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Thema: [100] Hauch der Unendlichkeit (SG-1)

  1. #1
    Major General Avatar von Kris
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    Standard [100] Hauch der Unendlichkeit (SG-1)

    Titel: Hauch der Unendlichkeit
    Wort (Nummer): unendlich (21)
    Serie: Stargate SG-1, nach Staffel 10, Bezüge zu „Moebius“ aus Staffel 8
    Genre: Drama, Mystery
    Charakter/Pairings: Daniel, Vala
    Rating: G

    Anmerkung des Autors: Diese Geschichte geht mir seit einigen Tagen nicht mehr aus dem Sinn.
    Sie fußt auf einem eigenen Erlebnis, das ich vor zehn Jahren im Britischen Museum hatte. Damals stand ich selbst vor der Vitrine von „Ginger“, sprich einer der prädynastischen Mumien, die bereits über 5400 Jahre alt sind und spürte für einen Moment einen Hauch von Ewigkeit. Vergessen habe ich den Moment seltsamerweise nie, auch wenn er seltsam verschwommen wirkt.
    Da mein Besuch in England schon so lange her, bitte ich die kleinen Ungenauigkeiten zu verzeihen. Damals hatten sie gerade erst die Bücher aus der Britisch Library ausgelagert und mit den leeren Räumen noch nichts angefangen.


    + o + o + o + o + o + o




    Jeder Besuch in London endete mit einem Besuch im Britischen Museum. Das war eine Tradition, die Daniel Jackson einhielt, wenn er in der englischen Hauptstadt weilte, selbst wenn die Zeit knapp war und er nur wenige Stunden an diesem Ort verbringen konnte. Es war einfach so, dass er kommen musste – auch wenn er nicht einmal genau sagen, konnte, warum er so fühlte.
    Denn es war nicht nur, weil er an diesem Ort mit seinen über acht Millionen Artefakten die Geschichte der Menschheit mit jedem Atemzug in sich aufnehmen konnte, sondern auch, weil er sich hier heimisch fühlte und die Bestätigung seiner Arbeit und seines Lebens in den Vitrinen wieder fand.
    Mit jedem Stück Wissen um die Vergangenheit enthüllte sich das Rätsel der Menschheit ein Stück mehr, auch wenn in den Ausstellungsräumen nur ein Bruchteil dessen zu sehen war, was hier eingelagert war.

    Diesmal stieg er jedoch nicht alleine die Treppen zum Eingang hinauf.

    Während Cameron Mitchell und Samantha Carter die Gelegenheit nutzten, die nahegelegene Oxford Street unsicher zu machen, um sich von den Besprechungen mit einigen Wissenschaftlern und dem britischen Vertreter des IOA zu erholen, schien Vala diesmal kein Interesse am Shopping zu haben.

    Oder wollte sie die Gelegenheit nutzen und mit ihm alleine sein, um ihm wieder einmal näher zu kommen?

    Daniel seufzte lautlos. Er war sich selbst nicht sicher, was er eigentlich für sie empfinden wollte und konnte.
    Einerseits hatte er sich geschworen, nach der gewaltsamen Entführung und dem Tod von Sha’re niemals wieder eine Frau so nah an sein Herz zu lassen, auf der anderen Seite konnte er nicht leugnen, dass Vala etwas anziehend Faszinierendes an sich hatte und irgendwie doch mehr als nur eine Teamkameradin war.
    Aber noch war er nicht bereit, diesen Gedanken nachzugeben und hatte ihn tief in sich begraben.

    Vor allem nicht jetzt, wo er das Gefühl hatte, dass sie ihm etwas nahm, was er ganz für sich alleine haben wollte – den erhabenen Moment die Geschichte der Menschheit um sich herum zu spüren und tief in sie einzutauchen, die vertrauten Dinge wieder zu sehen und mit dem zu vergleichen, was er inzwischen auf anderen Planeten gesehen hatte. Denn er war sich sicher, es gab so viele unentdeckte Querverbindungen, die nur darauf warteten, von ihm erkannt zu werden ...

    Daniel fuhr sich mit der Hand durchs Haar seufzte noch einmal. Wahrscheinlich würde er wieder darauf achten müssen dass Vala...
    Nein, damit tat er ihr Unrecht. So schob er das Vorurteil unwirsch beiseite. So respektlos wie in der Zeit, in der sie zu ihnen gestoßen war, benahm sich Vala gegenüber dem Hab und Gut anderer nicht mehr, sondern kannte die Grenzen. Sie stibitzte zwar immer noch Gegenstände aus seinen Taschen und seinem Labor, um ihn zu ärgern – aber außerhalb des Stargate-Centers beherzigte sie die Spielregeln – meistens jedenfalls.

    So wandte er seine Aufmerksamkeit wieder der Außenwelt zu.

    Auch zu dieser späten Nachmittagsstunde waren noch viele Menschen in der Halle unterwegs, die vom Eingangsbereich direkt zu den großen Artefakten führten. Wie Vala lauschte er dem babylonischen Stimmengewirr. Touristen aus aller Herren Länder füllten die Halle. Einige kamen wie sie, viele gingen bereits wieder oder strebten den Läden zu, in denen sie Andenken an den Besuch kaufen konnten.

    Vala runzelte die Stirn. Sie schien sich zu wundern , dass am Anfang der Sammlung eine mit Schriftzeichen bedeckte Steinplatte stand.
    „Das ist der Stein von Rosette“, griff Daniel erklärend ein. „Durch seinen Fund wurde es Jean-François Champollion möglich, die Hieroglyphen zu entziffern. Das war die Geburtsstunde der modernen Ägyptologie. Ohne ihn stünden wir heute nicht hier.“

    Er hielt ihre Hand fest, als sie den Stein berühren wollte und sah die streng dreinblickende Wächterin entschuldigend an.
    „Hey!“ Vala funkelte ihn an.
    „Berühren verboten“, erwiderte er knapp. Hast du das Schild nicht gesehen?“
    Vala kicherte. „Das muss ich ganz übersehen haben. ich war mehr von dem Geschreibsel auf dem Stein gefangen. Ja mich wundert gar nicht, warum Baal und die anderen immer so schwülstig daher geredet haben ... und ... wow, das hätte Quetesh sich sicher gerne als Vorbild für ihren Palast mitgenommen.“
    Dann wurde sie von den imposanteren Artefakten im hinteren Teil der großen Halle abgelenkt – den Mauern und Toren, die für Daniel schon ein vertrauter Anblick waren und von der Pracht ferner Zeiten kündeten.
    Der Eingangsbereich gehörte zu den wenigen, die sich in den letzten Jahren nach dem Wegzug der British Library und dem Umbau des British Museums nicht verändert hatten und das merkte man ...

    Er folgte ihr langsam und genoss die Atmosphäre des Museums, die diesmal besonders intensiv war. Diesmal hatte er sogar das Gefühl heimzukehren – wie an einen Ort, der voller vertrauter Dinge war, die nur in einem anderen Zusammenhang zueinander standen.

    Dieses Gefühl wuchs mit jedem Schritt, denn er weiter in die Geschichte Ägyptens tat, mit dem alles angefangen hatte.


    + o + o + o + o + o + o


    Das Erdgeschoss bot den Besuchern die großen und imposanten Artefakte – Mauern und Tore, Kolossalstatuen und Obelisken. Erst im Stockwerk darüber befanden sich die Alltags- und Kultgegenstände, Möbel und auch die Mumiensammlung des britischen Museums.

    Vala schien sich ihre eigenen Gedanken zu machen, während er ihr das ein oder andere erklärte und in Fahrt kam. Diesmal unterbrach sie ihn nicht einmal. Stattdessen hatte sie sich eher aufmerksam umgesehen und mehr als einmal war ein seltsames Glitzern in ihren Augen erschienen.

    Er war diesmal nicht ganz so konzentriert, denn ein dumpfer Schmerz wühlte hinter seiner Stirn, der zwar auszuhalten war, aber dennoch auf seine Stimmung und Konzentration schlug.

    Dann plötzlich blieb sie jedoch stehen und zog ihn zur Seite – weg von den Vitrinen mit goldenen Schemeln und Truhen, die von einer Gruppe Touristen umlagert wurde.
    „Ist irgend etwas los?“, fragte Daniel misstrauisch. Denn wenn sie sich so benahm, dann führte sie etwas im Schilde. Die Kopfschmerzen verblassten in diesem Moment so schnell, wie sie gekommen waren.

    „Nun ja ... ich würde gerne einmal was wissen...“ Sie sah ihn herausfordernd an, während sie mit dem Zeigefinger der rechten Hand gegen seine Brust tippte. „Du hast jetzt die ganze Zeit von den Schätzen der Menschheit und dem Ansinnen gesprochen, sie für spätere Generationen zu bewahren ... aber irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass die hier genau das in großem Stil getan haben, was du mir in den letzten zwei Jahren immer mal wieder vorgeworfen hast – Raubgräberei ... war glaube ich noch die netteste Bezeichnung dafür!“

    „Das ist nicht zu vergleichen!“, verteidigte sich Daniel. „Man grub die Gegenstände aus und brachte sie hierher, um sie zu erforschen und Schlüsse daraus zu ziehen, um die Vergangenheit und die Völker ...“

    Dann verstummte er abrupt, weil ihm klar wurde, wie lahm diese Argumentation war. Natürlich war die Motivation der ersten Archäologen gewesen, Schätze zu finden. Ohne den Wunsch, das in der Ilias erwähnte Gold zu finden, hätte sich Schliemann niemals auf die Suche nach Troja gemacht und er war nicht der einzige.
    Gerade im 19. Jahrhundert waren nur wenige Männer wirklich mit humanistischen Idealismus an ihre Forschungen gegangen. Nicht wenige hatten viel lieber nur nach Goldschätzen gesucht und dabei oft genug die Kostbarkeiten zerstört, die viel mehr über die Vergangenheit verrieten als ein Pektoral oder eine Silberkette. Tonscherben, Schrifttafeln ...

    Er verzog gequält das Gesicht, während Vala triumphierend grinste.

    „Na siehst du, ich habe mit meiner Vermutung gar nicht mal so falsch gelegen. Hör mal, es liegt einfach in der menschlichen Natur, sich selbst zu bereichern. Wir sind eine praktisch denkende Rasse, und das hat uns geholfen zu überleben.“

    „Das mag sein, aber ich denke heute sind wir zumindet hier auf der Erde über dieses Stadium hinweg!“, knurrte Daniel, auch wenn er wusste, dass das genau so eine Lüge war. Doch dass musste er Vala ja nicht auf die Nase binden. „Lass uns weitergehen, denn wir stehen erst am Anfang. Es gibt noch eine Menge Räume hier und wenn wir wenigstens noch die ägyptische Sammlung sehen wollen, dann sollten wir uns beeilen“, sagte er etwas sanfter.

    Vala blickte zunächst irritiert drein, dann nickte sie. Das Grinsen schwand aus ihrem Gesicht, während sie entschuldigend die Hände hob. „Ist okay, ich will dir den Besuch nicht vermiesen ... aber ich finde das hier einfach nur faszinierend.“ Und nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu: „Ist irgendetwas los?“

    Daniel zuckte zusammen. Warum hatte er die Stirn gerunzelt? Und woher stammte das unangenehme Kribbeln in seinem Nacken, das sich über seine Wirbelsäule ausbreitete.
    Er bewegte den Kopf. Wenigstens das halb.
    „Nein...“, erklärte er dann und lächelte.

    Doch als er sich dem Durchgang zuwandte, der in einen der Innenräume führte, schwand es aus seinem Gesicht. Das Kribbeln kehrte wieder zurück – und es lag nicht an dem seltsamen künstlichen Licht in das sie nun traten ...


    + o + o + o + o + o + o


    Im Gegensatz zu den vorherigen Ausstellungsräumen war dieser eher klein. Das Kunstlicht an der Decke hatte die gelbliche Farbe der Abenddämmerung in der Wüste, kurz bevor es dunkel wurde und gab den Artefakten in den Vitrinen einen seltsamen Schimmer. Es handelte sich weniger um Gold und Edelsteine als um einfache Töpferwaren und vom Sand der Zeit zerfressene Werkzeuge.

    Eine Vitrine beherrschte jedoch den Mittelpunkt des Raums. Dort ruhte, auf einem Podest, inmitten einer Kuhle aus Sand neben Schalen, einem Krug und anderen Alltagsgegenstände eine Mumie.

    Daniel hielt die Luft an.

    Der Anblick war ihm seit seiner Studienzeit von Fotos bekannt. Früher hatte man den mumifizierten Toten „Ginger“ genannt, nach dem roten Haar auf seinem Kopf, doch diesem Begriff benutzte man schon lange nicht mehr.
    Er war eine von sechs vollständigen Mumien, die man noch im 19. Jahrhundert nahe der Siedlung Gebelein gefunden hatte, die heute den Namen Naga-El-Gherira trug. Diese waren auf die prädynastische Zeit datiert worden und damit mehr als fünftausend Jahre alt. Dieser Mensch hatte also zu einer Zeit gelebt, in der die Goa’uld noch als Götter über die Erde geherrscht hatten.

    Daniel stieß zischend die Luft aus, die er gerade erst eingeatmet hatte und starrte auf den in Embryohaltung daliegenden Toten. Dann trat er wie gebannt näher und legte seine Hände an das Glas.
    Er brauchte dringend eine Stütze, denn vor seinen Augen verschwamm alles, ein heftiges Schwindelgefühl umnebelte seinen Geist.
    Dem Licht konnte er nicht die Schuld daran geben, denn das für das alles waren die Bilder und Empfindungen schuld, die wirr und chaotisch durch seinen Kopf schwirrten.

    Sie waren vertraut und dann doch wieder fremd.


    +++ Ein tiefes kehliges Lachen dröhnte an seine Ohren... „Ach, es wird sich schon alles finden, Dan’El. Wir werden den Tyrannen schneller vertreiben als du denkst. Du musst keine Zweifel haben, denn du hast uns gelehrt, dass er nur ein falscher Gott ist – verwundbar wie jeder Mensch. Nicht länger wird er unsere Kinder rauben und unschuldige Männer und Frauen aus einer Laune heraus töten lassen.“
    Blitzende Augen unter einer wilden, rotbraun schimmernden Haarmähne wirkten mehr als siegesgewiss. Der um einen halben Kopf kleinere und drahtige Mann klopfte ihm gegen den Arm und schob dann den groben Leinenstoff des Mantels zurecht. „Wir werden mit der Kraft des Löwen kämpfen und nicht mehr versagen, denn diesmal sind wir besser vorbereitet, dank dir.“
    „Ich wünschte, ich hätte deine Zuversicht, Hem!“ Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass der Mann, der ihn bereits seit vier Jahren vor den Häschern Ra’s versteckte, nachdem der erste Wiederstand durch einen heftigen Gegenschlag erstickt worden und seine Freunde durch die Jaffa Ra’s hingerichtet worden war.
    Damals hatte er erkannt, welches der richtige Weg zum Widerstand war. Er hatte die Menschen gelehrt, das Wesen, das sie so lange als Gott verehrt hatten, als das zu sehen was es eigentlich war – nur ein Parasit in einem menschlichen Körper ... +++



    ‚Das kann nicht sein! Ich war niemals vor mehr als fünftausend Jahren in Ägypten.. Und ich habe auch keinen Aufstand gegen Ra angeführt!’ wehrte sich Daniels Verstand gegen die Vision, aber die Bilder wollten nicht weichen, sondern wurden noch deutlicher und intensiver.

    Er spürte, dass er sich hingekauert hatte, um der Mumie ins Gesicht zu sehen und nach den vertrauten Zügen zu suchen, die so lebendig vor seinen Augen standen. Der Tote wirkte entspannt, er schien sogar zu lächeln. So wie es auch Hem getan hatte, als...


    +++ Die Schlacht hatte nur bis zur Abenddämmerung getobt, dann war es vorüber. Der Sandsturm, der dem Gemetzel ein Ende machte, hatte keinen natürlichen Ursprung besessen, denn er war durch die Triebwerke des startenden Raumschiffs verursacht worden. Ra war mit fliegenden Fahnen geflohen – so wie er es einst auf Abydos getan hatte ... nein tun würde, als ihm klar geworden war, dass ihm die Menschen nicht mehr in abergläubischer Furcht gehorchen würden.
    Hem war an einer Seite. Er war von Sand und Blut verschmiert, selbst an Armen und Beinen verletzt, aber seine Umarmung war immer noch kraftvoll. ‚Du hast uns in die Freiheit geführt, Dan’El. Du und deine Freunde, die aus der Unendlichkeit der Götterwelt kamen.’
    In Hems Lächeln mischte sich Erleichterung und tiefe Freude. Er holte tief Luft und wischte sich mit einem Tuch Schweiß und Schmutz aus dem Gesicht, ehe er weiter sprach. ‚Jetzt endlich, können wir in Freiheit und Frieden leben und müssen niemals wieder, die Willkür des Lebenden Gottes fürchten. Sieh Dan’El, wir haben alles zerstört, was an ihn erinnert.“
    Nein, das war noch nicht alles.
    Eines musste noch getan werden, um den Kreis zu vollenden.
    Er sah den Mann, der zu seinem Freund geworden war, ernst an.
    „Das reicht nicht. Ihr müsst auch das Tor umstürzen und tief im Sand vergraben. Nur wenn das geschieht, dann werdet ihr wirklich frei sein!“
    „Dann soll es so geschehen, Dan’El!“ +++



    Seine Stimme in diesen Erinnerungen klang rau und fremd. So als gehöre sie nicht zu ihm, und doch ... war sie die seine - ein Teil des brennenden Kopfschmerzes hinter seiner Stirn. Die Erinnerung schenkte weitere Bilder. Einen alten Mann an einem Grab im Wüstensand, in den der rothaarige Krieger gebettet worden war. Ein einsamerer Wanderer, der nur auf einen Stab gestützt in die Wüste hinaus zog, um einen einsamen Tod zu finden, in der Hoffnung, dass seine Überreste niemals entdeckt würden. Denn sie waren falsch in dieser Zeit, an diesem Ort.

    Das unangenehme Kribbeln erfüllte inzwischen Daniels ganzen Körper, als sei er einer unsichtbaren Strahlung ausgesetzt.

    So wie ... hier versagte seine Erinnerung für einen Moment und brachte ihn dazu tief durchzuatmen ... bei seinem Aufstieg.

    Der Schmerz verging, und für einen Moment fühlte er sich seiner stofflichen Existenz entrückt, gefangen in nicht fassbaren Raum voller Dunkelheit. Doch da war ein lichter Punkt, der auf ihn zuflatterte und sich dabei wie in einem unsichtbaren Wind bewegte.

    Er fing es unwillkürlich auf und schluckte.

    In seiner Hand hielt er für einen Moment einen Möbius-Streifen, ein einmal in sich verdrehtes und zusammen geklebtes Band. Dann löste es e sich in seinen Händen wieder auf und wurde zu funkelnden Sternen ... wie der glitzernde Sand in der Vitrine vor ihm.

    Daniel kehrte nun endlich in die Wirklichkeit zurück und fragte sich, warum er Feuchtigkeit in den Augenwinkeln verspürte und eine tiefe Traurigkeit in seinem Herzen, keine Verwirrung und schon gar keinen Schmerz mehr.

    Dann nahm er wahr, dass Valas Hände auf seinen Schultern ruhten. Sie beugte sich über ihn. „Hey, Daniel? Was ist mit dir los?“ erklang ihre Stimme neben seinem Ohr, ehe sie sich wieder aufrichtete, um mit jemandem zu sprechen. Was sie sagte konnte er nur bruchstückhaft verstehen, aber es war nicht wichtig – nicht im Moment.

    Er blinzelte. Jetzt endlich klärten sich die Nebel um seinen Geist ganz.

    Noch immer befand er fast sich in Augenhöhe mit der Mumie, aber er sah sie nicht mehr mit den Augen eines Wissenschaftlers und Historikers. Es waren nicht mehr nur die sterblichen Überreste eines Unbekannten – es war die fleischliche Hülle von Hem, den er einmal in einer anderen Zeit und an einem anderen Ort Freund genannt hatte.

    Und wenn nicht er selbst, dann ein anderes seiner Selbst.

    Er rieb sich über die Augen, während er sich darauf vorbereitete, aufzustehen, Vala und die anderen Umstehenden zu beruhigen. Eine tiefe Gewissheit breitete sich in ihm aus, die er jetzt zwar zu verstehen glaubte, aber auch erst einmal verdauen musste.

    Nun wusste er, was das Britische Museum immer so besonders für ihn gemacht hatte - woher das besondere Gefühl stammte, dass ihn jedes Mal an diesem Ort erfüllte

    Denn solcher Art war das Möbius-Band für jeden, der sich in ihm verfing –
    Die nicht fassbare Unendlichkeit.




    ENDE
    Geändert von Kris (20.01.2011 um 21:36 Uhr)
    Kolya, der Trust und ein irrer Serienkiller in:Im Grau der Schatten, Double Trouble & In den Händen des Schicksals. Ungekannte Abenteuerer von John Sheppard & Co in "Stargate Atlantis - Die verborgenen Szenen": Aufbruch in eine neue Welt und Das erste Jahr und Die Specials.

    John Sheppards Schicksal im Vegasverse :"Solitary Man" no more

    *Neu:* Kapitel 22 seit Okt 2016: Wenn der schlafende Tiger erwacht (Star Trek Into Darkness Prequel)
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  2. #2
    Ägypten-Fan Avatar von Valdan
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    Wow - das ist.... mir fehlen eigentlich die Worte...

    Es ist unheimlich intensiv und fesselt, zieht einen in die Gefühle Daniels und am Ende braucht man einen Moment, um wieder bei zu kommen.

    Vielen Dank.

    LG Val

    PS: Valas Argumente zum Thema Grabräuberei sind echt gut gewählt.
    "Der Mensch fürchtet die Zeit, doch die Zeit fürchtet die Pyramiden."
    arabisches Sprichwort

    ***


  3. Danke sagten:


  4. #3
    Leitung: Forum Avatar von Redlum49
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    Ich muss mich Valdans Worten anschließen: Wirklich sehr intensiv geschrieben

    Ich muss auch zugeben, dass ich erst auf dem falschen Dampfer war und die ganze Zeit erwartet hab, dass sich Daniel in der Mumie selbst erkennt, aber da war ich dann doch knapp daneben gelegen

    Wirklich eine schöne „Weiterführung“ von Möbius und mir fällt gerade auf, dass die Folge wohl sehr viel Potential für den FF-Bereich hat
    Der SG-P-Podcast mit TheRealNeo, shadow-of-atlantis und RodneysGirl
    Folge 1: Jack O'Neil(l) / Folge 2: Die Unas / Folge 3: Der Amazon/MGM-Deal
    Folge 4: Robert Kinsey

  5. #4
    Spooky :) Avatar von Saffier
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    Wow! Das war einfach....toll!!
    Ich hing auch wie die anderen die ganze Zeit wie gefesselt an dem Text.

    Irgendwie ist mir jetzt erst wirklich bewusst geworden, dass der Daniel ja ein anderer Daniel ist, als der, der beim Widerstand gegen Ra geholfen hat.
    Obwohl es ja eigentlich total logisch ist, dass es nicht der gleiche ist oO

    Zuerst habe ich auch gedacht, die Mumie könnte Daniel selbst sein, aber dass es sich dabei um Herm handelt erscheint mir jetzt im Nachhinein auch irgendwie passender.

  6. #5
    Artemi Avatar von Bram
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    Also bei der Story kann ich mich nur den anderen anschließen. Die ist einfach nur Wow. Eine tolle Idee und so gut und spannend umgesetzt. Ich weiß gar nicht was ich noch lange sagen soll, dabei hasse ich es so kurze Reviews zu geben.
    Gratuliere. Mit der Story hast du mich umgehauen.

  7. #6
    Meister der Ungehudeltheit Avatar von Terraner
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    Wow ist das richtige Wort.

    Sehr packend, sehr intensiv geschrieben... ich wäre überglücklich wenn die nächsten Beiträge zur "100 kleine Stargates"-Aktion auch nur ansatzweise diese Klasse erreichen würden.
    Geändert von Terraner (23.08.2010 um 17:31 Uhr)
    ...jetzt neu: [SGA] Grüne Hölle

  8. #7
    Lieutenant Colonel Avatar von Shahar
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    Da schliesse ich mich doch glatt meinen Vorrednern an. Ich habe dir ja schon oft gesagt, dass du unheimlich gut und fesselnd schreiben kannst. Aber diese Story ist wirklich... sie zieht einen schon ganz schön mit und lässt kaum los.

    Super geschrieben.
    Online:
    SGA: ALEXA: Freaky Fridays
    Lachen und Weinen liegen manchmal so dicht nebeneinander … vor allem Freitags


    Scarcrow and Dr. McKay: Wa(h)re Freundschaft
    Ein russischer Arzt nimmt an einem Ärztekongress in den Staaten teil, doch auf ihn wird ein Anschlag verübt. Will man hinter seine wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Medizin gelangen, oder hat er gar mehr zu bieten?

  9. #8
    Zitronenfalter Avatar von Sinaida
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    Wirklich, sehr gut und fesselnd geschrieben. Dir gelingt das mit Worten, was dem Britischen Museum mit seinen Ausstellungsstücken gelingt - den Leser/den Betrachter für einen Moment die Wirklichkeit und das Jetzt und Hier vergessen zu lassen und ihn in eine andere Zeit und Welt zu entführen.
    Schade, dass ich die Details von "Möbius" nicht mehr so gut im Gedächtnis habe - aber macht nichts, die Story konnte ich trotzdem genießen.

  10. #9
    Senior Airman
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    Das ist wirklich eine sehr fesselnde, wunderbar geschriebene Geschichte. Die Art wie Du den Handlungsbogen aufbaust, Daniels Empfindungen ziehen einen bis zum Schluß in emotionalen Bann. Ich liebe es besonders, wenn man reale Dinge mit SG-1 verknüpft, Zusammenhänge findet die durchaus so sein könnten.
    Leider war ich noch nie in London in diesem Museum, dank Deiner FF würde ich da gerne mal hin.

    Vielen Dank für dieses sehr gelungene Werk, das mich dazu veranlaßt Moebius noch einmal - vielleicht mit etwas anderen Augen - zu sehen.

  11. #10
    Lieutenant General Avatar von Antares
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    Das ist sehr schön geschrieben - und ich finde es klasse, dass Daniel herausfindet, dass er "die Mumie" mal kannte.
    Das läßt einen doch fragen, ob es wirklich so pietätvoll ist, Menschen auf diese Art und Weise nach ihrem Tode auszustellen.

  12. #11
    Major General Avatar von Kris
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    So, ich denke, es ist an der Zeit mich für die Kommentare und die vielen "Danke" zu bedanken und will nun endlich auf eure Kommentare eingehen.

    Erst einmal vielen Dank, dass ihr sie alle so intensiv wahr genommen habt. Das hätte ich nicht gedacht, denn ich war mir anfangs sehr unsicher, ob ich nicht zu sehr daneben liege.



    @ Valdan: Ich habe es im Nachhinein auch als intensiv empfunden. Wie gesagt, die Geschichte geisterte mir schon eine ganze Zeit durch den Kopf, und gerade jetzt schien es mir passend, sie aufzuschreiben.
    Da waren dann auch die Gefühle wieder da, die ich selbst hatte, als ich vor der Vitrine stand.
    Und was Valas Überlegungen angeht ... na ja, das musste einfach sein, denn im Grunde stimmt es ja auch, dass man im 19. Jahrhundert unter Archäologie noch etwas anderes verstand.

    @ Redlum49: Das interessante ist - ich habe nie auch nur in Erwägung gezogen, aus der Mumie Daniel zu machen. In der Hinsicht denke ich vermutlich zu mathematisch kompliziert, aber ich denke, das macht auch die Überraschung bei der Geschichte aus. Und die Komplexität des Zeitebenen-Denkens, die ja in "Zurück in die Zukunft 2" so nett erklärt wird

    @ Saffier: Als ich über das Britische Museum nachdachte, ist mir auch "Moebius" in den Sinn gekommen, und das hat mich dann auf die Idee gebracht, die beiden Sachen in Verbindung zu bringen, zumal die entsprechenden Mumien auch "etwa" aus der Zeit kommen, in der laut der Zeitlinie der Serie der Aufstand gegen Ra gewesen sein muss. Und dann fügte sich das eine in das andere.

    @Bram: Wie gesagt, es ist manchmal ganz seltsam, wie ich auf meine Ideen komme, und ich bin froh, wenn das so gut ankommt.

    @ Terraner: Du machst mich mit deinem Kommentar ganz verlegen, aber ich freue mich unheimlich, weil mir das gerade den Mut gibt, auch weiterhin die eher komplexen Geschichten zu schreiben, wobei diese natürlich auch noch etwas ganz besonderes ist.

    @ Sinaida: "Moebius" hatte ich jetzt auch nicht mehr so gut in Erinnerung, aber es reichte aus, um sich an ein paar wichtige Dinge zu erinnern, die sich dann mit meinen eigenen Impressionen vom Britischen Museum zusammen fügten. Man merkt, dass du auch da warst. Allein die großen Exponate in der Haupthalle erschlagen einen ja schon, und dann kann man sich munter verlaufen, wie es uns beim ersten Mal passiert ist.

    @ GarfieldmyHero: Danke auch für dein großes Lob. Ich versuche immer die Gedankengänge meiner Protagonisten sehr anschaulich und nachvollziehbar zu machen und hier war ich auch nachher froh, dass sie sich so gut entwickelt hat.
    Das Britische Museum ist ein Erlebnis für sich. Du wirst regelrecht erschlagen, bei dem, was du zu sehen bekommst, und im Grunde kann man sich mehrere Tage in ihm aufhalten, da es sehr viele Abteilungen gibt. Und manches ist sogar anfassbar ohne trennende Glasscheibe gewesen. Gerade beim Stein von Rosette fand ich das so bemerkenswert.

    @ Antares: Ich muss zugeben, ich habe bei der Betrachtung der Mumie auch selbst eine Mischung aus Scham und Faszination in mir gefühlt und mich ähnlich wie Daniel auch hingekauert. Denn in dem Moment habe ich mich auch gefragt, ob das wirklich so fair ist, den Toten so nackt und verletzlich auszustellen. Bei anderen Mumien in der ägyptischen Abteilung hatte ich dann nicht so viele Probleme.


    Auf jeden Fall nochmals vielen lieben Dank für eure Reaktionen! Mal sehen, wann ich mir die nächste Geschichte einfallen lasse, aber ich will ja auch ein wenig an "Solitary Man" weiter arbeiten. Aber mal sehen. Erste weitere Ideen habe ich schon.
    Kolya, der Trust und ein irrer Serienkiller in:Im Grau der Schatten, Double Trouble & In den Händen des Schicksals. Ungekannte Abenteuerer von John Sheppard & Co in "Stargate Atlantis - Die verborgenen Szenen": Aufbruch in eine neue Welt und Das erste Jahr und Die Specials.

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  13. #12
    Major General Avatar von Kris
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    Ich habe mir erlaubt, oben noch ein Titelbild einzufügen, das ich recht schön finde und euch zeigen wollte, deshalb schubse ich die Geschichte noch einmal nach oben!
    Kolya, der Trust und ein irrer Serienkiller in:Im Grau der Schatten, Double Trouble & In den Händen des Schicksals. Ungekannte Abenteuerer von John Sheppard & Co in "Stargate Atlantis - Die verborgenen Szenen": Aufbruch in eine neue Welt und Das erste Jahr und Die Specials.

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