Ergebnis 1 bis 3 von 3

Thema: Nebenfiguren I: Außenseiter (OCs), R

  1. #1
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
    Registriert seit
    24.10.2010
    Ort
    Over the hills and far away...
    Beiträge
    284

    Standard Nebenfiguren I: Außenseiter (OCs), R

    Titel: Nebenfiguren I: Außenseiter (1/19)
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: action/adventure
    Charakter/Pairings: OCs (SG10)
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): R
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Okay, ein Jahr, bevor die Atlantis-Expedition aufbricht (und ich habe mir ein bisschen künstlerische Freiheit gelassen im Hinblick auf die SG1-Timeline... ihr werdet schon sehen, was ich meine), treffen wir SG10 zum ersten Mal als Team. Spielt etwa drei Monate (oder so) nach Ein Schubs und ist... verdammt lang. Aber wie gesagt, es ist beendet, ich weiß, wo ich hinwill, vertraut mir. Here we go.
    Kurzinhalt: Jeder kennt SG1... aber was ist eigentlich mit den anderen Teams auf der Liste? Hier ist die Geschichte von einem: SG10. Major Thomas Moore, Captain Laura Greenspan, First Lieutenant Maureen Reece und Master Sergeant Simon DeLisle erzählen sie euch.

    Nebenfiguren I: Außenseiter

    “We will rise and we will fall
    We will laugh, we will stand tall
    Turning people into numbers
    And numbers into more."

    Runrig, "The Numbers Game”


    Eins

    Moore

    Okay, ich hatte nicht geplant, dass der Einsatz so verläuft, wie er verlaufen ist. Ehrlich, ich hatte nicht geplant, dass Reece schon wieder auf der Krankenstation landet oder Laura fast entführt wird oder dass Dee fast das Team statt den Gegner in die Luft jagt. Aber es war eben einer dieser Tage. Sie wissen schon, diese Tage, wo man mit dem falschen Fuß aufsteht und so ziemlich alles falsch läuft? Ja, einer von „diesen“.

    Zuerst bekamen wir Einsatzspezifikationen vom SGC, bei denen wir uns das Lesen auch hätten sparen können, weil darin quasi keine Infos vorhanden waren. Dann war das Erste, was wir nach dem Verlassen des Gates sahen, eine Zat-Gun, die die nicht ganz so freundlichen Bewohner von P4X-639 auf jeden von uns richteten.

    Um dem Ganzen noch einen draufzusetzen, stellte sich heraus, dass unser Ziel – ein geheimes Biowaffenlabor, dass Maybourne aufgebaut hatte – schon längst verlassen war. Was hieß, dass wir uns den ganzen Scheißtrip hätten sparen können. Stattdessen gerieten wir in ernste Schwierigkeiten, mussten verdammt viel rumschießen, -schreien und -rennen und all das Zeug machen, das man bei einem verdeckten Einsatz eigentlich vermeiden will.

    Und jetzt, nachdem alles vorbei ist, sitze ich mal wieder in der Krankenstation am Bett meines jüngsten Teammitglieds, First Lieutenant Maureen Reece, USMC, deren Deckname auf unseren Einsätzen „Maus“ lautet und die ich jetzt nicht gerade als Reklameheldin für die Marines bezeichnen würde. Verstehen Sie mich nicht falsch; sie ist weder dumm noch faul – tatsächlich ist sie eine verdammt gute Linguistin – aber ich frage mich wirklich, wie sie es je durch Parris Island und Quantico zum SGC schaffen konnte.

    Reece hat ihr Rufzeichen nicht ohne Grund bekommen. Sie erscheint wirklich wie eine Maus. Nicht vom Aussehen her, glauben Sie mir – diese feuerroten Locken und grünen Augen sehen schon ziemlich gut aus – aber von ihrem ganzen Benehmen her. Immer schüchtern und ruhig. Und ein bisschen tollpatschig. Was meistens dazu führt, dass sie diejenige ist, die auf der Krankenstation landet, wenn ein Einsatz schief geht. Nur war es diesmal nicht ihre Schuld. Sondern meine.

    Ich hätte diesen Typen von hinten kommen sehen müssen. Und ich hätte das Messer in seiner Hand sehen müssen. Ich hätte… „Machst du dich wieder selber fertig, Fliegerjunge?“ schneidet Lauras Stimme durch meine Grübelei. Ich drehe mich um und grinse sie an.

    „Macht keinen Sinn, es abzustreiten, oder?“ Sie grinst zurück.

    „Ich kenn dich in- und auswendig, und du weißt das.“ Meine Stellvertreterin hat recht. Wir kennen einander, seit wir Kleinkinder waren und sind praktisch miteinander aufgewachsen, wobei ich zwei Jahre älter bin als sie. Und was immer wir getan haben – selbst wenn wir es unabhängig voneinander anfingen, landeten wir am Ende wieder zusammen da. Worüber ich mich aber nie beschweren würde, weil Laura wie eine kleine Schwester für mich ist.

    Sie setzt sich neben mich. “Geh ins Bett, Tom. Reece ist ein zähes Mädchen, und das weißt du. Sie wird sich schon durchbeißen, auch ohne, dass du dich hier erschöpfst.“ Ich sehe wieder die Frau auf dem Bett an. Sie ist recht klein, und in dem großen Krankenhausbett sieht sie irgendwie zerbrechlich aus. Das Kupferhaar macht ihre Haut noch blasser, und die Ringe unter ihren Augen scheinen noch dunkler zu sein.

    „So sehr ich dir normalerweise zustimme, diesmal geht’s nicht. Reece ist alles andere als zäh. Komm schon, Germs, wir wissen doch beide, dass sie nicht zum Offizier geboren ist und dass sie gar nicht hier sein sollte.“

    Oh, oh. Lauras dunkle Augen leuchten auf und bekommen diesen kämpferischen Glanz, den sie immer kriegen, wenn sie aufgeregt wird. „Macho-Scheiße. Ich hab’s dir schon mal gesagt, und ich sag’s dir wieder. An Maureen Reece ist mehr dran, als man zuerst sieht. Zugegeben, sie wird ein bisschen Zeit brauchen, aber ich bin sicher, sie wird sich gut machen. Aber nur, wenn du sie lässt.“ Sie schnauft ein bisschen. Laura wird wirklich nicht schnell wütend, aber wenn es um Frauen im Militär geht und alles, was damit zu tun hat, dann kriegst du sie ziemlich schnell auf die Palme.

    „Germs…“ Sie sieht mich ziemlich böse an.

    „Germs mich nicht. Sie hier“, sie zeigt auf Reece „ist eine Kämpferin. Sie weiß es nur noch nicht.“ Ich bin noch nicht überzeugt. Ich hab Reece’ Akte gesehen, und das Mädel hatte noch keinen einzigen Kampfeinsatz, bevor sie zum SGC kam. Sie haben sie direkt nach dem Abschluss ihrer Ausbildung hierher geschickt. Schätze, es hatte was mit ihren linguistischen Abschlüssen und Fähigkeiten zu tun. Es gibt wirklich nichts anderes, das darauf hinweist, dass sie fähig dazu ist, hier zu dienen.

    Keine außergewöhnlich hohen Kampfwerte, keine besonders hohen Werte bei Führungsqualitäten – alles Durchschnitt. Ich hab immer noch nicht rausgefunden, warum genau sie sie ausgerechnet in ein Team gesteckt haben, das verdeckte Einsätze durchführt und nicht in ein Forschungsteam oder eine Unterstützungseinheit. Warum sie sie überhaupt in ein Team gesteckt haben. „Ich kann sehen, wie es in dir arbeitet, Tom. Mach Schluss. Außerdem war es nicht deine Schuld, dass es sie erwischt hat. Wenn du einen Schuldigen brauchst, dann nimm den Typen mit dem Messer, der sich an sie rangeschlichen hat. Oder O’Neill, der uns auf diesen blöden Planeten geschickt hat. Oder die Idioten vom Geheimdienst, die die Einsatzspezifikationen verhunzt haben. Aber mach dich nicht selbst fertig. Und leg dich endlich hin.“ Damit klopft sie mir auf die Schulter und steht wieder auf. Mit einem kurzen Gruß verschwindet sie in ihr Quartier.

    Ich drehe mich wieder zu Reece um. Sie ist nicht nur das jüngste und unerfahrenste Mitglied des Teams, sondern auch diejenige, die als letzte dazugekommen ist. Laura und ich, wir kennen uns schon seit Ewigkeiten, Dee – Master Sergeant Simon DeLisle – und ich dienen seit fünf Jahren zusammen, also schon seit vor unserer Zeit beim SGC. Tatsächlich ist er auf meinen Antrag hier. Ich kenne niemanden, der mehr Talent im Hochjagen von allem möglichen hat als er. Andererseits kenne ich gar nicht so viele Menschen.

    Jedenfalls, Reece hatte das Pech, zu einer Einheit zu stoßen, die schon ziemlich stark miteinander verbunden ist, und ich schätze, für jemanden mit ihrem Charakter ist es nicht einfach, sich zu behaupten. Ich bin nachsichtig deswegen, egal, was Laura sagt. Aber ich wünschte, die Frau würde mal ein bisschen lockerer werden und aufhören, diese Wände um sich herum aufzubauen. Ich wünschte…

    „Sir, ich habe Befehle von Captain Greenspan. Sie sollen verschwinden und Schlaf nachholen. Wir kümmern uns schon um Lieutenant Reece“, sagt eine Stimme hinter mir. Eine von den Krankenschwestern. Verdammte Laura, die immer wieder ihr Recht als medizinischer Offizier benutzt, mich herum zu kommandieren, auch wenn ich den höheren Dienstgrad habe.

    Ergeben nicke ich. „Ist schon okay. Aber benachrichtigen Sie mich, wenn sich was am Zustand des Lieutenants ändert.“ Die Krankenschwester nickt, und ich mache mich auf den Weg zu meinem Quartier.

  2. #2
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
    Registriert seit
    24.10.2010
    Ort
    Over the hills and far away...
    Beiträge
    284

    Standard

    Titel: Nebenfiguren I: Außenseiter (2/19)
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: action/adventure
    Charakter/Pairings: OCs (SG10)
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): R
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Warum hat mir keiner gesagt, dass es schon ne Weile her ist, dass sich hier mal was getan hat? Na ja, wie auch immer... machen wir weiter.
    Kurzinhalt: Jeder kennt SG1... aber was ist eigentlich mit den anderen Teams auf der Liste? Hier ist die Geschichte von einem: SG10. Major Thomas Moore, Captain Laura Greenspan, First Lieutenant Maureen Reece und Master Sergeant Simon DeLisle erzählen sie euch.

    Zwei

    Greenspan

    Ich hätte wissen müssen, dass er nicht so lange schlafen würde, wie er sollte. Tom ist einer dieser Offiziere, die das Wohlergehen ihrer Untergebenen immer höher stellen als das eigene. Eigentlich ist das ja ziemlich edel, aber nicht, wenn es heißt, dass er Schlafen, Essen und andere Grundbedürfnisse vernachlässigt, wenn er neben dem Bett einer seiner Teammitglieder sitzt, weil er denkt, er sei daran schuld, dass wir drin liegen. Was auch immer dazu geführt hat, dass er jetzt so ist, es muss während seiner Zeit bei den Black Ops passiert sein. Das war das einzige Mal in meinem Leben, dass wir nicht wussten, was der andere gerade tat.

    Ich erinnere mich, dass ich gerade mein letztes Jahr auf der Air Force Academy angetreten hatte und er plötzlich von meinem Radar verschwand. Okay, nicht wirklich „plötzlich“, aber statt der üblichen seitenlange Mail bekam ich eines Tages nur eine kleine Notiz mit dem Text „Werde für eine Weile nicht da sein. Ruf mich nicht an. Ich melde mich, wenn ich wieder da bin.“, und dann hörte ich über ein Jahr nichts mehr von ihm. So richtig glücklich darüber bin ich immer noch nicht damit, weil das Abschlussjahr mein härtestes auf der Academy war, und ich ihn bei der Abschlussfeier wirklich vermisst hab.

    Na ja, gut, er hat mir dann schon gesagt, dass er stolz auf mich ist, als er meine Ergebnisse über drei Ecken erfahren hatte und wir uns im SGC wieder gesehen haben. Aber wenn er wirklich da gewesen wäre, wäre das besser als alles andere gewesen. Na schön, dann klinge ich halt wie eine verwöhnte Göre. Ist mir aber egal, weil Thomas Moore mein ganzes Leben lang wie ein großer Bruder für mich war. Ich wäre nicht weniger aufgeregt und beleidigt gewesen, wenn einer meiner biologischen Brüder mich in einer wirklich schwierigen Zeit alleine gelassen hätte oder nicht zu meiner Zeugnisverleihung gekommen wäre.

    Allerdings habe ich am Ende doch meine Chance bekommen, es ihm heimzuzahlen, als wir uns beide plötzlich auf derselben streng geheimen Militärbasis namens Stargate Command wieder fanden. Mich hatte man hierher versetzt wegen meiner Virologie-Forschung und ihn wegen seiner hervorragenden Ergebnisse als Offizier bei den Black Ops. Aber bevor er mir das erzählen konnte, hab ich ihn erstmal zwei Wochen komplett ignoriert. Seitdem hat er so was nie wieder mit mir gemacht.

    Jedenfalls hat er sich in der Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, verändert. Stiller, mehr in sich selbst gekehrt, mit mehr Distanz zwischen sich und anderen Menschen. Das volle Ausmaß dessen bekam ich zum ersten Mal mit bei unserem ersten daneben gegangen Einsatz. Ich war seit drei Einsätzen im Team, und der vierte ging den Bach runter. Nichts funktionierte, und wir verloren unseren Linguisten.

    Ich kenne Tom wirklich gut, also wusste ich, dass ihn das alles ziemlich mitgenommen haben musste. Aber statt zu mir zu kommen und mit mir darüber zu reden, wie er es früher getan hatte, zog er sich zurück, sagte mir, es sei alles in Ordnung, wenn wir doch beide wussten, dass es alles andere als das war. Das war das erste Mal, dass ich es ausnutzte, ihm als medizinischer Offizier Befehle erteilen zu dürfen und ihn auf der Krankenstation festgehalten habe, bis zumindest seine physischen Wunden wieder verheilt waren.

    Dann bekamen wir Reece als Ersatz für den verlorenen Linguisten und seitdem hat er das arme Mädchen ständig kritisiert. Wenn er ihr nur eine Chance geben würde, würde er sehen, dass Reece ein genauso guter Soldat wie ich oder er sein kann. Aber das ist so typisch für ihn; von anderen alles verlangen, was er auch leisten kann, in genau der Art und Weise und in dem Umfang, wie er es kann. Wenn er sich das nur abgewöhnen könnte, wäre er nicht nur ein guter, sondern ein hervorragender kommandierender Offizier.

    „Laura, Reece ist eben aufgewacht. Zeit für die Nachbesprechung!“

    Ich rolle meine Augen, als er zu mir rüberbrüllt. Verärgert starre ich zurück. „Verdammt, kann ein Mädchen nicht mal zehn Minuten ungestört in der Cafeteria sitzen? Lass mich wenigstens den Kaffee hier noch austrinken. Und gib Reece ein bisschen Zeit, richtig aufzuwachen, bevor du sie in den Besprechungsraum zerrst!“

    Er kommt rüber zu meinem Tisch und zieht eine Augenbraue hoch. „Wer hat denn was von Besprechungsraum gesagt? Krankenstation meine ich.“

    Okay, jetzt ist er zu weit gegangen. „Nein. Und das sage ich nicht als deine Freundin, sondern als medizinischer Offizier. Keine Nachbesprechung, solange Reece nicht von der Krankenstation entlassen wurde. Um Himmelswillen, hör endlich auf, das Mädchen zu drangsalieren. Und gib mir nicht diese „Sie ist eine Marine, sie kann das aushalten.“-Scheiße. Sie ist ziemlich angeschlagen, und du wirst sie in Ruhe lassen. Wenn du was zu tun brauchst, lass uns in den Fitnessraum gehen. Ich stell mich sogar als dein Sandsack zur Verfügung. Aber lass Reece wenigstens ein einziges Mal in Frieden.“ Toms Augen werden größer und größer. Offensichtlich ist er diese Seite an mir nicht mehr gewöhnt. Dann entfaltet sich langsam ein Grinsen auf seinem Gesicht.

    “Na schön… nur einmal. Aber heul nachher nicht wegen blauen Flecken rum. Du hast dich freiwillig gemeldet, merk dir das.“ Puh, für eine Sekunde dachte ich, ich wäre zu weit gegangen. Gut zu wissen, dass eine lebenslange Freundschaft nicht völlig kaputtgegangen ist, nur weil Tom ein paar Jahre bei den Black Ops war.

    Er beginnt zu laufen und wirft mir ein „Kommst du oder was?“ über die Schulter zu, und ich grinse und schließe mich ihm an.

  3. #3
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
    Registriert seit
    24.10.2010
    Ort
    Over the hills and far away...
    Beiträge
    284

    Standard

    Titel: Nebenfiguren I: Außenseiter (2/19)
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: SG1
    Genre: action/adventure
    Charakter/Pairings: OCs (SG10)
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): R
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Hallo? Jemand da? Ach, hier ist ja jemand. Ach nein, bin nur ich. Na gut.
    Kurzinhalt: Jeder kennt SG1... aber was ist eigentlich mit den anderen Teams auf der Liste? Hier ist die Geschichte von einem: SG10. Major Thomas Moore, Captain Laura Greenspan, First Lieutenant Maureen Reece und Master Sergeant Simon DeLisle erzählen sie euch.

    Drei


    DeLisle

    “Dee, Nachbesprechung in 15 Minuten”, höre ich, wie Major Moore mir vom Korridor vor meinem Labor zuruft. Verdammt, ich war hier mitten in einem Experiment… „Dee!“ Argh. Er kommt rein. „Sagen Sie mir nicht, dass Sie schon wieder an diesem Zeug arbeiten.“

    Ohne von meinem Experiment aufzuschauen, antworte ich: „Wie Sie sehen können, Sir, tue ich das.“ Der Major setzt sich und fängt an, mit einer meiner Petrischalen herum zu spielen. Eine, die ein dickes, fettes „Nicht anfassen“-Etikett drauf hat. „Sir… wenn ich Sie wäre, würde ich das so schnell und so vorsichtig ich könnte, wieder hinstellen, weil…“

    Und damit fliegt die gesamte Probe in die Luft und hinterlässt eine zerbrochene Petrischale, jede Menge Rauch und einen perplexen und hustenden Major. „Wagen Sie es ja nicht, „Hab ich’s Ihnen nicht gesagt?“ zu sagen. Und das ist ein Befehl.“

    Ich versuche, meine Belustigung und Schadenfreude zu verstecken. Was mir nicht ganz gelingt. „Ja, Sir.“

    „Wie auch immer…“, er steht wieder auf, „beenden Sie Ihre Arbeit hier und kommen Sie zum Besprechungsraum. Und bringen Sie Laura… Captain Greenspan mit, ja? Sie ist unten in ihrem Labor und arbeitet an den Bio-Proben, die wir das vorletzte Mal mitgebracht haben oder so was. Na ja, ihr seid beide Forschungsfreaks, Sie wissen, wie Sie sie aus ihrem Labor schleppen können.“

    Ich werfe ihm nur ein „Jawohl, Sir.“ zu und beginne damit, meinen Arbeitsplatz aufzuräumen. Ich hoffe nur, die Nachbesprechung wird nicht länger als eine Stunde dauern. Wenn ich dann nicht wieder da bin, um das Zeug umzurühren, muss ich den ganzen Verbund noch mal neu herstellen.

    Als ich bei Lauras… Captain Greenspans Labor ankomme, sehe ich, wie sie am Computer sitzt und Bilder analysiert, die wie mit dem Elektronenmikroskop aufgenommen aussehen. Ich tippe ihr mit einem „Ma’am?“ von hinten auf die Schulter, was sie dazu bringt, zusammenzuzucken und sich umzudrehen.

    „Meine Güte, Dee, Sie haben mich wirklich erschreckt.“ Ich räuspere mich.

    Ich hätte wissen sollen, dass sie in ihrer Arbeit versunken ist, genau wie ich, wenn ich meine Sprengstoffforschungen mache. „Tut mir leid, Ma’am.“

    Sie zieht die Nase kraus. „Und hören Sie um Himmelswillen auf, mich mit „Ma’am.“ anzureden. Nennen Sie mich Laura, wie oft soll ich Ihnen das noch sagen?“

    Das mag ich an ihr. Dass sie versucht, uns alle zu behandeln, als seien wir gleich, meine ich. Aber sie kann es so oft versuchen, wie sie will; ein paar Dinge kann man einfach nicht ändern, und das sage ich ihr: „Ich… Ma’am, Ich bin es nicht gewöhnt, vorgesetzte Offiziere mit dem Vornamen anzureden." Das würde gegen die Verhaltensregeln der USAF-Unteroffiziere verstoßen, weil man damit seinem vorgesetzten Offizier nicht den nötige Respekt erweisen würde. "Ich… würde lieber bei „Ma’am“ und „Sir“ bleiben. Ma’am.“ Der Captain legt den Kopf zur Seite und rümpft die Nase. Das ist normalerweise ein Zeichen dafür, dass sie ernsthaft über etwas nachdenkt.

    „Dann befehle ich Ihnen, mich von jetzt an Laura zu nennen. Wir sind jetzt seit einer ganzen Weile beide in diesem Team, und Sie tragen nicht weniger als ich zu seiner Leistung bei. Also hören Sie auf, sich hinter Ihren Sergeant-Streifen zu verstecken und benehmen Sie sich wie das emanzipierte Mitglied, dass Sie verdienen zu sein.“ Argh. Warum musste sie einen Befehl draus machen? Sie benutzt meine eigenen Verhaltensregeln gegen mich. Keine Chance mehr, aus der Nummer raus zu kommen.

    “Ich… ja. Laura.”

    Sie grinst zufrieden. “Aber Sie sind gar nicht hier, um einen bisschen Konversation zur korrekten Form der Anrede zu betreiben, oder?“ Verdammt, fast hätte ich Major Moores Befehle vergessen. Ich sollte wirklich an dieser Tendenz, mich ablenken zu lassen, wenn ich mit Cap… Laura rede, arbeiten.

    „Äh… nein. Major Moore hat mich angewiesen, Sie „aus Ihrem Labor zu schleppen“, weil wir beide „Forschungsfreaks“ sind, wie er sagte, weil er uns bei der Nachbesprechung sehen will.“

    Sie nickt. „Alles klar. Lassen Sie mich nur kurz diese Dateien hier speichern und den Computer runterfahren, dann komme ich mit Ihnen.“

    Während sie damit beschäftigt ist, ihr Zeug zu speichern und den Computer runterzufahren, beobachte ich sie. Sie ist eine Frau in den frühen Dreißigern, vielleicht späte Zwanziger. Ich hab bis jetzt ihr exaktes Alter noch nicht herausfinden können. Ihr sandbraunes Haar ist gerade so kurz geschnitten, wie die Air Force es erlaubt, ohne es hochstecken zu müssen und sie ist immer dabei, es hinter ihre Ohren zu streichen oder damit rumzuspielen, wenn sie denkt, dass keiner hinsieht. Aber ich tue das. Ziemlich oft.

    Ich weiß, dass ich das nicht tun sollte, weil sie eine Kameradin und auch noch eine Vorgesetzte ist, und wahrscheinlich sieht sie in mir auch nichts anderes als einen Teamkameraden. Und, was noch wichtiger ist, wird auch nie etwas anderes in mir sehen. Sie ist eine von diesen „Einer von den Jungs“-Frauen, die einfach gut mit Männern klarkommen und keine Ahnung haben, was sie den Männern um sie herum antun. Ich denke, das hat was damit zu tun, dass sie mit Brüdern aufgewachsen ist, wie ich herausfinden konnte, als sie es uns irgendwann an einem Lagerfeuer auf irgendeinem Planeten erzählt hat. Es sind drei, und alle sind älter als sie.

    Was bedeutet, dass sie, so weit ich weiß, die einzige von uns ist, die eine nennenswerte Familie hat. Der Major redet nie über so was, und Reece hat uns nur irgendwann am Lagefeuer mal kurz angebunden erzählt, dass sie ein Einzelkind ist und ihre Eltern vor zwei Jahren gestorben sind. Und ich… Ich bin in einem Waisenhaus und ziemlich vielen Pflegefamilien aufgewachsen und habe meine richtigen Eltern nie kennen gelernt. Ende der Geschichte.

    „Wollen Sie hier noch mal zehn Minuten rum stehen, Dee?“

    Aus meinen Gedanken aufgeschreckt schließe ich kurz die Augen und antworte: „Natürlich nicht. Der Major würde es hassen, wenn ich Sie alleine und ohne meinen Schutz durch die Korridore wandern lassen würde.“ Ich grinse. Ich sollte wirklich mit diesen dämlichen Flirtversuchen aufhören, weil sie nicht mal…

    “Schutz, Master Sergeant? Aber natürlich, Sie haben Recht. Ein Mädchen sollte diese Flure nicht alleine lang laufen. Schließlich könnte ein Goa’old oder ein Replikator hinter jeder Ecke lauern oder hinter der nächsten Tür hervorspringen. Also… gehen Sie voraus, großer Beschützer.“ Damit schenkt sie mir ein Lächeln und ein Zwinkern. Okay. Soviel zu „nichts bemerken“. Ich hoffe nur, sie sieht nicht, wie ich über und über rot werde, als wir den Raum verlassen.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •