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Thema: The hope never dies - Teil 8

  1. #281
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    claudi, Durnah

    Es freut mich, dass ihr noch dabei seid, denn es ist ja schon eine ganze Weile her, als ich das letzte Kapitel gepostet habe.
    Das nächste poste ich übrigens schon morgen und dann einmal in der Woche, also jeden Sonntag.

    LG Cindy
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  2. #282
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    Kapitel 59

    „Möchten Sie noch etwas?“ Fragend hielt Antario Caldwell die Teekanne entgegen, weshalb Steven kurz auf seine leere Tasse schaute und nickte. „Gerne.“

    Seufzend schob er sich aus dem Sessel und atmete den Duft des aromatischen Tees ein, den Antario ihn gerade in die Tasse kippte. „Eigentlich bin ich kein Teetrinker“, murmelte Caldwell, nahm die volle Tasse und pflanzte sich wieder zurück in den Sessel. Schweigend musterte Antario ihn und lehnte sich zurück.

    „Ich stehe mehr auf Kaffee“, fuhr Steven fort und nippte schlürfend an dem heißen Getränk. „Aber der Tee hier, schmeckt wirklich gut. Was ist das für eine Sorte?“

    „Aleni. Die Pflanze wächst auf den Hochebenen von Junit und wird geerntet, kurz bevor die dritte Jahreszeit beginnt. Ich glaube Sie nennen es Herbst.“

    „In den Hochebenen?“

    „Ja. Eine wirklich schöne Gegend, außer in der vierten Jahreszeit. Dann ist alles unter einer zwei Meter hohen Schneedecke begraben.“ Leicht fröstelte es Antario bei diesem Gedanken. „Mögen Sie Schnee?“

    „Nicht wirklich.“

    „Ich eigentlich auch nicht“, gestand der Junita, wobei Steven ihn überrascht ansah.

    „Und dennoch haben Sie einen Stützpunkt, auf einem Eisplaneten?“

    „Nun, der existiert schon seit meiner Kindheit … und jetzt, da er entdeckt wurde …“

    „Wollen Sie ihn etwa aufgeben?“

    „Ich habe darüber nachgedacht, aber solange wir noch Krieg gegen Kastell führen …“ Leicht schüttelte Antario den Kopf. „Wir brauchen ihn, es wäre leichtsinnig ihn jetzt aufzugeben.“

    „Das haben Sie doch aber getan?“

    „Nur für den Moment. Ein Reparaturteam steht schon bereit und wartet nur darauf losfliegen zu können.“

    Verstehend ließ Steven die Teetasse auf seinem Oberschenkel sinken, wobei er sie mit
    beiden Händen festhielt. „Ich bin zwar kein Fan von Diplomatie, aber habt ihr schon mal versucht, mit den Kastellanern Frieden zu schließen?“ Fast bereute er seine Frage, als er Antarios Blick bemerkte und schellte sich innerlich einen Narren: ‚Sicher werden sie das getan haben, du Idiot!’

    „Schon mehr als einmal“, bestätigte Antario es grimmig. „Wir haben Treffen organisiert, zig Verhandlungen geführt, doch im Endeffekt …“ Frustrierend stieß er die Luft aus seinen Lungen. „Egal welche Vorschläge wir gemacht haben, sie waren mit nichts zufrieden.“

    „Was verlangen die denn?“

    „Junit.“

    Ungläubig weiteten sich Stevens Augen. „Den ganzen Planeten?“

    Seufzend nickte er. „Vor tausenden von Jahren, nannten wir uns Kastelljunit – wir waren ein Volk. Aber mit der Zeit wurde die Bevölkerung zu groß, weshalb man sich nach einem zweiten Planeten umsah … Meine Vorfahren entdeckten Junit und im gegenseitigem Einverständnis teilten wir uns auf.“ In Gedanken versunken, nahm Antario einen tiefen Atemzug. „Sicher gab es hier und da mal ein paar Meinungsverschiedenheiten, doch wir lebten in Frieden – bis Maran, vor hundert Jahren auftauchte.“

    Unwissend wölbte sich Caldwells Stirn. „Maran?“

    „Er war der Meinung, unsere Völker müssten sich wieder vereinen, doch warum sollten wir? Junit war unabhängig, hatte seine eigene Regierung, wir waren zufrieden mit dem was wir hatten. Maran jedoch akzeptierte es nicht. Er betrachtete sich als die „Reinkarnation Asperas“ und hetzte Kastell gegen uns auf.“

    „War er heilig?“

    „Wer?“

    „Dieser Aspera?“

    Fast hätte Antario gelacht. „Nein, er war alles andere als das. Er war brutal, von Gier besessen und unterjochte sein Volk … Er war derjenige, der uns in diese Galaxie führte.“

    Überrascht sah Steven ihn an. „Und Maran, trat in seine Fußstapfen?“

    Bejahend nickte Antario. „Seit hundert Jahren geht das nun so und Kralus führt den Krieg fort. Er ist ebenfalls besessen von der Idee, die Galaxie eines Tages beherrschen zu können.“

    „Aber was ist mit Kastell? Ein hundertjähriger Krieg hinterlässt doch Spuren.“

    Erneut nickte der Junita. „Auf beide Seiten … Kralus jedoch, er ist gewieft und hinterhältig. Er nutzt die Trauer und Schwächen seines Volkes, zu seinem eigenen Vorteil. Jeder der sich gegen ihn auflehnt, wird bestraft. Und obwohl er sein Volk unterdrückt, steht er seltsamerweise nicht alleine da.“

    Ungläubig weiteten sich Stevens Augen. „Wollen Sie etwa damit sagen, es gibt Leute die seine Meinung teilen?“

    „Ja und das sind nicht wenige! … Kralus ist ziemlich redegewandt …“ Anatrios Blick fiel ins Leere. „Fast könnte man meinen, er sei der zweite Aspera.“ Seufzend schüttelte er den Gedanken von sich, als sich Heron plötzlich über Funk meldete:

    „Sir? Wir erfassen acht Schiffe auf den Langstreckensensoren.“

    Schlürfend nippte Antario seinen Tee. „Kastellaner?“

    „Sechs, Sir. Eines davon ist die Daedalus und das andere …?“ Unwissend knabberte Heron auf seiner Unterlippe. „… Ich weiß nicht, Sir. Es ist zwar antikisch, aber … die Sensoren können es nicht identifizieren.“

    Antario hielt in seiner Bewegung inne, schielte auf den Inhalt seiner Tasse, stellte sie auf den Tisch und verließ mit Caldwell das Büro. „Wann erreichen wir sie?“

    „In knapp zwei Stunden, Sir.“

    „Zwei?“ Skeptisch warf Antario ihm einen Blick zu, lief die drei Meter zum Junita, legte seine linke Hand auf Herons Schulter und beugte sich über ihn. Anschließend studierte er nachdenklich die Sensordaten – schluckte und versteifte sich. „Bei Junit, was ist das?“ Antario spürte sämtliche Blicke auf sich, hörte Stühle verschieben und bemerkte, wie seine Leute einen Halbkreis um ihn bildeten, um ebenfalls einen Blick auf die Daten erhaschen zu können.

    „Es ist riesig“, murmelte Heron.

    „Ja, es ist sogar größer als die Maravinia und die Nimeria.“

    Grübelnd biss sich Antario auf die Unterlippe. „Colonel, sagt Ihnen das vielleicht etwas?“

    Verneinend schüttelte Steven den Kopf. Er hatte schon die ganze Zeit versucht die Daten zu lesen, jedoch ohne Erfolg. „Ich kann kein antikisch.“

    Schweigend sah man ihn an, wobei Heron das aussprach, was im Moment wohl jeder dachte: „Wenn dieses Schiff zu Kralus gehört, sind unsere Chancen die Daedalus zu retten, um 50% gesunken.“

    Steven konnte ein Zusammenzucken nicht verhindern. Ihm war durchaus bewusst, was das bedeutete: Nicht nur die Daedalus wäre verloren, sondern Sheppard und die anderen Crewmitglieder ebenfalls. Flüchtig wanderten seine Augen zu Antario und dann auf den Bildschirm, deren Punkte und Linien, ihm wie ein sinnloses Geschnörkel erschien.
    „Gibt es irgendeine Möglichkeit, dieses Schiff sehen zu können?“

    Heron schüttelte den Kopf. „Dafür sind wir zu weit entfernt.“

    „Und wenn man laut den Daten eine Skizze erstellt?“

    „Was soll das bringen? Wir wissen, wie groß es ist.“

    „Schon, aber dann hätten wir eine ungefähre Vorstellung wie es aussieht.“

    Skeptisch wölbte sich Antarios Stirn. „Hegen Sie etwa einen Verdacht?“

    „Nein, ich möchte nur gerne wissen, was mich erwartet.“

    Das war ein Argument, das selbst Antario einleuchtete. Ohne lange zu zögern, befahl er einen seiner Männer, ein Hologramm zu erstellen, was Iliuh sofort in die Tat umsetzte. Zehn Minuten später, flimmerte ein holographisches Schiff auf der Brücke, dessen Umrisse allerdings etwas uneben erschien, wofür Iliuh sich entschuldigte. „Tut mir leid, Sir! Es ist nicht perfekt.“

    Doch Caldwell reichte es. Perplex starrte er mit runter gefallener Kinnlade auf das Schiff und rieb sich blinzelnd die Augen. Sein Gehirn brauchte einen Moment, um zu registrieren, dass das was er vor sich sah, tatsächlich das war, wofür er es hielt. „Verdammt Sheppard, wie machst du das?“

    „Wie bitte?“, fragte Antario, nachdem er sich von dem Hologramm losreißen konnte.

    „Es ist nicht kastellanisch“, murmelte Heron.

    „Nein“, bestätigte Caldwell erleichtert und hätte vor Freude fast gejubelt – stiegen die Chance die Daedalus zu retten, doch gleich um das doppelte. „Es ist lanteanisch.“

    „Was?“

    Steven spürte sämtliche Blicke auf sich, wobei Antarios Blick, ihn förmlich durchbohrte. „Woher wissen Sie das?“

    „Weil ich es schon mal gesehen habe … Es ist die Achilles.“

    Entgeistert starrte jeder der Anwesenden auf das Hologramm, dann zu Caldwell und wieder zurück. Selten fehlten Antario die Worte. Als Oberbefehlshabender Kommandeur und in einem Krieg, der schon fast hundert Jahre andauert, sollte er eigentlich auf jede Situation gefasst sein, doch in diesem Fall …? Schluckend leckte er sich über die trockenen Lippen, musterte das Schiff erneut und wandte sich tief durchatmend, an Caldwell: „Sind Sie sich wirklich sicher?“

    „Absolut.“

    Schwer seufzend, rieb sich Antario übers Kinn und konnte seine Augen nicht von der holographischen Projektion lassen. „Wenn das wirklich die Achilles ist, wie kam sie hierher? Befindet sie sich noch in lanteanischer Hand, oder hat Kralus sie womöglich schon eingenommen?“

    Das Erste, hatte Steven sich auch schon gefragt, doch beim Zweiten, schüttelte er den Kopf. „Das bezweifle ich. Sie werden einen triftigen Grund gehabt haben, hierher zu kommen. Da kann ich mir kaum vorstellen, dass sie sich in Kralus’ Hände begeben.“ Erneut schüttelte er den Kopf. „So dumm werden die nicht sein.“

    „Wollen wir hoffen, dass Sie recht haben, denn wenn Sie sich irren …“ Plötzlich erinnerte Antario sich an etwas, schaute zu Boden und dann zu Caldwell. „Wie stehen Sie eigentlich zu Colonel Sheppard?“

    Verwirrt sah Steven ihn an. „Warum fragen Sie?“

    „Gehen wir in mein Büro.“

    °°°°

    Die Teetasse in der Hand haltend, starrte Antario nachdenklich auf die heiße Flüssigkeit. „Als Colonel genießen Sie doch sicherlich auch einige Vorzüge, nicht wahr?“, murmelte er und gönnte sich schlürfend einen Schluck.

    Immer noch etwas verwirrt, wölbte sich Caldwells Stirn. „Worauf wollen Sie hinaus?“

    „Nun, als Oberbefehlshabender Kommandeur muss ich nicht jedem Rechenschaft ablegen, kann Befehle erteilen, Aufträge ablehnen und Leute, die ich nicht mag, ignorieren oder zusammenstauchen.“

    Nicht sicher, was der Junita damit bezweckte, nickte Steven. „Einiges davon kommt auch mir zugute. Aber was hat das mit Sheppard zu tun?“

    Seufzend stellte Antario die Tasse beiseite. „Ich habe Dr. Weir gesagt, dass ich weiß wer Colonel Sheppard ist, dass er es ist, der in den Geschichtsbüchern steht.“ Langsam beugte er sich nach vorn und legte die Ellenbogen auf den Tisch. „Was ich allerdings nicht weiß, ist, warum Sie sich ihm gegenüber so distanziert verhalten?“ Aufmerksam beobachtete er Caldwell, dessen Gesichtszüge sich leicht verhärteten. „Mir ist ebenfalls aufgefallen, dass die Atlantis-Crew, nicht gut auf Sie zu sprechen ist. Okay, im Grunde genommen geht es mich nichts an und normalerweise hätte ich dieses Thema auch nicht angesprochen, doch jetzt wo die Achilles aufgetaucht ist, frage ich Sie: Wie stehen Sie zu Colonel Sheppard? Gibt es irgendetwas das ich wissen sollte, bevor wir die Daedalus erreichen?“

    Für einen Moment bloßgestellt und nicht wissend, was er darauf antworten sollte, rutschte Steven unwohl im Sessel herum. Doch dann verstand er Antarios Beweggründe. Er würde auch nicht anders reagieren und wissen wollen, woran er ist. „Ich gebe zu, wir haben gewisse Meinungsverschiedenheiten, aber es hat absolut nichts mit Ihnen oder sonst jemanden aus dieser Galaxie zu tun.“

    „Und was ist mit der Achilles? Sie sagten Sie haben sie schon einmal gesehen.“

    „Ich bin nicht der Feind, Commander!“

    „Das habe ich auch nicht behauptet“, entschuldigte Antario sich eine Spur weicher. „Colonel, ich bin für jeden in dieser Flotte verantwortlich und das schließt Sie und Ihre Crew ebenfalls mit ein. Das Letzte was ich möchte ist, auch noch einen Streit mit Lanteaner schlichten zu müssen.“

    „Ich kann Ihnen versichern, dass nichts dergleichen passieren wird.“

    „Gut!“ Erleichtert lehnte Antario sich im Sessel zurück. „Erzählen Sie mir etwas über die Achilles?“

    „Dazu kann ich nicht viel sagen, ich habe das Schiff nie betreten.“

    „Und was ist mit der Crew?“

    „Damals hieß die Kommandantin des Schiffes Vivien Kalver, wer es heute ist weiß ich nicht. Aber ich vermute mal, dass es sich um dieselbe Person handelt.“

    Aufhorchend hob Antario die rechte Hand. „Moment! Reden wir hier etwa über Thoran Kalvers direkte Nachkommen? Über echte Lanteaner?“

    Leicht bildete sich eine Falte auf Caldwells Stirn. „Vivien ist Kalvers Enkelkind. Die Tochter von Talessa und Colonel Sheppard.“

    Zum zweiten Mal innerhalb einer Stunde verschlug es Antario die Sprache, was Steven auf eine Art genoss, auch wenn er sich im Nachhinein fragte, ob das richtig war. „Ich dachte Sie wüssten alles über Colonel Sheppard?“

    „Das wusste ich nicht …“ Nachdenklich rieb er sich übers Gesicht. „Vivien ist seine Tochter?“

    Bejahend nickte Caldwell.

    „Und die Achilles? Ich war immer in der Annahme, dass sie … dass …“ Fassungslos verschränkte er die Hände ineinander und stütze sein Kinn darauf. „Bei Junit … die Besatzung ist 11.000 Jahre alt!“ Tief durchatmend schob er sich aus dem Sessel, lief ein paar Schritte durch den Raum und versuchte die neuen Informationen zu verarbeiten, wobei sein Hirn auf Hochtouren lief, bis er sich anschließend wieder zu Caldwell umdrehte. „Haben Sie Vivien schon einmal persönlich kennengelernt?“

    „Ja! Sie ist ganz wie ihr Vater – stur und dickköpfig.“

    Schmunzelnd konnte Antario sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Also mochten Sie sie nicht?“

    „Wir hatten unsere Differenzen.“ Seufzend stieß Caldwell die Luft aus seinen Lungen. „Ich war froh gewesen, dass sie uns damals geholfen hatte, aber auch erleichtert, als sie wieder weg war – allein schon wegen Sheppard.“

    Verwirrt hob Antario eine Augenbraue.

    „Es war nicht leicht für ihn“, fuhr Steven fort. „Er hatte eine Menge durchgemacht und trotz unserer Differenzen, hege ich große Achtung vor ihm.“ Nachdenklich knabberte er an seiner Unterlippe. „Ich habe selbst eine Tochter und der Gedanke sie nie wieder zu sehen, zu wissen, dass sie schon 11.000 Jahre tot ist, wäre schwer genug. Aber wenn sie dann plötzlich wieder vor einem steht, nur um Tage später wieder zu verschwinden … das ist Horror.“

    Mehrere Atemzüge lang starrte Antario ihn an. Für ihn wäre das der pure Alptraum und er mochte sich nicht vorstellen, wie Sheppard das verkraftete und nun, nun war sie sehr wahrscheinlich wieder da … Schluckend nahm er einen tiefen Atemzug, schüttelte diese Horrorvorstellung von sich und wandte sich nachdenklich an Caldwell. „Haben Sie es Sheppard schon mal gesagt?“

    „Was? Das dass Horror ist?“

    „Nein, dass Sie ihn achten!“

    Verneinend schüttelte er den Kopf. „Das würde nichts bringen.“

    „Wieso?“

    „Weil ich auf seine Tochter geschossen habe und obendrein … noch seine Karriere ruiniert habe“, gestand er frustrierend und spürte Antarios geschockten Blick auf sich. „Das ist auch eines der Gründe, warum mich die Atlantis-Crew nicht besonders mag.“

    Fortsetzung folgt
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  3. Danke sagten:


  4. #283
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    Danke für das neue Kapitel!

    Zitat Zitat von Cindy Beitrag anzeigen
    Kapitel 59
    ... aber habt ihr schon mal versucht, mit den Kastellanern Frieden zu schließen?“... ‚Sicher werden sie das getan haben, ... !’
    Eine Frage, die sich sehr aufdrängt.
    Etwas überraschend fand ich damals, dass die einerseits fortschrittlichen Kastellaner, andererseits autokratisch vom Schurken Kralus regiert werden. Vielleicht werden hier bald einige Leute aufbegehren und zu Junit zu überlaufen.

    Ganz kommt man wohl auch nicht herum, diesen festgefahrenen Konflikt mit realweltlichen zu vergleichen.

    Das spätere, vertrauliche Gespräch zwischen Caldwell und Antario hilft den Lesern gut, die Geschehnisse der Story aufzufrischen.
    Ich habe mich erst dann wieder daran erinnert, dass Caldwell auf Vivien geschossen hatte.
    Geändert von Durnah (12.03.2024 um 14:07 Uhr)
    "Die Zeit macht jede Wahrheit zum Roman."
    aus dem Lied Mayerling von
    Udo Jürgens (Text v. Michael Kunze)

    "Das "Vaterland" ist der Albdruck der Heimat."
    Kurt Tucholsky

  5. Danke sagten:


  6. #284
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    Durnah:

    Danke für dein liebes Feedback.

    Das spätere, vertrauliche Gespräch zwischen Caldwell und Antario hilft den Lesern gut, die Geschehnisse der Story aufzufrischen. Ich habe mich erst dann wieder daran erinnert, dass Caldwell auf Vivien geschossen hatte.
    Jetzt wo du es sagst ... Ich hätte ja eine kleine Zusammenfassung schreiben können.

    Etwas überraschend fand ich damals, dass die einerseits fortschrittlichen Kastellaner, andererseits autokratisch vom Schurken Kralus regiert werden. Vielleicht werden hier bald einige Leute aufbegehren und zu Junit zu überlaufen.
    Als John damals mit Jason in Eleysia war und vor Kralus fliehen mussten, gab es schon ein paar Aufstände.
    Im nächsten Kapitel erfährst du aber mehr darüber.

    LG Cindy
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  7. #285
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    Kapitel 60

    Mit einem ängstlichen Blick und hinter die Konsole kriechend, hockte McKay sich neben Fuller auf den Boden. „Glauben Sie, das hält ihn auf?“

    „Nun ja, wir haben die Tür verriegelt und verrammelt …“ Nachdenklich hielt Martin in seiner Überlegung inne, knabberte an seiner Unterlippe und schüttelte langsam den Kopf, nachdem er zu dem Entschluss kam, dass es wohl nicht reichte. „… Wohl eher nicht. Nicht, wenn er Sprengstoff benutzt.“

    Starr blickte Rodney vor sich hin. „Sie meinen …“ Schluckend drehte er seinen Kopf in Richtung Tür, während sich seine Finger fest um die Beretta klammerten. „Vielleicht sollten wir noch einmal einen Blick auf die internen Sensoren werfen und nachsehen, wo der Kerl steckt?“

    „Colonel Sheppard sagte, wir sollten uns still verhalten.“

    „Bis was passiert? Uns die Tür um die Ohren fliegt?“

    „Wenn’s sein muss, ja!“

    Stöhnend starrte Rodney auf seine Waffe. Die Vorstellung, dass sich jeden Moment so ein
    kastellanischer Rambo durch die Tür sprengt, beharrte ihn gar nicht. „Er ist doch nur eine
    Person! Was kann daran so schwer sein, ihn aufzuhalten?!“

    Leicht wölbte sich Martins Stirn.

    „Ich meine, er ist doch nicht Sheppard oder Ronon, die wild um sich ballernd durch die Gänge jagen!“

    Perplex schoben sich Fullers Augenbrauen in die Höhe. „Hat der Colonel nicht gesagt, dass die Kastellaner für die Explosionen verantwortlich sind?“

    „Schon, aber …“ Unsicher warf Rodney noch einmal einen Blick zur Tür.

    „Aber was?“

    „Er ist nicht Sheppard!“

    „Was meinen Sie damit?“

    „Na ja, ihm würde ich zutrauen alles in die Luft zu jagen, er liebt es, wenn es bumm macht, aber dem Kastellaner? … Wobei …“

    Für eine Sekunde, verschlug es Martin glatt die Sprache – Der Kanadier hatte schon manchmal eine sehr merkwürdige Art und Weise, über seine Freunde zu sprechen.

    „… ich habe noch nicht einen einzigen Schuss gehört!“, stellte Rodney ängstlich fest und warf einen Blick auf seine Uhr. „Oh Gott! Zehn Minuten hat er gesagt und acht sind schon rum!“

    „Der Colonel wird schon noch kommen“, versuchte Martin, ihn zu beruhigen. „Wir kennen ihn. Wenn er sagt, er kommt, dann kommt er. Er hält seine Versprechen.“

    „Ja.“ Stöhnend rieb Rodney sich seine schwitzige Hand am Hosenbein ab. „Das tut er.“ Doch kaum hatte er die Worte über seine Lippen gebracht, erfüllten zwei kurz nacheinander folgende Explosionen, den Korridor und riss die Tür der Technik, buchstäblich aus ihren Angeln.

    °°°°

    Dreißig Meter waren sie nur noch von der Technik entfernt, als John plötzlich die Hand hob und jeder, wie angewurzelt stehen blieb.

    „Sir?“ Fragend sah Matthews seinen CO an, während sich alle anderen schweigend umsahen.

    „Irgendetwas stimmt hier nicht“, murmelte John, mit der P-90 im Anschlag. Langsam drehte er sich im Kreis, scannte die Gegend mit seinem Blick und richtete anschließend sein Augenmerk auf Ronon. „Chewie?“ John hoffte, dass der Satedaner ebenfalls etwas bemerkte.

    Angespannt kniff Dex die Augen zusammen. Sein Gefühl sagte ihm, dass hier etwas nicht stimmte – jedoch konnte er nichts entdecken, was seine Aufmerksamkeit allerdings nicht im Geringsten beeinflusste.
    Schweigend sah man sich untereinander an und nach Teylas Erfahrungen, konnte man sich auf Johns Instinkte, eigentlich immer verlassen. Sein Bauchgefühl ließ ihn selten im Stich, weshalb sie sich auch nicht traute, auch nur einen Schritt weiterzugehen. „John?“

    Erneut scannte Sheppard die nähere Umgebung, als er Evan plötzlich, wie eingefroren da stehen sah. „Sir?“

    „Was ist?“ Stirnrunzelnd bemerkte John, wie Lorne mit einer vorsichtigen Handbewegung auf seine eigenen Füße zeigte, wobei Johns Augen nach unten wanderten und sich schlagartig weiteten. „Oh Mist!“ Für einen Moment hielt er den Atem an. John wusste nicht genau, was das für ein Teil war, wo Evan drauf getreten war, noch wann es hochgehen würde – doch er hatte eine Vermutung, als kleine Staubpartikel um Lornes Hosenbein flimmerten. In Afghanistan hatte er mehr als nur einmal, so ähnliche Dinger in Aktion gesehen und all seine Alarmglocken schrillten, schrien ihn förmlich an das Weite zu suchen, weshalb er blitzschnell eine Entscheidung traf. „Major, nicht bewegen!“

    Schweißperlen bildeten sich auf Lornes Stirn. Wild hämmerte das Harz in seiner Brust und starr blickte er seinen CO an. „Hatte ich nicht vor, Sir.“

    „Gut! … Alle anderen, gehen zwanzig Meter zurück und in Deckung! Vivien, funk die Achilles an, sie sollen Lorne sofort auf die Brücke beamen!“

    „Dafür müsste man aber den Schild senken.“

    Ohne lange zu überlegen, aktivierte John den Funk: „Wilson? Senken Sie auf mein Kommando den Schild! Die Achilles beamt Major Lorne auf die Brücke!“

    Danny musste nicht wissen, warum er den Schild senken sollte. Er hörte die Dringlichkeit in Sheppards Stimme und das reichte ihm – fragen, konnte er später immer noch. „Alles klar, Sir!“

    „Okay … Vivien?“

    „Silas ist bereit.“

    Kurz tauschte er noch einen Blick mit Lorne aus, ging zögerlich zehn Schritte zurück und gab das Zeichen. Nicht eine Sekunde ließ er seinen XO aus den Augen, bis der Beamstrahl ihn erfasste und im gleichen Augenblick, eine Detonation den Korridor erschütterte. John taumelte zurück, als Teile der Decke runterkamen. Instinktiv warf er sich zu Boden und hob schützend die Arme über seinen Kopf. „Wilson?!“ Hustend sah er zu der Stelle, wo sich noch vor ein paar Sekunden, Evan befunden hatte – konnte jedoch vor lauter Staub und Schmutz nichts erkennen. „Wilson?!“ Keuchend versuchte er sich auf die Füße zu schieben, als ein neuer Hustenreiz seine Lunge quälte und ihm die Beine versagten.

    „Der Major steht neben mir, Sir … Unverletzt.“

    „Gott sei Dank!“ Krächzend spuckte er den Staub aus seinem Mund. „Ist der Schild wieder oben?“

    „Ja, Sir.“

    „John?“ Unsicher sah Teyla ihn an, nachdem sich jeder provisorisch von Staub und Schmutz befreite, Ronon ihm eine helfende Hand bot und er sich auf die Füße schob. „Was war das?“ Sie kannte unzählige Waffen, von Granaten, C4 bis hin zu Drohnen, aber das war ihr gänzlich unbekannt.

    „Ich vermute, so ’ne Art Tretmine, nur Laser gesteuert.“ Hustend beugte er sich nach vorne und verfluchte die Staubpartikel, die seine Lunge reizten. Unwissend hob Teyla eine Augenbraue, weshalb er krächzend weiter sprach. „Als Lorne den Strahl unterbrach, wurde sie aktiviert.“

    „Sie ging aber nicht hoch.“

    „Nein, erst wenn er sich bewegt- oder der Strahl die Mine wieder berührt hätte.“

    „So etwas habe ich noch nie gesehen, Sir“, meinte Matthews nachdenklich. „Ist das
    überhaupt antikisch?“

    „Ich vermute mal, kastellanisches Design.“ Grimmig betrachtete John sich die halb zerstörte Wand- und Deckenverkleidung und hob ein Stück verbogenes Metall auf. „Auf jeden Fall wird nicht viel von der Innenausstattung der Daedalus übrig bleiben, wenn das so weiter geht.“ Frustrierend warf er das Stück Metall wieder auf den Boden und nahm vorsichtig einen tiefen Atemzug. „Jeder in Ordnung?“

    Ein allgemeines Nicken war die Antwort, was er beruhigend zur Kenntnis nahm. ‚Wenigstens etwas’, dachte er sich, doch dann zuckte er regelrecht zusammen, als plötzlich McKays panische Stimme und anschließendes P-90 Feuer, durch den Korridor hallte.

    °°°°

    So schnell wie sie konnten, rannten die fünf Atlanter den Korridor entlang. Absolvierten die vierzig Meter bis zur Technik, in wenigen Sekunden und waren gerade im Begriff, durch die gesprengte Tür zu stürmen, als sie wie vom Blitz getroffen, stehen blieben.

    „Colonel Sheppard nehme ich an!“

    Innerlich fluchend presste John die Lippen aufeinander, nachdem er bemerkte, wie der Kastellaner mit gezogener Waffe hinter Fuller stand und ihm diese gegen den Hals drückte. „Kennen wir uns?“

    „Nicht persönlich, aber Ihr Ruf eilt Ihnen voraus.“

    „Auch in dieser Galaxie?“ Ein humorloses Lächeln huschte über Johns Gesicht. „Ich wollte immer schon mal berühmt sein.“

    „Nun, Commander Kralus spricht nur in den höchsten Tönen von Ihnen.“

    „Wie nett.“

    „Ja, er kann es kaum erwarten sich bei Ihnen zu revanchieren.“ Ein gefährliches Glitzern blitzte in Lovos Augen. „Also, wie wäre es, wenn ihr alle eure Waffen auf den Boden legt und Sie Colonel, mit mir auf die Maravinia kommen? Ansonsten, wird Ihr Freund hier in Kürze sehr große Schluckbeschwerden haben!“

    Johns Augen zuckten für einen Moment, als er die Waffe an Martins Kehle betrachtete, doch dann verengten sie sich, nachdem er eine wichtige Person vermisste. „Wo ist McKay?“

    „Sie meinen, das jämmerliche Etwas? Der schläft ’ne Runde!“

    Schnell überflog John den Raum und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf den Kastellaner, nachdem er Rodney nirgends entdecken konnte. „Ihnen ist ja wohl klar, dass Sie hier nicht lebend rauskommen, wenn Sie jetzt abdrücken?“

    Abfällig lachte Lovo. „Ich habe Vorkehrungen getroffen. Oder glauben Sie etwa, diese vier Sprengladungen waren die einzigen, die wir gelegt haben?“ Demonstrativ schaute er runter zu seinem Gürtel und dann zu Sheppard, der den Zünder ebenfalls entdeckte.

    „Dennoch werden Sie dieses Schiff nicht lebend verlassen. Und Ihre Freunde da draußen“, flüchtig deutete John mit der P-90 zur Decke, „werden auch nicht begeistert sein, wenn sie plötzlich das Zeitliche segnen.“ Sheppard bemerkte, wie sich Lovos Stirn leicht wölbte, weshalb er zu dem Entschluss kam, dass dieser Kerl noch nichts, von der Achilles wusste. „Haben Sie schon mal aus dem Fenster gesehen? Wir haben Verstärkung bekommen! … Also, wie wäre es, wenn Sie jetzt Ihre Waffe senken, meinen Lieutenant freilassen und wir vernünftig miteinander reden? Vielleicht, beim Kaffee oder so, kann auch ’n Snack sein. Ich glaube, ich habe sogar noch irgendwo ein paar Energieriegel.“

    Ein plötzliches Stöhnen ließ alle für einen Moment in Richtung Konsole blicken, wobei Lovos Aufmerksamkeit am meisten nachließ und Fuller die Gelegenheit ergriff, sich zu befreien. Blitzschnell rammte er dem Kastellaner den Ellenbogen in die Seite, schlug ihm brutal die Faust gegen die Nase und drehte sich weg. Keuchend blinzelte Lovo den Schmerz von sich und griff mit der linken Hand zum Zünder, bevor Ronon den Blaster auf ihn richtete.

    Binnen eines Augenblickes, erkannte John die Gefahr und schrie: „Warte!“ Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, die ihn niemand zugetraut hätte, sprang John nach vorne, schlug dem Kastellaner den Zünder aus der Hand, rammte ihn gegen die Wand und drückte ihm den Unterarm gegen die Kehle. Überrascht, hielt jeder den Atem an. Ronon jedoch nickte beeindruckt. Er wusste schon immer, dass mehr in seinem Freund steckte, als er zu offenbaren bereit war. Doch dann bemerkte er, dass der Kastellaner immer noch die Waffe in der rechten Hand hielt und diese nun bedrohlich gegen Sheppards Hüfte richtete, als plötzlich ein Schuss fiel.

    Blut und Hirnmasse, spritzte gegen die Wand und wie erstarrt hielt jeder für einen Moment den Atem an. „Oh Gott!“ McKays panische Stimme schrillte hinter der Konsole. „Das, das wollte ich nicht!“

    Ein hässliches Loch befand sich auf Lovos Stirn und Johns Augen weiteten sich. „Rodney, verdammt, was hast du getan?“

    „Ich, ich wollte ihn doch nur aufhalten und habe auf sein Bein gezielt.“

    Ungläubig sah Sheppard ihn an. „Du hast auf sein Bein gezielt?“

    „Nun ja … eigentlich auf den Oberschenkel.“

    Langsam schüttelte John den Kopf und ließ den toten Kastellaner zu Boden gleiten. „Du kriegst keine Waffe mehr in die Hand!“

    Schluckend betrachtete Rodney sich die Beretta. „Du könntest mir ruhig danken“, nuschelte er. „Immerhin habe ich deinen Arsch gerettet.“

    Schnaubend rollte John die Augen und wischte sich angewidert das Blut aus dem Gesicht. „Das würde ich! Hätte sich nicht zufällig mein Kopf, zwei Zentimeter neben dem Einschussloch befunden! Also, steck jetzt die verdammte Waffe weg!“

    „Rodney?“ Eine Frau mit vertrauten, braunen Wuschelhaaren, trat in sein Blickfeld und nahm ihm vorsichtig die Beretta aus der Hand. „Schön Sie wiederzusehen.“

    „Oh, ähm … ja.“ Noch immer stand ihm der Schock ins Gesicht geschrieben. Gott, um ein Haar hätte er fast seinen besten Freund umgebracht.

    „Alles in Ordnung?“

    Blinzelnd schüttelte er den Gedanken von sich, als ihm bewusst wurde, wer vor ihm stand. „Sicher.“

    „Gut …“ Flüchtig warf sie einen Blick rüber zu ihrem Vater, der immer noch dabei war, sich zu säubern, wobei Ronon ihm ein Stück Hirn aus den Haaren schnippte. „Sollen wir dann jetzt zurück zur Brücke gehen und uns überlegen, wie wir den Hyperantrieb wieder flott kriegen, bevor die Kastellaner doch noch auf dumme Gedanken kommen?“

    Seufzend nickte John, bedachte Rodney noch einmal mit einem vielsagenden Blick und
    stiefelte in Begleitung der anderen, aus der Technik.

    °°°°

    „Sir?“ Für einen Moment besorgt, doch dann etwas skeptisch, musterte Wilson die
    blutverschmierte Jacke seines COs. „Alles in Ordnung?“

    „Ja!“ Grimmig zog John seine Jacke aus und pfefferte sie in die Ecke. „Ist nicht mein Blut! McKay hat mal eben jemanden das Gehirn weggeblasen, während ich neben ihm stand!“

    „Er tat was?“

    „Er hatte dem Kastellaner in den Kopf geschossen, anstatt im Oberschenkel“, grunzte Ronon lapidar und wandte sich an Sheppard. „Er braucht unbedingt ein paar Schießübungen.“

    „Das ist das erste, was ich veranlassen werde, wenn wir zurück sind.“

    „Oh bitte!“ Schmollend betrat Rodney die Brücke. „Du hast wohl noch nie daneben geschossen, was?“

    Perplex, dass McKay so etwas überhaupt denken konnte, verengten sich Johns Augen. „Nein!“

    „Oh … schön. Na denn …“ Eingeschnappt verschränkte Rodney die Arme ineinander, „… und wie sollen wir jetzt den Hyperantrieb reparieren? Der Kerl hat die Technik zerschossen!“

    Ungläubig weiteten sich Lornes Augen. „Das hat er?“

    „Ja! Bevor unser Colonel hier ‚Ich-schieße-nie-daneben’ mit seiner Kavallerie eintraf!“

    Seufzend rollte John die Augen, wobei sich Teyla ein Kichern nicht verkneifen konnte.

    „Vielleicht hat Vivien ja ’ne Idee“, meinte Lorne achselzuckend. „Funktioniert hatte der Hyperantrieb ja, nur nicht dauerhaft.“

    „Wie weit wart ihr denn mit der Reparatur?“, fragte Vivien skeptisch.

    „Fast fertig.“

    „Nicht schönreden, Rodney“, murmelte John bissig, worauf McKay schmollend die Lippen verzog.

    „Okay, bis auf ein paar Einstellungen und das Update … vielleicht brauchen wir noch ’ne Stunde oder so.“

    „Hm … könnte man das dann nicht auch, hier von der Brücke aus erledigen?“

    „Eigentlich schon.“ Leicht schoben sich Martins Augenbrauen in die Mitte. „Allerdings müssten wir einiges überprüfen und eventuell neu berechnen.“

    „Wie lange würde das dauern?“

    „Kommt drauf an, Sir … Zwei Stunden oder so.“

    „Solange werden die Kastellaner nie stillhalten“, schnaubte McKay. „Mich wundert es sowieso schon, dass sie es überhaupt tun!“

    „Nun, wir haben die Achilles.“

    „Wenn du meinst!“

    Geistig zählte John bis zehn, atmete tief durch und schloss die Augen. Er kannte Rodney
    zu gut, um nicht zu bemerken, dass dieser etwas zurückhielt, und das war garantiert nicht das Eingeschnappte. „Spucks aus, McKay.“

    „Auch mit der Achilles, können wir nicht gegen sechs Schiffe standhalten. Die Daedalus wäre die erste die zerstört würde!“

    „Okay, das ist nicht das, was ich unbedingt hören wollte."

    „Tut mir leid, wenn ich jetzt deinen ewigen Optimismus angekratzt habe! Aber auch wenn die Achilles vier Schiffe zerstört, bleiben immer noch zwei übrig, die uns den Arsch aufreißen!“

    „Okay, du hast ja recht, trotzdem muss es eine Möglichkeit geben.“ Nachdenklich knabberte John auf seiner Unterlippe, schaute zu Siwan und dann …. „Ich hab’s.“

    „Hab was? Spielen den sterbenden Schwan? Du weißt, das dazu nicht mehr viel fehlt!“

    „Nicht ganz, aber so ungefähr“, antwortete er Rodney und drehte sich zu Vivien. „Das einzige, was wir brauchen ist Zeit, nicht wahr?“

    „Ja.“

    Langsam lief er zum Sichtfenster, rieb sich über seinen Dreitagebart und deutete anschließend mit dem Zeigefinger auf die feindlichen Schiffe. „Was hattest du denen gesagt, damit sie das Feuer auf uns einstellten?“

    „Wer wir sind.“

    „Und sonst?“

    „Das wir sie ins Nirvana blasen, wenn sie es nicht tun.“

    Ein leichtes Lächeln huschte über sein Gesicht. Nun, einer hatte es dennoch versucht und es bereut. Aber John glaubte nicht, dass das der einzige Grund für die momentane Waffenruhe war.

    „Sir?“ Unsicher wölbte sich Matthews Stirn, doch John ging nicht auf ihn ein, sondern wandte sich wieder an seine Tochter: „Wer hat im Moment das Kommando auf der Achilles?“

    „Silas.“

    „Hat er Ahnung von Schildemitter?“

    „Worauf willst du hinaus?“

    „Der Schild der Maravinia ist antikisch, okay eventuell modern, aber dennoch antikisch. Und wenn sich der Hauptrechner der Achilles nicht großartig verändert hat, müsste sie die primäre Schnittstelle des Schildemitters knacken können.“

    „Dafür müsste man aber in den Mainframe der Maravinia.“

    Skeptisch wölbte sich Lornes Stirn. „Moment, wenn das so einfach wäre, warum hat Antario es dann noch nicht versucht?“

    „Er hat nicht das entsprechende Know-how, um die Frequenz knacken zu können. Jedes antikische System hat eine unverwechselbare Signatur – egal wie alt oder neu es ist. Atlantis hat sie erkannt, aufgrund ihres riesigen Datenspeichers und ich vermute mal, die Achilles auch.“

    Leicht nickte Vivien. „Deshalb auch die Waffenruhe.“

    „Ja, Kralus hat Angst, dass wir ihn mit runtergelassenen Hosen erwischen, denn das wird passieren, wenn wir seine Schilde senken.“

    „Warum tun wir es dann nicht?“, brummte Ronon. „Zerstören wir die Flotte.“

    Seufzend stopfte John die Hände in die Hosentaschen, wippte auf den Fersen und schaute mit gespitzten Lippen aus dem Fenster. Kopfschüttelnd verneinte er es. „Ich will eine friedliche Lösung.“

    „Friedlich?“ Ungläubig starrte McKay ihn an. „Bist du übergeschnappt?“

    „Nicht alle Kastellaner sind schlecht“, rechtfertigte John sich. „Als ich auf Eleysia war, hatte ich mitbekommen, wie einige einen Aufstand gegen Kralus planten. Sie sind es leid unter seiner tyrannischen Herrschaft zu leben und wollten seine Diktatur beenden.“

    Fragend wölbte sich Lornes Stirn. „Wieso haben sie es dann noch nicht getan?“

    „Vielleicht war die Zeit noch nicht reif dafür oder sie hatten zu wenige Leute, ich weiß es nicht.“

    „Willst du dich ihnen etwa anschließen und seiner Herrschaft ein Ende setzen?“, fragte Vivien zweifelnd.

    „So ungefähr. Wir senken den Schild der Maravinia, beamen Kralus auf die Daedalus und verhandeln.“

    „Verhandeln?!“ McKays Stimme überschlug sich fast vor Entsetzen. „Ich weiß nicht ob dir das entgangen ist, aber der Kerl hat versucht dich umzubringen! Und nicht nur dich, sondern uns alle!“

    „Stimmt, da ist was dran. Und normalerweise nehme ich diese Dinge sehr persönlich, aber nicht jetzt! Du hast selbst gesagt, dass wir gegen sechs Schiffe nichts ausrichten können!“

    „Mir liegt es nicht zu verhandeln“, knurrte Ronon. „Ich sterbe lieber im Kampf.“

    „Ich sterbe lieber gar nicht“, murmelte McKay.

    „Ich würde auch lieber einen ehrenhaften Tod vorziehen, falls das hier in die Hose geht, aber nicht in dieser Galaxie! Und vergiss nicht unsere Crew, die auf Junit festsitzt und vor allem nicht Atlantis!“

    „Und was tun wir, wenn die Kastellaner nicht darauf eingehen? Wenn sie das Feuer eröffnen?“

    „Dann kämpfen wir!“

    Schnaubend verzog Rodney die Mundwinkel, spürte jedoch im gleichen Atemzug einen eisigen Schauer über den Rücken laufen, nachdem er die Kälte in Johns Stimme nicht überhörte. „Äh … ja, ähm …“ Schluckend huschte sein Blick rüber zu Teyla und dann wieder zu John. Er erinnerte sich daran, was Jason über Sheppards Ausbildung gesagt hatte, dass er eine Ein-Mann-Armee sei, eine Tötungsmaschine, der jemanden mit bloßen
    Händen umbringen konnte.
    Erneut lief Rodney bei diesem Gedanken ein Schauer über den Rücken und er dachte unweigerlich an die Genii-Invasion zurück … Eine Ein-Mann-Armee … Oh ja, das war er in der Tat. Und vielleicht sollte man Kralus mal vor Augen halten, zu was Sheppard alles im Stande war, wenn man ihn in die Enge trieb.

    „Ähm …“ Rodney spürte plötzlich, wie seine Handflächen begangen zu schwitzen – unwohl rieb er sie übers Hosenbein. „… Schön, da gibt es nur ein winzig kleines Problem, mit dem Beamen. Wie willst du ihn erfassen? Er wird ja wohl kaum am Fenster stehen und dir zuwinken.“

    Spitzbübisch grinste John ihn an. „Wir haben sein Blut. Wir analysieren es, filtern die entsprechenden Komponente heraus, ermitteln seine DNA und voilà, beamen ihn an Bord.“

    Rodney konnte nicht umhin, seinen Freund etwas länger als gewöhnlich anzustarren. „Seit wann bist du unter die Genetiker gegangen? Hast du jetzt etwa Ahnung von Molekularbiologie?“

    „Ich nicht. Aber auf der Achilles gibt es sicher jemanden, der das kann.“ Mit hochgeschobener Augenbraue schaute er zu Vivien, die auch sogleich nickte.

    „Montero ist unser Arzt. Er hat Erfahrungen mit DNA, Zellteilung und all dem Zeug.“

    „Okay, funk Monti an.“

    „Klingt wie ein Plan“, grunzte Dex nachdenklich, der am Anfang gar nicht so begeistert über Sheppards Idee war.

    „Ist ein guter Plan“, grinste John selbstbewusst, sah anschließend in die Runde und entdeckte noch ein paar Skeptiker. „Es wird funktionieren, vertraut mir. Ist ein guter Plan.“

    „Ein verrückter Plan“, murmelte McKay, wobei er sich allerdings den Rest, was alles schief gehen konnte, verkniff: wie z.B. das Kralus ja verletzt war. Die Crew eventuell gar nicht glücklich darüber sei, wenn sie ihn entführten. Oder aber, wenn Sheppards Theorie stimmte und die Kastellaner einen Putsch versuchten, nahmen sie die Gelegenheit wahr und sprengten Kralus gleich, mitsamt der Daedalus in die Luft.

    Fortsetzung folgt
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  8. Danke sagten:


  9. #286
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    Hallo alle zusammen!

    Bevor ich nun das nächste Kapitel poste, wollte ich mich noch bei Durnah fürs Danke drücken bedanken.


    Kapitel 61

    „Glaubt ihr das reicht für eine Analyse?“, fragte John zweifelnd, nachdem Matthews den kleinen Behälter über Kralus’ Blutlache schob und ihn anschließend sorgfältig verschloss. „Beckett klaut mir immer zwei, drei Ampullen Blut wenn er es testet.“

    „Was ja auch kein Wunder ist, bei dem was du immer anschleppst“, klang McKays Stimme schnippisch hinter ihm, weshalb sich eine kleine Falte auf Johns Stirn bildete und er sich zu ihm umdrehte.

    „Sooft bin ich gar nicht krank! Wann hatte ich das letzte Mal ’nen Schnupfen, geschweige denn ’ne Grippe?!“

    „Ich rede ja auch nicht von einer normalen Krankheit“, schnaubte Rodney, „sondern von den zig Verletzungen! Oder glaubst du etwa, die Genii desinfizieren ihre Messer und Kugeln, bevor sie die benutzen, oder die Eingeborenen ihre Pfeile? Ganz zu schweigen von den Wraith! Ich möchte nicht wissen, was die alles unter ihren Fingernägeln haben!“

    „Da kann ich nun wirklich nichts zu und außerdem ist es mein Job!“

    „Was? Dir jedes Mal ’ne Kugel einzufangen oder dich abstechen zu lassen, wenn wir auf Missionen sind?“

    Eingeschnappt verschränkte John die Arme ineinander und verzog das Gesicht. „Sooft war das nun auch wieder nicht.“

    „Ach, soll ich dich mal daran erinnern, dass deine Krankenakte dicker ist, als alle
    zusammen? Beckett musste sogar schon einen zweiten Ordner anlegen, weil der erste den Rahmen sprengte!“

    Genervt rollte John die Augen, doch dann stutzte er. „Moment! Du kennst meine Akte?“

    „Ähm … sicher.“ Ertappt druckste Rodney rum. „So ein großes Geheimnis ist die nun auch wieder nicht.“

    Leicht kniff John über diese Bemerkung die Augen zusammen und schaute auf seine Crew, die verstohlen zu Boden guckte, was ihn noch mehr stutzen ließ – kannten sie seine Akte etwa auch? Ungläubig schoben sich seine Augenbrauen in die Mitte – wo war das Patientengeheimnis? Hingen seine Verletzungen etwa am schwarzen Brett? Öffentlich für jedermann lesbar? Schnaubend wölbte sich seine Stirn … Bei McKay hatte er keine Bedenken, dass er sie kannte, der schnüffelte sowieso überall rum, aber die Crew? Nachdenklich spitzte er die Lippen, verweilte so für einen Moment und machte sich eine mentale Notiz, mit Carson demnächst mal ein ernstes Wörtchen zu reden.

    Erneut musterte er seine Leute, die plötzlich ein sehr großes Interesse an ihren Stiefeln zeigten, was John dazu veranlasste McKay schielend von der Seite her anzustarren. „Zumindest bin ich kein Hypochonder und jammere über jeden Splitter.“

    „Die Dinger sind schmerzhaft!“, verteidigte Rodney sich.

    „Klar doch!“

    „Du hast wohl noch nie …“, schnaubend verschränkte der Kanadier die Arme ineinander. „Na klar, mach dich ruhig lustig über mich!“

    Spitzbübisch stopfte John sich die Daumen in die Gesäßtasche. „Würd’ ich nie tun“, und wippte kurz auf seinen Fersen. „Also, können wir nun zu meiner ursprünglichen Frage zurückkommen?“

    Eingeschnappt streckte McKay das Kinn hervor. „Welche? Die mit der Grippe oder dem Schnupfen?“

    „Ob das genug Blut für eine Analyse ist!“

    „Ich glaube, dass wird für eine Analyse reichen, Colonel“, meldete sich Montero plötzlich hüstelnd über Funk, wobei Vivien sich ein Kichern, über Johns verdutzten Gesichtsausdruck nicht verkneifen konnte. Keiner hatte mehr daran gedacht, dass sie noch vor ein paar Minuten die Achilles angefunkt hatte und somit der Kanal noch offen war.

    „Ja, ähm …“ Räuspernd fuhr sich John durchs Haar. „Dann beamen Sie das mal rauf.“ Ehe er sich versah, verschwand der kleine Behälter auch schon in einem Lichtstrahl, als Wilson sich plötzlich meldete:

    „Sir? Ich empfange vier Schiffe auf dem Radar, die sich uns mit Lichtgeschwindigkeit nähern.“

    Aufhorchend schaute er zu Vivien, die sich flüchtig mit Siwan einen Blick austauschte. „Kastellaner?“

    „Negativ, Sir! Sie kommen aus der anderen Richtung. Ich vermute Junita.“

    „Wann sind sie hier?“

    „In knapp anderthalb Stunden, Sir.“

    Leicht wölbte sich seine Stirn, wobei seine Augen erneut zu Vivien huschten – hätte die
    Achilles sie nicht schon längst auf den Sensoren haben müssen? Nachdenklich sah er zu Boden und dann wieder zu seiner Tochter. „Monti, wie lange brauchen Sie für die Analyse?“

    „Das wird etwas dauern.“

    „Wie lange? Dreißig Minuten?“

    „Nehmen Sie das Doppelte.“

    „Was, eine Stunde?“

    „Es braucht seine Zeit, Colonel. So schnell geht das nun auch wieder nicht.“

    Schnaubend kniff John die Lippen zusammen – das war nicht das, was er hören wollte. Gerade mal eine halbe Stunde hätte er, um Kralus auf die Daedalus zu beamen und seinen Plan durchzuführen. „Okay, aber beeilen Sie sich und … geben Sie mir Bescheid, wenn Sie fertig sind.“

    „Mach ich, Colonel.“

    „Vivien?“ John gab seiner Tochter mit einem Wink zu verstehen, dass sie ihm folgen sollte, was sie auch tat. „Warum hast du uns nicht gesagt, dass Antario hierher unterwegs ist?“

    „Wir wussten nicht, dass es Junita sind“, gab sie reumütig zu. „Wir dachten es wären Kastellaner und wollten euch nicht beunruhigen.“

    „Nicht beunruhigen?“ Wütend richtete er seinen Zeigefinger zur Wand. „Vivien, wenn das wirklich Kastellaner wären, hätten wir zehn Schiffe am Arsch!“

    „Ich weiß und wir hätten nichts gegen sie ausrichten können, deshalb fand ich deine Idee auch gut.“

    Für einen Augenblick überrascht, stutzte er. „Das hast du?“

    „Dad? Silas ist schon dabei sich in den Mainframe der Maravinia zu hacken. Allerdings frage ich mich, ob wir nicht lieber warten sollten, bis Antario eintrifft.“

    Kopfschüttelnd verneinte John es. „Du kennst Kralus nicht. Dem traue ich alles zu, sogar eine Kurzschlussreaktion.“

    „Wäre es dann nicht …“

    „Nein …“ Stöhnend schloss John für einen Moment die Augen. „Schau, er kann sich sehr gerne mit uns am Tisch setzen, wenn er möchte. Ich verdanke den Junita und vor allem Antario mein Leben. Gott, wir alle tun es. Aber ich würde mich wesentlich wohler fühlen, Kralus hier zu haben, bevor das der Fall ist und diesmal ohne, dass er seine Waffen auf uns richtet.“

    Verstehend nickte sie, wobei John seine Hand auf ihren Oberarm legte, als ihm plötzlich
    bewusst wurde, dass sich Vivien womöglich mehr in Gefahr befand als er, wenn Kralus
    erfahren würde, wer sie ist.

    „Dad?“

    „Ähm …“ Schluckend leckte er sich über die Lippen. „Gehen wir zurück zu den anderen.“

    Leicht nickte sie, doch dann hielt sie in ihrer Bewegung inne. „Dad, ich … ich muss dir etwas sagen.“

    „Nein, das musst du nicht.“

    „Dad?“

    „Vivien?“ Erneut berührte er ihren Arm. „Schau … es tut mir leid, dass ich mich dir gegenüber so schroff verhalten habe, aber … ich hätte nie gedacht, dich jemals wiederzusehen und … Gott“, stöhnend schaute er zur Decke. „Ich weiß, dass ich dich nicht hier behalten kann, ich wünschte nur … ich wünschte, du würdest diesmal etwas länger bleiben.“ Flehend sah er in ihre Augen und dann zu Boden. „Tut mir leid, dass ich das gesagt habe.“

    Johns Emotionen lagen für einen Moment völlig offen, was Vivien fast das Herz brach. Siwan hatte sie gewarnt, dass es nicht leicht für ihn sein würde, doch ihr blieb keine andere Wahl – sie konnte nicht anders.
    Nachdem sie das Gespräch zwischen Janus und Kalver belauscht hatte, was mit ihrem Vater in der Zukunft passieren würde – eine Zukunft, die durch Janus’ früheres Einmischen verändert wurde – war ihre Mutter am Boden zerstört und Kalver auf 180. Sein Brüllen hallte noch tagelang durch Atlantis und jeder versuchte, wenn es überhaupt möglich war, ihm aus dem Wege zu gehen, weshalb Vivien beschloss, ihren Vater zu helfen.

    „So schnell wirst du mich nicht los, Dad. Atlantis aufzubauen, wird einige Zeit dauern.“

    Kurz schimmerte Hoffnung in seinen Augen, doch dann verschwand sie wieder. „Ja.“

    „Aber das ist nicht das, was ich dir sagen wollte.“ Seufzend knabberte sie auf ihrer Unterlippe, was John nicht entging. Skeptisch wölbte sich seine Stirn, als ihm plötzlich ein entsetzlicher Gedanke kam:

    „Ist etwas mit Talessa?“

    „Nein! Nein, Mom geht’s gut“, hoffte sie zumindest. Nervös betrachtete sie sich ihre Stiefelspitze und nahm einen tiefen Atemzug – warum es noch länger hinauszögern? Den Anfang hatte sie schon gemacht, doch sollte sie ihm alles sagen oder nur das, was ihr im Moment am Wichtigsten erschien? Tief ausatmend gab sie sich schließlich einen Ruck und hoffte, dass er sich genauso freuen würde, wie ihre Mutter. „Du wirst Großvater.“

    Perplex fiel John die Kinnlade runter. „Ich … was?“ Er brauchte einige Sekunden, um das Gehörte zu verarbeiten.

    „Du wirst Großvater.“

    Blinzelnd starrte er sie an, wobei seine Augen langsam zu ihrem Bauch wanderten. „Wie, ähm …“ Schluckend versuchte er den Kloß, welcher sich in seinem Hals gebildet hatte, hinunter zu schlucken. „Wie weit, bist du?“

    „Im dritten Monat.“

    „Im Dritten?“ Räuspernd huschten seine Augen zu ihrem Gesicht, verweilten dort für einen Moment, ehe er sie spontan in seine Arme schloss. „Großvater?“ Flüsternd und mit einem Lächeln in der Stimme, wiederholte er das Wort. Wie sehr hatte er sich gewünscht, dass von ihr zu hören. Grinsend über beide Ohren, hielt er sie fest.

    „Ja.“ Sie war so glücklich darüber, dass Leuchten in seinen Augen zu sehen, bis sich
    plötzlich eine kleine Furche auf seine Stirn bildete.

    „Weiß, äh … Siwan es?“

    Lächelnd nickte sie. „Er freut sich schon riesig auf das Baby.“

    „Ach, tut er, ja?“

    Erneut nickte sie, wobei John seinen rechten Zeigefinger hob. „Entschuldige mich mal für einen Moment.“

    Ehe Vivien sich versah, ließ John sie allein und flitzte zu den anderen zurück, wo er seinen Schwiegersohn am Ärmel packte und ihn außer Hörweite der anderen zog. „Soll ich dir erst eine reinhauen und dann Fragen stellen oder andersrum?“

    Schluckend starrte Siwan ihn an, während sein Gegenüber ihn grimmig und ungeduldig anblitzte. „Ich warte!“

    Hilfesuchend sah Siwan sich um, doch die Atlanter hielten sich respektvoll, wenn auch etwas verwirrt zurück, wobei er sich keinerlei Schuld bewusst war und sich über die trockenen Lippen leckte. „Habe ich etwas … getan?“

    „Vivien ist schwanger!“

    „Oh …“

    „Ja, oh! Du hast wohl völlig den Verstand verloren!“

    „Ähm, wieso? Ich hab’ doch gesagt, wir arbeiten daran.“

    Verdutzt kniff John die Augen zusammen und dachte für eine Sekunde nach. „Ja … das meinte ich aber nicht! Sondern, dass du sie hierher gebracht hast!“

    Wie Schuppen fiel es Siwan plötzlich von den Augen, weshalb er kurz rüber zu Vivien schielte. „Was sollte ich denn tun?“

    „Sie daran hindern!“

    „Ich bin nicht lebensmüde, John! Sie ist deine Tochter und obendrein noch schwanger! Kalver ist schon ausgeflippt und da dachte ich, es wäre besser und wesentlich gesünder sie zu begleiten.“

    „Kalver weiß, dass ihr hier seid?“

    „Spätestens, nachdem wir verschwunden sind.“

    „Ups …“ Siwan tat ihm fast leid. Er kannte den Alten zu genüge und hatte einen Heidenrespekt vor ihm. „Ich möchte nicht in deine Haut stecken, wenn ihr zurückkehrt.“

    Leicht verzog der Junge das Gesicht. „Ich werde mich am äußersten Rand von Atlantis verstecken.“

    „Er wird dich finden.“

    „Ja …“ Sichtlich unwohl in seiner Haut, starrte er vor sich hin. „Sie hat sehr viel auf sich genommen um hierher zu kommen“, murmelte er leise, weshalb Sheppard für einen Moment stutzte. Das war’s also. Er hatte geahnt, dass sie nicht nur wegen Atlantis oder ihrer Schwangerschaft hier war.

    „Hast du die Daten gelesen? … John?“

    Sheppards Blick schweifte rüber zu Vivien, die neben Teyla stand. „Von Atlantis, über die Achilles?“ Siwan nickte, John jedoch ließ seine Tochter nicht aus den Augen.

    „Es ist schon alles passiert, dass meiste zumindest.“

    Kurz wölbte sich Sheppards Stirn und richtete anschließend sein Augenmerk auf Siwan. „Willst du mir etwa sagen, dass sie den Rest verhindern will?“

    „Nein, nicht diesen Rest … Das was in der Datenbank steht, wurde von Kalver geschrieben und ist passiert.“

    „Was dann?“

    „Sie kennt deine Zukunft.“

    Schnaubend stieß John die Luft aus seinen Lungen und schüttelte wütend den Kopf. „Tut mir ein Gefallen, mischt euch da nicht ein!“

    „Aber …“

    „Nein! Haltet euch verdammt noch mal daraus! Janus hatte sie schon einmal verändert, weswegen Talessa fast gestorben wäre und ich habe keine Lust, das bei einem anderen noch einmal zu erleben!“

    „John …“

    „Nein“, zischend presste er die Zähne zusammen. „Ich kenne meine Zukunft!“

    „Kennst du sie wirklich?“

    „Ja!“ John wusste, dass er zum Major degradiert werden würde, ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt wurde und der Trust hinter ihm her war. Er vergaß auch nicht den Leichnam, welcher auf Lantea begraben war und ebenso, die Rotar, die es noch zu bekämpfen galt – also, alles in allem, eine nicht rosige Zukunft. „Also, würdet ihr euch jetzt bitte da raushalten?“ Doch als er Siwans besorgten Blick und die unschlüssige Haltung bemerkte, stutzte er. „Okay, spucks aus, was ist los?“

    „Der Trust ist der Grund, warum wir hier sind.“

    „Was?“ Verwirrt wölbte sich Johns Stirn.

    „Die haben das irgendwie mit dem Virus erfahren.“

    John brauchte einen Moment, bis er begriff, was sein Schwiegersohn meinte. „Wollen die mich deshalb loswerden?“

    „Nur einige … Die eine Hälfte will dich tot sehen und die andere …“ Siwan schluckte, „… als Laborratte verwenden. Sie erhoffen sich von den Ergebnissen, einen Killer-Virus erschaffen zu können.“

    Geschockt starrte John ihn an. Schluckend versuchte er das Gehörte zu verarbeiten, was ihm wie ein Tritt im Magen erschien. „Ist Kalver deshalb ausgeflippt?“

    Unfähig seinen Schwiegervater anzusehen, nickte er. „Nachdem du … du tot warst, ging alles den Bach runter. Die Rotar überrannten Pegasus und anschließend die Milchstraße.“

    Immer noch geschockt, fuhr sich John mit der Hand übers Gesicht und starrte auf den Boden.

    „Du darfst Atlantis niemals verlassen John, denn sobald du die Erde … Der Trust darf dich nicht in seine Hände bekommen und achte, vor allem auf die Kopfgeldjäger.“

    Fluchend kniff Sheppard die Lippen zusammen – jetzt wusste er wenigstens, warum der Trust hinter ihm her war, doch was sollte er tun, wenn er zum Major degradiert wird? Tief durchatmend, schaute er rüber zu seinen Leuten … Jeder einzelne würde für ihn durch die Hölle gehen und andersrum genauso. Aber würde er wollen, dass sie sich für ihn opferten? Gegen einen Feind kämpften, der es im Grunde genommen nur auf ihn abgesehen hatte? Nein! Innerlich schüttelte er den Kopf – noch mehr Opfer konnte er nicht ertragen und wandte sich an Siwan. „Bleibt solange bis Atlantis wieder aufgebaut ist, doch dann haut ihr ab! Egal was danach passieren wird, ist das klar? … Ist das klar?“, wiederholte er grimmig, als er vergeblich auf eine Antwort wartete.

    Seufzend nickte Siwan, warf einen flüchtigen Blick rüber zu Vivien und schob verstohlen die Stiefelspitze über den Boden. „Willst du mir immer noch eine reinhauen?“

    John musterte ihn einen Augenblick – normalerweise sollte er es tun, doch dann entschied er sich anders. „Nicht wenn du mir versprichst auf sie aufzupassen und … meinem Ekelkind ein guter Vater sein wirst.“

    Siwan überhörte nicht den unterdrückten Schmerz in Sheppards Stimme und schluckte. „Das werde ich.“

    John zweifelte nicht eine Sekunde daran und klopfte ihm leicht auf die Schulter. „Geh zu ihr.“ Schwer seufzend sah er seinem Schwiegersohn hinterher und spürte Ronon neben sich, weshalb er etwas unsicher, die Hände in die Hosentaschen schob.

    „Sie werden nicht gehen.“

    „Ich weiß.“ Keuchend presste er die Lippen aufeinander. „Deshalb wirst du mit Teyla auch ein Auge auf sie haben. Sobald es brenzlig wird, schaffst ihr sie beide auf die Achilles und verschwindet.“

    John traf Ronons zusammengekniffene Augen und ahnte, dass der Satedaner absolut nicht davon begeistert war, was er ihm auch sofort grimmig bestätigte. „Vergiss es!“

    „Ronon …“

    „Nein Sheppard, nachdem was ich gehört habe, lass ich dich nicht alleine!“

    „Das wirst du aber müssen, Chewie.“ John sah seinen Freund eindringlich an. „Schau, wenn Vivien oder dem Kind, irgendetwas passiert, werde ich aufhören zu existieren! … Und falls das später in die Hose geht, wenn ich …“ John nahm einen tiefen Atemzug und legte seine rechte Hand auf Ronons Oberarm. Er sah in dem Satedaner mehr als nur einen Freund, er war wie ein Bruder für ihn. „Ronon, ich lege mein Leben in deine Hände. Ich wüsste nicht, wem ich es lieber anvertrauen würde.“

    Fortsetzung folgt
    Geändert von Cindy (28.04.2024 um 17:47 Uhr)
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  10. Danke sagten:


  11. #287
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    Kapitel 62

    Schluckend versuchte Ronon die passenden Worte zu finden. John schickte ihn bewusst mit Teyla auf die Achilles, doch alles in ihm sträubte sich, dies zu tun. Als Krieger hatte er schon oft Freunde gehen und sterben gesehen. Doch niemals hatte er jemanden bewusst alleine gelassen, der seine Hilfe brauchte. Und verdammt, er wusste, dass Sheppard sie demnächst brauchte, wenn sie zurück nach Pegasus flogen. Alleine oder auch nur mit einer Handvoll Atlanter, würde er niemals gegen den Trust gewinnen. Entweder würde er sterben oder wie Siwan so schon formulierte, als Laborratte enden und das war etwas, was er absolut nicht akzeptieren konnte.

    Sheppard war wie ein Bruder für ihn. Er wusste doch, dass er sich auf ihn verlassen konnte, ihm den Rücken deckte, wenn es brenzlig wurde, und jetzt schickte er ihn weg? Wütend mahlten sich seine Kiefer übereinander, als er sich noch einmal Sheppards Worte in Erinnerung rief: „Ich lege mein Leben in deine Hände …“ Ronon war kein Wissenschaftsgenie, keine allzu große Leuchte, aber er war auch kein Idiot. Wie Schuppen fiel es ihm plötzlich von den Augen. Den Atem anhaltend, sah er in das Gesicht seines Freundes, dessen Hand immer noch auf seinem Oberarm ruhte.

    „Sheppard …“ Stockend hielt er in seinem Satz inne, „… du willst dich nicht wirklich dem Trust stellen!“ Johns Zögern, war ihm Antwort genug. „Das ist Wahnsinn!“

    „Ja, vielleicht. Aber ich muss es tun!“

    „Musst du nicht!“

    „Doch Ronon! Ich kann und will mich nicht mein Leben lang in Atlantis verstecken! Jeden Neuzugang kritisch unter die Lupe nehmen, weil er ja dem Trust angehören könnte!“

    „Du kannst denen nicht trauen“, knurrte Dex aufgebracht, wodurch er mittlerweile die Aufmerksamkeit der anderen erregte. Neugierig schauten sie rüber und skeptisch neigte sich Lornes Kopf zur Seite, was John innerlich fluchen ließ.

    „Schau …“, zischte er leise. „ … Im Grunde genommen, kann ich niemanden vertrauen – weder dem IOA, noch dem SGC und schon gar nicht dem Trust. Aber wenn ich denen erklären kann, dass ich das Virus nicht mehr in mir trage, lassen die mich womöglich in Ruhe.“

    Noch bevor John den Satz beendete, wusste er, dass es Wunschdenken war und Ronon ebenso. „Das werden die nicht.“

    „Dann hoffe ich, dass du frühzeitig zurückkehrst, bevor ich dort als Versuchskaninchen oder mit einer Kugel im Kopf ende.“

    Schnaubend fuhr sich Dex durch seine Dreadlocks. „Das gefällt mir nicht, dass du es alleine durchziehen willst.“

    Seufzend nahm John einen tiefen Atemzug – wieso musste der Kerl nur so verdammt stur sein? „Ich bin nicht lebensmüde, Ronon. Ich werde nicht alleine sein, noch nicht einmal in den Staaten.“

    Leicht wölbten sich Dex’ Augenbrauen. „Aber auf der Erde!“

    „Nein.“

    „Wen nimmst du mit? Lorne oder McKay?“

    „Keinen von beiden. Schau, ich hätte dich lieber an meiner Seite, aber … wenn das schief geht, bist du meine Lebensversicherung“, hoffte er zumindest und ebenso hoffte er, dass er seinen Freund etwas besänftigen konnte, zumal dieser ihn, jetzt auch noch mit zusammengekniffenen Augen ansah.

    „Wer wird dich begleiten?“

    John zögerte einen Moment mit der Antwort, denn derjenige den er im Sinn hatte, wusste noch nichts von seinem Glück. „Karim.“

    „Karim?“

    Verstohlen zuckte John die Schultern. „Kannst du dich noch an die Türkei erinnern?“

    „Du meinst das Basislager in den Bergen?“

    John nickte. „Ziemlich abgelegen von der Zivilisation.“

    Grübelnd bejahte Ronon es und studierte seinen Freund etwas genauer. Es gab mehrere Seiten, die Dex an ihm bewunderte. Eine davon waren seine genialen Einfälle, die, wenn auch manchmal etwas unorthodox, ihnen schon mehr als nur einmal das Leben gerettet hatten – doch das jetzt, war eine Seite, die er hasste. „Das gefällt mir trotzdem nicht!“

    „Ich habe keine andere Wahl.“

    „Was ist, wenn Kalver mich und Teyla nicht mehr gehen lässt?“

    John dachte einen Moment nach und konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass er Lust darauf hat, jedes Mal die Inneneinrichtung seines Büros oder der Stadt zu erneuern.“ Doch Ronon fand es nicht lustig, weshalb Johns Gesichtszüge eine Spur ernster wurden. „Kalver ist nicht ohne Grund ausgeflippt, Chewie. Ich verlass mich auf dich.“

    „Sir, stimmt etwas nicht?“, erklang plötzlich Lornes besorgte Stimme neben ihm, weswegen John die Hand von Ronon nahm und sich umdrehte.

    „Nein, alles in Ordnung.“

    Nicht allzu überzeugt, warf Evan Ronon einen Blick zu, der alles andere als zufrieden wirkte. „Sind Sie sicher, Sir?“ Erneut musterte er den Satedaner, wobei sich Johns Augen ein wenig verengten, als Fuller sich plötzlich über Funk meldete:

    „Colonel? Der Hyperantrieb müsste jetzt funktionieren, die Einstellungen sind konfiguriert. Soll ich einen Testlauf starten?“

    John überlegte einen Moment. „Nein, warten Sie, bis Silas den Schildemitter der Maravinia geknackt hat und Monti mit der Analyse fertig ist. Schließlich wollen wir ja nicht, dass die Kastellaner Verdacht schöpfen.“

    „Okay, und was machen wir jetzt solange?“, meinte Wilson, am anderen Ende der Leitung. „Monti braucht noch knapp ’ne Stunde.“

    „Wie wär’s mit essen“, murmelte Holloman, dessen Magen verräterische Töne von sich gab. „Tschuldigung.“

    „Schon gut, Major. Wir können alle einen kleinen Happen vertragen.“ John entging nicht, wie Teyla mit Morgan ein paar Worte wechselte und im Begriff war, zur Kantine zu laufen, worauf sich seine Augen entsetzt weiteten. „Oh, ähm, Teyla?“

    „John, in der Kantine habe ich noch ein paar Zutaten für eine athosianische Suppe gefunden. Ich werde sie schnell zubereiten, bevor …“

    „Du, äh … musst dir nicht die Mühe machen, extra für uns zu kochen!“

    „Das macht mir nichts aus.“

    „Ich weiß, nur …“ Hilfesuchend wanderten seine Augen zu Vivien. „Ihr habt nicht zufällig etwas zu Essen an Bord?“

    Verwirrt über diese Reaktion, neigte sie ihren Kopf leicht zur Seite. Anschließend ließ sie
    ihren Blick über die Crew schweifen und erkannte in ihren Gesichtern, den gleichen flehenden, ja fast panischen Ausdruck, was ihr eine Augenbraue heben ließ. „Ich sage Silas Bescheid, er soll etwas in die Kantine beamen.“

    „Gut.“ Erleichtert atmete er aus. „Siehst du, Teyla. Du musst nichts kochen … sie haben etwas für uns.“

    °°°°

    Die Teams staunten nicht schlecht, als sie die Kantine betraten. Drei nebeneinander gestellte Tische, standen reichlich und fertig gedeckt, im Raum.

    „Ich bin im Schlaraffenland“, schrillte McKay begeistert und stürmte auf den erstbesten gefüllten Teller zu, über den er sich auch sogleich hermachen wollte, als Siwan ihn plötzlich am Ärmel packte und den Kopf schüttelte. „Das ist nicht Ihrer!“

    „Wie?“ Unverständlich und die Gabel in der Hand haltend, schaute er auf den Teller. „Ist das nicht egal, wo ich mich hinsetze? Die sind doch alle gleich!“ Schnell huschte sein Blick über die anderen Teller. „Okay, vielleicht nicht alle, aber ich habe einen sehr starken Stoffwechsel und muss deshalb eine Menge essen!“

    Unbeeindruckt hielt Siwan Rodneys Arm fest, während die anderen sich nach und nach an die Tische setzten.

    „McKay?“ Evan schien zu ahnen, auf wessen Platz der Kanadier saß. „Nehmen Sie sich einen anderen Stuhl.“

    „Uhh …“ Mürrisch und schon fast den Tränen nahe, legte er die Gabel zurück und setzte sich auf den vierten Stuhl, nachdem man ihn die beiden anderen ebenfalls verweigerte. „Das ist nicht fair, schließlich bin ich der schlauste Kopf …“ Schnüffelnd stieg ihm der Duft des gebratenen Fleisches in die Nase. Schluckend und vor sich hin sabbernd, griff er nach seinem Besteck, nahm einen Bissen, wobei sein Gaumen vor Freude hüpfte und schaufelte sich anschließend gierig den Rest in sich hinein.

    John war einer der letzten, der in Begleitung von Ronon und Vivien, die Kantine betrat. Er verspürte keinen allzu großen Appetit, weshalb er wartete bis alle ihren Platz gefunden hatten und setzte sich auf den letzten freien Stuhl, der übrig blieb.

    „Das war ja klar“, nuschelte Rodney mit vollem Mund und erntete von Evan einen Seitenhieb.

    John gab ihm ein halbherziges Lächeln und betrachtete zweifelnd den Teller vor sich. „Wer soll das essen?“ Zugegeben, er konnte ein paar Kalorien gebrauchen, nachdem er einige Pfunde verloren hatte, aber das hier, war einfach lächerlich. „Wollt ihr mich mästen?“

    „Ähm …“ Mit der Gabel herumfuchtelnd, deutete McKay auf Johns Teller, „… kann ich den haben, wenn du ihn nicht willst?“ Erneut erntete er von Evan einen Seitenhieb und zusätzlich von Ronon ein grimmiges Knurren. Eingeschüchtert zuckte er zusammen. „Ich kann auch den Rest nehmen.“

    Schweigend schnitt John sich ein Stück Fleisch ab und kaute lustlos darauf herum, was Vivien mit Sorge betrachtete. „Schmeckt es dir nicht, Dad?“ Teyla hatte ihr anvertraut, dass er schon seit Tagen nichts Vernünftiges mehr gegessen hatte, was sie auf eine Art beunruhigte, denn sie wusste, dass er bei Krankheit oder in extremen Stresssituationen, so gut wie nie etwas anrührte.

    „Doch, es schmeckt gut“, gestand er seufzend und piekste sich eine Kartoffel auf die Gabel. Fünf Minuten später jedoch, schob er den Teller in McKays Richtung, der ihn mit leuchtenden Augen entgegennahm, was alle anderen die Köpfe schütteln ließ.

    Schnaubend legte Matthews sein Besteck zur Seite und beobachtete seinen CO dabei, wie er sich eine Orange aus der Obstschale nahm und sie pellte – Na ja, zumindest aß der Kanadier ihm die nicht weg.

    „Mhm, das war gut.“ Schmatzend griff sich Rodney die Kaffeekanne, während John sich im Stuhl zurücklehnte und in seine Richtung schaute. „Bist du satt?“

    „Ja, ich kann’s kaum glauben, aber so ist es. Jetzt fehlt nur noch der Kaffee.“

    „Den kannst du auf der Brücke trinken“, meinte John und schob sich lässig ein Stück Orange in den Mund.

    „Wie?“

    „Du löst Wilson und Fuller ab. Holloman begleitet dich.“

    „Was, jetzt?“

    Für den Bruchteil einer Sekunde hörte John auf zu kauen. „Ja.“

    „Kann das nicht zwei Minuten warten? Ich hab gerade erst gegessen!“

    „McKay?!“ Knurrend und mit zusammengekniffenen Augen, schob Ronon seinen halbvollen Teller beiseite. „Tu was Sheppard dir sagt!“

    Überrascht sahen ihn alle an, wobei sich Teyla und Lorne, verwirrt einen Blick zuwarfen – irgendetwas stimmte hier nicht, denn das war unüblich für den Satedaner. Fragend schauten sie rüber zu Vivien, die erst Siwan und dann geschockt ihren Vater anstarrte – oh ja, hier stimmte definitiv etwas nicht. „John?“

    Seufzend schob Sheppard sich ein weiteres Stück Orange in den Mund. Auf gar keinen Fall wollte er Teyla jetzt eine Antwort darauf geben, sie würde es demnächst sowieso von Ronon erfahren, weshalb er Rodney einen auffordernden Blick zuwarf, der im Gegensatz zu Holloman, keinerlei Anstalten machte sich vom Stuhl zu erheben. „Würdest du jetzt bitte?“

    „Schön!“ Schnaubend schnappte McKay sich seinen Kaffee. „Gehen wir zur Brücke, Major!“ Doch kaum, dass die beiden die Kantine verlassen hatten, meldete Silas sich über Funk:

    „Colonel Sheppard, Captain? Der Schildemitter ist geknackt und Montero ist mit der Analyse fertig.“

    „Könnt ihr Kralus erfassen?“

    „Ja, Colonel.“

    „Gut, sobald der Schild gesenkt ist, beamen Sie ihn rüber.“

    „Ähm, in die Kantine?“

    „Nein, in die Brigg.“

    Schweigen und ein anschließendes Gemurmel, ließ Vivien leicht die Augenbrauen zusammenziehen. “Silas?“

    „Ähm, wo befindet sich die Brigg?“

    „Oh.“ Verstohlen zuckte sie die Achseln, als sie Johns irritierten Blick bemerkte. „Wir haben
    keinen Plan, von der Daedalus.“

    „Sir, ich werd sie ihm zeigen. Er kann meine Signatur verfolgen“, meinte Lorne und erhob sich von seinem Platz.

    „Gut, nehmen Sie Matthews mit … Silas?“

    „Schon gehört, Colonel.“

    „Wilson?“

    „Sir?“

    „Sobald die Achilles bereit ist, senken Sie den Schild.“

    „Geht klar, Sir!“

    „Sheppard?“ Fragend schaute Ronon ihn an. „Sollten wir nicht auch zur Brigg gehen?“

    Verneinend schüttelte John den Kopf. „Lassen wir ihn etwas schmoren.“ Zwei Minuten später jedoch, schaute er ungeduldig auf die Uhr. „Lorne?“

    „Wir haben ihn, Sir … und er sieht nicht sehr erfreut aus“, antwortete Evan mit einem Schmunzeln, als urplötzlich eine Explosion die Daedalus erschütterte.

    „Was zum Teufel …“, erschrocken stürmte John aus der Kantine. „Wilson, was ist passiert?“

    Danny erbleichte. „Das … das waren wir nicht, Sir!“

    „Was waren wir nicht?“

    „Ein kastellanisches Schiff! Es ist explodiert!“

    Wie vor einer Mauer gelaufen zu sein, blieb John abrupt stehen. „Was?!“

    „Es ist … einfach explodiert.“

    Schluckend versuchte Sheppard den Knoten in seinem Magen zu ignorieren und fasste Vivien am Arm. „Wart ihr das?“

    Erschrocken schüttelte sie den Kopf. Niemand auf der Achilles, würde ohne ihren ausdrücklichen Befehl, die Waffenruhe brechen. Sie wussten alle, wie wichtig diese Mission war. „Silas?“

    „Negativ, Captain. Wir haben nicht einen Schuss abgefeuert!“

    „Wer war es dann?“ Fluchend fuhr sich John durchs Haar.

    „Wem juckst“, brummte Ronon gleichgültig.

    „Mich! Die werden sich nämlich wohl kaum selbst in die Luft gejagt haben“, knurrte John gereizt und setzte seinen Weg zur Brücke fort, als McKay sich in das Gespräch einmischte:

    „Vielleicht doch. Kurz bevor es explodierte, habe ich eine kleine Energiespitze bemerkt, der ich zuerst keine Beachtung schenkte, weil ich damit beschäftigt war, den Hyperantrieb zu überprüfen, den die beiden upgedatet haben. Denn schließlich wollen wir ja nicht, dass er uns um die Ohren fliegt, als mir die Energiespitze wieder einfiel, die …“

    „Rodney?“ Johns Geduld war im Augenblick ziemlich dünn gesät. „Könntest du bitte zur Sache kommen?“

    „Es gab eine Überlastung des ZPMs!“

    Verwirrt stutzte John. „Hätten die das nicht bemerken müssen?“

    „Bin ich Jesus? Woher soll ich das wissen, vielleicht haben die geschlafen!“

    „Rodney?“

    „Ich weiß es nicht!“

    Etwas außer Atem, erreichte Sheppard schließlich mit den anderen im Schlepptau, die Brücke. „Wie ist unser Schildstatus?“

    „100%!“

    „Silas?“

    „Ebenfalls einhundert, Colonel!“

    Erleichtert fiel sein Blick auf das Sichtfenster, anschließend richtete er sein Augenmerk auf Wilson. „Irgendwelche Anzeichen, dass die ihre Waffen laden?“

    „Negativ! Entweder sind die geschockt oder sie wissen wie es passiert ist.“

    „Hoffen wir mal das Letztere.“ Nachdenklich verschränkte er die Arme ineinander und rieb sich übers Kinn.

    „Ich muss dir ja wohl nicht erklären was passiert, wenn die anfangen zu feuern“, quietschte Rodney hysterisch, was John versuchte zu ignorieren.

    „Wilson, stellen Sie mir eine Verbindung mit der Maravinia her und geben Sie mir einen offenen Kanal.“

    Entsetzt riss McKay die Augen auf. „Was hast du vor?“, schrillte seine Stimme, eine Oktave höher.

    „Unseren Arsch retten! Und jetzt halt die Klappe!“

    „Verbindung steht, Sir.“

    Nervös nahm John einen tiefen Atemzug und schloss für ein paar Sekunden die Augen. „Hier spricht Colonel John Sheppard vom Erdenschiff Daedalus. Wir haben Commander Kralus an Bord und würden gerne über einen … Waffenstillstand diskutieren!“

    „Waffenstillstand?“, kam prompt die Antwort.

    „Korrekt! Mit wem spreche ich?“

    „Captain Corel! Stellvertreter von Commander Kralus!“

    „Okay, Captain! Wie Sie sicher wissen, wird Antarios Flotte in Kürze hier eintreffen, also könnt ihr euch überlegen zu kämpfen, was mit runtergelassenen Schilden sicher keine gute Option ist. Oder aber, wir setzen uns alle gemütlich an einem Tisch und verhandeln. Ich persönlich würde das letztere bevorzugen.“

    „Trotz allem, was wir Ihnen angetan haben, Colonel?“

    John konnte das Misstrauen in Corels Stimme nicht überhören. „Ich hege keinen Groll gegen euch, Captain. Ich versuche lediglich meine Leute wieder nach Hause zu bringen, was ich Kralus im Übrigen, immer wieder versucht habe zu erklären.“

    „Das weiß ich, Colonel … doch Kralus hat Sie als einen Feind Kastells erklärt, der mit den Junita sympathisiert.“

    Nicht allzu überrascht, schoben sich Sheppards Augenbrauen in die Höhe. „Hat er das?“

    „Ja! Also, worüber genau sollen wir jetzt verhandeln? Etwa über unsere Kapitulation? Wenn ja, vergessen Sie es!“

    „Nein, nicht darüber, sondern endlich einen sinnlosen Krieg zu beenden, der schon hundert Jahre andauert.“ Schweigen herrschte für ein paar Sekunden in der Leitung, wobei John die Gelegenheit nutzte, um seinen Puls etwas zu beruhigen. Diplomatie war noch nie seine Stärke, weswegen er hoffte, dass er das Richtige tat.

    „Ihr habt eines unserer Schiffe zerstört!“, ertönte es gereizt durch den Äther, deren Stimme John nicht einordnen konnte. Seufzend schloss er die Augen – warum konnte nicht einmal etwas funktionieren?

    „Captain, Sie wissen genauso gut wie ich, dass wir das nicht waren. Allerdings frage ich mich, warum ihr das nicht verhindert habt? Denen müssen die Pegel doch regelrecht um die Ohren gerauscht sein und ihr habt das nicht mitbekommen? Selbst wir haben die Alarmglocken läuten gehört.“

    „Die Denion war ein altes Schiff, Colonel. Man hatte versucht, das Energie Modul abzustoßen, doch es war zu spät“, gab Corel reumütig zu.

    „Ach und das gibt euch das Recht, die Schuld auf uns zu schieben“, maulte Rodney schnippisch, wofür er von John einen warnenden Blick erntete.

    „Konntet ihr wenigstens die Besatzung retten?“, wandte er sich, nicht die Augen von McKay lassend, an Corel und hoffte, dass dieser Rodneys Kommentar ignorierte.

    „Den größten Teil. Sie wurden auf unsere Schiffe gebeamt.“

    „Gut zu wissen … Also setzen wir uns nun an einen Tisch, wenn Antario hier eintrifft? Oder sollen noch mehr Leute einen sinnlosen Tod sterben?“

    „Kralus wird sich nie darauf einlassen.“

    „Das ist mir durchaus bewusst, doch er ist nur eine Person und befindet sich zudem auch noch auf meinem Schiff.“

    „Das mag schon sein, Colonel. Aber er ist eine Person, mit sehr großen Einfluss.“

    Seufzend fasste John sich am Nacken. „Hören Sie Captain, wir hätten kurzen Prozess mit euch machen können, nachdem eure Schilde gefallen sind, aber das liegt mir nicht. Ich möchte das hier lieber im Guten beenden und nicht in einem Massaker. Also überlegt euch genau, was ihr wollt.“

    „Ich kann nicht für alle sprechen, Colonel … Wie lange geben Sie uns Bedenkzeit?“

    John verstand Corels Dilemma. Zwar war er Kralus’ Stellvertreter, jedoch hatte er keinen allzu großen Einfluss auf die anderen Schiffskommandanten. Das musste letztendlich jeder für sich selbst entscheiden. „Wie lange brauchen Sie?“

    „Eine Stunde?“

    „Okay, ich werde Antario die Nachricht überbringen, wenn er hier eintrifft. Sheppard Ende!“ Mit einem Handzeichen, gab er Wilson zu verstehen, dass das Gespräch für ihn beendet war, worauf dieser die Verbindung trennte.

    „Wow, seit wann bist du unter die Diplomaten gegangen“, fragte Vivien höchst beeindruckt.

    Ausatmend legte er seine Hände auf die Hüften und bog stöhnend seinen Rücken durch. „Erinnere mich bloß nicht daran … Das überlass ich lieber Elizabeth.“

    „Sie ist aber nicht hier und du wolltest ja unbedingt verhandeln.“

    „Ja …“ Nachdenklich biss er sich auf die Lippen. „Vielleicht könnten wir ja alle in einen Raum verfrachten und nach Junit fliegen?“ Unsicher warf er einen Blick auf seine Crew und zuckte verstohlen die Schultern. „Wäre doch ’ne Idee wert, huh?“ Doch nachdem er das Kopfschütteln seiner Leute bemerkte, schmollte er – was hatte er sich da nur eingebrockt?

    Fortsetzung folgt
    Geändert von Cindy (12.05.2024 um 11:51 Uhr)
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  12. Danke sagten:


  13. #288
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    Kapitel 63

    „Commander?“ Heron drehte sich in Richtung seines COs, der gerade in Begleitung von Caldwell die Brücke betrat. „Wir verlassen gleich den Hyperraum.“

    Verstehend nickte Antario, pflanzte sich in seinen Stuhl und schaute noch einmal zu Caldwell, welcher sich neben ihm stellte. Eigentlich dachte Antario immer, er wäre ein guter Menschenkenner – konnte das Gute und Schlechte in einem Menschen erkennen, wenn er ihm gegenüberstand; doch bei Caldwell war er sich nicht mehr so sicher. Dieser Mann war ihm ein Rätsel und wenn er genau überlegte, Sheppard ebenso … Welcher Vater würde den Mann, der auf seine Tochter schoss, seine Karriere ruinierte und missbilligend auf seine Crew wirkte, noch an seiner Seite dulden? Hatte Sheppard ein so großes Herz, dass er ihm verzieh? Oder schluckte er alles hinunter und verbarg den Groll solange, bis sie wieder zu Hause waren? Leicht wölbte sich Antarios Stirn. Um das zu wissen, kannte er Sheppard nicht gut genug, allerdings hoffte er, dass das Letztere nicht der Fall war, denn von dem was er wusste und Caldwell ihm erzählte, lasteten jetzt schon zu viele Sorgen und Schuldgefühle auf den Schultern des jungen Colonels. Irgendwann würde er daran zerbrechen oder eine Dummheit begehen, die womöglich nie wieder gutzumachen war. Seufzend linste er in Caldwells Richtung und war froh, nicht in dessen Haut zu stecken, zumal, wie musste er sich fühlen? Nicht respektiert- und missbilligend von den Atlantern angesehen zu werden. Sich in vielerlei Hinsicht schuldig fühlen und darauf zu hoffen, dass man ihm verzieh …

    „Commander?“

    Aus seinen Gedanken gerissen, spürte Antario, wie sie den Hyperraum verließen. Vergessen waren im Moment Sheppards und Caldwells Probleme, denn voller Ehrfurcht starrte er auf das riesige Schiff, was sich vor ihm offenbarte.

    Die holographische Projektion der Achilles war schon beeindruckend gewesen, doch das hier, übertraf alles und jeder der noch in seinem Sitz saß, stand auf um einen Blick auf das legendäre Schiff zu erhaschen, was ihnen regelrecht den Atem raubte.

    Caldwell war ebenfalls beeindruckt, jedoch hatte er für die Achilles nur einen flüchtigen Blick übrig, denn seine ganze Aufmerksamkeit galt der Daedalus. Schnell überflogen seine Augen das Schiff und erleichtert stellte er fest, dass er äußerlich keine Schäden erkennen konnte; doch dann stockte ihm der Atem, als er die fünf feindlichen Schiffe entdeckte. „Commander?!“

    Antario hatte sie ebenfalls bemerkt. Im Gegensatz zu Caldwell jedoch, schien er relativ
    ruhig – äußerlich zumindest. „Waffenstatus?“

    Schnell überprüfte Heron die Daten. „Negativ, Sir! Sie haben ihre Waffen nicht geladen. Aber …“ Blinzelnd starrte er auf das Display. Er war sich sicher gewesen, dass die Langstreckensensoren vor zwei Stunden, noch sechs kastellanische Kriegsschiffe anzeigten – doch jetzt, sah er nur fünf. „Sir?“, verwirrt wandte er sich an Antario. „Da draußen, befinden sich nur noch fünf kastellanische Schiffe!“

    „Sind Sie sicher?“

    „Ja, Sir!“

    „Vielleicht wurde es zerstört?“, spekulierte Steven, der sich echt Sorgen um seine Daedalus machte.

    Grübelnd überprüfte Antario noch einmal die Daten, warf einen Blick nach draußen und entdeckte jede Menge Trümmer. „Scannen Sie die!“

    „Eindeutig kastellanisch, Sir!“

    „Okay, stellen Sie eine Verbindung mit der Saragota her!“ Seufzend setzte sich Antario wieder hin. Wer dieses Schiff nun letztendlich zerstört hatte, konnte er nun auch nicht mehr feststellen und im Grunde genommen, war es ihm auch egal.

    „Verbindung steht, Sir!“

    „Lorell hier Antario! Empfangt Ihr die gleichen Sensordaten wie wir?“

    „Wenn Sie die Maravinia mit heruntergelassenen Schilden meinen … ja, Sir! Ich hatte es erst für eine Fehlfunktion gehalten Commander, doch die Sensoren sind in Ordnung …“

    „Was?“ Abrupt sprang Antario vom Stuhl und war mit drei Schritten bei Heron, um sich selbst davon zu überzeugen. „Sir, er… er hat recht, die Maravinia … ihre Schilde sind unten ...“ Skeptisch wölbte sich Antarios Stirn, wobei er unsicher einen Blick zu seinem Stellvertreter warf. „Taron?“

    Unwissend zuckte dieser die Schultern – er konnte sich das auch nicht erklären. Kralus würde niemals die Schilde senken, zumindest nicht in solch einer Situation und erst recht nicht, wenn er wusste, dass sie auftauchten. „Könnte es sein, dass die Daedalus oder die Achilles sie beschädigt hat?“

    Nachdenklich rieb sich Antario übers Kinn. „Möglich wär’s …“ Tief einatmend lief er zum Sichtfenster und betrachtete sich das kastellanische Schiff etwas genauer, konnte aber äußerlich keine Kampfspuren erkennen. „Was ist mit den anderen?“

    „Sie haben ihre Schilde oben.“

    „Also nur die Maravinia?“

    „Korrekt, Sir. Soll ich eine Funkverbindung mit der Achilles herstellen?“

    Für einen Moment war Antario gewillt dem zuzustimmen, doch dann überlegte er es sich anders. „Nein, stellen Sie eine mit der Daedalus her und benachrichtigen Sie die Flotte, dass sie auf der Hut sein sollen … Aber sie sollen nicht feuern. Nicht ohne meinen ausdrücklichen Befehl.“

    „Aye, Sir!“

    Eine Minute später stand die Verbindung und angespannt schaute jeder auf ihren CO, der die Augen nicht von der Achilles lassen konnte. „Sir?“

    Seufzend nickte Antario und warf Caldwell kurz einen Blick zu, ehe er den Funkknopf bediente: „Daedalus? Hier spricht Commander Antario vom Kriegsschiff Nimeria! Bitte antworten!“

    „Commander? Hier Colonel Sheppard! Schön, dass ihr mal vorbeischaut!“

    Verdutzt über diese Art von Antwort, zeichnete sich ein kleines Schmunzeln auf Antarios Lippen. „Nichts für ungut, Colonel. Das haben wir gerne gemacht. Geht’s euch allen gut?“

    „Ja, Sir … den Umständen entsprechend.“

    „Den Umständen entsprechend?“ Besorgt wölbte sich Antarios Stirn. „Was meinen Sie damit?“

    „Nun, ihr habt euch verdammt viel Zeit gelassen, um hierher zu kommen.“

    Schnaubend rollte Steven die Augen, wofür Antario nur ein müdes Lächeln übrig hatte. „Tut mir leid, Colonel, es ging nicht schneller. Sobald wir den Notruf erhielten, sind wir losgeflogen.“

    „Also konnte Jason euch erreichen?“

    „Korrekt.“

    „Befindet er sich an Bord?“

    „Negativ! Dafür aber Colonel Caldwell, der es im Übrigen kaum erwarten kann, sein Schiff zu betreten.“

    „Oh … ähm …“ Schnell schaute John rüber zu Vivien, der allein schon bei Caldwells Namen, die Galle hochkam. „Sie können ihn nicht noch etwas hinhalten … Sir?“

    Verdutzt hoben sich Antarios Brauen, wobei sich Caldwells Augen weiteten.
    „Sheppard?“

    Fluchend biss John sich auf die Lippen. Er hätte wissen müssen, dass dies ein offener Kanal war. „Ja, Sir?“

    „Was haben Sie mit meinem Schiff gemacht?“

    „Ich? … Nichts, Sir! Ich, äh, wollte lediglich ein paar Gäste auf Ihre Ankunft vorbereiten.“

    „Sie meinen nicht zufällig, die Crew der Achilles?“ Sheppards Schweigen, war ihm Antwort genug. „Senken Sie den Schild, wir kommen rüber!“

    Seufzend nickte John Wilson zu, der dies sofort umsetzte.

    °°°°

    „Ähm, Commander?“ Nervös rutschte Heron auf dem Stuhl herum. Er war noch nie besonders mutig gewesen und erst recht kein Draufgänger, wie so manch einer von der Flotte; doch seit er die Atlanter kennengelernt hatte, schien sich sein Leben im positiven Sinne, verändert zu haben.
    Am Anfang fand er den Dienst bei der Flotte langweilig, nie war etwas passiert auf dem Stützpunkt, aber jetzt? Jetzt hatte er Sheppard kennengelernt, Geschichten über ihn und die heldenhaften Taten seiner Crew gehört und teilweise sogar miterlebt. Es gab nicht einen Tag, an dem nichts passierte, jede Minute war aufregend, selbst jetzt – und mal ehrlich, wann bekam er die Gelegenheit, die Crew der Achilles kennenzulernen?
    Allen Mut zusammennehmend, sah er seinen Commander direkt in die Augen. „Dürfte ich mit?“

    „Wir gehen nicht auf die Achilles.“

    „Ich weiß, nur … ich würde gerne mit, Sir.“

    Leicht neigte Antario seinen Kopf zur Seite, studierte den jungen Soldaten für einige Sekunden, bis er schließlich nickte. „Na schön, aber keine Mätzchen machen, klar?“

    „Ja, Sir! Ähm, nein Sir!“

    „Taron? Sie haben das Kommando.“

    Kurz darauf befanden sich die drei, mit ein paar Marines, auch schon auf der Brücke der Daedalus, wo sie eine ziemlich angeschlagene Crew empfing.

    „Willkommen auf der Daedalus“, begrüßte John sie müde.

    Weder Antario noch Caldwell hatten erwartet die Atlanter in einem tadellosen Zustand vorzufinden, doch das was sie sahen, verschlug ihnen für einen Moment glatt die Sprache. Völlig erschöpfte Männer, mit teilweise zerrissener und mit Blut und Dreck verschmutzter Kleidung, standen ihnen gegenüber.

    „Colonel?“ Caldwell brauchte eine Weile um zu registrieren, dass das tatsächlich Sheppard war, der vor ihm stand. Dunkle Augenränder zierten Johns müdes und eingefallenes Gesicht, wobei er sich fragte, wie dieser Mann, geschweige denn alle anderen, sich überhaupt noch auf den Beinen halten konnten.

    Fassungslos schweifte Antarios Blick ebenfalls über die Runde und fragte sich genau das gleiche, als seine Augen einen dunkelhaarigen Mann, sowie eine Frau mit schulterlangen, dunkel gewelltem Haar entdeckten. Der Mann sagte ihm gar nichts, außer, dass er eine antikische Kleidung trug. Die Frau jedoch …? Schlagartig erhöhte sich sein Puls – die Ähnlichkeit mit Sheppard war verblüffend. Zögernd ging Antario einen Schritt auf sie zu, wobei er seine Unruhe kaum verbergen konnte – Kalvers Enkelkind stand leibhaftig vor ihm.

    „Sie müssen die Kommandantin, der Achilles sein“, meinte er mit einem Hauch Bewunderung. „Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen“, und reichte Vivien die Hand, welche sie freundlich entgegennahm.

    „Nicht Kommandantin, nur Captain. Das Privileg eines Commanders steht mir nicht zu ... noch nicht.“

    Überrascht schaute John sie an, während Caldwell stutzte – war das nicht ein und dasselbe? John schien Stevens Frage zu ahnen, weshalb er beschloss, ihn aufzuklären. „Bei den Antikern, steht der Captain einen Rang unter dem Commander.“

    Nachdenklich wölbte sich Caldwells Stirn – wurde sie etwa degradiert? Denn soweit er sich erinnern konnte, war sie letztens noch Commander. Verschmitzt spitze er die Lippen – Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

    Im Gegensatz zu Caldwell, war es Antario egal, welchen Rang sie inne hatte und hob leicht seine Augenbrauen. „Nun, Sie befehlen ein mächtiges Schiff und das über … einen sehr langen Zeitraum, wenn ich hinzufügen darf.“

    „Zeit auf der Achilles, ist manchmal relativ, Commander.“

    „Wohl wahr.“ Erneut musterte er die Frau vor sich. „Verzeihen Sie meine Neugier, Captain.
    Aber meine Leute und ich brennen auf eine Antwort. Darf ich fragen, was Sie in unsere bescheidene Gegend führt?“ Eine Million Möglichkeiten gingen ihm durch den Kopf, doch nur eine einzige klang für ihn plausibel.

    „Atlantis.“

    „Wie? Nicht Ihr Vater?“, fragte Steven verblüfft mit einem Hauch Sarkasmus. „Steht er diesmal nicht unter der Gunst von Kalver?“

    „Sir!“ Warnend warf John ihm einen Blick zu, doch als er Viviens Augen blitzen sah und Heron „Kalver“ nuscheln hörte, wusste er, dass es zu spät war.

    Giftig fauchte Vivien Steven an: „Haben Sie nicht schon genug Schaden angerichtet, Caldwell?“

    Antario konnte die Feindseligkeit in ihrer Stimme nicht überhören, wobei John stöhnend den Kopf schüttelte. Er hatte sich schon gefragt, wann die beiden aneinander geraten würden, denn bisher war Vivien die Ruhe selbst und das war etwas unüblich für sie. Allerdings hatte er gehofft, dass dies zu einem späteren Zeitpunkt passieren würde und nicht schon nach fünf Minuten. Flüchtig sah er rüber zu Heron, der ihn und Vivien, mit weit aufgerissenen Augen anstarrte.

    „Der Commander weiß über alles Bescheid, Miss Kalver“, entgegnete Steven missbilligend.

    „Wie? Über alles?“

    „Ich habe ihn aufgeklärt!“

    „Ach? Die Crew etwa auch?“

    Unsicher wanderten Stevens Augen zu Heron, der die beiden immer noch entgeistert anstarrte.

    Der junge Junita wusste zwar, dass Sheppard derjenige war, der in den Geschichtsbüchern stand, jedoch nicht, dass Vivien seine Tochter war und obendrein auch noch mit Nachnamen Kalver hieß, was unterm Strich nur bedeuten konnte, dass die gesamte Crew der Achilles 11.000 Jahre alt war.

    Schluckend starrte er von einer Legende zur anderen. „Das wird mir zu Hause niemand glauben“, murmelte er. „Wie ist das möglich?“

    „Heron?“ Sanft legte Antario ihm eine Hand auf die Schulter. „Vorläufig kein Wort darüber verlieren, klar?“

    „Sir, die … die …“

    „Heron?“

    „Ja, Sir.“

    Beruhigt, dass der Junita seinen Befehl befolgte, wandte er sich an Vivien: „Captain, meine
    Crew weiß es nicht. Colonel Caldwell hat es mir erst vor kurzem anvertraut. Aber ich kann
    Ihnen versichern, dass euer Geheimnis bei mir sicher ist.“

    Erleichtert das zu hören, drehte Caldwell sich in Sheppards Richtung, dessen Aussehen ihn immer noch erschreckte. Mental machte er sich eine Notiz ihn später zu fragen, wann er das letzte Mal geschlafen hatte. „Colonel, wie ist der Status des Schiffes?“

    „Alles funktioniert soweit, Sir. Sogar der Hyperantrieb.“

    Erstaunt über diese Nachricht, hielt Steven für einen Moment den Atem an. „Und warum seid ihr dann noch hier?“

    „Weil wir nicht weg können, Sir. Wir stehen in Verhandlungen mit den Kastellanern und …“ Für eine Sekunde überlegte John, ob er ihnen sagen sollte, dass er Kralus in seinem Gewahrsam hatte, jedoch verwarf er den Gedanken wieder – zuerst wollte er Antarios Reaktion sehen, die nicht lange auf sich warten ließ.

    Hellhörig spitzte der Commander die Ohren. „Ihr tut was?“

    „Wir beenden den Krieg. Na ja, zumindest versuchen wir es.“

    Caldwell wollte nicht glauben, was er da hörte – hatte Sheppard etwa den Verstand verloren? „Das soll jetzt ’n Witz sein, ja?“

    „Sir, ich weiß, dass die Kastellaner Kriegsmüde sind. Sie wollen nicht mehr unter Kralus’ Tyrannei leben. Und jetzt, da die Schilde der Maravinia unten sind, haben wir die Möglichkeit diesen Wahnsinn ein für allemal zu beenden.“

    „Wahnsinn! Das ist genau das Wort, Sheppard! Kralus wird sich niemals darauf einlassen! Sobald die Schilde wieder oben sind, wird er den Befehl zum Angriff geben!“

    „Das wird definitiv nicht passieren, Sir! Denn Kralus ist …“ Kurz überlegte John, wie er den Kastellaner bezeichnen sollte – als Gast oder Gefangener? Persönlich würde er ihn ja als Gefangenen bezeichnen, nach allem was er ihm und seiner Crew angetan hatte, jedoch entschloss er sich erstmal für das andere Wort. „… er ist unser Gast.“

    „Wie?“

    „Er befindet sich in der Brigg.“

    Perplex fiel Antario die Kinnlade runter. „Ihr habt ihn eingesperrt?“

    „Uh huh.“

    „Zeigen Sie ihn mir!“

    °°°°

    Der Weg zur Brigg, dauerte nur fünfzehn Minuten, doch in diesen fünfzehn Minuten, wünschte John sich nicht nur einmal, dass Caldwell lieber bei Marks und den anderen Marines der Daedalus, auf der Brücke geblieben wäre, anstatt sie zu begleiten. Jedes mal hatte er etwas zu bemängeln: Sei es, ob es Kisten waren, die noch von der Evakuierung wahllos herumstanden oder ein völlig verdreckter Fußboden.

    „Wieso habt ihr das alles durch die Gegend geworfen?“

    Innerlich rollte John die Augen – als ob er für den ganzen Mist verantwortlich wäre. Am liebsten würde er ihn, dass mit dem B-Deck und Cadman zeigen, doch das hielt er lieber für später auf. „Sir, als wir die Daedalus betraten, sah es hier schon so aus.“

    Schnaubend warf Steven ihm einen giftigen Blick zu, was für Vivien ein gefundenes Fressen war. „Haben Sie etwa die ganze Zeit während der Evakuierung nur auf der Brücke gehockt, dass Sie nicht wissen, was Ihre eigenen Leute getrieben haben?“, fauchte sie um ihren Vater zu verteidigen, worauf Caldwell nichts sagte, sondern grimmig weiterlief. Doch als sie den Weg in Richtung Hilfstechnik einschlugen, stutzte John.

    „Ähm, Sir? Zur Brigg geht es dort entlang.“

    „Das weiß ich! Ich möchte nur einen kurzen Blick in die Technik werfen!“

    ‚Oh, Scheiße’ Schluckend folgte John und kurz darauf blieb Caldwell wie angewurzelt
    stehen: Riesige Löcher klafften an den Wänden, ließen unzählige, Funken sprühende Kabel hin und herbaumeln und die Deckenverkleidung, lag zerstört auf dem Boden herum.

    „Sheppard! Was zum Teufel haben Sie mit meinem Schiff gemacht?“

    „Sir …“

    „Das war nicht Sheppard“, knurrte Ronon grimmig, dem Caldwells Anschuldigungen mittlerweile gehörig auf den Nerv gingen.

    „Wer dann? Das sieht ja aus, als ob hier ’ne Bombe eingeschlagen wäre!“

    Mit einem vielsagenden Blick starrte John ihn an. „Colonel, das war ’ne Bombe und nicht nur eine.“ Anschließend hob er ein kleines Stück Metall auf und fuhr mit den Daumen über die glatte Oberfläche. „Die Kastellaner hatten etwas dagegen, dass wir mit der Daedalus abhauen.“ Schwer seufzend schweiften seine Augen über die Zerstörung, wobei er das Metall wieder zu Boden fallen ließ. „Ich finde, es ist aber halb so wild, Sir. Ein bisschen aufräumen, 'n kurzer Anstrich und es sieht wieder aus wie neu.“

    Steven quollen fast die Augen aus den Höhlen. „Wollen Sie mich verarschen? Die Schäden sind riesig!“

    „Nun …“, verstohlen zuckte John die Schultern, „… im Gegensatz zu Atlantis, fliegt sie ja noch.“

    Wie ein Fisch auf dem Trockenen, schnappte Steven nach Luft. Doch bevor er Sheppard zusammenstauchen konnte, mischte Vivien sich ein. „Jetzt regen Sie sich mal nicht so auf, Caldwell! Mein Vater hat vollkommen recht! Dieser Schaden ist schnell behoben, im Gegensatz zu den, den Sie bei ihm angerichtet haben!“

    „Ähm Leute?“ Rodney hob beschwichtigend die Hände. „Sollten wir nicht lieber erst Kralus einen Besuch abstatten, bevor ihr euch gegenseitig die Köpfe einschlagt?“

    Wütend warf Caldwell erst ihm und dann Vivien einen grimmigen Blick zu, ehe er tief durchatmend Sheppard anstarrte und anschließend mit Antario, der sich seinen Teil dachte, den Weg zur Brigg einschlug.

    Seufzend sah John ihnen hinterher, als er McKays Gegenwart neben sich spürte. „Danke fürs schlichten.“

    „Kann es sein, dass er immer noch einen brass auf dich hat? Ich meine, du hättest allen Grund dazu aber er?“

    „Wieso ist der überhaupt hier? Konnte er nicht in Junit bleiben“, grunzte Ronon.

    „Es ist sein Schiff.“

    „Sein Schiff?“ Wütend stemmte Vivien die Arme in die Hüften. „Dann sollte er euch lieber danken, anstatt sich künstlich über ein paar Löcher aufzuregen, die man reparieren kann!“

    „Ja, vielleicht sollte er das“, knurrte John und trat voller Frust gegen die Wand, was Rodney besorgt zusammenzucken ließ.

    „Wenn du noch mehr kaputt machst, reißt Caldwell dir wirklich noch den Kopf ab.“

    Schnaubend mahlten sich Johns Kiefer übereinander. „Und wenn schon, noch schlimmer kann’s nicht werden.“

    „Oh, vergiss das B-Deck nicht! Nur gut, dass Matthews Fotos gemacht hat!“

    Fortsetzung folgt
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  14. Danke sagten:


  15. #289
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    Kapitel 64

    „Colonel?“ Lorne, der mit Morgan und Matthews vor der Brigg Wache schob, begrüßte den CO der Daedalus. „Willkommen an Bord! … Commander?“ Nickend begrüßte er Antario ebenfalls, was die beiden erwiderten.

    „Ist er da drin?“ Steven brauchte den Namen nicht zu nennen, denn es gab nur einen Gefangenen. „Ja, Sir! Und er sieht nicht sehr erfreut aus.“

    „Verständlich! Hat er denn schon irgendetwas gesagt?“ Hämisch spitzte Caldwell die Lippen, während Antario neugierig seinen Gegner musterte, der auf der Pritsche saß und ihn giftig anstarrte.

    „Oh, 'ne ganze Menge, Sir! Das wir ihn freilassen müssten. Das seine Flotte uns vernichten wird ... Das übliche halt! Im Grunde genommen, wünscht er uns zum Teufel! … Ach ja, und dass Antarios Flotte uns eh nicht beschützen kann und er mit seinem schleimigen Gesülze, sowieso nur die Achilles will!“ Entschuldigend warf er Antario einen Blick zu. „Seine Worte, Sir, nicht meine.“

    „Schon gut.“ Unbeeindruckt hob Antario die Hand. Das Kralus sich so aufführen würde, war nicht anders zu erwarten. Selbst jetzt in einer Zelle, versprühte er sein Gift und versuchte andere einzuschüchtern.
    Nachdenklich lief Antario ein paar Schritte durch den Raum, blieb kurz stehen und nagte an seiner Unterlippe. „Nie hätte ich gedacht, Sie in einer Zelle sitzen zu sehen“, meinte er lapidar und lief anschließend ein paar Schritte weiter, worauf Kralus ihm die Pest am Hals wünschte.

    „Meine Flotte wird sich niemals ergeben!“

    Leicht hob sich Antarios rechte Augenbraue. „Sie haben eine Niederlage erlitten. Die Schilde der Maravinia sind unten und das schon, seitdem Sie sich hier auf der Brigg befinden. Was glauben Sie wohl, wie lange sie einem Beschuss standhalten kann?“

    Uneinsichtig kniff Kralus die Augen zusammen. „Corel wird einen Weg finden, sie wieder online zu kriegen!“

    Tief Luft holend, schüttelte Antario den Kopf. „Wollen Sie wirklich, das Leben all Ihrer Leute riskieren? Ein Schiff haben Sie schon verloren!“

    „Zwei“, korrigierte Rodney ihn. „Eines hat sich schon selbst in die Luft gesprengt!“ Überrascht schaute Antario den Kanadier an. „Na ja, es schien ziemlich alt gewesen zu sein … so sagte man es uns.“

    Verstehend nickte der Junita und wandte sich wieder Kralus zu. „Sie besitzen nur fünf Schiffe ...“ Das eines davon ohne Schilde war, verkniff er sich, denn mittlerweile wusste es jeder. „... und waffentechnisch seid ihr uns unterlegen. Wäre es dann nicht besser, wenn Sie sich zum Wohle aller ergeben?“

    „Es werden mehr kommen! Ein paar werden sich mit Sicherheit schon in Atlantis befinden und die Stadt sprengen, sobald sie die Daten heruntergeladen haben! Und andere ...“, mit vor Wut blitzenden Augen, wandte er sich an Antario, „... werden Ihren erbärmlichen Stützpunkt in Schutt und Asche legen!“

    John, der sich die ganze Zeit im Hintergrund hielt, trat nun einige Schritte nach vorn. „Sie kapieren es immer noch nicht, was?“ Leicht neigte er seinen Kopf zur Seite. „Wie fühlt es sich an, so allein in einer Zelle, ohne Ihren geliebten Stock und den Gorillas an Ihrer Seite!“

    „Lassen Sie mich raus, dann zeig ich es Ihnen!“

    „Uh, netter Versuch.“ Ein humorloses Lächeln huschte über Johns Gesicht. „Aber Sie gefallen mir lieber dort, wo Sie jetzt sind.“

    Grimmig warf Kralus Sheppard einen Blick zu. „Sie hätten mir die Daten geben sollen Colonel, dann würde Atlantis noch existieren!“

    John wusste, dass Kralus nur bluffte. Er würde Atlantis nicht zerstören, nicht bevor er das hatte was er wollte, und ohne sein Passwort kamen sie da nicht dran; zumal die Konsolen ausgeschaltet waren und nur er sie aktivieren konnte. Schnaubend schüttelte John den Kopf und winkelte die Arme vor seiner Brust. „Sie wollten immer wissen, wo sich die Achilles befindet, nun sie steht direkt über uns! Und was die Daten betrifft … da werden Sie nicht ein Auge drauf werfen! Entweder werden Sie nach Junit verfrachtet oder hier ein jähes Ende finden, denn ich werde nicht länger die Ressourcen meiner Leute verschwenden, um Sie im Auge zu behalten. Also überlegen Sie, was Sie möchten!“
    Jedes weitere Wort war im Moment überflüssig, weshalb John in Begleitung der anderen
    die Brigg verließ. Seufzend lehnte er sich an die Wand und fuhr sich mit einer Hand über die Stirn.

    „Die Ressourcen Ihrer Leute?“ Neugierig musterte Steven den Colonel. „Die Daedalus ist immer noch mein Schiff!“

    „Ich wollte Kralus nur in Erinnerung rufen, wo er sich befindet … und ja, es sind meine Leute. Sie können ihn liebend gern mit Ihrer Crew bewachen, wenn Sie möchten.“ Stöhnend rieb John sich die Stirn, weshalb Vivien ihn besorgt ansah.

    „Dad?“ Vorsichtig berührte sie ihn am Arm. „Geht's dir gut?“

    „Nur etwas müde.“

    Beunruhigt beobachtete Teyla ihn ebenfalls. Sicher, müde waren sie alle, jedoch vermutete sie noch etwas anderes. „Sind es wieder die Kopfschmerzen?“ Als sie darauf keine Antwort bekam, sah sie in sein schmerzverzerrtes Gesicht. „John, wann hast du das letzte Mal deine Tabletten genommen?“

    „Uh...“ Die Hand immer noch an seiner Stirn, rutsche er mit dem Rücken an der Wand, langsam zu Boden, was Caldwell und alle anderen mit Entsetzen beobachteten.

    „Ich werde ihn mit auf die Achilles nehmen, da kann er sich ausruhen“, meinte Vivien erschrocken und aktivierte den Funk: „Siwan, senke den Schild und sag Silas Bescheid, dass er Dad und mich sofort auf die Achilles beamen soll!“

    Noch bevor John oder irgendein anderer einen Einwand erheben konnte, befand er sich auch schon auf der Krankenstation der Achilles, wo Montero auf ihn wartete.

    „Was ist passiert?“

    „Er ist zusammengebrochen! Ich vermute, es hat mit seinem Kopf zu tun, denn er fasste sich die ganze Zeit an die Stirn und schien Schmerzen zu haben!“

    „Das kommt von einer leichten Schwellung im Schläfenlappen Bereich.“ Überrascht und auch gleichzeitig etwas verwirrt, drehten sich beide um. „Ich habe mich an Bord beamen lassen, weil ich weiß, woran der Colonel leidet und ich ihm weitere Untersuchungen ersparen möchte.“

    Skeptisch runzelte Montero die Stirn. „Und Sie … sind?“

    „Oh, ich bin Antario“, entschuldige er sich. „Wenn Sie den vorderen Schläfenlappen
    scannen, müsste noch eine winzige Schwellung vorhanden sein.“ Nachdenklich kaute er auf seine Unterlippe. „Oder auch nicht, denn eigentlich müsste sie schon längst verschwunden sein, es sei denn ...“

    „Er hat sich nicht geschont“, unterbrach Vivien ihn.

    „Ja, das vermute ich schon eher.“

    Verstehend sahen die drei sich an und warfen einen Blick auf den bewusstlosen Colonel: Wie bei den Ahnen sollte er sich auch geschont haben? Erst Atlantis, dann der Stützpunkt und anschließend die Flucht auf der Daedalus und immer den Feind im Nacken – da würde sich niemand ausruhen oder ein Nickerchen machen.
    Ein leises Stöhnen schreckte sie aus ihren Gedanken und schnell war Montero bei ihm. „Colonel?“

    „Mhm.“

    „Ich habe Ihnen ein schmerzstillendes Mittel verabreicht. Wie fühlen Sie sich?“ Montero bemerkte, wie John die Kiefer zusammenpresste, weshalb er auf eine Antwort verzichtete. „Die Schmerzen werden gleich weniger, Colonel, nur einen Moment.“ Vorsichtig legte er seine Hand auf Johns Schulter. „Wenn es Ihnen etwas besser geht, werde ich Sie scannen, um festzustellen, ob die Schwellung verschwunden ist, in Ordnung?“

    „Hmmh.“ Tief durchatmend, wünschte John sich nur, dass der Presslufthammer in seinem Kopf endlich aufhörte.

    „Okay Colonel ...“ Ein paar Sekunden später drückte er leicht dessen Schultern, „... nun möchte ich, dass Sie Ihre Augen öffnen.“

    John tat ihm den Gefallen, denn das Schmerzmittel schien Wunder zu bewirken und linste ihn an. „Sie müssen Monti sein.“

    Ein Schmunzeln huschte über Monteros Gesicht. „Korrekt, Colonel.“

    „Dad?“ Vorsichtig nahm Vivien seine Hand. „Wie fühlst du dich?“

    „Besser.“ Langsam wanderte sein Blick von seiner Tochter zu Antario. „Sir?“

    „Colonel? Sie haben uns ja einen Heidenschreck eingejagt.“

    „Tut mir leid, das war nicht meine Absicht.“ Stöhnend wollte er sich aufrichten, jedoch hielt Montero ihn zurück. „Noch nicht, ich will Sie erst scannen!“

    Seufzend ließ John es über sich ergehen, doch als er Monteros Kopfschütteln bemerkte, stutzte er. „Doc?“

    Antario warf ebenfalls einen Blick auf den Scan und bestätigte nur, was er schon die ganze Zeit vermutete. „Die Schwellung ist immer noch vorhanden, Colonel! Sie haben sich nicht ein bisschen geschont!“

    Schmollend wanderte Johns Blick zur Bettdecke. Er wusste, was das bedeutete – Ärzte waren alle gleich – doch hey, er war nicht auf Atlantis oder der Daedalus, sondern auf der Achilles, was bedeutete, dass kein Carson Beckett hier war. Langsam sah er rüber zu Monti, als er jedoch dessen Blick sah seufzte er und fand den Flusen, der sich auf der Bettdecke befand, auf einmal sehr interessant.

    „Dad?“

    „Ähm, wisst Ihr was? Wenn die Verhandlungen vorbei sind, verspreche ich euch, zwei Wochen im Bett liegenzubleiben, in Ordnung?“ Hoffnungsvoll sah er die drei an, erntete jedoch nur ein Kopfschütteln. „Oh, kommt schon! Die Verhandlungen mit den Kastellanern sind wichtig! Der Frieden hängt davon ab!“

    Vivien wollte nicht glauben, dass ihr Vater das wirklich in seinem Zustand durchziehen wollte. „Das ist doch jetzt nicht dein Ernst? Soll Montero dich etwa die ganze Zeit mit Schmerzmitteln vollpumpen?“

    Seufzend schüttelte er innerlich den Kopf. „Vivien, wenn wir es schaffen, dass sich die Flotte ohne Blutvergießen zurückzieht, gibt es vielleicht Frieden? Ich weiß, dass die Eleysia kriegsmüde sind! Viele haben es mir selbst gesagt, als ich dort war!“

    „Aber Kralus will es nicht! Und solange er die Strippen zieht, kann man es vergessen!“

    Mehrere Atemzüge lang hörte Antario die Diskussion der beiden stillschweigend zu: Frieden! Wie lange hatten er und sein Volk sich das schon gewünscht? Sollte es wirklich machbar sein? Leicht wölbte sich seine Stirn. Wie oft hatten sie es schon versucht? Zwanzig-, dreißigmal? Antario wusste es nicht genau, denn jedes Mal hatte Kralus abgeblockt oder sich vehement geweigert, auch nur ein bisschen nachzugeben. Jetzt aber könnte die Sache anders liegen. Kralus befand sich in der Brigg – wofür er Sheppard noch seinen Dank aussprechen musste, denn das war eine Meisterleistung – und Corel hatte das Sagen, zumindest was die Flotte betraf. Nachdenklich rieb er sein Kinn, schaute von einem zum anderen und nickte schließlich. „Wir versuchen es!“

    Überrascht sah John ihn an. „Echt?“, während es den beiden anderen glatt die Sprache verschlug.
    Zweifel und Unverständnis spiegelten sich in ihren Gesichtern, was Antario durchaus verstand – John war in keiner allzu guten Verfassung.

    „Commander?!“ Aufgebracht baute sich Vivien vor ihm auf. „Sie meinen doch nicht wirklich, was Sie gerade sagten? Haben Sie etwa vergessen, wie schlecht es meinem Vater geht?!“

    „Miss Kalver ...“

    Wutschnaubend stellte sich Montero neben sie – sein Patient ging ohne seine Erlaubnis nirgendwohin. „Er ist überhaupt nicht in der Lage, irgendwelche Verhandlungen zu führen!“

    „Er muss sie ja nicht führen ...“, verteidigte Antario sich, was John stutzig die Hand heben ließ, „Äh.“ Der Commander allerdings ignorierte es. „... er muss nur anwesend sein!“

    „Sie meinen, er soll nur herumsitzen?“ Ungläubig schüttelte Vivien den Kopf. Johns Augenbrauen jedoch schoben sich in die Mitte.

    „Wollen Sie wirklich allen Ernstes, einen mit Drogen vollgepumpten Verhandlungspartner an ihrer Seite?“, meinte Montero fassungslos. „Ich habe gedacht, Sie wollten Frieden?“

    Entgeistert fiel John die Kinnlade runter. ‚Vollgedröhnt?‘

    „Nun ja, Sie sagten selbst, ohne Schmerzmittel geht es nicht, also wird er nur anwesend sein und ab und zu mal eine Frage beantworten“, entgegnete Antario, wobei er Sheppards entgeisterten Blick nun gänzlich ignorierte.

    „Äh, Leute?“ Demonstrativ hob John seinen rechten Zeigefinger. „Ihr wisst, dass ich hier auch noch sitze?“

    „Dad, du sitzt nicht, du liegst, und zwar im Bett!“

    Perplex blinzelte er seine Tochter an. „Das stimmt … und wenn ich bemerken darf, nicht freiwillig!“ Schnaubend spitzte er die Lippen. Was dachten die drei sich eigentlich? Tagelang war er auf den Beinen, hatte gegen Kastellaner gekämpft und mit seiner Crew versucht, die Daedalus zu reparieren und das alles mit dieser … verdammten Schwellung in der Stirn – und jetzt sollte er nur tatenlos herumsitzen? Innerlich schüttelte er den Kopf. „Damit das klar ist! Bei den Verhandlungen werde ich weder blöd herumsitzen noch vollgedröhnt erscheinen! Ich werde aktiv daran teilhaben!“

    „Colonel ...“

    „Nein!“ Verärgert schob John sich aus dem Bett. „Geben Sie mir nur ein paar von den Schmerztabletten, mehr brauche ich nicht!“

    °°°°

    „Der Kerl ist so was von störrisch und uneinsichtig!“ Schnaubend zog Heron sich einen Stuhl heran, wobei Rodney ihn schmatzend ansah.

    „War er das nicht immer schon?“

    „Woher soll ich das wissen?“ Kopfschüttelnd pflanzte er sich auf seinen Stuhl und griff nach seinem Besteck.

    „Sie kennen ihn schließlich länger als wir.“

    Blinzelnd schob sich Heron etwas Gemüse auf die Gabel. „Wieso sollte ich ihn länger kennen?“

    Verwirrt stopfte sich McKay die Kartoffel in den Mund – redeten sie hier von ein und derselben Person?

    „Wen meinen Sie?“, fragte Evan nun auch etwas irritiert.

    „Na, den Colonel.“

    Seufzend schüttelte Rodney den Kopf – kein Wunder, wenn sie aneinander vorbeiredeten. „Ich meinte Kralus.“

    „Oh … ja, der ist auch störrisch, aber eigentlich meinte ich Colonel Sheppard.“

    „Wieso?“

    „Weil er an den Verhandlungen teilnehmen will.“ Aufhorchend spitzten die Atlanter am Tisch die Ohren.

    „Kann er das überhaupt?“ Evan traute es seinem CO zwar zu, aber er bezweifelte, dass er es in seinem Zustand bis zum Ende durchhielt.

    „Nun, die erste Sitzung hat er verpasst“, murmelte Heron, „denn die Schmerztabletten, die Montero ihn gab, hatten ihn ausgeknockt. Aber es gibt ja noch mehr Verhandlungen.“

    Einigen Atlantern flog regelrecht das Besteck aus den Händen, während Teyla in ihrer Bewegung innehielt. „Sind Sie sicher?“

    „Ja, er schläft wie ein …“ Schnell erinnerte Heron sich an das Wort, was Ronon ihm sagte. „... Murmeltier.“

    Leicht wölbte sich Teylas Stirn. „Kann es sein, dass es die gleichen Tabletten sind, die Dr. Corsey ihn gab?“

    Neugierig sah man sich untereinander an, denn damals weigerte John sich diese Dinger zu nehmen, weil er anschließend davon immer so müde wurde.
    Mit spitzen Lippen zerquetschte Evan seine Kartoffel. „Er wird sicher nicht erfreut darüber sein.“

    „Nein, aber Ronon ist bei ihm. Er wollte warten, bis der Colonel aufwacht.“

    °°°°

    „Hey, Sheppard?“ Leicht tätschelte Ronon seinen Fuß. „Auch schon wach?“

    „Mhm.“ Blinzelnd öffnete John seine Augen. „Ronon?“ Noch etwas benebelt kräuselte sich seine Stirn. „Hab ich etwa geschlafen?“

    „Yep.“

    „Wie lange?“

    „Drei Stunden.“

    Verwirrt warf er dem Satedaner einen Blick zu. „Drei?“

    „Muss wohl an den Tabletten gelegen haben, die Montero dir gegeben hat.“

    Seufzend schloss John die Augen – klar, die Dinger hatten ihn schon letztens ausgeknockt. Und mit Sicherheit waren sie alle froh darüber gewesen, dass er jetzt ein Nickerchen gemacht hatte.

    „Kannst du aufstehen?“

    Kurz horchte er in sich hinein und schwang die Füße aus dem Bett. „Ich habe schon lange genug hier gelegen“, murmelte er, als er plötzlich bemerkte, dass er OP-Kleidung trug. „Wo sind …?“

    Grinsend hielt Ronon ihm eine saubere schwarze Atlantis-Uniform entgegen. „Dahinten befindet sich ein Waschraum. Vivien meinte, du solltest dich erst waschen, bevor du sie anziehst.“

    Erst jetzt fiel ihm auf, dass Ronon ebenfalls geduscht hatte und saubere Sachen trug. „Ja, das sollte ich wohl tun.“

    Fünfzehn Minuten später verließ ein frisch geduschter John Sheppard den Waschraum, wobei Ronon ihn schmunzelnd betrachtete. „Was?“

    „Besser“, meinte Dex und drückte ihm noch das Cappy in die Hand.

    „Das bringt doch eh nichts.“

    „Nein, aber damit sieht man diese frevelhafte Verstümmelung nicht.“

    Schnaubend setzte John es auf und konnte gar nicht abwarten, bis dieser Scheitel endlich zugewachsen war.
    Eitel war John noch nie, doch als er vorhin vor dem Spiegel stand und es skeptisch betrachtete, glitt er vorsichtig mit den Fingern darüber. Die Stoppelhaare verdeckten zumindest die Narbe und in vier Wochen, so hoffte er, würde man gar nichts mehr sehen. „Glaubst du in der Kantine der Daedalus gibt es noch etwas zu essen?“

    „Wenn McKay nicht alles weggegessen hat, ja.“

    °°°°

    „Colonel?“ Freundlich begrüßte Silas ihn auf der Brücke. „Geht es Ihnen besser?“

    „Ja, danke.“

    „Das freut mich zu hören. Wir haben uns alle Sorgen um Sie gemacht.“

    John bemerkte die Aufrichtigkeit des Captains und spürte die Blicke der Crew auf sich. „Es waren ein paar anstrengende Tage.“

    „Das glaube ich … Vivien meinte, Sie könnten eventuell etwas verärgert sein … wegen des Nickerchens und so.“

    „Ähm ...“, verstohlen steckte John die Daumen in seine Gesäßtaschen, kaute verlegen auf seine Unterlippe und wippte leicht mit den Fersen. „Nicht wirklich ... Wo ist sie eigentlich?“

    „Sie befindet sich mit Siwan auf der Daedalus und wartet auf euch beiden.“

    Verstehend nickte John. „Könntet ihr uns in die Kantine beamen? Ich wollte vorher noch etwas essen, bevor … na ja, Sie wissen schon.“

    „So schnell werden die Verhandlungen nicht enden, Colonel. So viel wie ich gehört habe, sollen die Kastellaner ein sehr störrisches Volk sein, vor allem einer.“

    „Wem sagen Sie das“, seufzte John.

    „Okay, ich beame euch jetzt runter. Wir sehen uns später.“

    „Ja, bis später.“ Ehe die beiden sich versahen, befanden sie sich auch schon in der Kantine der Daedalus, wo ein reges Treiben herrschte.

    „Colonel?“

    Ronon bemerkte, wie Evan ihnen hinten in der Ecke zuwinkte. „Da hinten sitzt Major Lorne.“

    John bemerkte ihn ebenfalls und hob die Hand, jedoch steuerte er zuerst das Büfett an, schnappte sich ein Tablett und war sich anschließend nicht schlüssig, was er nehmen sollte. Ronon schien keine Probleme zu haben, er packte sich auf den Teller, was ihm in die Quere kam – Nudeln, Kartoffeln, Gemüse und Fleisch. Schluckend starrte John auf den vollgepackten Teller und entschied sich letztendlich für ein paar Nudeln mit Soße und etwas Salat.

    „Schön, Sie gesund und munter wiederzusehen, Sir“, meinte Evan aufrichtig, wobei Fuller, Harrymann und Matthews ebenfalls nickten.

    „Danke Jungs.“ Seufzend bemerkte er Rodneys skeptischen Blick auf seinen Teller, nachdem er sich neben ihn gesetzt hatte. „Was?“

    „Hast du dich schon auf der Achilles durch gegessen, oder warum hast du jetzt nur einen Kinderteller?“

    „Könnte es sein, dass du darauf spekulierst, etwas abzubekommen?“

    „Was, von dem bisschen? … Obwohl, wenn du mich so fragst ...“

    „McKay?!“ Knurrend starrte Ronon ihn an, wobei John grinsend in seine Nudeln piekste.

    „Wo ist eigentlich Sergeant Wilson?“

    „Auf der Krankenstation.“

    „Ist er krank?“ John war sich gar nicht bewusst, dass sich Danny verletzt hatte.

    Schmunzelnd schaute Matthews auf seinen Teller. „Könnte man sagen.“

    „Was hat er denn?“

    „Herzflattern.“

    Erschrocken weiteten sich Johns Augen.

    „Eine Biene hat ihn gestochen.“

    Irritiert schweifte sein Blick in die Runde. „Wie in Herrgottsna … Moment, 'ne Biene?“

    „Ja, sie heißt Maja.“

    Leicht wölbte sich Johns Stirn, was Evan grinsen ließ. „Sie ist eine Krankenschwester von Junit. Er hat sich verliebt, Sir … volle Kanne.“

    „Oh …“ ‚War er nicht normalerweise mit einer anderen Schwester zusammen?‘ „Wann hat er sie denn kennengelernt?“

    „Auf dem Stützpunkt“, meinte Fuller Kaffee schlürfend. „Da war er schon hin und weg … und als er sie vorhin gesehen hat … na ja, den Rest können Sie sich denken.“

    Grinsend sah man sich untereinander an. „Soll ich ihn anfunken, Sir?“, fragte Evan neugierig.

    „Nein, ist schon gut.“ In Gedanken versunken, schob John die Nudeln auf dem Teller herum. „Ich frage mich nur ...“ Erneut bewegte er die Nudeln von einer Seite zur anderen, wobei Rodney seine Geduld verlor.
    „Du weißt, dass du den Satz nicht beendet hast?“

    Seufzend legte John die Gabel beiseite. „Hat jemand von euch schon mit Caldwell über das B-Deck gesprochen?“

    Jeder wusste, was er meinte und verneint schüttelten sie die Köpfe. Selbst Fuller, der ja einer von Caldwells Männern war, vermied es, ihn darauf anzusprechen.

    „Sir, ich ...“ Räuspernd sah Evan in die Runde, „... wir haben gedacht, Sie würden es Colonel Caldwell erzählen.“

    Frustrierend schüttelte John den Kopf. ‚Wälzt mal wieder alles auf mich ab‘ und starrte auf sein mittlerweile kalt gewordenes Essen. Schnaubend schob er seinen Stuhl zurück und stand auf. „Lorne, Sie kommen mit.“

    „Möchtest du nicht erst aufessen?“, meinte Teyla überrascht.

    „Hab kein Hunger, ist schon kalt.“

    Schluckend erhob Evan sich von seinem Stuhl, während John den Funk aktivierte: „Colonel Caldwell, hier Sheppard!“

    „Caldwell hier!“

    „Sir, haben Sie einen Moment Zeit?“

    „Kommen Sie auf die Brücke!“

    Tief durchatmend nickte John Evan zu, worauf dieser schweigend und mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend seinen CO zur Brücke begleitete.

    Fortsetzung folgt
    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

  16. #290
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    Hallo Cindy!

    Nochmals ein Dankeschön für die Fortsetzung der Story - leider ist der FF-Bereich seit einiger Zeit sehr leer, was Schreiber, wie wohl auch Leser betrifft.
    Leider kam ich bei den letzten Kapiteln zu keinem kleinen Review.

    Kralus verhält sich hier in der Gefangenschaft wie der stereotype Klischee-Schurke. Er zetert und spricht leere Drohungen aus, die er ohne Mithilfe seiner Wärter nicht in die Tat umsetzen kann. Ihn jetzt freizulassen wäre doch nur töricht.
    Vermutlich hat er doch noch etwas in der Hand und lenkt durch seine Show ab.

    Die Sache mit den Schmerzen und Tabletten hatte ich schon kaum mehr auf dem Schirm...
    Zitat Zitat von Cindy Beitrag anzeigen
    „Die Ressourcen Ihrer Leute?“ Neugierig musterte Steven den Colonel. „Die Daedalus ist immer noch mein Schiff!“
    Auch wenn die Daedalus Caldwell ans Herz gewachsen ist, er ist nur der Kommandant, nicht der Besitzer. Das scheinen die Leute manchmal zu vergessen.


    Und das Gespräch zwischen Sheppard und Corel im vorletzten Kapitel ist gut geschrieben!
    Geändert von Durnah (17.06.2024 um 07:56 Uhr)
    "Die Zeit macht jede Wahrheit zum Roman."
    aus dem Lied Mayerling von
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    "Das "Vaterland" ist der Albdruck der Heimat."
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  17. Danke sagten:


  18. #291
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    Durnah:
    Danke für dein liebes Feedback und natürlich fürs Danke drücken.
    Kralus hätte sich nicht mit den Atlantern anlegen sollen. Er dachte, er könnte mit denen genauso umspringen, wie mit seinen Leuten – tja, dumm gelaufen. Nun sitzt er in einer Zelle und Antario freut sich natürlich.
    leider ist der FF-Bereich seit einiger Zeit sehr leer, was Schreiber, wie wohl auch Leser betrifft.
    Das finde ich irgendwie schade. Aber mittlerweile gibt es so viele Geschichten über Stargate, da weiß man nicht mehr was man schreiben soll – vermute ich mal.
    Ich freue mich aber über jedes Danke.

    LG Cindy
    Geändert von Cindy (17.06.2024 um 19:07 Uhr)
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  19. #292
    Brigadier General Avatar von Cindy
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    Kapitel 65

    Schnaubend verfolgte Steven auf seinem Datenpad den Bericht über die Reparaturen, als Marks ihm zögernd einen neuen vorlegte, den Caldwell sauer aufstoßen ließ. „Was zum …!“

    „Sir, das Zeug klebt wie Mist, da ist kein durchkommen. Wir müssen zuerst den Boden reinigen.“

    Grimmig schüttelte Steven den Kopf und fragte sich nicht zum ersten Mal, was Sheppard mit seinem Schiff angestellt hat. „Ziehen Sie ein paar Leute ab, die das erledigen!“ Caldwell war auf 180!
    Als er mit Antario losflog, hatte er gehofft die Daedalus so vorzufinden, wie er sie verlassen hatte, doch stattdessen … Tief sog er die Luft in seine Lungen, als John mit Lorne die Brücke betrat, was zu diesem Zeitpunkt ein sehr schlechtes Timing war.

    „Colonel?“

    Wutschnaubend erhob sich Steven aus seinem Sitz, nachdem er die Stimme erkannte. „Sheppard! Was zum Teufel haben Sie mit dem B-Deck gemacht?“

    Erschrocken wichen die beiden einen Schritt zurück. „Darüber wollte ich mit Ihnen reden, Sir ...“

    „Ich brauche jeden Mann für die Reparaturen der Korridore!“, brüllte Steven, wobei er Johns Argument ignorierte und jeder auf der Brücke zusammenzuckte. „Die Technik ist zum Teil zerstört! Geschweige von den zigtausend Kabeln die da rumbaumeln! Da kann ich nicht auch noch Leute für eine Putzkolonne abziehen, nur weil Ihr euch einen Spaß gemacht habt, den Fußboden mit diesem klebrigen Zeug zu ruinieren!“

    Leicht kniff John die Augen zusammen. Er hatte sich schon gedacht, dass es nicht einfach sein würde mit Caldwell darüber zu reden, doch auf keinen Fall wollte er die Schuld für all das auf sich nehmen. „Das waren wir nicht, Sir!“

    „Ach, wer dann?“

    „Als wir hier ankamen, fanden wir es schon so vor! Matthews hat ein paar Fotos gemacht.“ Schluckend warf John einen Blick zu Evan. „Und noch etwas haben wir gefunden … Lieutenant Cadman.“

    Schlagartig wurde es still auf der Brücke und Steven schien eine Spur blasser zu werden.
    „Deswegen wollte ich mit Ihnen reden, Sir!“

    Auf gar keinen Fall, wollte Steven dieses Gespräch auf der Brücke weiterdiskutieren, weshalb er heiser meinte: „Gehen wir in mein Büro!“

    Dort angekommen, hielt Caldwell für einen Moment geschockt den Atem an. Schien über etwas nachzudenken und blickte starr auf eine Kommode. „Da ich Lieutenant Cadman hier nirgendwo sehe und sie sich auch nicht auf der Krankenstation befindet, bin ich da recht in der Annahme, dass sie …?“ Er traute sich dieses Wort nicht auszusprechen, obwohl er es schon längst befürchtet hatte.

    „Ja, Sir! Sie lag mit … durchtrennter Kehle auf dem Fußboden hinter einer Kiste versteckt.“ Tief bedrückt vermied es John Caldwell anzusehen, weshalb Evan zögernd weitersprach:

    „Zuerst hatten wir gedacht, ihr hättet eine Party gefeiert ...“, schluckend hielt Lorne inne, wofür er von Steven einen dementsprechenden Blick erntete. „ … Na ja, nach all dem Bier und dem Likör, was auf dem Fußboden lag … Doch im Nachhinein kam uns der Gedanke, dass es sich um ein Ablenkungsmanöver handelte.“

    „Damit man Lieutenant Cadman nicht findet?“, fragte Steven skeptisch.

    „Ja, Sir! Zumindest nicht so schnell. Vielleicht hatte der Täter ja auch gedacht, die Daedalus wird zerstört, dann wären alle Spuren beseitigt“, schlussfolgerte John.

    Nachdenklich und nach Fassung ringend, lief Caldwell einige Schritte umher. „Auf Junit wurde sie vermisst. Wir haben überall nach ihr gesucht, doch sie wurde nicht gefunden.“ Schwer seufzend fasste er sich an die Stirn. „Wer tut so etwas?“ Fragend sah er die beiden an, jedoch bezweifelte er, dass er eine Antwort darauf erhalten würde.

    „Wir vermuten, dass es Gonzales war“, meinte John schließlich.

    „Wie kommen Sie darauf?“

    „Wir haben in der Nähe seine Kiste mit diversen Sachen auf dem Boden verstreut gefunden.“

    „Er war es nicht“, dementierte Steven. „Gonzales wurde schon während der Evakuierung verhaftet.“ Drei Atemzüge lang schaute er John mit einem bedauernswerten Blick an, was Sheppard ein ungutes Gefühl bescherte. „Er gehört zum Trust!“

    Die Antwort war für John, wie ein Tritt im Magen. Unfähig ein vernünftiges Wort über die Lippen zu bringen, schaute er geschockt zur Seite. „Soll … soll das heißen, dass … dass da noch einer …?“ Entgeistert sah er Steven an. „Wurde sie deshalb umgebracht?“, fragte er heiser.

    „Wir wissen es nicht.“

    Ohne, dass es jemand bemerkt hatte, betrat Vivien mit Siwan die Brücke. „Entschuldigung, weiß jemand von euch, wo Colonel Sheppard ist?“

    Einer der Marines deutete auf Caldwells Büro, wo sie ihren Vater in einem leicht geschockten Zustand entdeckte. „Was zum …?“ Ohne anzuklopfen, stürmte sie hinein. „Dad? Was ist passiert?“ Fragend sah sie ihn an, jedoch schüttelte er nur den Kopf, weshalb sie mit vor wutblitzenden Augen zu Caldwell sah. „Was haben Sie jetzt schon wieder meinen Vater vorgeworfen?“

    „Das geht Sie überhaupt nichts an! Und das nächste Mal klopfen Sie bitte vorher an, bevor Sie mein Büro betreten!“
    Grimmig bemerkte er ihren wütenden Blick, was ihn jedoch nicht störte. „Aber da Sie ja schon mal hier sind! Vielleicht sollten Sie mal überlegen, was Sie getan haben?“

    „Wie bitte?“

    „Sie sind doch Schuld, dass wir überhaupt hier sind! Durch Ihr ewiges hin und her springen, haben Sie doch das Zeitgefüge erst durcheinander gebracht!“

    Schnaubend giftete sie ihn an. „Ich weiß nicht, ob Ihnen das entfallen ist, aber ihr seid hier wegen der Anziehungskraft eines schwarzen Loches!“

    „Das mag sein! Aber das ganze Theater, der Streit mit den Kastellanern, ist doch nur wegen Ihrem Schiff!“

    Abfällig grinsend hob Vivien eine Augenbraue. „Sind Sie jetzt etwa neidisch, weil mein Schiff gefragter ist als Ihre alte Blechbüchse?“

    Caldwells Gesichtsfarbe nahm eine gefährliche Röte an, weshalb John seine Tochter zurechtwies. „Vivien, jetzt ist genug!“

    Jedoch ignorierte sie ihn. „Wenn wir hier nicht rechtzeitig aufgetaucht wären, wäre Ihr Schiff jetzt Schrott! Und Sie könnten die Einzelteile da draußen zusammensuchen!“

    „Und wenn Sie die Zeitsprünge auf Lantia und ebenso in Lenova unterlassen hätten, wäre das alles erst gar nicht passiert!“

    „Oh, stört es Sie jetzt etwa auch noch, dass ich meinen Vater ab und zu mal besuchen möchte?...“

    „Vivien?“

    „... Sie hätten längst mit der Daedalus Land gewinnen können, doch das hat Ihr angekratztes Ego nicht verkraftet!“

    Evan fielen fast bei so einer Dreistigkeit und Anschuldigungen die Augen aus dem Kopf. Er wusste gar nicht wo er hinsehen, geschweige denn hinhören sollte und entschied sich letztendlich für seine Stiefel, die seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen; wäre da nicht das Knurren von Caldwell, der Vivien einen durchbohrenden Blick zuwarf – oh ja, wenn Blicke töten könnten, würde sie jetzt tot umfallen.

    „Noch so ein Wort und sie verlassen sofort mein Schiff!“

    „Nichts lieber als das! Bin ja mal gespannt, wie Sie allein zurechtkommen!“ Augenblicklich aktivierte sie ihren Funk: „Silas! Beame uns und die Atlantis-Crew sofort an Bord, wir verlassen die Daedalus und ziehen uns nach Atlantis zurück!“

    „Stopp!“ Das ging John nun doch etwas zu weit. „Silas! Befehl rückgängig machen!“ Anschließend wandte er sich wütend an Caldwell. „Es reicht!“

    „Ich muss mir von Ihnen nicht den Mund verbieten lassen, Sheppard!“

    „Nein, das müssen Sie nicht! Hörn Sie …“ Mit den Händen gestikulierend, versuchte er den Streit zu schlichten. „... Es mag ja sein, dass Sie in gewissen Dingen recht haben, aber ich lasse nicht zu, dass Sie meine Tochter so anfahren!“

    „Er kann doch gar nicht anders“, schnaubte sie abfällig, weshalb er wütend seine Tochter
    aus dem Büro und anschließend von der Brücke schob, wobei Siwan ihnen im Schlepptau folgte.

    „Bist du jetzt von allen guten Geistern verlassen?“

    „Ich lasse mir von dem nicht unterstellen, dass ich an allem Schuld wäre!“

    „Es ist egal, was er gesagt hat! Er ist der Kommandant dieses Schiffes und du kannst ihn nicht einfach so zurechtweisen!“

    „Schön, dann kann er zu sehen, wie er fertig wird! Ich fliege mit der Achilles jetzt nach Atlantis um sie zu reparieren, was ich ja eigentlich schon längst tun wollte!“ Auffordernd sah sie ihren Vater an. „Kommst du mit?“

    Unschlüssig schüttelte er den Kopf. „Vivien, du musst nichts überstürzen ...“

    „Also bist du ihm wieder hörig?“

    „Nein, das bin ich nicht! Und war ich auch noch nie gewesen!“ Wütend, dass sie so etwas überhaupt dachte, sog er die Luft tief in seine Lungen und schob das irrationale Denken mal auf ihre Schwangerschaft. „Ich kann hier nicht weg! Fast meine ganze Crew befindet sich noch auf Junit und die Verhandlungen mit Kastell laufen auch noch.“ Verzweifelt fasste er sie am Arm. „Sei vernünftig.“ Doch sie schüttelte den Kopf.

    „Ich habe dir schon mal gesagt, dass er sich dir gegenüber nicht ändern wird und das wird er nie! Der hat doch voll nen Minderwertigkeitskomplex!“

    Hoffnungslos berührte John sich an die Stirn, weshalb er Siwan ansah, seine Tochter zu beruhigen, als plötzlich ein Beamstrahl die drei erfasste und sie auf die Brücke der Achilles transportierte.

    „Entschuldigt die Unterbrechung“, meinte Silas etwas verlegen. „Der Kanal war offen und ich dachte mir, bevor ihr drei gewaltsam vom Schiff entfernt werdet, beame ich euch vorsichtshalber rauf.“

    „Gut gemacht“, stöhnte John erleichtert. „Denn ich glaube, dass bei Vivien etwas die Hormone verrückt spielen.“

    „Meine was?“

    „Vivien …?“ Sanft zog Siwan sie von der Brücke, bevor sie noch auf die glorreiche Idee kam, ihren Vater zusammenzustauchen. „John hat recht. Würdest du ernsthaft in Betracht ziehen, jetzt nach Atlantis zu fliegen und jeden zu opfern? Auch deinen Vater? Denn das müsstest du, weil er niemals seine Crew alleine lassen würde.“

    Geschockt über diese Erkenntnis und den Tränen nahe, rutschte sie auf ihren Allerwertesten zu Boden, weshalb Siwan in die Hocke ging und ihr eine Hand auf die Schulter legte. „Lass dich nicht von Caldwell provozieren, geh ihm aus den Weg!“

    „Du hast gut reden, sieh nur was der Kerl aus mir macht?! Der treibt mich in den Wahnsinn!“ Schnaubend richtete sie sich auf. „Ich will ihn nie wiedersehen und erst recht nicht sein Schiff betreten!“

    „Dann tu es nicht; halte dich von ihm fern. Bleib auf der Achilles oder geh auf Antarios Schiff wenn nötig, doch tu mir einen Gefallen ...“ Schmunzelnd sah er sie an. „Stauche Antario nicht auch noch zusammen.“

    „Wieso sollte ich das tun? Er ist der Oberbefehlshaber von Junit und kein …“, nachdenklich wölbte sich ihre Stirn. „Er war bisher immer ehrlich zu Dad und ...“, leicht spitzte sie die Lippen, „ich kann ihn sogar leiden.“

    „Das ist doch immerhin schon ein Anfang.“

    Schniefend sah sie ihn an. „Mom hatte mir nie gesagt, dass eine Schwangerschaft mit solchen Schwierigkeiten verbunden ist … na ja, wegen der Hormone und so.“

    „Du meinst diese Stimmungsschwankungen?“

    „Was denn sonst?“

    Abwehrend hob er die Hände. ‚Jetzt bloß nichts Falsches sagen‘ „Vielleicht hat sie es dir nie erzählt, weil sie keine Probleme damit hatte. Schau, ich bin kein Arzt, daher weiß ich das nicht so genau, aber vielleicht ist es bei jeder Frau anders.“

    „Glaubst du?“ Unwissend zuckte er die Achseln. „Dann habe ich wohl die A-Karte erwischt.“

    Seufzend nickte er. „Montero könnte dir sicher weiterhelfen, oder auch nicht“, nuschelte er, was sie Gott sei Dank überhörte und ihn stattdessen bedrückt ansah.

    „Ob Dad wütend auf mich ist?“

    „Das glaube ich nicht … vielleicht ein bisschen sauer; aber wenn du dich bei ihm entschuldigst, wird er dir sicher verzeihen.“

    Hoffnungsvoll blickte sie in seine Augen. „Bist du sicher?“ Sie wollte nicht, dass er wütend auf sie war, denn schließlich hatte sie sich das alles anders vorgestellt.

    Nickend bejahte Siwan es. „John könnte nie lange wütend auf dich sein.“ Sanft nahm er sie in die Arme. „Also geh und entschuldige dich bei ihm.“
    Seufzend sah er ihr hinterher und rechnete schnell nach, nachdem sie außer Sichtweite war, wie lange sie noch schwanger sein würde – noch sieben Monate.

    °°°°

    Evan war immer noch ziemlich geschockt. Normalerweise brachte man ihn nicht so leicht aus der Fassung, doch der Streit vorhin … Leicht schüttelte er den Kopf. Er kannte Vivien nicht so gut, wie Rodney, Teyla oder Ronon sie kannten; jedoch bezweifelte er nicht, dass sie die Stur- und Dickköpfigkeit ihres Vaters geerbt hatte. Und Caldwell … er traute sich gar nicht den Colonel anzusehen und starrte stattdessen auf die offenstehende Tür – sollte er jetzt die Flucht ergreifen?

    „Was denkt sich die Frau eigentlich wer sie ist?“ Wütend lief Steven von einer Ecke zur anderen. „Diese Frau ist einfach nur unverschämt und respektlos!“ Caldwell hatte noch mehr Wörter für sie in petto, jedoch wollte er sich vor Major Lorne nicht die Blöße geben und schluckte sie hinunter. Später, wenn er allein in seinem Quartier war, konnte er sich abreagieren, doch nicht hier in seinem Büro, zumal die Tür offen stand und jeder ihn auf der Brücke hören konnte. „Könnten Sie jetzt mal bitte die verdammte Tür zumachen?“, maulte er Lorne an, der erschrocken zusammenzuckte.

    „Ja, Sir! Ich wollte jetzt sowieso gehen.“ Kurz biss sich Evan auf die Lippe und drehte sich noch einmal um. „Darf ich offen reden, Sir?“

    Abfällig winkte Steven mit der Hand und pflanzte sich in seinem Sessel. „Wenn Sie danach endlich die Tür schließen?“

    Evan interpretierte es mal als ein Ja und leckte sich kurz über die Lippen. „Auf eine Art hat sie recht, Sir!“, meinte Lorne leise. „Wäre die Achilles nicht gekommen, würden die Trümmer da draußen jetzt der Daedalus angehören. Sie hätte nicht eine Minute später auftauchen dürfen, denn zu dem Zeitpunkt waren unsere Waffen und Schilde offline.“

    Schwer seufzend warf Steven einen Blick durchs Fenster und konnte noch ein paar Überreste des feindlichen Schiffes erkennen, anschließend fiel sein Blick auf die Achilles und leise hörte er das schließen seiner Bürotür.

    °°°°

    John hatte von Silas erfahren, das Vivien schon seit vier Wochen diese „Tollen fünf Minuten“ hatte, wo jeder wenn möglich, ihr aus dem Weg ging. Selbst Kalver war genervt, obwohl er ohnehin schon ziemlich gereizt war. Montero sagte ihnen damals, dass es etwas mit den Hormonen zu tun haben würde, wegen der Umstellung und so. Das schlimmste wäre aber nach drei Monaten vorbei und der Rest würde sich wieder nach der Schwangerschaft normalisieren.

    Leicht wölbte sich Johns Stirn. „Sie ist jetzt im dritten Monat.“

    „Ob Montero sich vertan hat?“ Niemand wollte so recht glauben, dass es jetzt vorbei sei, erst recht nicht nachdem was da in Caldwells Büro passiert war.

    „Silas?“

    Schnell drehten sich alle um, als Vivien die Brücke betrat.

    „Captain?“

    „Dad, könnte ich mit dir reden?“

    John antwortete nicht darauf, jedoch nickte Silas den beiden zu: „Ich werde euch dann mal alleine lassen.“

    Sichtlich unwohl in ihrer Haut, schaute sie ihm hinterher und fummelte an ihrer Jacke herum. „Dad ich ...“ John zählte gedanklich bis zehn und fragte sich, wann sie weitersprechen würde.
    „... Es, es tut mir leid … Es tut mir leid, was ich zu dir und ähm … Caldwell gesagt habe. Ich weiß es war unangebracht und mit Sicherheit hat es die Spannung zwischen euch … es war sicher nicht hilfreich und es tut mir leid, wenn ich es nur noch verschlimmert habe.“

    John stand immer noch mit einem unleserlichen Gesichtsausdruck an der Wand angelehnt, was Vivien leicht auf die Palme brachte. „Könntest du jetzt vielleicht auch mal etwas sagen?“

    „Ich höre dir zu. Und außerdem muss ich mich nicht entschuldigen“, kam es gleichgültig rüber.

    „Das ist wahr.“ Erneut fummelte sie an ihrer Jacke herum, was John als eine nervöse Angelegenheit registrierte.

    „Bist du denn immer noch wütend auf mich?“

    Leicht kniff John die Augen zusammen. War er wütend? Nein, er war erschrocken über das, was er gesehen und gehört hatte. Sicher, Steven war ihr immer ein Dorn im Auge, doch das? … Ob Talessa auch solche Stimmungsschwankungen gehabt hatte?

    „Dad?“

    Kurz schüttelte er den Kopf. „Nein, bin ich nicht ...“ Erleichtert atmete sie auf, jedoch hob er die Hand. „... aber vielleicht solltest du dich auch bei Caldwell entschuldigen, denn schließlich hat er das meiste abbekommen.“

    Schnaubend schüttelte sie den Kopf. Niemals würde sie sich bei diesem „Jalek“ entschuldigen. „Vergiss es! Hat er sich bei mir entschuldigt, als er damals auf mich geschossen hat? Ich werde nicht ein Wort mehr mit ihm reden! Ich werde seinen Namen aus meinem Vokabular streichen und die Daedalus auch nicht mehr betreten! Egal wie sehr er in seiner Ehre gekränkt oder eingeschnappt ist!“

    Schwer seufzend nickte er. Auch wenn er nichts anderes erwartet hatte – ein Versuch war es immerhin wert. „Okay und was jetzt?“

    „Ich würde ja gerne Atlantis reparieren ...“ Fassungslos drehte er seinen Kopf zur Seite. „... aber Siwan meinte, damit würde ich die Daedalus gefährden und ich möchte euch nicht in Gefahr bringen.“

    „Da hat er recht!“ Dankend warf er Siwan einen Blick zu, der sich leise zu ihnen gesellte. „Wichtig sind jetzt erstmal die Verhandlungen mit den Kastellanern, damit die fünf Schiffe da draußen verschwinden.“

    Neugierig musterte sie ihren Vater. „Hast du eigentlich schon in Erfahrung bringen können, was die erste Verhandlung ergeben hat?“

    „Nein. So viel ich weiß, sollen Antario und Corel nur miteinander gesprochen haben.“

    „Klingt nicht berauschend.“

    „Der Anfang ist immer schwer, zumal sie sich ja erst wieder beschnuppern müssen“, meinte John ironisch.

    „Ja, hoffentlich nicht mit ein paar Drohnen“, witzelte Siwan, obwohl der Gedanke gar nicht mal so abwegig war.

    Müde fuhr sich John übers Gesicht und warf einen Blick auf die Uhr. Die Verhandlungen würden morgen sicher nicht einfach sein, weshalb er beschloss, sich in sein Quartier auf der Daedalus zu begeben und 'ne Runde zu schlafen. „Ich geh ins Bett, wir sehen uns morgen.“

    „Dad, du kannst auch hier schlafen.“

    Für einen Moment war John gewillt es zu tun, doch dann entschied er sich anders. „In meinem Quartier habe ich alles was ich brauche. Und sicher fragen sich Rodney und Ronon schon wo ich bin, weshalb ich noch einige Worte mit ihnen reden wollte.“

    Verstehend, jedoch nicht glücklich darüber, nickte sie. „Okay, dann bis morgen.“


    Fortsetzung folgt
    Geändert von Cindy (07.07.2024 um 12:21 Uhr)
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  20. Danke sagten:


  21. #293
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    Caldwell nimmt alles, was mit der Daedalus passiert, so persönlich. Und vielleicht mehr noch als bisher, seine Nerven liegen blank. Es scheint fast, als würde nicht nur Vivien aufgrund Ihrer schwangerschaftsbedingten Hormonschwankungen unkontrollierte Ausbrüche haben.
    Wobei Vivien als „Halbantikerin“ während dieser Zeit vielleicht mehr durchmacht als einst ihre Mutter.

    Mal schauen wie es weitergeht.
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