „Ihr Knie?“, wollte Sam wissen.
    Jack nickte nur.

    Drei hübsche junge Frauen und ein nicht minder attraktiver Mann kamen auf sie zu. Sie hielten Schalen, aus denen Dampf aufstieg, in ihren Händen.
    „Ehrengäste, für Sie haben wir die besten Stücke von den geopferten Stieren reserviert. Es ist bei uns Sitte, dass wir das Essen zu Ihrem Mund führen und wir werden Sie auch sonst verwöhnen.“ Eine der Frauen stellte die Schale vor Jack ab und kniete sich hin.

    Ihr Dekolleté war trotz der sackartigen Kleidung beeindruckend, aber Jack blickte in die Schale, um erleichtert festzustellen, dass es sich um knusprig gebratenes Filet handelte und nicht um Hoden, Penisse oder gar Augen.

    „Mein Name ist Hemiith. Ich bin Ihnen jederzeit zu Diensten.“
    Jack hatte den dumpfen Verdacht, dass diese Dienste weit mehr bedeuteten, als es auf der Erde schicklich wäre, aber da seine Abendgestaltung es nicht vorsah, diese Dienste einzufordern, fragte er auch nicht nach.
    „Dann verrate mir, ob ich wirklich die ganze Zeit knien muss, ich bin diese Haltung nicht gewohnt und mir schlafen die Beine ein.“
    „Es ist keine Verpflichtung, Sie können sich gerne anders hinsetzen.“
    Mit einem erleichterten Seufzer arrangierte Jack seine Beine zum Schneidersitz. „Und wie geht es jetzt weiter?“ Dabei lächelte er Hemiith an.
    Sie errötete. „Ich füttere Sie und andere Bedienstete werden Getränke bringen. Üblich ist es, dass sich die Ehrengäste danach mit uns zurückziehen während hier mit Musik und Tanz ausgelassen gefeiert wird.“
    „Was bedeutet ‚zurückziehen’?“, fragte Jack nach. Nicht dass er wirklich misstrauisch war, aber er wollte auf Nummer sicher gehen.
    „Als Ehrengäste verkörpert ihr Ordnung und Ehrbarkeit, aber das Fest wird später sehr ausgelassen, so dass ihr einschreiten müsstet, um die Ordnung und Ehrbarkeit aufrecht zu erhalten. Hat man euch dies nicht mitgeteilt?“ Hemiith sah ihn rehäugig an.
    Ups, da hatte er das ‚jederzeit zu Diensten sein!’ vollkommen fehlinterpretiert.
    Jack sah, dass sein Team nichts gegen diese Abendgestaltung einzuwenden hatte und so nickte er zustimmend. „Das hört sich nach einer wunderbaren, ruhigen Feier an. Magst du mit dem Fleisch anfangen?“

    ***

    Am nächsten Morgen wachte Jack mit einem Brummschädel neben Daniel im Bett auf. Wie war er dorthin gekommen?
    Ganz vorsichtig lüftete er die Decke. Er hatte nur seine Unterwäsche an.
    Jack konnte sich nicht daran erinnern, dass er sich ausgezogen hatte.
    Er setzte sich auf und hielt sich aufstöhnend den Kopf.
    „Verdammter Wein“, murmelte er. Dabei hatte er fast gar nicht nach Alkohol geschmeckt. Wie viel hatte er getrunken? Jack konnte sich nicht genau erinnern, da auch Hemiith aus seinem Becher getrunken hatte und nachgefüllt wurde, bevor der Becher leer war, so hatte er es nicht nachhalten können.

    Jack stand auf und ging zu seiner Ausrüstung. In der Deckeltasche seines Rücksacks bewahrte er Tabletten auf. Er nahm sofort eine und legte für Sam und Daniel die Medizin bereit. Teal’c würde – besten Dank an den Symbionten – keine brauchen.

    Er legte sich noch einmal ins Bett, um auf das Nachlassen der Schmerzen zu warten.
    Jack schaffte es noch einmal einzudösen, bis Daniel mit einem jammervollen Laut erwachte.
    Die Sonne schien aber auch viel zu hell durch das Fenster.

    „Tabletten liegen auf der Bettkannte und Wasser steht neben dem Bett“, brummte Jack.
    Statt sich die Decke über den Kopf zu ziehen, richtete er sich vorsichtig auf und die Schmerzen hielten sich in erträglichen Grenzen.

    „Woher weißt du, dass ich am nächsten Morgen Kopfschmerzen habe, wenn ich die Brille nicht trage?“ Daniel sah so zerknautscht aus, wie Jack sich fühlte.
    „Wusste ich nicht, bei mir war der Wein schuld.“
    „Müsst ihr so schreien?“ Samantha hörte sich nicht gut an. „Gott, mein Kopf.“
    „Tabletten sind auf der Bettkannte. Woran können Sie sich erinnern, Carter?“
    „An das Essen, Sir. Den leckeren Saft und Meroth. Nett, höflich, zuvorkommend und sehr zurückhaltend.“ Ihr Bett machte ein knarrendes Geräusch als sie sich aufrichtete. „Aua. Oh, wer hat mich denn ausgezogen?“
    „Ich habe dir geholfen“, meldete sich nun auch Teal’c zu Wort. „Da der Saft euch betrunken gemacht hat, brauchtet ihr Hilfe. DanielJackson hat sich um ColonelO’Neill gekümmert.“
    Dieses Mal war Jack froh, dass Teal’c sich auf das Wesentliche beschränkte. Aber wieso war Daniel…?
    Er blickte ihn an und der blinzelte zurück. „Ohne Brille bekomme ich Kopfschmerzen und wenn ich dann noch Alkohol trinke, dann geht gar nichts mehr. Also habe ich beim Fest nur einen Schluck getrunken, nicht mehr.“ Daniel zuckte mit den Schultern. „Wie sehen deine Pläne aus? Ich habe Sehnsucht nach der Erde und meinen Optiker.“
    „Der Rat hat uns zu einer Art Brunch eingeladen. Ich nehme mal an, die müssen noch die Reste loswerden“, lästerte er. „Danach können wir uns auf den Heimweg machen.“ Jack blickte auf seine Uhr. Nach regionaler Zeit war es gerade mal acht Uhr morgens. Also konnten sie selbst für Frühaufsteher nicht zu spät sein.

    Jack machte sich auf die Suche nach seinen Sachen. Daniel war überhaupt nicht an militärischer Ordnung gewöhnt und hatte seine Kleidung einfach auf dem Boden liegen gelassen, statt sie über den Rucksack zu legen. So müffelten die Sachen nach Alkohol, Schweiß und – war das Hemiiths Parfüm? Jack beschloss, nicht weiter darüber nachzudenken und suchte aus seinem Rucksack frische Kleidung raus.
    Nur mit zwei Krügen Wasser in der Hütte, gab es für alle nur eine Katzenwäsche und dann waren sie auch schon startbereit.

    Auf dem Versammlungsplatz war nicht viel los. Die Feuer waren niedergebrannt und es wirkte ein wenig trostlos. Nur wenige Menschen waren anwesend und sie saßen am Rande des Platzes, wo einige Bänke mit Tischen aufgebaut worden waren.

    Jack lotste sein Team dorthin und war sehr froh, als er dort Theminon sah, den Ratsvorsitzenden, mit dem er sich bisher gut verstanden hatte.
    „Guten Morgen“, grüßte Jack in die Runde und neigte seinen Kopf.
    „Guten Morgen, Colonel“, Theminon lächelte ein wenig verzerrt „Setzen Sie sich zu uns, es gibt gleich etwas zu essen.“ Er sah genauso verkatert aus, wie Jack sich fühlte.

    Das Team folgte der Aufforderung und Jack sprach mit Theminon über das Fest, das Wetter und den fast abgeschlossenen Handel, während sie mit einem wirklich guten Frühstück versorgt wurden.

    Nebenbei bemerkte er, dass Daniel von mehreren Frauen beobachtet wurde, die zwei Tische weiter saßen. Sie versuchten mit kleinen Gesten auf sich aufmerksam zu machen, was aber zwecklos war – ohne Brille konnte Daniel das nicht sehen.
    Jack versuchte, Daniel unauffällig zu signalisieren, dass er Verehrerinnen hatte, aber auch darauf reagierte er nicht. Sam und Teal’c saßen mit dem Rücken zu den Frauen und bekamen von allem nichts mit.

    Da er selbst zu verkatert war, um mit zwei Personen gleichzeitig zu kommunizieren, ignorierte er die Frauen und kümmerte sich um Theminon. Jack merkte jedoch, dass sein Gastgeber mit den Gedanken nicht bei ihm war und so sorgte er dafür, dass sie sich kurz darauf auf dem Heimweg machten.


    Er ging wieder vor und warnte Daniel vor Unebenheiten, die dieser ohne Brille nicht sehen konnte.
    Als sie eine Wiese überquerten, konnte Jack es nicht lassen und zog Daniel ein wenig auf.
    „Du hattest heute viele Verehrerinnen.“
    „Bitte?“
    „Die drei Frauen zwei Tische weiter haben dir schöne Augen gemacht. Etwas älter und füllig, aber sie schienen wichtige Persönlichkeiten zu sein, so schrill wie ihre Kleidung war. Hoffentlich gibt das keine diplomatischen Folgen.“ Jack grinste breit, als er das sagte, aber da er vorging, konnte Daniel das nicht sehen.
    „Sie werden meine mangelnde Aufmerksamkeit auf einen gewaltigen Kater schieben. Bis auf den Ratsvorsitzenden war doch noch keiner richtig wach“, konterte Daniel gelassen. „Wenn ich nicht meine Brille zerbrochen hätte, wäre es eine perfekte Mission.“
    „Pscht!“
    „Aua!“
    Jack drehte sich um und sah, dass Sam Daniel einen Ellbogen in die Rippen gehauen hatte. „So etwas zu behaupten, bevor wir das Stargate durchquert haben, bringt Unglück.“
    „Das habe ich noch nicht erlebt.“ Teal’cs gelassene Art schien Sam ein wenig zu beruhigen.
    „Phhht, wie viele Missionen sind in der letzten Sekunde schief gegangen, weil uns feindliche Aliens am Stargate abgefangen haben?“
    „Die Delwari sind nicht feindlich und heute ist bestimmt keiner fit genug, um zu kämpfen. Lasst uns weiter gehen.“ Jack lächelte seine Teamkameraden an und folgte dem Pfad.
    Trotzdem war er aufmerksamer und achtete mehr auf die Umgebung.

    Aber alles blieb ruhig und sie erreichten ohne Störungen das Stargate. Dort standen einige Wachen, die die Besucher, die PX5654E betraten, kontrollierten.

    So konnten sie ohne weitere Zwischenfälle PX5654E verlassen.

    Als sie den Stargateraum betraten, waren Jacks Gedanken bereits bei der Dusche und dem nahenden Feierabend, doch als er sah, dass alle Soldaten ihre Waffen im Anschlag hielten und extrem angespannt waren, hatte er das dumpfe Gefühl, dass der Tag noch nicht vorbei war.

    „Colonel O’Neil!“, ertönte General Hammonds Stimme durch den Lautsprecher. „Ich hoffe, Sie haben sich gut erholen können. Wir haben roten Alarm und brauchen Sie!“

    Ende

  7. #7
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    Standard Fanfiction Nr. 6 - Der Weg des Lebens

    Titel: Der Weg des Lebens
    Serie: SG-1
    Genre: Familie, Drama
    Charaktere: SG-1 und Co.
    Rating: FSK-12
    Anmerkung des Autors: Die Geschichte spielt im Zeitlichen Rahmen wo Stargate Universe angefangen hätte.

    Spoiler 
    „Hey meine Kleine, es ist Zeit aufzustehen.“, hörte sie ihre Mutter, durch den Schleier des Halbschlafes, der noch über ihr lag, rufen.
    „Will nicht.“, antwortete sie und drehte sich in ihrem Bett um, sodass sie mit dem Rücken zu ihrer Mutter lag.
    „Nein, so haben wir nicht gewettet meine Kleine.“, sagte ihre Mutter, als sie ihr spielerisch die Bettdecke wegzog.
    „Du weißt doch, dass wir heute Gäste bekommen und dein Vater möchte, dass du dabei bist, wenn wir sie begrüßen, also steh auf und zieh dich an.“
    „Aber Mom, ich will nicht. Die bleiben doch eh länger, dann kann ich sie auch morgen begrüßen.“
    „Nein, das wirst du nicht und das ist mein letztes Wort.“, sprach ihre Mutter.
    Zum ersten Mal für diesen Morgen sah sie ihre Mutter direkt an und erblickte eine kleine silberne Kette um ihren Hals hängen.
    „Darf ich deine Kette tragen, wenn ich schon mit muss?“, fragte sie ihre Mutter und zeigte auf die Kette.

    Keine Zehn Minuten später stand sie mit ihrer Familie vor ihrem Haus und wartete darauf, dass ihre Gäste kämen.
    Während der ganzen Zeit über, als sie dort stand, spielte sie mit dem Anhänger der Kette, der aus zwei Schwingen, die an einer tennisschlägerförmigen Vase befestigt waren, bestand.
    Ihre Mutter hatte ihr vor langer Zeit erzählt, das diese Kette seit Generationen in ihrer Familie, wenn der Zeitpunkt gekommen war, von Mutter zur erstgeborenen Tochter weiter gegeben wurde.
    Sie blickte erneut auf den Anhänger hinunter, nur um zu sehen, dass er noch dar war, als sie von einem blauem Licht umhüllt wurde...


    ...Schweißgebadet schreckte die junge Frau in ihrem Bett auf, bis sie kerzengerade im Bett saß.
    Orientierungslos sah sie sich in ihrem Schlafzimmer um, auf der Suche nach etwas, das ihr verriet, wo sie sich befand.
    Ihre Blicke fielen auf das große Fenster, das ihr einen Blick auf die Skyline von Colorado Springs gewährte.
    Erleichtert atmete sie aus, als sie gemerkte hatte, dass sie die Luft angehalten hatte.
    „Nur ein Alptraum.“ ,sprach sie zu sich selbst.
    Mit der Hand griff sie nach ihrem Handy und blickte auf die Uhr auf dem Display, 5:56 Uhr.
    Sie legte das Handy zurück, schwang ihre Beine aus dem Bett und stand auf.
    Gemütlich ging sie in die Küche und setzte erst einmal frischen Kaffee auf, etwas, das ihr Onkel ihr vor Jahren gezeigt hatte. Noch heute dankte sie ihm, dass er ihr gezeigt hatte, was Kaffee war.
    Mit ihrer ersten Tasse des Tages in der Hand ging sie, nur mit ihrem Pyjama bekleidet, auf die Terrasse und setzte sich auf die große Hollywood-Schaukel; einem Vermächtnis ihrer Adoptivmutter. Sie zog die Beine an sich heran, damit sie ganz auf der Schaukel saß.

    Als sie dort saß und zusah, wie die ersten Sonnenstrahlen über den Pikes Peak kamen und langsam die Stadt weckten, dachte sie über den Traum nach, der sie geweckt hatte.
    Schon seit ihrem zwölften Lebensjahr hatte sie diese Träume gehabt, doch sie hatten zwei Jahre, nachdem ihre Adoptiv-Mutter gestorben war, aufgehört.
    Umso mehr wunderte es sie, dass die Träume wieder gekommen waren, vor allem, nach so langer Zeit.
    Sie fasste sich an den Hals, wo eine Kette baumelte die sie von ihrer Adoptiv-Mutter zu ihrem achtzehnten Geburtstag bekommen hatte, einem der letzten Geburtstage, den die beiden je zusammen gefeiert hatten.
    Dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.
    Sie sprang auf, rannte ins Innere ihres Hauses, direkt zum Telefon, wo sie die Nummer des nächsten Taxiunternehmens wählte.

    Als zwanzig Minuten später das Taxi vor der Tür stand, war sie angezogen und bereit auf die Reise zu gehen.
    „Zum Flughafen.“

    Fünf Stunden später stand sie vor dem Besuchereingang des Pentagons.
    Sie wusste, wenn sie diesen Weg einschlagen würde, würde sie mit Sachen konfrontiert werden, die sie lieber vergessen hätte, es aber nicht konnte, da es zu ihr gehörte.
    Ein Blick um sie herum machte ihr klar, dass es nur diesen einen Weg für sie gab.
    Mit entschlossenem Gesichtsausdruck ging sie die Stufen zum Eingang hoch und ging direkt zur Besucheranmeldung.
    „Guten Tag, wie kann ich ihnen helfe?“, wurde sie von einem Sergeant empfangen.
    „Hallo, ich würde gerne zu Lieutenant General O`Neill, ich hätte etwas mit ihn zu besprechen.“
    „Haben sie einen Termin, der General ist ein sehr beschäftigter Mann?“ fragte der Sergeant.
    „Nein, ich habe keinen Termin. Es ist aber wichtig, dass ich mit dem General spreche.“
    „Es tut mir leid, Ma´am, aber ohne Termin kann ich Sie nicht zum General durchlassen.“
    „Ok, wo ist das Büro des Generals, ich warte dort auf ihn.“
    „Wie sie wollen, Ma´am, dann bräuchte ich Ihren Ausweis, damit ich Ihnen einen Besucherausweis ausstellen kann.“

    Keine Viertelstunde später saß sie vor dem Büro des Generals, nachdem der Sergeant ihr am Empfang mehr oder weniger freundlich einen Besucherausweis ausgestellt hatte.
    Doch allmählich wurde ihr die Warterei zu viel, sodass sie aufstand und direkt an die Tür des Vorzimmers klopfte.
    Ein gedämpftes „Herein“ veranlasste sie dazu in das Büro einzutreten.
    Hinter dem Schreibtisch, der vor ihr stand, saß Command Chief Master Sergeant Walter Harriman.
    „Was machst du denn hier?“ fragte er die junge Frau überrascht, als sie das Büro betrat.
    „Hey Walter. Ich wollte zu ihm.“ begrüßte sie Walter und zeigte auf die Tür, die zum Büro von General O´Neill führte.
    „Er ist seit heute Morgen schon in einer Besprechung mit einigen Mitgliedern des IOA, es könnte noch etwas dauern, bis er fertig ist. Kann ich dir denn helfen?“
    „Ich glaube nicht, denn ich würde gerne nach Hause, nur dafür brauche ich seine Erlaubnis.“
    Walter sah sie nur komisch an, als sie sagte, sie wolle nach Hause und bräuchte die Erlaubnis des Generals.
    Dann machte es plötzlich „Klick“ bei Walter; als er auch schon nach dem Hörer seines Telefons griff.
    „Sir, ich habe hier ihre Nichte, die Sie etwas fragen wollte … Ich weiß, dass sie in einer wichtigen Besprechung sind, Sir, aber es ist wichtig … Ja Sir, natürlich Sir.“
    „Du kannst zu ihm gehen, er erwartet dich.“
    „Danke Walter; du bist immer noch der Beste.“ Mit diesen Worten verabschiedete sie sich von Walter und öffnete die Tür zum Büro des Generals.
    „Cassie“, wurde sie auch sofort herzerwärmend von ihrem Onkel General Jack O´Neill empfangen, der von hinter seinem Schreibtisch aufgesprungen war und sie umarmte. Die Mitglieder des IOA waren vergessen.
    „Was kann ich für dich tun? Walter meinte, es wäre wichtig.“, fragte er sie, als er sie wieder losgelassen hatte.
    „Ähm Jack?“ fragte sie und deutete auf die drei Anzugträger, die vor dem Schreibtisch des Generals saßen und den beiden irritiert zusahen.
    „Oh ja. Wir sprechen später weiter.“, sagte er zu den dreien und noch bevor sie etwas erwidern konnten, war Jack zusammen mit Cassie aus dem Büro verschwunden.

    Zusammen hatten sich die beiden in die Cafeteria des Pentagons durchgekämpft, wo sie nun saßen und zusammen zu Mittag aßen.
    „Um deine Frage von vorhin zu beantworten, ich würde gerne nach Hause gehen. Ich habe dort etwas zurück gelassen, was ich gerne wieder hätte.“
    Jacks Gesichtsausdruck war zunehmend ernster geworden, als er hörte, was sie ihm zu sagen hatte.
    „Cassandra Fraiser, bist du dir sicher, dass du dort hin willst? Das letzte Mal, als du dort warst, war es wegen Nirti und ihrem Experiment und du weißt, wie es an uns allen gezehrt hat als du wieder gesund warst, wie es an dir gezehrt hat.“
    Cassandra schloss kurz die Augen und atmete tief durch.
    „Ich weiß, ich war dabei. Jack, damals war ich sechzehn Jahre alt, ich war seit vier Jahren erst auf der Erde und ich hatte noch mit all dem zu kämpfen, was damals auf Hanka passiert ist. Dem ist nicht mehr so. Ich weiß, was auf mich zukommt. Wie Sam damals gesagt hat, irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem ich mich meinen Geistern stellen muss und das ist jetzt. Ich frage nicht deshalb, ob du es verstehst, ich frage dich nur, ob du mich gehen lässt.“

    Jack fuhr sich mit der flachen Hand durch sein Gesicht, als ob er etwas wegwischen wollte.
    „Du warst zu lange in der Gegenwart von SG-1 Cassie. Ja, ich wusste, dass der Tag kommen würde, an dem du zurück gehen wolltest, doch ich habe gehofft, dass ich mich irren würde. Ich werde Hank Bescheid geben, du kannst gehen.“

    Zwei Tage später war es still im Kontroll- sowie im Torraum des SGC.
    Alleine vor dem inaktiven Gate stand Cassandra Fraiser und blickte noch einmal über ihre Schulter in den Kontrollraum, wo sie alle standen.
    Sam, Daniel, Teal´c, Walter, Siler, selbst einige Küchenhilfen, die Cassandra, als sie noch kleiner war, immer etwas zugesteckt hatten wann immer sie auf der Basis war und selbst Jack war aus Washington angereist, standen im Kontrollraum, da keine Missionen geplant waren.
    Sie nickte ihnen allen noch einmal zu, als auch das Tor schon anfing zu wählen.
    „Chevron Eins aktiviert… Chevron Zwei aktiviert … Chevron Drei aktiviert … Chevron Vier aktiviert … Chevron Fünf aktiviert … Chevron Sechs aktiviert …“ drang Walters Stimme an ihr Ohr.

    Sie wusste, wann sich das Wurmloch etablieren würde und sie es durchschritten hätte, würde für sie ein neues Kapitel ihres Lebens beginnen.
    Eines, das ihr erst all jene ermöglicht hatten, die nun darauf warteten, dass sie durch das Gate treten würde und das finden würde, wonach sie suchte.
    Ihre linke Hand verstärkte bei diesen Gedanken den Griff um den Blumenstrauß, den sie bei sich hatte.
    Eine weiße Rose für jedes Jahr, das sie zusammen mit ihren Eltern, ihrer Familie und Freunden auf Hanka verbracht hatte und eine rote Amaryllis für jedes Jahr, das sie auf der Erde bei ihrer neuen Familie verbracht hatte.

    „... Chevron Sieben … fixiert!“

    Der Vortex des Wurmloches tauchte für wenige Sekunden alles in ein blaues Licht, ein solches, das sie vor Tagen geweckt hatte und sie veranlasst hatte, diese Reise zu starten.
    Es war nur noch ein Schritt, ein Schritt, der ihr altes Leben von ihrem neuen trennte, ein Schritt, der wohl der wichtigste für sie war.
    Ein Schritt und sie war dort, wo alles begonnen hatte, ein Ort, wo ihr Freude und Leid gleichermaßen begegnet waren.
    „Danke Mom. Danke Janet.“, murmelte sie, als sie diesen letzten Schritt vollbrachte...

  8. #8
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    Standard Fanfiction Nr. 7 - Die Geschichte vom gierigen Herzog

    Titel: Die Geschichte vom gierigen Herzog
    Serie: SG-1
    Rating: P12
    Genre: AU, Humor

    Spoiler 
    Die Geschichte vom gierigen Herzog

    Es war ein stürmischer Herbstabend. Die Kinder hatten sich vor dem Kamin versammelt, in dem ein warmes Feuer flackerte. Die Großtante saß in ihrem Lieblingssessel und die Stricknadeln in ihren Händen klapperten fleißig, als eines der Kinder zu ihr aufsah und mit bittendem Blick fragte: „Tantchen, kannst du uns eine Geschichte erzählen?“

    Die Stricknadeln standen kurz still, dann lächelte die alte Dame und begann zu erzählen.

    „Es war einmal – so fangen alle Märchen an, also soll das unsrige auch so anfangen.“


    *****

    Also – es war einmal eine holde Maid namens Vala. Die lebte mit ihrem Vater Jacek in einer kleinen Hütte im Wald. Jacek war Köhler und er verdiente mit seiner Holzkohle auch genug, damit die beiden zufrieden leben konnten. Aber Jacek reichte das nicht. Er strebte nach mehr. Immer wenn er aus der Stadt zurückkam, wo er einmal in der Woche auf dem Markt seine Brennstoffe verkaufte, kam er mit neuen Ideen zurück, wie er noch mehr Geld verdienen könnte. Meistens waren es Schnapsideen, die nie das hielten, was sie auf den ersten Blick versprachen und am Ende zahlte er drauf, oder ein unzufriedener Kunde zeigte ihm handfest, was er von Jaceks Spielereien hielt.

    Eines Tages kam eine Jagdgesellschaft an seiner Hütte vorbei geritten und hielt an, um Wasser für die Pferde zu fordern. Jacek schickte Vala zum Brunnen, der etwas abseits lag, damit sie das Geforderte holen sollte.

    Während sie unterwegs war, beobachtete der Anführer der Jäger das Mädchen und fragte den Vater: „Eine schöne Tochter hast du da, Köhler. Ist sie jemandem versprochen?“
    „Nein, Herr. Sie hatte schon viele Verehrer, aber sie hat alle abgewiesen. Sie wollte ihren armen Vater nicht alleine hier im Wald lassen.“ Da Jacek dabei die Augen gesenkt hielt, konnte der Jäger, bei dem es sich um Herzog Nerus handelte, nicht sehen, wie es in den Augen des Köhlers aufleuchtete. Schon sah er seine Tochter an der Seite des Herzogs das Land regieren, als dieser weiter sprach. „Kann sie etwas Besonderes? Stroh zu Gold spinnen vielleicht? Die Frau meines Vetters konnte das. Nachdem er sie das dreimal hat machen lassen, hat er sie geheiratet. Und weil die beiden andauernd Kinder in die Welt gesetzt haben, war keine Zeit mehr dafür. Aber das nur nebenbei. Also sprich, was kann deine Tochter?“

    „Nun, sie kann singen und tanzen, backen und kochen und…“, er machte eine bedeutungsvolle Pause und hoffte, dass er die Ursache für das aufgequollene Gesicht und die rote Nase richtig eingeschätzt hatte, „sie kann zwar nicht Stroh zu Gold spinnen, aber sie macht aus Wasser Wein.“

    In den Augen von Herzog Nerus leuchtete es gierig auf. Das war ja mal nach seinem Geschmack. Dieses Mädchen musste er haben. Seine Keller waren so kurz vor der nächsten Weinlese fast geleert und wenn er jemanden hatte, der aus Wasser Wein machen konnte, war er nie mehr auf diese Halsabschneider von Winzer angewiesen.

    „Was willst du dafür haben, dass sie mit mir kommt?“, fragte Nerus daher auch sofort und blickte Jacek an.
    Der rechnete im Stillen vor sich hin und versuchte bescheiden drein zu schauen.
    „Ich brauche nicht viel. Einen Diener, der mir bei der Arbeit hilft und eine bescheidene Unterstützung, damit ich diesen dann auch ernähren kann. Das wäre schon ein Anfang.“
    Nerus blinzelte Jacek an. „Gut, gut. Ich nehme das Mädchen mit und werde es prüfen. Wenn sie tut, was du versprichst, dann sehen wir weiter.“

    In diesem Moment kam Vala um die Ecke, in jeder Hand einen Eimer. Mit einem Blick auf ihren Vater, der nicht unbedingt von Tochterliebe zeugte, stellte sie diese vor ihn hin.
    Jacek aber beachtete dies gar nicht und zog sie mit sich in die Hütte. Er schloss die Tür und ging an einen Schrank, in dessen Schubladen er herum kramte.
    „Kannst du mir bitte verraten, was hier los ist, Vater?“ Vala stemmte die Hände in die Hüften und blitzte ihren Vater an.
    „Engelchen, wir sind gemachte Leute. Der Herzog da draußen will dich mitnehmen, weil du Wasser in Wein verwandeln kannst!“
    „Wasser in Wein? Bin ich Jesus? Was soll das Jacek? Und überhaupt. Hast du dir den Typen da mal angesehen? Im Leben gehe ich nicht mit dem mit. Okay, wenn es der junge Typ wäre, der zwei Pferde weiter so gelangweilt in die Gegen starrt, dann vielleicht, aber so – nie im Leben.“
    „Und wie du gehen wirst, mein Täubchen. Denn hier“, er drehte sich um und hielt triumphierend eine kleine Phiole mit einer blauen Flüssigkeit hoch, „ist die Lösung für das Problem.“
    „Was soll das sein? Hast du dir wieder mal irgendwo Pferdepisse andrehen lassen und denkst jetzt, es ist ein Wundermittel?“
    „Vala – jetzt sei doch nicht so negativ. Die Wirkung dieses Mittels ist verbürgt. Nur ein Tropfen auf zehn Liter Wasser und du hast einen Weißwein allerbester Güte.“
    „Und ich darf es ausbaden, wenn das Zeug versagt, oder wie? Da hast du dich geschnitten, das mache ich im Leben nicht.“
    „Und du wirst“, Jacek packte seine Tochter am Arm und zog sie zu sich heran, um ihr direkt in die Augen zu schauen. „Es ist unsere Fahrkarte in ein besseres Leben. Und wer weiß, vielleicht findet der Typ von Pferd Nummer zwei dich ja auch ganz nett und du steigst in ein gemachtes Bett?“
    In dem Moment klopfte es und genau der Mann, den Vala insgeheim so nett fand, stand vor der Tür, „Mein Onkel fragt, ob das Mädchen bereit ist. Er will so schnell wie möglich zum Schloss zurück.“
    „Der Onkel“, murmelte Jacek grinsend zu Vala und lächelte den Mann dann an. „Aber natürlich ist meine Vala bereit. Nicht wahr, Schätzchen?“
    Vala sah ihren Vater an, dann den jungen Mann, dann wieder ihren Vater und entschied, dass alles besser war, als bei dem Mann zu bleiben, der sie so locker verschacherte. Sie schnappte sich das kleine Fläschchen, holte ihre paar Habseligkeiten und folgte dann dem Mann zu den Pferden.
    „Daniel, nimm sie mit auf dein Pferd. Und pass mir gut auf das Mädchen auf, die ist sehr wertvoll“, befahl der Herzog dem jungen Mann und kurz darauf ritten sie los.

    Jacek winkte Vala fröhlich hinterher, aber die war einerseits viel zu sauer auf ihren Vater und hatte andererseits Mühe, sich auf dem Pferd zu halten. Zugegeben, es war schon nett, sich in die Arme dieses Daniel zu kuscheln, aber leider wackelte das Pferd so hin und her, dass sie trotzdem Probleme hatte, sich oben zu halten. Dazu kam noch, dass Daniel ihre Versuche, ein Gespräch anzufangen einfach ignorierte. Gut, er musste sich darauf konzentrieren sie beide heil zum Schloss zu bringen, aber ein kleines Gespräch wäre doch wohl nicht zuviel gewesen.

    Als sie auf dem Schloss angekommen waren, ließ Nerus sie in ein Kellergewölbe bringen, in dem fünf große Fässer standen, die er sofort von einer Reihe Bediensteten mit Wasser füllen ließ.
    „Okay, Mädchen, du wirst die Nacht hier drin verbringen und wenn ich morgen wieder komme, werden wir ja sehen, ob du wirklich Wasser in Wein verwandeln kannst. Wenn nicht, werde ich mir überlegen, was ich mit dir und deinem Vater anstellen werde. Also sollte das Quellwasser morgen auf jeden Fall besser schmecken als jetzt.“

    Alle Proteste von Vala halfen nichts. Sie führte ihre Angst vor der Dunkelheit an und man brachte ihr eine Kerze. Sie sagte, dass sie Ratten auf den Tod nicht ausstehen konnte – wobei sie ein Bild von ihrem Vater im Kopf hatte – und man brachte ihr einen Kater.
    Als die Fässer gefüllt waren, brachte man ihr noch etwas zu essen und dann fiel die schwere Eichentür ins Schloß und sie hörte, wie diese verriegelt wurde.

    Anfangs tigerte sie noch im Keller herum, dann ergab sie sich in ihr Schicksal und begann zu rechnen, wie viel wohl in den Fässern enthalten war, damit sie die Dosis von Jaceks „Wundertrank“ auch richtig bemessen konnte. Sie stieg auf eine kleine Leiter und gab die richtige Anzahl von Tropfen in das Spundloch des ersten Weinfasses und dann wartete sie. Ab und an schnupperte sie daran, aber der typische Alkoholgeruch blieb aus.

    Die Hälfte der Nacht war um, als Vala aufgab und anfing, ihren Vater zu verfluchen. Sie kam gerade so richtig in Fahrt, als sie von einem hellen Lichtblitz unterbrochen wurde. Es dauerte etwas, bis ihre Augen sich erholt hatten, aber dann sah sie zu ihrer Verwunderung ein kleines, graues Männchen im Raum stehen. Er hatte einen großen Kopf, der nach vorne wie eine Schnauze geformt war, riesige, dunkle Augen und sehr dünne Arme. Die Beine waren so schmal, dass man jeden Augenblick damit rechnete, dass sie zusammenknickten, weil sie das Gewicht des Körpers nicht tragen konnten. Bis auf ein Leinentuch, welches er sich um die Mitte gebunden hatte, war er nackt.

    „Seid gegrüßt, holde Maid. Ich hörte, Ihr seid in Schwierigkeiten!“, begrüßte er Vala, die zwischen Schrecken und Neugier schwankte und erst mal einen Schritt zurückwich.
    „Wer seid Ihr? Und was war das für ein Licht? Und wo seid Ihr so plötzlich hergekommen?“, sprudelte Vala heraus - der Schreck war eindeutig der Neugier gewichen.

    „Holla, so viele Fragen auf einmal. Na mal sehen. Meinen Namen kann ich dir leider nicht sagen. Ich hieß mal Rumpelstilzchen, aber der Name wurde von einem meiner Vettern missbraucht, und um dem schlechten Ruf zu entgehen, der ihm jetzt anheftet, musste ich mir einen neuen suchen. Ist eine Geschäftssache, dass ich den Namen nicht preisgebe, also gewöhn dich dran und du kannst ruhig ‚Hey Du’ sagen. Das Licht kam von meinem Zauber – ein sogenannter Beamstrahl, mit dem ich mich überall hin versetzen kann. Ist eine praktische Angelegenheit, wenn man schnell mal verschwinden will, oder die Türen fest verschlossen sind. Und was war das noch? Ach ja, wo ich so plötzlich herkomme. Tja, man könnte (so) sagen vom Himmel. Aber frag mich nicht nach einer Erklärung, das würde zu weit führen. Und ich bin hier, weil du meine Hilfe brauchst. Ist es nicht so?“

    „Hilfe? Ja, die kann ich gebrauchen. Am besten schickst du mich mit deinem Blitzi-Dings zu meinem Vater, damit ich dem gehörig die Meinung sagen kann, zu diesem total bescheuerten Deal, den er da mit dem Herzog gemacht hat.“

    „Tut mir leid, ich kann dich damit nicht transportieren. Aber von was für einem Deal redest du da? Vielleicht kann ich dir ja dabei behilflich sein.“
    „Und was willst du dafür? Ich hab noch nie erlebt, dass Hilfe umsonst ist.“ Vala blickte ‚Hey Du’ argwöhnisch an.
    Der verzog seine Mundwinkel, was einem Lächeln sehr nahe kam und meinte dann: „Du hast da nette Ohrringe. Die könnte ich gut gebrauchen.“
    Vala sah ihn entgeistert an, hatte er doch gerade mal kleine Löcher im Schädel, von denen sie annahm, dass sie die Ohren waren. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie oder wo er den Schmuck tragen wollte. Sie verschob die Überlegungen auf später, löste die goldenen Ohrgehänge und gab sie ‚Hey Du’.

    „Und nun zu deinem Problem. Wie sieht es aus?“
    Vala erzählte, in was für eine Patsche ihr Vater sie gebracht hatte, zeigte ihm auch die Flüssigkeit, die noch in der kleinen Flasche war und erklärte, was sie bisher gemacht hatte.
    ‚Hey Du’ hörte sich alles geduldig an, untersuchte die Fässer und den Inhalt der Flasche. Es dauerte nicht lange und nachdem er sich mit seinen Fingern ausgiebig die Nase, oder was Vala dafür hielt, gejuckt hatte, schnipste er mit den Fingern und sagte: „Ich hab’s! Da fehlt nur der richtige Katalysator, dann müsste es klappen. Ich bin gleich wieder da.“ Er verschwand von jetzt auf gleich und bevor Valas Augen das helle Licht verarbeitet hatten, war er wieder da. Er hatte einen kleinen Beutel dabei, kletterte auf die Fässer, ließ ein bisschen von dem Inhalt in die Fässer rieseln und sofort verbreitete sich im Keller ein Geruch nach Wein.

    „So, jetzt kannst du noch ein bisschen schlafen und morgen früh, hat der Herzog keinen Grund, dich nicht gehen zu lassen.“
    „Danke“, murmelte Vala und wollte noch eine Reihe Fragen hinterher schieben, aber der kleine, graue Mann war schon verschwunden. Ihr blieb nichts anderes übrig, als es sich auf dem vorhandenen Stuhl so gemütlich wie möglich zu machen und auf den nächsten Morgen zu warten.

    Als die Türen am Morgen geöffnet wurden und der Herzog mit seinem Haushofmeister und Daniel im Schlepptau den Keller betrat, war Vala gerade aus einem unruhigen und ungemütlichen Schlaf erwacht. Als sie Daniel erspähte, der gelangweilt hinter seinem Onkel stand und so aussah, als ob er sich nichts sehnlicher wünschte, als irgendwo anders auf der Welt zu sein, aber nicht hier, versuchte sie schnell, ihre Haare zu richten, aber es war vergebens. Der junge Mann schaute bemüht in eine andere Richtung.

    Als Vala dann fragte, ob sie jetzt nach Hause gehen könnte, grinste sie der Herzog listig an.
    „Nachdem du gehalten hast was dein Vater versprach – und es ist wirklich ein edles Tröpfchen, was da in den Fässern lagert – wird mein Haushofmeister Ba’al dich jetzt in eines der Gemächer führen, damit du dich ausruhen kannst. Du wirst zu essen und zu trinken bekommen und in der nächsten Nacht, wirst du mir die doppelte Menge Fässer verwandeln.“ Er drehte sich um, machte ein Zeichen zu Ba’al und verließ den Keller.
    Ba’al nahm sie am Arm und ohne auf ihren Protest zu achten – und der war nicht von schlechten Eltern – brachte er sie auf ein Zimmer, in dem ein großes Himmelbett stand, schubste sie darauf und meinte dann: „Ruh dich gut aus, meine Hübsche, du wirst eine Menge zu tun bekommen in der nächsten Nacht. Nerus hat jetzt Blut geleckt und wird dich so leicht nicht mehr davonkommen lassen.“
    „Dein Herzog kann mich mal. Keine Ahnung, was er meinem Vater versprochen hat, aber das Geschäft ist erfüllt. Wenn ich ihm weiter helfen soll, dann muss er mit mir verhandeln. Ich will auch was davon haben. Sag ihm das gefälligst.“
    Ba’al lachte, drehte sich um und schloss die Tür hinter sich ab.

    Vala verschränkte die Arme und schmollte. Das wollte sie doch mal sehen, ob da nicht noch was für sie herausspringen würde. Als ihr kurze Zeit später etwas zu essen gebracht wurde, machte sie sich ausgehungert darüber her und als sie sich satt gegessen hatte, gab sie ihrem Schlafbedürfnis nach, kuschelte sich in die warmen Decken des Bettes und war bald drauf eingeschlafen.

    Ein leises Knirschen holte Vala aus einem erholsamen Schlaf. Sie wusste im ersten Moment gar nicht, wo sie war. Sie fühlte die weichen Decke unter sich und schon fiel es ihr wieder ein, dass sie in einem Zimmer im Schloss eingeschlossen war. Sie öffnete die Augen nur einen Spalt und versuchte herauszubekommen, was sie geweckt hatte und als sie vorsichtig umher schaute, sah sie einen dunklen Schatten an einer Zimmerwand, der vorher nicht da gewesen war. Sie konzentrierte sich darauf und erschrak, als sich daraus eine Gestalt löste. Diese kam vorsichtig in ihre Richtung und blieb vor dem Fußende des Bettes stehen und beobachtete sie. Plötzlich leuchtete es am Fenster hell auf. Während Vala noch versuchte zu begreifen, was dort vor sich ging, drehte sich die Gestalt, eindeutig ein schlanker Mann, von ihr weg und ging ein paar Schritte in Richtung Fenster.

    „Was machst du hier?“, flüsterte der Mann und ging vor dem Neuankömmling in die Knie.
    „Na was wohl. Sehen ob alles gut läuft“, gab eine leise Stimme zurück, die Vala sehr bekannt vorkam.
    „Keine Ahnung ob alles gut läuft. Mein Onkel hat Vala hier eingesperrt, weil er sie heute Nacht noch mehr Wasser verwandeln lassen will. Wie hast du das übrigens gemacht?“
    „Betriebsgeheimnis. Wenn es nicht allzu viel ist, wird auch die zweite Fuhre umgewandelt, aber danach solltest du das Mädchen schnellstens aus der Nähe deines Onkels weg bringen. Der wird mir zu gierig.“
    „Mir wird schon was einfallen. Immerhin habe ich ja dafür gesorgt, dass Nerus genau an der Köhlerhütte vorbei geritten ist. Dass sie aber einen so verschlagenen Vater hat, damit habe ich nicht gerechnet. Das hat mich kalt erwischt.“
    „Du willst mir also sagen, dass du nur da hin wolltest, um das Mädchen zu sehen und dann ist alles drunter und drüber gegangen? Woher kanntest du sie überhaupt?“
    „Ich habe sie einmal im Wald gesehen. Da gibt es doch diesen Teich und ich wollte eigentlich ein Bad nehmen, aber er war schon besetzt“, raunte Daniel, woraufhin ein glucksendes Geräusch ertönte.
    „Du willst mir erzählen, dass du dich in eine Badenixe verliebt hast? Die Geschichte ist gut, kann ich die in meine Memoiren aufnehmen?“
    „Gar nichts kannst du, außer mir helfen, aus diesem Schlamassel hier wieder herauszukommen. Alleine schaffe ich das nicht und außerdem, wie soll ich wissen, ob sie überhaupt mit mir kommen würde? Ich musste mich doch total uninteressiert geben, damit niemand was merkt. Wahrscheinlich kann sie mich gar nicht ausstehen?“
    „Tja, vielleicht solltest du sie einfach fragen? Nur sprechenden Menschen kann geholfen werden und normalerweise kannst du doch nicht genug reden. Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, warum ihr normalen Menschen immer Sprachstörungen bekommt, wenn es um Gefühle geht.“

    Vala, die keine Mühe gehabt hatte, diese Unterhaltung zu verstehen, da die Stimmen in dem ansonsten stillen Zimmer sehr laut klangen, fand, dass es an der Zeit war einzuschreiten. In völlig normalem Plauderton sagte sie: „Das ist eine Sache, die ich bisher auch nie verstanden habe. Vielleicht könnt ihr zwei sie mir ja mal erklären?“

    Die Verschwörer zuckten zusammen und drehten sich zu Vala um, die sich gerade aufsetzte und die beiden mit einem spöttischen Blick bedachte.
    „Schau mal an; der Neffe des Herzogs, steckt mit ‚Hey Du’ unter einer Decke.“ Sie genoss es, wie Daniel sich verlegen wand, als ihm bewusst wurde, dass sie alles verstanden haben musste, auch die Sache mit dem Teich im Wald.

    Sie klopfte rechts und links einladend neben sich auf das Bett.
    „Wie wäre es, wenn ihr euch hierher setzt, was gewiss gemütlicher ist, als auf dem Boden zu knien und mir dann erzählt, war hier eigentlich vor sich geht.“

    Daniel nahm die Einladung an, ‚Hey Du’ setzte sich auf die andere Seite und dann erzählten die beiden Vala die ganze Geschichte.

    Wie unwohl Daniel sich bei seinem Onkel fühlte. Wie er sich dagegen gewehrt hatte, von seinem Onkel verheiratet zu werden, da dieser die dümmsten und hässlichsten Töchter von Freunden angeschleppt hatte, die man sich nur vorstellen konnte. Wie der Onkel ihn mit allen Mitteln hier behalten wollte, wahrscheinlich, um sich die Zahlungen, die Daniels Vater dem Herzog großzügigerweise gewährte, nicht versiegen zu lassen. Und wie Daniel sich schließlich in Vala verliebt hatte, ohne Aussicht darauf, dass diese Liebe eine Zukunft haben konnte.

    Vala hörte sich alles geduldig an. Innerlich machte sie einen Freudentanz, hatte sie sich doch gestern auch sofort in den jungen Mann verguckt. Äußerlich ließ sie sich dass nicht anmerken, sondern blieb ruhig und fragte nach einer Weile, in der alle ihren Gedanken nachgehangen hatten „Und jetzt wisst ihr nicht, wie ihr, und ich natürlich auch, wieder aus dieser blöden Situation rauskommen können?“
    Sie seufzte tief auf und wandte sich an Daniel: „ Wenn du mich vorher gefragt hättest, dann hätte ich dir gesagt, nimm mich auf dein Pferd und reite mit mir bis ans Ende dieser Welt. Aber du hattest ja anscheinend Sprachhemmungen“, grinste sie Daniel an.
    „Du würdest mit mir bis ans Ende der Welt gehen? Aber das heißt ja, dass…“
    „Genau dass heißt es, du Esel. Aber ihr Männer und euer Problem damit, einfach mal zu fragen. Das ist eines der Mysterien, die wahrscheinlich niemals gelöst werden. Genauso wie das Geheimnis von dir ‚Hey Du’. Aber ich will gar nicht wissen, was du bist, oder woher du kommst. Wenn du uns weiter hilfst, bin ich schon vollkommen zufrieden.“
    „Klar helfe ich euch weiter. Der ‚nette’ Herzog ist noch einem Cousin von mir was schuldig. Wenn ich ihm jetzt eins auswischen kann, dann lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen. Es scheint, als ob du schon eine Idee hast?“

    Vala lächelte. „Worauf die dich verlassen kannst, also wir könnten…“
    Die Drei steckten die Köpfe zusammen und nachdem sie alles besprochen hatten, verließen Daniel und ‚Hey Du’ den Raum, um ihren Teil des Planes vorzubereiten.

    ~~~

    Es war schon später Nachmittag, als endlich jemand kam, um nach Vala zu sehen und ihr nochmals etwas zu essen zu bringen. Sie hatte gerade Brot und eine dicke Scheibe Schinken verputzt, als Nerus mit viel TamTam hineinplatzte.
    „Also meine Liebe, reden wir über die nächste Nacht.“
    Hätte Vala nicht gewusst, dass es darum ging, Wein in Wasser zu verwandeln, hätte sie in genau diesem Moment einen Fluchtversuch gemacht. Aber so blieb sie ruhig und versuchte, ihren Abscheu zu unterdrücken.

    „Ja, Herzog, reden wir über die nächste Nacht. Wie viele Fässer habt ihr denn heute füllen lassen, auf dass ich sie verwandeln soll? Und dabei hoffe ich, dass es gutes Quellwasser ist, sonst kann ich für die Qualität des Endproduktes keine Garantie übernehmen.“ Vala grinste innerlich. Sie musste ihrem Vater doch öfter zugehört haben, als ihr bewusst gewesen war. Der Spruch hätte glatt von ihm sein können.

    „Meine Leute sind noch dabei und haben im großen Keller zwanzig Fässer zu füllen. Wenn du die umwandelst, sollst du frei sein und kannst gehen.“ Nerus schaute Vala zufrieden an, aber die konnte und wollte das nicht einfach so stehen lassen.
    „Das wird ein bisschen teurer, als mich einfach so gehen zu lassen. Wer garantiert mir denn, dass Ihr mich wirklich laufen lasst? Ich will mehr. Mal abgesehen davon, was ihr meinem Vater versprochen habt, möchte ich folgendes:
    Erstens: Freies Geleit nach Hause und keine weiteren Anfragen.
    Zweitens: Ich könnte neue Kleider gebrauchen. Sagen wir mal Stoffe für mindestens zwei oder besser drei vollständige Ausstattungen sollten genügen. Die müssten dann bereitgestellt sein, bevor ich wieder eingeschlossen werde. Schließlich will ich ja sehen, wofür ich schufte.
    Drittens: Ich will einen Ehemann. Ich würde auch euren Neffen nehmen, er war zwar ziemlich muffelig, als er mich mitnehmen musste, aber er sieht gut aus und seien wir mal ehrlich, Ihr könnte doch sowieso nichts mir ihm anfangen und es wäre eine Erleichterung für Euch, ihn los zu sein. Na, was sagt Ihr?“

    Vala sah Nerus an, der völlig perplex dastand und nachdachte. Während Vala angelegentlich ihre Fingernägel betrachtete, überlegte der Herzog, wie er die Forderungen auf ein Minimum beschränken konnte und doch auch seinen Wein bekommen konnte.

    Schließlich ließ er sich ohne viel Handeln darauf ein, dass er ihr die Kleider, das Geleit und die Forderungen ihres Vaters erfüllen würde, aber bei dem Ehemann wich er aus und blieb vage. Die beiden gaben sich darauf die Hand und als Vala zwei Stunden später zum Keller geführt wurde, standen davor zwei große, offene Truhen, aus denen Stoffe in den unterschiedlichsten Farben hervorquollen. Vala lächelte zufrieden und ging dann mit federnden Schritten in den Keller. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss und sie war alleine.

    Allerdings war es diesmal ein völlig anderes Gefühl, als beim ersten Mal. Immerhin musste sie nicht mit dem Zeug von ihrem Vater herum experimentieren, sondern konnte darauf warten, dass Hilfe kam. Vala setzte sich also völlig entspannt auf den Stuhl und überlegte sich, was sie aus den schönen Stoffen, die sie auf den ersten Blick in den Truhen gesehen hatte, alles machen konnte. Und ihr fiel einiges ein, vor allem für die hauchzarten, fast durchsichtigen Stoffe hatte sie schon eine ganz bestimmte Verwendung im Auge. Die Zeit verging diesmal wesentlich schneller, bis – wieder völlig ohne Ankündigung – ‚Hey-Du’ in seinem üblichen Lichtblitz auftauchte.

    „Hallo meine Liebe“, begrüßte er sie. Vala gab ihm die kleine Flasche mit dem Mittelchen von Jacek und er ging zu den Fässern. Kurze Zeit später hing ein säuerlicher Alkoholdunst in der Luft und die kleine Gestalt gesellte sich zu Vala. Wenn sein Kopf Ohren gehabt hätte, hätte Vala geschworen, dass er bis zu diesen grinsen würde, aber auf jeden Fall machte ‚Hey-Du’ einen sehr zufriedenen Eindruck.

    „Wann hast du gesagt, kommt Daniel uns abholen?“, fragte sie ihren Gefährten nach einer weiteren Stunde des Wartens. Der kleine Freund von Daniel war nicht wieder verschwunden, sondern hatte angeboten, mir ihr zu warten und so hatten sie sich bisher die Zeit mit Stein-Papier-Schere vertrieben, wobei Vala auf Dauer gewann, benutzte ‚Hey-Du’ doch immer im gleichen Rhythmus die gleichen Zeichen.

    ‚Hey-Du’ schaut auf Valas Frage hin kurz aus dem hoch gelegenen Fenster und legte den Kopf dann schief.
    „Nach meinen Berechnungen ist es kurz nach Mitternacht. Die Wache hat gerade gewechselt und müsste in ungefähr einer dreiviertel Stunde selig schlummern. Dann sollte Daniel eigentlich hier auftauchen können, ohne dass wir Probleme bekommen.“
    Vala seufzte leise. Langsam ging ihr die Warterei auf die Nerven, aber mit der Aussicht, was ihr als Belohnung winkte, breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie riss sich zusammen.

    Wie von ‚Hey-Du’ vorausgesagt, drehte sich eine dreiviertel Stunde später mit einem leisen Kratzen ein Schlüssel im Schloss und als die Tür aufschwang, huschte Daniel hinein. Vala konnte gerade noch der Versuchung widerstehen, ihm auf den Arm zu springen. Das hob sie sich für später auf.

    Daniel nickte den beiden kurz zu und bedeutete ihnen dann, ihm zu folgen, was sie auch umgehend und möglichst leise taten. Als sie an den Wachen vorbei kamen, lagen diese aneinander gelehnt an der Wand und Vala vermutete zurecht, dass dies nicht nur ein normaler Schlaf war. Diese Vermutung verstärkte sich, als ‚Hey-Du’ bei den Truhen stehen blieb, beide mit seinen Händen berührte und im Licht verschwand. Als Vala wieder sehen konnte, waren er und die beiden Behälter verschwunden.

    Vala hob an zu protestieren, aber Daniel schaffte es früh genug zu ihr zu eilen und ihr den Mund zuzuhalten.
    „Keine Angst“, flüsterte er ihr ins Ohr, „er bringt die Sachen nur zu einem anderen Ort. Aber ohne Fuhrwerk hätten wir das nicht transportieren können. Außerdem sind wir nur mit Pferden schneller. Ist das okay?“
    Vala nickte und genoss den warmen Atem, der über ihre empfindliche Haut am Hals entlang strich. Am liebsten wäre sie jetzt und hier für ewig stehen geblieben, aber auf ihr Nicken hin hatte Daniel seine Hand von ihrem Mund genommen und ihre Hand ergriffen. Zusammen eilten sie jetzt zu den Ställen, wo sie zwei gesattelte Pferde vorfanden. Diese am Zügel hinter sich her führend, verließen sie so leise wie möglich die Burg durch eines der kleineren Tore. Draußen angekommen, half Daniel Vala auf ihr Reittier und als er selber aufgesessen war, trabten sie so schnell wie möglich los.

    Eine Weile ritten sie schweigend und konzentriert nebeneinander her, aber als die Burg hinter ihnen immer kleiner wurde, konnte Vala ihre Neugier nicht mehr zügeln und bombardierte Daniel mit Fragen.

    „Daniel, wer ist eigentlich ‚Hey-Du? Und wieso hilft er uns? Und jetzt mal unter uns, findest du nicht, dass die Flucht zu einfach gewesen ist?“, Vala macht eine kurze Pause um Luft zu holen und fuhr dann fort. „Wo gehen wir jetzt eigentlich hin? Ich würde zu gerne wissen, wie und wo wir wohnen werden? Schloss, Haus oder Gut? Und sag mal, wovon werden wir eigentlich leben? Ach ja, und natürlich das Wichtigste von allem: Wo sind die Truhen abgeblieben?“

    Die und noch mehr prasselte auf Daniel ein, so dass dieser fast schon anfing zu bereuen, die ganze Aktion ausgeführt zu haben. Aber dann sah er Vala in die Augen. Hinter der nach außen zur Schau gestellte Neugier fand er einen warmen Glanz, der so gar nichts mit der anscheinend so berechnenden Frau zu tun hatte, die ihm all diese Fragen gestellt hatte. Er hielt an, stieg ab und half auch Vala von ihrem Pferd.

    Sie befanden sich auf einer kleinen Lichtung mitten im dichtesten Wald und Daniel führte Vala einen kleinen Wildwechsel entlang, der an einem lauschigen kleinen Teich endete. Dort drehte er sich zu ihr und nahm sie in die Arme.

    „Meine liebste Vala – du hast so viele Fragen, von denen ich dir noch nicht alle beantworten kann. Jetzt und hier nur so viel. Wir werden nicht in einer Hütte leben, unser Auskommen ist gesichert und deine Truhen sind genau dort, wo sie hingehören, nämlich in deinen neuen Schlafgemächern in deinem neuen Zuhause. Vertrau mir noch ein bisschen länger und wenn wir unser Ziel erreicht haben, wirst du für alles eine Erklärung bekommen.“
    Sanft vergrub er seine Hand in ihrem Haar und beugte sich zu ihr hinunter, um sie erst vorsichtig tastend und schließlich leidenschaftlich zu küssen.

    Als die beiden sich getrennt und wieder zu Atem gekommen waren fragte Daniel: „Meinst du, du kannst unter diesen mysteriösen Umständen mit mir kommen und meine Frau werden?“
    Vala nickte und antwortete mit vor Vergnügen blitzenden Augen: „Wenn wir das von eben öfter wiederholen, dann bin ich dabei“, und schlang ihre Arme fest um ihn, um mit der Wiederholung anzufangen.

    *****


    Die Tante schwieg und sah in die gespannten Gesichter um sich herum.

    „Wenn dieses Märchen wie alle anderen wäre, dann würde ich jetzt sagen: „Und sie lebten glücklich und zufrieden, bis an ihr Lebensende.“

    „Aber da kommt doch bestimmt noch mehr; wie hat es mit den beiden denn geklappt?“, fragte eine ihrer Nichten.

    „Naja – mit Vala, die auf jeden Fall ihren eigenen Kopf hat, war es für Daniel nicht immer einfach. Aber er hat es gut gemeistert, vor allem als ihr klar wurde, dass er ein waschechter Prinz war, der sogar später König werden sollte, wurde sie so sanft wie ein Lamm – okay, fast so sanft. Außerdem hat Daniel sie immer bei allem beteiligt, man könnte also sagen, die beiden führten eine gute Ehe und regierten das kleine Königreich später sehr gut“, beruhigte die Tante das Mädchen.

    „Und was war mit ‚Hey-Du?“, wollte einer der Jungen wissen.

    „‚Hey-Du’ war ein Magier, der sehr gerne mit Magnesium herumspielte. Wieso er so komisch aussah hat man aber nie genau herausbekommen. Manche munkeln, dass ein Zauberspruch absolut daneben gegangen sein muss, aber niemand hat das laut ausgesprochen. Er hat immer weiter nach einem neuen Namen gesucht, aber es ist nicht genau bekannt, ob er jemals einen neuen gefunden hat. Manche sagen, dass er zuletzt über Thor nachgedacht hat.“

    Einen kurzen Augenblick herrschte Stille, bis die nächste Frage kam. „Und was war mit dem Herzog?“

    „Nerus? Tja – der hatte irgendwie eine Menge Pech, nachdem sein Neffe so urplötzlich verschwunden ist. Als er am Morgen nach Daniels und Valas Flucht – die bis dato noch gar nicht aufgefallen war – in den Keller kam, um die Ergebnisse von Valas „Arbeit“ zu begutachten, hatte keine Ahnung, was noch auf ihn zukommen würde.
    Als ihm der Alkoholgeruch entgegenschlug, rauschte er von absoluter Gier befallen in den Keller, so dass er gar nicht registrierte, dass Vala gar nicht mehr da war. Er nahm eine Probe des ersten Fasses und spukte diese umgehend, mit angewidertem Gesicht aus. Auch die Proben aus den anderen Fässern verursachten diese Reaktion. Wutentbrannt wollte er Vala zur Rechenschaft ziehen, aber sie war und blieb verschwunden. Als ihm dann gemeldet wurde, dass Daniel auch unauffindbar war, fing sein eingerostetes Gehirn langsam an zu arbeiten und er zählte zwei und zwei zusammen. Da saß er nun, mit massenweise Essig, den er in seinem Leben nicht mehr aufbrauchen konnte, selbst, wenn er auf eine Salat-Diät umsteigen würde, was für ihn natürlich gar nicht in Frage kam.
    Er konnte Daniel auch nicht zurückholen, denn dann wären ein paar von den Dingen bekannt geworden, die Nerus so verbockt hatte. Er schickte sich in sein Schicksal und beauftragte Ba’al einen Handel mit Feinschmecker-Essig aufzuziehen. Es dauerte nicht lange, da hatte er sich einen Namen gemacht und als er dann noch Jacek als Vertreter und Starverkäufer mit ins Boot nahm, boomte das Geschäft und er hatte nie wieder Geldsorgen.“

    „Das war eine schöne Geschichte, Tantchen. Vielen Dank. Erzählst du uns morgen wieder eine?“ Fragende Gesichter waren auf die alte Dame gerichtet.

    „Mal sehen, vielleicht fällt mir bis dahin ja noch eine ein, aber jetzt lasst uns einen warmen Kakao trinken und die Plätzchen essen, die ihr gebacken habt.“

    Sofort stürmten die Kinder in die Küche um die Leckereien herbeizuholen und die Tante blieb am Feuer sitzen und strickte weiter.

    Schmunzelnd überlegte sie, welche Geschichte sie den Kindern wohl morgen erzählen würde. Als erstes fiel ihr die Geschichte von Prinzessin Sam auf der Erbse ein oder auch Teal’c und die vierzig Räuber, aber sie hatte ja noch Zeit bis morgen und so lehnte sie sich in ihrem Sessel zurück und wartete geduldig auf ihren Kakao.



    Ende

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