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Thema: [SGA] Der Nebel

  1. #1
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Standard [SGA] Der Nebel

    Hier ist mein Beitrag für die "Nebel-Challenge" von Kris. Weil es ein wenig *g* länger geworden ist, habe ich die FF geteilt und werde sie in den nächsten Tage posten, aber bis zum 11.2. bin ich fertig. Ich habe alle Wörter und Sätze untergebracht, aber nicht besonders gekennzeichnet. So, und nun geht es los.

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    Titel: Der Nebel (1/5)
    Autor: Antares
    Serie: SGA
    Pairing: John/Rodney
    Rating: PG (im letzten Kapitel R)
    Staffel: 4
    Inhalt: Sheppard und McKay sitzen auf einem Planeten fest und die Zeit läuft ihnen davon.
    Beta: Besten Dank an Sinaida für all die tollen Vorschläge!
    Feedback: Sehr gerne!
    Cover: John Sheppard trifft auf C. D. Friedrich: „Wanderer über dem Nebelmeer“(um 1818)

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    Das Cover in Großformat: http://i137.photobucket.com/albums/q...oversigned.jpg

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    John Sheppard stand auf einer kleinen Anhöhe und blickte in das Tal, durch das sich ein breiter, braun-grüner Fluss schlängelte. Nebelschwaden lagen über dem Wasser, das wärmer war als die Umgebungstemperatur und tauchten die Landschaft in ein unwirkliches Licht. Noch stand John in der Sonne, aber der glutrote Ball verhieß, dass sie in den nächsten Minuten untergehen und die Dämmerung immer näher an ihn herankommen würde.

    Gerade als er sich abwenden wollte um zurückzugehen, sah er, dass der Nebel, der hinter dem Fluss lag, heute anders als sonst aussah. Dichter. Fester. Mehr wie eine Wand aus Watte, die jetzt schon fast das ganze nördliche Tal einnahm und sich langsam den Hügel hinaufarbeitete. Von der einen auf die andere Sekunde hatte die Szenerie nichts mehr von einem „romantischen“ Sonnenuntergang mit dahinwehenden Abendnebeln an sich, sondern wirkte bedrohlich.

    Lautlos aber unaufhaltsam kroch die grau-weiße Front den Hügel hinauf, alles verschluckend, vom Sonnenlicht bis zu den Baumriesen. Vielleicht war es seine Einbildung, vielleicht war es wirklich so, aber auch die Geräusche des Waldes und des Wassers, die bis gerade noch einen stetigen Hintergrund aus Gezwitscher, Gemurmel und Geraschel gebildet hatte, klangen gedämpfter. Zu dem alles verschlingenden Nebel gesellte sich eine Lautlosigkeit, die John einen eiskalten Schauder über den Rücken jagte.

    Es war soweit. Er war sich jetzt absolut sicher. Noch einmal holte er tief Luft, dann rannte er los, um Rodney zu warnen. Geschickt wich er niedrig hängenden Zweigen aus, kletterte über umgestürzte Bäume und umrundete Felsbrocken. Er nahm keine Rücksicht auf die pochenden Schmerzen in seinem Knöchel, die mit jedem Schritt stärker wurden. Er kannte den Weg mittlerweile fast wie im Schlaf, wusste genau, welche Biegung als nächstes kam. Er atmete ruhig und tief durch, schonte aber seine Kräfte nicht. Bereits nach einer viertel Stunde kam die kleine Siedlung in Sicht und John atmete erleichtert auf. Keine neue persönliche Bestzeit, das war mit seinem bandagierten Knöchel nicht möglich, aber er war zufrieden mit sich. Er wollte sich nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn er von dem Nebel draußen überrascht worden wäre.

    John öffnete die Tür des Hauses in dem sie wohnten mit mehr Schwung als nötig und humpelte herein. Rodney schaute von dem Schreibtisch, an dem er saß, hoch. Er schien in Johns Blicken lesen zu können, denn ruckartig sprang er auf, warf dabei seinen Stuhl um, der laut zu Boden krachte und fragte mit sich fast überschlagender Stimme: „Ist es soweit?“
    „Ja“, japste John. Er stemmte die Arme in die Seiten und holte tief Luft. „Das ist kein normaler Nebel, der da aufzieht.“
    „Verdammt, verdammt, verdammt. Ich habe noch längst nicht alles fertig! Das geht doch viel zu schnell. Ich dachte, wir hätten noch Wochen, wenigstens aber Tage.“ Während Rodney jammerte, lief er auf und ab, bis John sich ihm in den Weg stellte und somit seine Wanderung effektiv unterbrach.

    „Rodney, wir haben alles getan, was wir konnten“, meinte er immer noch leicht atemlos. „Jetzt bleiben uns vielleicht noch zwei Stunden, würde ich schätzen.“ Mit beiden Händen umfasste er Rodneys Oberarme und schüttelte ihn leicht. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Ja, es ist früher als gehofft, aber wir sind vorbereitet. Schau dich doch um.“ Mit seiner linken Hand machte er eine Geste, die das ganze Zimmer einschloss. „Es wird ganz anders sein, als beim ersten Mal, versprochen…“

    * * *

    Er erwachte mit einem leicht dröhnenden Schädel. Oh Mann, womit hatte man jetzt schon wieder auf ihn gezielt? Wer hatte ihm was über den Kopf gebraten? Blinzend öffnete er ein Auge und schaute sich um. Ein einfach eingerichtetes, altmodisches Zimmer mit niedriger Decke. Ein Tisch, vier Stühle, Schränke, Bücher. Langsam setzte er sich auf und glücklicherweise nahm das Hämmern in seinem Kopf nicht mit jedem Zentimeter, den er sich in die Senkrechte begab, zu. Nein, eher das Gegenteil war der Fall, seine leicht verschwommene Sicht wurde klarer, seine Umgebung bekam wieder Kontur. Auch wenn ihm das nicht viel nützte, denn er hatte nicht den blassesten Schimmer, wo er sich befand.

    „Hi.“ Erschrocken drehte er sich um, als er dieses eine Wort hörte, denn er hatte angenommen, dass er allein war. Dieses ‚Hi’ kam von seiner rechten Seite.
    Dort saß ein anderer Mann auf dem Fußboden, ganz in schwarz gekleidet und lächelte ihn freundlich an.
    „Hi. Ich bin … bin …Ich heiße … “ Oh, Gott! Er wusste nicht wer er war! Er hatte einen Namen und der lag ihm auch auf der Zunge – aber er konnte dieses Wort nicht zu fassen kriegen. „Mein Name ist …“, begann er noch einmal. Aber immer, wenn er dachte, er könnte es sagen, entzog es sich ihm. Er spürte eine Welle von Panik heranbranden, denn wenn man nicht mehr wusste, wer man war, war das nicht gut. Gar nicht gut.

    „Mir geht es genauso“, beruhigte ihn der Fremde, der sein Stammeln offensichtlich richtig interpretiert hatte. „Ich weiß nur … irgendwie … dass ich in meinem richtigen Körper stecke. Keine Ahnung, warum ich auf den Gedanken komme, ich könnte nicht ich sein, aber es ist so. Aber wie gesagt: Entwarnung, ich bin ich.“ Der Fremde schüttelte den Kopf, wie als wolle er die Spinnweben darin zerreißen.

    „Was?“ Er versuchte zu sortieren, was der Fremde da gerade gesagt hatte. Obwohl … ‚Fremder’ war nicht ganz richtig. Er hatte den Fremden schon mal gesehen, da war er sich sicher. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarzes, unordentliches Haar – doch, das kam ihm alles bekannt vor. Und seine erste Reaktion war auch nicht Angst oder Vorsicht, sondern Vertrauen gewesen. Er wusste, dass dieser Unbekannte … zu den Guten und nicht zu den Bösen gehörte. Aber auch er konnte dem anderen Mann keinen Namen geben. „Dann beruhigt es Sie ja wahrscheinlich zu erfahren, dass ich auch ich bin“, bemerkte er stattdessen schnippisch.
    „Yep.“ Der Schwarzgekleidete grinste, ging auf die Knie und stemmte sich vorsichtig hoch, indem er sich mit der Hand an der Anrichte zu seiner Linken festhielt. „Puh, habe ich einen Brummschädel.“
    Er konnte unmöglich sitzen, wenn der Andere stand, also sah er zu, dass er auch auf die Beine kam. „Das ist fürchterlich! Ich meine, wie soll ich arbeiten, wenn ich nicht mal weiß, wie ich heiße? Wissen Sie, was das bedeutet, all mein umfangreiches Können ist irgendwo da drin“, er tippte sich heftig an den Kopf, „Verschollen. Begraben. Weg. Unabrufbar.“
    „Wir werden schon noch drauf kommen“, versuchte ihn der andere Mann zu beruhigen.

    Doch so leicht war er nicht zu beruhigen. Stakkatoartig schossen die nächsten Fragen aus ihm heraus: „Wo sind wir hier? Was ist das? Sind wir allein? Seit wann sind wir hier? Und warum haben wir Gedächtnislücken, groß wie ein Wurmloch?“
    Der andere Mann verwuschelte seine Haare noch mehr, als er mit der Hand hindurchfuhr. „Keine Ahnung, wo und warum wir hier sind. Aber mein Gehirn schlägt vor, dass zu Wurmloch Stargate gehört – was auch immer das ist.“
    „Ja!“ Er schaute den Sprecher überrascht an. „Das ist richtig. Wir … wir haben etwas damit zu tun. Wir … das würde auch unsere Uniformen erklären. Oder nicht?“, stellte er seine These wieder in Frage.
    „Doch.“
    „Jim? Jack? George?“, versuchte er.
    „Nein …“ Der andere Mann schien die Namen im Kopf auszuprobieren. „Das klingt alles falsch. Aber warten Sie, ich erinnere mich da an was.“ Er fummelte an seiner Weste herum und zog dann an einer silbernen Kette zwei kleine Schildchen hervor. „Lieutenant Colonel John Sheppard“, las er voller Befriedigung vor – und es klang absolut richtig.

    Eine Minute später wusste Rodney, dass er Dr. Rodney McKay hieß und auf etliche Dinge allergisch war, ganz besonders auf Zitronen. Das alles stand auf einer Marke, die er ebenfalls unter der Kleidung trug, auch wenn sie anders war als Sheppards und weit mehr Angaben enthielt.
    Colonel Sheppard streckte ihm die Hand hin: „Freut mich, Sie kennen zu lernen, Dr. McKay.“
    McKay ergriff die Hand und schüttelte sie – ganz korrekt fühlte sich das nicht an. Sie schienen sonst einen anderen Umgang zu pflegen.
    „Schön Sie kennenzulernen, Colonel Sheppard. Dann bleibt ja nur noch die Frage zu klären, was wir hier machen, und warum unser Hirn so blank ist wie eine neu formatierte Festplatte.“

    Sie schauten sich im Zimmer um und entdeckten Dinge, die alt und Dinge, die neu aussahen. Für alltägliche Sachen, wie Tische, Bänke, Teller, Bücher waren die Wörter sofort da. Manche von den offensichtlich neuen Gegenständen konnten sie jedoch nicht gleich benennen. Rodney wusste zwar auch sofort, dass der rechteckige Kasten ein ‚Computer’ war, aber in diesem Augenblick konnte er nicht sagen, wie er funktionierte.

    „Mist, verdammter. Alle komplexeren Informationen scheinen irgendwie unabrufbar“, schimpfte McKay und hämmerte ziellos auf den Tasten mit den Buchstaben herum.

    „Kommen Sie“, meinte Sheppard. „Gehen wir mal vor die Tür und schauen wir, wo wir hier sind. Vielleicht erkennen wir etwas wieder.“

    Als sie vor die Tür traten, sahen sie eine Ansammlung von vielleicht zwanzig ein- und zweigeschossige Gebäuden in mehr oder minder gutem Zustand. Bei einigen waren die Dächer eingestürzt, bei einigen die Fensterscheiben zerbrochen. Das Haus, bei dem sie jetzt auf der Veranda standen, war mit am besten erhalten. Auch hier bröckelte die Farbe ab und im zweiten Stock hing ein Fenster schief im Rahmen. Aber alles in allem wirkte es nicht einsturzgefährdet und auch einigermaßen gepflegt. In denselben rotbraunen Erdtönen wie die anderen Häuser gestrichen, hatte es als einziges eine überdachte Veranda an der Vorderseite. Wenn es hier Klassenunterschiede gegeben hatte, war dies wohl das Haus des Dorfvorstehers oder wie immer er oder sie sich genannt haben mochten, gewesen.

    Die kleine Ortschaft wurde von einem dichten Wald umgeben, Bäume, so weit das Auge reichte. Nadelbäume, Laubbäume und Buschwerk. Zur Linken sahen sie eine Lichtung, die langsam von hohen Gräsern zugewuchert wurde und einen Brunnen beherbergte. Überall waren die Spuren des Verfalls unübersehbar, die Natur hatte schon wieder fast alle freien Flächen zurück erobert.

    Sie schlenderten die staubige Straße, die den Ort durchzog, einmal rauf und dann wieder herunter. Sie spähten in einige Wohnungen hinein und versuchten alles zu verstehen, was sie sahen und in einen Zusammenhang zu bringen mit den spärlichen Informationen, die sie bereits über sich selbst hatten. Aber es machte nicht ‚Klick’ und die ganz große Erleuchtung blieb aus. Es war ihnen nur klar, dass dies nicht ihre ständige Heimat war.

    „Wir waren wir hier auf einer Mission. Wir wollten etwas herausfinden – und dann … Flatsch, Ende, Aus – und mein Gehirn liefert nichts mehr. Das ist doch wirklich zum Verrücktwerden“, beschwerte sich McKay, als keiner der Gegenstände, die er anfasste, irgendeinen Schalter in seinem Gehirn umlegte, der ihm sein Wissen mit einem Schlag wieder zurück gab.

    „Wir sollten systematisch vorgehen. Es gibt hier doch Unmengen von Büchern. Mal sehen, was die uns verraten“, schlug Sheppard vor und gemeinsam gingen sie zu dem Haus zurück, in dem sie aufgewacht waren ...

    * * *

    „Ich will auch sehr hoffen, dass es anders ist als beim ersten Mal! Das war ja schrecklich. Alleine die Zeit, die wir damit verplempert haben, herauszufinden, wer wir sind.“ Rodney seufzte tief auf.
    „Das ging doch noch überraschend schnell. Schlimmer waren doch die ersten beiden Wochen. Das war wirklich frustrierend.“
    Rodney schubste John sanft zu einem Stuhl und zwang ihn sein linkes Bein hochzulegen. Dann machte er sich daran, den Verband am Knöchel abzuwickeln.
    „Du hast es viel zu sehr belastet.“ Tadelnd drückte er vorsichtig auf die Schwellung.
    „Au!“
    „Bleib hier sitzen, ich hole einen kalten Lappen.“
    „Danke. Aber du wirst verstehen, dass ich so schnell wie möglich zurück musste.“
    „Ja. Ob du jedoch überhaupt hättest gehen sollen, wollen wir jetzt nicht diskutieren.“ Rodney kam mit einem feuchten Lappen zurück und legte ihn auf Sheppards Knöchel.
    „So sind wir vorgewarnt, Rodney.“
    „Dickkopf.“
    Sheppard grinste mit zusammengebissenen Zähnen. „Danke, Doktor.“
    Rodney schaute leidend gen Zimmerdecke.
    „Es wird dieses Mal einfacher. Glaub’ mir.“ John streckte seine Hand aus, um Rodneys Schulter zu tätscheln.
    „Wenigstens wussten wir noch so grundlegende Dinge, wie dass man Essen muss, um nicht zu verhungern.“ Rodney setzte sich zu John und biss in einen Apfel, den er sich aus der Küche mitgebracht hatte.
    „Ja, Rodney. Gut, dass es deinen Magen gibt. Auf den ist Verlass.“ John klopfte anerkennend auf Rodneys Bauch. …

    * * *

    Die ersten beiden Tage ernährten sie sich von dem Obst, das die Bäume und Sträucher, die überall in den Gärten standen, trugen. Schmackhafte Früchte, denen sie aber keinen Namen geben konnten, bis sie ein Buch fanden, das genau das tat. Jede Frucht war ordentlich gemalt, von verschiedenen Seiten, mit Blüten und Blättern und sorgfältig beschriftet.

    „Na, wenigstens haben sie auf die Erziehung ihrer Kinder Wert gelegt. Es gibt hier in jedem Haus diese Bilderbücher. Das ist doch sehr praktisch.“
    „Mein Magen sagt mir aber auch, dass ich nicht dazu geboren wurde, immer nur Obst zu essen“, nörgelte Rodney.
    Dann hatte er plötzlich eine Idee. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir ohne Verpflegung auf diese Mission gegangen sind.“ Er suchte noch einmal den Inhalt des Rucksacks durch, den er achtlos auf den Boden geschüttet hatte. Jetzt schenkte er auch der hellbraun-beigen Tüte mehr als einen Blick und las erfreut: „Spaghetti mit Fleisch und Sauce.“
    Begeistert hielt er die Tüte in die Höhe. „Essensfertig!“
    „Los, probieren wir es aus.“

    Sie erwärmten das Gericht, setzten sich auf die Treppe vor ‚ihrem’ Haus in die Sonne und schon die ersten Bissen brachten mit dem Geschmack eine Flut von Erinnerungen zurück.
    „Klingt es blöde, wenn ich sage, dass ich mich an eine … fliegende Stadt erinnere?“, fragte John zwischen zwei Bissen vorsichtig an.
    „Fliegende St…?“ begann Rodney sarkastisch, als er innehielt und triumphierend rief: „JA! Genau! Türme, Wasser, buntes Glas, ich … “
    „Atlantis“, gab John diesem gemeinsamen Bild einen Namen.
    „Atlantis“, versuchte auch Rodney den Klang des Namens und nickte heftig dazu.

    Sie grinsten sich erleichtert an. Jedes Wort, das sie dazu lernten, fühlte sich wie ein Etappensieg an. Natürlich hätten sie sich, oder den Dingen einen Phantasienamen geben können, aber sie waren so an den Klang des richtigen Namens gewöhnt, dass es immer wie ein Platzhalter gewirkt hätte. Selbstverständlich brachte es ihnen im Moment überhaupt keinen sichtbaren Vorteil, wenn sie wussten, dass es irgendwo da draußen eine wunderschöne Stadt namens Atlantis gab – außer dem Wissen, irgendwo hinzugehören. ‚Atlantis’ klang wie ein Lockruf, dem sie folgen konnten. Wie ein langfristiges Ziel, das sie sich vornehmen konnten.

    Kurz – und mittelfristig hatten sie jedoch erst einmal andere Probleme. Sie mussten überleben. Lange genug, um Atlantis wiederzusehen, um gerettet zu werden, oder um aus eigener Kraft dahin zu gelangen.

    Am nächsten Tag suchte Rodney gerade Brennholz zusammen, als er Sheppard plötzlich auf dem Dach des Hauses, in dem sie Quartier bezogen hatten, herumspazieren sah. Scheiße, nein! Wenn der Mann da herunter fiel, war er tot, und er wäre ganz alleine hier! Das wäre entsetzlich! Rodney schaute genauer hin und musste feststellen, dass der Colonel tatsächlich ohne jegliche Sicherung da oben herumturnte. Und irgendeine Stimme sagte ihm, dass das typisch Sheppard war.

    „John!“, brüllte er. Sie waren schon nach einem Tag zu Vornamen übergegangen, da sich beide erinnerten, über das ‚Colonel’ und ‚Doktor’- Stadium hinaus zu sein.
    John drehte sich herum, rutschte ein paar Zentimeter nach unten, bekam wieder Halt und winkte McKay zu. „Ich repariere das Dach!“, rief er.
    „Das sehe ich. Ich bin ja nicht blind! Aber komm sofort da runter, das ist viel zu gefährlich!“
    „Ach was. Ich bin auch gleich fertig. Ich muss nur noch ein paar Holzschindeln festnageln.“
    Was immer Rodney darauf antworten wollte, wurde von den folgenden Hammerschlägen geschluckt und McKay musste hilflos mit ansehen, wie es Sheppard scheinbar gar nichts auszumachen schien, wenn er dabei manchmal ins Rutschen geriet.

    Er rannte ins Haus zurück und suchte hektisch ein Seil. Rasch stieg er in den Dachboden hinauf. Dort überlegte er, wie er nun am besten aufs Dach käme, als Sheppard sich durch das Fenster am Giebel wieder hinein hangelte.
    „So, alles erledigt. Jetzt kann uns auch ein Regenschauer nichts anhaben.“
    „Mach das nie wieder!“ Rodneys anklagender Finger unterstrich jedes seiner Worte.
    „Was? Dach reparieren?“ Sheppard warf ihm einen spöttischen Blick zu. „Irgendwie habe ich in Erinnerung, dass du ganz schön miesepetrig werden kannst, wenn du nasse Klamotten anhast.“
    „Du weißt genau was ich meine!“, spie ihm Rodney entgegen, machte auf dem Absatz kehrt und marschierte die Treppe wieder hinunter.
    „McKay …“
    Mit einem Knall ließ Rodney die Haustür ins Schloss fallen.

    Na toll. Wie John diese Art von Szenen hasste! Nancy – ja, er war tatsächlich mal verheiratet gewesen, fiel ihm ausgerechnet bei dieser laut zufallenden Tür ein – war auch eine Meisterin darin gewesen. Vorwürfe, Türenknallen, wenn es nicht so lief, wie sie sich das in Kopf gesetzt hatte. John wusste schon, warum er keine längerfristigen Beziehungen mehr einging. Irgendwann kam immer der Punkt, an dem der andere Partner versuchte mit mehr oder weniger subtilen Mittelchen ein Umerziehungsprogramm zu starten, um sich den Partner nach dem eigenen Bild hinzubiegen. Da hatte er echt keine Lust drauf. Nur blöde, dass er McKay leider im Moment nicht ausweichen konnte.

    Rodney stürzte in den nahe gelegenen Wald und suchte noch mehr Brennholz zusammen, um sich abzureagieren. Es war eine Sache, sein Leben aufs Spiel zu setzen, wenn man damit eine ganze Stadt retten konnte. Das konnte man zur Not noch mit dem Wohl der Vielen rechtfertigen. Aber es war einfach nur dusselig und blödes Macho-Gehabe, wenn man sich unnötigen Risiken aussetzte. Es gab nicht umsonst Richtlinien für sicheres Arbeiten. Und das Minimum war der gesunde Menschenverstand. Der bei manchen Leuten aber offensichtlich auf die Größe eines Mikrochips geschrumpft zu sein schien. Voller Zorn belud Rodney den Handkarren, den er hinter sich herzog, mit einem weiteren dicken Zweig.
    Als er es nicht länger hinauszögern konnte, ging er wieder zum Haus zurück.

    Sheppard hatte einen Obstsalat vorbereitet und ihn mit den Resten der Lebensmittel aus ihren Rucksäcken garniert. Das war wohl ein Friedensangebot, musste Rodney denken, ehe er sich schweigend den Teller bis zum Rand voll lud.

    Sie sprachen nicht mehr über den Zwischenfall, aber als Sheppard am nächsten Tag den Brunnen wieder instand setzten wollte, damit das Wasserholen etwas einfacher wurde, fragte er Rodney, ob er ihm helfen wollte. Natürlich war diese Aktion völlig ungefährlich und alles, was Rodney davon trug, war eine Brandblase, als ihm das Seil für den Eimer zu rasch durch die Hände rutschte.

    Ohne schlechtes Gewissen plünderten sie die anderen Behausungen und trugen alles, was sie brauchen konnte, oder von dem sie annahmen, dass sie es in naher Zukunft eventuell brauchen könnten, in ihr neues Zuhause. Einrichtungsgegenstände, Küchenutensilien, Decken, Bücher, Lampen, Brennholz, Werkzeuge – Platz hatten sie genug in dem zweigeschossigen Gebäude. Es war ein buntes Sammelsurium, das ihre Wohnung am Ende ihres Beutezuges ein wenig wie ein Piratennest aussehen ließ.

    Nachdem sie ein paar Tage lang einfach an den nächsten Baum gepinkelt hatten, kam ihnen die Idee, das Häuschen am anderen Ende des Gartens näher zu untersuchen und nicht einfach anzunehmen, dass es ein Stall für Tiere oder ein Lager für Gartengeräte gewesen war.
    Und sie hatten Recht, es war ein altmodisches Plumpsklo.
    Rodney war hin- und hergerissen, ob das vom hygienischen Standpunkt aus betrachtet jetzt ein Fort- oder ein Rückschritt war. Aber Sheppard versicherte ihm, dass sie nicht auf ewig ihre Hinterlassenschaften einfach überall hinterlassen konnten und weihte es ein.

    Spätestens als Rodney das letzte Papiertaschentuch benutzte, wusste er, dass jetzt ein neues Problem auf sie wartete. John kam auf die Idee, trockene Blätter zu verwenden und so sehr Rodney es hasste einzugestehen – er malte sich aus, welche Kontaktekzeme und allergische Reaktionen die Blätter auslösen konnten – es schien die einzige machbare Lösung zu sein, wollten sie nicht anfangen, die Seiten der Bücher herauszureißen und zu benutzen.

    John fand recht schnell raus, wie seine Waffe funktionierte und als er sein Denken bewusst ausschaltete, konnte er sie sogar zerlegen und wieder zusammensetzen. Seine Finger wussten noch wie es ging, es war wirklich in seinem Unterbewusstsein verankert. Dem Drill-Sergeanten schuldete er wohl jetzt einen Dank.
    Rodney zog den Vergleich zum Klavierspielen: „Selbst wenn man die Noten nach langer Abstinenz nicht mehr so schnell lesen kann, die Finger erinnern sich noch an die Abläufe, als wären sie ins Gehirn eingraviert. Können noch Arpeggien spielen, von denen du glaubst, dass du sie vergessen hast. Dein Hirn hat das noch gespeichert.“
    „Ich habe nie Klavier gespielt.“
    „Aber …“
    „Gitarre. Ja!“
    Es war immer phantastisch, wenn Gedächtnislücken sich ganz von alleine füllten und ihre Persönlichkeiten langsam mehr Details bekamen.

    John wusste, dass er Munition sparen musste, aber am Ende der ersten Woche schoss er ein Wildtier für sie. Sie hatten keine Ahnung, wie sie es fachgerecht zerlegen konnten und machten eine riesige Sauerei in der Küche. Überall war Blut, so entsetzlich viel Blut, dass Rodney überlegte die Küche zu verlassen. Dabei hatten sie das Tier schon draußen ausbluten lassen. Er wollte Sheppard aber keinen Angriffspunkt bieten und deshalb blieb er.
    Im Endeffekt jedoch bescherte es ihnen das beste Essen, das sie seit Tagen gehabt hatten.
    Da sie nicht wussten, wie sie das Fleisch haltbar machen konnten, gab es die nächsten Tage zum Frühstück, Mittag- und Abendessen gebratenes Fleisch, bis selbst Rodney freiwillig zu einem Stück Obst griff.


    TBC ...
    Geändert von Antares (04.02.2011 um 12:32 Uhr)


  2. #2
    Captain Avatar von Evaine
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    Mehr als eine Woche ist vergangen... und Atlantis hat noch keinen Suchtrupp geschickt? Merkwürdig...

    Aber das wird sich ja sicher bald aufklären... hoffe ich. Aber die Fortsetzung ist ja schon angekündigt...

    Danke, gefällt mir bisher.

  3. #3
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Eine sehr vielversprechende Geschichte, wie immer toll geschrieben, sie macht echt neugierig auf mehr. Ich liebe John und Rodney Geschichten, Du beschreibst so schön wie unterschiedlich die Zwei sind, John der Praktische, ohne Furcht und Rodney der Denker und Übervorsichtige, da ergänzen sich die Zwei wunderbar. Bin ja mal gespannt wie oft sie das schon erlebt haben, denke mal, das wirst Du in den nächsten Kapiteln ausführlich beschreiben, bin schon sehr gespannt.
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein! JWvG

  4. #4
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Das macht richtig Lust auf mehr.

    Also habe ich das richtig gelesen? Die sitzen auf einem Planeten fest und haben ihr Gedächtnis verloren? Mehrmals?
    Wie gut das sie es wieder bekommen.
    Die zwei kennen sich aber offensichtlich schon so gut, dass sie schnell dahinterkommen, wer der jeweils andere ist.
    Naja, es wären auch nicht mehr John und Rodney, wenn es nicht so wäre.

    Das war eine gute Idee gewesen und bisher hast du diese auch gut untergebracht.
    Ich bin gespannt wie es weitergeht bzw. wie es ausgeht.
    Online:
    SGA: ALEXA: Freaky Fridays
    Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander … vor allem Freitags


    Scarcrow and Dr. McKay: Wa(h)re Freundschaft
    Ein russischer Arzt nimmt an einem Ärztekongress in den Staaten teil, doch auf ihn wird ein Anschlag verübt. Will man hinter seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Medizin gelangen, oder hat er gar mehr zu bieten?

  5. #5
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Ohhh, das Cover ist wunderschön und passt sehr gut zu der ersten Szene. (Und gerade in Verbindung mit dem Cover ist der Titel perfekt! *g*)
    Und die fand ich auch superspannend, weil sie eine ganze Menge Fragen aufwirft, die ja auch noch nicht alle sofort beantwortet werden.

  6. #6
    Fürstin der Finsternis Avatar von Liljana
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    Eine so spannende Geschichte und die hört mittendrin auf ... ahhh Ich hab sie gestern wieder einmal in der Wanne gelesen und musste enttäuscht nach drei Seiten aufhören.

    Ich war ja schon vom Anfang völlig begeistert. Deine Beschreibungen haben sich in meinem Kopf festgesetzt und ich konnte den Nebel förmlich "sehen", wie er so langsam über das Tal zog. *fröstel* Fast wie in diesem Film "The Fog".

    „Wir waren wir hier auf einer Mission. Wir wollten etwas herausfinden – und dann … Flatsch, Ende, Aus – und mein Gehirn liefert nichts mehr. Das ist doch wirklich zum Verrücktwerden“, beschwerte sich McKay, als keiner der Gegenstände, die er anfasste, irgendeinen Schalter in seinem Gehirn umlegte, der ihm sein Wissen mit einem Schlag wieder zurück gab.
    Das kann ich mir lebhaft vorstellen, dass so ein Gedächtnisverlust gerade für Rodney das absolute Grauen ist. ^^

    „Das ging doch noch überraschend schnell. Schlimmer waren doch die ersten beiden Wochen. Das war wirklich frustrierend.“
    Das irritiert mich auch, dass die beiden dort schon seit über zwei Wochen festsitzen und keiner hat sie bisher gefunden. Allerdings gibt das Raum, für div. Vermutungen meinerseits. Sitzt vielleicht ein anderes Team irgendwo auf dem Planeten fest und hat ebenfalls sein Gedächtnis verloren, sprich, sie haben vergessen, dass sie nach wem suchen sollen oder "verlangsamt" dieser Nebel die Zeit und es sind in Wirklichkeit nur einige Tage vergangen?

    Ich fiebere diesmal der Fortsetzung regelrecht entgegen, also lass mich nicht zu lange warten Aber wie ich dich kenne, muss ich das auch nicht. ^^

    Das einzige was ich diesmal wirklich nicht lesen möchte, ist Sex zwischen den beiden. Ich weiß, ich weiß - es kommt schon noch, aber das werde ich dann doch nicht lesen bzw. den Spoiler nicht öffnen; denn bei gerade dieser Geschichte, möchte ich das nicht. Warum - keine Ahnung, ist halt so. *Schulterzuck*

    Und bevor ich es noch vergesse: Dein Cover ist wirklich 1a. Das passt einfach hervorragend.

  7. #7
    Ägypten-Fan Avatar von Valdan
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    Mysterioes, spannend und ich lechze nach der Fortsetzung...
    "Der Mensch fürchtet die Zeit, doch die Zeit fürchtet die Pyramiden."
    arabisches Sprichwort

    ***


  8. #8
    Leitung: Forum Avatar von Redlum49
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    Eine Minute später wusste Rodney, dass er Dr. Rodney McKay hieß und auf etliche Dinge allergisch war, ganz besonders auf Zitronen. Das alles stand auf einer Marke, die er ebenfalls unter der Kleidung trug, auch wenn sie anders war als Sheppards und weit mehr Angaben enthielt.
    Warum wundert mich das nur nicht?
    Aber das eine Marke für Rodney ausreicht?

    „Wenigstens wussten wir noch so grundlegende Dinge, wie dass man Essen muss, um nicht zu verhungern.“ Rodney setzte sich zu John und biss in einen Apfel, den er sich aus der Küche mitgebracht hatte.
    „Ja, Rodney. Gut, dass es deinen Magen gibt. Auf den ist Verlass.“
    „Mein Magen sagt mir aber auch, dass ich nicht dazu geboren wurde, immer nur Obst zu essen“, nörgelte Rodney.
    Was würden die Beiden nur ohne McKays Magen machen

    Eine mal wieder schön spannende Geschichte von dir bis hierhin. Besonders schön find ich, dass du sie in zwei Zeitebenen erzählst

    Dann bin ich mal gespannt was sie sich ausgedacht haben um nicht wieder das Gedächtnis zu verlieren. Aber irgendwas sagt mir, dass das noch nicht im nächsten Kapitel verraten wird
    Der SG-P-Podcast mit TheRealNeo, shadow-of-atlantis und RodneysGirl
    Folge 1: Jack O'Neil(l) / Folge 2: Die Unas / Folge 3: Der Amazon/MGM-Deal
    Folge 4: Robert Kinsey

  9. #9
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Also ganz herzlichen Dank euch allen!!!

    Spoiler 
    Ach nee, jetzt sind die ganzen FB-Antworten weg, weil ich mich noch mal neu anmelden musste!
    Dann noch einmal:
    @stargatefan95: Danke fürs Lesen und 'Danke' drücken!

    @Evaine:
    und Atlantis hat noch keinen Suchtrupp geschickt? Merkwürdig...
    Und den beiden ist es noch nicht einmal aufgefallen - bisher! *g*

    @John's Chaya: Du hast recht, schon zu Beginn wird deutlich, wie unterschiedlich die beiden an das Problem rangehen. *g* Freut mich, dass es dir bisher gefällt.

    @TinaS:
    Also habe ich das richtig gelesen? Die sitzen auf einem Planeten fest und haben ihr Gedächtnis verloren? Mehrmals?
    Ja, sie sitzen auf einem Planeten fest und wissen nicht einmal mehr wer sie sind. Und mehrmals? Abwarten ... .
    Die zwei kennen sich aber offensichtlich schon so gut, dass sie schnell dahinterkommen, wer der jeweils andere ist.
    Es wird noch geklärt, warum einige Sachen schneller "zurückkommen" als andere.

    @Liljana:
    Ich hab sie gestern wieder einmal in der Wanne gelesen und musste enttäuscht nach drei Seiten aufhören.
    In welchem Schrifttyp liest du denn? *g* In Times New Roman, 12, waren das 7 DIN A4 Seiten!
    aber das werde ich dann doch nicht lesen bzw. den Spoiler nicht öffnen
    Ich habe nichts geschrieben, was ich hinter einen Spoiler packen müsste. *g*
    Freut mich, dass dir das Cover gefällt.

    @Sinaida: vielen Dank! Dein Titelvorschlag war der richtige - und es freut mich, dass er dir in Verbindung mit dem Cover gefällt. Irgendwie habe ich mir John ähnlich vorgestellt, als ich die erste Szene schrieb.

    @Valdan: [/quote]Mysterioes, spannend und ich lechze nach der Fortsetzung... [/quote]
    Was will man als Autorin mehr? *bg*

    @Redlum49:
    Was würden die Beiden nur ohne McKays Magen machen
    Irgendetwas muss einen ja zu Höchstleistungen anspornen - und wenn es der Magen ist. *g*
    Besonders schön find ich, dass du sie in zwei Zeitebenen erzählst
    Ich freue mich, dass du das erwähnst, denn es war meine Sorge, dass das nicht so gut rüberkäme, wenn man die FF nicht als Ganzes liest, sondern nur Stücke vorliegen hat.



    So, dann geht es auch schon weiter und die beiden finden Einiges heraus ...

    Der Nebel (2/5)

    Drei Tage später fand John beim Herumwandern auf einer Lichtung einen großen, tonnenförmigen Metallgegenstand, den er in Ermangelung eines besseren Wortes erst einmal ‚Blechbüchse’ nannte. Er wusste genau, dass das Teil nicht in diese, sondern in seine Welt gehörte und dass es wichtig war. Sehr, sehr wichtig. Vielleicht ihr wichtigster Fund bisher überhaupt. Er machte umgehend kehrt.

    „Rodney!“
    „John. Wenn du so brüllst ist es entweder gefährlich, oder … Unsinn“, meinte Rodney, der gerade versuchte, den Ofen zu optimieren, damit sie nicht so viel Holz brauchten.
    „Du bist immer so charmant“, erwiderte John ironisch und verpasste Rodney eine Kopfnuss.
    „Hey! Mein wertvolles Hirn!“
    „Beweg deinen wertvollen Hintern mal mit mir eine viertel Stunde in westliche Richtung.“
    „Warum?“ Rodney streckte sein Kinn vor.
    „Darum“, gab John im gleichen Tonfall zurück.
    „John!“
    „Nein, komm schon.“ John zupfte Rodney am Ärmel. „Du wirst es nicht bereuen, ich verspreche es dir.“

    Rodney legte seine Werkzeuge zur Seite und trottete neben Sheppard her. „Was ist es denn?“, fragte er seufzend, so als täte er John den größten Gefallen überhaupt, wenn er ihn jetzt begleitete.
    „Auf diese Frage wollten wir doch verzichten, solange wir hier sind. Haben wir doch erst vorgestern ausgemacht. Ich weiß nicht, was es ist, ich weiß nur, es wird dir … gefallen.“
    Und in dem Moment als er es sagte, wusste er, dass es genauso war. Diese ‚Blechbüchse’ war von ihnen beiden ein … Lieblingsspielzeug.
    Rodney löcherte John noch mit Fragen und John erklärte ihm geduldig zum dritten Mal, das Wenige, das er von seinem ersten Eindruck mitgenommen hatte.

    „Wow!“ Eine viertel Stunde später blieb Rodney wie angewurzelt stehen. „Das ist ein ….eine … “
    „Blechbüchse?“, schlug John vor.
    „So heißt das Ding nicht, aber wir können provisorisch erst mal damit vorlieb nehmen.“
    Rodney lief einmal um ihren Fund herum, betatschte ihn, bestaunte ihn von allen Seiten und fühlte ganz deutlich, dass dies eine sehr wichtige Entdeckung war.
    Nachdem er das Teil einmal umrundet hatte, überlegten sie, wie sie hineinkommen könnten, da sie keine offensichtliche Tür gefunden hatte.
    „Wenn es uns gehört – und davon gehe ich mal ganz stark aus – dann haben wir es wahrscheinlich abgeschlossen, bevor wir losgezogen sind“, sagte John.
    „Und wer von uns hat den Schlüssel?“

    Sheppard zuckte mit den Schultern und begann die diversen Taschen seiner Hose zu entleeren. Eine Sonnencremetube, Schnur, ein Sturmfeuerzug, ein Energieriegel und diverse Gegenstände, die er nicht benennen konnte, kamen zum Vorschein.
    „Kommt dir irgendetwas bekannt vor?“, fragte er Rodney.
    Der Wissenschaftler schüttelte den Kopf und legte seinen Tascheninhalt zu dem stetig wachsenden Stapel.
    Sie nahmen verschiedene Gegenstände in die Hand, drehten sie hin und her, befingerten sie und versuchten sich zu erinnern. Welches dieser Teile sah so aus, als könnte man eine Tür mit ihm öffnen?
    Ganz plötzlich hörten sie ein knarzendes Geräusch und eine Klappe am Ende der ‚Blechbüchse’ begann sich zu öffnen.
    „Ha!“ Rodney stopfte seine Kleinigkeiten wieder rasch in seine Hosentaschen und sprang auf. Er und Sheppard begaben sich zum Ende der Metallkonstruktion.
    „Dann werden wir jetzt sehen, was drin ist.“

    Bereits während die Heckklappe herunterging, überfiel John ein so starkes Déjà vu, dass er voller Ungeduld schon auf die Metallplatte sprang, als sie noch gut einen halben Meter über dem Boden schwebte. Rodney folgte ihm.
    In der Blechbüchse schauten von rechts nach links – und eine Flut von Erinnerungen brandete an sie beide heran.
    „Wir sind … normalerweise zu viert.“ Rodney blickte Sheppard um Bestätigung heischend an.
    „Yep. T… Teyla Emmagan. Eine schöne Frau, die man nicht unterschätzen sollte.“ John rieb sich geistesabwesend sein Hinterteil.
    „Und ein Typ mit langen, ungepflegten Locken, der nicht Chewie heißt“, setzte Rodney die Aufzählung fort und ließ sich in den Co-Pilotensitz plumpsen.
    „Ronon Dex. Hey, wir sind gut heute, McKay.“ John ließ sich neben ihn in den Pilotensessel fallen.
    „Wo sind die beiden? Warum sind nur wir hier?“
    John durchforstete seine Erinnerungen. „Das kann ich noch nicht sagen.“
    „Ich auch nicht.“ Betrübt schüttelte Rodney den Kopf.

    John legte ohne Nachzudenken, die Hände auf die Steuerkonsole. Sie erwachte zum Leben und diverse Anzeigen leuchteten auf.
    „Halt! Hör augenblicklich damit auf. Das System kollabiert! Da überlädt sich etwas." Ängstlich versuchte Rodney Johns Hände wegzuziehen, als immer mehr Lichter angingen.
    „Nein.“ John presste Rodneys Hand auf die Konsole und legte seine Hand darüber. „Spürst du es nicht?“
    „Was?“ Rodney schaute panisch zwischen ihren Händen auf der Steuereinheit und John hin und her.
    „Der … Puddlejumper, so haben wir ihn genannt, kann mit Gedanken gesteuert und geflogen werden. Ich habe eine – und wehe du lachst jetzt – eine gewisse, wie soll ich sagen … äh … Beziehung zu dem Fluggerät.“
    „Kein Wunder, dass keines der Spacebabes bei dir bleibt, wenn du eine Beziehung mit deinem Jumper hast“, lästerte Rodney.
    „Meine Spacebabes?“ John sprach das Wort aus, als könnte man davon eine ansteckende Krankheit bekommen.
    „Eine Horde von gut aussehenden Frauen.„Ich erinnere mich da an…“ Rodney zählte sie sichtbar an einer Hand ab und nahm dann noch die andere zur Hilfe. „Eine gewisse Chaya, eine Tussi aus dem Atlantis-Turm, die Dunkelhaarige mit dem eifersüchtigen Bruder, die Priesterin von Hom-Torr, die Zwillinge von …“ Rodney war selbst erstaunt, dass ihm die ganzen Damen einfielen.

    „Stopp, stopp!“ John gebot ihm mit einer Hand Einhalt. „Das sind Gerüchte, Rodney.“ Gerüchte, gegen die er aber normalerweise nicht anging, weil sie ihm gut in den Kram passten. Nur weil McKay so ekelhaft herablassend war, wollte er das jetzt mal klarstellen.
    „Alles?“
    John räusperte sich. „Fast … alles.“
    „Welche nicht?“ Begierig schaute ihn Rodney an.
    „Ein Gentleman genießt und schweigt. Und jetzt sag mir lieber, warum ich das Ding nicht fliegen kann. Denn mein Unterbewusstsein scheint den Puddlejumper ja offensichtlich in Betrieb genommen zu haben, wenn das Leuchten hier etwas bedeutet. Ich weiß, wie man den Jumper lenkt, könnte es im Halbschlaf tun, warum fliegen wir dann nicht?“

    Rodney wusste auch so Einiges, unter anderem, dass er theoretisch diesen Jumper wie seine Westentasche kannte. Aber in diesem Moment machen die einzelnen Komponenten keinen Sinn. Er sah die ganzen Steckkarten, verfolgte mit seinen Blicken die Stromkreise und ließ seine Finger über den Tasten schweben – aber konnte nicht zu dem Wissen, von dem er wusste, dass es da war, durchdringen. Es waren nur bunte Karten, Drähte und Linien für ihn, die ihr Geheimnis nicht preisgaben.

    „Scheiße! Ich weiß, dass ich es weiß!“ Frustriert ließ er den Kopf nach hinten auf die Lehne sinken und starrte an die Decke.
    „Ja, ich weiß auch, dass du der Fachmann für diese Kiste bist.“
    „Wie außerordentlich beruhigend“, schimpfte Rodney.
    John stand auf und trat hinter Rodneys Sessel. „Wir werden es herausfinden. Setz dich nicht unter Druck.“ Er versuchte zuversichtlich zu klingen.
    „Ich arbeite unter Druck am besten.“

    Sie schauten sich an. Das war nicht bequem, weil Rodneys Kopf immer noch auf der Lehne lag und er von unten John anblickte, der sich ein wenig vorgebeugt hatte. John stand also auf dem Kopf für ihn und schwebte noch über ihm.
    Dann verzogen sich Rodneys Lippen einseitig, Johns Züge wurden weicher und ein erstes Lächeln umspielte seine Lippen, dann mussten sie beide laut loslachen, denn diese Diskussion hatten sie schon etliche Male geführt und der Wortlaut war ihnen seltsam vertraut.
    John legte seine Hand auf Rodneys Schulter: „Siehst du, ich sagte ja, dass wir es herausfinden werden. Wir sind schon ganz nah dran.“

    An diesem Tag war das aber nicht mehr der Fall und nach einer weiteren Stunde sinnlosen Herumprobierens machten sie sich wieder auf den Heimweg zu ihrem Haus. Für einen Moment hatten sie mit dem Gedanken gespielt im Jumper zu wohnen, weil es sich so sehr nach ‚Heimat’ und ‚richtig’ anfühlte, dann hatten sie sich aber noch einmal genau umgeschaut und die beengten Verhältnisse zur Kenntnis genommen. Es gab keine Möglichkeit zu kochen, keine Betten, keinen ausreichenden Platz und es war ihnen klar, dass man auf Dauer hier nicht ‚leben’ konnte. Der Jumper wäre ihr Ausweichquartier, ihr Plan B, wenn irgendetwas in der Siedlung schief laufen sollte, aber bis dahin würden sie weiter in ‚ihrem’ Haus wohnen.

    „Wir müssen als nächstes herausfinden, warum wir unsere Erinnerungen verloren haben“, meinte John beim Abendessen, das zur Abwechslung mal aus gebratenem Gemüse bestand. Vielleicht war es etwas dunkel an den Rändern, denn noch waren ihre Kochkünste nicht perfekt, aber sie experimentierten und lernten jeden Tag dazu – auch auf kulinarischem Gebiet. John fuhr fort: „Denn wir waren ja beide unverletzt, als wir aufwachten.“
    „Das kann doch hunderte von Gründen haben. Ein Schlag auf den Kopf …“
    „Beide gleichzeitig? Wer hat ihn uns verabreicht? Hier ist niemand. Außerdem haben wir keine Beule gehabt.“
    „Betäubende Gase?“
    „Wo sollen die herkommen?“ John schüttelte den Kopf.
    Rodney gab nicht so leicht auf. „Irgendeine Strahlung oder elektromagnetische Schwingungen?“
    „Schon eher. Denn ich kann mich nicht erinnern, dass wir Kontakt mit jemanden hatten, oder etwas Auffälliges gesehen haben.“
    Rodney nickte. „Aber was immer es war, es hat nur auf ganz spezielle Bereiche im vorderen Teil des Großhirns gewirkt, dort, wo unser Denken und Erinnern liegt. Andere Bereiche sind nicht betroffen – denn wir haben ja glücklicherweise nicht neu gehen oder sprechen lernen müssen.“

    „Wer ist zu so einem differenzierten … Angriff fähig? Und vor allen Dingen, warum?“ Sheppard baute aus den Büchern, die vor ihm lagen, geistesabwesend einen Turm.
    Rodney kaute auf dem Stift, den er in der Hand hielt, herum. „Und warum stellen wir uns diese Frage erst jetzt? Hätte die nicht am Anfang unser Ermittelungen stehen müssen? Denn schließlich hat damit alles angefangen.“
    „Die Frage ist zu komplex. Unsere ersten Gedanken haben sich nur um … Basisfragen, um Überlebensfragen gedreht: ‚Wer sind wir?’, ‚Wo sind wir?’, ‚Was können wir essen?’ und ‚Wo können wir halbwegs sicher die Nacht verbringen?’ Erst nachdem wir das geklärt hatten, waren wir überhaupt in der Lage uns diese Frage zu stellen.“
    „Mhmm“, brummte Rodney zustimmend. „Und ich glaube, der beste Weg, um mehr über das ‚Warum’ herauszufinden, wird sein, dass wir uns noch etwas ausführlicher mit all den Büchern und Schriften hier beschäftigen.“
    „Fangen wir an – oder hast du heute Abend noch etwas vor? Das reiche Nachtleben, das dieser Ort bietet, genießen?“
    Rodney würdigte John keiner Antwort sondern zog sich das nächste Buch heran.

    In den folgenden Tagen begannen sie den Ort systematisch nach Lesematerial zu durchforsten und schleppten alles heran, was auch nur andeutungsweise interessant aussah. Sie fanden hunderte von Aufzeichnungen, Büchern, Bildern, Papieren und handschriftlichen Notizen. Zu Beginn dachten sie noch, dass das mit einem hohen Schulniveau zusammenhängen musste, dann kam ihnen zum ersten Mal eine erschreckende Idee.

    „Was wäre, wenn dieses Ereignis, das unser Gehirn sauber geputzt hat, nicht einmalig gewesen wäre, sondern sich auch in der Vergangenheit schon zugetragen hätte?“ John schaute Rodney durchdringend an und hoffte auf wortreiche Ablehnung, denn wenn er Recht hatte, konnte es jederzeit wieder passieren.
    „Du meinst …?“ Rodney zog offensichtlich genau dieselben Schlussfolgerungen, die John schon gezogen hatte, denn er setzte sich aufrechter hin. „Das wäre fürchterlich!“
    „Es würde doch aber diese Flut von Lehrwerken, Zetteln und Unterlagen erklären, oder nicht?“
    „Sie haben ihre Welt … katalogisiert, um sie schneller wieder erlernen zu können.“ Ganz plötzlich erschöpft ließ sich Rodney in den Sessel sinken.
    Das waren entsetzliche Aussichten …

    * * *

    Rodney legte das Bilderbuch mit den Begriffen, des täglichen Lebens auf die Anrichte in der Küche. „Wir hatten Recht. Es ist gar kein Kinderbuch. Es ist für Erwachsene, damit sie sich möglichst schnell wieder zurechtfinden. Das erklärt auch die große Anzahl, die wir in dem ganzen Ort gefunden haben. Sie hatten nicht mehr und nicht weniger Kinder als die anderen Völker, die wir schon getroffen haben. Aber sie wurden in periodischen Abständen zu … ‚Kindern’ und musste ihre Welt neu erlernen. Ich hoffe nur, es funktioniert.“

    „Rodney, es hat für diese Leute funktioniert, warum soll es da bei uns anders sein? Wir haben alles beschriftet, was wichtig ist. Wir haben uns Landkarten gemalt, damit wir sofort den Jumper, den Brunnen und die besten Jagdplätze wieder finden. Wir haben uns sogar Anweisungen hinterlassen, in welcher Reihenfolge wir am besten vorgehen. Du wirst sehen. Nächstes Mal sind wir wesentlich schneller. Ja, wir haben uns sogar die Mühe gemacht, es in den Computer zu tippen und handschriftlich niederzulegen, damit wir doppelt abgesichert sind. Wir haben wirklich getan, was wir konnten.“

    John angelte nach einem Ast, den er als Stock benutzte, und trat zu Rodney. Er fing dessen nervös hantierende Hände in seinen ein. „Hab ein wenig Vertrauen in uns.“ Er erlaubte sich ein winziges Lächeln. „Wir haben in den vergangenen Wochen doch auch herausgefunden, dass wir das Vorzeigteam sind. Die Besten der Besten. Die, die immer einen Ausweg finden. Das wird dieses Mal nicht anders sein.“ Er zwinkerte Rodney zu.

    Rodney erlaubte sich einen winzigen Moment der Schwäche. „Ich will nach Hause, John.“ Dann straffte er sich und fügte mit festerer Stimme hinzu: „Ja, du hast recht. Selbst wenn wir es diese … Runde nicht schaffen, wir lernen dazu. Dann klappt es eben beim nächsten Mal. Und jetzt gehe ich noch einmal aufs Klo. “

    John grinste. „Das ist die richtige Einstellung, Rodney…“

    * * *

    Zwei Tage später fanden sie dann den ersten Text, der konkret vom „Großen Vergessen“ sprach. Die Leute hatten Mythen um dieses für sie bestimmt erschreckende Ereignis gerankt und der Nebel spielte eine große Rolle in ihren Aufzeichnung. Ein paar Bücher später waren sie sich sicher: Das ‚Vergessen’ war an den Nebel und vielleicht auch an die Stellung des Mondes gekoppelt. Sie lasen sich durch bebilderte Werke, die das anschaulich und schrecklich zugleich demonstrierten. Der Nebel war in der Mythenwelt der früheren Bewohner zu einem Wesen geworden, hatte ein schreckliches Antlitz bekommen, und war gnadenlos, alles verschlingend.

    „Meinst du, sie haben sich zum Schluss selbst getötet? Und deshalb ist hier niemand mehr? Kann man es nach einer Weile nicht mehr aushalten, alle paar Monate sein Leben immer wieder neu lernen zu müssen? Steht uns das auch bevor?“ fragte Rodney und starrte auf die furchterregende Abbildung des Nebels.
    „Ich habe keine Ahnung, aber ich nehme nicht an, dass sie sich selbst getötet haben. Wir haben keine Grabstätte gefunden. Und wenn du in ein …’besseres Leben’ gehst, lässt du dann dein Haus so unordentlich zurück? Mir scheint es eher, als seien sie Hals über Kopf aufgebrochen, hätten noch nicht einmal das Nötigste mitnehmen können.“
    „Und warum?“
    „Das werden wir auch noch herausfinden.“

    Doch zuerst fanden sie etwas Anderes. Unter all den Büchern war auch eins mit Abbildungen von einer großen Anlage. Jemand aus dem Ort musste sich irgendwann einmal dort hinbegeben und das Gebäude, das so ganz anders aussah als die kleinen Häuser im Ort, gezeichnet haben.
    „Das muss auf der anderen Seite des Flusses liegen“, gab John zu bedenken, „denn das ist der Bergrücken, den man von der Anhöhe aus sieht, wenn wir ins Tal schauen.“
    „Aber was ist das? Das ist riesig. Und die Architektur – das passt so gar nicht zu der einfachen bäuerlichen Kultur hier. Wer hat das dort gebaut? Ihre Vorfahren? Und sie haben dann irgendwann einmal vergessen, wie es funktioniert? Oder ein fremdes Volk? Vielleicht die Antiker? Stammt es aus derselben Zeit wie Atlantis?“

    Sie blätterten weiter und erblickten seltsame Maschinen, die in einer fremden Sprache beschriftet waren.
    „Das ist nicht antikisch“, stellte John nach ein paar Minuten unmissverständlich fest, während sein Zeigefinger den Schriftlinien folgte.
    „Das ist … die Sprache … der Wraith“, flüsterte Rodney plötzlich und das Wort stand unheilvoll im Raum.

    Beide hatten sofort ein Bild vor Augen: helle, lange Haare, spitze Zähne, klauenartige Hände – Wesen, die über Leben und Tod entscheiden konnten und es auch schon getan hatte. Sie beide hatten einige ihrer Opfer persönlich gekannt. Ein Volk, das Menschen nur als Nahrungsquelle betrachtete und regelmäßige Beutezüge unternahm. Ein Volk, das die Populationen von ganzen Welten ausgelöscht hatte. Je mehr Details ihnen einfielen, desto bewusster wurde ihnen, dass man mit den Wraith nichts zu tun haben wollte.

    „Oh, Scheiße.“ Sheppard stieß hörbar die Luft aus.
    Reflexartig schaute sich Rodney um. „Und wenn sie zurück kommen?“
    „Das glaube ich nicht.“
    „Ach ja? Und warum nicht?“ Rodney schob sein Kinn vor.
    „Weil sie den Planeten ‚leer gefressen’ haben – deshalb nicht. Sie wissen nicht, dass wir beide hier sind und sonst gibt es niemanden. Warum also sollten sie zurückkommen?“
    „Du meinst ...?“
    „Sie haben sich selbst ihre Lebensgrundlage entzogen. Vielleicht bedingt dadurch, dass sie in zu großer Zahl gleichzeitig aufgewacht sind. Bis dahin hatten sie aber ein einzigartiges System hier etabliert.“
    „Bist du dir ganz sicher? Mit dem ‚Nicht wieder zurückkommen’- Part, meine ich?“, fragte Rodney misstrauisch.
    „So sicher, wie man bei Wraith sein kann. Hey, ich kann natürlich nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass sie nicht eine kleine Spritztour aus Nostalgie-Gründen hierher unternehmen.“
    „Danke. Genau das, was ich hören wollte“, grummelte Rodney.

    Langsam setzte sich für sie ein Bild zusammen. In regelmäßigen Abständen scheinen die Bewohner dieses Planeten einer Gehirnwäsche unterzogen worden zu sein, damit sie alles, was sie bisher erreicht hatten, wieder vergaßen.
    „Das ist so clever von den Wraith! So brauchten sie sich keine Gedanken darüber zu machen, dass ihr Essen zu fortschrittlich wird und womöglich Technik entwickelt, die ihnen hätte gefährlich werden können. Die Hälfte der Zeit waren diese Leute damit beschäftigt, herauszufinden, wer sie waren und was sie hier machten.“ Rodney war zwischen Faszination und Abscheu hin- und hergerissen.

    „Häufig ausgeführte Tätigkeiten scheinen aber so weit im Unterbewusstsein verankert gewesen zu sein, dass sie sie nicht neu erlernen mussten. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass man für die Tiere sorgen, oder Landwirtschaft betreiben muss, um Lebensmittel herzustellen und so weiter. Aber die ganzen Rezepte, wie man was lagerfähig macht, das ist erlerntes Wissen und das haben sie aufgeschrieben.“
    „Das erklärt auch die wunderschönen Namenschilder, die wir gefunden haben. Das war nicht nur dekorativer Schmuck, das half ihnen sich schneller zurecht zu finden. Nicht jedes Mal mühsam zu rekonstruieren, wie man hieß.“
    „Aber warum haben die Wraith es dann nur hier gemacht? Wäre doch praktisch gewesen, so Leute wie die Genii oder die Hoffaner gar nicht erst zu ihrem Wissen kommen zu lassen“, meinte John.
    „Das hat bestimmt mit diesem Planeten zu tun. Ich wette, der Nebel ist irgendwie der Katalysator oder das Trägermedium, oder was auch immer. Sie haben sich diese natürlichen Gegebenheiten zu Nutze gemacht und mit wenig Aufwand eine Gesellschaft am technischen Fortschritt gehindert.“

    TBC ...
    Geändert von Antares (05.02.2011 um 11:50 Uhr)

  10. Danke sagten:


  11. #10
    Leitung: Forum Avatar von Redlum49
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    Ich freue mich, dass du das erwähnst, denn es war meine Sorge, dass das nicht so gut rüberkäme, wenn man die FF nicht als Ganzes liest, sondern nur Stücke vorliegen hat.
    Kann sein das ich in der Beziehung schon durch Kevins FFs The Room / Tom Hore, die ja auch gleichzeitig auf mehreren unterschiedlichen Zeitebenen spielen etwas abgehärtet bin - und als Lostfan hat man mit der Art von Erzählungen eh kein Problem

    Zu Kapitel 2:

    Mir hat gefallen, wie du den Prozess des sich langsamen erinnern an den Jumper, das Team, ect. herüberbringst. Man kann (wie immer in deinen Geschichten) sehr gut in die Geschichte die du beschreibst eintauchen und alles live (mir fällt jetzt kein besserer Begriff ein) miterleben
    Und der Erinnerungsprozess war besonders schön und spannend mitzuerleben

    Ich bin gespannt, wie es mit dem Nebel, unseren beiden Helden und besonders den offenen Fragen weitergeht
    Der SG-P-Podcast mit TheRealNeo, shadow-of-atlantis und RodneysGirl
    Folge 1: Jack O'Neil(l) / Folge 2: Die Unas / Folge 3: Der Amazon/MGM-Deal
    Folge 4: Robert Kinsey

  12. #11
    Fürstin der Finsternis Avatar von Liljana
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    Ich wusste doch, dass ich nicht lange warten muss.

    In welchem Schrifttyp liest du denn? *g* In Times New Roman, 12, waren das 7 DIN A4 Seiten!
    Keine Ahnung wie die Druckversion ist, 3 Seiten halt - naja, ein bisschen klein war es schon ^^

    So langsam setzt sich das Puzzle immer mehr zusammen- Dank ihrer zahlreichen Erinnerungshilfen; erinnert mich ein bisschen an den Film "50 Erste Dates".

    Besonders lustig fand ich das mit der "Blechbüchse". Ich habe gleich richtig getippt, dass damit nur der Jumper gemeint sein konnte.

    Und welche Überraschung - am Ende kommen sogar noch die Wraith ins Spiel. Damit habe ich nun überhaupt nicht gerechnet. Ich bin gespannt ...

  13. #12
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Ah, endlich der nächste Teil.

    Es gefällt mir, wie sich ganz langsam der "Nebel lichtet" und die beiden allmählich hinter die Dinge kommen.

    Die Blechbüchse hat mir auch sehr gefallen. Es war mir sofort klar, dass damit nur eines gemeint sein konnte und so wie John auf die Dinger abfährt, muss er schon irgendwei psychisch mit den Jumpern verbunden sein.

    Jetzt bin ich aber mal gespannt wie sie aus dieser Misere rauskommen wollen, also....
    Hau in die Tasten!

    Das zweite Kapitel hat mir auch gut gefallen. Weiter so!
    Online:
    SGA: ALEXA: Freaky Fridays
    Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander … vor allem Freitags


    Scarcrow and Dr. McKay: Wa(h)re Freundschaft
    Ein russischer Arzt nimmt an einem Ärztekongress in den Staaten teil, doch auf ihn wird ein Anschlag verübt. Will man hinter seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Medizin gelangen, oder hat er gar mehr zu bieten?

  14. #13
    Ägypten-Fan Avatar von Valdan
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    Das ist ja geradezu teuflisch, wenn das so ist, wie sich das am Ende herauskristallisiert - ein perfider Plan der Wraith, um einen sicheren Weidegrund zu haben....*schüttel*

    Ich bin sehr gespannt, wie sich das weiter entwickelt und vor allem, ob die Sicherheitmassnahmen der beiden wirken und vor allem, wieso die beiden da alleine sind und und und...

    Aber das wirst du uns bestimmt alles noch wissen lassen :-)

    LG Val

    PS: Bevor sich es vergesse: John passt wunderbar in das Gemälde hinein...
    "Der Mensch fürchtet die Zeit, doch die Zeit fürchtet die Pyramiden."
    arabisches Sprichwort

    ***


  15. #14
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Ich fang mal mit dem Titelbild an, denn das alleine finde ich schon absolut fantastisch! Seitdem sie den Hintergrund fuer David Tennants "Hamlet" genommen haben, liebe ich die Stimmung des Bildes ohnehin schon, aber du hast wirklich das perfekte Bild von Sheppard reingemanipt ... sieht einfach klasse aus und passt perfekt zur Story ... ich bin echt schwer begeistert!

    Und deine Geschichte liebe ich ebenfalls schon, auch wenn noch nicht alle Fragen geklaert sind (waere ja auch langweilig *g*).
    Und keine Sorge, das mit den zwei Erzaehlebenen hat fuer mich von Anfang funktioniert, zumindest nachdem ich kapiert hatte, dass das kursiv Geschriebene immer die andere Ebene einleitet ... *gg* das ist mal eine ungewoehnliche, aber wirklich passende Herangehensweise!

    Ich bin jetzt mal gespannt, wie es fuer Rodney und John sein wird, wenn sie wieder ihre Erinnerungen verlieren, und natuerlich auch, wie sich der Erzaehlstrang in der Vergangenheit weiterentwickelt ... und ich will natuerlich wissen, wo die anderen sind, Teyla und Ronon bzw. die Bewohner des Dorfes (oder sind die wirklich alle von den Wraith eingesammelt worden?). Und was ist mit dieser Stadt, die es in den Aufzeichnungen gibt? Und dann wuerde mich noch interessieren, wie die Wraith den Nebel kontrollieren oder ob er vielleicht eine ganz eigene Entitaet ist, die die Wraith nur zufaellig entdeckt haben, aber da im Grunde noch was ganz Anderes hintersteckt ...

    Bin ich zu neugierig? Dann poste halt einfach schnell weiter!

  16. #15
    zigtausend Jahre alt ... ;-) Avatar von John's Chaya
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    Bauch halt vor lachen , den Jumper als Blechbüchse zu bezeichnen ist echt lustig. Der Zweite Teil gefällt mir genauso gut wie der Erste. Sehr spannend zu lesen, wie so langsam Licht hinter dem ganzen kommt. Man und dann stellt sich auch noch heraus das die Wraith dahinter stecken, bin echt mal gespannt wie es weiter geht.
    Ich bin zu alt, um nur zu spielen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein! JWvG

  17. #16
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Vielen Dank für die netten Feedbacks und eure Bereitschaft mitzuraten, was denn nun passiert ist. Das ist absolut spannend für mich zu sehen, in welche Richtung euch welche Andeutung von mir geschickt hat. Und puh …. habt ihr viele Fragen!!! *g*

    Spoiler 
    @Evaine, Kris – vielen Dank fürs Lesen und „den Knopf“ drücken. *g*

    @Redlum49:
    und alles live (mir fällt jetzt kein besserer Begriff ein) miterlebe
    Der Begriff ist gut und gefällt mir! *bg* Danke sehr!

    @Liljana:
    Ich wusste doch, dass ich nicht lange warten muss.
    Nein, fein säuberlich jeden Tag ein Kapitel, dann bin ich noch vor der Deadline fertig. *g*
    Besonders lustig fand ich das mit der "Blechbüchse". Ich habe gleich richtig getippt, dass damit nur der Jumper gemeint sein konnte.
    Ja, bei der Begeisterung, die John zeigte, musste das schon etwas „Großes“ sein.
    Vielen Dank!

    @TinaS:
    Es gefällt mir, wie sich ganz langsam der "Nebel lichtet" und die beiden allmählich hinter die Dinge kommen.
    Ja, richtig! Ich habe ja auch noch die übertragene Bedeutung von „Nebel lichten“ in der Story! Hihihi, danke für diesen netten Hinweis. *g*
    Hau in die Tasten!
    Es ist schon alles fertig geschrieben, aber da die Leute hier im Forum die FFs ab einer gewissen Länge lieber in Schnipseln haben möchten, gibt es jeden Tag ein „Teilstück“. *g*

    @Valdan:
    ein perfider Plan der Wraith, um einen sicheren Weidegrund zu haben....*schüttel*
    Ja, irgendwie schon, nicht wahr? Und mit viel weniger Aufwand verbunden, als z.B. so Leute, wie die Genii in Schach zu halten.
    PS: Bevor sich es vergesse: John passt wunderbar in das Gemälde hinein...
    Danke sehr!

    @Chayiana: Titelbild:
    ich bin echt schwer begeistert!
    Das freut mich!! *g* Und ich wusste gar nicht, dass man für den „Hamlet“ bei einem Romantiker geplündert hatte. Hast du einen Link zu dem Poster? Das würde mich sehr interessieren.
    Und keine Sorge, das mit den zwei Erzaehlebenen hat fuer mich von Anfang funktioniert,
    Gut, dann bin ich beruhigt. *g*
    Bin ich zu neugierig?
    *lol* Man kann niemals *zu* neugierig sein. Aber ob man auf alles eine Antwort bekommt? *fg*

    @John’s Chaya:
    Man und dann stellt sich auch noch heraus das die Wraith dahinter stecken
    Die bösen Buben der Galaxis haben halt überall ihre Finger drin. *g*

    Vielen Dank euch allen für die tollen Anmerkungen!


    Ich denke, im nächsten Kapitel wird jetzt einiges geklärt - und neue Probleme tauchen auf. *g*
    -------------------------------------------------------------
    Der Nebel (3/5)

    Das war auch der Tag, an dem sie begannen, all die Sachen zu notieren, die sie, seit sie hier gestrandet waren, wieder neu erlernt hatten. Nachdem sie sich sicher waren, dass es hier periodisches Vergessen gab, fingen sie an, alle Teile mit Edding zu beschriften. Kurz den Namen und die Wirkungsweise zu notieren und was man mit dem Gegenstand machen konnte, worauf man besonders achten musste.

    „Für den Fall der Fälle. Wir haben keine Ahnung, wie oft man hier wieder bei Null anfangen muss, da kann ich mir ja ein paar Hilfen mit auf den Weg geben“, murmelte Rodney immer wieder während er sich möglichst kurze, griffige Erklärungen ausdachte.
    Eifrig beschriften sie alles, was ihnen irgendwie von Nutzen sein konnte, hängten kleine Zettel mit Erklärungen an, die ihnen jetzt, da sie es wieder wussten, logisch erschienen, bei denen sie aber Tage gebraucht hatten, die Wirkungsweise zu verstehen. Sie gingen kein Risiko ein und beschriften selbst unbedeutende Sachen.

    Als Rodney sich umschaute, sah es wie bei einem verrückten Professor im Arbeitszimmer aus.
    „Russel Crowe in „A beautiful mind“, meinte John lächelnd, als er Rodneys Rundumblick sah.
    „Nur, dass wir nicht verrückt sind.“
    „Bist du sicher?“, lachte John
    „Bei mir schon“, erklärte Rodney hochmütig, aber das Amüsement schwang in seinen Worten mit. „Was jedoch gewisse andere Leute in meiner Gesellschaft betrifft …“ Er brachte sich mit einem raschen Ducken aus der Reichweite von Johns Hand.

    Da es die nächsten Tage am Stück regnete, konnten sie nahezu ununterbrochen weiterlesen und ihre Theorie wurde mit jedem Buch bestätigt.
    ------------------------------------
    Der Regen peitschte mit Wucht gegen die Fenster, Blitze zuckten über den Himmel und Donner folgte in kurzen Abständen. Stundenlang zog das Gewitter von rechts nach links und jedes Mal, wenn Rodney zum Fenster hinausschaute, sah er nur Sturzbäche, die vom Dach rauschten und die einzige Straße des Ortes zu einem aufgeweichten Strom aus Matsch und Wasser machten. Sie stellten ein Gefäß vor die Tür und schon eine Stunde später hatten sie genügend Wasser gesammelt, um sich eine warme Suppe kochen zu können.
    Gegen Abend verzog sich das Gewitter dann langsam, aber der starke Regen machte weiterhin jeden Aufenthalt im Freien unmöglich. Dank des prasselnden Feuers im Ofen, der Wärme und genügend zu essen, war es nicht nur lästig, sondern auch eine willkommene Auszeit, ein Moment des Innehaltens, nach den letzten aufregenden Wochen.

    Am nächsten Morgen war es John, der nur mit einer Shorts bekleidet zum Brunnen sprintete und zwei Eimer Wasser herholte. Daraus leitete McKay prompt ein Gewohnheitsrecht ab, und in den nächsten Tagen sah sich nur John zum Brunnen laufen und Wasser holen.

    Der Regen erlegte ihnen Untätigkeit auf. Nach nur einem Tag war das noch kein Problem, John machte seine Liegestütze und Kniebeugen und andere Kraft- und Ausdauerübungen halt im Haus, statt draußen durch die Gegend zu rennen. Rodney betrachtete ihn mit einem zweifelnden Gesichtsausdruck und lehnte vehement ab, sich daran zu beteiligen. Er ignorierte auch geflissentlich, dass Sheppard ab dem zweiten Tag viel häufiger als sonst auf die Terrasse trat und den Himmel beobachtete, um ihn nach Zeichen für Wetterbesserung abzusuchen, nur um dann niedergeschlagen wieder zurück ins Haus zu kommen. Er schob ihm dann wortlos ein Buch rüber und sie lasen weiter.

    Das Regenwetter bedeutete auch, dass sie zum ersten Mal, seit sie hier gestrandet waren, zur Ruhe kamen und Zeit hatten für Gedanken, die sich nicht nur ums Überleben drehten. Das stürmische, nass-kalte Wetter machte deutlich, dass sie es auch hätten schlechter treffen können. Die Häuser hätten unbewohnbarer, das Klima kälter und die Natur unwirtlicher sein können. Sie hörten zwar von Zeit Geheule und Gebrüll, das auf größere Raubtiere schließen ließ, in der Ortschaft ließen sich diese Wesen jedoch nie sehen. Ja, alles in allem hätten sie es schlechter treffen können.

    John ging auf, dass sie wirklich aufeinander angewiesen waren. Er hatte nur Rodney zum Reden, Rodney nur ihn. Und sie konnten nicht sagen, wie lange das noch so gehen würde.
    Sicher hatten sie die Hoffnung, dass Rodney den Jumper flugfähig bekäme, aber das gestaltete sich schwieriger als gedacht.
    Rodney fühlte sich jeden Tag, als wäre er vor dem Durchbruch, nur um dann festzustellen, dass er erst einmal viel grundlegendere Dinger erneut erlernen musste, ehe er auch nur ansatzweise daran denken kann, diese hochkomplizierte Technologie zu reparieren.

    „Ich komme mir wie ein Zeitreisender vor, den man irgendwo in der Zukunft abgesetzt hat – leider ohne eine Bedienungsanleitung für diese ganzen Sachen hier.“
    „Hat er keine Anleitung im Handschuhfach?“, neckte John, um Rodneys Frustration ein wenig zu durchbrechen.
    Jumper reparieren leicht gemacht, der dritte Band in unserer beliebten Heimwerkerserie, ich weiß“, grummelte Rodney und nahm sich das nächste Teil vor. „Aber leider hat jemand vergessen ein Exemplar davon in diesen Jumper zu legen. Mit dieser miesen Vorausplanung dauert es noch, bis ich das Teil wieder startklar habe.“

    John konnte auch nicht sagen, warum bisher noch kein Rettungsteam aus Atlantis nach ihnen geschaut hatte. Nach so vielen Wochen sollte man sie doch vermissen, oder nicht?
    Sie hatten sich inzwischen daran erinnert, dass sie Teyla und Ronon auf dem Flug hierher auf einem Planeten „nebenan“ abgesetzt hatten. Dort wollten die beiden Besuchen und Handel nachgehen, während Rodney und er noch einen halben Tag weiter auf diesen Planeten geflogen waren, wo sie seltsame Energiewerte überprüfen wollten. Also wenigstens Teyla und Ronon hätten ja inzwischen Atlantis informieren können, dass sie noch nicht am vereinbarten Treffpunkt erschienen waren, um sie wieder einzusammeln.

    John konnte sich nicht erklären, was da schief gelaufen war. Vielleicht waren sie vom Kurs abgekommen und jetzt auf einem anderen Planeten als geplant? Vielleicht gab es einen Schutzschirm, den sie beim Anflug aktiviert hatten und den die Sensoren nun nicht durchdringen konnten? Und wenn diese ‚einfachen’ Erklärungen nicht ausreichten, dann gab es noch ein paar, die viel zu düster und endgültig waren, und die wollte er einfach nicht in Betracht ziehen. Wenn er erst einmal zuließe, sich vorzustellen, dass es Atlantis nicht mehr gab, oder dass es Feinden in die Hände gefallen war, dann verloren sie auch ihr Ziel, hier wieder wegzukommen, und das durfte nicht sein.

    Bis sie wieder in Atlantis waren, war er also auf Rodney angewiesen. John schaute auf den Wissenschaftler, der mit gerunzelten Brauen in einem Buch las und sich Notizen dazu machte. Es hatte überraschend gut bisher geklappt mit ihnen – vielleicht weil bloßes Überleben-Müssen Rodneys Sarkasmus etwas gedämpft hatte. Vielleicht aber auch, weil sie beide ein übergeordnetes Ziel hatten, dem alles, auch persönliche Differenzen, untergeordnet werden mussten.

    Würde es anders werden, wenn sie hier wirklich länger festsäßen? Wenn dieser, oder der nächste Zyklus, nicht ihr letzter wäre? Aber dann erinnerte sich John daran, dass sie auch auf Atlantis den größten Teil ihrer freien Zeit miteinander verbrachten. So ein großer Unterschied hierzu war das nicht. Dort versuchten sie eine Stadt am Laufen zu halten, zu sichern und das Überleben von allen zu garantieren – hier betrieben sie das Ganze in einem etwas kleineren Maßstab.
    Er hätte es wirklich schlechter treffen können. Rodney war kompetent und zuverlässig – wenn er nicht gerade eine Panik-Attacke hatte – und jemand, mit dem er oft auf einer Wellenlänge lag. Rodney konnte ihn zum Lachen bringen – auch, oder vor allem mit seinem Sarkasmus. John gestand sich ein, dass dieser kleine Ausflug ins … Feriencamp mit jemandem ohne einen Funken Humor, der in allem auf seine Anweisungen wartete, wesentlich unerfreulicher gewesen wäre.

    John stand auf und ging in die Küche. „Soll ich dir einen Tee mitbringen?“
    „Oh ja.“ Das war kein vollwertiger Ersatz für Kaffee, aber Teein war besser als nichts, wenn man kein Koffein haben konnte.

    Rodney hatte nach einer Weile gemerkt, dass John die letzte halbe Stunde nicht gelesen, sondern ihn beobachtet hatte. Er hatte sich aber nichts anmerken lassen und so getan, als wäre er in seine Arbeit vertieft.
    Ob John ähnliche Gedanken von ‚auf immer gestrandet’ durch den Kopf gingen? Die Sorge, Atlantis nie wieder zu sehen? Nie wieder ihre Freunde zu treffen? Zu zweit hier alt zu werden?
    Rodney wollte sich nicht ausmalen, was es bedeuteten könnte, hier ernsthaft krank zu werden. Selbst ein entzündeter Blinddarm, könnte hier tödlich sein. Noch schob er diesen Gedanken von sich, aber wahrscheinlich kam einmal der Zeitpunkt, an dem man sich der Wirklichkeit mit all ihren Facetten stellen musste. Noch konnte er es verdrängen, denn im Verdrängen war er wirklich geübt.

    Er machte sich auch so seine Gedanken, warum niemand zu ihrer Rettung kam, aber eine Antwort fand er nicht. Seine Lieblingstheorie war die, dass die Zeit hier schneller verlief als außerhalb, wie damals als John bei den Aufstiegsbesessenen gelandet war. Das würde auch hervorragend zu den Wraith passen, denn wenn hier alles schneller „reifte“ so hätten die Wraith häufiger „ernten“ können. Und für sie beide hieß es, dass alles beim Alten wäre, wenn sie endlich hier wegkämen. So gesehen war dies die ‚tröstlichste’ Theorie und er war sehr dafür.
    Aber sicher war er nicht und sie sprachen nicht darüber, selbst Andeutungen schmetterte der Colonel immer sofort ab und verbreitete Optimismus. Rodney wusste nicht, ob das für ihn war, oder ob John wirklich so viel Vertrauen in ihre gemeinsamen Fähigkeiten hatte, oder auf das legendäre Glück ihres Teams baute.

    Rodney presste die Schultern nach hinten, um sie ein wenig zu lockern. Es war wirklich überraschend problemlos bisher gelaufen. Natürlich wusste er, dass das bedeutete, dass sich gerade immense Schwierigkeiten irgendwo aufbauten, um sie zu überfallen, wenn sie es am wenigsten vermuteten. Wenn ihn die Pegasus-Galaxie eins gelehrt hatte, dann, dass es keine ruhigen Epochen gab. Die waren nur kurzzeitige Zwischenspiele, bis die nächste Katastrophe genügend Kraft aufgebaut hatte, um über sie hereinzubrechen.

    Aber was Sheppard als Gesellschaft betraf, hätte er es schlimmer treffen können. Ronon, dem er jedes Wort hätte aus der Nase ziehen müssen. Teyla, die ihn mit ihrem Verständnis für alles und jedes nach zwei Tagen zur Weißglut treiben konnte. Nein, John war da die bessere Wahl, den konnte man auch mal anschnauzen, wenn er einem auf den Wecker fiel – und er brach weder in Tränen aus wie Miko, noch strafte er ihn mit tagelanger Missachtung und Missbilligung wie Zelenka. Ja, John war der ideale … Mitreisende für diese ganz besondere Form des Abenteuerurlaubs.
    So lächelte er John an, als der ihm den Tee reichte und bedachte ihn sogar mit einem aufrichtigen: „Danke, das ist sehr nett“ – das John sichtlich in Verwirrung stürzte und Rodney innerlich grinsen ließ.

    Um Brennholz zu sparen, beheizten sie nur den großen Wohnschlafraum, der noch dazu an die offene Küche grenzte, in der der Herd für weitere Wärme sorgte. Bisher war es auch noch nie ein Problem gewesen, dass er und Sheppard sich das breite Bett teilten, das in diesem Zimmer stand. Da war die gewöhnungsbedürftig harte und an einigen Stellen auch buckelige Matratze schon eher ein Grund zur Klage.

    Aber an diesem Abend, nachdem der Nachmittag erneut so faul und wenig arbeitsam gewesen war, bedauerte es Rodney, kein eigenes Zimmer zu haben. Denn zum ersten Mal nach all den Tagen, die sie hier schon festsaßen, spürte er das stetig wachsende Bedürfnis, sich sexuelle Erleichterung zu verschaffen.
    Sicher, er könnte dazu in den Wald gehen und sich ein ruhiges Plätzchen suchen, aber erstens schüttete es wie aus Kübeln und zweitens war das war natürlich kein Ersatz für eine gemütliche kleine Session mit ihm und seiner Hand, während er bequem und warm im Bett lag. Er seufzte. Das würde wohl noch warten müssen.

    Wenn dieser vermaledeite Regen vorbei war, würde er Sheppard mal wieder zur Jagd schicken und dann würde er den Nachmittag nicht zum Arbeiten nutzen. Er glitt mit seiner Hand unter seine Unterhose, sortierte alles ordentlich, trauerte noch einen Moment dem nach, was jetzt sein könnte, wenn neben ihm nicht der Colonel leise schnarchen würde.
    Oder sollte er …? Würde er es wagen? Dann sagte sich Rodney, dass er mit der Anspannung, und der geteilten Aufmerksamkeit zu lauschen, ob John nicht erwachte, sowieso kein Vergnügen daran haben würde und ließ es sein. Er drehte sich zu seiner Seite und war auch bald darauf eingeschlafen.
    ----------------------------------
    Noch zwei weitere Tage musste sich Rodney gedulden, dann kam tatsächlich wieder die Sonne hervor und John erklärte von sich aus, dass er mal sehen wollte, ob er ihr Abendessen nicht mit einer kleinen Grillplatte bereichern könnte. Er strahlte dabei soviel aufgestaute Kraft aus, dass klar war, dass er es nicht mehr lange im Haus ausgehalten hätte. Rodney kam das gelegen, so nickte er eifrig und ermunterte John bei diesem Plan. Eine halbe Stunde Sicherheitsabstand wahrte Rodney noch, dann gab er sich seinen fleischlichen Gelüsten hin und fühlte sich danach so gut wie schon lange nicht mehr.

    Als John bereits zwei Stunden später mit einem erlegten Nagetier zurückkam, wäre er fast wieder rückwärts aus ihrem Haus herausgegangen. Es stank bei ihnen. Es gab kein anderes Wort dafür. Sie hatten es nicht gemerkt, da sie sich an den Geruch gewöhnt hatten, aber als er nun zurückkam, nahm es ihm im ersten Moment fast den Atem. Er brachte das tote Tier in die Küche, riss alle Fenster auf und lüftete erst einmal das ganze Haus, in dem verbrauchte Luft, Mief, Essensgerüche und sonstigen Ausdünstungen hingen.

    Und als er dabei an dem Sessel vorbei kam, in dem Rodney saß, fiel ihm auf, dass auch Rodney stank. Sheppard musste sich überlegen, wie er es dem Wissenschaftler schonend beibrachte. Der direkte Weg war bestimmt nicht der beste. Natürlich hatten sie ihre T-Shirts, Unterhosen und Socken, von denen jeder nur zwei Garnituren dabei hatte, immer mal wieder kurz durchs Wasser gezogen und sie selbst hatten in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser bessere Katzenwäsche gemacht – aber jetzt war eindeutig mehr angesagt.

    „Komm, wir gehen mal nachsehen, ob die Reuse, die wir im See aufgestellt haben, gefüllt ist“, schlug er vor.
    „Keine Zeit.“
    John seufzte, wäre ja auch zu schön gewesen, wenn es problemlos geklappt hätte. „Du hast jetzt fünf Tage auf deinem Hintern gehockt. Meinst du nicht, ein wenig Bewegung wäre angemessen?“
    „Ach, darum geht es?“, schnappte Rodney.
    „Nein, tut es nicht, aber …“
    „Dann kannst du die Fische doch auch alleine holen.“ Rodney vertiefte sich wieder in sein Buch.
    „Verdammt, Rodney. Du stinkst!“
    Das brachte ihm jedenfalls die gewünschte Aufmerksamkeit. Rodney schaute abrupt auf und starrte ihn ungläubig an. „Was?“

    „Wir beide müffeln“, schwächte John seine Worte ab. „Das merkt man aber nur, wenn man von draußen reinkommt. Deshalb auch die Fenster.“ Er deutete auf die aufgerissenen Fenster.
    Rodney legte das Buch zur Seite. „Und warum sagst du das nicht klipp und klar? Warum erzählst du was von Fischen?“
    „Weil …“ John fuhr sich mit einer Hand durch den Nacken.
    „Wolltest du meine ‚Gefühle’ …“ Rodney sprach die Anführungszeichen mit und kämpfte gegen ein Lachen an, „schonen?“
    „Uhm …“
    Rodney stand auf und schüttelte den Kopf. „Komm schon, du Stinktier.“
    „Hey!“
    „Wer als letzter am See ist, muss heute die Fische ausnehmen“, brüllte Rodney und stürzte aus dem Haus, darauf vertrauend, dass Johns Pflichtbewusstsein ihn erst alle Fenster schließen lassen würde, ehe er ihm hinterher kam.

    John machte aber nur die drei Fenster in der unteren Etage und die Haustür zu, schnappte zwei Handtücher und rannte hinter Rodney her zum See.
    Dort hatte Rodney schon die Reuse inspiziert und meinte bedauernd: „Kein Fisch. Da hast du ja noch mal Glück gehabt.“
    „Nope. Denn ich hätte das hier“, er ließ ein Handtuch vor Rodneys Nase baumeln, „gegen das Ausnehmen getauscht.“
    Rodney zuckte betont uninteressiert mit den Schultern und John legte ihm das Handtuch um den Hals. „Tu nicht so.“
    Rodney grinste.

    Die Sonne stand hoch am Himmel und deshalb war die Luft sehr schön warm, das Wasser jedoch war nach den Regentagen relativ kühl.
    Das merkten sie, nachdem sie ihre T-Shirts ausgezogen hatten und am Ufer kräftig im Wasser durchwalkten, um sie dann zum Trocknen auf einen flachen Stein in die Sonne zu legen.
    John schnürte seine Stiefel auf, zog seine Socken und seine Uniformhose aus. Eine Sekunde zögerte er, dann entledigte er sich auch seiner Unterhose und begann Shorts und Socken durchzuspülen.
    Rodney hielt gerade einen Zeh ins Wasser und meckerte, wie kalt es war. Dann warf er einen Blick zu John und sah, dass der Colonel tatsächlich nackt am Ufer hockte und Wäsche wusch.
    Wer hätte gedacht, dass er jemals so ein Bild zu sehen bekäme? Dann erinnerte er sich, dass er in absehbarer Zeit leider wieder vergessen würde, dass er es mal gesehen hatte und beschloss, es für den Moment zu genießen. Er warf immer wieder kurze Blicke zu John, während er ebenfalls T-Shirt und Socken durchspülte.

    John war mit der Wascherei fertig und hatte alles kräftig ausgewrungen und zum Trocknen ausgebreitet. Das Wasser war zwar kalt, aber er freute sich auf ein ausgiebiges Bad und lief rasch bis dort, wo er schwimmen konnte. Mit kraftvollen Bewegungen schwamm er fünf, sechs Mal hin und her bis zum anderen Ufer des kleinen Sees, dann kehrte er zu der Stelle zurück, an der Rodney sich nicht entscheiden konnte, tiefer als bis zu den Knien hinein zu waten.
    John drehte sich auf den Rücken, trat Wasser und rief: „Nun komm schon! Das Wasser ist herrlich!“
    „Vielleicht herrlich, wenn man ein Pinguin oder Eisbär ist!“
    „Quatsch. Das hat bestimmt neunzehn, zwanzig Grad“, übertrieb John hemmungslos nach oben.
    „Ich bevorzuge warme Whirlpools – oder, warte, warte, ich habe eine ganz tolle Eckbadewanne auf Atlantis!“, erinnerte sich Rodney plötzlich.
    „Wo wir aber nicht sind.“ Wie ein junger Hund tauchte Sheppard unter, kaum prustend wieder hervor und trat jetzt nackt und tropfend auf Rodney zu.

    ‚Groß, schlank, durchtrainiert und mit jeder Menge schwarzer, feuchter Haare am ganzen Körper’, konstatierte Rodney in einem Moment, um sofort im nächsten Moment hinterher zu denken, ‚Himmel, sieht er gut aus!’
    Ganz abstrakt hatte Rodney das schon immer gewusst, ja, oftmals einen Hauch von Eifersucht verspürt, dass John zu dem guten Aussehen auch noch ein charmantes Wesen hatte – wenn er wollte. Aber er konnte sich nicht erinnern, dass er Johns fast klassische Schönheit je so direkt und so persönlich empfunden hatte. Seine Augen glitten wie von selbst an den Beinen des anderen Mannes rauf zur Brust, um dann noch einmal zu Johns Glied zurückzukehren.
    Er sollte das nicht tun, aber es war nun mal Männersache zu checken ob der andere mehr oder weniger hatte. Okay, dort lauerte kein Grund zum Neid, bis Rodney aufging, dass wahrscheinlich das kalte Wasser nicht ganz unschuldig daran war.

    Bei ihm sah das im Augenblick anders aus. Rodney wurde sich bewusst, dass er auf die Musterung von Johns Körper und dessen verführerische Nacktheit mit der Andeutung einer Erektion reagiert hatte, die er immer noch anwachsen spürte. Oh nein! Das war ja ganz schlechtes Timing! Hier könnte ihm John nicht aus dem Weg gehen, falls ihm das Unbehangen bereitete. Hier und jetzt waren eindeutig der falsche Ort und die falsche Zeit, um John zu erklären, dass ihn ein nackter Mann durchaus anmachte.

    Ehe John ihn darauf ansprechen konnte, rannte Rodney in das kalte Wasser und hoffte, dass sich sein Problem dort von alleine erledigte. Und da Angriff immer noch die beste Verteidigung war, tauchte er unter und zog Sheppard an den Beinen unter Wasser. Das war bestimmt nicht seine übliche Vorgehensweise. Wären die Umstände normal, würde er immer noch am Rand stehen und sich lauthals über die Temperatur beschweren. Aber es erschien ihm als ein sehr … männerfreundschaftliches Vorgehen, um John auf die falsche Spur zu lenken. ‚Best buddies’ machten so etwas, tollten im Wasser herum, zogen sich gegenseitig unter Wasser, versuchten sich zu schubsen und rangelten miteinander. Das war harmlos und allgemein akzeptiert. Hoffte er jedenfalls.

    John war überrascht, dass Rodney so schnell seine Meinung bezüglich des kalten Wassers geändert hatte. Aber er fand das gut, denn er hatte noch keinen durchführbaren Plan ausgetüftelt, wie er den renitenten Wissenschaftler sonst zum Schwimmen gebracht hätte, wenn der sich wirklich geweigert hätte. So ging er, nachdem er wieder aufgetaucht und im hohen Bogen Wasser ausgespuckt hatte, auf Rodneys Rangeleien ein. Schlang Rodney einen Arm um die Taille und tauchte mit ihm gemeinsam unter, als es ihm nicht gelang, ihn alleine unter zu tauchen.

    Er wusste, dass das richtig und falsch gleichzeitig war. Richtig, weil es sich so gut anfühlte und weil er wusste, dass ihm die Armee besondere Scham, was gemeinsames Duschen oder Umziehen betraf „entwöhnt“ hatte. Massenunterkünfte waren schlecht für Privates. Nacktheit durfte in Gemeinschaftsduschen kein Problem sein.
    Falsch war es, weil er sich dunkel erinnerte, dass es da irgendwelche Vorbehalte seines Arbeitgebers gab, jetzt mit Rodney so herumzualbern und ihn zu berühren, während er nackt war. Es zu genießen, weil es Körperkontakt bedeutete, den er ebenso wie jeder Mensch brauchte, auch wenn er sich das nicht gern eingestand. Falsch war es, weil es in ihm den Wunsch nach mehr weckte – und das durfte nicht sein.

    Sie tauchten beide Wasser spuckend wieder auf und Rodney drohte lachend: „Na warte.“
    Nun waren es Rodneys Arme, die sich um seine Taille legten. Rodney versuchte ihn auszuhebeln und ihre kalten, feuchten Körper glitten gegeneinander, Wärme an der Stelle erzeugend, wo sie aufeinander trafen. Rodney keuchte vor Anstrengung und alles, was John sich in dem Moment vorstellen konnte, waren andere, intimere Augenblicke, in denen er ebenso schwer atmen würde.

    Was war nur mit ihm los? Er hatte doch sonst nie an Rodney in dieser Art und Weise gedacht. War es, weil nur Rodney „verfügbar“ war? Verlangte sein Körper irgendein obskures Recht auf Sex – und Rodney war der einzige, der da war? John versuchte sich … Kavanagh oder Caldwell in dieser Situation vorzustellen – und kam zu dem Ergebnis, das doch ein bisschen mehr als nur „verfügbar“ zu sein dazu gehörte. Eine gewisse Attraktivität und Anziehung musste vorhanden sein. Lorne, Ronon – wer weiß, ob er da ähnlich wie bei Rodney reagiert hätte? Oder war das tatsächlich ein reines McKay-Ding? Er konnte und wollte das hier und jetzt nicht klären.
    Für einen Moment stellte er sich noch vor, dass es eine Umarmung, statt eines Klammergriffs war, dann ließ er vorgeblich seine Muskeln schlaff werden. Gerade als Rodney ihn nach hinten werfen wollte, spannte er seine Arme wieder an und ließ McKay rückwärts mit viel Schwung ins Wasser platschen.

    Wie ein Walross prustend tauchte Rodney wieder auf und damit war der Zauber des Moments gebrochen und sie schubsten sich noch drei Mal gegenseitig, ehe sie mit den Zähnen klappernd wieder das Wasser verließen.
    Die Sachen waren natürlich noch nicht wieder trocken und so kehrten sie nur in Uniformhosen und Handtuch um die Schultern wieder zum Haus zurück, wo sie dann ihre einzigen Sachen zum Wechseln anzogen. …

    * * *

    Rodney vergewisserte sich noch einmal, dass sein Name klar und deutlich auf seinem Arm zu lesen war. Er ging zu John, der am Esstisch saß und Saft trank, schob dessen schwarze Jacke herauf und las den geschwungenen „John Sheppard“- Schriftzug, der direkt über einer langen, verschorften Wunde stand. „Wenigstens mit unseren Namen sollten wir auf der sicheren Seite sein, falls aus irgendeinem Grunde auch alle Computereintragungen von dem Nebel und was sich sonst noch in ihm verbirgt, gelöscht werden.“
    „Du hast dich doch schon drei Mal vergewissert, dass wir unsere handschriftlichen Aufzeichnungen griffbereit haben. Und da die Bücher der Leute hier überdauert haben …“, beruhigte ihn John.
    Rodney seufzte und schaute sich um. Er sah die Zettelwirtschaft an den Wänden, auf dem Boden und den Möbeln in ihrem Haus. Shit – ehe er wieder auf dem Stand war, selbst das zu wissen, läge erst einmal wieder eine Zeit, in der sein Intellekt in vielen Dingen nicht an den eines Dreijährigen ranreichte!

    „Ich hasse es, daran zu denken, wieder ganz vorne anfangen zu müssen“, jammerte Rodney. „Wieso ist das jetzt so schnell gegangen?“
    „Das bestärkt doch nur die Tendenz, die wir in den Aufzeichnungen entdeckt haben. Zu Beginn kam der Nebel wohl bloß alle zehn Jahre – wenn wir ihre Zeitrechnung mit den Mondjahren richtig verstanden haben – um dann zum Schluss keine sechs Monate mehr zu brauchen.“
    „Das waren jetzt aber keine sechs Monate“, meinte Rodney so rebellisch, als sei John daran Schuld.
    „Kaum drei Monate – das sagen jedenfalls unsere Striche an der Wand. Aber das macht doch Sinn, Rodney. Es gibt einfach keine Aufzeichnungen mehr. Als der Nebel alle halbe Jahr kam, ist die Bevölkerung rasant geschrumpft, denn trotz aller Vorkehrungen schien niemand damit klar zu kommen, alle sechs Monate ein ‚neues Leben’ anfangen zu müssen. Tja, und den Rest haben ihnen dann vor wahrscheinlich vor drei, vier Jahren die Wraith gegeben, als sie in viel zu großer Zahl, viel zu früh erwachten. Und in diesen letzten Jahren hat sich das natürliche und/oder künstlich gesteuerte Phänomen noch einmal beschleunigt.“
    „Wir sollten also unbedingt im nächsten Zyklus hier wegkommen. Wer weiß, wie kurz das noch wird.“
    „Das sollten wir.“
    „Denn irgendwann kommen wir mal mit dem Lernen nicht mehr mit, egal wie viele Zettel wir anlegen“, bemerkte Rodney düster.
    „Davon sind wir noch ein bisschen entfernt“, verkündete Sheppard fest.

    Rodney setzte sich zu John an den Tisch, zog ein Blatt heran und schrieb die letzten Erkenntnisse über das beschleunigte Auftreten des Nebels auch noch auf. Hoffentlich war John nicht zu optimistisch. Es stimmte zwar, sie hatten festgestellt, dass man bekannte, häufig durchgeführte Handlungen schneller wieder erlernte, als solche die man früher nur gelegentlich getan hatte. Dass man sich an Sachen, die man sehr intensiv genutzt hatte, schneller erinnerte, als an Dinge, die einem nicht so viel bedeutet hatten. Und dass Gerüche, Geschmack und sensorische Empfindungen eine ganz große Rolle spielten.

    Vielleicht lag da ihre Chance. Es stand zu hoffen, dass die Eingewöhnung an dieses Haus, das in den letzten drei Monaten „ihr“ Haus geworden war, und an dieses Leben, das so anders als das in Atlantis war, beim zweiten Mal schneller laufen würde, da es ihnen im Moment viel ‚näher’ als Atlantis war. Wenn alles gut ging, hatten sie beim nächsten Mal eine Chance, den Jumper wieder flott zu bekommen. Und/oder sie könnten versuchen die Stelle zu finden, die in einigen der Bilder beschrieben war, von wo aus dieser Nebel seinen Ursprung nahm. Vielleicht konnten sie die Maschine oder die Einrichtung zerstören. Dann bräuchten sie nicht noch einmal bei Adam und Eva anfangen.

    „Rodney?“, unterbrach John seinen Gedankengang.
    „Nur noch einen Moment. Dann habe ich es!" Schwungvoll tippte er den Absatz, den er gerade aufgeschrieben hatte, in den Computer ein, ehe er sich John zuwandte. „Was ist?“
    John streckte seine Hand aus und legte sie auf Rodneys Oberarm. Als er die ungeteilte Aufmerksamkeit des Wissenschaftlers hatte, sagte er: „Ich habe da eine Idee…“

    * * *

    TBC...

  18. #17
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    Standard

    Ah, dann hätten wir also schon mal die Antwort wo Ronon und Teyla abgeblieben sind

    Er machte sich auch so seine Gedanken, warum niemand zu ihrer Rettung kam, aber eine Antwort fand er nicht. Seine Lieblingstheorie war die, dass die Zeit hier schneller verlief als außerhalb, wie damals als John bei den Aufstiegsbesessenen gelandet war. Das würde auch hervorragend zu den Wraith passen, denn wenn hier alles schneller „reifte“ so hätten die Wraith häufiger „ernten“ können. Und für sie beide hieß es, dass alles beim Alten wäre, wenn sie endlich hier wegkämen. So gesehen war dies die ‚tröstlichste’ Theorie und er war sehr dafür.
    Das wäre jetzt auch meine Theorie gewesen, warum noch keine Rettung eingetroffen ist…
    Es sei denn die Rettung läuft auch irgendwo ohne Erinnerung herum

    John gestand sich ein, dass dieser kleine Ausflug ins … Feriencamp mit jemandem ohne einen Funken Humor, der in allem auf seine Anweisungen wartete, wesentlich unerfreulicher gewesen wäre.
    Ist das eventuell eine Anspielung auf das humorlose SGU?

    „Vielleicht herrlich, wenn man ein Pinguin oder Eisbär ist!“
    Und vielleicht noch eine Anspielung auf Pinguin-Crack?
    Gut kann jetzt natürlich sein, dass ich da auch etwas hineininterpretier, was gar nicht da ist *gg*

    Und was für ein fieser Cliffhanger
    Kurz bevor das „zweite Vergessen“ beginnt, hat Sheppard eine Idee und dann – aus

    Na, ich kann mich immerhin damit trösten, dass die Wartezeit nicht so lang ist…
    Der SG-P-Podcast mit TheRealNeo, shadow-of-atlantis und RodneysGirl
    Folge 1: Jack O'Neil(l) / Folge 2: Die Unas / Folge 3: Der Amazon/MGM-Deal
    Folge 4: Robert Kinsey

  19. #18

    Standard

    Was für eine Challenge Antwort - da hast du eine wirklich unheimliche Geschichte geschrieben - sich vorzustellen, alle paar Monate das Gedächtnis zu verlieren und das immer und immer wieder.

    Gut, dass John und Rodney alles beschriften, um sich wieder zurechtzufinden.

    Aber wo ist Atlantis und warum kommt keine Hilfe?

    Da warte ich gespannt auf den nächsten Teil
    Ich bin nett, höflich, liebenswert
    und zuvorkommend.
    Und garantiert nicht ironisch.
    Meine Storys

  20. #19
    There is good in you... Avatar von Chayiana
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    Hehe, vielen Dank, dass du schon mal ein paar Fragen beantwortet hast. Aber noch ist immer noch offen, warum Atlantis noch keine Rettung geschickt hat, wenn sie doch eigentlich wissen muessten, wo die beiden stecken ... aber Rodneys Theorie hoert sich ja gut, wenn sie denn Glueck haben und die richtig ist. *g*

    Aber besonders herrlich in diesem Teil fand ich Rodney und seine Gedanken bezueglich gewisser koerperlicher Aktivitaeten ... Zuerst sortiert er ordentlich (), um sich dann zu sagen, dass erwachsene "Best Buddies" ganz sicher nackt im Wasser miteinander raufen wuerden ... ja klar, Rodney, traeum weiter!

    Aber John ist ja auch nicht viel besser ... *gg* ob seine Idee kurz vor dem Nebel was damit zu tun hat? Ich denke doch mal, dass sie in der gegenwaertigen Zeitlinie schon nen bisschen weiter sind, oder? *gg*


    So, und wegen des Titelbildes fuer David Tennants Hamlet, da habe ich einfach mal mein Programm abfotografiert ... inkl. Autogramm!

    Spoiler 


    Es gibt noch eine andere Version, wo er nach unten guckt, aber die ist nie veroeffentlicht worden, sondern hing nur als Wandplakat im Theater selbst. Ich hatte das damals auch abfotografiert, aber ich weiss grad nicht, wo ich das Bild habe ... aber ich hatte mir dieses Icon davon gemacht:



  21. #20
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Also es wird immer besser.
    Auch deine fiesen Cliffhänger *gg*

    Es ist wirklich merkwürdig, warum sie nach all der Zeit noch immer nicht von Atlantis gerettet wurden.

    Schön, wie du die Gedanken und die "menschlichen Bedürfnisse" so gekonnt eingebracht hast und die beiden miteinander agieren lässt.
    Die Theorien der beiden, was den Nebel und das Vergesen angeht, gefällt mir sehr.
    Man hätte ja auch mal selbst darauf können, aber gut, dass du es so einbringst.

    Aber jetzt bin ich mal gespannt, welche Idee John da hat.
    Online:
    SGA: ALEXA: Freaky Fridays
    Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander … vor allem Freitags


    Scarcrow and Dr. McKay: Wa(h)re Freundschaft
    Ein russischer Arzt nimmt an einem Ärztekongress in den Staaten teil, doch auf ihn wird ein Anschlag verübt. Will man hinter seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Medizin gelangen, oder hat er gar mehr zu bieten?

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