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Thema: Euer Gedicht des Tages!

  1. #101
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Weihnachtsglocken

    O Winterwaldnacht, stumm und her,
    mit deinen eisumglänzten Zweigen,
    lautlos und pfadlos, schneelastschwer,-
    wie ist das groß, dein stolzes Schweigen!

    Es blinkt der Vollmond klar und kalt;
    in tausend funkelharten Ketten
    sind festgeschmiedet Berg und Wald,
    nichts kann von diesem Baum erretten.

    Der Vogel fällt, das Wild bricht ein,
    der Quell erstarrt, die Fichten beben;
    so ringt den großen Kampf ums Sein
    ein tausendfaches banges Leben.

    Doch in den Dörfern traut und sacht,
    da läuten heut` zur Welt hinieden
    die Weihnachtsglocken durch die Nacht
    ihr Wunderlied - vom ew`gen Frieden.

    (Karl Stieler, 1842-1885)
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

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  3. #102
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Zum heutigen Tage eines der für mich wunderschönsten und romantischsten Weihnachtsgedichte überhaupt


    Weihnachten

    Markt und Straßen stehn verlassen,
    still erleuchtet jedes Haus
    sinnend geh ich durch die Gassen,
    alles sieht so festlich aus.

    An den Fenstern haben Frauen
    buntes Spielzeug fromm geschmückt,
    Tausend Kindlein stehn und schauen,
    sind so wundervoll beglückt.

    Und ich wandre aus den Mauern
    bis hinaus ins weite Feld,
    hehres Glänzen, heil'ges Schauern!
    Wie so weit und still die Welt!

    Sterne hoch die Kreise schlingen,
    aus des Schnees Einsamkeit
    steigt's wie wunderbares Singen -
    O du gnadenreiche Zeit!

    Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

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  5. #103
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Ich liebe die Dichter wie Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Peter Paul Althaus und eines meiner Lieblingsgedichte von letzterem möchte ich Euch heute vorstellen:


    In der Traumstadt

    In der Traumstadt ist ein Lächeln steh'n geblieben,
    niemand weiß, wem es gehört.
    Und ein Polizist hat es schon dreimal aufgeschrieben,
    weil es den Verkehr, dort wo es steh'n geblieben, stört.

    Und das Lächeln weiß auch nicht, wem es gegolten,
    immer müder lächelnd steht es da,
    kaum beachtet und gescholten
    und geschupst und weggedrängt, wenn ja.

    Langsam schleicht es sich von hinnen,
    doch auf einmal wird es licht verklärt,
    und dann geht es ganz nach innen -
    und du weißt, wem es gegolten und gehört.

    (Peter Paul Althaus, 1951)
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

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  7. #104
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Im Frühling

    Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel
    Die Wolke wird mein Flügel,
    Ein Vogel fliegt mir voraus.
    Ach, sag mir, alleinzige Liebe,
    Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
    Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

    Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
    Sehnend,
    Sich dehnend
    In Lieben und Hoffen.
    Frühling, was bist du gewillt?
    Wann werd ich gestillt?

    Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
    Es dringt der Sonne goldener Kuss
    Mir tief ins Geblüt hinein;
    Die Augen, wunderbar berauschet,
    Tun, als schliefen sie ein,
    Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

    Ich denke dies und denke das,
    Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
    Halb ist es Lust, halb ist es Klage.
    Mein Herz, o sage,

    Was webst du für Erinnerung
    In golden grüner Zweige Dämmerung?
    Alte unnennbare Tage.

    (Eduard Mörike)
    Geändert von John's Chaya (23.04.2014 um 06:30 Uhr)
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein.

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  9. #105
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Ein sehr schönes Gedicht hast Du uns da ausgesucht, vielen Dank liebe Chaya
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

  10. #106
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Das ist wirklich sehr schön! Da kann jemand wirklich mit Worten umgehen.

    Und dieses Gefühl hier:

    Ich denke dies und denke das,
    Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.


    kenne ich manchmal auch.

  11. #107
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Anlässlich des heutigen Todes von Joachim "Blacky" Fuchsberger ein kleines Gedicht von ihm über den Tod:


    Aus hohlen Augen grinst er Dich an
    und sagt: Kommst Du freiwillig mit, alter Mann?

    Wehren ist zwecklos, mach Dich bereit
    für den letzten Schritt in die Ewigkeit.

    Du schaust und legst zum Ende
    in seine Hände Deine zitternden Hände.

    Im brechenden Auge ein Hoffnungsschimmer,
    und dann gibste den Löffel ab - für immer.

    (Joachim Fuchsberger / 11.03.2012)
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

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  13. #108

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    Auf dieses schöne Gedicht bin ich mal eher zufällig wieder gestoßen. Es ist mir während des Studiums sehr ans Herz gewachsen, vermutlich auch, weil es lange Thema war und ich für mich sehr schöne Dinge darin entdecken konnte. Darum möchte ich es gerne teilen.


    Gefunden

    Ich ging im Walde
    So für mich hin,
    Und nichts zu suchen,
    Das war mein Sinn.

    Im Schatten sah ich
    Ein Blümchen stehn,
    Wie Sterne leuchtend,
    Wie Äuglein schön.

    Ich wollt es brechen,
    Da sagt es fein:
    Soll ich zum Welken
    Gebrochen sein?

    Ich grub's mit allen
    Den Würzlein aus.
    Zum Garten trug ich's
    Am hübschen Haus.

    Und pflanzt es wieder
    Am stillen Ort;
    Nun zweigt es immer
    Und blüht so fort.


    Johann Wolfgang von Goethe
    (1813)
    Geändert von Rose Tyler (12.11.2014 um 23:54 Uhr)
    Something old,
    something new,
    something borrowed,
    something
    blue
    .

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  15. #109
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Zum ersten Advent!


    Advent

    Im Tale sind die Blumen nun verblüht
    Und auf den Bergen liegt der erste Schnee.
    Des Sommers Licht und Wärme sind verglüht,
    In Eis verwandelt ist der blaue See.

    Wie würde mir mein Herz in Einsamkeit
    Und in des Winters Kälte angstvoll gehen,
    Könnt ich in aller tiefen Dunkelheit
    Nicht doch ein Licht in diesen Tagen sehn.

    Es leuchtet fern und sanft aus einem Land,
    Das einstens voll von solchen Lichtern war,
    Da ging ich fröhlich an der Mutter Hand
    Und trug in Zöpfen noch mein braunes Haar.

    Verändert hat die Welt sich hundertmal
    In Auf und Ab - doch sieh, mein Lichtlein brennt!
    Durch aller Jahre Mühen, Freud und Qual
    Leuchtet es hell und schön: Es ist Advent!

    (Hilde Fürstenberg)
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

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  17. #110
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Wie schön, ein Gedicht zum Advent zu haben! Danke sehr!

    (Nur das mit den zugefrorenen Seen klappt ja noch nicht so ganz .... )

  18. #111
    Denkende Leseratte mit Kampfkatze Avatar von Tamara
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    Das Weihnachtsbäumlein

    Es war einmal ein Tännelein
    mit braunen Kuchenherzlein
    und Glitzergold und Äpflein fein
    und vielen bunten Kerzlein:
    Das war am Weihnachtsfest so grün,
    als fing es eben an zu blühn.

    Doch nach nicht gar zu langer Zeit,
    da stands im Garten unten,
    und seine ganze Herrlichkeit
    war, ach, dahingeschwunden.
    Die grünen Nadeln war'n verdorrt,
    die Herzlein und die Kerzlein fort.

    Bis eines Tags der Gärtner kam,
    den fror zu Haus im Dunkeln,
    und es in seinen Ofen nahm -
    Hei! Tat's da sprühn und funkeln!
    Und flammte jubelnd himmelwärts
    in hundert Flämmlein an Gottes Herz.

    (Christian Morgenstern / 1871-1914)
    Nicht, was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns,
    in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich.
    (Arthur Schopenhauer)

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  20. #112

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    Wir Geschäftigen

    Du sagtest jüngst: wir wären allzuträge,
    Und unbeschäftigt flössen unsre Stunden,
    Seitdem die Lieb’ uns schlug mit süßen Wunden.
    Das ist nicht wahr, du bist auf falschem Wege.

    Sind wir getrennt, so denkst du, und ich pflege
    Auch nachzudenken, sinnend zu ergründen
    Die Tiefe unsrer Liebe; doch wie finden
    Zum Grunde eines Abgrunds wohl die Stege?

    Da schlägt die schönste Stunde meinem Tage.
    Ich eile zu dir, tausend Küsse küss ich:
    Bin ich dann faul? mein Liebchen, bist du müßig?

    Vielmehr, es wachsen täglich die Geschäfte,
    Doch wachsen täglich auch uns nach die Kräfte,
    Uns Leuten von dem arbeitsamsten Schlage.

    (Karl Immermann)
    Something old,
    something new,
    something borrowed,
    something
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    .

  21. Danke sagten:


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