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Keep The Magic Secret!

Merlin-FF: Neue Zeiten (2/?)

Bewertung: 3 Stimmen mit einer durchschnittlichen Bewertung von 5,00.
Und hier kommt auch schon () Teil 2 meines Merlin-WiPs! *g*

Teil 1 gibt es hier.

Viel Spass!


In Gedanken versunken, den Blick starr auf Morgana gerichtet, ritt Merlin am Ende der kleinen Prozession, die sich am nächsten Morgen zu diesem ominösen Picknick aufgemacht hatte. Ihr Ziel war eine ausgedehnte Lichtung in der Nähe des Flusses nördlich von Camelot. Sir Leon bildete die Spitze des Zuges, ihm folgten Uther und Morgana, die in ein angeregtes Gespräch vertieft schienen. Mehr als nur einmal seufzte Merlin lautlos auf, als er die beiden beobachtete. Wie konnte jemand, der sonst überall Verrat und Verschwörungen sah, nur so blind sein?

Hinter dem König und seinem Mündel ritt Gwen, und an ihrer Seite – rein zufällig natürlich – Arthur. Merlin wusste, dass es sich für den Prinzen nicht schickte, ein offenes Gespräch mit Morganas Zofe zu führen. Aber die Blicke, die sich die beiden zuwarfen, sprachen dafür mehr als Tausend Worte. Arthur konnte wohl von Glück sagen, dass sein Vater so sehr mit Morgana beschäftigt war, denn dieser verschämte Austausch gegenseitiger Zuneigung war alles andere als subtil. Gerne hätte Merlin die beiden weiter beobachtet. Noch mehr „Beweise“ für Arthurs nur allzu offensichtliche Gefühle Gwen gegenüber zu sammeln, um ihn später damit aufziehen zu können, wäre eine so viel angenehmere Beschäftigung gewesen. Doch seine Aufgabe war eine andere. Und so wanderte sein Blick zurück zu Morgana und seine Gedanken zu den vielfältigen Warnungen, die ihm Gaius noch am Morgen mit auf den Weg gegeben hatte: Sei vorsichtig, Merlin! Tu nichts Unbedachtes! Benutz keine Magie, es sei denn, es ist wirklich unerlässlich. Halt die Augen offen.

Und auch wenn diese Mahnungen unnötig gewesen waren, schließlich war sich Merlin ganz genau bewusst, mit wem er es zu tun hatte, so hatten sie doch auch ein Gefühl der Wärme in ihm hervorgerufen. Gaius war um ihn besorgt, wie ein Vater um seinen Sohn, und er konnte sich leicht vorstellen, dass Balinor dieselben Worte für ihn parat gehabt hätte. Wehmütig schüttelte er den Gedanken an seinen wahren Vater ab und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt. Dies war nicht der Moment, um sentimental zu werden.

Merlin hatte mit Gaius bis tief in die Nacht gerätselt, was Morgana im Sinn haben könnte. Für den jungen Zauberer hatte festgestanden, dass sie einen günstigen Moment abpassen wollte, um dem König Schaden zuzufügen, ihn vielleicht sogar auf der Stelle zu töten. Aber der alte Mann hatte seine Zweifel gehabt. Er hatte ebenfalls in Erwägung gezogen, dass Morgana eventuell nicht so sehr darauf aus war, Uther zu schaden, als vielmehr Merlin selbst aus dem Weg zu räumen. Immerhin war er der Einzige, von dem Morgana wusste, dass er ihre zukünftigen Pläne, wie auch immer diese aussehen mochten, zu durchkreuzen vermochte.

Gaius’ düsterer Verdacht hatte Merlin nicht losgelassen. Und auch, wenn er nicht wirklich daran glaubte – wie hatte sie schließlich wissen können, dass er tatsächlich auf diesem Ausflug mit dabei sein würde? –, konnte er sich nicht des flauen Gefühls erwehren, das sich in seinem Magen eingenistet hatte. Wenn er doch nur ihre Gedanken lesen könnte ...

„Du kannst froh sein, dass keine Kühe in der Nähe sind.“

Merlin wurde jäh aus seinen Überlegungen gerissen, als er plötzlich Arthurs Stimme vernahm. „Was?“ Er hatte nicht bemerkt, dass der Prinz den Platz an Gwens Seite verlassen hatte und nun neben ihm ritt. „Warum?“, hakte er verwirrt nach, als die Worte seines Herren nach einigen Umwegen endlich sein Gehirn erreicht hatten.

„Na, bei dem Gesicht, das du ziehst, würde jede Kuh im Umkreis von drei Meilen nur noch saure Milch geben.“ Arthur grinste ihn herausfordernd an, bevor er fortfuhr: „Und ich glaube kaum, dass du die Entschädigungsgelder dafür zahlen könntest.“

„Wer sagt, dass ich die Entschädigungsgelder zahlen müsste?“, schoss Merlin zurück. „Die griesgrämige Miene, mit der Ihr gestern herumgelaufen seid, hat doch ohnehin schon die Milch in ganz Camelot verdorben.“ Unschuldig lächelnd sah er Arthur an. Er war froh, die Situation so schnell wieder unter Kontrolle gebracht zu haben. Unglücklicherweise hatte er nicht mit Arthurs Hartnäckigkeit in diesem Fall gerechnet. Wer konnte denn auch ahnen, dass der Depp genau diesen Moment zu einer der seltenen – sehr seltenen! – Gelegenheiten auserkoren hatte, bei denen er tatsächlich Interesse an Merlins Gemütszustand zeigte.

„Lenk nicht ab, Merlin. Ich will wissen, was mit dir los ist. Und erzähl mir nicht, es ist nichts. Hat es etwas mit Morgana zu tun?“

Und was um Himmels Willen war mit Arthurs überaus nützlicher Blindheit gegenüber den Dingen, die er nicht mitbekommen sollte, geschehen?

„Wie ... wie kommt Ihr darauf, Sire?“, entgegnete Merlin, wich aber Arthurs bohrendem Blick gekonnt aus. Eine Eigenschaft, die er im Laufe der Jahre perfektioniert hatte – und der Sattelknauf war ohnehin um so vieles faszinierender.

„Merlin, ich sagte doch schon einmal, dass du mir nichts verheimlichen kannst“, erklärte Arthur selbstgefällig, scheinbar hatte er aus Merlins ausweichender Reaktion schon seine eigenen Schlüsse gezogen. „Also, was ist es? Hat sie dich beim Kleiderklau erwischt? Oder hat sie dir letztendlich doch eine Abfuhr erteilt?“ Süffisant grinsend sah er Merlin an.

So viel zu Arthurs lichten Momenten. Natürlich dachte dieser hoheitliche Holzkopf nur an so etwas. Insgeheim stöhnte Merlin auf. Wie hatte er nur annehmen können, dass Arthur tatsächlich einen Verdacht gehabt hatte, was Morgana betraf? Seltsamerweise war er dennoch hin- und hergerissen zwischen Erleichterung und Enttäuschung über den Verlauf, den dieses Gespräch genommen hatte. Einerseits schrie alles in ihm danach, Arthur von Morgana zu erzählen, andererseits würde er damit sein eigenes Leben – und womöglich nicht nur das – aufs Spiel setzen. Aber vielleicht war dies trotz allem der geeignete Augenblick, um das Risiko einzugehen. Und wie so oft in seinem Leben, vor allem dann, wenn er frustriert oder emotional belastet war, übernahm sein Mund das Handeln und drängte den Verstand in den Hintergrund.

„Nein, Arthur, es ist ganz anders, als Ihr denkt. Morgana ...“ Merlin atmete noch einmal tief durch und sah nach vorne, um sich zu vergewissern, dass die junge Frau noch immer mit Uther beschäftigt war. Doch genau in diesem Moment wandte sich Morgana zu ihm um, ein undeutbarer Ausdruck lag auf ihrem ebenmäßigen Gesicht. Merlin zuckte unmerklich zusammen. Jetzt saß er in der Zwickmühle. Ihm war nur allzu bewusst, dass Arthur auf eine Erklärung wartete. Er konnte den fordernden Blick des Prinzen praktisch spüren. Aber was, wenn Morgana ...

„Merlin! Jetzt spuck es endlich aus! Oder soll ich hier bis zum jüngsten Tag warten?“

Also gut. Jetzt oder nie. Merlin drehte sich zu Arthur um und bemühte sich, seiner Stimme einen eindringlichen und festen Klang zu verleihen.

„Morgana hat ... sie ... sie ist ...“ Oh ja, das klappte wirklich ganz hervorragend. Aber wie machte man auch jemandem begreiflich, dass seine Ziehschwester nicht der liebevolle Mensch war, der sie vorgab zu sein, sondern stattdessen darauf aus war, den König zu töten und Camelot zu zerstören? Bar jeder Worte starrte er Arthur an, als ob er in dessen Gesicht irgendetwas finden konnte, das ihm half, die Situation zu erklären. Aber alles, was er dort vorfand, war eine sich immer weiter steigernde Ungeduld.

„Merlin, was ist ...?“

„Gibt es ein Problem?“

Merlin gefror das Blut in den Adern, als er Morganas Stimme so unvermittelt neben sich hörte. Die betont beiläufig gestellte Frage implizierte durch nichts, dass sie den Anfang ihrer Unterhaltung mitbekommen hatte, und doch konnte sich Merlin den Grund ihres plötzlichen Auftauchens in seiner ganzen farbenfrohen Pracht ausmalen. Innerlich zitternd wandte er seine volle Aufmerksamkeit wieder dem Sattelknauf zu. Ein Wort von Arthur und er dürfte in wohl nicht allzu ferner Zukunft Bekanntschaft mit dem Scheiterhaufen machen.

„Nein, Morgana, es ist alles in Ordnung, nur das Übliche. Merlin hier meinte die Gunst der Stunde zu nutzen, um mir zu gestehen, dass er ...“, Arthur machte eine kurze Pause, „... vergessen hat, meine Hunde heute Morgen noch auszuführen. Nun, er ist derjenige, der später den Dreck beseitigen darf, nicht wahr, Merlin?“

„Ja, Sire“, entgegnete Merlin hastig und hoffte inständig, dass man ihm seine Verwirrung nicht zu sehr anmerkte. Warum hatte Arthur gelogen? Und mindestens ebenso wichtig war, hatte Morgana ihm diese Lüge abgekauft? Er wagte einen schnellen Seitenblick. Auch sie schien irritiert, wenn er das leichte Runzeln ihrer Stirn richtig deutete, aber sie ging mit einem verhaltenen Lächeln auf die Erklärung ein, bevor sie abrupt das Thema wechselte.

„Also gut, Arthur, was hast du so in dem letzten Jahr getrieben? Irgendwelche weiblichen Bekanntschaften, von denen ich wissen müsste?“, wollte Morgana im Plauderton wissen und zwinkerte dem Prinzen vergnügt zu. Und während die beiden Adligen offenbar zwanglos begannen, das vergangene Jahr aufzuarbeiten, ließ Merlin sich zurückfallen und versuchte, sein rasendes Herz wieder zu einer normalen Gangart zu bewegen. Das war knapp gewesen.


tbc

Aktualisiert: 17.10.2010 um 22:08 von Chayiana

Stichworte: fanfic, merlin
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Kommentare

  1. Avatar von stargatefan74
    Er hatte ebenfalls in Erwägung gezogen, dass Morgana eventuell nicht so sehr darauf aus war, Uther zu schaden, als vielmehr Merlin selbst aus dem Weg zu räumen.
    Hmh, ja da ist was dran.

    Ich meine, es dürfte auch mit Hinterhalt, gar nicht so einfach sein nur Uther umzubringen. Arthur, Gwen und Merlin wären als Zeugen ja schließlich auch noch vorhanden. Es wäre ein leichtes für Morgana, mit Uther alleine einen Ausflug zu machen. Wäre ja nicht das erste Mal und damals hatte sie das auch geplant und hätte auch geklappt, wenn sie nicht eingegriffen hätte, bzw. zur Not auch Merlin.

    Das sie es auf Merlin abgesehen hat, könnte daher gut möglich sein und mit viel Glück, aus ihrer Sicht, würde er sich vor Uther und Arthur als Zauberer verraten und dann wäre sie ihn eh ganz schnell los.

    Und was um Himmels Willen war mit Arthurs überaus nützlicher Blindheit gegenüber den Dingen, die er nicht mitbekommen sollte, geschehen?
    So viel zu Arthurs lichten Momenten. Natürlich dachte dieser hoheitliche Holzkopf nur an so etwas.
    Wie recht Merlin doch hat.

    Das war aber sehr nett von Arthur. Hat er jetzt so reagiert, um Merlin eine gewisse Blöße zu ersparen? Oder vielleicht doch, weil er insgeheim ahnt, dass mit Morgana was nicht stimmt und er ja auch den Blick von Merlin zu Morgana im Thronsaal aufgeschnappt hat?

    Dein Schreibstil und die Ausschmückungen sind wie eh und je einfach klasse und macht Spaß zu lesen.

    Ich freue mich auf den nächsten Teil.
  2. Avatar von Chayiana
    Hey du, erst mal vielen Dank! Freut mich wirklich, dass es dir gefaellt ... bin ja quasi immer noch ein Neuling, was das Merlin-Schreiben angeht. *gg*

    Hm, nur viel mehr kann ich an dieser Stelle gar nicht schreiben, denn wenn ich auf deine Ueberlegungen eingehen wuerde, wuerde ich sehr wahrscheinlich schon zu viel verraten ... *gg* ich fuerchte, du wirst dich gedulden muessen, was die wahren Hintergruende sind und wer, was warum tut ...

    In diesem Sinne, bis demnaechst in diesem Theater!
  3. Avatar von claudi70
    Hi,
    nun hast du es doch tatsächlich geschafft und hast mich mit dem Merlinfieber infiziert. hab, nachdem ich mir die ersten Folgen gestern im Fernsehr angesehen habe, gleich mal an anderer Stelle weitere Folgen dann im Orginal angesehen. es war eine lange Nacht sag ich dir, oder war sie im entefekt doch sehr kuerz... *fg*
    Auf jeden Fall bin ich jetzt sehr neugierig geworden und werde weiter am Ball bleiben.
    Und was deine FF angeht, wirklich klasse geschrieben. Auch wenn ich noch nicht all zu viele Folgen gesehen habe, triffst du die Charaktere super.
    Bin schon sehr neugierig, wie es weiter geht.
  4. Avatar von Chayiana
    Zitat Zitat von claudi70
    Hi,
    nun hast du es doch tatsächlich geschafft und hast mich mit dem Merlinfieber infiziert.
    Hehehe, sehr schoen! *Kerbe in den Bettpfosten ritzt*

    Auf jeden Fall bin ich jetzt sehr neugierig geworden und werde weiter am Ball bleiben.
    So soll das sein! *g* Ich beneide dich ein wenig, dass du praktisch noch alles vor dir hast ... Und glaub mir, die Serie wird von Staffel zu Staffel besser!

    Und was deine FF angeht, wirklich klasse geschrieben. Auch wenn ich noch nicht all zu viele Folgen gesehen habe, triffst du die Charaktere super.
    Bin schon sehr neugierig, wie es weiter geht.
    Vielen, lieben Dank fuer das Lob! Fuer Merlin zu schreiben, ist ja auch fuer mich noch irgendwie neu, da bin ich natuerlich froh, dass ich die Charas einigermassen treffe. *puh* Ich hoffe nur, ich spoilere dich mit der FF nicht zu sehr ...
  5. Avatar von Sinaida
    Waah, das war jetzt richtig spannend! Merlin so kurz davor Arthur einzuweihen (und dass er da Probleme hat, die richtigen Worte zu finden, ist verständlich) und dann kommt Morgana dazwischen. Aber Arthurs Reaktion dann ist ja wirklich interessant. Ich bin echt gespannt wie's weitergeht und kann ja zum Glück gleich weiterlesen.

    Mir gefällt die FF bisher echt sehr gut. Du triffst die Charaktere wirklich gut, die Dialoge klingen natürlich und ich kann die Szenen richtig vor mir sehen.