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Thema: Hundert Wege... (Lorne, Cadman)

  1. #1
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Standard Hundert Wege... (Lorne, Cadman)

    Also... weil ich neulich mal wieder mit jemandem darüber geredet habe... hab ich mich entschieden, mich wieder um meine deutschen Versionen der FF100-Stories zu kümmern. Kurz zur Erkärung für alle, die's nicht kennen: Fanfic100 ist eine Challenge, die auf LiveJournal ausgerufen wurde und die genau das besagt, was man sich denkt... ein Fandom, bestimmte Charaktere, 100 Stories (gibts auch auf Deutsch, übrigens, aber da hab ich das nicht geclaimed).

    Ende 2008 wurde mein Claim für Evan Lorne und Laura Cadman genehmigt und ich hab dann ungefähr ein Jahr gebraucht, um alle 100 Prompts (die man in der Tabelle unter dem Link oben findet) zu schreiben. Etwa auf der Hälfte hat mich der Elan zum Übersetzen verlassen, aber ich verspreche, das ändert sich jetzt. Nachdem ich das hier gepostet habe, werde ich mich mal daran machen, die Dateien der bereits übersetzten Stories zu ordnen und dann werde ich mich daran machen, den Rest zu übersetzen.

    Für alle, die die Stories schon aus anderen Zusammenhängen kennen: Ich werde das ganze hier etwas anders ordnen, damit ich die einzelnen Teile der Serien alle tatsächlich in der richtigen Lesereihenfolge habe und man nicht hin und her springen muss. Jetzt aber los.

    Titel: Warten
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Drama
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): R (whump, würde ich sagen)
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Das ist lustigerweise tatsächlich die erste FF100-Story, die ich geschrieben habe, deswegen sollte es wohl wenigstens einmal auch folgerichtig die erste sein, die ich poste
    Prompt/Kurzinhalt: 079 Wann? - Major Evan Lorne weiß, dass das das Ende ist...

    Warten

    “When my time comes, forget the wrong that I've done
    Help me leave behind some reasons to be missed
    Don't resent me, and when you're feeling empty, keep me in your memory
    Leave out all the rest, leave out all the rest.”

    Linkin Park, “Leave Out All the Rest”

    Das ist das Ende. Anders kann es gar nicht sein. So oft war er kurz davor, aber das ist es. Aus dieser Nummer hier kommt er nicht mehr heraus. So viel geht ihm durch den Kopf. So viel… und so wenig. Es fühlt sich an, als würde er gleichzeitig an eine Million Dinge und nichts denken. Wie…

    Oh Gott, tut das weh. Er kann nicht mal genau sagen, was es ist… es ist einfach überall. Er kann auch seine Augen nicht öffnen, um herauszufinden, wo er ist. Alles, was er tun kann… ist warten, bis es vorbei ist, ein- für allemal. Und während er das tut… kommen alle möglichen Sachen wieder… Sachen, von denen er dachte, dass er sie fast vergessen hatte. So wie die Sache in der sechsten Klasse, als seine damals neun Jahre alte Schwester ihm fast seinen ersten Geburtstag als großer Junge versaut hätte. Er hat ihr das fünf verdammte Jahre lang nicht wirklich vergeben, und plötzlich tut ihm das sehr leid.

    Oder damals während seiner Academy-Zeit, als er auf Urlaub nach Hause gekommen ist und seine damalige Freundin mit seinem damaligen besten Freund im Bett erwischt hat. Offensichtlich hatten die beiden sich während seiner Abwesenheit wirklich gut verstanden. Damals war alles, was er tat, sich umzudrehen und nie wieder auch nur in die Nähe des Hauses dieses Mädchens zu kommen. Jetzt bereut er es, dass er dem Typen keine reingedrückt hat und wenigstens ihr gesagt hat, dass das nun wirklich nicht die richtige Art ist, die kämpfenden Männer dieses Landes zu unterstützen.

    Das Zeug, das einem so in den letzten Stunden einfällt, ist wirklich lächerlich. Wenn man ihn vorher gefragt hätte, hätte er immer gesagt, dass es die großen Dinge sind, von denen man bereut, sie nicht getan zu haben – niemals eine Weltreise gemacht zu haben oder Vater geworden zu sein… oder Ehemann… all diese großen Abenteuer. Aber das bereut er gar nicht. Wenn er noch die Kraft dazu hätte, würde er darüber lachen. Er bereut wirklich nur die kleinen Dinge…

    Wie zum Beispiel, dass er vor zwei Tagen die Kantine verlassen hat statt zu bleiben und noch ein Bier mit Lieutenant Cadman zu trinken. Aber nein, er musste ja praktisch aus der Kantine fliehen, als sie plötzlich auftauchte, weil er seit kurzem sehr merkwürdige Gedanken hat, wenn er sie sieht. Na ja, zumindest das hat sich ja jetzt erledigt.

    Schockiert über seinen eigenen Galgenhumor muss er husten und eine Sekunde lang ist er endlich den ganzen Schmerz und das Bedauern und das Leiden los, aber dann beruhigt sich sein Atem wieder. Keuchend, aber wieder regelmäßiger. Gott, er will, dass es endlich vorbei ist, und er hasst das Warten. War es so, fragt er sich? Hat sein Vater sich auch so gefühlt, als er in Vietnam gestorben ist, begraben unter den Überresten seines Helikopters, darauf wartend, dass irgendjemand ihn retten würde, stundenlang?

    Und wird man ihn auch so vermissen wie seinen Vater? Gott, der Gedanke daran, nicht so vermisst zu werden tut fast mehr weh als sein geschundener Körper. Was werden sie wohl von ihm denken? Werden sie ihn überhaupt finden? Was würde er jetzt nicht für einen winzigen Blick in die Zukunft geben, um zu sehen, wann diese Qual endlich endet und er frei von den nagenden Gedanken und dem Bedauern und dem „Was wäre wenn“ ist… nur zu wissen, dass es bald vorbei ist würde es schon einfacher machen.

    „Sir, er ist hier unten… oh Gott, er ist wirklich hier unten!“ Großartig. Und jetzt fängt er auch noch an, eine Stimme zu halluzinieren… Cadmans Stimme. „Ja, ja, bringen Sie die Pioniere her und zwar schnell.“ Und Licht… ist das nicht dieses Ding, auf das man nicht zugehen soll? Aber da kommt Cadmans Stimme her… und wenn er schon gehen muss, dann ist diese Stimme dabei zu hören ganz sicher eine der besten Arten, das zu tun.

    „Gute Güte, er lebt noch! Er muss in einer Luftblase überlebt haben.“ Hey, was macht Sheppard denn in seiner Halluzination? Warum konnte er nicht nur Cadman haben? Kann sein blöder Verstand nicht wenigstens einmal aufhören, ihn Soldat sein zu lassen und ihn nur mit dieser netten Stimme im Kopf sterben lassen? „Was machen Sie denn… Cadman, bleiben Sie hier!“ Ja, bleiben Sie hier, Cadman und machen Sie es einfacher, zu gehen…

    „Geht schon, Sir. Ich muss nur… Major Lorne? Sir, können Sie mich hören?“ Heilige Scheiße, ist jeder Verstand kurz vor dem Ende so einfallsreich wie seiner? Jetzt fängt er sogar an, Berührungen zu halluzinieren. „Kommen Sie schon. Ich weiß, dass Sie das können… Sie sind doch sonst ein echt sturer Huren… ich meine, Sie haben genug Standvermögen für zwei Marines.“ Wow, und jetzt fängt sein Verstand auch noch an… „Ach, Scheiße. Sie schulden mir ein Bier, und ich lasse Sie nicht gehen, bevor ich das nicht bekommen habe. Niemand haut ab, wenn Laura Cadman die Bühne betritt. Sie können wegrennen, aber Sie können sich nicht verstecken.“ Nein… nein, das kann sich sein Verstand nicht einbilden. Das ist einfach zu sehr… Cadman.

    „Bin nich… gerannt…“ Ein weiterer Hustenanfall schüttelt seinen Körper und er merkt, wie ihn ein Paar weiblicher, aber starker Hände ruhig hält.

    „Hey, hey, ruhig, Sir. Und Sie sind gerannt. Aber jetzt werden Sie schön lange auf der Krankenstation fest hängen. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wann Sie Ihre Bierschulden begleichen.“ Gott, wie sehr er hofft, dass er sich diesen hoffnungsvollen Unterton in ihrer Stimme nicht einbildet… und die Hand, die sanft seine schmutzige und blutverkurstete Wange streichelt.

    „Jeder… jederzeit.“ Ein Finger landet auf seinen Lippen.

    „Halten Sie die Klappe, Sie haben sich genug bewiesen. Konzentrieren Sie sich jetzt nur darauf, am Leben zu bleiben.“ Sich darauf konzentrieren, am Leben zu bleiben… ja, das kann er. Jetzt, da es wieder eine Chance gibt, dass er all die Sachen, die er noch nicht getan hat, tun kann – die großen und die kleinen Sachen – und ein paar Gründe dafür, dass man ihn vermissen könnte, zurücklassen kann, ist es plötzlich viel leichter, sich darauf zu konzentrieren, am Leben zu bleiben.

  2. Danke sagten:


  3. #2
    Wächter und Techniker Avatar von Am17
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    KOmmen dann den jetzt alle in deutsch, oder nur die die schonauf Fanfiktion.de sind?
    Aufjeden fall, werdeich dieses malReviews da lassen.

    Ach ja,super umsetzung des wortes.

    Lg Am17

  4. Danke sagten:


  5. #3
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Wow, tolle Story.
    Das Wort hast du auch super umgesetzt.
    Gut geschrieben und schön wie du Evans Gedanken eingefangen hast.
    Ich denke, dass ist wirklich das, was einem in einem solchen Moment durch den Kopf geht.
    Dinge die in der Kindheit passiert sind und an die man sont nie und nimmer denkt. Und dann noch die Gedanken eines Mannes an eine Frau. Das ist ja wohl klar

    Evan und Laura wären wirklich ein schönes Pärchen, wenn es da leider nicht diese blöden militärischen Konventionen gäbe. Aber vielleicht finden sie ja noch einen Weg zueinander...
    Demnächst:
    SGA: ALEXA: Freaky Fridays
    Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander …


    Scarcrow and Dr. McKay: Wa(h)re Freundschaft
    Ein russischer Arzt nimmt an einem Ärztekongress in den Staaten teil, doch auf ihn wird ein Anschlag verübt. Will man hinter seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Medizin gelangen, oder hat er gar mehr zu bieten?

  6. Danke sagten:


  7. #4
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Zitat Zitat von Am17 Beitrag anzeigen
    KOmmen dann den jetzt alle in deutsch, oder nur die die schonauf Fanfiktion.de sind?
    Ich hab gestern mal meine Dateien ordentlich sortiert (und jetzt ergeben die Dateinamen nur noch für mich einen Sinn, höhöhö) und jetzt kann ich auch endlich wieder übersetzen, weil ich überhaupt mal weiß, was ich alles schon übersetzt hab und was nich... also, ja, ich werd's fertig machen.

    Zitat Zitat von TinaS Beitrag anzeigen
    Wow, tolle Story.
    Vielen Dank Ach, das waren noch Zeiten damals, als ich FF100 angefangen hab...

    Evan und Laura wären wirklich ein schönes Pärchen, wenn es da leider nicht diese blöden militärischen Konventionen gäbe. Aber vielleicht finden sie ja noch einen Weg zueinander...
    Ach, da findet man auch Mittel und Wege (findet man wirklich... wenn man sich nur ein bisschen anstrengt, kann man entweder glaubwürdig darstellen, dass sich Regeln geändert haben oder Wege finden, wie man die umgehen kann (JAG hat's damals vorgemacht für Bud und Harriet )

  8. #5
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Titel: Warten
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Angst
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): PG13
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Weil's so schön war... gleich noch einen one-shot. Mag ich immer noch sehr gerne, weil ich den Song, zu dem ich sie geschrieben habe, wahnsinnig traurig finde, aber sehr mag.
    Prompt/Kurzinhalt: 031 Sonnenaufgang - Laura Cadman hat noch nie einen Freund im Stich gelassen... nicht mal, wenn der es ihr ziemlich schwer gemacht hat.

    Nicht loslassen

    “And as the nights passed by, she tried to trace the past.
    The way he used to look, the way he used to laugh.
    I guess she'll never know what got inside his soul.
    She couldn't make it out, just couldn't take it all.
    He had the saddest eyes the girl had ever seen.”

    Kim Wilde, “Cambodia”

    Ein Jahr, seit sie zurück sind. Ein Jahr, seit sie ihren Einsatz in Atlantis beendet haben und unterschiedliche Posten angenommen haben – sie ist beim SGC geblieben, er wurde auf Peterson versetzt. Zuerst haben sie sich regelmäßig gesehen – haben freie Tage miteinander verbracht, sind immer mal ein Bier zusammen trinken gegangen, wenn sie zufällig beide am selben Abend in der Stadt waren, sind immer mal zusammen laufen gegangen… was Freunde eben so machen.

    Aber dann… so nach und nach… ist es weniger geworden. Zuerst stimmten ihre Dienstpläne nicht mehr überein, dann schien er – aus heiterem Himmel – eine Abneigung dagegen, sie zu sehen, entwickelt zu haben. Sie hatte ihn nicht bedrängt, weil sie wusste, dass es einfach keine gute Idee ist, Lieutenant Colonel Lorne zu irgendwas zu drängen. Er hätte einfach Wege gefunden, dem Druck, den sie auf ihn ausgeübt hätte, auszuweichen – still, aber effektiv. Er hat ihr nie gesagt, warum er eigentlich irgendwann Verabredung auf Verabredung abgesagt hat, und sie hatte nicht danach gefragt. Sie hatte gedacht, dass er vielleicht angefangen hat, mit irgendeinem anderen Mädchen auszugehen, und am Anfang hatte sie gedacht, dass ihr das nichts ausmachen würde.

    Aber dann hatte sie es geschafft, ihm über den Weg zu laufen, als er aus dienstlichen Gründen im Mountain war… und er hatte überhaupt nicht glücklich verliebt ausgesehen. Eigentlich… hatte er so anders ausgesehen. So… traurig. Als hätte ihn irgendwas in seiner Welt von Grund auf verändert… ihn so tief verletzt, dass er nicht mehr derselbe war. Ja, er hatte immer noch denselben Gang wie früher – das selbstbewusste Schreiten eines erfahrenen Kampfjet-Piloten und Special-Forces-Soldaten, der genau weiß, was er kann. Und er redete immer noch mit derselben unverrückbaren Sicherheit in der Stimme – die Stimme eines Mannes, der weiß, dass er für Ausrüstung im Wert von mehreren Milliarden Dollar verantwortlich ist und diese Verantwortung genießt.

    Seine Augen allerdings… seine Augen waren nicht mehr dieselben. In den paar Augenblicken, in denen sie sich gesehen hatten, hatte er ihr nicht in die Augen gesehen, sondern hatte an ihr vorbei gesehen… als würde er etwas sehen, das andere nicht sehen konnten. Irgendetwas machte ihm zu schaffen und verfolgte ihn und ließ ihn einfach nicht los.

    Und es ließ sie nicht los, also wälzte sie sich hin und her und grübelte… und fand sich am Ende vor den Toren von Peterson wieder, um zu verlangen, bei Lieutenant Colonel Lorne vorgelassen zu werden. Irgendwann in einer dieser endlosen Nächte, in der sie nicht schlafen konnte, weil diese Augen sie verfolgten, hatte sie sich entschieden, hinter das Geheimnis dieser Augen zu kommen und sie wieder zu dem zu machen, was sie mal waren – freundlich, lächelnd, bestimmend… alles außer traurig.

    Sie ließ nicht locker, und als sie ein viertes Mal dort auftauchte, gab man auf und ließ sie in sein Büro vor. Und da war er, arbeitete sich durch den Papierkram, so sorgfältig und engagiert, wie er in der Pegasus-Galaxie die Wraith dezimiert hatte. Einen Augenblick lang hatten sie sich nur angesehen, und plötzlich war sie sprachlos, weil auf einmal alles auf sie einbrach. Ihr wurde klar, dass das nicht nur eine zufällige Begegnung im Vorbeigehen war… er saß hier und sie hatte ihn fast in seinem Büro gefangen, weil sie direkt vor der Tür stand und wusste, dass sie sich gegen ihn zur Wehr setzen konnte, wenn sie musste.

    Und ihr wurde klar, dass er ihr gefehlt hatte und dass sie ihn zurückwollte, egal ob mit oder ohne traurige Augen. Also hatte sie ihm, bevor er etwas sagen konnte, einfach die Akte, in die er gerade vertieft war, aus der Hand genommen, den Telefonhörer, den er gerade abgenommen hatte, wieder aufgelegt und die Tür abgeschlossen. Das Einzige, was sie gesagt hatte, war: „Okay, Fliegerjunge. Ich gehe hier nicht wieder weg, bis du mir sagst, was mit dir los ist.“

    Seufzend wendet sie ihr Gesicht den ersten Strahlen der Morgensonne, die ins Zimmer scheinen, zu. Sie weiß immer noch nicht, was ihm zugestoßen ist. Sie trifft manchmal noch auf die traurigen Augen. Sie fragt sich manchmal immer noch, ob sie nicht früher hätte handeln sollen. Aber meistens ist sie einfach nur froh, dass sie überhaupt gehandelt hat. Wenn sie es nämlich nicht getan hätte, wäre er vielleicht nie… „Es ist zu früh, um am Fenster zu grübeln, Laura. Komm wieder her“, kommt es schläfrig vom Bett hinter ihr. Sie lächelt.

    „Gleich, Evan.“ Sie will sehen, wie die Sonne aufgeht, will sehen, wie sie die Monster und die Dämonen, die die Nacht bevölkern, verbrennt… und die manchmal noch anklingende Traurigkeit. Als immer mehr Sonnenstrahlen in das Zimmer fallen, wendet sie sich ab, erleichtert, dass sie es geschafft haben, die Dämonen eine weitere Nacht fernzuhalten. Zufrieden lächelt sie und begibt sich zurück in seine Arme. Er begrüßt sie mit warmen Augen, in denen noch ein bisschen Schläfrigkeit ist… und sie weiß, dass all das Kämpfen sich gelohnt hat.

  9. Danke sagten:


  10. #6
    Dissidentin vom Dienst Avatar von Annanym
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    *seufz* *herzchenaugen* *schmacht*

    Ach, war das jetzt schön! Kann es sein, dass das einer der Teile war, die wir noch nicht kannten?
    Es ist so schwer, die auseinander zu halten weil sie alle ausnahmslos TOLL sind UND weil es so lange her ist, dass es neue Übersetzungen gab (ja, das musste jetzt sein ).

    Bitte mehr =)

  11. #7
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Kann es sein, dass das einer der Teile war, die wir noch nicht kannten?
    Nein, den kanntet ihr schon, aber es is' lange her, dass ich den das erste Mal gepostet hab Wie gesagt, mein zwangsgestörtes Ich hat gestern mal alle Dateien neu sortiert (und lustige Buchstabenkombinationen erfunden... so was hier: x_dRNT 1015 Blue_beta.doc... ja, ich weiß, was das bedeutet ) und jetzt kann ich endlich wieder loslegen.

  12. #8
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Titel: Warten
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Humor
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): PG13
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Mir ist aufgefallen, dass die letzten beiden ja eher so nachdenklich bis dramatisch waren und dachte mir, ihr könntet mal eine Aufmunterung gebrauchen eventuell.
    Prompt/Kurzinhalt: 041 Formen - Evan Lorne lernt die Bedeutung des Sprichworts "Neugier war der Katze Tod." kennen... mithilfe drei seiner Marines.

    Playmate des Monats

    “My blood runs cold,
    My memory has just been sold
    My Angel is the centerfold.”

    The J. Geils Band, “Centerfold”

    „Junge, Junge… ich glaube, so was hab ich noch nie gesehen.“ Wiehern und schallendes Gelächter. Will er wirklich wissen, worüber seine Marines auf der anderen Seite der Spinde reden?

    „Also, ich schon. In natura.“ Anerkennendes Grunzen und Pfeifen. Okay, er bekommt langsam eine recht gute Vorstellung davon, worum es hier geht. Nur ein weiterer Grund, schnell mit dem Umziehen fertig zu werden.

    „Keine Chance, dass du wirklich gesehen hast, wie Cadman das macht.“ Moment… Cadman? Bitte sag ihm jemand ganz schnell, dass sie nicht über Lieutenant Laura Cadman reden da drüben. Er kennt diese Stimmen. Miller, Grayson und Sonderberg, alle drei Sergeants. Er hofft wirklich, dass sie von jemand anders reden, weil alle drei gut in dem sind, was sie tun und er es hassen würde, sie – und vielleicht auch Cadman – nach hause schicken zu müssen, weil… Gott, er hat wirklich Schwierigkeiten, alle möglichen verstörenden Bilder abzuwehren.

    „Wenn ich’s dir doch sage, Mann. Sonny hier hat’s auch gesehen.“ Heilige… es ist wirklich nur Zufall, dass er sich gegen die Tür seines Spinds lehnt. Er braucht das nicht als Stütze, wirklich. „Wir haben es beide gesehen und sie war fantastisch.“ Fantastisch? Denk an Hundebabys… niedliche, kleine, fluffige Hundebabys…

    „Ich glaub euch kein Wort.“ Er stimmt Miller aus vollem Herzen zu, den Sergeants und Lieutenant Cadman zuliebe. „Ehrlich, ich wette, das habt ihr euch nur ausgedacht. Sie hat ganz bestimmt nicht… ich meine… habt ihr einen Beweis dafür?“ Er betet sogar, dass weder Grayson noch Sonderberg das haben, aber zu seinem Schrecken hört er das Rascheln von Papier zu ihm hinüber dringen und dann scharfes Einatmen, wahrscheinlich vom ungläubigen Miller.

    „Heilige Mutter Gottes… ihr habt die gemacht, ohne dass sie es mitbekommen hat? Wie habt ihr das nur gemacht? Klasse Arbeit, Jungs.“ Ohne, dass sie es mitbekommen hat?

    „Na ja… wir hatten ein bisschen Hilfe von der IT-Abteilung, um mit den Sicherheitskameras rumzuspielen.“ Was zum…? Aber wenigstens lässt das Cadman vom Haken. Leider macht es die Schwierigkeiten der Sergeants nur noch größer. Eine Vorgesetzte auszuspionieren, während sie… nein, besser da jetzt nicht dran denken. Kameradin, Kameradin, schöne Frau… Kameradin! Und verdammt, die IT-Abteilung hat da auch ihre Finger drin? Er muss wirklich mit Sheppard und Colonel Carter über das hier reden, obwohl es ihm jetzt schon vor den Standpauken graust, die folgen werden. „Jedenfalls… seht euch das hier an. Großartige Perspektive, oder?“

    Er weiß, dass er jetzt eingreifen müsste, aber aus irgendeinem Grund hat er das Gefühl, am Boden festgewachsen zu sein. Höchstwahrscheinlich ist es das Entsetzen darüber, wie niedrig die Moral zumindest in Teilen des Kontingents der Marines schon gesunken ist. „Junge, die sind echt großartig. Seht euch mal die Größe an! Und perfekt geformt. Sie hat’s echt drauf, das ist mal sicher.“ Fang jetzt nicht an, zu hyperventilieren, ermahnt er sich selbst. Du bist Offizier, ein Karrieresoldat und ein reifer Mann Mitte 30, keine Debütantin. Du kommst mit ein paar Marines mit schmutziger Fantasie, die offensichtlich vor mindestens einem ihrer Offiziere den Respekt verloren haben, klar.

    Nachdem er die Tür seines Spinds sehr vorsichtig geschlossen hat, um die drei Männer auf der anderen Seite nicht zu alarmieren, geht er um die Spindreihe herum. Mit etwas gespreizten Beinen und verschränkten Armen stellt er sich auf und räuspert sich leise, um sich den halbbekleideten ahnungslosen Marines anzukündigen. Sofort drehen sich alle um… und haben nicht mal den Anstand, rot zu werden. Er verengt seine Augen, nur ein ganz wenig. „Gentlemen, ich würde Ihnen empfehlen, mir diese Bilder sofort zu übergeben.“

    Einen Augenblick lang sehen sie ihn nur an, fast mit offenen Mündern. Sonderberg ist der erste, der sich wieder erholt. Etwas verwirrt sagt er: „Äh, Sir, wir haben uns nur Lieutenant Cadmans…“

    Gott, er will gar nicht wissen, welchen Teil von Cadmans Anatomie sie sich eben angesehen haben. „Das war ein Befehl, Sergeant.“

    Sonderberg sieht Miller und Grayson an, die beide ganz wenig mit den Schultern zucken und etwas widerwillig kommt Sonderberg herüber und gibt ihm den Stapel Bilder. Eigentlich hatte er sich einfach nur die Bannware aushändigen lassen und dann sofort den Raum verlassen wollen, aber das seltsame Benehmen der Sergeants hat ihn alarmiert und deswegen sieht er sich zwar die Bilder aus Respekt vor Cadman nicht an, hält sie aber hoch und sagt: „Na schön, was haben Sie sich dabei gedacht? Obwohl ich wirklich bezweifle, dass Sie sich überhaupt etwas dabei gedacht haben.“

    Noch verwirrter sehen sie sich gegenseitig an. Was zur Hölle geht hier vor? Letztendlich ist es Grayson, der Manns genug ist, das hier aufzuklären. „Mit allem nötigen Respekt, Sir, wir haben uns Lieutenant Cadmans kontrollierte Explosionen angesehen. Wir haben ihre Fähigkeit, die größtmögliche Explosion mit einer sehr geringen Menge C4 herbeizuführen und ihre sehr präzisen Sprengungen bewundert.“ Er will die Sergeant gerade zusammenbrüllen… als sein Gehirn registriert, was Grayson eben gesagt hat.

    Explosionen? C4? Sprengungen? Er muss blinzeln und dann nimmt er die Bilder langsam runter, um sie sich doch anzusehen. Und ja… da ist Laura Cadman mit einem Team aus der Sprenggruppe, wie sie kleine Ladungen auf improvisierten Plattformen, die vor dem Süd-Pier schwimmen, hochjagt… komplett mit Atlantis-Uniform bekleidet. Oh, oh. Er sieht die Marines wieder an. Alle drei zeigen ihm ihr stoisches undurchsichtiges Soldatengesicht, was immer ein todsicherer Hinweis darauf ist, dass sie nur darauf warten, dass er den Raum verlässt, damit sie sich totlachen können. Und sie haben auch noch jedes Recht dazu.

    Es gibt wirklich keinen Weg aus dieser Nummer für ihn, bei dem er sich wenigstens einen winzigen Teil seiner Würde retten könnte. „Natürlich. Wenn einer von Ihnen Interesse hat, könnte ich eine Ausbildungseinheit mit der Sprengstoff-Abteilung für Sie organisieren.“ Und im Gegenzug halten Sie alle Ihre Klappe über das hier, fügt er im Geiste hinzu. Die nur wenig verborgenen Grinsen der Marines sagen ihm, dass sie das auch so verstanden haben.

    Grayson meldet sich wieder. „Wir wären sehr dankbar und würden uns sehr geehrt fühlen, Sir.“ Er nickt nur und will Sonderberg schon die Bilder zurückgeben, als ihm wieder dieser Spruch über die IT-Abteilung und die Sicherheitskameras der Stadt einfällt. Er ist sich sicher, dass Sheppard und Colonel Carter dieses Stück Information sehr interessant finden werden.

    „Sehr gut. Weitermachen, Sergeants.“

    Die drei Marines salutieren knackig und antworten mit einem perfekt synchronen „Jawohl, Sir!“ Okay, mach dich raus hier, so schnell du kannst und so schnell, wie es dich nicht noch mehr von deiner Würde kostet.

    Er ist schon fast aus der Tür, als er plötzlich hört, wie sich jemand hinter ihm räuspert und dann, wie Miller sagt: „Sir, wenn ich das sagen darf… Ich bin sicher, Lieutenant Cadman wird es zu schätzen wissen zu hören, wie besorgt Sie um ihre Ehre sind.“ Er kann grade so dem Verlangen, tief Luft zu holen widerstehen und dreht sich noch mal um.

    „Und ich werde es zu schätzen wissen, wenn Lieutenant Cadman gar nicht erst zu hören bekommt, wie besorgt ich um ihre Ehre bin. Habe ich mich klar ausgedrückt?“ Er weiß, dass es zwecklos ist, das hier aufhalten zu wollen, weil sich so was hier immer schneller als der Überlichtantrieb der Dädalus ausbreitet, aber er kann es ja immer noch versuchen, oder?

    Miller nickt. „Glasklar, Sir.“ Gut, da sie das ja jetzt geklärt haben… ist es wirklich Zeit sich einen schön abgeschiedenen Platz zu suchen, wo er sich ein bisschen abkühlen kann und sich dafür fertig machen kann, dass er sich gerade zum Idioten gemacht hat. Vielleicht… versucht er es heute mal auf dem Süd-Pier.

  13. Danke sagten:


  14. #9
    Dissidentin vom Dienst Avatar von Annanym
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    Mei, die Marines haben aber auch eine zweideutige Ausdrucksweise *g* Aber solche Verwechslungssachen sind immer sehr witzig und da macht auch das hier keine Ausnahme. Aber die drei haben sich bestimmt gut über Evan amüsiert, als er dann verschwunden war.

    Na, hat mir jedenfalls wieder sehr gut gefallen. Weiter, bitte
    ~*~



    "Nature doesn't recognize good and evil. Nature only recognizes balance and imbalance."
    (Walternate, Fringe)

  15. Danke sagten:


  16. #10
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    Zitat Zitat von Annanym Beitrag anzeigen
    Mei, die Marines haben aber auch eine zweideutige Ausdrucksweise *g*
    Ja, die Atlantis-Marines sind insgesamt sehr Es müsste viel mehr Atlantis-Marines-Stories geben (im deutschen Bereich, meine ich... im englischen Bereich ist es fast ein eigenes sub genre ) *find

    Aber die drei haben sich bestimmt gut über Evan amüsiert, als er dann verschwunden war.
    Ahem... ja Es würde mich auch nicht wundern, wenn Laura ständig komischen Andeutungen ausgesetzt wäre

    Na, hat mir jedenfalls wieder sehr gut gefallen. Weiter, bitte
    Na, mal sehen, ob ich für morgen zum Veteran's Day was finde

  17. #11
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    Titel: Ardennen
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Historisch, AU
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): PG13
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Wisst ihr, was gestern war? Also, außer dem mir verhassten Karnevalsauftakt, meine ich. Keiner? Nicht? Gut, dann sag ichs euch. In den USA war Veterans Day und in Großbritannien Armistice Day bzw. Remembrance Day (und bei uns ist demnächst ja irgendwann noch Volkstrauertag) und aus diesem gegebenen Anlass hier eine kleine AU-Trilogie von mir (also, der erste Teil erstmal). AU im Sinne von "Zweiter Weltkrieg und Evan ist nicht mal Pilot und Laura ist kein Marine", meine ich. Also nicht wundern, warum hier kein Stargate drin vorkommt...
    Prompt/Kurzinhalt: 061 Winter - Captain Evan Lorne muss einen Krieg führen und er kann wirklich keine Kriegsberichterstatterin gebrauchen, die sich ihm an den Rockzipfel hängt.

    Ardennen

    “My, my, I tried to hold you back but you were stronger
    oh yeah, and now it seems my only chance
    is giving up the fight
    and how could I ever refuse
    I feel like I win when I lose.”

    ABBA, “Waterloo”

    „Sergeant, wer zur Hölle ist das?“ Der Mann, den er eben angebellt hat, zuckt nicht zusammen, aber vielleicht nur, weil er schon erfroren ist. Wäre keine Überraschung, wenn man bedenkt, dass sie sich mitten im Dezember tief in den Ardennen befinden und verdammt noch mal keinerlei Winterausrüstung haben.

    „Miss Laura Cadman, Sir.“ Oh, klar, Miss Laura Cadman, natürlich. Das erklärt, was das Mädel in zusammen gewürfelter Felduniform in seinem Lager nur ein paar Kilometer von der Front entfernt macht.

    „Und ist Miss Laura Cadman stumm oder kann sie auch selbst erklären, warum sie hier gerade erschienen ist?“ Miss Laura Cadman will antworten, wird aber vom Geräusch ankommender Flugzeuge davon abgehalten. Sie klingen ziemlich nach Messerschmitts und sofort springt jeder – sogar Miss Cadman – in Deckung, obwohl sie sich im Wald befinden. Zähneknirschend muss er ihr eine gute Reaktion zugestehen… fast so gut als wäre sie ausgebildete Soldatin.

    Aber die Messerschmitts sind heute offensichtlich nicht daran interessiert, seinen Befehlsstand auszuradieren und dröhnen über sie hinweg… in Richtung seiner Panzer. Scheiße. Vorübergehend vergisst er die Frau auf dem Boden neben sich und steht sofort auf, um seinem Funker zuzubrüllen, dass er Lieutenant Harris und seine Einheit vor der nahenden Bedrohung warnen soll. Das hat er gerade noch gebraucht. Scheißkalt, scheißelend, scheiß am Arsch… und jetzt scheinen die Krauts auch noch irgendwo Flugzeuge aufgetrieben zu haben. Wo ist die verdammte Air Force, wenn man sie mal braucht?

    „Ein paar Kilometer weiter hinter der Frontlinie. Sie versuchen gerade, ihre Vögel in die Luft zu bekommen." Er wirbelt zu der unverkennbar weiblichen – und unverkennbar respektlosen – Stimme herum und sieht Miss Cadman vor sich stehen. Sie hat ihren Helm in der Hand, die Haare sind etwas durcheinander und auf ihrer Uniform sind Schnee und Erde zu sehen. Die einzige Antwort, die sie ihm auf seinen wütenden Blick gibt, ist eine hochgezogene Augenbraue und ein etwas spöttisches „Sir?“

    Ach, das Ärgernis kann also doch sprechen. Und Moment… hat er das mit der Air Force eben laut gesagt? Muss wohl so gewesen sein, weil eine Frau im Lager schon schlimm genug ist; eine Frau, die telepathisch begabt ist… schlimmer als all die Deutschen, die auf der anderen Seite des Waldes auf ihn warten. „Dann sollen sie sich verdammt noch mal beeilen oder ich muss einen meiner Jungs hinschicken und ihnen zeigen, warum man Tankies nicht anpissen sollte.“ Was, kein Ohnmachtsanfall bei seinem recht freigiebigen Umgang mit Schimpfwörtern? Nicht mal ein schockiertes Quieken? Das ist doch eine Frau da vor ihm, oder?

    „Ich bin sicher, das wird ihre Motoren schneller warmlaufen lassen. Übrigens, Laura Cadman, Kriegsberichterstatterin, freut mich, Sie kennenzulernen.“ Kriegsberichterstatterin? Och, . Einfach… nein. Eines dieser eifrigen Mädchen, die ihre Redakteure losgeschickt haben und die denken, dass das hier alles ein einziges großes Abenteuer ist und immer im Weg sind, zusätzlich dazu, dass sie Chaos ins Lager bringen. Er hatte wirklich gedacht, dass er als Kommandeur einer Panzereinheit an der Front von so was verschont bleiben würde. Hätte sie nicht einfach bei General Patton bleiben können, wie diese Bourke-White?

    „Und da dachte ich, ihr West-Point-Absolventen wärt ein Haufen gut erzogener, charmanter Jungs. Oder vielleicht hab ich einfach nur das Pech, den Einzigen abzukriegen, der das nicht ist.“ Und sie ist auch noch ein scheiß Großmaul. Ganz. Toll.

    Er gibt ihr nicht die Hand, aber wenigstens kann er sich dazu bringen, sie anzusehen. Immerhin ist er hier der höchste Dienstgrad und muss mit gutem Beispiel voran gehen. „Captain Evan Lorne. Und wenn Sie so ein Fan der Jungs in den Bombern sind, wäre es mir ein Vergnügen, Sie wieder zurückzuschicken. Baddon!“ Er winkt seinem Fahrer, herzukommen und wartet nicht mal auf ihre Antwort.

    Allerdings mag sie es offenbar nicht, wenn jemand anderes ihre Entscheidungen trifft. „Nicht so schnell, Mister.“ Okay, das reicht. Niemand verweigert es ihm, ihn mit seinem Dienstgrad anzusprechen, vor allem nicht so eine kleine Tippse, die Krieg spielen will.

    „Sie, Miss Laura Cadman, gehen dahin, wo Sie hergekommen sind, jetzt sofort. Das ist hier kein hübsches kleines Teekränzchen und ich werd’ in einem Kriegsgebiet bestimmt keine gelangweilten Debütantinnen dulden. Wenn Sie Ihren Spaß haben wollen, gehen Sie einem anderen Offizier auf die Nerven, der blöd genug ist, Sie zu dulden, aber ich muss einen Krieg führen.“

    Inzwischen haben seine Soldaten es aufgegeben, beim Lauschen unauffällig auszusehen. Sie hatten diese Art von Unterhaltung – na ja, eigentlich gar keine Form von Unterhaltung – seit einer Weile schon nicht mehr und sie haben auch seit einer Weile schon ihren Kommandeur nicht mehr so aus der Haut fahren sehen. Aber gottverdammt noch mal, selbst er hat sein Grenzen und ihm diese Frau mitten in einem Winterkrieg, für den sie nicht ausgerüstet sind, zu schicken hat ihm endgültig den Rest gegeben.

    Einen Augenblick ist nur der ferne Donner der Artillerie und das Krachen der Machinengewehre zu hören. Ihm gegenüber hat sich Miss Cadmans Griff um ihren Helm verfestigt und er ist sicher, dass sich ihre Knöchel in diesen Handschuhen weiß verfärbt haben. Sie sieht… wie eine scharfe Handgranate aus. Äh… „Sie, Captain Evan Lorne, wissen nichts über mich. Sie haben kein Recht, so auf mich loszugehen. Ich war während der Luftangriffe in London, ich war in Pearl Harbor und in Nordafrika. Ich war an diesem scheiß Omaha Beach, verdammt noch mal. Sie können sich so sehr aufregen wie Sie wollen, aber mich werden Sie nicht wieder los.“

    Was zum…? London? Pearl Harbor? Omaha Beach? Zum ersten Mal sieht er sie sich richtig an. Auf ihrer linken Wange ist eine Narbe, undeutlich, aber immer noch rot, als sei sie noch recht frisch. Sie scheint außerdem ihr linkes Bein beim Stehen zu entlasten, als wenn es nicht so viel Gewicht wie das rechte tragen könnte. Wenn er ehrlich ist… sieht nur wenig an ihr nach Debütantin aus. Eigentlich… sieht nichts an ihr nach Debütantin aus. Ihre Haare sind in einem zerwühlten französischen Zopf geflochten, auf ihrem ungeschminkten Gesicht ist ein Schmutzfleck und sie trägt schwere Stiefel… so wie seine Soldaten und er. Ihre Felduniform sieht gepflegt, aber abgetragen aus, an ein paar Stellen genäht, an anderen geflickt. An ihrer Hüfte kann er sogar eine Handfeuerwaffe entdecken… eine Browning HP, wenn er das richtig gesehen hat. Das einzige, was sie herausragen lässt ist… na ja, dass sie eine Frau ist.

    Er will etwas erwidern, aber plötzlich sind die Messerschmitts wieder da… viel niedriger und schneller als vorhin. Verdammt. In dem Augenblick, in dem sie den Waldrand erreicht haben, fangen sie an, den Boden mit Kugeln aus ihren Bordkanonen vollzupumpen. Sofort springen alle in Deckung und wieder findet er sich in einem Schützenloch neben Miss Cadman wieder. Das Einzige, woran er das erkennt ist, dass unter dem Helm ein Paar brauner Augen hervor blitzt und… eine verdammte Kamera in ihrer Hand erscheint. Heilige Scheiße, sie geraten unter Feuer und das erste, was sie tut ist fotografieren?

    So schnell die Messerschmitts gekommen sind, so schnell sind sie auch wieder verschwunden und er will ihr zubrüllen, dass das hier kein gottverdammtes Atelier ist, wird aber davon zum Schweigen gebracht, dass sie seinen Arm ergreift und ihn zu einem Baumstumpf schleift. In dem Augenblick, in dem er ihr dafür die Meinung sagen will, sind die Flugzeuge wieder da und dieses Mal finden die Kugeln ihren Weg direkt in das Schützenloch, das sie eben verlassen haben und direkt in den verlassenen Befehlsstand hinein, wo sie unter anderem auch die gesamte Funkausrüstung zerstören.

    Dieses Mal wartet er bestimmt zwei Minuten, bevor er sich wieder bewegt. Als er es tut, kann er nicht anders als seinen Kopf an den Baumstumpf zu lehnen und ganz kurz die Augen zu schließen. Das war knapp. „Wie ich schon sagte… mich werden Sie nicht mehr los.“ Er öffnet seine Augen wieder, um die Frau neben ihm anzusehen und ihm wird klar, dass die Kriegsberichtserstatterin, die er eben noch an die Bomber-Jungs loswerden wollte… ihm gerade das Leben gerettet hat.

    Natürlich ist er nicht abergläubig – kein West-Point-Absolvent, der etwas auf sich hält, würde je zugeben, das zu sein – aber… das war unheimlich. Er hatte in den letzten Wochen etwas Pech und seine Männer haben schon angefangen sich zu fragen, ob er irgendwie verflucht ist oder so was. Vielleicht… bringt ihnen diese kleine Reporterin Glück, wenn schon nichts anderes. „Nein, Missy, Sie werden mich nicht mehr los.“

    Ein Lächeln breitet sich langsam auf ihrem Gesicht aus und erhellt es unter dem Helm. „Damit kann ich leben. Tankies sind sowieso viel zuverlässiger als diese flatterhaften Fliegerjungs.“ Okay… offensichtlich hat er eben ein neues Mitglied für seine Kompanie bekommen.

  18. Danke sagten:


  19. #12
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    Äh ... warum hab ich dazu noch nichts geschrieben? Hab ich das "ohwietollistdasdenneinWWIIAU!" etwa nur gedacht?

    Ja nee, ich muss dir ja nicht extra sagen, dass ich auf solche historischen Sachen stehe. Und jetzt, wo ich darüber nachdenke fällt mir auch ein, dass du das hier schon mal erwähnt hast und es noch mehr davon gibt. Oder ... ist das jetzt mein Wunschdenken?
    ~*~



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  20. #13
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    Titel: Buchenwald
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Historisch, AU
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): PG13
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Also, hier... icke wieder. Volkstrauertag war tatsächlich schon am Sonntag (ich wusste, die Fahnen auf Halbmast hatten was zu bedeuten... *hust) und deswegen gibts dann jetzt mal Teil Zwei der WWII-Trilogie *hust Die bereits erwähnte Margaret Bourke-White gab es übrigens tatsächlich und ihre Buchenwald-Fotos sind weltberühmt. Und wer sich ein bisschen auskennt, wird jetzt auch wissen, zu welcher Einheit die Panzerkompanie hier gehört
    Prompt/Kurzinhalt: 062 Frühling - Laura Cadman, Kriegsberichterstatterin in einer Panzer-Kompanie, kommt an ihre Grenzen, als sie Zeugin eines der größten Verbrechen, die Menschen begangen haben, wird.

    Buchenwald

    “Brothers lie in shallow graves.
    Fathers lost without a trace.
    A nation blind to their disgrace,
    Since he's been here.”

    James Blunt, “No Bravery”

    „Boss?“ Er wendet sich zu Sergeant Baddon um, froh, dass keine anderen Offiziere in der Nähe sind. Jetzt, wo sie nicht mehr tief in den belgischen Wäldern sind, wäre es nicht gut, wenn Offiziere, die nicht wissen, was seine Männer und er zusammen durchgemacht haben, die Vertrautheit sehen würden, mit der sie miteinander umgehen.

    „Was gibt’s, Sergeant?“ Baddon versucht, unbeeindruckt auszusehen, aber die unnatürliche Blässe und die zitternden Händen sagen ihm was anderes. Er bereut es schon, ihn den Ettersberg hinaufgeschickt zu haben.

    „Es… ist die Miss, Sir. Glaub, es nimmt sie ganz schön mit.“ Das wäre mal was Neues. Während der letzten Monate hat Laura Cadman ihn immer wieder damit überrascht, was sie aushalten konnte. Zugegeben, manchmal hatte er es schon schwer damit, sie davon abzuhalten, die wirklich schlimmen Dinge zu sehen, ohne dass sie es direkt mitbekam, aber im Großen und Ganzen… hat sie sich als ein weit kleineres Ärgernis erwiesen, als er ihr je zugetraut hätte.

    Er seufzt. „Wo ist sie?“ Baddon dreht sich um und weist mit dem Kinn auf den Jeep, in dem er ihre Scribble den Berg nach Buchenwald herauf gefahren hat.

    „Hinter dem Alten Mädchen. Es ist… kein schöner Anblick, Sir.“ Er ist sich nicht ganz sicher, ob der Sergeant sich auf Laura Cadman bezieht oder auf das, was auf diesem Berg passiert ist.

    „Ich kümmere mich drum, Bill. Holen Sie sich was zu trinken.“ Der Sergeant nickt nur, wohl wissend, dass es immer noch den unausgesprochenen Befehl gibt, morgen früh wenigstens halbwegs nüchtern wieder zum Dienst anzutreten und er klopft ihm kurz auf die Schulter und geht dann um den Jeep herum.

    Da sitzt sie auf dem Boden an einem der Hinterräder, ihre Knie an die Brust gezogen, ihre Arme darum gelegt, ihre Stirn auf ihren Knien. Neben der Beifahrertür ist eine Lache aus etwas… das wohl mal das heutige Frühstück war. Er hockt sich vor sie hin, einen Augenblick still. Er kann kein Schluchzen hören und sieht auch nicht, dass sie sich bewegt und ehrlich gesagt macht ihm das Sorgen.

    Ein bisschen zögerlich berührt er – streichelt er fast – ihre Schulter. Sie sieht auf, mit trockenen Augen und einem verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht. Dann scheint sie ihn zu erkennen und er hält ihr nur seine Feldflasche hin. Immer noch wie in Trance, nimmt sie sie langsam und trinkt ein paar Schlucke daraus.

    Ihr Augen klären sich etwas und er holt tief Luft und sagt: „Hab dir doch gesagt, dass du da nicht hoch fahren sollst, Scribble.“ Das hat er wirklich. Vor zwei Tagen war General Patton schon mit seiner Presse-Entourage auf dem Ettersberg, um mit eigenen Augen zu sehen, wie effektiv Nazi-Deutschland in der Organisation von Völkermord war. Laura hätte einfach mit der Kompanie unten bleiben sollen, in ihrem gemütlichen kleinen Lager in der Nähe von Weimar und die Befreiung des Konzentrationslagers mit ihnen feiern sollen, aber nein, sie musste ja ihrem blöden journalistischen Instinkt nachgeben und alles mit eigenen Augen sehen.

    Sie blinzelt und schluckt, bevor sie mit leiser und rauer Stimme sagt: „Sie haben gesagt, dass sie es nicht wussten, Tankie. Sie haben gesagt, dass sie es nicht wussten.

    „Wer hat das gesagt?“ Ihr Blick ist leicht verschwommen und er spürt den Impuls, ihr die Wange zu tätscheln oder ihre Hand zu drücken, damit sie sich auf ihn konzentriert und nicht auf die Dinge, die sie da oben gesehen hat.

    „Die… die Leute hier. All die Krauts.“ Sie schüttelt ungläubig ihren Kopf. Die Hocke, in der er sich befindet wird langsam unbequem, aber er wagt es nicht, sich zu bewegen… obwohl er Schwierigkeiten hat, dem Drang zu widerstehen, einfach die Arme um sie zu legen und sie so fest zu umarmen, dass sie aufhört, an Massenmord und kollektives Leugnen zu denken. „Sie haben gesagt, dass sie nicht wussten, was direkt vor ihrer Nase passiert.“

    Ihre Augen sind jetzt riesengroß und ihr Atem kommt stoßweise… fast, als müsste sie sich wieder übergeben. Und ja, plötzlich springt sie auf und geht ein paar Meter, bevor es zu stark wird und sie es nicht mehr bei sich behalten kann. Ohne ein Wort geht er zu ihr hinüber und legt sanft seine Hand in ihren Nacken, um ihr die Haare aus dem Gesicht zu halten. Nach dem sie ein paar Mal trocken gekeucht hat, richtet sie sich wieder auf und akzeptiert seine Feldflasche ein weiteres Mal. Sie trinkt nicht nur, sondern schüttet sich auch etwas über den Kopf und die Hände… als müsste sie etwas abwaschen.

    Er holt wieder tief Luft. „Tut mir leid, das zu sagen, Scribble, aber… du hättest hier bleiben sollen.“ Oder er hätte mit ihr hoch fahren sollen. Verdammt, er hätte Baddon und Laura nicht alleine da hoch fahren lassen dürfen. Es war seine scheiß Verantwortung, egal, in welchem Chaos die Kompanie sich befand oder wer alles mit Major Lorne sprechen wollte und wie sehr sie darauf bestanden hatte, alleine hoch zu fahren.

    „Wie denn? Hör mal, die Welt muss das sehen! Es ist mein Job, ihnen das zu zeigen…“ Sie erhebt die Stimme, regt sich wirklich auf und aus einem Impuls heraus legt er ihr die Hände auf die Schultern und sieht ihr in die Augen.

    „Scribble!“ Sie will weiter reden, aber er weiß, dass er sie jetzt beruhigen muss, weil sie ihm nie vergeben würde, wenn er zulassen würde, dass sie vor der halben Kompanie hysterisch wird. „Laura, hör mir zu!“ Sie beim Vornamen zu nennen bringt sie effektiv dazu, die Klappe zu halten, weil er das wirklich nur sehr selten in den letzten Monaten gemacht hat. „Niemand hätte schlecht von dir gedacht, wenn du da nicht hoch gefahren wärst.“ Sie schüttelt nur den Kopf und ihre Augen werden feucht. Er ist so froh darüber, dass er sich nicht damit zurückhalten kann zu sagen: „Ich hätte nicht schlecht von dir gedacht, wenn du hiergeblieben wärst. Ich wäre… ich wäre zu Miss Bourke-White gegangen und hätte sie gefragt… Ich wäre…“ Ich wäre für dich da hoch gefahren und hätte dir gesagt, dass es da nichts für dich zu sehen gibt, nur, damit du es nicht selbst sehen musst.

    „Du verstehst nicht. Ich bin hierher gekommen, um den Leuten zuhause zu zeigen, was hier passiert. Und dann sagen mir diese Krauts, dass sie nicht wussten, was da oben passiert.“ Tränen laufen ihre Wangen herunter, durch die typischen Schmutzflecken, aber sie schenkt ihnen keine Beachtung. Sie redet einfach weiter. „Sie sagen mir, dass sie nicht wussten, dass sie die Leute da oben verhungern lassen haben und sie geschlagen haben und sie systematisch umgebracht haben und… Gott, Tankie, sei froh, dass du die Baracken nicht gesehen hast und die… und die…“ Es ist zuviel für ihn.

    Er umarmt sie, teilweise, damit sie still ist und teilweise, um sie davon abzuhalten, wortwörtlich auseinanderzufallen. Es interessiert ihn nicht, dass seine Männer ihnen seltsame Blicke zuwerfen, denn wenn er ehrlich ist: Für seine Männer war die „Miss“ sowieso das Mädchen vom Boss, seit der ersten Woche in den Ardennen, egal, wie viel sie mit seinen Lieutenants geflirtet hat und wie sehr sie bei jedem bisschen aneinander gerasselt sind und egal, wie sehr er alles geleugnet hat, sobald jemand es gewagt hat, darauf anzuspielen.

    In seinen Armen lässt Laura den Horror endlich von sich wegspülen, zumindest für den Augenblick und er muss sich einfach zu ihr hinunter beugen und immer und immer wieder murmeln: „Es wird wieder gut, Laura.“

    Nach ein paar Minuten, schaut sie allerdings wieder auf, ihr Gesicht tränenverschmiert und ihre Augen seltsam alt und… hart. „Nein,“ sagt sie, „es wird nicht wieder gut. Nicht in hundert Jahren. Nicht für die Deutschen… und nicht für uns. Sie haben das getan… aber wir haben es geschehen lassen. Und deswegen müssen wir das sehen.“ Fast sanft macht sie seine Arme um sie herum los und tritt einen Schritt zurück. „Ich glaube… ich werde jetzt mal schauen, ob ich meine Redakteure zuhause erreichen kann. Du weißt ja, wie besorgt diese Glucken werden können, wenn ich nicht alle zwei Stunden oder so anrufe.“

    Damit dreht sie sich um und geht von ihm weg, während sie sich wütend über das Gesicht wischt und sich nicht umschaut. Aber er glaubt keine Sekunde lang, dass sie schon wieder über alles hinweg ist. Und er hat noch etwas zu sagen. Mit ein paar Schritten ist er neben ihr und sagt: „Scribble… es tut mir leid, dass ich nicht mitgekommen bin.“

    Sie wendet sich ihm zu, ein kleines Lächeln auf dem tränen- und dreckverschmierten Gesicht. „Muss es nicht, Tankie. Mir hätte es leid getan, wenn du mitgekommen wärst.“ Also darum hat sie sich geweigert, ihn mitzunehmen. Sie hatte gewusst, was sie erwartete… er kann nicht glauben, dass seine kleine Scribble dachte, sie müsste ihn beschützen. Etwas von seiner Verblüffung und Rührung muss durchgeschienen haben, weil sie sich beeilt hinzuzufügen: „Also… hilfst du mir, hier eine ordentliche Telefon- oder Telegraphenleitung zu finden? Du bist immer ganz gut dafür, neugierige Soldaten zu verscheuchen, wenn ich meine Anrufe mache.“

    Um gute Miene zum bösen Spiel zu machen, entscheidet er sich, mitzuspielen und sein kleines Lachen klingt sogar halbwegs glaubwürdig. „Wow, du hast endlich zugegeben, dass ich zu etwas gut bin.“ Sie wandern weg, durch Schmutz und Trümmer und Reihen von Panzern, redend und sogar lachend und er wünschte wirklich, das wäre nicht nur, um die Geister von Buchenwald, die sie für immer verfolgen werden, zu verscheuchen. Ihm wird auch klar, dass er sich wünscht… dass er derjenige sein könnte, dem sie erlaubt, die Geister wenigstens auf Armeslänge weg zu halten. Und vielleicht, mit ein bisschen Zeit…
    Geändert von RowenaR (19.11.2010 um 19:53 Uhr)

  21. Danke sagten:


  22. #14
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Zitat Zitat von Annanym Beitrag anzeigen
    Äh ... warum hab ich dazu noch nichts geschrieben? Hab ich das "ohwietollistdasdenneinWWIIAU!" etwa nur gedacht?
    Öh... eventuell

    Ja nee, ich muss dir ja nicht extra sagen, dass ich auf solche historischen Sachen stehe. Und jetzt, wo ich darüber nachdenke fällt mir auch ein, dass du das hier schon mal erwähnt hast und es noch mehr davon gibt. Oder ... ist das jetzt mein Wunschdenken?
    Wie du siehst, nein Es ist eine Trilogie und ich hab entschieden, aus der Idee eine meiner wenigen original-fiction-stories zu machen... also, na ja, ich hab schon 22 Seiten geschrieben *hust

  23. #15
    Dissidentin vom Dienst Avatar von Annanym
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    Wäh. Nicht schön. Gar nicht schön.

    Trotzdem aber gut und richtig und sehr wichtig auch, dass du's geschrieben hast. Und wie großartig es geschrieben ist, muss ich ja nicht extra noch mal sagen, ne?
    ~*~



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  24. #16
    Kriegsfachkraft a.D. Avatar von RowenaR
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    Zitat Zitat von Annanym Beitrag anzeigen
    Wäh. Nicht schön. Gar nicht schön.

    Trotzdem aber gut und richtig und sehr wichtig auch, dass du's geschrieben hast. Und wie großartig es geschrieben ist, muss ich ja nicht extra noch mal sagen, ne?
    Ach, ich les das immer wieder gerne... Danke, jedenfalls, fürs Reviewen Und jetzt... mal das nächste Kapitel:

    Titel: Nürnberg
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: Historisch, AU
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): PG13
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: And thus commenceth the WWII trilogy… in Nürnberg. Und wehe, jetzt sagt einer, dass er nicht weiß, was in Nürnberg stattgefunden hat nach dem Zweiten Weltkrieg... Ach so, WAC steht übrigens für Women's Army Corps.

    PS.: Aus dieser Trilogie ist übrigens tatsächlich die Idee für eine original fiction story entstanden. Vielleicht krieg ich die sogar irgendwann mal fertig...
    Prompt/Kurzinhalt: 064 - Herbst - Nürnberg 1945 wird immer ein ganz besonderer Ort und ein ganz besonderes Datum für Evan Lorne und Laura Cadman sein.

    Nürnberg

    “I'm scratching at the surface now
    And I'm trying hard to work it out
    So much has gone misunderstood
    This mystery only leads to doubt
    And I didn't understand
    When you reached out to take my hand
    And if you have something to say
    You'd better say it now.”

    Glen Hansard, “Say it to me now”

    Er kann nicht glauben, dass er es tatsächlich geschafft hat. Zwei Jahre Krieg und er hat es überlebt. Mit Narben an Seele und Körper, aber am Leben und jetzt – Monate nach dem offiziellen Ende des Krieges – kann er endlich nach hause. Er weiß nicht, wie es danach weitergeht, also wird er vielleicht wiederkommen, um das Land wiederaufzubauen, das sie erst so erfolgreich in die Steinzeit zurückgebombt haben. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie… wie diese seltsame Begegnung vor zwei Tagen nicht einer gewissen Ironie entbehrt hat. In dem Versuch, die Erinnerung an diese Begegnung loszuwerden, schaut er auf die Landebahn raus und wartet darauf, dass sein Flugzeug startbereit ist.

    Allerdings… sieht er die Landebahn und das Flugzeug gar nicht richtig… was er sieht, sind die Flure des Justizpalastes in Nürnberg vor zwei Tagen. Da sein Flug aus der Nähe von Nürnberg starten sollte, hatte er sich entschieden, dorthin zu fahren und zu sehen, ob wirklich Gerechtigkeit verübt wird an den Nazis, die man tatsächlich erwischen konnte. Immerhin waren es Görings Messerschmitts, die ihn viele Männer gekostet haben und ihm jede Menge Ärger gemacht haben.

    Er hatte erwartet, dass eine Menge Leute da wären; dass er vielleicht einige der Männer treffen würde, mit denen er auf West Point war oder zusammen gedient hat… aber nicht, dass er die eine Frau wiedersehen würde, die er so verzweifelt vergessen wollte. Und als wäre das nicht schon genug, dass sie plötzlich in diesem Flur auftauchte, mit einem Stapel Papier im Arm, trug sie auch noch… eine WAC-Dienstuniform. Mit den Dienstgradabzeichen eines Captains auf den Schultern.

    Sie war so vertieft in eines der Papiere und er war zuerst zu verblüfft, um zu reagieren und deswegen wären sie fast zusammengestoßen. Er konnte wirklich nicht glauben, was er da sah, denn kurz hinter Leipzig hatte seine Scribble die Einheit für immer verlassen, weil sie nie ganz damit fertig geworden war, was sie in Buchenwald gesehen hatte. Na ja, hatte er zumindest gedacht.

    Aber bevor sie tatsächlich mit ihm zusammenstoßen konnte, hatte sie es geschafft, aufzusehen und ihm war aufgefallen, dass er sie noch sie so gesehen hatte… mit kürzerem, aber perfekt frisiertem Haar, einem sauberen… und geschminkten Gesicht. Sie hatte selbst ein paar Sekunden gebraucht, um ihn wiederzuerkennen, aber als sie es tat, war ein Lächeln auf ihrem Gesicht aufgetaucht. Ein Lächeln, das ihm ein bisschen… Angst gemacht hatte. Es hatte so… künstlich ausgesehen, als wäre es Teil ihres Make-ups gewesen. Er hatte erwartet, dass sie ihn mit so was wie „Hey, Tankie, lange nicht gesehen.“ begrüßen würde, aber alles, was sie gesagt hatte, war: „Major… was für eine Überraschung.“

    Still seufzend, reibt er sich mit der Hand über die Augen. In diesem Flur hatte er ihr sagen wollen, dass sie ihm gefehlt hatte, seit sie gegangen war, dass er sich furchtbare Sorgen um sie gemacht hatte, mit den Russen in Ost- und Mitteleuropa und illegalen Werwolf-Einheiten und allem, dass er versucht hatte, sie zu erreichen… aber alles, was er gesagt hatte, war: „Ebenfalls… Captain.“

    Seine Antwort hatte so einen gewissen verärgerten Unterton, weil er in diesem Moment… das unterschwellige Gefühl von Verrat bekommen hatte. Wenn sie dem WAC nach dem Verlassen seiner Kompanie beigetreten wäre, hätte sie es nie zum Captain geschafft, also musste sie schon eine WAC gewesen sein, als man sie ihm zugeteilt hatte. Und sie hat es ihm verdammt noch mal nie gesagt. Tatsächlich… hat sie ihn in dem Glauben gelassen, sie wäre eine Zivilistin, hatte sich Freiheiten herausgenommen, die er bei einem Offizier niemals geduldet hätte… und da hatte er auch endlich verstanden, warum sie so beleidigt war, dass sie die Kompanie fast verlassen hatte, als er sie vor ihrer letzten großen Operation in den Ardennen gezwungen hatte, zurückzubleiben, mit der Begründung, dass der Platz einer Frau und Zivilistin ganz sicher nicht im Kampf war.

    Zu seiner Überraschung war das Nächste, was sie in dem Flur gesagt hatte: „Ich weiß, was Sie jetzt denken und… es tut mir leid, dass ich Ihnen das nie gesagt habe, Sir, aber… ich hatte meine Befehle.” Zum ersten Mal, seit er sie dort getroffen hatte, hatte er das Gefühl, dass unter dem Make-Up und der Uniform und der professionellen Fassade immer noch seine Scribble war.

    Es hatte den Ärger darüber, dass sie ihn belogen hatte, nicht ganz verschwinden lassen, aber zumindest hatte es ihm ein bisschen die Zweifel darüber genommen, dass sie vielleicht nur so getan hatte. Er… hatte sogar etwas Angst bekommen, dass diese seltsam distanzierte Frau die echte Laura Cadman war, nicht die Scribble, die mit ihnen gewesen war, dass sie es zugelassen hatte, dass er sie in aller Öffentlichkeit umarmte.

    „Natürlich“, hatte er gesagt und versucht, nicht durchscheinen zu lassen, wie sehr ihn das aufwühlte – das alles – obwohl alles, was er wollte war zu wissen, was zur Hölle da los war. Was sie in Nürnberg machte, warum sie plötzlich WAC-Uniform trug, was ihre Befehle gewesen waren… aber er hatte gewusst, dass sie es ihm sowieso nicht sagen würde.

    Er steht auf, und tut so, als würde er nur rein paar Schritte gehen, um sich die Beine zu vertreten, aber in Wahrheit will er nur von dieser Unterhaltung weg. Sie hätten es da ganz einfach beenden können, als wären sie zwei entfernte Bekannte, die sich zufällig über den Weg liefen. Aber… nicht mal da waren sie völlig in der Lage gewesen, das Band zu verleugnen, das sich in der Zeit, in der sie seine Männer und ihn begleitet hatte, zwischen ihnen gebildet hatte. Vielleicht war es nur um dieses Bandes willen, vielleicht auch, weil er ihr doch so wichtig war wie sie ihm immer noch ist, dass sie wieder gelächelt hatte und gesagt hatte: „Also… endlich raus aus dem Dreck?“

    Er hatte sich den Nacken gerieben und ihr ein leicht verlegenes Lächeln zugeworfen. „Ja… in zwei Tagen. Schätze, zuhause bereiten sie schon die Party des Jahrhunderts vor oder so.“ Und dann, aus einem Impuls heraus, hatte er hinzugefügt: „Was ist mit Ihnen? Sicher wartet doch jemand auch auf Sie?“

    Verärgert schüttelt er den Kopf. Was für ein blöder, tollpatschiger und unnützer Versuch, herauszufinden, ob zuhause ein Mann auf sie wartete oder vielleicht mit ihr zusammen zurückkam. Während sie noch bei seiner Kompanie war, hatte sie nie über einen geredet, aber er hatte auch nie gefragt… weil er in Wahrheit gar nicht wissen wollte, ob es jemanden gab. Und in diesem Flur hatte er das auch nicht wissen wollen, also war sein erster Gedanke, als sie nicht sofort antwortete und all die kleinen Anzeichen dafür zeigte, dass es ihr wirklich unangenehm war, dass er nicht hätte fragen sollen. Allerdings… „Meine Eltern, ja. Aber sie werden wohl noch ein bisschen länger warten müssen. Ich hab hier noch Arbeit zu erledigen.“

    Etwas in ihrem Verhalten hatte ihm gesagt, dass hierbleiben zu müssen ihr mehr ausmachte, als sie zugeben wollte – ihm war nicht mal in den Kopf gekommen, dass das auch Wunschdenken von ihm sein konnte – und da er seine Scribble noch nie leiden sehen konnte, hatte er hart geschluckt und gesagt: „Der Krieg ist vorbei, Scribble.“ Er hatte dann tief Luft geholt, weil er gesehen hatte, wie sie ihre Lippen aufeinander presste und ihre Knöchel weiß wurden, als er diesen Spitznamen benutzt hatte und weil etwas ihm gesagt hatte, dass das seine einzige Chance war. Mit leiser, rauer Stimme hatte er hinzugefügt: „Komm nach hause mit mir.“

    Er schüttelt wieder den Kopf und tritt nach einem der Kieselsteine auf dem Boden. „Ich kann nicht, Tankie“, hatte sie gesagt und einen Augenblick lang hätte er sie küssen können dafür, dass sie diesen Spitznamen wieder benutzte. Schon komisch, hatte er gedacht, dass er wochenlang hart gegen diesen Namen gekämpft hatte und dann, als er erfahren hatte, dass sie Offizier war, hatte er gewollt, dass sie ihn benutzt. Dann war ihm klar geworden, was sie da gesagt hatte und er hatte gespürt, wie ihm das Herz brach. Es waren nur drei kleine Worte gewesen und er glaubt immer noch, dass er hinter der Fassade einen Berg an Bedauern und Traurigkeit gehört hatte, aber das ändert nichts daran, dass sie Nein gesagt hat.

    Er hatte ihr sagen wollen, dass sie schon einen Weg finden würden, sie von ihren Pflichten zu befreien, dass sie einfach ihre Tasche packen und mit ihm zum Flugfeld kommen sollte… aber dann hatte sie erklärt: „Es ist… Buchenwald. Kaltenbrunner ist angeklagt hier und Sauckel und… ich wurde als Teil von Ankläger Jacksons Personal hierhin beordert. Ich muss hier sein.“ Natürlich. Wie hätte er auch dagegen argumentieren können? Die US Army wollte sie dort und so musste sie auch dort sein. Allerdings… offensichtlich wollte die US Army auch, dass sie mitten in der Ardennenschlacht war und sie hatten auch gewollt, dass sie die Schrecken von Buchenwald sah und all die anderen Dinge…

    Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben als Offizier hatte er Ärger über die Army empfunden und er empfindet ihn immer noch. Nicht wegen sich selbst… aber wegen dem, was sie von Laura verlangt haben und immer noch verlangen. So… war es einfach herausgerutscht. „Du hast ihnen genug gegeben, Laura. Du… hast ihnen fast deinen Verstand geopfert. Denkst du nicht, dass es an der Zeit ist, dass die dir etwas geben?“ Sie hatte den Kopf geschüttelt.

    „Ist schon in Ordnung, Tankie. Ich will hier sein. Ich muss sehen, dass sie bekommen, was sie verdienen für das, was sie getan haben. Ich will nur… ich will nur Frieden.“ Er hatte sie verstanden. Aber das hieß nicht, dass er ihr auch zustimmte.

    Und weil er das Gefühl gehabt hatte, dass sie ihm ein zweites Mal entglitt – etwas, das er nicht noch mal ertragen konnte und wollte – war er so weit gegangen und hatte ihr widersprochen: „Glaubst du wirklich, dass es dir Frieden geben wird, wenn du siehst, wie diese Monster hier versuchen zu verteidigen, was sie getan haben? Glaub mir, Scribble, hier wirst du nie Frieden finden.“ Sie hatte sich auf die Lippe gebissen und einen Augenblick lang hatte er die Hoffnung gehabt, dass sie ihn endlich die Geister von Krieg und Völkermord vertreiben lassen würde.

    Aber dann hatte sie den Augenkontakt unterbrochen und mit fast flehender Stimme hatte sie erwidert: „Bitte… geh einfach. Bring mich nicht dazu, meinen Posten zu verlassen… nicht ausgerechnet du. Tu uns beiden einen Gefallen und… geh einfach. Ich wünsche Ihnen einen Guten Flug, Major. Bitte entschuldigen Sie mich jetzt.“ Ohne ein weiteres Wort war sie an ihm vorbeigerauscht, hatte ihn da wie einen Idioten stehen lassen. Dieses Mal… war er ihr nicht gefolgt, weil er zu sehr damit beschäftigt war, sich zusammenzureißen.

    Danach hatte er gemacht, dass er aus dem Justizpalast und Nürnberg herauskam. Er weiß nicht, wie genau er die letzten zwei Tage überlebt hat… wahrscheinlich hat ihn nur der Gedanke, dass er bald einen Ozean entfernt von ihr ist, aufrecht gehalten und so ist er mehr als erleichtert, als er endlich das Flugzeug nach hause betreten kann. Schweigend nimmt er Platz, beteiligt sich nicht am aufgeregten Geschnatter der anderen Passagiere und ist zufrieden, dass er offenbar abweisend genug wirkt, dass niemand es wagt, sich neben ihn zu setzen.

    In Gedanken versunken, bekommt er nicht mal mit, dass der Pilot sich ziemlich Zeit mit dem Starten lässt und er starrt abwesend aus dem Fenster. Eigentlich… ist er so abwesend, dass er zuerst nicht mal merkt, dass jemand ihn gerade angesprochen hat. Das Erste, was er mitbekommt ist, dass jemand sich räuspert und er ist gerade kurz davor, irgendeine Bemerkung zu schnappen, aber dann sagt eine Frauenstimme: „Entschuldigung… ist dieser Platz besetzt?“

    Er wagt es nicht, den Kopf ganz zu wenden, aber er merkt, wie sein Gesicht von einem breiten Lächeln erhellt wird, als er antwortet: „Noch nicht… Captain.“

    „Gut. Irgendjemand in den Staaten will, dass ich meinen Hintern zurück bewegen und ich schätze, die hohen Tiere wären beleidigt, wenn ich meinen Posten nicht pünktlich antreten würde.“ Endlich findet er den Mut, sich ganz umzudrehen… und nur die Tatsache, dass sie nicht alleine sind, hält ihn davon ab, seine Scribble zu küssen. Heilige Muttergottes… ja, seine Scribble. Die eine gute Sache, die ihm dieser Krieg gegeben hat und er wird sie nie wieder gehen lassen.

  25. #17
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    Hahahaha, doch ein Happy End! Na ja, mehr oder weniger. Ich hatte schon befürchtet, du lässt ihn ohne sie fliegen.
    Ein fabelhaftes Ende für eine ernste und sehr, sehr eindringliche Trilogie, in die du doch irgendwie passend ein kleines bisschen Romanze eingebracht hast. Auf sehr subtile (und wohl deswegen so passende) Art und Weise. Und der letzte Satz is ja so toll
    ~*~



    "Nature doesn't recognize good and evil. Nature only recognizes balance and imbalance."
    (Walternate, Fringe)

  26. Danke sagten:


  27. #18
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    Uuuh, danke Und wie könnte ich ihn nur ohne sie fliegen lassen? So grausam kann ich leider nicht sein

  28. #19
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    Titel: Heiligabend
    Autor: icke (also, meine Wenigkeit)
    Serie: Stargate: Atlantis
    Genre: UST
    Charakter/Pairings: Lorne, Cadman
    Rating (inkl. Warnungen wie CD, Slash etc., falls noetig): K+
    Staffel/Spoiler: keine
    Anmerkung des Autors: Und es ist Adventszeit! Diese Woche ist uns der Backofen kaputtgegangen, was eher so unvorteilhaft ist, denn ICH WILL PLÄTZCHENBACKEN Aber wenigstens geschichtenmäßig habe ich vorgesorgt, denn zur Fanfic100 gehören auch vier Weihnachtsgeschichten (eine für jeden Adventssonntag), und das hier ist jetzt die erste. So. (oh Gott, mein Vater hat ne Weihnachts-CD aufgelegt und es kommt "It's Beginning to Look a Lot Like Christmas" )
    Prompt/Kurzinhalt: 092 Weihnachten - Mit der richtigen Gesellschaft wird selbst die Tatsache, dass man den Flug nach hause am Heiligabend gestrichen hat, erträglich.

    Heiligabend

    “Christmas Eve will find me
    Where the love-light gleams.
    I'll be home for Christmas
    If only in my dreams.”

    Doris Day, “I’ll Be Home for Christmas”

    Es war einfach nicht fair. Das erste Mal seit fünf Jahren, dass er es geschafft hat, in den letzten beiden Dezemberwochen Urlaub zu bekommen und dann wird sein Flug nach hause an Heiligabend gestrichen. Dämlicher Schnee und dämliche Kälte. Weiße Weihnachten werden absolut überbewertet, zumindest für Leute wie ihn, die verzweifelt aus Colorado Springs weg wollen.

    Ehrlich, die Menschheit hat soviel erreicht und trotzdem werden immer noch ganze Flughäfen lahmgelegt, weil etwas gefrorenes Wasser vom Himmel fällt? Und er konnte noch nicht mal wieder zum SGC zurückfahren, weil rausgehen und fahren einfach unklug gewesen wären.

    Aber was soll’s, wenigstens war er nicht der einzige, der hier herumsitzen und warten muss, bis der Blizzard vorbei ist. Väter und Mütter, die versuchen, ihre Kinder davon abzuhalten, aus Langeweile Dummheiten anzustellen, ein paar Jugendliche, die auf einen Skitrip hoch nach Kanada fliegen wollten, lauter Kadetten der Air-Force-Academy, ein paar Geschäftsreisende… und ein paar Soldaten wie er selbst. Sogar in Zivilkleidung konnte er sie noch ziemlich einfach erkennen.

    Aber bevor er weiter beobachten konnte, hatte er hinter sich plötzlich eine weibliche Stimme gehört, die irgendwie vertraut klang. „Mom! Ich kann doch nicht… Mom? Hey, bist du noch dran? Hallo? Ach, verdammt.“ Als er sich umdrehte, konnte er eine rothaarige Mitt- oder Endzwanzigerin sehen, die ihr Handy in ihren Rucksack zurück warf und etwas unglücklich wirkte… um es milde auszudrücken. Und es hatte ihn ehrlich überrascht, zu sehen, wer das eigentlich war. Laura Cadman. Die dann offensichtlich mitbekommen hatte, dass man sie beobachtete. „Was gibt’s denn da zu… oh. Major Lorne. Äh… ’n Abend, Sir.“

    Unwillkürlich hatte er über ihren etwas ertappten Gesichtsausdruck, weil sie gerade dabei gewesen war, einen höheren Dienstgrad, der noch dazu ihr Vorgesetzter in Atlantis gewesen war, anzugehen, lächeln müssen. „’N Abend, Lieutenant.“ Und weil er nicht gewusst hatte, was er noch sagen sollte, hatte er hinzugefügt: „Es ist doch immer noch Lieutenant, oder?“

    Das hatte ein selbstzufriedenes Lächeln auf ihr Gesicht gezaubert. „Nö, seit zwei Wochen heißt es Captain. Tut mir leid, Sie enttäuschen zu müssen, Sir.“ Er hatte ihr Lächeln erwidert.

    „Das haben Sie nicht. Gratuliere.“ Einen Augenblick lang hatte Stille zwischen ihnen geherrscht. Die Art von Stille, bei der es eine sehr feine Linie gibt, an der sich entscheidet, ob sich eine Unterhaltung entwickelt oder ob sich beide umdrehen und hoffen, sich nie wieder zu sehen.

    Die Entscheidung allerdings wurde ihm abgenommen, als Cadman sagte: „Na ja… ist schon eine Weile her, dass ich jemanden aus Atlantis getroffen hab. Und da wir hier eh für den Rest der Nacht festsitzen werden… kann ich auch ein bisschen was nachholen. Wenn Sie nichts dagegen haben, meine ich.“

    Na ja, hatte er gedacht, alles ist besser als auf die Anzeigetafel zu starren, nur um zu sehen, dass da immer noch ein dickes fettes „GESTRICHEN!“-Schild drüber geklebt ist oder verzweifelt zu versuchen, seine Eltern oder seine Schwester in San Francisco zu erreichen. „Hab ich nicht. Was genau wollen Sie denn wissen, Lieut… Captain?“

    „Zuerst mal… was ist denn dran an dem ganzen Gerede, dass Rodney Katie Brown das Herz gebrochen hat? Und dann…“ Er hatte versucht, ihre Fragen so wahrheitsgemäß er konnte zu beantworten, als sie zu einer der Bänke hinüber geschlendert waren. Während sie redeten schien der Blizzard draußen immer unwichtiger zu werden, bis er mehr so der richtige Hintergrund dafür, die Nacht durchzureden, als ein echtes Ärgernis geworden war.

    Obwohl sie auf einem Flughafen gesessen hatten, umgeben von jeder Menge Leuten, auf unbequemen Bänken und an Heiligabend, wo es wirklich schönere Dinge als das gibt, hatte er es geschafft, die Verärgerung über seinen gestrichenen Flug und darüber, dass er noch eine weitere Nacht darauf warten musste, seine Eltern und seine Schwestern und deren Familie zu sehen, zu vergessen. Captain Cadman hatte sich als eine sehr nette Gesprächspartnerin erwiesen, und er hatte sich gefragt, warum sie ihm in Atlantis nie wirklich aufgefallen war.

    Wirklich… das Lächeln und diese kleine Angewohnheit, lose Strähnen wieder hinter ihr Ohr zu schieben und das Erzähltalent… wie konnte er das nur übersehen? Aber vielleicht, hatte er sinniert, als er ihr dabei zugesehen hatte, wie sie ihm lebhaft einen ihrer Einsätze beim SGC geschildert hatte, ist es besser so. Hätte er sie nämlich so bemerkt wie er sie jetzt bemerkt hatte, hätten sie beide mächtig Ärger bekommen können. Es gab da auch diesen einen Moment, wo er sich davon abhalten musste, eine der losen Strähnen zurückzustreichen, bevor sie es tun konnte.

    Und jetzt sitzt er hier, sich immer noch nicht ganz sicher, wie es dazu gekommen ist – er mit seinen Beinen ausgestreckt und seinen Füßen auf seiner Reisetasche und sie mit ihrem Kopf auf seinem Oberschenkel, auf der Seite liegend, mit ihrem Mantel um die Schultern und seinem über ihren Füßen – und fragt sich, ob er sie aufwecken sollte oder es einfach noch ein bisschen genießen sollte, sie eine Weile ungestört zu beobachten. Die Flüge sind immer noch nicht wieder freigegeben, und er weiß, dass er seine Familie anrufen sollte, da das doch der erste Weihnachtsfeiertag ist und seine Neffen sicher sehr enttäuscht sein werden, dass ihr Onkel es nicht schaffen konnte, rechtzeitig da zu sein, um zu sehen, was sie ihm geschenkt haben, aber das würde heißen, dass er Laura… Captain Cadman aufwecken müsste.

    Und so lehnt er sich einfach noch mal zurück in seinem Sitz und sagt sich, dass es sowieso noch zu früh zum Anrufen ist. Er schließt wieder die Augen und döst ein bisschen ein. Ohne, dass er es bemerkt, fällt seine Hand auf Cadmans Schulter; sanft, aber trotzdem fest umschließt sie die Schulter… als würde er der Welt sagen würden, dass sie sich von dieser Frau fernhalten soll… von ihnen beiden.

    Sie brauchen eine weitere Stunde, um wirklich völlig wach zu werden. Ein bisschen schlaftrunken nach der unbequemen Nacht sehen sie sich an. Er nimmt sich einen Augenblick Zeit, die etwas durcheinander geratenen Haare, müden Augen und leichte Blässe zu betrachten… und aus irgendeinem Grund scheinen sie in diesem Moment das Schönste zu sein, was er je an einem Weihnachtsmorgen gesehen hat.

    Und dann lächelt sie ein kleines müdes Lächeln und sagt: „Fröhliche Weihnachten, Sir.“ und einen Augenblick lang fehlen ihm die Worte.

    Dann fängt er sich und schafft es, selber zu lächeln – obwohl er fürchtet, dass es schon fast albern aussieht – und erwidert: „Fröhliche Weihnachten, Captain.“ Dann muss ihn ein bisschen der Teufel reiten und er fügt hinzu: „Und ich hätte nichts dagegen, wenn Sie mich Evan nennen… wo wir schon die Nacht miteinander verbracht haben.“

    Das bringt sie erst dazu, ihn überrascht anzusehen und ihm dann ein hübsches kleines Lächeln zu schenken. „Dann ist es wohl nur fair, dass Sie mich statt Captain einfach Laura nennen, oder?“

    Er will etwas erwidern, aber plötzlich unterbricht eine Lautsprecheransage ihn, die ihnen mitteilt, dass die Startbahnen geräumt wurden und die Mitglieder der Bodencrews der verschiedenen Airlines jetzt mit dem Boarding für die gestern ausgefallenen Flüge beginnen. Sofort werfen beide einen Blick auf die Abflugtafel. Er hört sie sehr leise fluchen und als er sie fragend ansieht, sagt sie nur: „Der erste Flug ist meiner. Tut mir leid, aber ich muss gehen… danke, dass Sie mir Gesellschaft geleistet haben. Sie haben sich wirklich gut dabei gemacht, sich meinen Mist anzuhören. Und Sie machen sich wirklich gut als Kissen.“ Dann scheint sie bemerkt zu haben, was sie da eben gesagt hat, wird ziemlich rot und sagt: „Okay, vergessen Sie, dass ich das gesagt habe. Ich werde einfach… ich muss gehen. War nett, mit Ihnen zu plaudern. Passen Sie auf sich auf.“

    Damit schnappt sie sich ihren Rucksack und rennt sofort in Richtung ihres Terminals. Einen Augenblick lang sitzt er nur völlig entgeistert da. Und dann bringt etwas in ihm ihn dazu, aufzuspringen, sich seine Reisetasche zu schnappen und ihr nachzulaufen. Er hat keine Ahnung, warum, aber er rennt, bis er sie wieder sieht, und er muss einfach „Laura, warten Sie!“ über den ganzen langen Korridor brüllen.

    Es überrascht ihn ein wenig, aber sie bleibt tatsächlich stehen und dreht sich um. Als er sie erreicht, braucht er einen Moment, um sich zu sammeln. Aber er hat einfach dieses Gefühl, dass das hier eine ganz seltene Chance ist, etwas das man nicht oft im Leben bekommt… und dass dieser Blizzard aus einem Grund passiert ist. Er wäre ein Idiot, wenn er das einfach so vorbeigehen lassen würde. Und da ihm nichts besseres einfällt, sagt er: „Haben Sie… haben Sie Silvester schon was vor?“

    Einen Augenblick lang sagt sie nichts, und er befürchtet, dass sie ihn auslachen wird und sich umdrehen wird und ihn nie wieder ansehen wird, aber dann erwidert sie: „Na ja… ja, hab ich.“ Mist. Das ist das Einzige, was ihm dazu einfällt und die Heftigkeit des Gedankens überrascht ihn etwas. „Einige der Mädels aus dem Corps auf dem Stützpunkt geben diese nette kleine Party und… oh, ich glaube, die hätten nichts dagegen, wenn ich in Begleitung erscheinen würde. Selbst wenn es ein Zoomie ist.“ Heilige… hat sie ihn eben dazu eingeladen, Silvester mit ihr zusammen zu feiern?

    Er blinzelt. Gute Güte, das hat sie. Versau das jetzt nicht. „Ich würde Sie gerne begleiten.“ Ein Lächeln, dass so strahlend wie die klare Wintersonne, die durch die Fenster fällt ist, erscheint auf ihrem Gesicht.

    „Großartig. Und keine Sorgen, ich sorge schon dafür, dass die Mädels sich benehmen. Also… bis Silvester dann, ja? Ich hol Sie vom Stützpunkt ab?“ Er nickt nur. „Cool. Guten Flug.“

    „Ja, für Sie auch.“ Sie lächelt wieder und dreht sich zum Gehen.

    Aber nach ein paar Metern dreht sie sich doch noch mal um und plötzlich sind ihre Wangen hübsch rosa. „Oh, und Evan? Haben Sie was dagegen… wenn ich Sie in den nächsten Tagen anrufe? Nur, um noch mal alles abzustimmen und so?“

    Es gibt wirklich nur eine Antwort darauf. Lächelnd sagt er: „Nein, ganz und gar nicht.“ Irgendwie erleichtert, dreht sie sich um, um endlich ihren Flug zu erwischen. Als er noch so da steht und ihr nachsieht, bis sie um die nächste Kurve verschwunden ist, wird ihm klar, dass er… sich schon jetzt auf ihren Anruf freut, selbst in all dem Durcheinander, das ein Weihnachten in Familie so mit sich bringt.

  29. #20
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    Mei, jetzt hab ich aber auch mal wieder geschlafen. 'Tschuldigung

    Dabei war das doch so schön! Sozusagen etwas, das hätte passieren können, wenn Evan Laura nicht nach Atlantis zurückgeholt hätte. Sehr passend, wirklich. Locker und leicht und mit viel Weihnachtsstimmung. Freu mich schon auf die anderen drei Weihnachtsgeschichten
    ~*~



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  30. Danke sagten:


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